Inhalt
1. Einleitung 4
2. Zur Forschungshypothese 5
2.1 Fußballspiele als Gruppenvergleiche. 5
2.2 Ethnozentrismus 6
2.3 Rassismus 6
2.4 Die Berichterstattung der Boulevard Medien. 7
2.5 Bildung der Bild Leser 7
2.6 Die Korrelation zwischen Bildung und negativen Einstellungen gegenüber
Fremdgruppen. 7
2.7 Die Orientierung der Medien am Publikum 7
3. Die Forschungshypothese 8
4. Die Methode der Inhaltsanalyse. 9
5. Die Auswahl von Textstichproben. 10
5.1 Die Auswahleinheit 10
5.2 Die Analyseeinheit 11
6. Das Kategoriensystem. 11
7. Kategorien 12
8. Der Codiervorgang 13
9. Ergebnisse der Inhaltsanalyse. 14
10. Diskussion der Ergebnisse 15
11. Reliabilität und Validität 16
11.1 Reliabilität 16
11.2 Validität 17
2
Anhang
Literaturverzeichnis 18
Übersicht Analyseeinheiten 20
Übersicht Kategorien und Codierung 27
3
1. Einleitung
Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 und der Europameisterschaft 2008 wurde ein neuer Nationalstolz sichtbar und gefeiert (vgl. Becker / Wagner / Christ 2007: 131). Die Deutschen zelebrierten den neuen Party-Patriotismus, schwenkten ihre Nationalflagge und zogen mit schwarz-rot-golden geschminkten Gesichtern durch die Straßen. In dieser oder ähnlicher Weise feierte ein Großteil der Deutschen ein fröhliches Fußballfest. Kritische Stimmen, die einen neuerlichen deutschen Nationalrausch beschworen, waren kaum gefragt (vgl. Kronenberg 2006: 3).
Eine Untersuchung im Rahmen der Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zeigt allerdings, dass der neue Patriotismus auch dunkle Seiten hat. So kann nationale Euphorie schnell in Nationalismus und Ausgrenzung umschlagen (vgl. Zekri: 2007: 250). Becker, Wagner und Christ stellen in diesem Zusammenhang fest, dass der während der Fußball-Weltmeisterschaft zu beobachtende „Party-Patriotismus“ keine positiven Effekte nach sich zieht (2007: 147). Auch das Internetportal „Mut gegen rechte Gewalt“ steht dem Neo-Patriotismus kritisch gegenüber und konstatiert ein erhebliches Demokratiedefizit und eine tief verwurzelte Fremdenfeindlichkeit, wobei ausländerfeindliche Ressentiments mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit geäußert werden (vgl. Dückers 2008: Zeit online). Nach Kulick betreiben auch die Medien eine „gezielte Herabwürdigung anderer Nationen“. Insbesondere deutsche Boulevardzeitungen wie die Bild-Zeitung berichteten während der Fußball-Europameisterschaft in ablehnender und überheblicher Weise über Fremdgruppen. Kulick spricht in diesem Zusammenhang von „Stürmer-Fouls in bester herabwürdigender Nazizeitungstradition“ (vgl. Kulick 2008). Solche „Stürmer-Fouls“ sind der Gegenstand dieser Forschungsarbeit. Es werden die Ablehnung und Abwertung von Fremdgruppen in der Berichterstattung der Bild-Zeitung untersucht. Dabei bezieht sich die vorliegende Untersuchung auf das Spiel Deutschland gegen Polen vom 8. Juni 2008. Schon im Vorfeld des Spiels kam es zu einem unschönen medialen Schlagabtausch zwischen der Bild-Zeitung und polnischen Boulevardblättern. Eine polnische Boulevardzeitung veröffentlichte eine Fotomontage, welche die abgeschlagenen Köpfe von Michael Ballack und Joachim Löw zeigte. Woraufhin die Bild-Zeitung titelte „Polen eröffnet Fußball-Krieg“ (vgl. Puhl 2008). Die vorliegende Forschungsarbeit soll mithilfe des Verfahrens der Inhaltsanalyse klären, wie die Bild-Zeitung vor, während und nach dem Spiel Deutschland gegen Polen über die Gruppe der Polen berichtete. Dabei wird eine negative Berichterstattung über die Gruppe der Polen
4
erwartet. Im Folgenden wird begründet warum eine negative Berichterstattung erwartet wird und auf welcher Forschungshypothese diese Untersuchung basiert.
2. Zur Forschungshypothese
Die Forschungshypothese dieser Arbeit fußt auf verschiedenen Annahmen, die im Folgenden vorgestellt werden. Im Anschluss daran wird die Forschungshypothese dargelegt.
2.1 Fußballspiele als Gruppenvergleiche
Der Fußballsport und der Medienfußball stimulieren Gemeinschaftserlebnisse und Gefühle der Zugehörigkeit und beeinflussen das Selbstbild und die Außenwahrnehmung von Nationen. Dabei dient die populärste Sportart eines Landes in den Medien als ein Symbol für nationale Identität (vgl. Schwier 2006: 8). Kontinentale Mediensportereignisse wie eine Fußballeuropameisterschaft stabilisieren nationale Wir-Identifikationen. Andrew Tudor (1998) sowie Liz Crolley und David Hand (2002) kommen zu dem Ergebnis, dass der Medienfußball idealtypisch der Grundfigur Wir und die Anderen folgt(vgl. Schwier 2006: 9). Die Betonung von Differenzen nach der Grundfigur Wir und die Anderen deutet darauf hin, dass internationale Fußballspiele als ein Vergleich von Gruppen definiert werden können. Tajfel und Turner bestätigen diese Annahme. Sie beschreiben jedes Fußballspiel als expliziten institutionalisierten Gruppenkonflikt (vgl. Tajfel/Turner 1986: 24). Der Begriff der Gruppe wird dabei definiert als „ a collection of individuals who perceive themselves to be members of the same social category, share some emotional involvement in this common definition of themselves, and achieve some degree of social consensus about the evaluation of their group and of their membership in it.” (Tajfel/Turner 1986: 15). Das entscheidende Merkmal für die Mitgliedschaft in einer Gruppe ist, dass sich die betroffenen Individuen als Gruppenmitglieder definieren und auch von anderen Personen als Mitglieder einer Gruppe definiert werden (vgl. Tajfel/Turner 1986: 15). Treffen zwei Gruppen in einem Vergleich aufeinander, können ethnozentristische Einstellungen aufkommen (vgl. Tajfel/Turner 1986: 12).
5
2.2 Ethnozentrismus
Ethnozentrismus ist „jene Weltanschauung, nach der die eigene Gruppe das Zentrum aller Dinge ist und alle anderen im Hinblick auf sie einstuft und bewertet“ (Sumner 1906 zit. nach Svejda-Hirsch 2006). In Gruppenvergleichen beziehungsweise Konflikten, in denen knappe Ressourcen wie Prestige verteilt werden (beispielsweise Fußballspiel), entsteht Ethnozentrismus (vgl. Tajfel/Turner 1986: 12). Ethnozentrismus als ein Syndrom verschiedener Einstellungen führt dazu, dass Individuen strikt zwischen Eigen- und Fremdgruppe unterscheiden. Individuen mit einer ethnozentristischen Einstellung, die sich als Mitglieder einer dominanten Gruppe verstehen, vergleichen die Eigengruppe mit einer Fremdgruppe, die als unterlegen angesehen wird. Weiterhin werden andere Gruppen lediglich anhand von Stereotypen wahrgenommen. Die Eigengruppe wird von Ethnozentristen glorifiziert, während Fremdgruppen abgewertet werden. (vgl. Heinrich 2008: 5). Bedingt ist die Distanzierung und Abwertung von Fremdgruppen dadurch, dass die bevorzugte Wahrnehmung der Eigengruppe zu einem notwendigen Moment der Selbstbehauptung innerhalb der soziokulturellen Umwelt wird. Ein ethnozentristisches Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdgruppe findet sich prinzipiell bei allen Gruppierungen. Daraus können Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus entstehen (vgl. Svejda-Hirsch 2006).
2.3 Rassismus
Da aus Ethnozentrismus Rassismus entstehen kann (vgl. Svejda-Hirsch 2006) und da die Berichterstattung der Bild-Zeitung in der Inhaltsanalyse auf rassistische Äußerungen untersucht werden soll, muss der Begriff des Rassismus erörtert werden. Rassismus ist eine Ideologie, welche soziale Phänomene mit pseudowissenschaftlichen Analogieschlüssen aus der Biologie zu erklären sucht. Der Rassismus rechtfertigt soziale Ungleichheiten durch den Bezug auf naturwissenschaftliche Gewissheiten. Kultur, sozialer Status, Begabung und Charakter gelten als von der erbbiologischen Ausstattung vorherbestimmt. Anhand von Blut, Genen und der Hautfarbe grenzt der Rassismus Gruppen voneinander ab und stabilisiert eine naturgegebene hierarchisch-autoritäre Herrschaftsordnung, in der die Eigengruppe Vorrang vor Fremdgruppen genießt. Fremdgruppen werden diskriminiert, unterdrückt, ausgrenzt oder vernichtet (vgl. Rieger 2005: 810). Kurz gefasst „umfasst Rassismus jene Einstellungen und Verhaltensweisen die Abwertungen auf der Grundlage eine konstruierten „natürlichen“ Höherwertigkeit der Eigengruppe vornehmen“ (Heitmeyer 2007: 17).
6
2.4 Die Berichterstattung der Boulevard Medien
Die Berichterstattung der Boulevard Presse zeichnet sich dadurch aus, dass anstatt von Texten Bilder, Schlagzeilen, farbige Unterstreichungen und Umrandungen vorherrschen. Die Boulevardpresse fasst komplexe Sachverhalte zu Schlagworten und Losungen zusammen. Die auflagenstärkste deutsche Boulevardzeitung ist die Bild-Zeitung. Um Leser zu gewinnen setzen Boulevardzeitungen wie Bild auf eine reißerische Aufmachung. Außerdem sprechen Boulevardzeitungen die Emotionen ihrer Leser an und schüren bisweilen Hass und Ressentiments ihrer Leserschaft. (vgl. Meyn 1999: 79-81).
2.5 Bildung der Bild Leser
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse besitzen mehr als 50 Prozent der Leser der Bild-Zeitung einen Hauptschulabschluss. Ein Studium haben lediglich 4 Prozent der Bild-Leser vorzuweisen. Bei der Bild am Sonntag liegen ähnliche Zahlen vor (vgl. Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse 2007: 51-52). Es lässt sich festhalten, dass sich die Leserschaft der Bild-Zeitung sowie die Leserschaft der Bild am Sonntag größtenteils aus Menschen zusammensetzt, die einen niedrigen Bildungsabschluss besitzen.
2.6 Die Korrelation zwischen Bildung und negativen Einstellungen gegenüber Fremdgruppen
Internationale Ergebnisse der empirischen Sozialforschung belegen, dass mit einer Abnahme des Bildungsgrads negative Einstellungen gegenüber Menschen anderer Rasse und Kultur zunehmen. Je niedriger der Bildungsgrad eines Menschen ist, desto größer sind seine negativen Einstellungen gegenüber Menschen einer anderen Nationalität, Rasse oder Kultur (vgl. Winkler 2003).
2.7 Die Orientierung der Medien am Publikum
Die Informationsauswahl und Darstellung der Medien orientiert sich am Publikum. Die Medien berichten nach den Aufmerksamkeitsbedürfnissen des Publikums und richten sich nach der Zielgruppe des jeweiligen Mediums aus (vgl. Lucht 2006: 74). Dass ein großer Teil der Leser der Bild-Zeitung über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügt und demnach in größerem Maße eine negative Einstellung gegenüber Menschen einer anderen Nationalität, Rasse oder Kultur besitzt und dass die Medien sich nach ihrem Publikum ausrichten, stützt die An-
7
nahme, dass die Berichterstattung der Bild-Zeitung rassistische oder abwertende Äußerungen gegenüber Fremdgruppen enthält.
3. Die Forschungshypothese
Der vorliegenden Untersuchung liegt die Annahme zugrunde, dass internationale Fußballspiele Gruppenvergleiche darstellen, die Ethnozentrismus fördern. Die Eigenschaften von Boulevardzeitungen Ressentiments und Hass zu schüren und der Bildungsgrad der Leserschaft der Bild-Zeitung als Boulevardblatt deuten darauf hin, dass die Boulevardpresse ethnozentristische Stimmungen aufgreift und in abwertender Weise über die Fremdgruppe, mit der ein Gruppenvergleich stattfindet, berichtet. Demnach lautet die Forschungshypothese:
Wenn ein internationaler Gruppenvergleich stattfindet, dann berichtet die Boulevard-Presse in abwertender Weise über die Fremdgruppe, mit der ein Vergleich stattfindet. In der vorliegenden Untersuchung wird die Berichterstattung der Bild-Zeitung über das Spiel Deutschland gegen Polen untersucht. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es in der Berichterstattung der Bild-Zeitung über das Spiel Deutschland gegen Polen abwertende oder rassistische Äußerungen gegenüber der Gruppe der Polen gibt. Aus dieser Forschungsfrage ergibt sich folgende Annahme:
In der Berichterstattung der Bild-Zeitung über das Spiel Deutschland gegen Polen gibt es abwertende oder rassistische Äußerungen gegenüber der Gruppe der Polen. Sollte sich diese Annahme bestätigen, wäre das ein Indiz für die Gültigkeit der oben dargelegten Forschungshypothese.
8
Arbeit zitieren:
Arne Hellwig, 2008, Untersuchung der Abwertung von Fremdgruppen in der Berichterstattung der Bild-Zeitung , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zeit der Traurigkeit - lesbischer Alltag im Nationalsozialismus
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Homosexualität und Diskriminierung: Die Abschaffung des § 175
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 27 Seiten
Die Welt auf dem Weg zur Informationsgesellschaft
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Hausarbeit, 13 Seiten
Der 14-Punkte-Plan Woodrow Wilsons und die Satzung des Völkerbundes
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Alles "schwarz, rot, geil" - oder was? Eine inhaltsanalytisc...
Analyse im Rahmen der allgemei...
Sport - Medien und Kommunikation
Bachelorarbeit, 106 Seiten
„Tor für Deutschland!“ - Westdeutscher Nationalismus / Patriotismus i...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Magisterarbeit, 138 Seiten
- Am Beispiel von Günter Brus ...
Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Die britische Politik in Palästina von 1915-1948
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Seminararbeit, 21 Seiten
Die Juli-Krise 1917: Bethmann Hollwegs Kriegspolitik und die Faktoren ...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Arne Hellwig's Text Untersuchung der Abwertung von Fremdgruppen in der Berichterstattung der Bild-Zeitung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Arne Hellwig hat den Text Untersuchung der Abwertung von Fremdgruppen in der Berichterstattung der Bild-Zeitung veröffentlicht
Arne Hellwig hat einen neuen Text hochgeladen
Die Schein-Öffentlichkeit der Bild-Zeitung der 50er Jahre
Soziologische Analyse eines Ze...
Wilke Thomssen
Warum gibt es die Bild-Zeitung nicht auf Französisch?
Zu Gegenwart und Geschichte de...
Andreas Wrobel-Leipold
0 Kommentare