INHALTSVERZEICHNIS
0. Einleitung 4
1. Merkantilismus 5
1.1 Der Begriff Merkantilismus 5
1.2 Die regionalen Formen des Merkantilismus 6
1.2.1 Frankreich 7
1.2.2 England 7
1.2.3 Deutschland 8
1.3 Merkantilismus - der kleinste gemeinsame Nenner 10
1.4 Die Bedeutung des Merkantilismus für die Gegenwart: Der
Neomerkantilismus 11
1.5 Kritik am Merkantilismus 12
2. „Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung
seiner Natur und seiner Ursachen“ und der Liberalismus 12
2.1 Einleitung 12
2.2 Grundlegende Thesen aus Adam Smith „Wo hlstand der Nati-
onen “ 13
2.3 Klassischer Liberalismus 16
2.4 Laissez - faire - Liberalismus (Manchester - Kapitalismus) 16
2.5 Neoliberalismus 17
2.6 Soziale Marktwirtschaft 17
2.7 Kritik am klassischen Liberalismus 18
3. Marktgesetzte 18
3.1 Markt 19
3.1.1 Der vollkommene Markt 19
3.1.2 Der unvollkommene Markt 19
3.1.3 Das Polypol 20
3.1.4 Das Monopol 20
3.1.5 Das Oligopol 20
3.2 Preisbildung 20
3.2.1 Preisbildung im vollkommenen Markt 21
3.2.2 Aufgaben des Gleichgewichtspreises und seine Be-
deutung für den Standort 22
2
3.3 Varianten der Preisbildung 23
3.3.1 Unvollkommener Markt (Konsumgütermarkt) 23
3.3.2 Staatliche Eingriffe auf den Markt 23
3.3.3 Preisbildung beim Monopol 24
4. Die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des
Geldes “ von John Maynard Keynes. 24
4.1 Kritik an der klassischen Theorie 25
4.2. Die Keynessche Lehre 26
4.3 Das wirtschaftspolitische Programm JM Keynes 27
4.3.1 Globalsteuerung 27
4.3.2 Investitionssteuerung 28
4.4 Bedeutung der Keynesschen Lehre 28
4.5 Kritik an der keynesschen Lehre 28
5. Milton Friedman und der Monetarismus 29
5.1 Begriff des Monetarismus 29
5.2 Die Lehre des Monetarismus 30
5.3 Bedeutung des Monetarismus 31
5.4 Kritik am Monetarismus 31
6. Das Konzept der „Endogenen Regionalpolitik“ 31
6.1 Endogene Entwicklung 32
6.2 Bedeutung der Entwicklungspotentiale 33
6.3 Kritik an Hahne 33
7. Welche der Theorien ist nun die beste? Eine Zusammenschau 33
7.1 Wirtschaftspolitik 34
7.1.1 Angebotsorientierte Politik 35
7.1.2 Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik 36
7.2 Welche Theorie ist nun die beste? 36
7.3 Das Konjunkturprogramm vom 17. März 2005 38
7.3.1 Angebotsorientierte Aspekte 38
7.3.2 Nachfrageorientierte Aspekte 38
Literaturverzeichnis 39
3
0. Einleitung
„ Wenn der Staat ankurbelt, ist der Erfolg oft nicht von Dauer:“ titelte die Augsburger Allgemeine in einem Bericht am Freitag, 4. März 2005. Obwohl im Artikel richtig dargelegt wurde, dass die bisher aufgelegten Konjunkturprogramme keine nachhaltige Wirkung entfalteten außer die Staatskasse zu belasten, ist angesichts 5,4 Millionen Arbeitsloser der Ruf nach Intervention des Staates aktueller denn je. Dabei muss die Frage gestellt werden, was unter guter Wirtschaftspolitik zu verstehen sei. Zwei grundlegende Konzepte konjunkturfördernder Wirtschaftspolitik werden im Artikel angesprochen: Die auf Ronald Reagan zurückgehende „Angebotsori entierte Wirtschaftspolitik“ und die sich auf John Maynard Keynes stützende „Nachfrageorien tierte Wirtschaftspolitik“. Wie bereits angesprochen ist die im Artikel dargelegte Quintessenz, dass beide Konzepte oft keine nachhaltige Wirkung haben, aber oft lang anhaltend die Finanzen des Staates belasten.
Aber wie schon im Thema für diese Arbeit zugrunde gelegt, gibt es „die“ Wirtschaftspolitik ohnehin nicht. Allenfalls verschiedene Ideologien und Theorien, aus denen Konzepte abgeleitet werden: Vom Klassiker unter den Klassikern, Adam Smith „V om Wohlstand der Nationen“ über Keynes und der Theorie des Monetarismus von Milton Friedman bis hin zu Ulf Hahne, der die endogenen Potentiale einzelner Regionen zu wecken versucht. Daneben gibt es noch Begriffe und Gesetzmäßigkeiten die über jede Ideologie erhaben zu sein scheinen. So bezeichnet der Begriff „Merkant ilismus“ keine bestimmte Wirtschafsform sondern eigentlich eine ganze Epoche des Wirtschaftens, nämlich die des Absolutismus’. Unter dem Begriff sind nicht nur völlig unterschiedliche Konzepte zusammengefasst, sondern darüber hinaus auch noch sehr variantenreiche regionale Ausprägungen.
Die vorliegende Arbeit versucht, in chronologischer Abfolge ihrer Entstehung, die einzelnen Begriffe in ihren Einzelheiten zu erläutern und auf die Kritik, die an ihnen geübt wird, einzugehen. Daneben werde auch Weiterentwicklungen der einzelnen Konzepte erläutet, die unter anderem auch auf die Kritiker der Konzepte zurückgehen.
Der wesentliche Teil der Arbeit wird sein, die Konzepte miteinander zu vergleichen und ihre Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Aus aktuellem An-
4
lass wird dann noch abschließend ein kurzer Blick auf das neuerdings vereinbarte Konjunkturprogramm geworfen
1. Merkantilismus
Erstmals erwähnt wurde der Begriff in Adam Smiths „Wo hlstand der Nationen“ . Er bezeichnet eigentlich keine feste Wirtschaftsideologie oder -form, sondern ganz allgemein das Wirtschaften im Zeitalter des Absolutismus. Nachfolgende Betrachtungen über den Merkantilismus gehen überwiegend auf Eintragungen diverser einschlägiger Enzyklopädien zurück: Hier zu nennen wäre vor allem das fünfbändige Werk „Gabler: Lexikon der Wirtschaftswissenschaften“, das überhaupt das Fundament der vorliegenden Arbeit ist. Weitere verwendete Wirtschaftslexika sind das „Duden Wirtschaftslexikon“ und das „Vahle ns: großes Wirtschaftslexikon“. Ergänzt werden die Angaben durch eine ältere Monographie (was ja beim Merkantilismus nicht von Belang ist, da es bei der Begriffsbestimmung bis heute kaum Abweichungen gibt) nämlich Blaich (1973). Zunächst wird eine Definition des Merkantilismus vorgestellt, anschließend die zeitgenössischen Strömungen, die unter dem Begriff „Merkant ilismus“ fallen, vorgestellt und anschließend ein Blick in die Gegenwart geworfen, nämlich die Bedeutung des Merkantilismus für die heutige Wirtschaftspolitik vorgestellt, vor allem aber der Begriff „Ne omerkantilismus“ erläutert.
1.1 Der Begriff Merkantilismus
Geprägt worden ist der Begriff durch Adam Smith, der in seinem Werk „De r Wohlstand der Nationen“ darunter das bisherige, herkömmliche Wirtschaften zusammenfasste. Das macht deutlich, dass der „Merkant ilismus“ k eine Ideologie im eigentlichen Sinne ist, sondern eine ganze Wirtschaftsepoche kennzeichnet. Bei Blaich (1973) findet sich folgende Definition: „Merk antilismus: das Wirtschaftsdenken und Wirtschaftsgebaren des absoluten Staates.“ Allerdings kritisiert er, dass der „Merkant ilismus darüber hinaus in der wissenschaftlichen Literatur oft nicht gewürdigt wird.
5
In der verwendeten Literatur kommt einzig Blaich (1973) nach einem kritischen Vergleich verschiedener Definitionen zum folgerichtigen Schluss, dass der „Te rminus ‚ Merkantilismus’ als eine Bezeichnung für eine Bestimmte Richtung der ‚theoret ischen’ Wirtschaftspolitik zulässig“ s ei. Tatsächlich lassen sich in den Eintragungen der oben genannten Enzyklopädien zahlreiche Schlagworte finden, die nach Meinung des Verfassers trotz der zahlreichen Protagonisten und regionalen Strömungen eine integrierende Wirkung entfalten können: Bei Gabler (2000) beispielsweise ist von den Konzepten des „Inte rventionismus“ und des „Dirigi smus“ die Rede als vereinigende Klammer um die vielen Strömungen des Merkantilismus. Unter „Diri gismus“ versteht man dabei allgemein die Lenkung der Wirtschaft durch staatliche Eingriffe. Instrumente des Dirigismus seien vor allem Lohn- und Preisstopp. Interventionismus bezeichnet ganz ähnlich aber allgemeiner staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Im Vahlens - Wirtschaftslexikon (1994) ist zusätzlich davon die Rede, dass im Zeitalter des Merkantilismus vor allem der „inlän dischen Erzeugung der Vorrang“ galt. Demnach soll der Außen-handel nur gefördert worden sein, um eine aktive Handelsbilanz (Exportüberschuss) zu erreichen, ansonsten sei über Schutzzölle ein sehr protektionistisches Wirtschaften betrieben worden. Darunter muss der Schutz der heimischen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz verstanden werden. Allgemein kann man also sagen, dass unter „Merkan tilismus“ eine staatlich gelenkte Wirtschaftsform zu verstehen ist, die durch sehr strenge Regeln gekennzeichnet ist. In Deutsch-land schlug sich dies vor allem im Lehenswesen und in der Zünfteordnung nieder.
1.2 Die regionalen Formen des Merkantilismus
In der verwendeten Literatur zeigen sich einige Differenzen. So werden in den verwendeten Enzyklopädien einige Begriffe unter dem Begriff Merkantilismus zusammengefasst, die bei Blaich (1973) als „Vorgängerfo rmen des Merkantilismus“ noch als eigenständige Wirtschaftsformen aufgeführt werden (z.b. Colbertismus, Kameralismus und Bullionismus). Daher wird, mit Frankreich beginnend, das Gabler-Lexikon als Leitfaden für die Beschreibung regionaler Formen benutzt.
6
1.2.1 Frankreich
Kennzeichnend für den französischen Merkantilismus, dessen wichtigste Vertreter Sully und Jean Baptist Colbert waren, war „von einer intensiven Förderung der gewerblichen Wirtschaft unter starker Vernachlässigung der Landwirtschaft“ (Gabler (2000)) geprägt, Mittel und Zweck waren: Schaffung eines einheitlichen Zoll- und Devisenmarktes Straffe Zentralisierung der wirtschaftlichen Entscheidungskompetenzen Steuerform zur Sanierung der Staatsfinanzen (unter Ludwig XIV) (Steuererhöhung)
Schaffung einer Gewerbe fördernden Infrastruktur und staatlicher Manufakturen
Anwendung von Preistaxen und Produktionsvorschriften Ausfuhrverbot für Nahrungsmittelgüter (dadurch sollten die Preise und mit ihnen die Löhne sinken, was wiederum dem Gewerbe zugute kam) Blaich (1973) widmet dem Colbertismus, den er „die Französische Abart des Merkantilismus“ nennt, ein eigenes Kapitel.
1.2.2 England
Nach dem Gabler - Lexikon (2000) hat die englische Form des Merkantilismus seinen Namen vom Bullion, einem Goldbarren. Blaich (1973) fasst diese englische Form unter dem Begriff „Monetar ismus“ zusammen, benennt aber den Bullionismus auch als eigene nicht nur in England vertretene Wirtschaftsform (als Vorläufer des Merkantilismus).
Kennzeichnend für die Englische Form des Merkantilismus sind nach Gabler -Lexikon eine schwerpunktmäßige aktive Außenhandelsbilanz. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die durch „Außenhand elsüberschüsse“ angewachsenen Edelmetallreserven gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand sind. Das Mittel zum Zweck ist laut dem Gabler - Lexikon ein ausgeprägter Handelsprotektionismus, der sich in folgenden Maßnahmen zeigt: Beschränkung des Imports auf Rohprodukte Förderung des Exports auf Fertigwaren Exportverbote für Edelmetalle
7
Devisenbeschaffung und Importzölle
Transport aller im- und exportierten Waren hat durch englischen Schiffe zu erfolgen (dadurch soll eine aktive Dienstleistungsbilanz erreicht werden)
Es liegt wohl in der Natur einer Monographie, dass Blaich (1973) den Merkantilismus in England sehr viel differenzierter sieht. Er trennt zunächst den Bullionismus als eigenständige Wirtschaftsform ab und benennt ihn zusammen mit dem Monetarismus des Thomas Gresham als Vorläuferformen des Merkantilismus. Blaich (1973) bezieht den Begriff „Me rkantilismus“ auf protektionistische Maßnahmen, die darauf abzielten, speziell die englische Textilindustrie aus ihrer Krise zu befreien in die sie 1624 hineingeraten war. Diese Maßnahmen unterscheiden sich von denen des Bullionismus nicht wesentlich. Wichtige Vertreter des Englischen Merkantilismus sind außer Thomas Gresham außerdem Thomas Miles, Gerhard de Malynes (nach Blaich), außerdem noch Misselden und Hales (nach Gabler) und, nach dem Vahlen - Lexikon, Cromwall (der Gründer der englischen Republik).
Allein diese Liste zeigt die heterogene Vielfalt bei der „Begriffsverwirrung“ Merkantilismus.
1.2.3 Deutschland
Das Gabler - Lexikon (2000) verbindet den Merkantilismus in Deutschland mit dem Begriff des Kameralismus. Auch hier zeigen sich Differenzen in der verwendeten Literatur. Blaich (1973) sieht den Kameralismus eher als eine premerkantilistische Wirtschaftsform. Während es nach dem Gabler - Lexikon (2000) tatsächlich einen homogenen deutschen Merkantilismus gibt, sieht Blaich verschiedene Strömungen in den verschiedenen Bundesstaaten des „He iligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. Als deren wichtigste Vertreter nennt Blaich (1973) explizit Preußen und die Habsburger Monarchie. Eine weitere Facette des deutschen Merkantilismus bringt die in dieser Arbeit verwendete Übersetzung von Adam Smiths „V om Wohlstand der Nationen“. Horst Claus Recktenwald, der Übersetzter, verbindet in einer dem Werk vorangestellten „W ürdigung“ vor allem das Lehenswesen und die Zünfteordnung als Kennzeichen des Deutschen Merkantilismus. Um des Überblicks Willens ist es angebracht, sich auf die Eintra-
8
gung im Gabler - Lexikon (2000) zu beschränken und auf die anderen Definitionen nur am Rande einzugehen.
Wie bereits erwähnt ist nach dem Gabler - Lexikon die deutsche Art des Merkantilismus vor allem in Form des „K ameralismus“ in Erscheinung getreten. Ziel sei die Mehrung des fürstlichen Schatzes („C amera principi“) und das Wiedererwachsen der nach dem 30-jährigen Krieg geschrumpften deutschen Bevölkerung. („Peupli erung“). Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass der Reichtum von der Bevölkerungszahl und der Größe des Staatsschatzes abhängt. Weiter führt das Gabler - Lexikon aus, dass die praktische Wirtschaftspolitik dem des französischen Merkantilismus gleicht, mit dem Unterschied, dass auch verwaltungstechnische Verfahrensgrundsätze aufgestellt und systematisiert wurden, die eine nachhaltige Wirkung auf die deutsche Wirtschaftspolitik haben. Zu den Protagonisten des deutschen Kameralismus zählt das Gabler - Lexikon Klock, v. Seckendorf, v. Sonnefels und insbesondere Justi. Das Vahlens Lexikon nennt ferner einen nicht näher präzisierten „großen Kurfürsten“ als Protagonisten in Deutschland.
Ähnlich wie beim englischen Merkantilismus widmet Blaich (1973) dem Kameralismus, als eine besondere Form des Merkantilismus, ein eigenes Kapitel. Überdies sieht er auch in Deutschland den Monetarismus als Vorform des Merkantilismus. Als Protagonisten letzterem sieht er z.B. Martin Luther, der den Reichtum eines Landes mit der Größe des Staatsschatzes assoziierte. Außerdem forderte Nikolaus Kopernikus in Preußen eine einheitliche Münze. In seinem Überblick über den Kameralismus wertet Blaich (1973) diesen sogar dem Merkantilismus übergeordnet. Der deutsche Merkantilismus sei also eine Unterform des Kameralismus (nicht umgekehrt wie es nach dem Gabler - Lexikon den Anschein hat) der deutschen Kleinstaaten. Dabei bezieht sich Blaich (1973) auf Zielenziger. In seiner Betrachtung des Merkantilismus im „He iligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ stellt er zunächst die Träger der Wirtschaftspolitik im Reich vor. Es sind neben dem Kaiser und dem Reichstag vor allem die Territorialstaaten, die durch den Westfälischen Frieden an Souveränität gewonnnen haben. Danach stellt er die Politik des Reichstags und beispielhaft die Politik der Habsburgermonarchie und Brandenburgs (später Preußens) vor, letztere waren die beiden wichtigsten Bundesstaaten des Reiches. Neben der Feststellung, dass vor allem kleinere Staaten an einer reichseinheitlichen Wirtschaftspolitik interessiert waren
9
und so Richtlinien des Reichstags als eine Art „Rahme ngesetzgebung“ in Landesrecht umsetzten, erfährt man vor allem etwas über die gemeinsame Protektionistische Politik der Deutschen Staaten gegenüber Frankreich (Importverbot), welche später durch eine Vielzahl von Import- und Exportregeln abgelöst wurde. Die Peuplierung geschah insbesondere durch die Ansiedlung von Hugenotten. Damals hat es schon die ersten Wettbewerbsgesetzte gegeben: So mussten die Gasthäuser nach einem Reichs(tagsbe)schluss von 1671 ihre Preise öffentlich aushängen (vor der Tür und im Gastraum), den Gästen Rechnungen ausstellen und geeichte Gefäße verwenden, ein Gesetz dass bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat.
Nach Recktenwald (1974) war die Wirtschaftsordnung des Merkantilismus in Deutschland durch zwei wesentliche premerkantilistische Merkmale bestimmt. In der Würdigung zu seiner Übersetzung von Adam Smiths „W ohlstand der Nationen“ benennt er vor allem die Zünfteordnung und das Lehenswesen als die bestimmenden Elemente des Wirtschaftens in Deutschland vor der Zeit der Aufklärung. Zu dieser Ansicht gelangt auch Böhler (1989) mit dem Unterschied, dass er diesen Aspekt auf ganz Europa ausdehnt. Das Lehenswesen bestimmte den Umgang mit Grund und Boden in ländlichen Gebieten. Dabei war der Herr eines reichsunmittelbaren Gebietes nicht einfach nur Staatsoberhaupt sondern sozusagen Grundbesitzer seines Gebietes. Dieses Gebiet hat er an untergeordnete Adelige und Klöster „ verliehen“, die es bis an die nächste Ebene weiter“ verleihen“ konnte. Am Ende stand der einfache Bauer, der verpflichtet war seine Parzelle zu bewirtschaften. Ein System, dass mit dem heutigen parzellenscharfen Grundbuchrecht nur wenig gemein hatte.
Die „Zünfteordnung“ regelte hingegen die Handwerks- und Gewerbewirtschaft (insbesondere in den Reichsstädten). Jede Zunft gab sich dabei ihre eigene Ordnung. Sie regelten das Niederlassungsrecht neuer Handwerker sowie das Verhältnis von Meistern und Gesellen. Viele Regeln sind in die heute noch gültige Handwerksordnung übernommen worden.
1.3 Merkantilismus - der kleinste gemeinsame Nenner
Der kleinste gemeinsame Nenner des Merkantilismus lässt sich wohl in einem einzigen Wort zusammenfassen: „Prot ektionismus“. Den vorgestellten Strömun-
10
gen gemein ist wohl, dass stets versucht wurde, Binnenwachstum zu erreichen, in dem man sich dem Ausland gegenüber abzuschotten versuchte. Dies geht, wie die Zünfteordnungen beweisen, bis in die kleinsten territorialen Einheiten. Diese Ordnungen waren schließlich dazu da, die Konkurrenz in den Städten zu beschneiden (durch Protektionismus bei der Niederlassung neuer Handwerker). Aber auch der von Blaich (1973) „Moneta rismus“ genannte Aspekt ist für diese Epoche prägend: Man glaubte, durch ein Anhäufen des Staatsschatzes den Reichtum des Landes zu erhöhen.
Eine dritte Gemeinsamkeit lässt sich in der gezielten Förderung bestimmter Wirtschaftsbereiche zu lasten anderer sowie in einer verordneten Lohn- und Preispolitik zu sehen („Inte rventionismus“ und „Dirigi smus“). Auch das ist eigentlich eine Art „Protektio nismus“, nur n icht nach außen sondern ins Innere des Staates. 1.4 Die Bedeutung des Merkantilismus für die Gegenwart: Der Neomerkantilismus
Laut Blaich (1973) wird der Begriff „Neome rkantilismus“ für eine protektionistische Phase des Welthandels verwendet, als nach dem ersten Weltkrieg der Patriotismus in den Volkswirtschaften anwuchs. Blaich zitiert Predöhl, der im „Ne omerkantilismus jenen Gegenspieler der Freihandelslehre“ sieht , der sich in „kur zfristigen politischen Maßnahmen wider der ökonomischen Vernunft“ erschöpfe. Weiter wird nach Blaich (1973) der Begriff „Neomerkan tilismus“ auf die Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts angewandt (wie schon zuvor die Kolonialpolitik als Bestandteil des „alten“ Merkantilismus gesehen wurde). Das Ziel der Neomerkantilisten sieht Blaich (1973) und die von ihm zitierten Autoren in Übereinstimmung mit dem Gabler - Lexikon vor allem in der Schaffung eines autarken Wirtschaftssystem, vor allem die Faschisten in Europa versuchten dieses Ziel zu erreichen. Blaich (1973) zitiert außerdem Robinson, der die vorübergehende Einführung merkantilistische Methoden zur Beseitigung der „engl ischen Krankheit“ (hohes Aushandelsbilanzdefizit, veraltete Industrie in den 60er Jahren) vorschlägt, zugleich aber merkantilistische Grundsätze im Handel als Politik gegen die Entwicklungsländer sieht. In Form von Kritik einiger afrikanischer Länder an den amerikanischen und europäischen Agrarsubventionen, die ihren Ländern keinen fairen Handel ermöglichten, ist letzterer von Robinson genannter Punkt
11
bis heute aktuell geblieben. Aber auch Stimmen, vor allem im Gewerkschaftslager, werden wieder laut, die zum Beispiel hohe Einfuhrzölle für Produkte von Europäischen Firmen fordern, die ihre Produktion ins Ausland verlagert haben (DGB Grundsatzprogramm).
1.5 Kritik am Merkantilismus
Die Kritik am Merkantilismus bezieht sich vor allem darauf, dass es den Merkantilisten vor allem an der Einsicht mangele, dass „der Außenhandel nur dann gedeihen könne, wenn er ein gegenseitiges Geben und Nehmen“ sei. Insofern wundert es nicht, dass der Begriff „Ne omerkantilismus“ vor allem mit totalitären Regimen verbunden ist. Daran entzündete sich auch die Kritik am Merkantilismus in der Aufklärung. Diese Kritik mündete in dem neben John Maynard Keynes „The General Theory of Employment, Interest and Money“ berühmtesten Werkes der Wirtschaftstheorie: Adam Smith 1776 verfasstes „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“. Dass es schon vom Titel grob geschätzt etwa 15 verschiedene Übersetzungsvarianten gibt, soll er auf deutsch in der Form hier wiedergegeben werden, wie ihn die wohl am meist aufgelegte Übersetzung von Hans Claus Recktenwald trägt: 2. „Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ und der Liberali smus
2.1 Einleitung
Viel ist über das Werk von Adam Smith bereits geschrieben worden. Einige Zitate hat Recktenwald seiner Übersetzung vorangestellt (Unter anderem zitierte er bemerkenswerter Weise aus seiner eigenen Würdigung). Sehr schön ist zum Beispiel der Satz von J.K. Calbraith [zitiert nach Smith (1776/1974)]: „W ie das Kapital [von Karl Marx anmk. d. Verf.] und die Bibel erfreut sich der Wohlstand der Nationen der Auszeichnung, eines der drei Bücher zu sein, auf die sich die Menschen nach belieben berufen dürfen, ohne das Gefühl zu haben, sie sollten es gelesen haben.“ In diesem liegt auch eine grundsätzliche These für die Bedeutung des Werks verborgen: Jeder Nationalökonom
12
beschäftigt sich schon im Studium mit Adam Smiths „W ohlstand der Nationen“ , es ist die theoretische Grundlage für die freie Marktwirtschaft. Die nachfolgende Vorstellung des Werkes orientiert sich dabei an Böhler (1989) (auch hier scheint es gerechtfertig, auf Literatur zurückzugreifen, die älter als fünf Jahre ist. Schließlich hat sich seit dem Tote Smith im Jahre 1790 an seinem Werk nichts Wesentliches mehr geändert) die durch die „W ürdigung“ Recktenwalds an einigen Stellen ergänzt wird. Der Aufsatz Recktenwalds ist allem Anschein nach allerdings zu einseitig positiv, als er als alleinige Quelle über den Wohlstand der Nationen taugen würde (schon das er seinen, der Übersetzung vorangestellten Aufsatz „ Würdigung“ und nicht schlicht „Ein leitung“ nannte, spricht für sich). Dann werden auf die auf Smith zurückgehenden Strömungen des „kl assischen Liberalismus“, des „La issez - faire - Liberalismus“ und vor allem d es „Neoliber alismus“ beleuchtet. Anschließend wird die Kritik an Adam Smith Opus und seine Bedeutung für die Gegenwart eingegangen. 2.2 Grundlegende Thesen aus Adam Smith „W ohlstand der Nationen“ Anmerkung: Wenn Böhmer (1989) auch den Titel des Werkes mit „Ein e Untersuchung des Wesens sowie der Ursachen des Volkswohlstandes“ übersetzt (wie auch Wagenblaß (2001)), soll nachfolgend, auch bei direkten Zitaten, die Recktenwald - Version der Einfachheit halber beibehalten werden. Oft rufen die Begriffe „ Wirtschaftsliberalismus“ und „Neolibera lismus“ negative Assoziationen hervor: „Ausbeutung von Arbeitnehmern“, „Soziale Kälte“, „Rau btierkapitalismus“ um nur einige zu nennen. Wenn man sich aber mit dem Begründer des Wirtschafsliberalismus und dem Erfinder der Marktwirtschaft, Adam Smith, beschäftigt, wird man von der Tatsache überrascht, dass Adam Smith ein studierter Moralphilosoph war, dessen nach dem „W ohlstand der Nationen“ zweitwichtigstes Werk „Theorie der ethischen Gefühle“ (Übersetzung nach Böhmer (1989), Orginal: „ The Theory of Moral Sentiments“) heißt. Kreidet man den Neoliberalen heute Zügellosigkeit und mangelnde Ethik vor (DGB - Grundsatzprogramm), so lässt sich das nicht am Werk Adam Smith festmachen, sondern ist auf spätere Entwicklung zurückzuführen. Adam Smith’ Hauptaugenmerk lag vielmehr darauf, in der Wirtschaft die merkantilistischen Formen des Protektionismus abzuschaffen und eine liberaleres Wirtschaftssystem zu fordern. Der da-
13
malige Zeitgeist der Aufklärung war überhaupt eine Befreiungsbewegung (Französische Revolution, Unabhängigkeitserklärung der USA). Adam Smith war dabei von den Philosophen John Locke und David Hume stark beeinflusst. In seinem ersten Werk der „Theorie der ethischen Gefühle“ von 1756 legt er folgende Thesen zugrunde, die auch laut Böhmer (1989) im „W ohlstand der Nationen“ zum Tragen ko mmen.
Adam Smith ging davon aus, dass es eine „natü rliche Tendenz“ gäbe, die „Or dnung und Glückseligkeit für die Gemeinschaft nach sich ziehe.“ Smith glaubte, eine solche Ordnung im gesellschaftlichen Leben erkannt zu haben. Diese Ordnung erlaubt ein gutes Gemeinschaftsleben, ohne dass die Individuen ihr Glückstreben dem Gemeinsinn unterordnen müssten, sondern vielmehr liege im „individuellen Egoismus [hier der Begriff Egoismus nicht negativ besetzt] ein Schlüssel zu dieser Ordnung. Folgende fünf Punkte bilden das Gerüst einer solchen Ordnung:
Das Selbstinteresse: Der Motor aller Entwicklungen (der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen) ist das Streben des Individuums, seine Lage zu verbessern. Das Streben nach individuellen Wohlstand führt allerdings nur dann zu einer wirtschaftlichen Verbesserung, wenn der Egoismus durch folgende vier Bedingungen gezügelt wird: Das Vorhandensein von Mitgefühl für das Schicksal der Mitmenschen Das Beachten von ungeschrieben, aber allgemein beachteter Verhaltensregeln
Das Vorhandensein von staatlichen Gesetzten und eines Zwangsapparats zur Durchsetzung der selben
Wettbewerb zwischen den Produzenten als Disziplinierungsfaktor zu starker Egoismen
Adam Smith im „W ohlstand der Nationen“ dargelegte Kernthese ist folglich, dass ein „sozial d isziplinierter und von staatlichen Beschränkungen befreiter Egoismus unter den Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz nicht zu Chaos und Anarchie, sondern zum Wohlfahrt für die gesamte Nation“ führe (Böhmer (1989)). Dabei führen die Marktkräfte, wie eine unsichtbare Hand zur Harmonie zwischen Einzelinteressen und Gesamtwohl, indem sie „das egoistische Verhalten der Individuen permanent in für das Gesamtwohl günstige Bahnen“ weisen. Voraus-
14
setzung ist allerdings vollständige Konkurrenz, da nur dann sich die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten gegen die „allzu eg oistischen Interessen der einzelnen Anbieter durchsetzten“ la ssen (Böhmer (1989)).
Der Staat hat nach Smith folgende Kernaufgaben wahrzunehmen bzw. ist auch auf diese Bereiche in seinem Wirken beschränkt: Die Aufgabe der Landesverteidigung Schutz der natürlichen Freiheiten eines jeden Individuums Bereitstellung von öffentlichen Gütern wie Gesundheits- und Infrastruktursystems
Weitere nachhaltige Thesen aus dem Wohlstand der Nationen sind: Tauschhandel:
Ökonomie ist ein System von Tauschhandel zwischen den Subjekten auf einem imaginären Markt (daher auch der Begriff „Mark twirtschaft“) Arbeitsteilung:
Vorrausetzung für den Austausch von Waren auf dem Markt. Spezialisierung der Individuen auf Bereiche, für die sie durch ihre Fähigkeiten prädestiniert sind. Je größer die Arbeitsteilung desto größer die individuelle Arbeitsleistung (Produktivität) und damit die Menge der Güter, die der Gemeinschaft zur Verfügung steht Wohlstandgedanke:
Der Reichtum eines Landes richtet sich nach den Gütern, die zum Tauschhandel zur Verfügung stehen. Wie hoch der Gewinn ist, richtet sich nach dem Preis. Daraus hat Adam Smith die Marktgesetze abgeleitet. Markgesetze:
Das Wichtigste: Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, durch das sich die Preise (Marktpreise) bilden (Gabler - Lexikon). Unterscheidung zwischen natürlichen Preis und Marktpreis: Der natürliche Preis ist dabei die Summe der eingesetzten Faktoren „Arbeit, Kapit al und Boden“. Der Marktpreis schwankt dabei stets um den natürlichen Preis.
15
Geldrevolution:
Smith fordert eine Entkoppelung des Nominalwerts vom Nennwert und schlägt erstmals auch Papiergeld als Tauschmittel vor. „Einfach es System der natürlichen Freiheit“: Smith kritisiert das System aus Begünstigung und Beschränkungen der „Merkant ilisten“ (Begriff bei Smith noch abschätzig gemeint) auf den In-und Auslandsmärkten. Stattdessen fordert er vollkommene Konkurrenz.
2.3 Klassischer Liberalismus
Mit diesen Thesen gilt Smith als der Gründer des so genannten klassischen Liberalismus. Ein weiterer Protagonist des klassischen Liberalismus und unmittelbarer Nachfolger von Adam Smith ist David Ricardo. Laut Duden - Wirtschaftslexikon bildet Ricardo auf Grundlage von Smith’ Thesen eine geschlossene Volkswirtschaftslehre, in der er sich vor allem mit dem Arbeitswert, der Bodenrente und der Preis- und Geldtheorie beschäftigt. Dabei geht es ihm weniger um den Wohlstand selbst, als um die Verteilung desselben.
Ein weiterer wichtiger Protagonist der klassischen Lehre war Jean-Baptiste Say. Das nach ihm Benannte Theorem besagt, dass eine allgemeine Überproduktion in einer Volkswirtschaft unmöglich sei, da jedes Angebot im selben Umfang auch Nachfrage auslöse. Geld würde nur verdecken, dass Produkte immer nur mit Produkten getauscht werden. Überproduktion sei nur partiell und bedinge eine Unterproduktion an anderer Stelle, (Gleichgewichtstheorie) (Gabler - Wirtschaftslexikon).
Leider hat die Smithsche Freiheit im 19. Jahrhundert dazu geführt, dass die durch Adam Smith auferlegten Beschränkungen außer Acht gelassen wurden. Daraus bildete sich der „Lai ssez - faire - Liberalismus“. 2.4 Laissez - faire - Liberalismus (Manchester - Kapitalismus): Bemerkenswert an der verwendeten Literatur ist, dass Wagenblaß (2001) nicht zwischen „kl assischen Liberalismus“ und „Lai ssez-Faire-Liberalismus“ unter-
16
scheidet, sondern die Begriffe synonymisch sieht. Vielmehr nennt Wagenblaß (2001) das Konzept des Laissez-Faire-Liberalismus die „reine Marktwirtschaft“. Laut Gabler - Lexikon war diese Epoche durch außerordentliche Zurückhaltung des Staates gekennzeichnet. Unter „ einseitiger Verkürzung der Lehre des klassischen Liberalismuses“ wird auf die Beeinflussung des Wirtschaftsprozesses durch eine staatliche Ordnung vollständig verzichtet („Nacht wächterstaat“). Dabe i werden wichtige Prinzipien von Smith außer Acht gelassen, vor allem die Ethik und das Prinzip der vollkommenen Konkurrenz. Dadurch kommt es zur Monopolbildung und zu sozialen Missständen. Aus diesen Erfahrungen und auch aus den Erfahrungen der sozialistischen Zentralwirtschaft bildete sich eine neue Denkrichtung des Liberalismus, der Neoliberalismus.
2.5 Neoliberalismus
Hier wird wieder zu einem ordnungspolitisch eingreifenden Staat im Smithschen Sinne zurückgekehrt. Da erkannt wurde, dass der Wettbewerb durch privatwirtschaftliche Aktivitäten bedroht ist, hat man den Staat besonders die Aufgabe gegeben, die Entstehung von Marktmächten zu verhindern (Kartellrecht). Entwickelt wurde das Konzept des Neoliberalismus in den 1930er Jahren von der so genannten „Freiburger Schule“ um Walter Eugen und Franz Böhm (Gabler - Lexikon, Wagenblaß (2001)). Eine Weiterentwicklung des Neoliberalismus ist die in Deutschland praktizierte „sozi ale Marktwirtschaft“.
2.6 Soziale Marktwirtschaft
Dieses Konzept hat sich um die Neoliberalisten Ludwig Erhardt und Alfred Müller Armack herausgebildet. Wagenblaß (2001) unterscheidet hier zwischen Wirtschaftssystem und Wirtschaftsordnung. Zählt er den Neoliberalismus zu den Wirtschaftsystemen, so ist die „Soziale Marktwirtschaft“ die zum Neoliberalismus gehörende Wirtschaftsordnung. Der Grundgedanke der sozialen Marktwirtschaft ist es, das „Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit sozialem Ausgleich zu verbinden“ (Wagenblaß (2001)). Das bedeute, dass „das marktwirtschaftliche Geschehen unter sozialem Vorbehalt zu stehen“ habe.
17
2.7 Kritik am klassischen Liberalismus
Kritik am klassischen Liberalismus ist sehr gut im Gabler - Lexikon zusammengefasst, so dass auf eine weitere Literaturrecherche verzichtet werden konnte. Außerdem findet sich die Kritik an den Klassikern auch in den von John Maynard Keynes selbst verfassten Vorworten (zur englischen und deutschen Ausgabe) seines eigenen Werkes.
Kritisiert wird vor allem, dass das Menschenbild der Klassiker auf unrealistischen Annahmen beruhe. So ist die Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung einzelner Firmen bis zum Monopol nicht erkannt worden. Dabei haben sich Ungleichverteilungen der Vermögenswerte herausgebildet, die vor allem der Nachfrage geschadet haben. Auch soziale Missstände und die Ausbeutung der Arbeitnehmer sind im 19. Jahrhundert ein grassierendes Problem gewesen, die sich allerdings mit den ethischen Grundsätzen von Adam Smith nicht decken. Die Kritik Keynes bezieht sich vor allem auf das Saysche Gleichgewichtstheorem.
2.8 Die Bedeutung der klassischen Denkrichtung in der Gegenwart Mit seinen Thesen über den Tauschhandel und dem damit verbundenen Markt hat Smith die heute in den westlichen Ländern noch gültige Wirtschaftsform der „Markt wirtschaft“ erfunden. Viele seiner Thesen scheinen uns heute selbstverständlich, sind aber zum Teil erst lange nach seinem Tod eingeführt worden (Geldrevolution). Ohne Smith wäre das heutige Wirtschaftssystem kaum vorstellbar. Ein Aspekt der Smithschen Theorien ist die Entdeckung der Marktgesetze, die bis heute weiterentwickelt wurden.
3. Marktgesetzte
In der Literatur wird hier vor allem auf Wageblaß (2001) und Ahlert (2001), aber auch auf die bereits genannten Wirtschaftslexika zurückgegriffen.
18
3.1 Markt
Die verwendete Literatur stimmt darin überein, dass der Markt ein imaginärer Ort ist, an dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Dadurch wird der Preis gebildet. Die Aufgabe des Marktes besteht laut Wagenblaß (2001) darin, die „ vielen Einzelpläne der Individuen“ zu koordinieren. Dabei ist der Preismechanismus das Werkzeug, mit dem diese Koordination gelingen kann. Wagenblaß (2001) unterscheidet folgende Marktformen: 3.1.1 Der vollkommene Markt:
Diese Form ist in der Realität selten zu finden, wird aber in der Wirtschaftstheorie als Modell zur Erklärung der Preisbildung gerne benutzt. Die Bedingungen sind: die Güter müssen sachlich gleichartig sein persönliche Präferenzen für ein Gut müssen ausgeschlossen sein Zwischen Anbietern und Nachfragern dürfen keine räumlichen Entfernungen bestehen (Punktmarkt)
Es dürfen keine zeitlichen Differenzierungen vorhanden sein Auf dem Markt besteht vollkommene Transparenz Es gibt keinerlei Marktbeschränkungen
In der Praxis entsprechen vor allem die Börsen dem Modell des vollkommenen Marktes 3.1.2 Der unvollkommene Markt:
Ein Markt ist dann bereits unvollkommen, wenn mindestens eine der Bedingungen für den vollkommenen Markt nicht erfüllt ist. In der Realität trifft das vor allem auf Konsumgütermärkte zu, da diese beim Verbraucher gewisse Vorzüge genießen.
19
3.1.3 Das Polypol:
Ein Polypol ist dann gegeben, wenn sich gleich viele Anbieter wie Nachfrager gegenüberstehen, und der Marktanteil der einzelnen Anbieter recht gering ist.
3.1.4 Das Monopol
Ein Monopol liegt vor wenn an einer Marktseite nur ein Teilnehmer vorhanden ist. Man unterscheidet dabei in: Angebotsmonopol (ein Anbieter mehrere Nachfrager) Nachfragemonopol (mehrer Anbieter ein Nachfrager) Bilaterales Monopol (ein Anbieter, ein Nachfrager)
3.1.5 Das Oligopol
Unter den Begriff „Oligop ol“ fallen Märkte, bei denen die Zahl der Teilnehmer auf einer Marktseite begrenzt ist. Darunter fallen, analog zum Monopol: Angebotsoligopol (wenige Anbieter, viele Nachfrager) Nachfrageoligopol (viele Anbieter, wenige Nachfrager) Zweiseitiges Oligopol (auf beiden Seiten wenige Teilnehmer) Dies ist in der realen Marktwirtschaft die häufigste Marktform, da durch Konzentrationsbewegungen die Zahl der Teilnehmer immer weiter verringert wird.
3.2 Preisbildung
Zunächst soll hier auf die allgemeine Preisbildung eingegangen und dann die Preisbildung im Bezug auf die jeweilige Marktformen untersucht werden. Die allgemeine Preisbildung unterteilt Wagenblaß (2001) dabei in die Bestimmungsgründe des Angebots und der Nachfrage: Bestimmungsgründe des Angebots sind: Erwarteter Preis des angebotenen Gutes
Erwarteter Preis anderer Güter, die der Wirtschaftszweig noch erzeugen kann
20
Kostenstruktur der Branche Stand ihres technischen Wissens Gewinnerwartung der Branche Zahl der Anbieter Bestimmungsgründe der Nachfrage sind: Reales Einkommen
Begehrkreis der Güter: man unterscheidet in:
Bei Zusammenfassung der Nachfrager kommt man dabei auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Dazu sind folgende Aspekte wichtig:
3.2.1 Preisbildung im vollkommenen Markt
Hier bildet sich der Preis durch das freie Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Dabei kommt es zum Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, weshalb man den Preis auch „Gl eichgewichtspreis“ nennt. Zwei Szenarien sind außerhalb des Gleichgewichtspreises denkbar: Der Angebotsüberhang, wegen der daraus resultierenden Macht der Nachfrager, auf den Preis einzuwirken auch „Käufermarkt“ genannt, und ein Nachfrageüberhang, da hier die Anbieter eher auf den Preis einwirken. In beiden Fällen wird sich ein neuer Gleichgewichtspreis einstellen. Nachfolgend sollen die Vorgänge kurz erläutert werden: Angebotsüberhang:
Nachfrageüberhang:
Änderung des Gleichgewichtspreises
Nachfolgend werden die wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf den Gleichgewichtspreis haben, zusammengestellt. Angebotsseite: Preise anderer Güter Kostenstruktur Stand technischen Wissens Gewinnerwartung Zahl der Anbieter Nachfrageseite: Real verfügbares Volkseinkommen
Preise aller übrigen noch in den Begehrkreis der Haushalte fallenden Güter Sozialprestige Zahl der Nachfrager
3.2.2 Aufgaben des Gleichgewichtspreises und seine Bedeutung für den Stand-ort.
Die Hauptaufgabe des Gleichgewichtspreises ist es, die Knappheit der Güter anzuzeugen. Damit übt er eine Lenkungsfunktion aus, da er die Entscheidung einzelner Wirtschaftssubjekte koordiniert. Der Gleichgewichtspreis führt außerdem zu einer Auslese bei den Produzenten. Dieser Umstand hat in einem globalisierten Wirtschaftsraum auch standortpolitische Bedeutung. Bei einer vollstän-
22
digen Konkurrenz richtet sich der Wert eines Produktes nicht nach dem Herstel-lungsaufwand (bei Smith „natür licher Preis“) sondern nach dem Marktpreis. Das bedeutet, ein Hersteller muss bei einem höheren natürlichen Preis entweder seine Kosten senken oder aus dem Markt ausscheiden (Wagenblaß (2001)).
3.3 Varianten der Preisbildung
Die Theorien über die Preisbildung lassen sich ausführlich nur im vollkommenen Markt erklären. Wagenblaß führt aber auch noch die Varianten der Preisbildung in den verschiedenen Marktformen auf:
3.3.1 Unvollkommener Markt (Konsumgütermarkt)
Hier haben die Anbieter durch persönliche Präferenzen der Nachfrager mehr Macht über die Preisbildung, als dies bei einem vollkommenen Markt möglich wäre. Allerdings sind sie, im Gegensatz zu den Monopolisten trotzdem der freien Preisbildung unterworfen, der Einfluss auf der Anbieterseite ist aber höher, es gibt praktisch kein Gleichgewicht zwischen Anbietern und Nachfragern mehr.
3.3.2 Staatliche Eingriffe auf den Markt
Der Staat greift vor allem in der Form in den Markt ein, als dass er Mindest- und Höchstpreise einführt. a) Folgen der Mindestpreise
Staatlich festgesetzte Mindestpreise führen zur Überproduktion (Angebotsüberhang). Der Staat muss dieses Überangebot vom Markt nehmen, um den Preis zu halten (z.B. EU Agrarsubventionen die zu Butterbergen führen) b) Folgen eines festgesetzten Höchstpreises
23
Ein staatlich festgesetzter Höchstpreis führt zum Nachfrageüberhang. Der Staat muss nun das Angebot über Bezugscheine rationieren. Ein Beispiel sind die berühmten Lebensmittelkarten während des letzten Krieges.
3.3.3 Preisbildung beim Monopol
Wagenblaß (2001) beschreibt die Vorgänge anhand des Angebotsmonopols. Im Prinzip hat der Monopolist die volle Preisgestaltungsmacht, dem Nachfrager bleibt eigentlich nur die Wahl zwischen „Kaufen“ und „Nicht Kaufen“. Trotzdem unterliegt der Anbieter auch dann noch gewissen Einschränkungen: Ist der Nachfrager nicht auf sein Produkt angewiesen, muss der Monopolist darauf achten, dass er einen möglichst großen Erlös erwirtschaftet. Da sich der Erlös aus nachgefragter Anzahl und Preis des verkauften Produktes richtet, wird bei einem zu hohen Preis die Nachfrage gering und damit der Erlös gering ausfallen. Ist der Preis zu niedrig, steigt zwar die Nachfrage, der Erlös bleibt trotzdem gering. Auch kann ein Monopolist die Situation nicht voll ausschöpfen: Hohe Erlöse führen zu Konkurrenz -> Verlust der Monopolstellung
Monopolist hat bei zu hoher Ausnutzung seiner Machtstellung die Reakti-
onen der Öffentlichkeit zu fürchten
Wagenblaß (2001) führt weiter Erklärungen die Preisbildung in Oligopolen und bei staatlichen Aufträgen, die aber in ihrer Komplexität dem Thema dieser Arbeit nicht gerecht werden und daher unberücksichtigt bleiben sollen. In einer Diskussion um die richtige Standortpolitik wesentlich ist folgende Erkenntnis: Ein natürlicher Preis, der zu sehr über dem Marktpreis liegt, führt dazu, dass der Anbieter aus dem Markt ausscheidet. Das Verständnis der Marktgesetze erleichtert darüber hinaus das Verständnis der nachfolgend vorgestellten „A llgemeinen Theorie“ von J.M. Keynes.
4. Die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ von John Maynard Keynes.
Auch wenn im in der Einleitung zitierten Artikel („W enn der Staat ankurbelt, ist der erfolg oft nicht von Dauer“) zu lesen ist, dass J.M. Keynes viele seiner wirt-
24
schaftspolitischen Anhänger verloren hätte, so hat kein anderer, das wird im erwähnten Artikel auch deutlich, den ordnungspolitischen Rahmen in der Bundesrepublik geprägt wie er. Große Teile des „G esetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ gehen auf J.M. Keynes Thesen zurück. Um so verwunderlicher ist es, dass JM Keynes in seinem „Vorwor t zur Englischen Ausgabe“ betont, dass der Hauptzweck seines Werkes „die Behandlung schwieriger theoretischer Fragen und nur in zweiter Linie die Anwendung dieser Theorie auf die Wirklichkeit“ sei (Keynes (1936/1994)). Wurde Keynes ein halbes Jahr-hundert missverstanden?
Diese und weitere Fragen sollen in dieser Abhandlung erörtert werden. Zunächst aber wird auf die Kritik Keynes an der klassischen Theorie eingegangen. Anschließend werden die einzelnen Thesen Keynes vorgestellt und in einem weiteren Kapitel die Bedeutung Keynes für die praktische Wirtschaftspolitik erörtert. Aber auch der Kritik an den keynesschen Thesen wird ein eigenes Kapitel eingeräumt.
Grundlage für die hier vorliegende Abhandlung ist der im Gabler -Lexikon veröffentlichte Aufsatz von Bartmann (2000). Ergänzt werden die Thesen mit Auszügen aus dem keynesschen Werk: Die Vorworte für die englische und die Deutsche Ausgabe, sowie das erste, das achtzehnte und einundzwanzigste Kapitel.
4.1 Kritik an der klassischen Theorie
JM Keynes lehnt die „kl assische Theorie“ nicht direkt ab, sondern Kritisiert lediglich, dass deren Blick auf die Realität zu begrenzt sei: „Ich nennen dieses Buch die Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes und hebe dabei das Wort allgemein hervor. […] Ich werde darlegen, dass die Postulate der klassischen Theorie nur in einem Sonderfall, aber nicht im Allgemeinen gültig sind, weil der Zustand, den sie voraussetzt, nur ein Grenzpunkt der möglichen Gleichgewichtslagen ist“ (Keynes (1936/1994)). Dies macht deutlich, um was es Keynes eigentlich ging: Er will die klassische Theorie nicht aufheben, sondern um eine Fülle weiterer Parameter zur „algemeinen Theorie“ ergänzen. Lediglich die Gleichgewichtstheorie, insbesondere das Saysche Theorem, weißt er zurück. Die schon bei Smith postulierte Selbststabilisierung des Systems wird ersetzt durch die Thesen der Steuerungsnotwendigkeit und Steuerungsmöglichkeit
25
(Bartmann (2000)). All dies führt allerdings zu einer Komplexität, die auf dem ersten Blick undurchschaubar erscheint. Betrachtet man allein die im lediglich sieben Seiten starken Bartmannschen Aufsatz gezeigten Fromeln und Grafiken, wirken allein diese zunächst sehr verwirrend. Daher werden folgerichtig nachfolgend die Keynesschen Thesen in Worten wiedergegeben. In einer Arbeit, die sich eher mit wirtschaftlichen Ideologien beschäftigt, erscheint dies auch gerechtfertigt.
4.2. Die Keynessche Lehre
In der Einleitung seines Aufsatzes stellt Bartmann (2000) bereits die wichtigsten Grundzüge der keynesschen Theorie zusammen. Wie bereits angedeutet, ersetzt Keynes die klassische Hoffnung auf Selbststabilisierung durch die Botschaft der Notwendigkeit und Möglichkeit einer wirtschaftlichen Steuerung. Dabei unterscheidet Keynes zwei Möglichkeiten zur wirtschaftpolitischen Therapie: Globalsteuerung: Intervention des Staates über Beeinflussung der Ge- samtnachfrage
Investitionssteuerung: Stabilisierung des Investorenverhalten bei Vorlie- gen von Unsicherheit
Um die einleitende Frage zu beantworten: Keynes ist nicht falsch verstanden worden. Vielmehr sind, wie Bartmann auch betont, seine interventionistischen Thesen bekannter geworden als die ihnen vorangestellte „A llgemeine Theorie“. Auf sie wird auch nachfolgend nur am Rande eingegangen. Vielmehr sollen nachfolgend die unter dem Kapitel „ Keynessches Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung“ aufgezählten wirtschaftspolitischen Thesen dargestellt werden:
Expansive Geldpolitik (der Nationalbanken):
führt nach Meinung Keynes zu einem Ungleichgewicht (hier nicht negativ gemeint, da Keynes als Grund für Unterbeschäftigung Starrheit sieht) am Kapitalmarkt. Die Wirtschaftssubjekte versuchen, die Überschüsse am Kapitalmarkt durch Kauf von Wertpapieren abzubauen. Dadurch gibt es eine Wertsteigerung der Papiere und einen Zinsrückgang, der die Investitionen stimuliert. Dadurch steigen die Gesamtnachfrage, die Produktion und das
26
Gesamteinkommen. Dieser Effekt hält so lange an, wie die vermehrte Geldmenge nachgefragt wird. Dann stellt sich erneut ein Gleichgewicht ein, dass wiederum dynamisiert werden muss.
Expansive Fiskalpolitik (z.B. zusätzliche Güterkäufe des Staates)
Dabei führt die gestiegene Güternachfrage zu einer Steigerung der Produktion, da die Firmen die gestiegene Gesamtnachfrage durch Produktionssteigerung wettmachen. Damit steigen auch die Einkommen, was zu einer vermehrten Geldnachfrage führt. Bei gegebenem Geldangebot ist ein Gleichgewicht nur möglich, wenn die Zinsen steigen. Dies führt allerdings zu einer Dämpfung der zinsabhängigen Investitionsfreudigkeit (kontraktiver Sekundäreffekt). Diese Effekte können zur „ Impotenz der Geldpolitik“ führen. Bei zinsunelastischen Investitionen führt die expansive Geldpolitik zwar zu sinkenden Zinsen, die Nachfrage reagiert darauf aber nicht. Damit bleibt eine Erhöhung der Produktion, der Beschäftigung und des Einkommens aus.
4.3 Das wirtschaftspolitische Programm JM Keynes
Diese Thesen münden im „ wirtschaftspolitischen Programm“ von Keynes, dessen beiden Grundzüge eingangs bereits erwähnt wurden. Es handelt sich hier um die Globalsteuerung und um die Investitionsteuerung.
4.3.1 Globalsteuerung
Nach Keynes besteht eine Notwendigkeit zur Steuerungspolitik, da es keine endogen Stabilisierungsmechanismen gebe. Dabei geht es Keynes um eine Verbindung von Geldpolitik und das konjunkturpolitisch Einsetzten von Staatsausgaben und -einnahmen.
27
4.3.2 Investitionssteuerung
Um der Investitionszurückhaltung entgegenzusteuern, fordert Keynes ein direktes staatliches Engagement, das größer Erfolgschancen hätte als eine investitionsstimulierende Zinspolitik. Dazu fordert Keynes: Risikobeteiligung des Staates bei Bauinvestitionen Öffentliche Investitionen Investitionsmeldestellen
Insgesamt soll der Staat seine Verantwortung durch Investitionen erhöhen. Die Nachfragesteuerung soll global sein und mit indirekten Mittel erfolgen.
4.4 Bedeutung der Keynesschen Lehre
Bartmann (2000) stellt dar, dass die „Bed eutung der keynesschen Lehre kaum zu überschätzen“ sei. So sei gerade die „W irtschaftspolitik“ von Keynes nachhaltig beeinflusst worden. Vor allem in der Stabilisierungspolitik schlägt sich dies nieder: In Deutschland etwa ganz konkret im „G esetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“.
Aber auch der Theorietische Überbau wurde bis heute weiterentwickelt: In Form der „Neuen keynesschen Makroökonomik“ und im „P ostkeynesianismus“. In der Wirtschaftspolitik hat der Keynesianismus vor allem in Form der „angebotsorie ntierten Wirtschaftspolitik“ Widerhall gefunden (Wagenblaß (2001)).
4.5 Kritik an der keynesschen Lehre
Kritik äußert Bartmann (2000): Die Keynessche These, dass Unterbeschäftigung im wesentlichen auf Starrheit zurückzuführen seien, und damit die für ihre Bekämpfung notwendigen Reallohnsenkung über eine inflationäre Expansionspolitik erreicht (also durch die Investition des Staates) werden müssten,. sei für die Politik zwar ein wichtiges Argument, aber als Begründung für eine allgemeine Theorie nicht ausreichend. Im eingangs erwähnten Artikel ist hingegen zu lesen, dass die Anwendung Keynesscher Methoden vor allem die hohe Schuldenlast des Staates verursachte habe. Dazu ist aber zu sagen, dass in der Wirtschaftspolitik
28
der Bundesrepublik ein wichtiger Aspekt keynesscher Lehre außer Acht gelassen wurde: In Zeiten Voll- oder gar Überbeschäftigung wäre es danach eigentlich Aufgabe des Staates gewesen, Rücklagen für Notzeiten zu bilden. Dies ist in der Bundesrepublik jedoch versäumt worden.
Kritik kam aber auch von den Vertretern des Monetarismus, denen das nächste Kapitel gewidmet ist. Diese von Milton Friedmann gegründete Schule greift vor allem die geldtheoretischen Vorstellungen von Keynes an.
5. Milton Friedman und der Monetarismus
Milton Friedmans Arbeiten über die Wirtschaftssysteme, die im „Mo netarismus“ münden, sind als Antworten auf Keynes „ Allgemeine Theorie“ zu verstehen. In der Erklärung über den Monetarismus wird zunächst der Begriff erläutert, der im Laufe der Zeit sehr viele Wandlungen durchgemacht hat. Danach werden die Inhalte des Monetarismus erläutert und anschließend auf die Bedeutung der und die Kritik an der Theorie vorgestellt.
Als Literaturgrundlage werden ein im Rahmen des Gabler - Lexikon (2001) erschienen Aufsatz von John (2000), das Duden - Lexikon (2000) sowie als Ergänzung Wagenblaß (2001) und ein von Kalmbach (1973) herausgegebener Sammelband, in dem unter anderem Milton Friedman selbst zu Wort kommt, verwendet.
5.1 Begriff des Monetarismus
Blaich (1973) versteht unter Monetarismus noch eine Wirtschaftsform die vor und auch als Teil des Merkantilismus fungierte. Er führt den Begriff auf Karl Marx zurück, der den Begriff im „Ka pital“ als erstes verwendet habe. Folgerichtig ist der im selben Jahr (1973) erschiene Sammelband von Kalmbach auch noch mit „Der neue Monetarismus“ betitelt, womit die Lehren Friedmans gemeint sind. In den Enzyklopädien, die alle neueren Datums (2000 bzw. 2001) sind, bezieht sich der Begriff allein auf die Lehren der neueren, von Wagenblaß (2001) „Sch ule“ genannten, Theoretiker um Milton Friedman. In dieser Arbeit soll dies genauso ge-handhabt werden.
29
5.2 Die Lehre des Monetarismus
Nach John (2000) ist der Monetarismus als moderne Version der Quantitätstheorie zu sehen, die die Trennung von geld- und güterwirtschaftlichen Bereich aufhebt. Nach Wagenblaß (2001) ist ihr Vorgänger die „naive Quanitätstheorie des Geldes“, eine bereits im Altertum etablierte Theorie. Sie besagt, dass die Menge des Geldes und der Güter zu einander proportional seien. Sie berücksichtigt allerdings nicht, dass Geld dem Kreislauf auch entzogen werden kann (z.B. durch Kapitalanlage). Insoweit hat es auch seine Berechtigung, das Blaich (1973) den Theoretiker Thomas Gresham aus dem 16. jahrhundert zu den Monetaristen zählt. Dieser hat als erstes nachgewiesen, dass im Zahlungsverkehr eher die Münzen mit dem niedrigeren Materialwert verwendet werden, während die Kostbaren eher gehortet werden. Diese These mündet in der Forderung Smiths nach der Einführung eines vom Materialwert unabhängigen Nominalwerts (diese Forderung wurde in Deutschland eigentlich erst nach dem 1. Weltkrieg erfüllt). Nach dem Duden Lexikon ist unter dem „Monetar ismus“ neuerer Art zu verstehen, dass die Geldmenge durch die Zentralbanken so gesteuert wird, dass sie möglichst ohne Schwankung mit dem Wachstum des realen Sozialproduktes übereinstimmt. Damit sollen Ausschläge der Konjunktur verhindert werden und ein stetiges Wachstum gesichert werden.
Staatliche Eingriffe, etwa eine antizyklische Konjunkturpolitik nach der keynesschen Lehre, lehnten die Monetaristen grundsätzlich ab. Deren Maßnahmen wie die Investitionsrücklagen im Abschwung und Steuererhöhungen im Aufschwung, verstärkten die Konjunkturzyklen noch, da ihre Wirksamkeit verzögert eintritt, und wirken nicht stabilisierend auf die Wirtschaftspolitik. Je weniger der Staat eingreife, desto freier könnten sich die Wirtschaftstätigkeiten entfalten. Die Monetaristen kehren damit zur klassischen Lehre der Selbstregulierung des Marktes zurück und verbinden sie lediglich mit der Forderung einer an der Volkswirtschaftlichen Produktion angelehnten aktiven Geldpolitik der Zentralbanken. Nach John (2000) soll damit auch eine Inflation verhindert werden.
30
5.3 Bedeutung des Monetarismus
In der Konzeption der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Theorien des Monetarismus zu finden, wie auch schon vorher im Bundesbankgesetz. So ist nach der Europäischen Währungsverfassung die EZB dazu verpflichtet, Ihre Politik auf die Geldwertstabilität auszurichten (Wagenblaß (2001)). Aber auch Anstöße für die praktische Wirtschaftspolitik lieferten die Monetaristen: So geht die von Ronald Reagen praktizierte „na chfrageorientierte Wirtschaftspolitik“ unter anderem auf die Forderung der Monetaristen ein.
5.4 Kritik am Monetarismus
John (2000) führt einige Kritikpunkte an: Zum Beispiel weißt er zurück dass die Vermutung, dass antizyklisch gemeinten Maßnahmen als prozyklisch wirkten. (dass es zwischen den fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen und deren Wirksamkeit eine Verzögerung gibt hätten nach John (2000) schließlich auch die Anhänger von Keynes erkannt).
Darüber hinaus führt John (2000) aus: „ Schließlich ist festzuhalten, dass der monetaristische Glaube an die Selbststabilisierung des Marktsystems, die Tendenz zur Verharmlosung von wirtschaftlichen und sozialen Folgen anhaltender Fehlentwicklungen, die Geringschätzung der Bedeutung von Verteilungsproblemen und negativen externen Effekten nicht wissenschaftlich begründbar ist, sondern durch ein Werturteil eingebracht ist.“ Fazit: Es handelt sich beim Monetarismus eigentlich um keine Theorie, sondern bereits um eine Ideologie. Bauten die bisher vorgestellten Konzepte noch aufeinander auf, so wird anschließend ein Konzept vorgestellt, dass als echte Alternative zu sehen ist: Der Weckung endogener Potentiale nach Ulf Hahne.
6. Das Konzept der „Endogenen Regionalpolitik“
Das Konzept von Ulf Hahne ist weniger in der Wirtschaftspolitik als vielmehr in der Raumplanung oder in der Dorferneuerung von Bedeutung. In der Literatur ist dieses Konzept bei Heineberg (2003) und Schätzl (2001) zu finden. In nachfolgender Abhandlung wird aber auch der Originalaufsatz von Hahne (1985) zu rate
31
gezogen: „Endogene Entwicklung. Theoretische Begründung und Strategiediskussion.“
6.1 Endogene Entwicklung
Wie Heineberg (2001) die Zusammenfassung von Schätzl noch einmal zusammenfasst, lässt sich für die Hahneschen Theorien folgende Grundsatzhypothese ableiten: „Die sozioökonomische Entwicklung einer Region ist vom Ausmaß und Nutzung der interregionalen Potentiale abhängig“ (Heineberg (2003)). Der von Hahne vorgeschlagene Ansatz enthält nach Schätzl (2001) und Heineberg (2003) dabei folgende Teilpotentiale: Kapitalpotential Arbeitsmarktpotential Infrastrukturpotential Flächenpotential Umweltpotential Marktpotential Entscheidungspotential soziokulturelles Potential
Drei große Schwerpunkte hat Schätzl (2001) in Hahnes Konzept ausgemacht: 1. Überwinden von bestehenden Engpässen
Dabei geht es darum, dass unterschiedliche Potentiale in einer Region unterschiedlich knapp sind. Für gezielte Investitionen ist die Identifizierung des „Engpassf aktors“ no twendig. Dies lässt eine verstärkte Nutzung bislang nicht ausgelasteter Potentialfaktoren zu.
2. Nutzung von regionsspezifischer Fähigkeiten und Begabungen Dabei gilt es, jene Fähigkeiten und Begabungen zu ermitteln, bei denen Standortvorteile gegenüber anderen Regionen gegeben sind. Dabei wird eine Spezialisierung entsprechend dieser Ausstattungsvorteile empfohlen. 3. Initiierung von intraregionalen Kreisläufen
32
Um eine möglichst breit gefächerte Nutzung regional vorhandener Potentiale zu erreichen, sei nach Schätzl (2001) eine Vernetzung der ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Aktivitäten nötig.
6.2 Bedeutung der Entwicklungspotentiale
Die Theorien von Hahne haben in den Wirtschaftswissenschaften bisher nur wenig Widerhall gefunden. Wohl aber in der Raumplanung, in der Regionalpolitik und in der Dorferneuerung. Eine neuere Arbeit, die auf den Hahne - Theorien aufbaut ist zum Beispiel die Untersuchung von Klaus Zeitlers (2001) (Raumbezogene Identität - ein Entwicklungsfaktor für den ländlichen Raum?) Durch den interdisziplinären Ansatz (Verbindung von Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) haben die Hahnschen Thesen durchaus das Potential zu einer grundlegenden standortpolitischen These. Außerdem ist es der einzige der hier vorgestellten Ansätze mit einem Raumbezug, für die Geographie also interessant.
6.3 Kritik an Hahne
Wissenschaftlich fundierte, konstruktive Kritik hat Hahne selbst in einem Aufsatz für den „Kritisch en Agrarbericht 2005“ zusammengefasst, darauf soll hier aber nicht näher eingegangen werden. Der Verfasser der vorliegenden Arbeit kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Rückfall in merkantilistische Denkweisen erfolgt ist. So wird zum Beispiel die Wechselwirkung mit exogenen Parametern völlig außer acht gelassen, die Regionen als autarke Einheiten dargestellt. Darüber hinaus wirken einige der Hahnschen Thesen doch etwas realitätsfern. Leider hat Zeitler (2001) es unterlassen, die Hahnschen Thesen auf Praxistauglichkeit zu untersuchen und daraus eine eigene (also noch eine) Theorie entwickelt.
7. Welche der Theorien ist nun die beste? Eine Zusammenschau
Bevor nun die Theorien auf ihre Güte untersucht werden, soll eine kurze Definition der Wirtschaftspolitik gegeben werden. Weiter ist es wichtig, den ordnungs-
33
politischen Grundrahmen der Bundesrepublik festzulegen. Außerdem ist der Weg von der Theorie zur Praxis bekanntlich weit, daher wird auch noch einen Überblick über die beiden grundlegendsten wirtschaftspolitischen Konzepte gegeben und besprochen in wie weit die vorher besprochenen Konzepte darin eingeflossen sind: Die Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, und die Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik.
7.1 Wirtschaftspolitik
Wagenblaß (2001) gibt dazu folgende Definition:
„A llgemein kann man Wirtschaftspolitik als die Summe aller Maßnahmen zur Gestaltung des Wirtschaftslebens definieren. Die Maßnahmen beziehen sich dabei auf die Wirtschaftsordnung. Im Rahmen der so gestalteten Wirtschaftsordnung kann dann der Wirtschaftsablauf und die Wirtschaftsstruktur beeinflusst werden“. Folgerichtig unterscheidet Wagenblaß (2001) drei Arten von Wirtschaftspolitik: Ordnungspolitik
darunter ist jener Bereich der Wirtschaftspolitik zu verstehen, der darauf ausgerichtet ist, eine bestimmte Ordnung zu verwirklichen Prozesspolitik
Prozesspolitik ist die Gesamtheit aller Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen, die den Ablauf des Wirtschaftsgeschehens in einem Gebiet ordnen (…) Strukturpolitik
Summe aller Maßnahmen zur Gestaltung der Struktur in einem Land Legalistische Ziele der Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik Deutschland Im „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ (StWG) sind laut Wagenblaß (2001) zwei Arten von Zielen festgelegt: Generelle und spezielle Hauptziele: Die generellen Ziele sind: Sicherung der marktwirtschaftlichen Ordnung
34
Erhaltung bzw. Wiederherstellung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts Die speziellen Hauptziele sind: Stabilität des Preisniveaus
Hoher Beschäftigungsstand (Zielsetzung: Vollbeschäftigung) Außenwirtschaftliches Gleichgewicht Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
Der Gesetzgeber ist dabei von der Vorstellung geleitet worden, dass vier Ziele gleichzeitig erfüllt werden sollen. Da dies in der Realität kaum möglich ist, spricht man auch vom „ magischen Viereck“. Dieses lässt sich durch Hinzunahme des Ziels „Verbeserung der Einkommens- und Vermögensverteilung“ und / oder durch das Ziel „Erhalt ung und Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen“ zu einem Fünf- oder Sechseck erweitern. Auch der im Raumordnungsgesetz festgelegte Grundsatz der wertgleichen Lebensbedingungen kann als ordnungspolitisches Ziel aufgefasst werden.
Zur Entscheidung welches der in dieser Arbeit vorgestellten Konzepte das Beste ist, sollte man deren wichtigste Umsetzungen kennen: 7.1.1 Angebotsorientierte Politik:
Die Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik (AP) ist die Ideologie, die sich auf die Klassiker beruft. Dabei ist die Gültigkeit des Sayschen Theorems und ein System flexibler Löhne die Voraussetzung, dann stellt sich ein Gleichgewicht ein. Vorraussetzung hierfür ist aber, laut Wagenblaß (2001), dass alle Arbeitgeber im Fall einer Lohnsenkung mehr Arbeitssuchende beschäftigen. Dies hat sich in der Realität nicht erfüllt. Auch führen Lohnsenkungen zu einer Verringerung der Gesamtnachfrage. Der Grundgedanke der AP lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der private Sektor ist stabil genug um sich selbst heilen zu können, wenn die Rahmenbedingungen dies zulassen. Der Staat sollte sich möglichst weit zurückziehen, allerdings wird der „Nachtw ächterstaat“ des Manchesterkapitalismus nicht mehr angestrebt. Ein geschlossenes Konzept für die angebotsorientierte
35
Wirtschaftspolitik liegt nicht vor, doch gibt es ein gutes Beispiel: die Politik Ronald Reagens.
Ronald Reagen versuchte die Amerikanische Wirtschaft durch ein radikales Steuersenkungsprogramm zu stimulieren. Diese Idee geht auf das so genannte Laffer - Theorem zurück: Zu Hohe Steuern führen zu Mindereinahmen des Staates. Seiner Meinung nach seiner Meinung beeinträchtigen hohe Steuern die Leistungsbereitschaft und die Eigeninitiative der privaten Wirtschaftssubjekte, die mit Flucht in die Schattenwirtschaft zur Steuervermeidung reagieren. Nach Laffer gibt es eine optimale Höhe der Steuersätze, bei der die Einnahmen des Staates am größten sind. (Wagenblaß (2001)). Diese Ansichten von Laffer werden im Gabler- Lexikon allerdings als trivial bezeichnet.
In der Bundesrepublik vertritt insbesondere der Sachverständigenrat eine moderate Form der AP.
7.1.2 Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik
Bei der Nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik (NP) werden vor allem die Thesen von Keynes praktisch umgesetzt. Dabei versucht man, die Nachfrage durch Investitionen zu stimulieren. In der Bundesrepublik ist vor allem das StWG Ausdruck dieses nachfrageorientierten Ansatzes.
7.2 Welche Theorie ist nun die beste?
Es ist unmöglich darauf eine klare Antwort zu geben. Jede Theorie hat in sich recht. Bei der Diskussion um AP oder NP zeigt es sich bis heute, dass sowohl die klassische Lehre als auch John Maynard Keynes ihre Anhänger haben. Zugegebener Maßen ist die Theorie von Keynes umfassender als die klassische Lehre. Damit deckt Keynes ein breiteres Spektrum an Einflussfaktoren ab, aber der bereits in der Einleitung zitierter Artikel aus der „Augsburger Allgemeinen“ moniert, dass die Erfolge keynesianischer nur kurzfristig zur Verbesserung führen, langfristig aber die Staatsverschuldung steigt. Eine ähnliche Auffassung wird bei Wagenblaß (2001) vertreten. Schon Milton Friedman ist 1953 dann doch wieder zur klassischen Lehre zurückgekehrt.
36
Zum Monetarismus ist folgendes zu sagen: Betrachtet man die Kurve, die sich aus der Arbeitslosenquote ergibt, mit der Kurve die den wert der DM und des Euros vergleicht, so gibt es eine frappierende Ähnlichkeit, die den Verdacht aufkommen lässt, das der Wert der Währung und die Zahl der Arbeitslosen zuein-ander proportional sind. Nun ist der Verfasser kein Volkswirt, und stellt möglicherweise eine Kausalität her, die so eigentlich nicht richtig ist. Aber gerade zwischen 1999 und heute ist die Ähnlichkeit frappierend. Hätte der Verfasser aber recht, so ließe sich doch ein Makel am Monetarismus festmachen: Er ist zu einseitig auf die Geldwertstabilität ausgereichtet und lässt den Außenhandel völlig außer Acht. Die Ausrichtung der Währungspolitik an der Geldwertstabilität im Alleingang hat zu einer Aufwertung der Binnenwährung geführt, dass zumindest die deutsche Exportwirtschaft unter Zuständen wie bei einer Deflation zu leiden hat. Allein die Aufwertung der Binnenwährung zu Weltwährungen hat die am Standort Deutschland gefertigten Waren verteuert, ohne dass der Preis der Ware angehoben wurde (abgeleitet nach Wagenblaß (2001), Altmann (2000)).
Die Theorie von Ulf Hahne kann vor allem in psychologischer Sicht gesamtwirtschaftlich von Bedeutung sein: Die Analyse der Potentiale könnte das Selbstbewusstsein der Wirtschaftsubjekte stärken und somit dazu führen, dass die Standortdebatte nicht allein auf die Lohnkosten reduziert wird. In der Sendung „Camp us - TV“ vom 9. April 2005 um 9 Uhr auf „Bay ern Alpha“ hat ein gewisser Prof. Sinn diese Tatsache sinngemäß folgendermaßen umschrieben: Wenn deutsche Löhne 7-mal teuerer sind als polnische, müssten deutsche Waren sieben Mal besser sein. Hier spielen die Thesen von Hahne dann eine Rolle: Von der Regionalpolitik auf die Nationalökonomie erweitert, kann man hiermit die Potentiale erforschen, die den Standort Deutschland gegen so genannte „Niedri glohnländer“ konkurrenzfähig machen (Das könnten sein: ältere und bessere Tradition in Forschung und Technologie, hohe Innovationskraft durch hohen Bil-dungsstandart)
Alle Konzepte haben Vor- und Nachteile. In sofern ist eine gute Wirtschaftspolitik eigentlich genau eine Synthese aus allen. Tatsächlich wurde im Konjunkturprogramm des 17. März 2005 die Brücke zischen AP und NP geschlagen. Schon die Tatsache, dass sowohl die AP - Anhänger als auch die NP auf kurzfristige Erfol-
37
ge weisen können, lässt kaum eine Entscheidung für oder gegen eines der Konzepte zu. Möglicherweise ist die Synthese aus beiden das richtige Konzept (tatsächlich findet man im jüngst aufgelegten Konjunkturprogramm beide Strömungen).
7.3 Das Konjunkturprogramm vom 17. März 2005
Das zwischen Regierung und Opposition vereinbarte Wirtschaftsprogramm vertritt beide Ideologien 7.3.1Angebotsorientierte Aspekte Senkung der Unternehmenssteuer von 25 auf 19 % Senkung der Arbeitslosenbeiträge Senkung der Krankenkassenbeiträge
Wiederaufnahme der Verhandlungen in der Föderalismuskommission (Entbürokratisierung)
7.3.2 Nachfrageorientierte Aspekte Investition in Verkehrsprojekte
Vorübergehende Anhabung der Neuverschuldung
38
Literatur: Monografien:
Altmann, J. (2000): Wirtschaftspolitik: Eine praxisorientierte Einführung. Stuttgart: Lucius & Lucius.
Blaich, F. (1973): Die Epoche des Merkantilismus. Wiesbaden: Franz - Steiner -Verlag.
Heineberg, H. (2003): Einführung in die Anthropogeographie / Humangeographie. Paderborn: Schönigh
Keynes, J. M. (1936/1994): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes [The General Theory of Employment, Interest and Money. Übers. Fritz Waeger] Berlin: Duncker und Humboldt. [Unveränderter Nachdruck des Originals von 1936]
Schätzl, L. (2001): Wirtschaftsgeographie. Band 1: Theorie. Paderborn: Schöningh.
Smith, A. (1776/1974): Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. [An Inquiry into the Nature and Causes of Wealth of Nations, Übers: Recktenwald, H. C.] München: C. H. Beck. Wagenblaß, H. (2001): Volkswirtschaftslehre, öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik. Heidelberg: C.F. Müller.
Zeitler, k. (2001) Raumbezogene Identität: ein Entwicklungsfaktor für den ländlichen Raum? . Augburg: Lehrstuhl für Sozial und Wirtschaftsgeographie. [= An-gewandte Sozialgeographie Nr. 42]
39
Enzyklopädien Duden - Lexikon (2000):
Bauer, M. et al. [Hrsg.]: Das Duden - Lexikon der Wirtschaftswissenschaften. Mannheim: Bibliographisches Institut Brockhaus. Gabler - Lexikon (2001):
Hadeler, Th. Et al. [Hrsg.]: Gabler -Wirtschaftslexikon: Die ganze Welt der Wirtschaft: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht, Steuern. Wiesbaden: Verlag Dr. Th. Gabler. [vier Bände] Vahlens - Lexikon (1994):
Dichtl, E.; Ising, O. [Hrsg.]: Vahlens großes Wirtschaftslexikon. München: Beck. Aufsätze:
Bartmann, H. (2000): Keynessche Lehre. In: Gabler - Lexikon Böhler, W. (1989). Adam Smith; Begründer der Nationalökonomie: Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. In: Der Wohlstand der Nationen: Adam Smith: Der Begründer der Nationalökonomie. Bad Boll: Evangelische Akademie. [= Protokolldienst 32 / 89]
Friedmann, M. (1973): Die Gegenbewegung der Geldtheorie. In: Kalmbach, P. [Hrsg.]: Der neue Monetarismus. München: Nymphenburger Verlagsbuchhandlung.
Hahne, U. (1984): „E ndogenes Potential: Stand der Dinge“. In: Akademie für Raumforschung [Hrsg.]. Endogene Entwicklung: Theoretische Begründung und Strategiediskussion. Hannover: Akademie für Raumforschung und Landesplanung [Arbeitsmaterial Nr. 76]
John, Klaus- Dieter (2000): Monetarismus. In: Gabler - Lexikon
40
Recktenwald, H. C. (1974). Würdigung. In: Smith (1776/1974). Internet (alle am 30. März 2005): DGB - Grundsatzprogramm:
http://www.dgb.de/dgb/Grundsatzprog/gestaltung.htm „Kriti scher Agrarbericht 2005“ http://www.kritischer-agrarbericht.de/index.php?id=137 Dirigismus:
http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/d/dirigismus.htm Pauperismus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pauperismus Peuplierung:
http://www.preussen.de/de/geschichte/preussenlexikon/n-z/peuplierung.html Zeitungsartikel:
Deggerich M. et al.: Kanzler ohne Fortune. Der Spiegel vom 7. März 2005 Fleischauer J.: Hier ist Sturm. Der Spiegel vom 28. Februar 2005 Schäfer, U.: Und sie bewegen sich doch: Der Kanzler feilt an seiner Rede, die Union an ihrer Strategie - und beide Seiten wollen eine Ergebnis. Süddeutsche Zeitung vom 16. März 2005
Zülfe, W.: Wenn der Staat nicht ankurbelt, ist der erfolg oft nicht von Dauer: Die Konjunkturprogramme der 60er und 70er Jahre und die aktuelle Nervosität der Gewerkschaften und der SPD. Augsburger Allgemeine vom, 4. März 2005
41
Statistik
Europäische Kommission (2001): Europäische Wirtschaft. Brüssel: Generaldirektion wirtschaft und Finanzen. (= Nummer 27)
Nicht verwendete Literatur:
Bittner, H. (1997): Standort und Steuer: Eine ordnungspolitische Analyse am Beispiel des deutschen Standortsicherungsgesetz. Dissertation. Bayreuth Grüner, H. P. (2001): Wirtschaftspolitik: allokationstheoretische Grundlagen und politisch ökonomische Analyse. Berlin: Springer
Henzler, H. A.; Späth L. (1997): Countdown für Deutschland: Start in eine neue Zeit. München: Goldmann.
Jöhr, W. A. (1943): Theoretische Grundlagen der Wirtschaftspolitik: St. Gallen: Fehrsche Buchhandlung.
Lachmann, W. (1994): Entwicklungspolitik. München: Oldenburg. Luckenbach, H. (2000) Theoretische Grundlagen der Wirtschaftspolitik. München. Vahlen. (= Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und sozialwissenschaften)
Ritter, W. (1993): Allgemeine Wirtschaftsgeographie. Eine systemtheoretische Einführung. München: Oldenburg
Röpke, H.-J. (1971). Die Wachstumstheorie der deutschen Merkantilisten. Inaugural- Dissertation. Marburg.
42
Schatz: Kl.-W. (2002) Für eine Erneuerung der Wirtschafspolitik in Deutschland: Aufgaben und Struktur des Wirtschaftsministeriums. Köln: deutscher Instituts -Verlag.
Woll, A. (1992): Wirtschaftspolitik. München: Verlag Vahlen. [= Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften]
Woll, A, (2000): Allgemeine Volkswirtschaftslehre. München: Verlag Vahlen. [= Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften]
43
Arbeit zitieren:
Michael Metzger, 2005, Merkantilismus, Marktgesetze, Monetarismus und Co., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Umkippen des tayloristischen-fordistischen Paradigmas
Ein Problem der Industriesozio...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Gesellschaftliche Konfliktlinien und Parteiensysteme
Hätte die spanische Republik (...
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Seminararbeit, 14 Seiten
Transmission monetärer Impulse aus portfoliotheoretischer Sicht
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 21 Seiten
Der Demographische Wandel in Deutschland
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Studienarbeit, 12 Seiten
Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 44 Seiten
Respekteinflößende Belesenheit - Richard Sennetts Werke zur Stadtkultu...
Seminararbeit, 21 Seiten
Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik: Ein Weg zur Sicherung von Wohl...
VWL - Makroökonomie, allgemein
Referat / Aufsatz (Schule), 14 Seiten
Medien, Macht und Manipulation. Die Kulturkritische Theorie von Horkhe...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 19 Seiten
Staatsjugendkulturen - Die Hitlerjugend
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 17 Seiten
Geld als Transaktionsmittel - Der Suchtheoretische Ansatz
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 25 Seiten
Familiale und nichtfamiliale Lebensformen
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 20 Seiten
Michael Metzger hat den Text Merkantilismus, Marktgesetze, Monetarismus und Co. veröffentlicht
Michael Metzger hat einen neuen Text hochgeladen
AMELIORATION DE CATALYSEURS D'HDS Co-Mo / ALUMINE
MODIFICATION DU SUPPORT PAR AJ...
Franck Dumeignil
Co-élaboration du sens dans les cercles littéraires entre pairs
Étude des modes de lecture et ...
Manon Hébert
Hardware/Software Co-Design and Co-Verification
Jean-Michel Bergé, Oz Levia, Jacques Rouillard
0 Kommentare