Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Einführung in die Thematik 4
3. „Sprachinstinkt“ nach Steven Pinker. 5
4. Verifikation der „Sprachinstinkt“-Theorie. 7
5. Falsifikation der “Sprachinstinkt -Theorie 11
6. Durchbruch in der Genforschung. 13
7. Schlussbetrachtung 15
8. Literatur- und Quellenverzeichnis 17
8.1 Primärliteraturen: 17
8.2 Sekundärliteraturen: 17
8.3 Quellen. 18
2
1. Einleitung
„Es ist noch keiner geboren, der nichts dazugelernt hätte.“ 1 (Russisches Sprichwort)
Das Rätsel vom Ursprung der Sprache bzw. der Sprachfähigkeit eines Menschen ist eine Fragestellung aus Psychologie und Sprachwissenschaft, welche schon seit der Antike hinterfragt und meist kontrovers diskutiert wird. Dabei haben sich im Laufe der Geschichte zwei grundverschiedene Ansichten diesbezüglich herauskristallisiert. Bei der Untersuchung hinsichtlich dieser Divergenz befinden wir uns mitten in der u.a. von Danny Steinberg so charakterisierten nature-nurture 2 Kontroverse, welche sich mit der elementaren Frage auseinandersetzt, ob der Mensch von Geburt an ohne jegliches Vorwissen auf diese Erde kommt oder aber, ob jedem Menschen von Beginn an eine Art „biologische Grundausstattung“ mit in die Wiege gelegt wird. 3 Urvater der nativistischen Lehre ist Noam Chomsky, dessen Forschungsergebnisse, welche zum Teil mit seinem Kollegen Steven Pinker gemeinsam erarbeitet hatten. Diese waren später die Basis für Steven Pinkers Buch „The Language Instinct“, welches als Grundlage meiner Hausarbeit zu sehen ist. 4 Steven Pinker ist ein kanadischer Linguist und Psychologe, der als Professor an der Havard Universität ebenso wie Chomsky auch am MIT, dem Massachusetts Institut of Technology, doziert.
In der nun folgenden Arbeit werde ich mich auf eine Spurensuche begeben und untersuchen, in wieweit Steven Pinker mit seinem 1994 veröffentlichte Buch eine, die ganze Menschheit betreffende, Wahrheit ausgesprochen hat, oder ob solcherlei Theorien faktisch in das Reich der Träume und Wunschvorstellungen einiger weniger zu zählen sind.
1 Albrecht (2001), S.181.
2 Steinberg (2001), S.279.
3 Sampson (1997), S.1.
4 Beispielsweise: Chomsky (1986) und Chomsky (2002);
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2. Einführung in die Thematik
Die in diesem Zusammenhang anzuführende Herangehensweise der Linguistik ist die der Empiristen, welche davon ausgeht, dass jegliches Wissen stets in Zusammenhang mit Erfahrungsprozessen im direkten Umfeld des Menschen gesehen werden muss. Für diese Forschergruppe weist das Gehirn eines neugeborenen Kindes absolut kein vorinstalliertes Wissen in irgendeiner Form auf. Jegliches Lernen bzw. jegliche Entwicklung sei bloß das Resultat eines individuellen Lernprozesses, welche ein jeder Mensch von Geburt an durchlaufen würde. 5 Allerdings erscheinen den Forschern eine so abgegrenzte Pauschalisierung und Reduzierung des Betrachtungsfeldes ein wenig fehlleitend bzw. irreführend. Diese Sichtweise der Dinge resultiert natürlich nicht zuletzt aus der sich immer weiter verbessernden Raffinesse, Feinheit und Genauigkeit, die sich selbstverständlich ihrerseits auf eine sich stets verbessernde Technologie stützen kann. Jean Piaget beispielsweise vermutet, dass wir Menschen von Geburt an eine Varietät an undifferenzierten Schemata in unserem Gehirn bereits in uns trügen. 6 Darüber hinaus mutmaßt Piaget, dass die Intelligenz eines Menschen aus der ihn umgebenden Erlebniswelt resultiert bzw. hervorgeht. 7
Eine andere Sichtweise der Dinge vertreten die Anhänger und Verfechter des so genannten Nativismus. Dieser Begriff und die Thematik des Nativismus ist heutzutage eng verknüpft mit dem Namen des amerikanischen Linguisten Noam Chomsky, der in den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts für eine erneute Reflexion der schon etwas antiquiert erscheinenden Denkweise des Behaviorismus verantwortlich war. 8 Für ihn schien es geradezu absurd Lernprozesse ohne jeglichen Bezug zur mentalen Ebene eines Menschen zu untersuchen. Der Behaviorismus ist eine vom amerikanischen Psychologen J.B. Watson begründete Theorie, nach der zu Folge nur jene Erkenntnisse hinsichtlich psychologischer Prozesse von Aussagekraft sind, welche auf der Basis von objektiven Experimenten zustande gekommen sind. Bei dieser Betrachtungsweise wird der Vorgang des Lernens bei einem Menschen und die dazugehörigen mentalen Aspekte gänzlich außer Acht gelassen, da jedes Verhalten eines Lebewesens stets die Folge des Stimulus bzw.
5 Sampson (1997), S.1.
6 Steinberg (1993), S.135.
7 Ebd., S.288.
8 Sampson (1997), S.7.
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der Stimuli sei, welchen dieser ausgesetzt wurde. In anderen Worten sehen die Forscher des Behaviorismus jetwilliges Lernen, vereinfacht gesagt, als Anhäufung von Stimuli in Form von Input aus der Umwelt. Dies nennt man in der Linguistik auch das Stimulus-Reaktion Prinzip. 9
Noam Chomsky hat im Verlauf seiner forschenden Tätigkeit eine Vielzahl interessanter und für die Linguistik außerordentlich wichtiger Theorien vorgestellt: So lässt sich beispielsweise die Theorien der generativen Grammatik oder auch der Universalgrammatik seinen Forschungsergebnissen erstmals zuordnen. Erstere bezeichnet ein Grammatikmodell, welches auf der Grundlage eines „Alphabetes“ (S-Satz, NP-Nominalphrase, N-Nomen, etc.) und bestimmter Strukturregeln Sätze einer Sprache umwandelt und damit für den Linguisten vergleichbar macht. (vgl. Transformationsgrammik) 10
Der zweite Aspekt beschäftigt sich mit der Annahme, dass gewisse Grundstrukturen von Sprache ein jeder Mensch von Geburt an in sich trägt und dass die Sprachfähigkeit an sich genommen ein biologisches Erbgut sei, welche sich von Geburt an uns befände. Mit diesen „vorinstallierten“, sprachlichen Grundstrukturen sei es uns möglich, gelernte Worte zu rekombinieren und somit eine Vielzahl von Sätzen hervorzubringen. (vgl. Aspekte der Universalgrammatik) Wichtig ist in diesem Zusammenhang Chomskys Haltung zu erwähnen, der, verleicht man die radikal nativistische Orientierung eines Steven Pinker, niemals öffentlich negierte, dass der Input von außen und die Erfahrung, die ein Mensch von Beginn an sammelt, keinen Einfluss auf den Spracherwerb haben würde. 11
3. „Sprachinstinkt“ nach Steven Pinker
Wenden wir nun unser Augenmerk im Folgenden auf Steven Pinker und den von ihm erstmals wissenschaftlich eingeführten Begriffs des „Sprachinstinkts“. Als früherer Kollege von Noam Chomsky ist es nicht verwunderlich, dass Pinker in seiner Monographie „The Language Instinct“ von 1994 einige Ideen und Konzepte Chomskys aufgreift, um diese dann mit seinen eigenen Vorstellungen zu ergänzen und die Forschung auf dem Gebiet der Kognitionslinguistik voranzubringen. 12 Diese Weiterentwicklung äußert sich besonders deutlich in der etwas radikal-nativistischen Theorie, dass die Fähigkeit eines Menschen zu sprechen lokalisierbar innerhalb
9 Brockhaus multimedial 2006 Premium, Stichwort: Behaviorismus.
10 Brockhaus multimedial 2006 Premium, Stichwort: generative Grammatik; vgl. Chomsky (1957).
11 Chomsky (1989), S.146ff.
12 Pinker (1994), S.24.
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Arbeit zitieren:
Florian Fromm, 2008, Der Sprachinstinkt nach Steven Pinker - Wahrheit oder Lüge, München, GRIN Verlag GmbH
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