Inhaltsverzeichnis
Prolog 2
1. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion 5
1.1 Die erste Generation der RAF. 5
1.2 Die zweite Generation. 7
1.3 Die dritte Generation 8
1.4 Das Ende des RAF Terrors. 8
2. Die historische Performance der RAF 9
2.1 Schnelle und teure Autos 9
2.2 Das äußere Escheinungsbild 10
3. Die kulturelle Performance der RAF 10
3.1 Die RAF-Ausstellung in Berlin. 11
3.1.1 Ulrike Meinhof als Kunstobjekt 11
3.1.2 Terrorismus meets Performance 13
3.2. Das RAF Symbol 15
4. Die mediale Performance der RAF. 16
4.1 Die RAF im auf der Leinwand 16
4.1.1 Das Todesspiel. 17
4.1.2 Black Box BRD 17
4.1.3 Deutschland im Herbst 18
4.2 Die RAF im Hörfunk 18
5. Epilog. 20
6. Appendix. 21
6.1 Bibliographie: 21
6.2 Internet: 21
6.3 Filmographie: 23
6.4 Abbildungsverzeichnis: 24
1
Prolog Deutschland im Herbst:
Deutschland erlebte in den Siebzigerjahren eine Welle des Terrors, den die Bundesrepublik Deutschland bis dato nicht kannte. Dieser Terror bzw. Terrorismus ging von einer kleiner Gruppe aus, die sich selbst die „Rote Armee Fraktion“ nannte. Ihr oberstes Ziel war die Auflehnung gegen Imperialismus und Kapitalismus. Die Mitglieder riefen damals gemäß dem Konzept der Stadtguerilla zum bewaffneten Kampf gegen die „Gewalt der Herrschenden“, also Regierung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Wirtschaftsbosse, auf. Um auf sich und ihre politischen Ziele aufmerksam zu machen, dienten ihnen Sabotageakte und Mordanschläge, was ihnen nicht nur eine Medienpräsenz, sondern auch das Prädikat zwielichtiger Berühmtheit im Volk einbrachte. Um im Gespräch zu bleiben, war eine stetige „Zusammenarbeit“ zwischen den Medien und den Terroristen nötig, wobei besonders das Fernsehen „half“, den Bundesbürgern ein Bild von den Aktionen zu vermitteln. Je berühmter das Opfer, desto größer das Medienecho und die Promotion, daher fielen der RAF unter anderem auch Alfred Herrhausen, Vorstandsvorsitzender der deutschen Bank, und Hanns Martin Schleyer, der Arbeitgeberpräsident - auf die in dieser Arbeit noch näher eingegangen wird - zum Opfer.
Heute - über 25 Jahre später - ist die RAF zu einem globalen Kult mutiert. Andreas Baader und Ulrike Meinhof sind die Stars einer neuen Popkultur geworden. Das Terroremblem der RAF ist heute auf vielen Kleidungsstücken, Aufklebern etc. zu finden.
Man stellt sich also die Frage, wieso die RAF medial und kulturell wiederbelebt wurde. In Berlin findet sogar eine Ausstellung zu dem Thema RAF mit dem Titel „Zur Vorstellung des Terrors“ statt. Ein Kapitel dieser Seminararbeit wird sich auch mit dieser interessanten Ausstellung beschäftigen, wobei die Strategien der
1 Black Box BRD - Ein Film von Andres Veiel. http://www.black-box-brd.de/inhalt.html Zugriff: 07. 05. 2005
2
medienpolitischen Inszenierung aus künstlerischer Sichtweise unter die Lupe genommen werden. Welcher Mythos geht nun von dieser Terrororganisation aus, wenn sich dutzende Bücher, Filme und Songtexte mit ihr beschäftigen? Diese Arbeit über die Rote Armee Fraktion beleuchtet vor allem die Aspekte der Performance. Dabei muss aber dezidiert zwischen historischer, kultureller und medialer Performance unterschieden werden.
Die historische Performance steht für die direkte, blutig-realistische Aktion der Terroristen zu ihrer Zeit. Kulturelle und mediale Performance hingegen sind unter anderen Blickwinkeln zu beachten: Sie bedienen sich zwar des Terrorismus und der großen Gefühle, die dahinter stehen, werden aber subtil für bestimmte Zwecke genutzt. Diese indirekte Performance ist besonders spannend und bis heute aktuell, daher macht sie einen Großteil dieser Arbeit aus und wird zusätzlich mit Filmanalysen belegt, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bereits im ersten Kapitel dieser Forschungsarbeit stellt sich die grundlegendste Frage überhaupt: Was sagen uns die Begriffe „Terrorismus“ und „Performance“, wie werden diese definiert?
Die Wurzeln des Terrorismus gehen auf das politische Vokabular der Französischen Revolution zurück:
„Beim Terrorismus handelt es sich um eine politische Strategie von Gruppen, die nicht an der Macht sind und den Umsturz der bestehenden politischen Ordnung anstreben - und zwar durch den zielgerichteten Einsatz von Gewalt. Terroristen wollen Angst und Schrecken verbreiten - sei es, um auf sich aufmerksam zu machen, sei es, um den Staat zu Überreaktionen zu verleiten, sei es um zur Destabilisierung beizutragen. Ziel ist der Sturz des ihnen verhassten politischen Systems.“ 2
Anders als bei „modernen“ Terroristen wurden damals jedoch aus umstürzlerischen Mördern und Dieben Nationalhelden und Befreier vom Joch der Unterdrückung des „falschen“ Herrschaftssystems. Die Wahrheit liegt meist nicht nur im Auge des Betrachters sondern vor allem in jenem der Macht, dass heißt vereinfacht: Wer den politischen Sieg davonträgt, ist der „Gute“ und hat Recht, was wiederum die Opposition in die Rolle des Terrorismus zwängt. Zwischen „Gut und Böse“ zu
2 Terrorismusdefinition. In: Onlinelexika: http://www.wissen.de Zugriff : 28. 03. 2005
3
unterscheiden, ist - gerade unter dem Einfluss von Politik und Medien bzw. deren Verflechtungen - auch heute nicht immer leicht. Dies leitet bereits zum zweiten wichtigen Punkt dieser Arbeit über - der Performance:
„Seit dem Ende der 1960er Jahre gebräuchliche Bezeichnung für die gestischtheatralische Aktion eines Künstlers, bei der das Publikum im Gegensatz zum Happening nur zusieht und nicht einbezogen wird.“ 3
Bezeichnender Weise verschmelzen bei den meisten Terroraktionen - wie auch das Beispiel RAF zeigt - Opfer und Täter in einem grausam theatralischen Akt. Anders als in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als sich der Terror der RAF noch real „vor der Haustüre“ der Bevölkerung der BRD abspielte, vermittelt er heute ein eher verklärtes Bild. Der einstige Schrecken ist vergessen, die vermeintlichen Helden aber nicht. Nachahmer, die sich ebenso medienwirksam verkaufen wie seinerzeit die RAF, finden sich aber immer wieder aufs Neue. Heute hält die Al-Kaida die Welt in Atem, und vielleicht hat auch sie - wie die RAF - eines Tages selbst in unseren Breiten ihre Bewunderer…
3 Performancedefinition. In: Onlinelexika: http://www.wissen.de Zugriff: 28. 03. 2005
4
1. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion
Damit die nachfolgenden Kapitel dieser Arbeit richtig interpretiert werden, ist es nötig die Entstehungsgeschichte der RAF etwas zu erläutern.
1.1 Die erste Generation der RAF
Die RAF war eine linksterroristische Gruppe, deren Führer bzw. Initiatoren Andreas Baader (Abb. 1) und Gudrun Ensslin waren. Die Bezeichnung
Rote Armee Fraktion tauchte erstmals im Jahre 1975 in einem Schreiben von Ulrike Meinhof auf. Zuvor wurde diese Gruppe allgemein als Baader-Meinhof-Gruppe bezeichnet. Anbei muss man aber bemerken, dass der Name Baader-Meinhof-Gruppe ein Produkt der Medien ist. Wahrscheinlich deshalb, weil sich Ulrike Meinhof im „legalen“ Leben bereits einen Namen als Journalistin gemacht hatte, doch dazu etwas später. Im April 1968 verübten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und noch zwei weitere Mitglieder Brandanschläge auf die Kaufhäuser Schneider und Kaufhof in Frankfurt. Bei diesen Anschlägen wurde niemand verletzt, sie dienten nur zu der Zerstörung von materiellen Werten. Die vier Brandstifter wurden bereits einen Tag später festgenommen und zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Aber bereits 14 Monate später - am 13. Juni 1969 - waren die Terroristen wieder auf freiem Fuß. 1970 verübte die Baader-Meinhof-Gruppe verschiedene kleine Aktionen. Die Jagd auf die Gruppe entwickelte sich langsam in der gesamten BRD zur Hysterie.
Auch die Medien pushten des Thema immer weiter hoch, bis es am Höhepunkt hieß: „Bonner Geheimpolizei jagt Staatsfeind Nr. 1: Die Baader-Bande.“ 4 Andreas Baader ging in den Untergrund, wurde aber doch mit Hilfe eines V-Mannes wieder festgenommen. Nun kommt Ulrike Meinhof (Abb. 2), eine Journalistin der ebenfalls linksgerichteten Zeitschrift „konkret“, ins Spiel. In der Mai-Ausgabe von 1968 kommentiert Meinhof die Brandanschläge wie folgt: „Es ist dokumentiert worden, dass es in diesem Land noch Leute gibt, die Terror nicht nur verurteilen, sondern […] bereit sind, Widerstand zu leisten, so dass begriffen werden kann, dass es so nicht weitergeht“ 5
4 Rafinfo. Die Geschichte der RAF. http://www.rafinfo.de/hist/kap05.php Zugriff: 10.05.2005
5 Terrorismus in der Bundesrepublik. http://geschichtsverein-koengen.de/Terrorismus.htm Zugriff: 09.06.2005
5
Sie plante die Befreiungsaktion von Andreas Baader und nahm auch an derselben teil. Wie bereits oben erwähnt, war Ulrike Meinhof als Journalistin (sie war in den Jahren 1962-1964 Chefredakteurin bei „konkret“) und in diversen Fernsehauftritten den Medien nicht unbekannt. Und da Ihr Name medienwirksamer war als der von Ensslin, konstruierten die Medien die Baader-Meinhof-Gruppe. „Am 14. Mai 1970 wurde Andreas Baader unter der Begleitung von 2 Beamten in das Institut für soziale Fragen gebracht, wo ihn Ulrike Meinhof schon erwartete. Bei der folgenden Befreiungsaktion wurde der Institutsangestellte Georg Linke angeschossen und zwei Beamte in einem kurzen Handgemenge überwältigt. […] Diese Befreiungsaktion wird als die Geburtsstunde der RAF angesehen.“ 6 Als ihr Ziel nannte die RAF meist pauschal die Beseitigung der „faschistischen Grundstruktur des Staates“. Besonders heftige Angriffe der RAF galten der Konsumgesellschaft.
In den Jahren 1971/72 folgte wieder eine Welle des Terrors. Bombenanschläge auf amerikanische militärische Ziele, Polizeistationen und den Springer-Verlag - bei dem es viele Verletzte gab - wurden verübt.
Auf diese Bombenanschläge folgte die größte Fahndung in der Geschichte der Deutschen Bundesrepublik (Abb. 3). Im Juni 1972 wurde, durch eine größere Belagerung und durch Tränengaseinsatz der Polizei und des Bundeskriminalamtes, Andreas Baader und Holger Meins verhaftet. Gudrun Ensslin wurde sechs Tage später inhaftiert. Ulrike Meinhof ging am 15. Juni 1972 dem Bundeskriminalamt ins Netz.
Abb. 2: Bundeskriminalblatt Quelle: www.rafinfo.de
Das BKA hatte die erste Runde gegen den Terrorismus gewonnen und die RAF erheblich dezimiert.
Die Gefangenen kamen in Isolationshaft. Um bessere Haftbedingungen zu erzwingen, traten sie mehrmals in Hungerstreik, wobei der Terrorist Holger Meins ums Leben kam. Danach wurden die Sträflinge nach Stammheim überführt.
6 Rafinfo. Die Geschichte der RAF. http://www.rafinfo.de/hist/kap04.php Zugriff: 10.06.2005
6
Arbeit zitieren:
Jürgen Alfred Eder, 2005, Terror und Performance, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
"Miseria" oder Mozart? – Ein venezolanisches Sozialprojekt m...
Romanistik - Didaktik Spanisch
Examensarbeit, 36 Seiten
Global Governance: Fallbeispiel UNO
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Das venezolanische Jugendorchestersystem "El Sistema" - die ...
Kulturwissenschaften - Sonstiges
Hausarbeit (Hauptseminar), 53 Seiten
Volksverdummung oder Lehrstücke in Serie? - Der moralische Einfluss vo...
Medien / Kommunikation - Medienethik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Schweigen oder Aufklärung? Tabus und Tabubrüche in den neuen Medien i...
Ein Beitrag zu den Themen Medi...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 14 Seiten
Max Weber. Wissenschaft als Beruf
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Madame Bovary - Roman und Film im Vergleich
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Tabubrüche und Missachtung von Fernsehkonventionen in 'South Park&...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 27 Seiten
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Castingshows - Möglichkeit zur Identitätsstiftung und kritische Ausein...
Seminararbeit, 16 Seiten
"Von ganz schräg" Formen und Funktionen des Humors im österr...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Fernsehnutzung in Ostdeutschland - Schauen Ostdeutsche anders fern als...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Mediaforschung - Grundbegriffe und Inhalte der Zuschauer-, Hörer- und ...
Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik
Seminararbeit, 25 Seiten
Jürgen Alfred Eder's Text Terror und Performance ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Jürgen Alfred Eder hat den Text Terror und Performance veröffentlicht
Jürgen Alfred Eder hat einen neuen Text hochgeladen
Reframing 9/11: Film, Popular Culture and the ?War on Terror?
Jeff Birkenstein, Anna Froula, Karen Randell
Mary Shelley's Frankenstein: A Classic Tale of Terror Reborn on Film
Leonard Wolf, Frank Darabont, Kenneth Branagh
Reframing 9/11: Film, Popular Culture and the "The War on Terror"
Film, Popular Culture and the ...
Jeff Birkenstein, Anna Froula, Karen Randell
Terror and Everyday Life: Singular Moments in the History of the Horro...
Jonathan Lake Crane
0 Kommentare