2 NA
Inhaltverzeichnis
Seite NA
1. Einleitung 3
2. Voyeurismus 5 Voyeurismus......................................................................................................5
2.1. Voyeurismus in Medien 7
2.2. Das Big Brother Phänomen 10
3. Wenn die Utopie zur realen Welt wird 13
3.1. 1984 von George Orwell 13
3.2. 1984 heute 15
3.2.1. Moderne Technologie 16
3.2.2. Internet 16
3.2.3. Erschreckende Entwicklung (Staatliche Überwachung) 17
3.2.4. Digitale Kameras 18
3.2.5. Perversionen 20
3.2.6. Zukunftsmusik mit Gruseleffekt 21
4. Die Truman Show 25
4.1. Truman Burbank als Archtyp 25
4.2. Die Illusion..................................................................................................25
4.3. Die Truman Show: Die Story 27
4.4. Das Vorspiegeln falscher Welten 29
4.5. Die Auflehnung 31
5. Anmerkung und Zusammenfassung 31
Quellenangabe 35
1. Einleitung
„Der gläserne Mensch“
Vor wenigen Jahrzehnten war dieser Ausdruck noch eher medizinisch gemeint, man sprach davon, in das Innere eines Menschen schauen zu können. Von der Kirche war dies verboten worden, man sprach von der Entweihung des Körpers, vom Schänden des Geistes. Im nachhinein wissen wir, dass es nur zum Schutz der heiligen Schrift geschah, die man in Gefahr sah, wenn bekannt würde, wie der Körper wirklich funktioniert. Der Pioniergeist des Menschen jedoch setzte sich durch, das Geheimnis gelüftet, als es erlaubt wurde, einen menschlichen Körper zu sezieren, damit war das Mysterium enträtselt und alte Vorstellungen, von den vier Körpersäften, gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut, widerlegt.
In unserer Zeit hat der Ausdruck „gläserner Mensch“ eine Inhaltsverschiebung erfahren. Es geht nicht mehr um das Sichtbarmachen von Arterien oder das Freilegen eines menschlichen Herzens, nein, es geht vielmehr um das Durchleuchten der Persönlichkeit, der Intimsphäre, des Heims. Wir wollen Zeuge sein, wollen am Leben anderer Menschen teilnehmen, wollen unser eigenes Leben in den Vordergrund drängen, uns Präsenz verschaffen. Voll Überraschung müssen wir feststellen, dass dieses Verlangen schon so alt ist wie der Mensch selbst. Zwar sind wir ein wenig fortschrittlicher als im alten Rom, hauptsächlich bedingt durch unsere multimediale Vernetzung mit dem Rest der Welt aber auch zu Caesars Zeiten setzten die Menschen sich in Szene, wurden gehetzt von Paparazzi, war das Treiben am Hofe von Ludwig dem Vierzehnten von öffentlichem Interesse.
Ein Wort, das in dieser Thematik schon ihren festen Platz etabliert und gefestigt hat, ist der Ausdruck des Voyeurismus. Auf gut deutsch spannen. Nicht mitmachen, sondern zuschauen, anonym, im Verborgenen. Voyeurismus weckt die Neugierde und Begierde in jedem Menschen, keiner kann sich davon freimachen, jeder schaut verstohlen zu und jeder, der zum gewollten oder ungewollten Zuschauer wird, ergötzt sich an dem ihm Dargebotenen. Sicherlich hat der Voyeurismus durch die Multimedialität unserer Gesellschaft einen Boom erfahren aber spätestens seit Sigmund Freud wissen wir, dass dieses Verlangen zuzuschauen tief in uns verankert liegt. Die Filmindustrie kokettiert mit diesem Verlangen und bringt zuweilen Filme
heraus, die uns empören und heftige Diskussionen in der Gesellschaft auslösen. Natürlich kann man diesen Zustand nur als heuchlerisch bezeichnen, weil es immer unangenehm ist, auf seine niedersten Instinkte angesprochen zu werden. Einer dieser Filme, der die Phantasie des Rezipienten und den Voyeurismus förmlich auf die Spitze treibt, ist der Film „The Truman Show“. Er soll im zweiten Teil dieser Arbeit maßgeblich veranschaulichen, wie weit wir bereits sind. Die meisten Menschen belächelten Julé Vernes Werke zu seiner Zeit, keiner tut das heute mehr. Viele Menschen hielten „1984“ von George Orwell für eine Utopie, auch das tut heute keiner mehr. Vielleicht gibt es irgendwann eine Truman Show und keiner wird es dann mehr für übertrieben karikiert halten.
Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich zum einen mit den Vorreitern von „The Truman Show“, zum anderen mit der realen „Truman Show“, in der wir selbst leben. Vielleicht offenbart sich im Verlaufe dieser Arbeit, dass das Phänomen des aus dem Werk von George Orwell stammenden, immer wieder aufgegriffenen, Kultsatzes: „Big Brother is watching you!“, viel realer ist, als man zu glauben meint.
2. Der Voyeurismus 1
Filmisch gesehen, hat es schon viele Werke zu diesem Thema gegeben. Eigentlich, kann man das Betrachten eines Films bereits als einen voyeuristischen Akt bezeichnen, denn es wird am Leben eines oder mehrer Individuen partizipiert. Spezielles Erkennungsmerkmal jedoch für einen Film mit ausgeprägten voyeuristischen Tendenzen sind Szenen, die ein Unbehagen beim Zuschauer verursachen, weil dieser das Gefühl hat, über eine unsichtbare Grenze zu gehen, die er im „wahren“ Leben nicht überschreiten würde oder dürfte. Zumeist haben diese Filme auch einen sexuellen Hintergrund, der das ganze noch pikanter macht. Sexuelle Auswüchse, die im „wahren“ Leben nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert werden, werden schamlos gezeigt. Einige filmische Beispiele hierfür wären zwei Filme von David Lynch, so z.B. „Blue Velvet“ oder „Wild at Heart“. Hier wird der Zuschauer durch geschickte Kameraführung ungewollt zum Voyeur, zum Mitwisser, zum ungewollten Teilnehmer. Im Falle von „Blue Velvet“ und „Wild at Heart“ spielt
1
Quelle: http://www.sgu.ul.bw.schule.de/buchvor/bvt10.htm http://pages.citenet.net/users/charles/links.html
Sex in der Verbindung mit Gewalt eine tragende Rolle, was natürlich eine provokante Mischung bietet. Zwei andere Beispiele, die unbedingt Erwähnung finden müssen, sind zum einen der Film „Sliver“ 2 von Phillip Noyce und zum anderen „Das Fenster zum Hof“ 3 von Alfred Hitchcock.
Ein kurzer Abriss zu beiden Filmen soll den Akt des Voyeurismus verdeutlichen. „Sliver“ „Sliver“ heißt ein 32-stöckiger Wolkenkratzer in New York City. Die soeben geschiedene Lektorin Carly Norris (Sharon Stone) bezieht hier ihr neues Appartement. Was sie nicht weiß: Ihrer Vormieterin Naomi hat unter mysteriösen Umständen Selbstmord begangen. Im Waschraum trifft Carly auf Zeke (William Baldwin). Er gibt ihr, was sie sehnlichst sucht: belebende Liebe, ekstatischen Sex. Der Romantiker stellt Carly Dutzende von Rosensträußen in die Wohnung und schickt per E-Mail heiße Liebesbotschaften auf ihren Bürocomputer. Mehrere tödliche Unfälle ereignen sich im Haus und wie es scheint, weiß Zeke außergewöhnlich viel über die Nachbarn und die Geschehnisse. Schließlich enthüllt er Carly auch, warum: Er ist der Besitzer des Wolkenkratzers und hat sämtliche Räume im Gebäude mit winzigen Deckenkameras ausstatten lassen. Nun überwacht er die unwissenden Bewohner in einem monströsen Videoraum. Carly ist angewidert, doch zugleich fasziniert: Was sie zu sehen bekommt, ist spannender als jede Fernsehsoap. Auf jede Wohnung lässt sich schalten, jeder Raum kann eingesehen werden. Das reale Leben wird gezeigt in all seiner Schönheit und Hässlichkeit. Aber ist Zeke wirklich nur ein harmloser Voyeur oder hat er sich auch an unschuldigen Menschen vergangen? Hat er Carlys Vormieterin getötet? Ist er liebenswert oder gemeingefährlich? Das muss Carly herausfinden.
„Das Fenster zum Hof“
Nach einem Unfall ist der Fotoreporter Jeff (James Stewart) vorübergehend an den Rollstuhl gefesselt und kann seine Wohnung nicht verlassen. Die einzige Abwechslung in der ungewohnten Bewegungslosigkeit sind die Besuche seiner Verlobten, Lisa (Lisa Fremont). Sonst bleibt Jeff nur der Blick aus dem Fenster. Von hier aus kann er nicht nur den Hinterhof überblicken. Der Blick des Fotografen dringt
2
Quelle: http://www.tu-film.vo.tu-muenchen.de/programs/ss95/sliver.html
3 Quelle: http://www.dem.de/entertainment/kino/1005/100556.html
bis in die Wohnungen seiner Nachbarn. Da ist die einsame Miss Lonely Hearts, das kinderlose Ehepaar, das all seine Liebe auf einen Hund projiziert, das frisch verheiratete Paar, das den ganzen Tag im Bett verbringt. Miss Torso ist eine Tänzerin, die in spärlicher Kleidung zu Hause übt – sehr zum Vergnügen der Nachbarschaft. Ein frustrierter Komponist sucht Erfüllung im Alkohol, und dann ist da noch Mr. Thorwald, der sich mit seiner behinderten Frau im Dauerclinch befindet. Jeffs analytischem Blick scheint nichts zu entgehen. Eines Nachts hört der zur Untätigkeit verdammte Beobachter einen Schrei. Kurz darauf bemerkt er, wie Mr. Thorwald mehrmals seine Wohnung verlässt und jedes Mal einen Aluminiumkoffer dabei hat. Anschließend wird Jeff Zeuge, wie Thorwald das Innere des Koffers und die Wände des Badezimmers reinigt. Durch sein Teleobjektiv kann er genau sehen, dass sein Nachbar eine Säge und ein Küchenmesser in Zeitungspapier einpackt. Ein furchtbarer Verdacht steigt in ihm auf....
Diese beiden Filme verdeutlichen den Akt des Voyeurismus auf eindruckvolle Art und Weise. Beide befassen sich mit dem Akt des Zuschauens, beide behandeln das Thema der Gewalt, sprich des Verbrechens, und beide verbindet das Element der Mitwisserschaft des Zuschauers. Zwar ist im älteren von beiden Filmen, sprich im „Fenster zum Hof“, der Akt des „Spannens“ sehr zaghaft und naiv dargestellt aber auch hier zeigt sich die Faszination des Hinschauens.
Was ist nun klinisch gesehen die Definition des Voyeurismus? Eigentlich das, was allseits bekannt ist. 4 1. Wiederholte oder andauernde Neigung, andere Menschen bei sexuellen
oder intimen Tätigkeiten, wie z.B. Entkleiden, anzuschauen, mit sexueller Erregung und Masturbation 2. Es besteht nicht der Wunsch, die eigene Anwesenheit zu offenbaren. 3. Es besteht nicht der Wunsch, mit den Beobachteten eine sexuelle
Beziehung einzugehen.
Der letzte Punkt ist meines Erachtens bezeichnend. Es ist nur der Wunsch, zuzuschauen, ohne aktiv zu werden. Ist dann nicht auch das Sitzen auf dem Sofa
4
Quelle: http://www.informatik.fh-luebeck.de/icdger/f65_3.htm
und das Schauen von Talkshows, in denen die Menschen ihr Innerstes nach außen kehren, eine Form des Voyeurismus? Dies gilt es im Folgenden zu verifizieren.
2.1. Voyeurismus in Medien 5
Als ein Beispiel soll ein Interview herhalten, das vom Abendblatt mit dem Medienforscher Hans-Jürgen Weiß über die Trends im Fernsehen geführt wurde.
ABENDBLATT: Herr Professor, warum sind die Fernsehzuschauer so fasziniert von provinziellen Millionären und Big-Brother-Normalos? Verblöden wir komplett?
WEISS: Der Voyeurismus hat immer zwei Grundformen gehabt. Die "Bild" macht das seit Jahrzehnten vor. Interessant sind einerseits Promis, andererseits der Blick ins Fenster des Nachbarn. Es gibt auch immer mehr Leute, die ihren Narzissmus und Exhibitionismus im Fernsehen oder im Internet ausleben. Big Brother befriedigt beide Seiten dieses Kleine-Leute-Voyeurismus.
ABENDBLATT: Und das Wort "Million", das neuerdings in jedem zweiten Showtitel vorkommt, befriedigt wohl unsere Gier...
WEISS: In der Tat sind Geld und Sex immer Schlüsselreize. Hinzu kommt die Empathie, das Mitfühlen. In München machen Zeitungen ihre höchsten Auflagen mit rührseligen Hundegeschichten.
ABENDBLATT: Immer mehr Zuschauer nehmen die Boulevard-Shows an. Müssen wir uns um das geistige Niveau unserer Gesellschaft sorgen?
WEISS: Boulevard hat es immer gegeben. Im Mittelalter war das der Marktplatz. Gefährlich wird es, wenn alles auf Boulevard getrimmt wird. Beim Vollprogramm- Sender RTL gibt es nur noch drei Prozent politische Berichterstattung, bei RTL 2 gerade 0,1Prozent. Und wenn Sie deren Nachrichten sehen - das glauben Sie
http://www.haonline.de/bin/ha/set_frame/set_frame.cgi?seiten_url=/contents/ha/news/allgemeines/htm l/060101/1106PAAR2.HTM
Arbeit zitieren:
Magister Artium Kevin Kutani, 2002, The Truman Show, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Peter Weirs: The Truman Show - Die Sprache der Bilder
Seminararbeit, 19 Seiten
Art or propaganda: What should be the goal of African American art and...
A debate between W.E.B. Du Boi...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Peter Weir's "The Truman Show": The ultimate hidden Came...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hauptseminararbeit, 33 Seiten
Religiöse, theosophische und gnostische Elemente im Film "Die Tru...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 27 Seiten
Kevin Kutani's Text The Truman Show ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kevin Kutani hat den Text The Truman Show veröffentlicht
Kevin Kutani hat einen neuen Text hochgeladen
STUDENT COMPANION TO GEORGE OR
M Brunsdale
0 Kommentare