1. Einleitung 2
2. Kriegstypen, Kriegsursachen und Kriegsbeendigung 3
3. Friedliche Konfliktbearbeitung 7
3.1 Probleme und Voraussetzungen der friedlichen Konfliktbearbeitung 9
3.2 Nationale und lokale Konfliktbearbeitung 11
3.3 Subregionale Konfliktbearbeitung 12
3.4 Regionale Konfliktbearbeitung 13
3.5 Universale Konfliktbearbeitung 16
4. Schluss 21
5. Literatur 23
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1. Einleitung
Hierzulande wird uns vor allem durch die Medien immer wieder ein „katastrophisches“ Bild Afrikas vermittelt und durch sie auch aufrecht erhalten. Afrika - dieser Begriff wird teilweise sogar als Synonym für soziale Katastrophen verwendet (Matthies 1998: 49). Das bestehende Afrika Bild suggeriert, dass vor allem im südlichen Afrika etliche Konflikte bestehen und jederzeit neue ausbrechen könnten (Matthies 1994²:199). Die zivile Rückständigkeit diese Kontinentes wird, so scheint es, immer wieder bestätigt: hier sind zum Beispiel die in den Jahren 1991-1994 ausgebrochenen Bürgerkriege in Liberia und Somalia, sowie der Völkermord in Ruanda zu nennen. Dass es sich dabei jedoch um Extremfälle, die keineswegs repräsentativ für den gesamten afrikanische Kontinent sind, handelt (Matthies 1998:49), wird in der Berichterstattung der Medien oftmals kaum deutlich.
Spricht man über Afrika, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es sich dabei um kein homogenes Gebilde, sondern einen Kontinent aus „unterschiedlichen Welten“ (Matthies 1994²:199) handelt, die kulturell und gesellschaftlich teilweise weiter voneinander entfernt sind, als manche europäischen Länder. Um ein differenziertes Bild Afrikas zu erhalten, müssen die Heterogenität des afrikanischen Kulturraums, sowie die historischen und geschichtlichen Ungleichzeitigkeiten in der Entwicklung bedacht werden. Nur so ist es möglich, die Realität einigermaßen zu erfassen (Matthies 1998: 49). Dies gilt auch im Hinblick auf die afrikanischen Konflikte und Kriege: den „Genotypus des bellum africanum“ (Matthies 1994²:200) gibt es nicht! Dennoch darf man bei einer Darstellung Afrikas die Augen nicht vor der Realität verschließen. Allein in den letzten 50 Jahren fanden dort 55 Kriege statt, was in etwa ein Viertel der 198 Kriege weltweit stattgefundenen Kriege ausmacht. Zwischen 1960 und 1980 gab es acht größere Bürgerkriege, seit den 70er Jahren kam es in Afrika zu den teilweise schlimmsten Kriegen der Welt. Diese fanden in Angola, Mosambik, Uganda, Ruanda, Äthiopien, Sudan und Somalia statt. Auch ein Drittel aller Völkermorde in der Zeit zwischen 1960 und 1980 geschahen in Afrika. All diese Kriege forderten mehr als 6,5 Millionen Opfer und führten zu einer unglaublichen Zahl von Flüchtlingen (Matthies 1998:49). Weitere Folgen der Kriege waren, und sind es teilweise auch heute noch, zerrüttete Ökonomien und weitgehend zerstörte Infrastrukturen, die gesellschaftliche Desintegration, starke ökologische Schäden sowie die Verheerung besonders der
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ländlichen Regionen. Ganze Landstriche sind bis heute noch mit Landminen verseucht, die eine große Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Eine weitere Folge ist der Staatszerfall, der häufig die Errichtung gewalttätig abgesicherter Partikularherrschaften auf dem Territorium des zerfallenen Staates mit oftmals informeller und krimineller Schattenwirtschaft begünstigt. Auch die Militarisierung ganzer Gesellschaften stellt ein bedeutendes Problem dar (Matthies 1998: 59).
Aufgrund dieser Kriegsfolgen ist die Situation auch nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes in Afrika noch nicht entspannt (Matthies 1994²:201). Auch im Moment herrscht zum Beispiel im Sudan immer noch Bürgerkrieg und man kann auch das erneute Ausbrechen von Kriegen in jetzt noch friedlichen Gebieten nicht komplett verhindern Dennoch gibt auch etliche, teilweise schon seit Jahren, friedliche Gebiete südlich der Sahara, wie zum Beispiel Tansania, auf das später noch eingegangen wird. Bemerkenswert ist auch, dass in der 80er und 90er Jahren viele langjährige Konflikte, vor allem in Südafrika, Namibia, Mosambik, Uganda, Äthiopien und Eritrea friedlich beigelegt und von Wiederaufbaumaßnahmen abgelöst wurden (Matthies 1998:49). Natürlich treten aber auch in grundsätzlich friedlichen Gebieten immer wieder soziale Spannungen und andere Krisen auf, die jedoch häufig durch schnelles, aber wohl überlegtes Eingreifen von verschiedensten Akteuren behoben werden können. Somit gelingt es oftmals, Konflikte, die sich zu einem Krieg entwickeln könnten, schon in ihrer Entstehungsphase zu entschärfen und zu lösen.
In dieser Arbeit werde ich besonders auf die bereits skizzierte friedliche Konfliktbearbeitung eingehen. Hierbei geht es vor allem um die Fragen: Was ist friedliche Konfliktbearbeitung?, Welche Formen der Konfliktbearbeitung gibt es?, und damit eng verbunden: Welche Akteure spielen speziell in Afrika eine besondere Rolle bei der Bearbeitung von Konflikten?, sowie: Wo sind die Grenzen der friedlichen Konfliktbearbeitung?. All diese Fragen werde ich zunächst etwas theoretisch behandeln um am Ende anhand von Beispielen einen praktischen Bezug herzustellen. Zunächst muss ich jedoch kurz auf die verschiedene Kriegstypen und Kriegsursachen eingehen, da sich diese Faktoren entscheidend auf die Kriegsbeendigung auswirken.
2. Kriegstypen, Kriegsursachen und Kriegsbeendigung
Allgemein lassen sich zwei Formen von Kriegen unterscheiden - die zwischenstaatlichen Kriege und die innerstaatlichen Kriege. Zu letzteren gehören , Befreiungskriege, Anti-
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Regime-Kriege sowie Mischtypen von Kriegen, die sich in Form von Bürgerkriegen, wie zum Beispiel im Tschad und im Sudan (Matthies 1998: 50), äußern. Die Zahl der zwischenstaatlichen Kriege und gewalttätigen Grenzkonflikte ist, im ganzen betrachtet, relativ gering. Als Beispiele wären hier die Konflikte zwischen Algerien und Marokko 1963, Somalia und Äthiopien 1977/78, Burkina Faso und Mali 1985 sowie Tansania und Uganda 1978 zu nennen.
Als Ursache dieser Kriege lässt sich nicht die künstliche Grenzziehung der Kolonialmächte anführen. Der Bestand der Territorien erwies sich als sehr stabil und die „ [...] zentrale, den territorialen Status quo begünstigende Norm des afrikanischen Staatensystems ist daher bis heute die Beibehaltung der kolonial vererbten Grenzen.“ (Matthies 1998: 50).
Anti-koloniale Befreiungskämpfe und Dekolonisationskonflikte, wie sie in Algerien, Angola, Mosambik, Namibia, Südafrika, Eritrea und in der Westsahara ausbrachen, nachdem die OAU 1963 den „bewaffneten Kampf“ gegen die Kolonial- und Minderheitenregime (Ansprenger 1995: 43) legitimiert hatte, sind heute weitgehend abgeschlossen.
Dasselbe gilt für die zahlreichen Stellvertreterkriege, die vor allem während des Kalten Krieges auf afrikanischem Boden geführt wurden. Bei der großen Mehrheit der Konflikte handelt es sich um innerstaatliche Auseinandersetzungen, also um Anti-Regime Kriege und Bürgerkriege, wobei es hauptsächlich um die Befriedigung partikularer Interessen einiger Bevölkerungsgruppen geht (Matthies 1998: 50).
Hierbei lässt sich als Ursache weniger das vielzitierte Konzept des Tribalismus anführen, das aufgrund der künstlichen Grenzziehung entstanden sein soll. Wie bereits erwähnt, spielt diese, und somit auch der Tribalismus keine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Konflikten. Tribalismus spiegelt somit nicht die Realität wieder, sondern dient nur der vereinfachenden Darstellung. Eine weit bedeutendere Rolle spielt die „politisierte Ethnizität“. Hierbei geht es um die Manipulation des sozialen und politischen Konstruktes der Ethnizität. Auslöser von Konflikten ist jedoch nicht die wahrgenommene Andersartigkeit, sondern deren Betonung und Manipulation durch politische Führer (Matthies 1998: 56). Die Gründe liegen jedoch noch tiefer: traditionelle Vergesellschaftungszusammenhänge werden durch Staatsversagen, staatliche Repression und die Privatisierung von Macht zu überlebensnotwendigen ökonomischen, sozialen und politischen Sicherheitsnetzen, vor allem für die ländliche Bevölkerung (Matthies
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1994²:202). Nur mit dem Konzept der politisierten Ethnizität sind somit Stammesfehden zu erklären, nicht aber mit dem Konzept des Tribalismus, da zum Beispiel allein in Tansania ungefähr 150 Ethnien friedlich in einem Staat zusammenleben. Im Hinblich auf die Kriegsursachen lohnt es sich, noch einmal genauer auf die Situation in Afrika während und nach dem Kalten Krieg einzugehen.
Afrika zählt zu den am stärksten in den Ost-West-Konflikt eingebundenen Kontinenten. Gründe hierfür waren seine geo-strategische Lage zwischen dem Atlantik und dem Indischen Ozean, sein Reichtum an Rohstoffen, das Machtvakuum innerhalb der Staaten sowie bestehende Konflikte und gesellschaftliche Umbrüche. Aufgrund dieser Konflikte und Umbrüche kam es zu einer Internationalisierung dieser in Form von Stellvertreterkriegen. In den 80er Jahren kam es zu einem „Neuen Kalten Krieg“. Hierbei versuchten die Supermächte USA und UdSSR „ über Vertragswerke, Wirschafts- und Militärhilfe sowie direkte und indirekte Militärinterventionen [...] ihre jeweiligen Einflussbereiche abzusichern und das gegnerische Lager zu schwächen.“ (Matthies 1998: 57). Dies hatte die Intensivierung von Stellvertreterkriegen sowie die Militarisierung der afrikanischen Gesellschaften und die machtpolitische Stabilisierung von diktatorischrepressiven und korrupten Herrschern zur Folge und dramatische Auswirkungen auf die Bevölkerung (Matthies 1998: 57).
Nach dem Kalten Krieg kam es zwar in einigen Staaten, wie zum Beispiel Äthiopien, Eritrea, Angola, Mosambik, Namibia und Südafrika zu einer friedlichen Beilegung der Konflikte (Matthies 1998: 57), der Frieden war jedoch nicht immer von Dauer. In vielen Staaten führte der schnelle Rückzug der Patronagemächte zu einer Verschärfung der gesellschaftliche Widersprüche und der Verteilungskämpfe. Dies äußerte sich in einer wachsenden Politisierung von Vergesellschaftungszusammenhängen („politisierte Ethnizität“), in ethnisch geprägten Auseinandersetzungen, in dem Zerfall von Staaten sowie in vermehrten kriegerischen Konflikten. Dies lässt sich wie folgt erklären: mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und dem damit verbundenen Rückzug der Patronagemächte entfiel für die afrikanischen Staaten zugleich die Möglichkeit, sich den Konflikt der Supermächte zur Mobilisierung von externer Unterstützung nutzbar zu machen. Weiterhin wurde der außenpolitische Handlungsspielraum sehr stark eingeengt und die afrikanischen Staaten konnten nicht mehr mit einer externen Stabilisierung durch den Zufluss militärischer und ökonomischer Ressourcen rechnen. Innerhalb der Staaten zeigte sich nun die Unfähigkeit der nachkolonialen Staatsklassen, die den Staatsapparat nur zu ihrer eigenen Bereicherung ausgenutzt hatten. Vor diesem Hintergrund gerieten
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Arbeit zitieren:
Alexandra Mörz, 2003, Friedliche Konfliktbearbeitung durch afrikanische Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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