II
Vorwort
Die Idee zu dieser Arbeit entstand im Zusammenhang mit eigenen Planungen für einen Auslandsaufenthalt während oder nach dem Studium. Unbestritten ist, dass ein Auslandsaufenthalt eine Bereicherung an Erfahrungen darstellt und zur Entwicklung der Persönlichkeit beiträgt. Es stellte sich jedoch die Frage, wie weit Auslandserfahrungen tatsächlich karrierefördernd sind und welche Auslandsaufenthalte als meist geeignet erscheinen. Weiterhin ist interessant, ob Unternehmen und Studierende in dieser Fragestellung einer Meinung sind, oder ob es in bestimmten Teilbereichen Unstimmigkeiten gibt. Dabei geht es nicht darum, die eigene Individualität für eine optimale Beschäftigungsfähigkeit aufzugeben, sondern eine Vorstellung darüber zu bekommen, welche Bedeutung verschiedene Auslandsaufenthalte für den Berufseinstieg von Hochschulabsolventen haben. Das hohe Interesse an den Ergebnissen der Studie seitens der Teilnehmer zeigt, dass dieses Thema nach wie vor hochaktuell ist.
Ich freue mich, wenn diese Arbeit zu einem Erkenntnisgewinn beiträgt.
Münster, im Januar 2009
Andy Schnackertz
III
Inhaltsverzeichnis
Vorwort I
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1 Einführung 1
1.1 Ziel dieser Arbeit 1
1.2 Methodische Vorgehensweise 1
2 Anforderungen der Unternehmen an Berufseinsteiger 3
2.1 Bedarf an Mitarbeitern mit Auslandserfahrung 3
2.2 Schlüsselqualifikationen 5
2.2.1 Definition und Stellenwert 5
2.2.2 Hard Skills. 6
2.2.3 Soft Skills 7
2.3 Die Bedeutung von interkultureller Kompetenz. 8
2.4 Employability-Ansatz 11
3 Formen des Auslandsaufenthaltes 14
3.1 Auslandssemester 14
3.2 Auslandspraktikum 15
3.3 Work Travel - Programm 15
3.4 Freiwilligendienst 16
3.5 Intensivsprachkurs 17
4 Primärforschung zur Gewinnung von Daten 18
4.1 Entwicklung der Befragung 18
4.1.1 Theoriebildung / Formulierung der inhaltlichen Hypothesen 18
4.1.2 Zielgruppen 19
IV
4.1.3 Bestimmung des Auswahlverfahrens 20
4.1.4 Berechnung der Stichprobengröße 22
4.2 Durchführung der Untersuchung 23
4.2.1 Pretest 23
4.2.2 Rücklauf und gewonnene Datenbasis 25
5 Darstellung der wichtigsten Ergebnisse 27
5.0 Einführung 27
5.1 Karrierevorteile durch Auslandserfahrungen 27
5.1.1 Einstellungsvorteile 27
5.1.2 Beschäftigungsvorteile 32
5.2 Kriterien von Auslandsaufenthalten 33
5.2.1 Form 33
5.2.2 Ort 34
5.2.3 Zeitdauer 36
5.2.4 Zeitpunkt 37
5.2.5 Funktionsbereiche / Personenkreis 38
5.2.6 Der „optimale“ Auslandsaufenthalt aus Unternehmenssicht 40
5.3 Hemmnisse für einen Auslandsaufenthalt und deren Akzeptanz 41
5.3.1 Trennung vom gewohnten persönlichen Umfeld 41
5.3.2 Zeitverluste im Studium 42
5.3.3 Finanzierung 44
5.3.3.1 Mobilitätshemmnis Finanzierung 44
5.3.3.2 BAföG-Förderung 46
5.3.3.3 Stipendien 47
5.3.4 Folgen für die Planung und Integration eines Auslandsaufenthalts in das
Studium 49
V
6 Überprüfung der Theorien 50
6.1 Hypothesentestverfahren 50
6.2 Theorie I 51
6.3 Theorie II 53
7 Resümee 54
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 54
7.2 Limitationen der Arbeit 54
7.3 Schlussbetrachtung 55
Quellenverzeichnis 57
Literaturquellen 57
Internetquellen 61
Anhang 62
VI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Ablauf einer quantitativen Befragung
Abb. 2: Entwicklung des deutschen Außenhandels 1950 - 2006
Abb. 3: Einschätzung der Unternehmen zur Bedeutung von
Schl üsselqualifikationen
Abb. 4: Gefragte Hard Skills bei Berufseinsteigern
Abb. 5: Gefragte Soft Skills bei Berufseinsteigern
Abb. 6: Das Handzeichen Fingerkreis.
Abb. 7: Profil interkultureller Kompetenz
Abb. 8: Kompetenzen der Employability
Abb. 9: Anteil der Unternehmen im Vergleich zum Anteil der Beschäftigten zur
jeweiligen Gesamtzahl
Abb. 10: Formel zur Berechnung der Stichprobengröße
Abb. 11: Vereinfachte Formel zur Berechnung der Stichprobengröße
Abb. 12: Bedarf an Mitarbeitern mit Auslandserfahrung
Abb. 13: Vorteile von Bewerbern mit Auslandserfahrungen
Abb. 14: Berücksichtigung von Auslandserfahrungen bei der Bewerberauswahl
Abb. 15: Selbstverständlichkeit von Auslandserfahrungen bei Bewerbern
Abb. 16: Beschäftigungsvorteile von Mitarbeitern mit Auslandserfahrung
Abb. 17: Bevorzugte Formen des Auslandsaufenthalts
Abb. 18: Bevorzugte Regionen für einen Auslandsaufenthalt
Abb. 19: Geforderte Dauer eines Auslandsaufenthalts
Abb. 20: Zeitpunkt des Auslandsaufenthalts
Abb. 21: Funktionsbereiche, in denen ein vorheriger Auslandsaufenthalt als sinnvoll
erachtet wird
Abb. 22: Absicht Studierender ohne Auslandserfahrung, einen Auslandsaufenthalt
durchzuf ühren, aufgeschlüsselt nach Alter
Abb. 23: Akzeptanz des Hinderungsgrundes "Trennung vom persönlichen Umfeld"
Abb. 24: Akzeptanz des Hinderungsgrundes "Zeitverluste im Studium"
Abb. 25: Finanzierungsquellen studienbezogener Auslandsaufenthalte
Abb 26: Akzeptanz des Hinderungsgrundes "Finanzielle Mehrbelastung"
VII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Unternehmen in Deutschland aufgeschlüsselt nach Anzahl und Anteil der
Beschäftigten ................................................................................................ 21
.
Tab. 2: Variablen der Stichprobenformeln ................................................................ 22 Tab. 3: Quotierungsplan ........................................................................................... 23 Tab. 4: Soll-Ist-Vergleich nach Quotenmerkmalen ................................................... 25 Tab. 5: Mittelwertvergleich der verschiedenen Zusatzqualifikationen/Eigenschaften
von Bewerbern .............................................................................................. 30
.
Tab. 6: Mittelwerte der Ausprägung in den Funktionsbereichen ............................... 39 Tab. 7: Exemplarische Übersicht der Kostenpositionen für einen Studienaufenthalt in
Großbritannien .............................................................................................. 45
.
Tab. 8: Fehlerarten der induktiven Datenanalyse ..................................................... 50 Tab. 9: Modell zur Ermittlung der Hypothesen-Anteilswerte ..................................... 52
VIII
Abkürzungsverzeichnis
AAA Akademisches Auslandsamt Abb. Abbildung AIESEC Internationale Vereinigung der Studierenden der Wirtschaftswissenschaften BAföG Berufsausbildungsförderungsgesetz BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag EU Europäische Union f. folgende ff. fortfolgende FH Fachhochschule IfM Institut für Mittelstandsforschung Insb. Insbesondere i.V.m. in Verbindung mit MA Mitarbeiter MBA Master Of Business Administration Tab. Tabelle USA United States Of America - Vereinigte Staaten von Amerika (dt.) Vgl. Vergleiche WTO World Trade Organization - Welthandelsorganisation
1 Einführung
1.1 Ziel dieser Arbeit
In Jobbörsen, Karriereratgebern und auch seitens der Hochschulen wird immer wieder auf den hohen Wert von Auslandserfahrungen für die weitere persönliche und fachliche Entwicklung hingewiesen. Keine bekannte Studie hat sich bislang mit der Frage beschäftigt, wie wichtig welche Form von Auslandsaufenthalt für den erfolgreichen Berufseinstieg von Hochschulabsolventen ist und welche die Unternehmen als meist geeignete beurteilen. Untersucht werden soll, ob sich ein Auslandsaufenthalt direkt karrierefördernd auswirkt und seitens der Studierenden so gestaltet werden kann, dass er zum optimalen Einstellungs- und Berufserfolg führt. Dazu ist es zunächst notwendig, zu erfahren, ob und welche Formen einer Auslandserfahrung seitens der Unternehmen bei der Einstellung berücksichtigt werden. Ziel des Unternehmens ist die Einstellung von Bewerbern mit optimaler Passung - ob auch ein Aus-landsaufenthalt zu den Voraussetzungen gehört, soll hier erforscht werden. Darüber hinaus wird ermittelt, ob und inwieweit die Meinung über den „optimalen“ Auslandsaufenthalt von Studierenden und Unternehmen auseinander gehen. Interessant sind die Ergebnisse der Studie sowohl für Unternehmen als auch für Studierende. So haben Unternehmen die Möglichkeit, zu erkennen, ob Ihre gewünschten Qualifikationsanforderungen auch mit den Einstellungen der Studierenden übereinstimmen. Bei Differenzen könnte durch z.B. gezielteres Personalmarketing auf die Voraussetzungen zur Einstellung hingewiesen werden, während Studierende, die auf die Wünsche der Unternehmen im Sinne der Karriereorientierung eingehen möchten, sich ein aktuelles Bild von den Erwartungen der künftigen Arbeitgeber machen können.
1.2 Methodische Vorgehensweise
Zunächst werden die Anforderungen, die an heutige und zukünftige Berufseinsteiger seitens der Unternehmen gestellt werden, erörtert und der Zusammenhang aktueller Qualifikationsanforderungen mit der Entwicklung der Geschäftstätigkeit speziell in Deutschland ansässiger Unternehmen erarbeitet. Anschließend erfolgt eine nähere
Betrachtung der Zusatzqualifikation „Auslandsaufenthalt“ in ihren möglichen Formen. Notwendige Begriffsabgrenzungen werden durchgängig in den Kapiteln vorgenommen, in denen die Definition relevanter Terminologien gegeben ist. Zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist die Durchführung einer Untersuchung der Bedeutung von Auslandsaufenthalten für den Berufseinstieg. Die Vorgehensweise in den einzelnen Schritten (vgl. Abb. 1) wird im Rahmen der Arbeit dargestellt und begründet. Der Focus liegt hier auf der Darstellung der wichtigsten Ergebnisse und die anschließende Verifizierung oder Falsifikation der aufgestellten Hypothesen.
Innerhalb der Datenanalyse wird darüberhinaus auf induktive Weise versucht, weitere Erkenntnisse über bedeutende Zusammenhänge zu gewinnen, welche mit in die Ergebnisdarstellung aufgenommen werden sollen. Als wichtiger Punkt werden aus der Ergebnisdarstellung heraus die Hemmnisse bei der Gewinnung von Auslandserfahrungen ausgearbeitet und Möglichkeiten zur Bewältigung aufgezeigt. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse in Kurzform, die Darstel- lung möglicher Limitationen der Arbeit und eine Schlussbetrachtung.
2 Anforderungen der Unternehmen an Berufseinsteiger
2.1 Bedarf an Mitarbeitern mit Auslandserfahrung
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die wirtschaftliche Entwicklung Deutsch-lands in Bezug auf den Außenhandel ein stark überproportionales Wachstum erfahren (vgl. Abb. 2). Fallende Ein- und Ausfuhrbeschränkungen sowie stark sinkende Transport- und Energiekosten regten den Welthandel an und machten es lukrativ, die geschäftlichen Aktivitäten länderübergreifend auszudehnen. 1
2007, S.2
Dabei findet die internationale Unternehmenstätigkeit entweder als direkter Im- und Export statt oder mittels einer Kooperationsform, wie z.B. Franchising oder einem Joint Venture zwischen in- und ausländischen Unternehmen. Die möglichen Formen des Engagements reichen vom reinen Export bis zum multinationalen und globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen. 2
1 Vgl. BPB 2006, S.2
2 Vgl. Apfelthaler 1998, S.14
Deutschland ist aktivster Teilnehmer des Welthandels und stand in den letzten Jahren regelmäßig und teilweise mit großem Abstand an der Spitze der Exporteure, bei den Importen liegt die Zahl leicht darunter (vgl. Abb. 2), jedoch auf ähnlich hohem Niveau. 3 Diese hohe Aktivität und damit auch Abhängigkeit vom Welthandel erklärt den Bedarf an Mitarbeitern, die den Anforderungen der Internationalisierung genügen müssen. Einerseits sind dies Mitarbeiter, die auf Zeit als sog. Expatriates an Niederlassungen ins Ausland entsandt werden, andererseits Mitarbeiter im Inland, die im Rahmen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens mit Menschen aus anderen Kulturkreisen in Kontakt stehen. 4
Das Ziel der Personalbereitstellung auf nationaler und internationaler Ebene liegt darin, den Personalbedarf in quantitativer, qualitativer und zeitlicher Hinsicht zu decken. In qualitativer Hinsicht erfolgt die Personalauswahl nach den Kriterien, die gemäß einem vorher definierten Anforderungsprofil erstellt wurden. Ein Hochschulabsolvent, der mit Auslandserfahrungen einen Grundstein für einen internationalen Einsatz gelegt hat, könnte dem Anforderungsprofil eher entsprechen und damit eher eingestellt werden. Der inländische Absolvent muss sich zukünftig jedoch aufgrund der zunehmenden Ausweitung der Personalbeschaffung auch außerhalb der Landesgrenzen einem erhöhten Wettbewerb stellen. 5 Eingestellte Mitarbeiter, die dem Qualifikationsprofil noch nicht vollständig entsprechen, was bei Hochschulabsolventen oft der Fall sein kann, werden im Rahmen der Einarbeitung und der Personalentwicklung befähigt, die Anforderungen ihres Arbeitsgebietes zu erfüllen. Für die Personalentwicklung ist dafür seitens der Mitarbeiter die Existenz von Schlüsselqualifikationen notwendig, die das Schließen von Qualifikationslücken überhaupt erst zulassen. 6
3 Vgl. WTO 2008, S.12
4 Vgl. Scherm 1999, S.126 ff.
5 Vgl. Jung 2006, S. 974
6 Vgl. Berthel 2003, S.261 ff.
2.2 Schlüsselqualifikationen
2.2.1 Definition und Stellenwert
Nach Mertens (1974) werden Schlüsselqualifikationen wie folgt definiert: „Schlüsselqualifikationen sind solche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche nicht unmittelbaren und begrenzten Bezug zu bestimmten, disparaten, praktischen Tätigkeiten erbringen, sondern vielmehr für die Eignung für eine große Zahl von Positionen und Funktionen als alternative Optionen zum gleichen Zeitpunkt und die Eignung für die Bewältigung einer Sequenz von (meist unvorhersehbaren) Änderungen von Anforderungen im Laufe des Lebens.“ 7
Disparat bedeutet in diesem Zusammenhang ein Nebeneinander, welches nicht zusammengefasst werden kann; hier ein Nebeneinander von verschiedenen Tätigkeiten. Gemeint sind somit alle überfachlichen Qualifikationen oder Kompetenzen, die in der Berufswelt benötigt werden, um erfolgreich agieren zu können, und die Fähigkeit, sich möglichst schnell an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. In der Literatur ist die Definition nach Mertens immer noch die meist genannte, jedoch wird der Begriff der Schlüsselqualifikationen nie ganz klar abgegrenzt. Oft ist von Kernkompetenzen, Querschnittqualifikationen, Sozialqualifikationen oder auch Transferfähigkeit die Rede, wenn über Schlüsselqualifikationen geschrieben wird. Schlüsselqualifikationen werden aufgrund der gestiegenen Anforderungen des Arbeitsmarktes ein überaus hoher Stellenwert beigemessen. In der Zukunft werden die optimale Kombination fachlicher und sozialer Kompetenzen, sowie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen für den Berufserfolg entscheidend sein. 8 Häufige Arbeitsplatz- und Stellenwechsel erfordern eine hohe Anpassungsleistung und überfachliche Qualifikationen. 9 So gaben im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie der Fachhochschule Köln bei einer Befragung unter 194 Unternehmen 91 Prozent an, dass die Existenz von Schlüsselqualifikationen bei der Einstellung von Bewerbern gleicher fachlicher Eignung entscheidend sind (siehe Abb. 3):
7 Mertens 1974, S.204 ff.
8 Vgl. Wilke 1999, S.253
9 Vgl. Matthies 2006, S.2 ff.
Arbeit zitieren:
Andy Schnackertz, 2009, Die Bedeutung von Auslandsaufenthalten für den Berufseinstieg, München, GRIN Verlag GmbH
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