Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Die Kapitalisierung der Wirtschaft 3
Reduktionismus in der Biologie 4
Die Bedeutung intellektueller Eigentumsrechte für die Wissenschaft 5
Patentrechte auf Lebewesen 6
Biokolonialismus und Bioimperialismus 8
Literaturverzeichnis 16
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Einleitung
Was vor fünfhundert Jahren mit der Ankunft der Europäer in Amerika seinen Anfang genommen hat, wird heutzutage durch Bioimperialismus und Biopiraterie in Entwicklungsländern fortgeführt. Durch juristische Mittel wie Patentrechte und Copyrights treiben Industrienationen viele südliche Länder in tiefe Abhängigkeit, indem sie traditionelles geistiges Eigentum der indigenen Bevölkerung rauben und damit enorme Profite erzielen. Gegenüber mächtigen multinationalen Wissenschaftskonzernen haben verhältnismäßig kleine Forschungseinrichtungen in weniger entwickelten Staaten wenig Chance, ihre Innovationen zu vermarkten, finanzielle Nachteile, die die wissenschaftliche Arbeit erheblich
einschränken. Weite Teile der bäuerlichen und indigenen Bevölkerung dieser Länder sind von globalen biotechnologischen Konzernen vollkommen abhängig, da sich diese durch gentechnische Veränderungen den jährlichen Verkauf von Saatgut und Düngemitteln an BäuerInnen der Dritten Welt sichern.
Das enorme Ungleichgewicht der Machtverhältnisse im wissenschaftlichen und ökonomischen Bereich zwischen Erster und Dritter Welt, stellt die Auswirkungen der Ausbeutung südlicher Länder während des Kolonialismus dar und wird in Form eines Biokolonialismus weitergeführt.
Die Kapitalisierung der Wissenschaft
In den letzten Jahrzehnten haben sich in der Wissenschaft neue Zweige der Technologie, wie die Mikroelektronik und die Biotechnologie, aus Industrieunternehmen entwickelt, die meistens auf universitärer Forschung beruhten und von der Regierung in Bezug auf militärische und medizinische Innovationen unterstützt wurden. Wissenschaftliche Motivationen wurden hinsichtlich einer Verschiebung von traditionellen Werten wie der Uneigennützigkeit und der wissenschaftlichen Forschung um ihrer selbst Willen, hin zu ökonomischen Werten, neu definiert.
Die Trennung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die einst durch die Aufteilung von Honorierung wissenschaftlicher Tätigkeit in Form von Ruhm und Ansehen einerseits und finanzieller Vergütung von wirtschaftlichen Bemühungen andererseits. 3 3
Zu beachten ist allerdings, dass die wachsende Bedeutung der wissenschaftlichen Forschung für die wirtschaftliche Entwicklung auch eine Zunahme der Bedeutung der Wissenschaft für die Ökonomie bewirkt. (vgl. Etzkowitz/ Webster, in: Jasanoff 1994, S. 480 f)
Reduktionismus in der Biologie
Traditionelles naturbezogenes Wissen von indigenen Gemeinschaften entsteht aus dem täglichen Zusammenwirken von Mensch und Natur, und ist ein Teil des ganzheitlichen Weltbildes dieser Völker. Das Wissen über die Umwelt ist innerhalb der Gesellschaft in einem Netzwerk verteilt und kann nicht im Besitz einer Person sein. Es handelt sich um ein ganzheitliches Wissen, was im Gegensatz zur reduktionistischen westlichen Wissenschaft steht, die Gesamtzusammenhänge außer Acht lässt und sich stattdessen auf verwertbare Einzelteile in der Natur konzentriert. (vgl. Milborn, in: Brand/ Kalcsics 2002, S. 135) Das Paradigma des Reduktionismus ist seit jeher vorherrschend in der Biologie, erkennbar in der Weise, wie sie zum Beispiel die Vielfalt der Arten auf jene des Menschen als einzig Wertvolle reduzierte. Alle anderen wurden nach Ihrem Nutzen für den Menschen bewertet. Dieser Reduktionismus erster Ordnung spiegelt sich im Umgang mit der Natur und ihrer Artenvielfalt wieder. Lebensformen, die dem Menschen wenig dienlich sind, werden verdrängt oder ausgerottet, was bei einer Anwendung dieser Art der Weltanschauung auf die Land- und Forstwirtschaft eine Verminderung der Artenvielfalt sowie landwirtschaftliche Bebauung in Form von Monokulturen zur Folge hat.
Zudem ist die Biologie durch einen kulturellen Reduktionismus charakterisiert, der vielen Wissenssystemen den Wert abspricht, zum Beispiel nicht-westlicher Medizin oder Landwirtschaftssystemen.
Heute ist die Biologie zusätzlich von einem Reduktionismus zweiter Ordnung bestimmt, dem genetischen Reduktionismus, der alle Organismen auf deren Gene reduziert. Eine Konsequenz dieser Denkweise ist die Patentierung von Organismen, die der PatentinhaberIn das ausschließliche Recht zu deren Nutzung einräumt. (vgl. Shiva 1997, S. 38)
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Die Bedeutung intellektueller Eigentumsrechte für die Wissenschaft
Wissenschaft und Eigentum, früher voneinander unabhängige Konzepte, die jeweils mit vollkommen unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen verbunden waren, wurden durch den Diskurs über intellektuelle Eigentumsrechte in Beziehung miteinander gebracht. (vgl. Etzkowitz/ Webster, in: Jasanoff 1994, S. 480 f)
Die Transformierung von Wissen in ökonomische Vorteile stellt eine fundamentale gesellschaftliche Erneuerung dar, die traditionelle Modelle von Sozialismus und Kapitalismus ablöst. Der erste Schritt dieser Kapitalisierung des Wissens ist die rechtliche Sicherung von Wissen als privates Eigentum. (vgl. Etzkowitz/ Webster, in: Jasanoff 1994, S. 481) Dieses intellektuelle Eigentum wird durch Kämpfe um die Patentrechte innerhalb der Forschungsteams und die damit verbundene Geheimhaltung von Wissen gesichert, Praktiken, die im Gegensatz zu den von Robert K. Merton genannten zentralen Normen der Institution Wissenschaft, nämlich Uneigennützigkeit (keinerlei persönliche Motive) und Kommunismus (allgemeines Eigentum an wissenschaftlichen Gütern) stehen. Indem WissenschaftlerInnen diese beiden Grundwerte, sowie die Normen Universalismus (Unabhängigkeit des Wissens von persönlichen Kriterien) und organisierter Skeptizismus (unvoreingenommene Prüfung des Wissens anhand von empirischen und logischen Kriterien) befolgen, wird laut Merton die Produktion objektiven Wissens gesichert und den ForscherInnen Anerkennung für ihre wissenschaftliche Arbeit garantiert.
Kritiker dieser Theorie geben zu bedenken, dass das Verhalten der WissenschaftlerInnen weitaus differenzierter zu betrachten ist, als es der Mertonsche Ethos vorgibt, und diesem häufig entgegengesetzt handeln.
In jedem Fall hat die Kapitalisierung der Wissenschaft dazu geführt, diese relativ kleine Institution, die von vielen sozialen Faktoren beeinflusst wurde, zu einer mächtigen Einrichtung zu machen, die auf andere soziale Bereiche Einfluss nimmt. Vor einigen Jahrzehnten noch, als Wissenschaftler die nukleare Magnetresonanztechnologie erfunden hatten, gaben sie sich noch mit der Anerkennung für diese Neuerung zufrieden, während die General Electric Corporation die finanziellen Erträge daraus einnahmen. Heute wäre dieses Verhalten undenkbar und wird als Negativbeispiel in Bezug auf intellektuelles Eigentum angeführt. (vgl. Etzkowitz/ Webster, in: Jasanoff 1994, S. 488 f)
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Arbeit zitieren:
Britta Vogl, 2004, Biokolonialismus, Biopiraterie und intellektuelle Eigentumsrechte , München, GRIN Verlag GmbH
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