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Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 4
2. Chronik des Störfalls im AKW Tschernobyl 7
2.1. Der Verlauf 7
2.2. Details und Fakten 10
2.2.1. Recherche und Quellen 11
2.2.2. Die Hauptthemen 11
2.2.2.1. Vertuschung 12
2.2.2.2. Evakuierung 14
2.2.2.3. Liquidatoren 15
2.2.2.4. Auswirkungen 17
3. Dokumentation: Ich bediente den Reaktor 19
3.1. Der Aufbau (Dokumentationsprotokoll) 20
3.1.1. Die Personen 20
3.1.2. Drehorte 21
3.1.3. Themen 22
3.1.4. Atmosphäre Emotion 23
3.2. Das Neue 23
3.2.1. Stilistische Umsetzung der Dokumentation 24
3.2.2. Objektive Berichterstattung oder Sensationshascherei 24
4. RASPAD DER ZERFALL 25
4.1. Der Aufbau 25
4.2. Die Personen 26
4.3. Drehorte 27
4.4. Die Geschichte im Schnelldurchlauf 28
4.5. Die Effekte die Botschaften und versteckter Symbolismus 31
4.6. Verdeutlichende Dialoge 32
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5. Gegenüberstellung von Dokumentation und Spielfilm 32
5.1. Wie wird die Thematik aufbereitet 32
5.1.1. Gibt es Gegensätzlichkeiten Parallelen 33
5.1.2. Anklagen 34
5.2. Thema Sachlichkeit contra Emotionen 34
6. Fazit 35
7. Literaturverzeichnis 37
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1. Einleitung
Der einfachste Weg, einer unergründlichen, unverstandenen Sache auf die Spur zu kommen, ist Fragen zu stellen. Allerdings, bei einer Fülle von Fragen, wo soll man beginnen?
Im Jahre 1986 ereignete sich etwas so Unfassbares, etwas, das die Welt für geschätzte 24.000 Jahre „belasten“ wird, etwas, was vertuscht werden sollte, sowohl vor der eigenen Bevölkerung, als auch vor der ganzen Welt, etwas, wovor man Angst hatte aber durch Planerfüllungstabellen gezwungen war, in Kauf zu nehmen. Etwas, was ein sowieso schon wirtschaftlich und anderweitig gebeuteltes Land vor der ganzen Welt in Verruf brachte und teilweise zur Aufdeckung drohender, auch zukünftiger, unverantwortlicher Gefahren sorgte. Etwas, das in der Vertuschungs- und Aufräumphase zu Grausamkeiten ohne Beispiel geführt hat. Unwissende Menschen wurden unaufgeklärt, ungeschützt und zwangsverpflichtet in den Tod geschickt. Die Rede ist vom Supergau im AKW Tschernobyl, die Folgen und der Nachlass.
Mittlerweile ist diese Episode der Geschichte Vergangenheit, ein Abschnitt in neueren Geschichtsbüchern und - unfreiwillig - zu einer Art Schlagwort geworden, wie vorher Hiroshima und Nagasaki oder danach das Muroa Atoll. Die menschliche Natur beschäftigt sich mit allen Dingen, die mit den fünf Sinnen erfassbar sind. Wir haben längst den Sinn dafür verloren, Dinge zu ahnen, zu spüren oder zu wittern. Tiere wittern Gefahr, spüren durch irgendeinen Mechanismus defekte Gene auf, die ein Artgenosse in sich trägt und zur Fortpflanzung untauglich macht. Diese Gabe besitzen wir nicht mehr. Wir sind degeneriert und darum weigern wir uns auch, nicht sichtbare Gefahren, wie Viren oder Strahlung ernst zu nehmen. Schäden sind nicht eminent oder evident sichtbar wie bei einer Fleischwunde. Sie zerfrisst uns von innen, langsam und unmerklich - aber was ich nicht sehe, macht mir keine Angst. Wäre ein Virus so groß wie eine Kokosnuss, wir würden uns durch Sterilität schützen, es mit aller Macht bekämpfen und ausrotten, zumindest rein hypothetisch. Ähnlich verhält es sich mit der Strahlung. Man kann Strahlung zwar sichtbar machen aber man kann sich nicht auf die Lauer legen und sie einfangen und erlegen. Es wird also frei nach der Devise gehandelt, was ich nicht weiß (sehe), macht mich nicht heiß.
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Die ersten Erkenntnisse über die Strahlung, die Eindruck machten, waren die des Ehepaares Curie. Damals war die Gefahr, die von einer Überdosis Strahlung ausgeht, noch nicht erforscht. Man war überglücklich, nun Menschen behandeln zu können, an Hand von Röntgenbildern komplizierte Knochenbrüche richten zu können und so weiter, die Medizin wart revolutioniert. So war es auch mit den weiteren Entdeckungen in diesem Feld, die zu der Spaltung eines Atoms führten, die letztlich die Basis der Kernkraft bildet.
Dass da, wo gehobelt wird, auch Späne fallen, interessiert nur eine Minderheit, zumeist, wenn sie dadurch direkt bedroht wird, der Rest der Welt schaltet desinteressiert auf einen anderen TV-Kanal und ist froh, ausreichend Strom zur Verfügung zu haben, wo der herkommt, ist unwichtig, und wie der entsteht, erst recht. Wird jedoch die Menschheit oder weite Teile des Globusses bedroht, ist der Aufschrei so groß, dass das Echo lange nachhallt. So geschehen im Fall Tschernobyl.
Leider liegt es jedoch in der Natur des Menschen schnell zu vergessen. Es ist jetzt
16 Jahre her seit dem Reaktorunfall im Block 4 des AKW Tschernobyl, und es verhält
sich mit der Thematik „Gefahr durch Strahlung“, wie mit dem AIDS - Virus, der an öffentlichem Interesse verloren hat, genauso wie das Ozonloch. Zu finden sind diese Themen weitestgehend auf den Internetseiten von Greenpeace oder ab und zu in den Parteiprogrammen Umweltbewusstseinsgruppierungen. Dem großen Teil der Weltpopulation ist das ziemlich egal.
Eine Renaissance jedoch erlebt eine verdrängte Thematik in dem Moment, wo geheime Dokumente enthüllt werden, die neue Erkenntnisse liefern über den wirklichen Hergang einer Katastrophe. Das ist Enthüllungsjournalismus par Excellance. Die neu gewonnen Erkenntnisse bieten die Möglichkeit, alte Fakten aufzubereiten und in neuer Gestalt, mit Insiderwissen gespickt, in sensationeller, aufreißerischer Form als neu zu verkaufen. Als die UdSSR zusammenbrach, kamen die geheimen Dokumente über den wirklichen Ablauf und die Handhabung des Störfalls im AKW Tschernobyl ans Licht. Die Mutmaßungen, die von der Weltöffentlichkeit und deren Experten angestellt worden waren, wurden teilweise bestätigt und in einigen Punkten sogar in alarmierendem Masse übertroffen. Das Thema Tschernobyl war wieder reanimiert und bahnte sich seinen Weg in die
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Medien. Durch die Öffnung der Grenzen und dem Wegfall des Überwachungsstaates und der Parteizensur, bot sich die Möglichkeit mit Betroffenen der Katastrophe zu sprechen, in Sperrgebiete vorzudringen und Proben zu nehmen. Alles das, was noch zu Sowjetzeiten undenkbar gewesen wäre. Es entstanden viele Dokumentationen und sogar ein Spielfilm, der von Russen selbst gedreht wurde.
Diese beiden Formen der medialen Aufbereitung (Spielfilm contra Dokumentation) von Informationsgehalten und Tatbeständen in unterschiedlicher Gestaltungsform sollen in dieser Arbeit verglichen und strukturiert analysiert werden.
Vorab soll jedoch eine Chronik die Ereignisse wieder ins Gedächtnis rufen, die in Verbindung mit dem bisher größten Störfall in einem AKW stehen. Wichtig im Bezug auf diese Zusammenfassung ist die Bedeutung folgender Bereiche, die mit den neu gewonnenen Einsichten vervollständigt wurden. Da wären: Vertuschung, Evakuierung, Auswirkungen, Liquidatoren und Zukunft.
Im Anschluss daran soll die von Radio Bremen stammende Dokumentation aus der Sendereihe Film Probe: Ich habe den Reaktor bedient; Berichte einiger Überlebender, analysiert werden. Vor allem im Bezug auf die Fragen: Wie wird mit der Thematik umgegangen? Ist der Aufbau der Dokumentation schlüssig? Was ist an Informationsgehalt vorhanden und wie ist dieser verarbeitet?
Darauf folgt eine Darstellung des Spielfilms: RASPAD – DER ZERFALL von Vladimir Dall aus dem Jahr 1990, der in der UdSSR gedreht wurde und ausschließlich mit Russen besetzt ist. Auch dieser Film soll analysiert und den gleichen Fragen wie der Dokumentation unterzogen werden.
Im letzten Abschnitt sollen beide Werke miteinander verglichen werden. Was ist in beiden Werken zu finden? Wie unterschieden sie sich? Ist eine unterschiedliche Herangehensweise eines ausländischen Teams merkbar im Vergleich zu der einheimischen Darstellungsform? Ist der Spielfilm eine Dokumentation oder fiktiv?
Das Fazit liefert dann letztlich den subjektiven Eindruck des Verfassers nach Sichtung beider Werke und schildert die empfundenen Gefühle und Emotionen, die beim Rezipieren auftraten.
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2. Chronik des Störfalls im AKW Tschernobyl
2.1. Der Verlauf
26. April 1986 - Im ukrainischen "Lenin" - Atomkraftwerk Tschernobyl wird ein
Experiment gestartet: Es soll geprüft werden, wie lange die Turbine mit der Restwärme des abgeschalteten Reaktors weiterläuft. Der Reaktor wird zuerst zur Leistungsspitze gebracht und soll dann heruntergefahren werden. Damit der Probelauf des Reaktors nicht unterbrochen wird, werden die Sicherheitssysteme mit Absicht außer Funktion gesetzt.
26. April 1986, 1 Uhr, 23 Minuten, 40 Sekunden - Es kommt zum
Turbinenstillstand. Der Kühlwasserzufluss ist eingeschränkt, die automatische Abschaltung unterbrochen. Es entwickelt sich ein Hitzestau. Innerhalb von Sekunden steigt die Leistung des Meilers um ein Vielfaches an. 6 Sekunden nach der Notabschaltung ereignet sich der größte anzunehmende Unfall (GAU). Der Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl explodiert. Die 256 Arbeiter der Nachtschicht dürfen das Kraftwerk nicht verlassen. 1
Samstag, 26. April: (...) Es gibt erste Tote und viele Verstrahlte. Eine Wolke mit hochradioaktiven Teilchen steigt auf und treibt nach Norden. Nachrichtensperre um das ganze Gebiet von Tschernobyl. Gerüchte vom Unglück erreichen das ca. 130 km entfernte Kiew. 2
1 http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C02HI02.HTM (Stand vom 16.10.02)
2 Beilageheft zum Film: RASPAD – DER ZERFALL
3 Chernousenko, V.M.: Chernobyl – Insight from the Inside. Berlin 1991. Aussenband
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27. April 1986 - Die benachbarte Stadt Pripjat ist abgeriegelt, die Telefone
funktionieren nicht, die Behörden informieren die Bewohner darüber, dass sie für 3 Tage in Zelten untergebracht werden. Die Löscharbeiten im Kraftwerk dauern an. Von Hubschraubern aus wird Sand, Stahl, Blei und Lehm auf den brennenden Reaktor geworfen. 4
Sonntag, 27. April Über das Ausmaß der Katastrophe herrscht Unklarheit. Keine offizielle Information der Bevölkerung. In Finnland und Skandinavien wird erhöhte Strahlung gemessen. Moskau schweigt.
Montag, 28. April (...) Zehntausende werden aus den Siedlungen um Tschernobyl evakuiert. Messungen im Westen lassen auf eine Katastrophe in einem sowjetischen Atomreaktor schließen. Die Nachricht wird weltweit verbreitet. Gegen 21.00 Uhr die erste offizielle Äußerung Moskaus zum Reaktorunfall: „Havarie im Kernkraftwerk Tschernobyl“. 5
29. April 1986 - In Deutschland erfolgt die erste offizielle Meldung darüber, dass sich
in der Sowjetunion "offenbar ein ernster Atomunfall ereignet hat." Mehr als 40 Stunden sind seit dem GAU vergangen. Bundesforschungsminister Riesenhuber teilt mit, dass auf Grund der Windverhältnisse nicht damit zu rechnen sei, dass die freigesetzte Radioaktivität auf die Bundesrepublik zutreibt. Bundesinnenminister Zimmermann schließt eine Gefährdung der bundesdeutschen Bevölkerung aus, "...denn eine Gefährdung besteht nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometer um den Reaktor herum." 6
Dienstag, 29. April Die Zahl der Strahlenopfer unter den Feuerwehrmannschaften in Tschernobyl steigt. (...) 7
21. Mai 1986 - Pripjat wird offiziell vollständig evakuiert.
22. Dezember 1988 - Sowjetische Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die
Sicherheit des Sarkophags, der den Reaktor mittlerweile umhüllt, nur für 20 bis 30 Jahre berechnet sei. 8
4 http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C02HI02.HTM (Stand vom 16.10.02)
5 Beilageheft zum Film: RASPAD – DER ZERFALL
6 http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C02HI02.HTM (Stand vom 16.10.02)
7 Beilageheft zum Film: RASPAD – DER ZERFALL
Quote paper:
Magister Artium Kevin Kutani, 2002, Tschernobyl, Munich, GRIN Publishing GmbH
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