Denis Blazanovic 2008 2
Inhaltsverzeichnis:
Historische Einführung 03
Verlauf……………………………………………………………………………………………. 03
Problemskizze 04
Hizbollah 05
Israel……………………………………………………………………………………………… 07
Libanon 08
Iran……………………………………………………………………………………………….. 09
Syrien 09
Stellungnahme 10
Quellen - und Literaturverzeichnis 11
Anhang 12
Selbstst ändigkeitserklärung 13
© Denis Blazanovic 2008 3
Historische Einführung:
Als Antwort auf syrisch-ägyptische Terroranschläge, Truppenkonzentrationen entlang der israelischen Grenzen und syrischem Artilleriebeschuss, führte Israel am 5. Juni 1967 einen Präventivschlag gegen beide arabisch-islamische Staaten und eroberte 5 binnen sechs Tagen den gesamten Sinai, die bis dato syrischen Sheeba-Farmen und Golanhöhen sowie den Gazastreifen und das Westjordanland*. Die PLO(Palästinensische Befreiungsorganisation) verlor in Palästina damit ihre territoriale Basis für den Kampf um einen autonomen palästinensischen Staat auf israelischem Boden. Die PLO verlegte ihre Basis in den Libanon und richtete in Beirut 10 ihr Hauptquartier ein. Von der israelisch-libanesischen Grenze sickerten palästinensische Terroristen in Israel ein und verübten weiterhin Anschläge. Israel sah sich gezwungen, militärisch gegen diese Infiltration vorzugehen. Im März 1978 intervenierte die israelische Armee gegen die PLO im Südlibanon, konnte aber keine signifikante Schwächung oder gar eine Niederlage der PLO herbeiführen. 15 Daraufhin eroberte Israel 1982 große Teile des Libanons inklusive der Hauptstadt Beirut. Der israelische Angriff destabilisierte den Zedernstaat und führte zum Ausbruch eines Bürgerkrieges. Der multikonfessionelle Staat zerbrach und versank in brutale Kämpfe zwischen Milizen der verschiedenen Glaubensgruppen. Israel verstrickte sich bis zum Ende des Bürgerkriegs 1990 tief in die ethnischen 20 Konflikte des Landes. 1983 zieht sich Israel bis auf eine eingerichtete Sicherheitszone an der israelisch-libanesischen Grenze im Südlibanon zurück. Die Situation der israelischen Besatzer verbesserte sich dadurch aber nicht.
Die als Antwort auf die israelische Invasion 1982 gegründete libanesisch-schiitische und anti-israelische Terror- und Widerstandsgruppe Hizbollah verstrickte Israel in einen 25 kräftezehrenden und blutigen Guerrilla-Krieg. Nach insgesamt 18 Jahren der Besatzung verlässt die israelische Armee im Mai 2000 den Südlibanon und zieht sich bis auf die von der UN anerkannte „Blaue Linie“ zurück. Laut UN bestehen zwischen Israel und dem Libanon keine territorialen Ansprüche mehr.
30 Verlauf:
Mit der Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hizbollah, entzündete sich am 12. Juli 2006 ein 33-tägiger Krieg zwischen Israel und der schiitisch-libanesischen Miliz im Südlibanon. Unter Raketenbeschuss Nordisraels wurde der Konvoi der Israelis in einem zentralen Abschnitt der israelisch-libanesischen Grenze nahe der israelischen 35 Siedlung Zar’it* überfallen[1]. Die von der Hizbollah getaufte Operation „Gehaltenes Versprechen“[2] kostete acht israelischen Soldaten das Leben, Ehud Goldwasser und
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1 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S.26. 2 Vgl. Quelle 1. S. 1. * Vgl. Anlage 1
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Eldad Regev wurden als Geiseln genommen und verschleppt[1]. Durch die Aktion sollte die Freiheit von inhaftieren Libanesen in Israel erpresst werden[2]. Trotz des klaren Bekenntnisses zu dieser Entführung seitens der Hizbollah[3], betrachtete die israelische Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert den Vorfall 5 als „Kriegshandlung des libanesischen Staates gegen den israelischen Staat auf dessen souveränem Territorium“[4]. Israel berief sich auf das Selbstverteidigungsrecht der UN-Charta[5] und ging daraufhin mit einer hohen militärischen Intensität an Bodentruppen und Luftangriffen gegen Ziele im Libanon vor[6]. Die Hizbollah setzte den begonnen Raketenbeschuss Nordisraels über die gesamte 10 Dauer des Waffengangs fort. Israel verfolgte das Ziel, die Geiseln zu retten, den Raketenbeschuss Nordisraels zu beenden, sowie die Hizbollah aus dem Südlibanon zu vertreiben, um ihre Rückkehr zur israelisch-libanesischen Grenze anschließend zu verhindern[7]. Eine signifikante Schwächung der Hizbollah bildete hierbei die Voraussetzung. Während des gesamten Waffenganges schaffte es Israel nicht, seine 15 erklärten Kriegsziele zu erreichen. Am 14. August 2006 trat Waffenstillstand ein. Die israelische Armee rückte parallel mit der Stationierung von libanesischen Truppen aus dem Südlibanon ab.
Problemskizze:
20 Überall auf der Welt galt das hochgerüstete, sogar über Nuklearwaffen verfügende Israel als militärische Vormacht im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Das Land hatte bis 2006 alle fünf Kriege gegen seine arabischen Nachbarn seit seiner Staatsgründung 1948 gewonnen, und zwei palästinensische Intifadas zumindest erfolgreich eindämmen können. 25 Nun schaffte es eine kleine Miliz, dass der hochgerüsteten israelischen Armee militärisch weit unterlegen war, durch intelligente Guerrilla-Taktiken und vor allem durch iranisch-syrische Unterstützung, Israel weit länger als allen seinen bisherigen Gegnern, die Stirn zu bieten, und sie zum Rückzug zu zwingen[8]. Israels 30.000 eingesetzte Soldaten, seine exzessiven Luftangriffe nicht nur auf die Hizbollah, 30 sondern auf zivile libanesische Infrastruktur, befähigten Israel trotzdem nicht, die ca. 3.000-Mann umfassende Hizbollah mit ihren simplen Raketen zu vernichten[9]. Indem ein Sieg Israels trotz massiv eingesetzter militärischer Mittel von der Hizbollah verhindert werden konnte, glaubte man vor allem im islamisch-arabischen
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1 Wunder, Simon: Libanon-Israel-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 26. 2 Vgl. Quelle 1. S. 276. 3 Vgl. Quelle 4.
4 Bremer, Jörg: Israel marschiert in den Libanon ein. Aus: F.A.Z.. Nr. 160 - 13. Juli 2006. S. 1. 5 Recht zur Selbstverteidigung - nicht schrankenlos. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. 6 Vgl. Quelle 1. S. 277.
7 Angriffe Israels im Libanon. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 1. 8 Wunder, Simon: Libanon-Israel-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 82f. 9 Busse, Nikolas: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 - 9. August 2006. S. 5.
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Raum an einen Sieg der Hizbollah[1]. Eine „totale Niederlage“ Israels und ein „totaler Sieg“ der Hizbollah haben den „Mythos der Unbesiegbarkeit Israels“ zerstört[2]. Die Hizbollah habe es als einzige „muslimische Armee“ geschafft, Israel eine Niederlage zu bereiten[3], und habe somit „die Würde des islamischen Widerstandes“ 5 wiederhergestellt[4].
Wie aber schaffte es die Hizbollah, der übermächtigen und bis dato erfolgsverwöhnten Armee Israels erfolgreich Widerstand zu leisten? Welche Gründe lassen sich dafür in der Sicherheitspolitik Israels finden? Welche Rolle spielen in der Hizbollah diesbezüglich soziale Aktivitäten, Organisation, Taktik, Ideologie sowie 10 militärische und politische Verbindungen? Welche Rolle nehmen Syrien, vor allem aber Iran ein? Welchen Beitrag leistete die libanesische Regierung? Diese Arbeit betrachtet also die politischen und militär-strategischen Gründe für den Sieg der Hizbollah nicht nur auf der Seite der unmittelbar beteiligten Konflikt-Parteien, Hizbollah und Israel, sondern ebenfalls bei den mittelbaren - aber dennoch 15 einflussreichen - Akteuren Iran, Syrien und Libanon. Da ausschließlich Akteure aus dem Nahen und Mittleren Osten entscheidenden Einfluss auf den 2. Libanon-Krieg hatten (ausgenommen die UNO), wird hier ausdrücklich die Betrachtungsgrenze dieser Arbeit gezogen. Die Rolle und Meinungen externer Akteure(z.B. USA, EU, NATO) bilden keinen Bestandteil dieser Arbeit. 20 Hizbollah:
Seit ihrer Gründung 1982 galt der Kampf der libanesisch-schiitischen Miliz der israelischen Okkupation im Libanon. Syrien, aber vor allem der Iran traten seit Beginn als verlässliche und spendable Financiers auf. Mit ca. 1 Milliarde US $ Jahresbudget 25 war die Hizbollah in der Lage, ihre Arsenale mit modernsten Waffen zu füllen (z.B. mit Schusswesten, Nachtsichtgeräten und Anti-Panzer-Waffen) und ihre Unterstützung in der libanesisch-schiitischen Bevölkerung zu festigen.
Dazu ist die Hizbollah seit ihrer Gründung sozial massiv tätig. Sie betreibt z.B. Kranken- und Waisenhäuser, Schulen und Kindergärten, aber auch Tankstellen, 30 Supermärkte, Moscheen und einen eigenen TV-Sender[5]. Sie gilt, im Gegensatz zu staatlichen Institutionen der libanesischen Regierung, als korrekt und korruptionsfrei[6]. Im Vergleich zu Syrien, kommt dem Iran nicht nur eine finanziell-materielle Unterstützerrolle zu. Der Iran fungiert so nicht nur als ideologischer Lenker, sondern ist ebenfalls für das Parteiprogramm der seit 1992 im Libanon politisch aktiven „Partei
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1 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 81. 2 „Totaler Sieg der Hizbullah“. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2. 3 Bremer, Jörg: Verfehlte Kriegsziele. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 3. 4 Rößler, Hans-Christian: Panarabischer Aktionismus. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 - 9. August 2006. S. 5. 5 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 13ff. 6 DER SPIEGEL. 11. Juli 2005. S. 126.
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Gottes“(arab.) verantwortlich. Gewohnte anti-israelische Rhetorik aus Teheran findet man deshalb auch bei der Hizbollah[1]. Der Iran hilft ebenso aktiv bei der militärischen Entwicklung der Hizbollah, in dem es Waffen liefert und eigene Ausbilder entsendet[2]. Bis heute reichen enge persönliche Verbindungen bis in die iranische 5 Führungsschicht[3]. Wegen dieser massiven finanziellen, militärischen und personellen Unterstützung Irans, gilt die Hizbollah als „Brückenkopf“ Teherans an der israelischen Grenze[4]. Sie ist mit 5 Ministern und 35 Abgeordneten in der libanesischen Regierung nicht nur politisch gewichtig[5], sondern unterscheidet sich in ihrem höheren militärischen Niveau deutlich von palästinensischen Gruppen, mit denen 10 es die Israelis normalerweise zu tun haben[6].
Die „Partei Gottes“ ist also nicht nur eine Mischung aus hoch-budgetierter islamistischer Kampftruppe, Partei und Sozialverband, sondern im Südlibanon quasi ein „Staat im Staate“. Die Stärke der Hizbollah liegt in der Kombination von modernsten Techniken mit klassischer Guerrilla-Taktik. 15 „[…]Auf dem Boden behalten wir die Oberhand. Dort wird sich der Feind zerreiben, weil wir nicht mit den Methoden einer regulären Armee kämpfen[…]“, so der Leiter der streng hierarchisch gegliederten Miliz, Sheikh Hassan Nasrallah. Ihre Zellen arbeiten unabhängig voneinander und kommunizieren möglichst wenig[7]. Die Hizbollah-Kämpfer wohnen und leben im Südlibanon. Dort haben sie ihre Häuser, die sie 20 zugleich als Waffenverstecke benutzten. Ihr Kern besteht aus 300-400 Kämpfern, kann aber binnen Stunden auf ca. 3.000 Kämpfer aufgestockt werden[8]. Aus Angst vor Infiltration durch israelische Geheimdienste, operieren die Kämpfer geheim von ihrer Heimatregion aus[9]. In Gefechten verstecken sich Kämpfer teilweise in Wohnhäusern hinter Zivilisten[10]. 25 Die Hizbollah bediente sich also klassischen Mitteln der asymmetrischen Kriegsführung. Israel traf auf einen einheimischen Gegner, der von ausländischen Sponsoren unterstützt wurde, das Terrain sehr gut kannte und Zivilisten als Deckung benutzte[11].
Nach dem Waffenstillstand vom 14. August 2006, startete die „Sieges-Propaganda“ 30 der Hizbollah[12]. Nasrallah sei der einzige „Feldherr“ im Nahen Osten, der Israel je zum Rückzug gezwungen hat[13]. Die Erkenntnis in der arabisch-islamischen Welt __________
1 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 244f. 2 Busse, Nikolaus: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 - 9. August 2006. S. 5. 3 Hoffmann, Christiane: Iran will seinen Trumpf nicht spielen. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 - 23.07.06. S. 3. 4 Iran will seinen Trumpf nicht spielen. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 - 23. Juli 2006. S. 3. 5 Rößler, Hans-Christian: Stark wie selten zuvor. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. 6 Vgl. Quelle 4. 7 DER SPIEGEL, 31. Juli 2006. S. 93.
8 Busse, Nikolaus: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 - 9. August 2006. S. 5. 9 Cochrane, Paul: Jenseits aller Grenzen. Aus: F.A.Z.. Nr. 187 - 14. August 2006. S. 34. 10 Borgstede, Michael: Israel hat die Hizbullah unterschätzt. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 30 - 30. Juli 2006. S. 7. 11 Frankenberger, Klaus-Dieter: Der verkeilte Konflikt. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 30 - 30. Juli 2006. S. 8. 12 „Totaler Sieg der Hizbullah“. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2. 13 DER SPIEGEL, 31. Juli 2006. S. 92.
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lautete, dass Israel durch Guerrilla-Krieg und Terror doch von der Landkarte „ausradiert“ werden könne[1].
Israel:
5 Mit dem Rückzug aus dem Südlibanon im Jahre 2000, hatte sich die israelische Regierung Ruhe an der libanesischen Grenze erhofft. Indem man sich auf international anerkannte Grenzen zurückzog, wollte man dem arabischen Befreiungskampf die Grundlage entziehen und „die Motivation der Hizbollah für die Konfrontation gegen Israel […] beseitigen“[2]. Dies wurde von der arabisch-islamischen Welt und der 10 Hizbollah als erster militärisch-arabischer Sieg überhaupt, zugleich als Schwäche Israels, interpretiert[3].
Aus diesem Grund war das Scheitern der israelischen Rückzugspolitk offenkundig. Die Hizbollah rüstete sich auf und verstärkte ihre Stellungen im Südlibanon. Doch die israelische Regierung schenkte ihr wenig Beachtung, reagierte auf Operationen der 15 Hizbollah lediglich begrenzt[4]. Israel hatte kein Interesse, neben den militärischen Auseinandersetzungen im Westjordanland und im Gazastreifen, eine weitere Front zu eröffnen[5]. Nach allgemeiner israelischer Auffassung stellte die Hizbollah keine militärstrategische Gefahr für Israel dar. Sie könne zwar intelligent, aber nur mit iranischsyrischer Unterstützung kämpfen[6]. Mit der Entführung der zwei israelischen Soldaten 20 änderte sich diese Ansicht.
Israel sah die Aktion der Hizbollah als Folge der arabisch-islamischen Anzweiflung der israelischen Abschreckungskraft aufgrund der betriebenen Rückzugspolitk im Südlibanon. Seit der israelischen Staatsgründung lautete die überlebenswichtige Militärdoktrin, des seit jeher umzingelten und relativ kleinen Israels: Abschreckung. Um 25 jedwede Zweifel einer militärischen Überlegenheit Israels aus dem Weg zu räumen, beschloss die Regierung mit großer militärischer Intensität gegen die Hizbollah und ihr Umfeld vorzugehen[7]. Dies schloss die Zerstörung libanesisch-ziviler Infrastruktur ein, die von der Hizbollah genutzt werden könnte[8].
Darüber hinaus fühlte sich die israelische Armee gedemütigt und herausgefordert, 30 da die Entführung auch durch Unachtsamkeit und Informationslücken im israelischen Militär provoziert wurde[9]. Die israelische Regierung war entschlossen, den Entführungen ein gewaltsames und überproportional hartes Ende zu setzen[10].
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1 Frankenberger, Klaus-Dieter: Der verkeilte Konflikt. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 30 - 30. Juli 2006. S. 8. 2 Wunder, Simon: Libanon-Israel-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 55. 3 Bremer, Jörg: Die Armee macht Fehler. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 10. 4 Borgstede, Michael: Israel kämpft einig im Zweifel. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 - 23. Juli 2006. S. 2. 5 Vgl. Quelle 2. S. 56f. 6 Vgl. Quelle 3. 7 Vgl. Quelle 3.; Vgl. Quelle 2. S. 56f. 8 Vgl. Quelle 2. S. 84f. 9 Vgl. Quelle 3.
10 Stimmen der Anderen. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2.
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Israel wertete die Entführung als „Kriegshandlung des libanesischen Staates“, da die Hizbollah auch in der libanesischen Regierung vertreten ist, und berief sich damit auf das Selbstverteidigungsrecht der UN-Charta. Völkerrechtlich ist der Libanon dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass von seinem Territorium keine Angriffe gegen 5 benachbarte Staaten erfolgen. Wenn das nicht gelingt, darf Israel sich wehren, aber lediglich unter der Maxime der Verhältnismäßigkeit. Damit unvereinbar sind Äußerungen der israelischen Regierung, mit Angriffen auf libanesische Infrastruktur „die Uhr im Libanon um zwanzig Jahre zurückzudrehen“[1]. Vor allem die exzessiven „Zerstörungsorgien“ libanesisch-ziviler Infrastruktur 10 schürten den Hass auf Israel in der gesamten islamischen Welt[2]. Aus diesem Grund wurde die militärische Offensive Israels in der Weltöffentlichkeit als unverhältnismäßig hart empfunden[3].
Mit dem Waffenstillstand vom 14. August 2006 und dem anschließenden Rückzug aus dem Libanon, hatte Israel politisch verloren. Mit der Militäroffensive gegen die 15 Hizbollah hatte Israel die Unbesiegbarkeit des eigenen Militärs zeigen wollen. Stattdessen wurde Israel die gleiche militärische Lektion in asymmetrischer Kriegsführung gelehrt, wie sie zum Beispiel die USA auf so schmerzliche Weise im Irak und in Afghanistan lernten und immer noch lernen: Mit nur militärischen Mitteln, seien sie noch so stark und effizient, lassen sich keine asymmetrischen Kriege im 21. 20 Jahrhundert mehr gewinnen.
Israel mit seinen Atomwaffen, seinen 500.000 Soldaten, seinem Militärhaushalt von 6 Milliarden US $, 600 Kampfflugzeugen und tausenden Panzern, hatte es nach vierwöchigen Kämpfen nicht geschafft, eine 3.000-Mann-Miliz mit simplen Raketen außer Gefecht zu setzen[4]. 25 Libanon:
Mit der UN-Resolution 1559 vom 2. September 2004 wurde die libanesische Regierung aufgefordert, die Hizbollah zu entwaffnen[5]. Dies wurde nicht umgesetzt. Einerseits sah die Resolution selbst keinen Mechanismus zur Entwaffnung vor. 30 Darüber hinaus würde die Entwaffnung und Entmachtung der schiitischen Hizbollah, bei einem schiitischen Bevölkerungsanteil von ca. 40% im Libanon, ethnische Verwerfungen eventuell wieder neu aufreißen lassen. Damit verbundene Kämpfe zwischen Glaubensgruppen wollte die libanesisch-ethnische Proporz-Regierung nicht riskieren[6]. Der libanesische (christliche) Präsident, Emile Lahoud, ist von der 35 syrischen Regierung eingesetzt worden. Er und sein (sunnitischer) Ministerpräsident, __________
1 Recht zur Selbstverteidigung - nicht schrankenlos. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. 2 Stimmen der Anderen. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2. 3 Bremer, Jörg: Die Armee macht Fehler. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 10. 4 Stimmen der Anderen. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2. 5 United Nations Security Council: Resolution 1559 (2nd September 2004) 6 Eingerückt. Aus: F.A.Z.. Nr. 160 - 13. Juli 2006. S. 1.
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Fuad Siniora, hegen Sympathie für die schiitische Miliz. Eine Entwaffnung komme für Lahoud nicht in Frage. Ihre Auflösung würde den Libanon gegenüber dem israelischen Feind schwächen. Siniora lobte die Hizbollah als „Widerstandsbewegung“, welche weiterbestehen müsse, solange Israel libanesisches Staatsgebiet (Sheeba-Farmen) 5 besetzt hält[1].
Die libanesische Regierung und die libanesische Armee sind aufgrund ihrer ethnischen Zerrissenheit nicht in der Lage, sich gegen den geschlossenen Block von Hizbollah und ihren schiitischen Anhängern im Libanon durchzusetzen. Eine Entwaffnung der Hizbollah oder eine Kontrolle des Südlibanons durch staatliche 10 Truppen ist daher unwahrscheinlich.
Iran:
Der Iran hat maßgeblichen Einfluss auf die Hizbollah. Er ist ideologisches Vorbild und Haupt-Financier. Er liefert einen Großteil der Waffen, darunter vor allem Raketen, aber 15 auch Schusswaffen, Munition, Nachtsichtgeräte und modernste laser-gelenkte Panzerabwehrwaffen. Die Regierung in Teheran koordiniert zentrale Personalentscheidungen der Hizbollah. Iranische Spezialeinheiten bilden Hizbollah-Kämpfer in Guerrilla-Taktiken aus und erläutern den Umgang mit komplexen Waffensystem, wie Anti-Schiffsflugkörpern. Iranische Ausbilder waren während des 2. Libanon-Krieges an der 20 Seite von Hizbollah-Kämpfern an Gefechten beteiligt[2].
Iran sieht Israel und die USA als einzig verbleibende Hindernisse zu einem Aufstieg als Hegemonialmacht im Nahen und Mittleren Osten. Deswegen versucht Teheran Israel einzukreisen. Da ihm dies aus geographischen Gründen auf direkte Weise verwehrt ist, unterstützt und fördert es anti-israelische Kräfte im Westjordanland, im 25 Gazastreifen und im Libanon. Durch Waffenlieferungen und Geld möchte Iran seinen Einfluss auf die unterstützen Organisationen erhöhen, um mit Gewalteskalationen islamistische Fronten an Israels Grenzen zu eröffnen oder zu intensivieren. Israel soll damit aber auch gezwungen werden, sich finanziell auf seine Sicherheitspolitik zu fokussieren, wobei die gesamt-staatliche Entwicklung zurücksteht. Iranische 30 „Brückenköpfe“ wie die Hizbollah an der israelischen Grenze sollen Iran ein indirektes militärisches Eingreifen auf Israel ermöglichen, was man auch als politisches Druckmittel gegen die USA benutzt[3].
Syrien:
35 Seit Ende des libanesischen Bürgerkriegs 1990, waren syrische Truppen auf UN-Befehl bis 2004 (UN-Resolution 1559) im Libanon stationiert. Aufgrund des resolutions-
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1 Rößler, Hans-Christian: Stark wie selten zuvor. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. 2 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 48f.
3 Hoffmann, Christiane: Iran will seinen Triumph nicht spielen. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 - 23.07.2006. S. 3.
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gestützten Abzugs drohte Syrien seinen Einfluss im Libanon, und damit auch auf die Hizbollah als außenpolitisches Druckmittel gegen Israel, zu verlieren. Damaskus unterstützt seitdem die Hizbollah hauptsächlich durch Waffen, aber auch durch politischen Druck auf die libanesische Regierung, die Entwaffnung der Hizbollah 5 nicht durchzusetzen. Schnittstelle zur libanesischen Regierung ist nicht nur die politisch-gewichtige Hizbollah selbst, sondern vor allem der pro-syrische libanesische Regierungspräsident Lahoud. Syrien ist das außerdem das wichtigste Transitland, um Waffen und Personal aus dem Iran in den Libanon zu transportieren[1].
10 Stellungnahme:
Sowohl die Hizbollah als auch Israel erzielten im 2. Libanon-Krieg Erfolge. Israelische Erfolge liegen hierbei im militärischen Bereich, wobei die Hizbollah mit politischen und propagandistischen Erfolgen auftrumpfen kann.
Israel schaffte es, insgesamt ca. ¼ der Ressourcen und Fähigkeiten der Hizbollah 15 zu vernichten. Die Armee tötete von 3.000 Hizbollah-Kämpfern knapp 650, verletzte ca. 800 und zerstörte nahezu 90% der Raketen größerer Reichweite, die für die Hizbollah eine der wenigen Möglichkeiten zur Eskalation gegen Israel darstellte. Mit der Verstärkung der UN-Truppen sowie der Stationierung libanesischer Streitkräfte im Südlibanon gemäß UN-Resolution 1701 vom 11. August 2006, verlor die Hizbollah an 20 Handlungsfreiheit[2].
Dennoch wird es der Hizbollah leicht fallen, erlittene militärische Schäden mit Hilfe ihrer neu erworbenen Popularität schnellstens zu kompensieren. Es gelang der Hizbollah bei ihren arabisch-islamischen Zielgruppen als Sieger des Krieges wahrgenommen zu werden. Während alliierte arabische Regierungen 1967 im Sechs- 25 Tage-Krieg der israelischen Armee nur eine Woche standhielten, bevor sie eine Niederlage erlitten, schaffte es die Hizbollah ohne wahrnehmbar signifikante Schäden über einen Monat lang standzuhalten. Während der gesamten Dauer des Waffenganges hielt der Raketenbeschuss Nordisraels an. Damit zeigte die Hizbollah ihre Fähigkeit, Israel auch über einen längeren Zeitraum Schaden zuzufügen, sowie 30 das öffentliche Leben in Israel lähmen zu können. Dies führte in arabischen Staaten zu einer Welle der Sympathie und schwächte die israelische Regierung, da ihre mangelnde Fähigkeit, eigene Zivilisten beschützen zu können, offenbart wurde[3].
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1 Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 49f. 2 Vgl. Quelle 1. S. 83f. 3 Vgl. Quelle 1. S. 82f.
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Quellen- und Literaturverzeichnis:
Wunder, Simon: Israel - Libanon - Palästina. Der Zweite Libanonkrieg und der Israel-Palästina-Konflikt 2006. Berlin: Dr. Köster 2007 1. Auflage Band 20.
Bundeszentrale für politische Bildung: Israel. Aus: Informationen zur politischen Bildung. 278 überarbeitete Neuauflage 2008.
Bundeszentrale für politische Bildung: Nahost. Aus: APuZ. 19/2007.
Bundeszentrale für politische Bildung: 60 Jahre Israel. Aus: APuZ. 17/2008.
United Nations Security Council: Resolution 1559 (2nd September 2004)
Follath, Erich: Der Sohn der Revolution. Aus: DER SPIEGEL. Nr. 28 - 11.07.2005. S. 122-128.
Bednarz, Dieter. Mascolo, Georg. Schult, Christoph. Steinvorth, Daniel. Windfuhr, Volkhard. Zand, Bernhard: Hammer und Amboss. Aus: DER SPIEGEL. Nr 31 -31.07.2006. S. 90-96.
Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Angriffe Israels im Libanon. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 1.
Bremer, Jörg: Israel marschiert in den Libanon ein. Nr. 160 - 13. Juli 2006. S. 1. Bremer, Jörg: Die Armee macht Fehler. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 10. Bremer, Jörg: Verfehlte Kriegsziele. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 3. Busse, Nikolas: Wie eine moderne Armee. Nr. 183 - 9. August 2006. S. 5. Cochrane, Paul: Jenseits aller Grenzen. Nr. 187 - 14. August 2006. S. 34. Eingerückt. Nr. 160 - 13. Juli 2006. S. 1.
Recht zur Selbstverteidigung - nicht schrankenlos. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. Rößler, Hans-Christian: Panarabischer Aktionismus. Nr. 183 - 9.08.2006. S. 5. Rößler, Hans-Christian: Stark wie selten zuvor. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. Stimmen der Anderen. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2. Stimmen der Anderen. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2. „Totaler Sieg der Hizbullah“. Nr. 188 - 15. August 2006. S. 2.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung:
Borgstede, Michael: Israel hat die Hizbullah unterschätzt. Nr. 30 - 30. Juli 2006. S. 7. Borgstede, Michael: Israel kämpft einig im Zweifel. Nr. 29 - 23. Juli 2006. S. 2. Frankenberger, Klaus-Dieter: Der verkeilte Konflikt. Nr. 30 - 30. Juli 2006. S. 8. Hoffmann, Christiane: Iran will seinen Trumpf nicht spielen. Nr. 29 - 23.07.06. S. 3.
Arbeit zitieren:
Denis Blazanovic, 2008, Der 2. Libanonkrieg 2006: Israel - Hizbollah, München, GRIN Verlag GmbH
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