Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Frame und footing 2
3. Participation status des hearer 5
3.1 Setting 5
3.2 Status des hearer 6
3.3 Die Ordnung der Kommunikation 7
3.4 Audience 8
4. Footing 8
4.1 Production format 8
4.2 Embedding 10
4.3 Connectives 13
4.4 Performer / narrator 14
4.5 Wirkung 14
5. Schluss 15
6. Literaturverzeichnis 16
7. Anhang
7.1 Verzeichnis der wichtigsten übersetzten Analysetermini Goffmans
7.2 Der hearer in einer social situation
7.3 Die Ordnung der Kommunikation
7.4 Der speaker
7.5 Embedding
1. Einleitung
In dieser Arbeit werde ich mich mit der soziolinguistischen Terminologie Erving Goffmans beschäftigen, die er in Frame Analysis, besonders in dem Kapitel The Frame Analysis of Talk (Goffman 1986) und in Footing aus Forms of Talk (Goffman 1981, S. 124-159) entwickelt. Wie sein Begriff des footing mit dem des frame gekoppelt ist (Goffman 1981, S. 128), knüpfen auch die weiteren Begriffe des erstmals 1979 veröffentlichten Aufsatzes Footing an jene des vorher 1974 erschienenen Frame Analysis an (Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 15), wie er auch selbst implizit anmerkt (Goffman 1981, S. 128). Mein Schwerpunkt soll dabei auf den analytischen Aufspaltungen liegen, welchen er den speaker und denbeziehungsweise die - hearer unterzieht 1 .
Ich werde nur selten direkt auf die parallele Beziehung des Sprechens zum Theater eingehen, da schon Goffman selbst im Vorwort zu Forms of Talk seiner Theatermetapher eine absolute Anwendungsmöglichkeit aberkennt (ebd., S. 4) und das den Umfang dieser Arbeit übersteigen würde. Allerdings scheint es eine von Goffmans Hauptthesen in der Rahmenanalyse des Gesprächs zu sein, dass „arrangements which articulate multiperson interaction“ im „two-person talk“ zum Ausdruck kommen können, wobei ihnen dabei eine strukturelle Rolle zukommt (Goffman 1986, S. 566, siehe auch S. 515 f.). „It is as though the special possibilities of theatrical production and {...} three-person talk are to be collapsed back into two-person talk, {...} each of the two participants allowing himself to be pressed into use as a multiple entity for want of numerically adequate personnel“ (ebd., S. 516). Auch insgesamt orientiert er sich in seinen Gesprächsanalysen viel an der Struktur und den Eigenschaften des Theaters auf vergleichende Art und Weise, weswegen diese Beziehung häufig implizite Beachtung finden wird.
Ebenso verhält es sich mit der vor allem in Footing fortwährend mitschwingenden Kritik Goffmans an der konventionellen Form der Konversationsanalyse (Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 13 f., S. 17 f.; Hettlage 1991, S. 301-326), die durchaus als zentrales Thema seines Aufsatzes interpretiert werden kann (Goffman 1981, S. 128). An deren Stelle werde ich aber die von Goffman als „structurally important“ (z. B. Goffman 1981, S. 133) betonte Begriffsdifferenzierung und -erweiterung explizieren, die jene Kritik schließlich begründet.
1 Die Explizierung von Singular und Plural bei Hörer / Hörern und Sprecher / Sprechern werde ich der Lesbarkeit halber weiterhin nicht mehr vornehmen. Es sei dabei vorausgesetzt, dass es sich bei dieser analytischen Bezeichnung immer auch um mehrere Hörer beziehungsweise Sprecher handeln kann.
1
Ich werde vielmehr versuchen, die Bedeutung der eben erwähnten analytischen Differenzierung für das Definieren, Erkennen, Wechseln, et cetera von footing und frame nicht aus den Augen zu verlieren und ansatzweise - soweit es im Rahmen dieses Aufsatzes möglich ist - aufzuzeigen. In diesem Sinne lässt sich Goffmans Kommentar zu seiner eigenen Einleitung von Frame Analysis zur Veranschaulichung auch an diese hier anfügen:
„Das ist also die Einleitung. Sie ermöglicht dem Autor den Versuch, die Vorzeichen für das zu setzen, 2 worüber er {oder sie } schreiben möchte. Analysen, Rechtfertigungen, Entschuldigungen, die das
nachfolgende umrahmen sollen, die eine Scheidelinie errichten sollen zwischen den Mängeln in dem
vom Verfasser Geschriebenen und Mängeln in ihm selbst, so daß er, wie er hofft, am Ende etwas
besser gerechtfertigt dasteht, als es sonst vielleicht der Fall wäre. {...}
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Doch wie steht es mit Kommentaren zu einem Vorwort? Welches Verhältnis schafft ein solches
Thema an solcher Stelle zwischen Autor und Leser (oder Redner und Zuhörer)? {...} Und wenn es
sich nun herausstellt, daß das Vorwort {...} von Anfang an als gutes Beispiel für das gedacht war, was
man dann mit ihm anfangen würde? Wird dann das Vorwort vom Leser nachträglich als etwas
neugerahmt werden, das eigentlich überhaupt kein Vorwort ist, sondern ein Beispiel für ein solches an
unpassender Stelle? {...}
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Und wenn das Vorwort und die Kommentare über das Vorwort und die Kommentare über die
Kommentare über das Vorwort in Zweifel gezogen werden, was ist dann mit den Sternchen, die die
verschiedenen Abschnitte, in denen das geschieht, voneinander trennen? {...}
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Darum geht es in der Rahmen-Analyse“ (Goffman 1977, S. 25 ff., Hervorhebung S.V.).
Und ebenso in der Analyse des footing und seiner Veränderung, wofür ein solcher „shift in stance, the taking up of a new relationship to, a new footing with, his {des speaker / author} audience“ als Beispiel dienen kann (Goffman 1981, S. 73, Hervorhebung S.V.).
2. Frame und footing
Ausgehend von der Frage „What is it, that´s going on here?“, die sich die Individuen in jeder „current situation“ stellen, und deren individuelle Antwort aus dem weiteren Umgang des
2 Da es im Englischen keine Unterscheidung von maskuliner und femininer Form von Substantiven gibt, sondern Goffman nur eine allgemeine Form zur Verfügung stand, habe ich diese übernommen und werde im Folgenden keine Explizierung mehr über das Selbstverständliche vornehmen, nämlich dass die analytischen Rollen von beiden Geschlechtern erfüllt werden können.
Individuums mit der Situation abgelesen werden kann, konstituiert Goffman seine Definition des Rahmens, des „frame“ (Goffman 1986, S. 8 ff.). Die Beantwortung dieser zentralen Frage kann in Einzelperspektiven sehr unterschiedlich ausfallen, erlaubt jedoch auch Einverständnis und (Arbeits-) Konsensus zur gleichen Zeit (ebd.; Hettlage 1999, S. 190). Ein frame ist also die subjektive Definition des aktuellen situativen Kontextes, die zu einer kollektiven werden kann, und die Rahmenanalyse ist „die innere Organisation unseres Wissens um die Ordnung der sozialen Wirklichkeit“, um die „Interaktionsordnung“ (Hettlage 1991, S. 95; Hettlage 1999, S. 190 ff.). „Was eine Person erlebt, was sie sieht, wie sie darauf reagiert, was sie tut und wie sie sich anderen gegenüber verhält, wird weitgehend von dem Rahmen bestimmt, den diese Person auf Erfahrungen, Beobachtungen, Reaktionen und Beziehungen zu anderen anwendet“ (Münch 2007, S. 283). Goffman meint, dass „definitions of a situation are built up in accordance with principles of organization which govern events - at least social ones - and our subjective involvement in them; frame is the word I use to refer to such of these basic elements“ (Goffman 1986, S. 10 f.). Bennett M. Berger hatte zuvor im Vorwort dem „defining the situation“ eben diese „meaning“-formende Funktion zugesprochen, was bedeutet, dass die Dimension dieses meaning relativ zu seinem Rahmen ist (Berger 1986, S. xiii). Richard Münch meint, dass bei diesem Prozess die jeweilige Rahmung, die die andere Partei vornimmt, von Bedeutung ist (Münch 2007, S. 284) und nach Heinz Abels kann hinzugefügt werden, dass Rahmungsprozesse „implizit“ oder „explizit“ stattfinden können (Abels 2007, S. 170). Rahmung kann auch als „Mittel zum Erreichen bestimmter Ziele“ betrachtet werden (Münch 2007, S. 285), wenn die Rahmung strategisch zum Beispiel dazu verwendet wird, der Missinterpretation der eigenen Identität durch andere (und gewiss auch durch sich selbst) vorzubeugen (Abels 2007, S. 171).
Goffman unterscheidet zwischen „primary frameworks“, „keyings“ und „fabrications“ (Goffman 1986, S. 21-123). Primäre Rahmen dienen nach Münch der unmittelbaren Bestimmung von Alltagssituationen, Modulationen versteht er als „Kopien“ von primären Rahmen, „angewandt auf die Rahmung von Handlungsteilen innerhalb eines weiteren primären Rahmens“, welcher der Kopie eine „andere Bedeutung, als sie das Original hat“ verleiht. Täuschungen sind Modulationen, bei welchen mindestens das Publikum und in Fällen der Selbsttäuschung sogar der oder die Akteur/e nicht wissen, dass es sich um eine solche handelt (Münch 2007, S. 285 ff.). Das ursprüngliche Material wird also „umgewandelt und nimmt so eine neue Bedeutung an“, da es auf eine andere, „von einem anderen primären Rahmen“ bestimmte Situation angewandt wird (ebd.). Die Differenzen, die sich aus einer solchen Einschachtelung von Rahmen ergeben, zum Beispiel im Bereich des Theaters
zwischen „Rolle des Schauspielers“, „die Figur, die der Schauspieler darstellt“ und „die Person des Schauspielers“ (ebd.), führen zu einer Schichtung der frames, die Goffman als Aufspaltung in „different laminations“ bezeichnet (Goffman 1986, S. 520). Zum Verständnis dieser Vielschichtigkeit nimmt er sämtliche Begriffsunterscheidungen vor, die er in The Frame Analysis of Talk und Footing darstellt.
„A change in footing implies a change in the alignment we take up to ourselves and the others present
as expressed in the way we manage the production or reception of an utterance. A change in our
footing is another way of talking about a change in our frame for events“ (Goffman 1981, S. 128).
Nicht nur weil auch Konversationen „vulnerable to such laminations“ (ebd., S. 154, siehe auch Goffman 1986, S. 502) sind, lässt sich das Modell der Rahmenanalyse auch auf den Bereich „talk“ übertragen (z. B. Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 16; Goffman 1986, S. 497). So können wir beim Sprechen beispielsweise Interaktionsformen, die strukturell einem anderen Rahmen angehören, in den aktuellen Rahmen setzen (Goffman 1981, S. 4). Ein Beispiel dafür ist das Ausbrechen aus dem aktuellen Rahmen durch die Kommentierung des Kommunikationsvorgangs, wodurch sich der Autor beziehungsweise Sprecher tem-porär der Leser- beziehungsweise Zuhörerschaft „on a changed footing“ präsentiert (Goffman 1981, S. 73), wie am Ende der Einleitung dieses vorliegenden Aufsatzes geschehen. Es verändert sich also die „Form der Beziehung zwischen Sprecher und Hörer“. Beim footing, „Redestatus“, handelt es sich entsprechend um „die verschiedenen Positionen, in denen der Sprecher erscheinen kann“, er dient der Kontextualisierung des Textes beziehungsweise des Gesagten als Rahmen (Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 16 ff.). Footing hat also für Goffman etwas mit der „Orientierung, Ausrichtung und dem entworfenen Selbst der Beteiligten“ zu tun (ebd.; Goffman 1981, S. 128), ist also auch die Beziehung des Sprechers zu dem, was er sagt. Die Beziehung jedes einzelnen Hörers (wobei der Sprecher ebenso sich selbst zuhört und so zum Hörer wird) zum Gesagten nennt Goffman den „participation status“ (Goffman 1981, S. 137; Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 18 f.). Footing ist dementsprechend eine besondere Form des participation status. Des Weiteren bezeichnet er die Gesamtheit dieser „Teilnahmestatus“, „das Verhältnis der Sprecher - und ihrer Äußerungen - zueinander“ als „participation framework“, „Teilnahmerahmen“, auf welchen uns die Betrachtung des Redestatus Hinweise gibt (Knoblauch / Leuenberger / Schnettler 2005, S. 16 ff.).
Der Wechsel des Rede- und Teilnahmestatus wird häufig durch bestimmte sprachliche Zeichen eingeleitet und markiert, Signale, von welchen einige in Goffmans Augen jenen, die zur
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Arbeit zitieren:
Sonja Vornberger, 2008, Die analytischen Begrifflichkeiten Erving Goffmans zu den Rollen hearer und speaker, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
West- Ost- Migranten und die Sicherheitspolitik der DDR
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Seminararbeit, 15 Seiten
Das Pronomen "man" im Deutschen und seine Entsprechungen im ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Implikaturen und ihr Beitrag zur Erklärung der Informationsstruktur vo...
Magisterarbeit, 67 Seiten
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