Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 3
I. Theoretische Grundlage 3
1.1 Bakhthin’s Dialogismus Foucault’s Diskursanalyse. 3
1.2 Kollektive Erinnerung 5
II. Testimonialliteratur 6
2.1 Definition 6
2.2 Autorinnen. 6
III. “Una sola muerte numerosa“ 8
3.1 Der Dialog ist eröffnet. 8
3.2 Der Dialog zwischen Autorin und anderen Zeugen 8
3.2.1 Öffentliche vs. private Dialoge 9
3.2.2 Vertikale und horizontale Kommunikation. 10
3.3 Im Dialog mit der Vergangenheit. 11
3.4 Persönliche und kulturelle Identität. 12
3.5 Der Leser 13
IV. Schlußbetrachtung. 15
V. Literatur 16
2
0. Einleitung
Basierend auf der Theorie Bakhthin’s von einem Dialogismus der Sprache, sollen in der vorliegenden Hausarbeit die verschiedenen Dialoge die sich in „Una sola muerte numerosa“ wiederfinden, herausgearbeitet werde. Den Anfang bildet die reine Existenz dieses Werkes, mit dem Nora Strejilevich ihrSchweigen bricht, das ihr vom argentinischen Militär auferlegt wurde. Sie beginnt den Dialog mit ihren Leidensgenossen und richtet sich gleichzeitig an die Öffentlichkeit. Ein weiterer Dialog findet zwischen der Autorin und ihrer Vergangenheit, bzw. den Menschen aus ihrer Vergangenheit statt. Den dritten Dialog führt die Autorin mit dem Leser.
Im Folgenden sollen nun diese drei Dialoge auf ihre Intention hin untersucht werden und wir werden dabei feststellen, dass diese Dialoge wichtig sind um a) eine kollektive Erinnerungzu dokumentieren, b) der Wahrheit ans Licht zu verhelfen, c) die Kollektivität unter den Menschen zu stärken und um d) die persönliche sowie die kulturelle Identität wiederzufinden.
Die Struktur dieser Hausarbeit sieht im ersten Kapitel eine Einleitung in die Theorie Bakhthin’s, die Diskursanalyse Foucault’s sowie die Theorie der Kollektiven Erinnerung Halbwach’s vor. Im zweiten Kapitel wird auf das Genre der Testimonialliteratur eingegenagen, um dann im dritten Kapitel, dem Hauptteil, die Theorien auf das Werk anzuwenden und die Intentionen der verschiedenen Dialoge herauszuarbeiten.
I. Theoretische Grundlage
1.1 Bakhthin’s Dialogismus & Foucault’s Diskursanalyse
Als Grundlage für die Analyse von „Una sola muerte numerosa“ diente mir vor allem Bakhthin’s Dialogismus. Sprache wird von ihm nicht mehr als ein unabhängiges Statement betrachtet, sondern als ein sprachlicher Akt in einem Dialog („Language is not perceived of as the Soussurean ‚language’, but as ‚parole’ or speech, where an interlocutor is present at the moment of the utterance“ 1 , p. 13). Auf „Una sola muerte numerosa“ bezogen bedeutet das, dass das Werk nur einen Beitrag darstellt zu einem Dialog, der vor dem Entstehen des Werkes sowie nach seiner Veröffentlichung weiter gehen wird.
1 „Reading the Feminin Voice in Latin American Women’s Fiction“ by Maria Teresa Medeiros-Lichem
3
Auch Foucault 2 hat sich mit diesem Gedanken beschäftigt als er die Diskursanalyse einführte. Seiner Meinung nach ist ein Autor oder eine Autorin immer beeinflusst von herrschenden Diskursen in der Gesellschaft. Diese werden von dem Autor aufgegriffen, für sein Werk gefiltert und dann an die Gesellschaft zurückgegeben. Er sieht hier außerdem eine gegenseitige Dependenz, denn ohne diese Diskurse gäbe es, auf der einen Seite, keinen Grund das Werk zu schreiben und, auf der anderen Seite, kann das Werk die Diskurse beeinflussen und verändern. Ein Text ist somit ein Treffpunkt vieler verschiedener Diskurse in einem sozialen Netz.
Beide Theorien helfen den Blickwinkel zu erweitern und die verschiedenen Diskurse wahrzunehmen und zu kombinieren (“extend the social and cultural spheres, to include the ethnical categories of class and race“ 1 (p. 204). M. Bakhthin’s Theorie zufolge, wird Sprache so zu einem sozialen Phenomen “ that encompasses a plurality of social voices and [functions] as locus of ideology “ 1 (p. 204).
Der soziale Aspekt dieser Theorie entspricht der Intention von „Una sola muerte numerosa“, da die Autorin großen Wert auf den offenen Dialog zwischen den Menschen legt um die Vergangenheit besser dokumentieren zu können:
“Bakhthin’s dialogic perception of language includes multiple consciousnesses in tension with an official narrative and is particularly enlightening for the reading of women’s fiction because it incorporates the voices of the marginalized, among the women’s voices, and the diverse social ideologies of heteroglossia in a polyphonic social discourse” 2 (p. 204).
Dieses Zitat zeigt, dass es eine Spannung zwischen offiziellen und privaten Dokumentationen gibt und der Dialogismus nach Bakhthin somit eine ideale Möchlichkeit, besonders für Frauen und Menschen die aus der Marginalität kommen, darstellt.
Auch M. T. Medeiros-Lichem 3 betont, dass gerade die Autorinnen von dieser Theorie profitieren, da sie ihnen erlaubt, die Stimmen aus der Marginalität laut werden zu lassen.
Weibliche Autorinnen erweiterten also den Dialogismus indem sie sich bemühten, Stimmen aus der Peripherie in den Diskurs zu integrieren, um somit die monologen und vertikalen Strukturen des Patriarchats in Frage zu stellen ( “feminist dialogic theories in their effort to intergrate the voices of the periphery into a discourse that challenges monologism and vertical
2 Eviline Kilian: Diskursanalyse, In: Ralf Schneider: Literaturwissenschaft in Theorie und Praxis, Gunter Narr Verlag Tübingen, 2004
3 Medeiros-Lichem, Maria Teresa: „Reading the Feminine Voice in Latin American Women’s Fiction“, Peter Lang Publishing, Inc., New York, 2002
4
patterns of dominance, and that acknowledges the voice as a side of resistance are an innovative extension of Bkhthin’s dialogism” 3 , p. 205). Es handelt sich somit um einen Gegensatz zu den früheren monologen, männlichen Diskursen.
1.2 Kollektive Erinnerung
Durch die fragmentarische Struktur des Textes, also die Adaption verschiedener Texte und anonymer Zeugenberichte, wird der Fokus von der persönlichen Erinnerung Nora Strejilevich’s, zu einem größeren Bild ausgeweitet. Es geht nicht mehr um eine individuelle Erfahrung allein, sondern um die Erfahrung vieler Menschen. Dadurch entsteht eine Polyphonie, die Grundlage zu einer kollektiven Erinnerung. Der Begriff der kollektiven Erinnerung wurde von dem Franzosen Maurice Halbwachs 4 geprägt. Er geht davon aus, dass Menschen sich am Besten erinnern, indem sie entweder mit anderen Menschen kommunizieren oder indem äußere Anreize eine Erinnerung auslösen. Somit sagt er, dass Erinnerung nicht nur ein psychologischer sondern auch ein sozialer Vorgang ist. Unsere eigenen Erinnerungen sind nicht ausschließlich persönlich, sondern die Erinnerung wird vollständiger, wenn sich mehrere Personen gemeinsam erinnern (vgl. p. 38). Solche sozialen Erinnerungen formen unsere Gesellschaft und können als fundamental für die nationale Identität angesehen werden (vgl. Kap. 3.4 ).
Hierbei kann man zwischen der spontanen und der intentionalen Erinnerung unterscheiden. Die spontane Erinnerung ist an Details und Emotionen gebunden und macht einen Teil unserer kollektiven Erinnerung aus. Die Intentionale dagegen, kann nur noch mit Fakten und Daten aufwarten. D. h., dass die Bedeutung der kollektiven Erinnerung mehr in der Qualität als in der Quantität der Erinnerung liegt. Im Laufe der Zeit verschwinden viele Details eines bestimmten Ereignisses und nur der grobe Rahmen, eine intentionale Erinnerung, wird in das Gedankengut der Gesellschaft übernommen. Dies bedeutet nicht, dass sich die Menschen später nicht mehr an das Ereignis erinnern können, es wird jedoch für spätere Generationen nicht mehr das selbe sein, wie für die Menschen die es durchlebt haben. Deshalb hat sich die Testimonialliteratur zur Aufgabe gemacht, dem Vergessen entgegenzuwirken.
4 Maurice Halbwachs: “On collective memory”, The University of Chicago Press, 1992
5
Arbeit zitieren:
Ann-Kathleen Kraetzig, 2007, Der Dialog in „Una sola muerte numerosa” von Nora Strejilevich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 19 Seiten
Schuleingangsdiagnostik: Der Reutlinger Test für Schulangänger (RTS) u...
Hausarbeit (Hauptseminar), 38 Seiten
La Revolución Cubana. Orígenes y desarrollo
Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Messung von sprachlichen Teilfertigkeiten
Eine kritische Reflexion zu Sp...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 15 Seiten
Geschlechtsspezifische Kommunikation
Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache
Seminararbeit, 27 Seiten
Elitenwechsel im Libanon nach Ende des Bürgerkrieges
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 21 Seiten
Wenn die Unterprivilegierten zu Wort kommen - Zur Gattung der Testimon...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Friedensarbeit der Vereinten Nationen
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Seminararbeit, 24 Seiten
Alte Konflikte, Neue Formen - Milieubegriffe und ihre Aussagekraft für...
Hausarbeit, 20 Seiten
A decade of UNIFIL (United Nations Interim Forces in Lebanon)- A criti...
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Ursachen der Entwicklung des deutschen Parteiensystems
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 18 Seiten
Das baskische Volk und seine Sprache
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 15 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 15 Seiten
La inmigración en España - un conflicto social
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Ann-Kathleen Kraetzig hat den Text Der Dialog in „Una sola muerte numerosa” von Nora Strejilevich veröffentlicht
Ann-Kathleen Kraetzig hat einen neuen Text hochgeladen
Nos Fuimos Todos de Safari: Una Aventura de Numeros Por Tanzania
Laurie Krebs, Yanitzia James Canetti, Julia Cairns
Llamadas A una Vidente: Con una Solo Llamada Telefonica, Ella y Sus Es...
Alice Rose Morgan, Hector Ramirez, Edgar Rojas
El Plan Panza Plana!: Un Abdomen Plano Es Cuestion de Actitud y Nutric...
Liz Vaccariello, Cynthia Sass
0 Kommentare