2
2.1 Definition 04
2.2 Theoretischer Rahmen 05
2.3 Modell des Akkulturationsprozesses 08
2.4 Einfluss individueller und gesellschaftlicher Variablen 10
12 3 Fallbeispiele
3.1 Akkulturationsstrategien jugendlicher Immigranten in Portugal 12
3.2 Domänen und Dimensionen der Akkulturation: implizite Theorien türkisch
niederländischer Immigranten 14
The term acculturation has been used during the 20th century in reference to what may be considered one of the more illusive, albeit ubiquitous constructs in the behav- ioural sciences. (Olmeda 1979:1061, zit. nach Ward 1996:124)
1. Einleitung
„Homo sapiens is a migrating animal. From earliest origins in Asia (or Africa) mankind has migrated in search of a better life.” (Dyal 1981: 301, kursiv im Original).
Durch revolutionäre technologische Innovationen wird uns Menschen dieses Wandern er- heblich erleichtert. Auf unserer Wanderschaft begegnen wir anderen Menschen und kommen mit fremden Ländern und Kulturen in Berührung. Dieser Kulturkontakt bildet den Ausgangs- punkt dieser Arbeit. Schnell wird uns nämlich bewusst, dass sich die Menschen fremder Kul- turen in ihrem Denken doch stark von uns selbst unterscheiden. Doch wie gehen wir nun mit dieser anderen Weltsicht um? Was für Probleme ergeben sich daraus für uns persönlich? Wie reagiert der Mensch, dieses migrating animal, auf die fremden und ungewohnten Erfahrun- gen, die er im Laufe seiner Wanderschaft macht? Lassen sich diese Reaktionen überhaupt wissenschaftlich erfassen und interpretieren, oder haben wir es ausschließlich mit individuel- len Befindlichkeiten zu tun, die sich jeglicher Kategorisierung entziehen? Letzteres, so viel sei an dieser Stelle schon gesagt, kann jedoch bereits jetzt negiert werden.
Durch die Vielzahl von Akkulturationsstudien und die daraus entwickelten Theorien zum Kulturkontakt ist es uns möglich, die individuellen, aus der Kontaktsituation resultierenden Erfahrungen der Menschen zu erfassen und zu analysieren.
Diese Arbeit wird nach einer begrifflichen Definition einen Überblick hinsichtlich der ak- tuellen Theorien der Akkulturation bieten, welche im Anschluss anhand eines Modells des Akkulturationsprozesses verdeutlicht werden sollen. Ein weiteres Kapitel wird sich dem Ein- fluss individueller und gesellschaftlicher Variablen im Verlauf der Akkulturation widmen. Nach dieser theoretischen Annäherung soll das erwähnte anhand zweier Fallbeispiele prak- tisch verdeutlicht werden. Anhand dieser Beispiele werden wir auf das Idealtypische des Ak- kulturationsmodelles zu sprechen kommen, und uns überlegen müssen, ob ein derart ausge- feiltes und holistisches Modell den Anforderungen der Empirie überhaupt gerecht werden kann.
2. Theorien der Akkulturation
2.1 Definition
Wir finden bereits in den 1880er Jahren erste Studien zum Thema Akkulturation, die damals vor allem von nordamerikanischen Anthropologen verfasst wurden. Einen konzeptuellen Rahmen für die Kulturgeschichte und den Kulturwandel lieferten jedoch erstmals Redfield et al 1936, deren Definition der Akkulturation auch heute noch verwendet wird (vgl. z.B. Ward 1996:124):
„Acculturation comprehends those phenomena which result when groups of individuals having different cul- tures come into continuous first-hand contact with subsequent changes in the original cultural patterns of ei- ther or both groups.“ (Redfield et al 1936:149, zit. nach Spicer 1968:22).
Der Akkulturation liegt somit per definitionem der Kulturkontakt von mindestens zwei auto- nomen kulturellen Gruppen zugrunde, welcher einen Wandel in mindestens einer der beiden Kulturen zur Folge hat. Meist werden die am Akkulturationsprozess beteiligten Gruppen (cul- tural groups) nach ihrer relativen Macht in die dominante Gruppe (dominant group) und die akkulturierende, nicht-dominante Gruppe (acculturation (non-dominant) group) eingeteilt (Segall 1999:303). Häufig entstehen durch die Dominanz einer der beiden kulturellen Grup- pen Konflikte, die sich auf die Gesellschaft und das Individuum auswirken (Berry 1980:10). Von Anthropologen wurde die Akkulturation zunächst ausschließlich als Gruppenphäno- men untersucht, seit Graves (1967) beschäftigen sich Psychologen im Rahmen der kulturver- gleichende Psychologie jedoch vornehmlich mit deren Auswirkungen auf das Individuum (Ward 1996:124). Segall (1999:301) zufolge ist diese Unterscheidung äußerst wichtig, da nicht alle Individuen im gleichen Maße an der Akkulturation teilnehmen. So kann ein generel- ler Wandel in der Gesellschaft grundlegende Folgen haben, die individuellen Auswirkungen können jedoch stark variieren.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit wird daher die Frage stehen, welche psychologischen Aus- wirkungen sich durch den Kulturkontakt für das Individuum ergeben. Denn trotz einer großen persönlichen Varianz lassen sich dennoch grundlegende psychologische Prinzipien feststellen. Diese „general processes and outcomes (both cultural and psychological) of cultural contact“ (Segall 1999:304), sprich der Akkulturation , gleichen sich Segall zufolge bei allen cultural groups.
Als Akkulturationsstrategien werden Integration, Assimilation, Separation und Marginali- sierung unterschieden, auf deren genaue Definition ich an geeigneter Stelle noch zu sprechen
kommen werde. An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass sie sich insbesondere im Hinblick auf die psychische Stabilität der Akkulturierenden unterscheiden. Die Komplexität und Mul- tidimensionalität des Akkulturationsprozesses wird jedoch in den folgenden Kapiteln verdeut- licht werden.
Als Ergebnis der Akkulturation gilt die Adaptation, ein neutraler Begriff, der sowohl ein positives Ergebnis, das heißt das Meistern der neuen Situation, als auch ein negatives Ender- gebnis, also kein Zurechtkommen mit der neuen Situation, beschreiben kann (Segall 1999:309). Segall (1999:303) unterscheidet anhand von Faktoren wie Mobilität, Freiwilligkeit und Sesshaftigkeit sechs Typen der akkulturierenden Gruppen: ethnokulturelle Gruppen, In- digene, Immigranten, Flüchtlinge, Asylbewerber und Leute, die sich nur für eine begrenzte Zeit im Ausland aufhalten, wie zum Beispiel Studenten und Gastarbeiter. Aufgrund deren unterschiedlichen Motivationen, ihr Land zu verlassen, stoßen wir bei einigen Gruppen auf größere Adaptationsprobleme als bei anderen. Seit Searle und Ward (1990) unterscheiden wir zwischen (1) psychologischer Adaptation, die sich auf innere psychologische Veränderungen, wie zum Beispiel der Identität, der mentalen Gesundheit und der allgemeinen Zufriedenheit bezieht, und (2) soziokultureller Adaptation, die den Umgang mit externen psychologischen Veränderungen, wie zum Beispiel das Verhalten und den Umgang mit Alltagsproblemen the- matisiert.
2.2 Theoretischer Rahmen
Frühere Studien zur Akkulturation waren bis Mitte der 70er Jahre stark klinisch orientiert, das heißt, sie gingen von einem unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Migration und psy- chischen Problemen aus. Ab den 80er Jahren entstanden hinsichtlich der Frage, warum bei Migranten häufiger psychische Problemen auftreten, differenziertere Fragestellungen. In die Untersuchungen wurden nun auch andere Faktoren wie zum Beispiel veränderte Werte, Iden- tität und Akkulturationsstrategien miteinbezogen. Der interkulturelle Kontakt wurde immer häufiger als eine dynamischen Lernprozess auf beiden Seiten interpretiert (Ward 2001:34-37). Seit 1983 können wir drei dominante Forschungsrichtungen zum Themenkomplex des Kul- turschocks ausmachen. Erstens, der cultural and social learning Ansatz, dessen zentrale Ana- lyse sich auf das Erlernen kulturspezifischer Fähigkeiten konzentriert. Man geht dabei davon aus, dass die Adaptation an ein neues kulturelles Milieu durch die Übernahme neuer sozialer Fähigkeiten erleichtert wird. Untersucht wird dabei vor allem die behaviourale Dimension der Adaptation, sowie das generelle Wissen über die neue Kultur, die Dauer des Aufenthalts, die
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Alexandra Mörz, 2005, Akkulturation – Die Dichotomie von Theorie und Praxis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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