Inhaltsverzeichnis
Ein Gespenst geht um in der Filmkultur - die (un)sichtbare Revolution der Bits und Bytes 3
Die dunkle Seite der Revolution 4
Digital -Furor vs. Film in Not ’ 5
Fazit. 11
Literaturverzeichnis : 12
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Ein Gespenst geht um in der Filmkultur - die (un)sichtbare Revolution der Bits und
Bytes
Als in den 1940’er Jahren der Fernseher erfunden wurde und international in die Wohnzimmer der Menschen Einzug hielt, wurden Stimmen laut, die das Ende des Kinos proklamierten. Das passierte nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Films, denn bereits in der Einführung des Tones 1927 sahen viele gewissermaßen ein solches Ende, was sie in Bezug auf die formalen und narrativen Merkmale des Stummfilms auch tatsächlich bedeutete. In den 1980’ern wiederum begannen viele Filmemacher, das bisher dem Fernsehen vorbehaltene Video verstärkt für die Produktion ihrer Spielfilme zu benutzen. Diesmal erhoben die Kritiker ihre Stimme wieder, wenn nicht lauter: Nun wurde auch das Ende des Mediums Film, des traditionellen 35mm-Normalfilms, prophezeit.
Seit Ende der 80’er sieht sich die Filmkultur also mit der so genannten digitalen Revolution konfrontiert. Die Digitalisierung bezeichnet allgemein den Übergang von der analogen zur digitalen Technik: Das Korn als die Basiseinheit auf dem Filmstreifen wird ersetzt durch Pixel auf Digitalisaten, die mithilfe von Bits und Bytes berechnet werden. Im Bereich der Filmproduktion lässt sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein steigender Trend zum digitalen Aufnahmeverfahren mit High Definition Technologie feststellen, mit der seit der Entwicklung von HD-24p der ‚Filmlook’ erzielt werden kann. In der Postproduktion ist ebenfalls eine Verschiebung hin zum non-linearen digitalen Schnitt erfolgt, auch bei solchen Filmen, die auf 35mm gedreht werden.
Folgende Beispiele aus Europa und Amerika sollen zeigen, wie die schrittweise Durchdringung aller Bereiche der Filmkultur in einer im Vergleich zur über 110 Jahre alten Filmgeschichte relativ kurzen Zeit von 10 Jahren erfolgte: 1989 drehte Wim Wenders seinen Dokumentarfilm Notebooks on Cities and Clothes mit hybriden Produktionsformen, indem er neben 35mm-Film auch digitales Video einsetzte. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Vorbilder für Filmemacher, die sich in der folgenden Zeit ebenfalls der neuen Technik verschrieben (Jovanovic, 2003, S.4). 1999 wurde zum ersten Mal ein Film öffentlich mit digitalen Projektoren vorgeführt, und zwar George Lucas’ Star Wars: The Phantom Menace.
Und auch Regisseur Joel Coen drehte mit O Brother, Where Art Thou? (2000) ein im Hinblick auf die Digitalisierung filmhistorisch wichtiges Werk, da hier erstmalig die gesamte Farbkorrektur in der Postproduktion mit digitaler Technik ausgeführt wurde (Prince, 2004).
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Die Wohnzimmer erfuhren auch und wieder eine Transformation: Mit der Entwicklung der DVD im Jahre 1995 und dem DVD-Player ein Jahr später kam ein neues Produkt auf den Heimunterhaltungsmarkt, welches Video und Video-Recorder zu einem großen Teil substituierte oder ergänzend zu diesen gebraucht wurde. Das Phänomen „Heimkino“ erhielt in diesen Jahren seinen Namen und wurde, ähnlich wie seine Vorgänger TV und Video, von Kritikern zur Gefahr für den konventionellen Kinobesuch im ‚Lichtspieltheater’ erklärt.
Die dunkle Seite der Revolution
Der Titel meines Essays vermag den Leser auf den ersten Blick irritieren - warum solch eine gewagte Anspielung auf das Kommunistische Manifest (1848)? Mit der von Marx und Engels favorisierten wirtschaftlichen Form hat die Digitalisierung sicherlich nichts gemein: Denn ein wichtiger Grund für ihren durchschlagenden Erfolg liegt gerade in ihrer Forcierung durch die Filmindustrie aufgrund der Kostenreduktion, die mit ihr verbunden ist. Die digitale Reproduktion und Distribution weisen nämlich gegenüber dem analogen Verfahren ein immenses Sparpotenzial auf (Flückiger, 2003, S.50). Mit den Worten von John Belton „drehte und dreht sich [die digitale Revolution] gänzlich um den kommerziellen Erfolg: gänzlich darum, neue digitale Produkte einer neuen Generation von Konsumenten anzubieten“ (Belton, 2004, S.8).
Nein, die Parallelen sehe ich selbstverständlich nicht in der ökonomischen Ideologie, sondern zum einen in der revolutionären Kraft, die auch der Digitalisierung zugesprochen wird, bestehende Strukturen zu verändern, und zum anderen in der Art des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Phänomen: Für die einen ist die Digitalisierung eine überaus willkommene Technologie, da sie ihrer Ansicht nach für Fortschritt und Innovation steht, für die anderen ein zu fürchtendes „Schreckgespenst“, das die Kinokultur bedroht. Die Metapher der Unsichtbarkeit gebrauche ich für die Tatsache, dass in der von Wissenschaftlern und von Filmemachern geführte Diskussion um das Ende des Filmes eine bestimmte, ernstzunehmende Tendenz innerhalb des Digitalisierungsprozesses teilweise unberücksichtigt bleibt: Nämlich dass durch die Vernachlässigung der Filmkonservierung vergangene sowie zeitgenössische Filmkultur droht ausgelöscht zu werden. Für viele scheint diese Gefahr eben ‚unsichtbar’ zu sein, neben anderen, als real wahrgenommenen Aspekten, die in der Debatte zur Digitalisierung einen wichtigeren Platz einnehmen: Wird es das Kino im digitalen Zeitalter noch geben? Steht der Film vor seinem Ende? Ich möchte in meiner Arbeit zeigen, dass das Kino sich sehr wohl (und wieder) in
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Arbeit zitieren:
Canan Turan, 2007, Ein Gespenst geht um in der Filmkultur – die (un)sichtbare Revolution der Bits und Bytes, München, GRIN Verlag GmbH
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