Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung. 3
1. Situativer Kontext des Films 4
1.1 Historisch-sozialer Kontext 4
1.2 Geistiger Kontext 8
1.3 Kulturell-ästhetischer Kontext 9
1.4 Produktionsbedingungen 11
1.5 Rezeptionsbedingungen 12
1.6 Position des Films im Wochenprogramm 13
2. Die Sendung als Ganzheit 13
2.1 Biographie: Michael Ende. 13
2.2 Botschaft der unendlichen Geschichte 15
2.3 Inhaltsangabe 15
2.4 Themenstruktur 15
2.5 Gattung der Unendlichen Geschichte: Fantasy-Literatur 16
2.6 Popularität des Buches. 16
2.6.1 Verwirrung in der Literatur 17
2.6.2 Aufbau der Literatur 17
3. Makrostrukturen. 18
3.1 Aufbau des Films 18
3.1.1 Sequenzprotokoll: 18
3.1.2 Sequenzprotokoll: 23
3.1.3 Sequenzgrafik. 30
3.2 Narratives Programm. 32
3.2.1 Ausgangsopposition, Mangelsituation und Behebung, lösungs fördernde-
und hemmende Elemente. 32
3.2.2 Konfiguration und Präsentation der Personen 36
3.2.3 Handlungs- und Situationstypen, Klischees und Stereotypen 38
3.3 Motivgeflecht und Symbolstruktur. 39
3.3.1 Der Mythos allgemein 39
3.3.2 Das Symbol allgemein 40
3.3.3 Gegenden in Phantasien (Traumbilder) 41
3.3.4 Die Symbolik der Figuren und Gegenstände 42
3.3.5 Das Nichts 43
3.3.6 Michael Ende über Schildkröten 44
3.4 Zeitgerüst. 45
4. Mikrostrukturen. 47
4.1 Einstellungsgestaltung. 47
4.1.1 Einstellungsgrößen 47
4.1.2 Objektbewegungsrichtung 48
4.1.3 Kamerabewegung. 49
4.1.4 Einstellungs-Perspektive 49
4.2 Analyse einer Beispielsequenz anhand der Einstellungsformen. 50
4.3 Einstellungsinhalte und ihr Arrangement 54
5. Ein Didaktischer Ansatz. 57
5.1 Unterrichtskonzept. 58
5.2 Die Phantasiegeschichte 59
6. Literaturverzeichnis 60
2
0. Einleitung
Die symbolisch angereicherten Bildmotive in der Unendlichen Geschichte, die Ge-genstand dieser gemeinsamen Hausarbeit ist, sind häufig vertreten und üben großen Einfluss auf das emotionale Erleben des Films aus. Sie geben die Impulse bei der Suche nach Identität. Die symbolischen Botschaften haben ihren Ursprung im stammesgeschichtlich erworbenem Zeichenvorrat und in kulturell erworbenen Konventionen. Alles das, was in der Unendlichen Geschichte als Symbol oder Mythos verstanden wird, gelangt selten in das Bewusstsein des Menschen beim Betrachten des Films. 1 Die Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, die unbewussten Botschaften aufzudecken (sofern sie uns selbst bewusst werden) und zu analysieren. Bilder können jedoch mehrdeutig sein und deshalb auch vielfältig zu interpretieren. Zum Teil sind komplexe Botschaften der Mythen oder kleine Unterschiede zwischen Symbolen nicht so einfach aufzudecken. Die Art und Weise, wie der Mythos dargestellt wird ist von Bedeutung, nicht das Objekt (nach Barthes).
Nach einer ausführlichen Untersuchung des situativen Kontextes des Films (Kapitel 1), der im Jahre 1983 produziert wurde, wird in Kapitel 2 die Botschaft untersucht, sowie die Theneminhalte grob strukturiert.
Kapitel 3 wendet sich den Makrostrukturen zu, zu denen ein umfangreiches Sequenzprotokoll und ein narratives Programm dazugehören. Hierbei werden grundlegende Problemsituationen aufgedeckt, sowie deren Lösungsversuche aufgezeigt. Das alles wird anhand einer übersichtlichen Tabelle, chronologisch dargestellt. Desweiteren wendet man sich den Figuren und Geschöpfen des Films zu, um deren Typus als auch deren Positionen die sie im Film aufnehmen, zu bestimmen. Weiterhin wird auf das Motivgeflecht und die Symbole Bezug genommen, insbesondere der Schildkröte und des „Nichts“, welches das Hauptproblem der Geschichte ist, sowie eine detaillierte Beschreibung der Gegenden Phantasiens. Abschließend wird das Zeitgerüst des Films bestimmt.
Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen Hintergrund der Einstellungen im Film, sowie wird das Ganze auch anhand einer Beispiel- sequenz vorgeführt. Die Sequenz ist aus dem Anfang des Films und dauert 250 Sekunden lang. Anhand einer Tabelle wird die Einstellungsgestaltung der Sequenz beschrieben.
1 Franz Josef Röll, Mythen und Symbole in populären Medien, Seite 83f, Frankfurt am Main: Gemeinschaftswerk der Evang. Publizistik, 1998
3
Den Abschluss der Arbeit bildet ein gemeinsames Kapitel zum didaktischen Ansatz, so dass eine Brücke zur Praxis in der Schule geschlagen wird, in der das Thema auf ähnliche Weise behandelt werden könnte.
1. Situativer Kontext des Films
1.1 Historisch-sozialer Kontext
Die Unendliche Geschichte entstand im Jahre 1983 in Deutschland (erster Drehtag: 14.03). Die politischen Verhältnisse des Jahres waren folgende: Der damals amtierende Bundeskanzler Helmut Kohl wurde im Vorjahr gewählt, nachdem Helmut Schmidt gestürzt wurde. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen am 03. März bestätigt dann auch die Mehrheit der Wähler die neuen politischen Konstellationen. Zu diesem 10. Bundestag erreicht die CDU/CSU 48,8% der Stimmen. Die SPD fällt mit 38,2% erstmals seit 1965 unter die 40%-Marke. Die Partei Die Grünen zieht erstmals mit 5,6% der Stimmen in den Bundestag ein.
Die 70er und 80er Jahre waren für Deutschland eine Zeit der Wirtschaftskrisen, Umweltproblemen und durchwachsen von schwindendem Fortschrittsglauben, aber auch eine Zeit wachsender Bewusstseinsbildung. Die Auseinanderesetzung mit der eigenen Kultur führte zu einem Geschichts- und Ausstellungsboom. Museen und historische Ausstellungen erleben einen noch nie Dagewesenen Publikumsandrang. Auch der Nationalsozialismus wurde mit einbezogen. Die angebliche Entdeckung Hitlers Tagebücher erregte großes Aufsehen (wurden am 6. Juni als Fälschung entlarvt).
Zu den gesellschaftlichen Trends und Tendenzen der 80er Jahre kann man sagen, dass sich die Jugend verstärkt in Kultgruppen teilte. Rocker, Punks und Alternativos waren schon vom äußeren gut voneinander zu unterscheiden. In den einzelnen Gruppen entstanden so etwas wie Gesetzte, die die Jugendlichen in eine bestimmte Richtung „erziehen„ sollten. Dies jedoch entwickelte sich zu einem Problem der Integration in die Gesellschaft.
Auch die Wirtschaft und die Politik hatten Auswirkungen auf die Jugend. Viele Jugendliche, die die Schule abgeschlossen haben, bekamen keine Ausbildungsplätze. Langeweile und Minderwertigkeitskomplexe konnten auftreten, die zu Drogen, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit führen konnten. Diejenigen, die Abitur gemacht haben, gingen aus Stellennot zur Uni. Das Schulniveau stieg, da Arbeitgeber zwischen Hauptschülern und Abiturienten wählen konnten, sodass das Abitur nicht nur Vor-
4
aussetzung für den Besuch einer Universität wurde, sondern auch die Voraussetzung zu einer Ausbildung.
Die gesellschaftliche Tendenz in Sachen Mode spiegelte den individuellen eigenen Stil wider. Man zeigte was man hatte. Die Natürlichkeitsideologie wurde durch den Kult erfolgreich zu sein zur Seite gedrängt. Man besann sich erneut auf materielle Dinge und Ziele.
Für die Frau waren die 80er Jahre der Anfang der Emanzipation. Die Zeit galt auch als Jahrzehnt des Körperkults. Man kleidete sich so, wie es dem Schönheitsideal entsprach. Das Schönheitsbild der 60er Jahre (mager und zart) war „out„. Die Verkörperung der Powerfrau stand im Vordergrund. Dieser Trend zeigte sich stark im Sport Aerobic, welcher in den 80er Jahren der Modesport war. Der Modestil des Sports floss sogar in die alltägliche Kleidung über: körperbetonte Trikots und Leggins in knalligen Farben, bunte Stirnbänder, spezielle Schuhe,... . Zum Gesellschaftsmarkenzeichen wurden Jeans und Turnschuhe.
Ein weiterer Grund für die wachsende Sportbegeisterung der Deutschen war der Aufstieg von Stefanie Graf und Boris Becker im Bereich Tennis. Eine wichtige Entwicklung im Sport der 80er war auch der zunehmende Einfluss von Geld. Die Gehälter der Sportler stiegen rasant an. Mit dem Geld stieg auch der Leistungsdruck, denn bei nicht erbrachten Leistungen würden Sponsoren abspringen. Unter dem Leistungsdruck schwand die Attraktivität des Sportfreundes (und schwindet bis heute). 2
Wichtigste politische und gesellschaftliche Tagesereignisse zur Entstehungszeit 1983: 3
10.04: Ein Transitreisender aus der BRD stirbt bei einer Vernehmung durch DDR-Sicherheitsorgane an Herzversagen.
18.04: Durch einen Sprengstoffanschlag wird die US-Botschaft in Beirut fast völlig zerstört. Eine extremistische Moslemgruppe bekennt sich zu dem Anschlag, bei dem 66 Menschen ums Leben kamen. 21.04: Bei den Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag Martin Luthers wird die restaurierte Wartburg wiedereröffnet.
26.04: Ein weiterer Transitreisender stirbt an Herzversagen bei der Zollab-fertigung.
2 www.schloss-hamborn.de
3 Entnommen aus dem Internet: http://www.dhm.de/lemo/html/1983/index.html
5
27.04: Mit dem Slogan „Gerechtigkeit schafft Frieden„ wenden sich kath. Bischöfe Deutschlands gegen das Wettrüsten. Nukleare Abschreckung ist auf Dauer kein verlässliches Instrument der Kriegsverhütung. Die US-Erfolgsserie „Denver-Clan“ läuft im ZDF an. 28.04: Wegen der gestörten Beziehung zwischen den beiden Deutschen Staaten nach dem Tod von zwei Transitreisenden sagt DDR Staats- und Parteichef Erich Honecker den Besuch in der BRD ab. 01.05: In polnischen Stätten wird gegen die verbotene Gewerkschaft „Solidarnosc“ demonstriert. In Warschau und Danzig geht die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. 04.05: Schwerpunkte in Helmut Kohls Regierungserklärung sollen der Ab bau der Arbeitslosigkeit, Wiedergewinnung wirtschaftlichen Wachstums und Sanierung der Bundesfinanzen sein.
14.05: Der Militaria-Händler Konrad Kujau, der dem Magazin „stern„ die gefälschten Hitler-Tagebücher verkauft hat, wird festgenommen. Er gesteht, die Tagebücher selbst geschrieben zu haben.
28.-30-05: Der neunte Weltwirtschaftsgipfel findet in Williamsburg/USA statt.
04.06: Bundeskongress der Grönen in Hannover. Themen: Umwelt, Friedensbewegung, Deutschlandpolitik und Arbeitslosigkeit. 13.06: Zur Erforschung der Immunschwäche AIDS werden 15 Professoren, Experten des Bundesgesundheitsamtes eingesetzt. 18.06: Die US-Raumfähre Challenger startet in Cape Canaveral. Erstmals in der Geschichte der US-Raumfahrt eine Frau dabei (Sally Ride). 19.06: Unterzeichnung der „Feierlichen Deklaration zur Europäischen Union“ der Regierungschefs der zehn EG-Mitgliedstaaten. 25.06: Besuch von US-Vizepräsident George Bush im Rahmen der 300-Jahr- Feier des Beginns der Auswanderung nach Nordamerika. Demonstrationen und Krawalle in Krefeld gegen die Sicherheitspolitik der USA. 03.07: Die Grünen demonstrieren vor dem Weißen Haus in Washington gegen US-amerikanische und sowietische Raketen in Europa. 04.-07.07: Kohl und Genscher besuchen Sowjetunion um bessere gegenseitige Beziehungen zu erzielen.
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22.07: BRD unterzeichnet ein Übereinkommen der UNO gegen jegliche Diskriminierung der Frau.
10.08: Die Umweltorganisation Greenpeace verhindert mit einer Blockadeaktion die Verklappung von Dünnsäure der Firma „Kronos Titan“ vor der Nordseeinsel Helgoland.
20.-27.08: Der Schwimmer Michael Groß gewinnt bei den Europameisterschaften in Rom viermal Gold und einmal Silber.
21.08: UdSSR legt den Vereinten Nationen einen Vertragsentwurf über einen Gewaltverzicht im Weltraum vor. 01.09: Sowjetische Abfangjäger schießen eine südkoreanische Verkehrsmaschine
ab, die über der Insel Sachalin in den sowjeti schen Luftraum eingedrungen war. 269 Menschen kommen ums Leben. Sowjetische Regierung erklärt eine Verwechslung der Maschine mit einem US-Aufklärer.
01.10: Die EG-Richtlinie zum Verbot von der Einfuhr von Jungrobbenfellen tritt in Kraft.
05.10: Staats-und Parteichef der DDR, E. Honecker, gibt die Existenz von Selbstschussanlagen zu und kündigt gleichzeitig deren Abbau an. 22.10: Höhepunkt der „Aktionswoche„ der Friedensbewegung gegen die NATO-Nachrüstung bilden eine 108 km lange Menschenkette zwischen Neu-Ulm und Stuttgart, sowie eine Grosskundgebung in Bonn.
02.11: Verbot und Auflösung des Vereins „Hell's Angels Motor-Club e.V.“ durch den Bundesminister. Mitgliedern wird u.a. Zuhälterei und Erpressung vorgeworfen. 10.11: Gesetz, das arbeitslos gewordenen Ausländern finanzielle Anreize zur Rückkehr in die Heimat bietet tritt in Kraft. 16.11: Das größte Bergbau-Unternehmen der BRD, die Ruhrkohle AG, gibt bekannt, bis 1988 ihre Förderkapazität zu verringern. 14.000 Arbeitsplätze gehen verloren.
27.11: Die Bundestagsabgeordneten Franz Handlos und Ekkehard Voigt treten aus der CDU aus und gründen in München die Partei Die Republikaner.
28.11: Richard von Weizäcker wird von der CDU als Kandidat für den Bundespräsidenten nominiert.
7
06.12: Die Bundesregierung verbietet die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten, die größte neonazistische Organisation der BRD. 10.12: Auszeichnung des polnischen Führers der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc, Lech Walensa, mit dem Friedensnobelpreis, für seinen Kampf für die Rechte der Arbeiter.
1.2 Geistiger Kontext
Die 80er Jahre, die Zeit, in der die Unendliche Geschichte entstand, wurde als eine kritische Zeit in Bezug auf pädagogische Aspekte bezeichnet. Die weltweiten ökonomischen Krisen betrafen auch die BRD. Steigende Arbeitslosigkeit und schwindendes Wirtschaftswachstum prägten die Stimmung. Das alles machte sich in Jugendprotesten, die unter dem Motto no chance - no hope - no future stattfanden bemerkbar. Konservative Bildungspolitiker machten das Bildungswesen und die Schulen dafür mitverantwortlich. 4
Zu Beginn der 80er Jahre, als Videospiele, Homecomputer und private Fernsehsender die Haushalte und Kinderzimmer eroberten, wurden nicht nur die Pädagogen davon überrascht. Die Pädagogik der 80er Jahre entwickelte die Impulse zu einer Veränderung der Kommunikations- und Lehrstruktur unter dem Stichwort Interaktion weiter. 5 In Bezug auf den Kunstunterricht kann man sagen, dass die 80 er Jahre eine Wende vom lernorientiertem zum Schüler- orientiertem Unterricht brachten. „Lernen mit allen Sinnen„ stand im Vordergrund. Diese Neuorientierung der Kunstdidaktik ließ einen medienkritisch begründeten Ansatz weit hinter sich und setzte vielmehr auf eine Handlungs- und Erlebnisorientierte Pädagogik. 6
Die Filmpolitik vor den 80er Jahren tat sich schwer mit Kinder- und Jugend- filmen. Ein solcher Film entstand nur, wenn das Drehbuch die gut gemeinte Absicht bereits auf dem Deckblatt präsentierte. Pädagogisch wertvolles wurde mit Förderungszusagen belohnt. Die Regisseure der 80er und Anfang der 90er Jahre thematisierten die eigenen Beziehungen, das Singledasein, manchmal auch historisches. Damals gab es für Regisseure wenig Grund sich dem Kinder- und Jugendfilm zu wenden. In einer Zeit, da das künstlerische und nicht der kommerzielle Erfolg über die Zukunft des
4 http://www.uni-bamberg.de/~ba2ap1/GENERAL/education/paedtheorie/70er/70er.html„
5 http://www.olats.org/schoffer/interakt.htm
6 www.hgb.leibzig.de/artnine/competence/kompetenzbildung.html-16k
8
Regisseurs entschied, galt es soviel künstlerische Anerkennung für einen Film wie möglich zu erhalten. 7
Neue Techniken im Bereich der Kommunikationssysteme leiteten ein neues Medienzeitalter ein. Das Kabel- und Satellitenfernsehen wurde eingeführt. Die Anstalten ARD und ZDF verloren somit ihr Rundfunkmonopol. Durch das wachsende Programmangebot wurde die Medienwelt immer undurchschaubarer und die Sehnsucht nach Vertrautheit und Berechenbarkeit wuchs. Die Suche nach der „Heimat“ wurde zum gesellschaftlichen Thema. 8
Weitere wichtige, wissenschaftliche und pädagogische Besonderheiten waren überdies die Eröffnung der ersten Privatuniversität am 01.05 in Witten/ Herdecke, die sich nur durch private Förderbeiträge finanzieren
will, die Inbetriebsetzung des größten europäischen Sonnenkraftwerks auf der Nordseeinsel Pellworm/Schleswig-Holstein am 12. Juli und die bundesweite Einführung von Bildschirmtext (Btx, Vorläufer des Internets) der Bundespost am 01. September. 9
1.3 Kulturell-ästhetischer Kontext
In demselben Jahr, in dem die Unendliche Geschichte in die Kinos kam (1984), waren folgende Filme als konkurrierende Filme ebenfalls im Kino zu sehen:
Dies sind Filme unterschiedlichster Genres, behandeln jedoch alle größtenteils das Mythos des unsterblichen Helden, der sich als Trend der 80er Jahre herauskristallisierte. Mythische Themen wurden bewußt eingesetzt, die in allen Kulturen gleich sind
7 www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf/reich.pdf
8 Siehe Fußnote 3
9 Siehe Fußnote 3
9
und psychologisch überzeugend und emotional glaubhaft von allen Menschen anerkannt werden: Den Begriff dieser Monomythen (zu dem z.B. die Figur des Helden gehört) wurde von Campbell geprägt. 10
Zu dem mit Abstand erfolgreichsten Film der 80er Jahre zählt E.T. - Der Ausserirdische mit einem Einspielergebnis von 704,800 $. Auf der Hit-Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, befindet er sich sogar auf dem 7. Platz (der erste Platz geht an Titanic).
Bei der 57. Oskar-Verleihung für die Filme des Jahres 1984, zu denen auch die Unendliche Geschichte zählt, wurden dem Film Amadeus acht Oskars überreicht, unter anderem einen Oskar für die Kategorie „Bester Film„. Drei Oskars gingen an The killing fields - Schreiendes Land, und jeweils ein Oskar für Duell ohne Gnade, Die Frau in Rot, Purple Rain und Indiana Jones und der Tempel des Todes (für die Spezial-Effects). 11
Zur Zeit der Herstellung der Unendlichen Geschichte (1983) wurde der Film Star Wars: Die Rückkehr der Jedi Ritter der Kino-Hit des Jahres, mit 260 Mio.$ eingespieltem Geld allein in den USA und einem Oskar für Special-Effects. Um mit diesem Film mithalten zu können, wurden bei der Produktion der Unendlichen Geschichte Profis aus England für die Special-Effects eingesetzt (s. Kap. 1.4). Zur Zeit befindet sich die Unendliche Geschichte auf dem 6. Platz der erfolgreichsten deutschen Filme in Deutschland. Aktueller erster Platz ist Der Schuh des Manitu mit 10,9 Millionen Besuchern. 12
Nach wie vor ist der Fantasy-Film sehr beliebt. Die Verfilmung der Unendlichen Geschichte, ließ die Phantasien der Leser , durch liebevoll umgesetzte Fabelwesen, sowie unglaublich faszinierende Bildelemente, Wirklichkeit werden, ihnen auch gerecht wird und nichts von dem Zauber nimmt. Ähnlich betrachten kann man auch die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Dieser Film ist stark verwandt mit der Unendlichen Geschichte.
10 F.J.Röll, Mythen und Symbole in populären Medien, Seite152f
11 www. moviemaster.de
12 www.chart-surfer.de
10
1.4 Produktionsbedingungen
Die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs zur Unendlichen Geschichte, als Verfilmung des gleichnamigen Buches von Michael Ende, begann im Sommer 1981. Michael Ende übergab die Filmrechte an Dieter Geissler und bekam ein Vetorecht. Da das erste Drehbuch anders aussah als der Roman, lehnte M. Ende dieses ab. Im Oktober '81 versuchte Dr.Schneider ein Drehbuch aufzustellen, gab aber auf. Im darauf folgenden Monat fand ein Gespräch zwischen D. Geissler, der die Filmrechte besaß, und Bernd Eichinger, der Gelder für die Produktion organisiert hatte, statt. Michael Ende protestierte, wurde aber von B. Eichinger von dem Konzept überzeugt.
Im Juni des Jahres 1982 war M. Ende nun mit dem Drehbuch von H. Dietl zufrieden. Dieses war jedoch viel zu kompliziert und zu lang. Über das Drehbuch von Hermann Weigel, das er am 07.10 vorgelegt bekam, war M. Ende entrüstet. Danach schrieb Wolfgang Petersen das Drehbuch, in dem Bastian ein amerikanischer Junge ist. Da jedoch das Buch für die Produktion zu düster war, wurde es durch die Drehbuchdok-toren John Hill und H. Weigel modifiziert.
Am 14.01. 1983 wurde das Drehbuch entgültig fertiggestellt und am 18.01 ausgegeben. Michael Ende lehnte dieses Drehbuch am 18.02 trotzdem ab. Man einigte sich aber nun darauf, am Drehbuch festzuhalten. M. Ende distanzierte sich von nun an. Am 14. März des Jahres 1983 begann der 1. Drehtag. Ungefähr ein Jahr später (am 06.04.84) kam der Film (Länge: 94 Min.) in die Kinos. 13
Mit einem Budget von ca. 60 Millionen Mark (für deutsche Verhältnisse recht hoch) wurde der Film in englischer Sprache gedreht, um die Unendliche Geschichte auch international vermarkten zu können 14 . Denn eines war klar, egal wie teuer die Produktion sein würde, in Deutschland allein könnte sie niemals ihr Geld einspielen 15 . Der Regisseur, W. Petersen, hatte schon Erfahrung mit dem internationalen Film-Geschäft. Sein Film Das Boot brachte in kurzer Zeit 125 Millionen Mark in die Kasse. Auch mit der Unendlichen Geschichte hatte er wieder einen Riesenerfolg. Allein in Deutschland sahen den Film 5.448.781 Menschen 16 .
13 Entnommen aus einem Thesenpapier zum Thema: Vergleich der Verfilmung „Die Unendliche Geschichte„ mit dem Roman, von Marcel Kalwa, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, WS 2001/2002
14 Entnommen aus dem Internet: www.moviemaster.de
15 Aus: Remy Eyssen, Der Film-Die Unendliche Geschichte, Seite 13, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München, 1984
16 Entnommen aus dem Internet: http://www.dasan.de/medien/jumatexte/12fantasie/Unendliche-Geschichte.htm
11
Folgende produktionstechnische Maßnahmen wurden überdies getroffen: Um bei den Effekten den Massstäben konkurrierenden Filme, wie Star Wars gerecht zu werden, wurden Profis aus England verpflichtet: Brian Johnson (Spezial- und visuelle Effekte) und Colin Arthur (Spezial-Masken und Skulpturen). Sowie sind fast alle Rollen mit Amerikanern besetzt, mit dem Hauptaugenmerk auf Erfolg in den USA 17 .
1.5 Rezeptionsbedingungen
Sowohl in Deutschland als auch in Hollywood wurde der Film sehr positiv beurteilt. In Deutschland wurde dem Regisseur W. Petersen Die goldene Lein- wand, der höchste Preis der Film-Wirtschaft für die Unendliche Geschichte, überreicht. Es ist ein perfekter Phantasie-Film mit vielen Spezial-Effekten und atemberaubenden Bildern. Die Phantasie-Figuren bewegen sich sehr realistisch. Für M: Ende bewegen sie sich sogar viel zu realistisch. Er sagt, sein Buch ist „leise„ und lässt viel Raum für die Phantasie des Lesers. Der Film ist seiner Meinung nach ein Fantasy-Comic. Der Autor des erfolgreichsten deutschen Jugend-Romans will mit dem deutschen erfolgreichsten Jugend-Film nichts zu tun haben 18 . Kritiken als auch positive Beurteilungen gibt es überall und auch hier. Die einen sagen der Film sie zu teuer, zu kitschig, zu wenig phantastisch, die anderen sagen er sei toll, spannend und aufregend. Wie auch immer, so muss man trotzdem alle Dinge aufzählen, die der Film nach sich zog: Zur Unendlichen Geschichte gibt es zwei Fortsetzungen. Es existiert ein Gesellschaftspiel als auch ein Computerspiel mit dem Titel Auryn Quest: Suche nach dem magischen Auryn, ab Weihnachten 2001 zu haben. Die
Unendliche Geschichte soll bald in Serie gehen, soll 13-teilig sein und verschlingt rund 18 Millionen Euro, und es gibt sie als Ballettaufführung in Magdeburg zu sehen. Überdies soll die Unendliche Geschichte als Oper vertont werden. Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur wird die Komponisten Siegfried Matthus damit beauftragen. Im August 2002 soll die Oper zum 200. Jubiläum des Theaters Trier uraufgeführt werden (Die Welt). Das Thema des Phantastischen ist nach wie vor aktuell. Überdies wurde der Titelsong des Films ein Hit. Komponiert von Giorgio Moroder und von Limahl gesungen wurde Neverending Story zum Ohrwurm. In den Deutschen Charts der Top 20 vom 30.08.84 befand sich Limahl auf dem 17. Platz. 19
17 Aus: www.michaelende.de
18 Siehe Fussnote 2.
19 www.die-80er-Jahre.de
12
Arbeit zitieren:
Patricia Reisyan, 2004, Mythen und Symbole in der "Unendlichen Geschichte" - eine Filmanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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