Jennifer Moos Universität Leipzig
Hausarbeit : Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser
1. Lebensläufe der beiden Kritiker 3
Monty Jacobs 3
Arthur Eloesser. 5
2. Die Kritiker als Herausgeber, Germanisten und Schriftsteller. 6
Monty Jacobs als Herausgeber 6
Arthur Eloesser als Schriftsteller. 8
3. Theaterkritiker der Vossischen Zeitung und der Weltbühne 10
a) Vossische Zeitung und Weltbühne in der Presselandschaft der Weimarer
Republik. 10
b) Theaterbegriffe und Stil der Kritiker 12
Monty Jacobs 12
Arthur Eloesser. 18
4. Zusammenfassung 25
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Hausarbeit: Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser
1. Lebensläufe der beiden Kritiker
Monty Jacobs
Monty Jacobs, der eigentlich Montague Jacobsohn hieß, wurde am 5.1.1875 in Stettin geboren. Sein Vater Henry Jacobsohn war ein aus Liverpool stammender Schiffsmakler, der in Deutschland die Hamburger Kaufmannstochter Laura Salomon heiratete. Nach dem Tod seiner Mutter 1883 wurde auch sein Vater 1888 schwer krank und konnte sich fortan nicht mehr um die Kinder kümmern. Verwandte übernahmen ihre Erziehung. Monty Jacobs kam zunächst in ein Berliner Schülerpensionat, bevor sein Onkel Nathan Samuel und dessen Frau Fanny ihn zu sich nahmen und auf das Falk-Realgymnasium in Berlin schickten.
Im Sommer 1893 begann er sein Studium der Philologie und Literaturgeschichte in München. Ab dem Wintersemester wechselte er zwischen Berlin und Heidelberg. Er bekannte sich nachdrücklich zu der bei Erich Schmidt empfangenen germanistischen Ausbildung. Unter anderem wirkte er bei Theateraufführungen der Studenten der Germanistenkneipe unter der Leitung Erich Schmidts mit. 1898 promovierte er in Heidelberg mit einer Arbeit über Gerstenbergs Ugolino.
Im Sommer desselben Jahres fing er als Volontär bei der Berliner Zeitung an, wechselte jedoch bereits im September zu der Berliner Morgenpost, wo er als Theaterkritiker arbeitete. Diese Stellung behielt er bis zum März 1900.
1901 heiratete er seine Jugendfreundin Dora, Tochter des Verlagsbuchhändlers Ulrich Levysohn, die ihm drei Kinder schenkte.
Als Nachfolger Fritz Mauthners schrieb Jacobs ab September 1905 Theaterkritiken im Berliner Tageblatt. 1910 mußte er seinen Posten Paul Schlenther überlassen. Bis 1901 veröffentlichte er eine kritische Studie über „ Maeterlinck“ und war Herausgeber der Werke Achim von Arnims (1908), Eckermanns „Gespräche mit Goethe“ (1911), der historischen Kritikensammlung „ Deutsche Schauspielkunst“ (1913) sowie des „ Ernst-Schur-Gedächtnisbuches“ (1914). Finanzielle Unabhängigkeit erlaubte es ihm , während dieser Zeit ohne engere berufliche Bindung auszukommen.
1914 übernahm er die Stelle von Arthur Eloesser als Theaterkritiker bei der Vossischen Zeitung. Doch der Ausbruch des Krieges unterbrach Jacobs Laufbahn, denn er wurde von den
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Hausarbeit: Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser Engländern zur Armee eingezogen. Jacobs ließ sich daraufhin neutralisieren und ging für Deutschland an die Front, denn er fühlte sich nicht als Engländer und dachte durchaus patriotisch für Deutschland.
Nach dem Krieg trat er erneut in die Feuilletonredaktion der Vossischen Zeitung ein und sein Aufstieg in eine führende Position des Berliner kulturellen Lebens begann. 1920 veröffentlichte er eine Studie über „Paul Wegener“ und eine Untersuchung zu „Ibsens Bühnentechnik“ . Im Herbst 1921 wurde er zum Leiter des Ressorts Feuilleton der Vossischen Zeitung ernannt und bereits im April desselben Jahres zum Mitglied des Kunstrates der Kleist-Stiftung gewählt.
Weitere Buchveröffentlichungen waren 1925 die Herausgabe der Werke Kleists und ,als Verwalter des Nachlasses, Fritz Mauthners sprachkritischer Versuch „Die drei Bilder der Welt“.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten mußte Jacobs auf Grund seiner jüdischen Abstammung seinen Stuhl als Chefredakteur bei der Vossischen Zeitung 1933 räumen. Er blieb als Mitarbeiter bis zum Eingehen der Zeitung 1934. Das Schreibverbot erfolgte kurz darauf.
1938 emegrierte er über die Schweiz nach England, wo er sich in den verschiedenen Organisationen der Exilierten engagierte und sich an Schriften gegen das Hitlerregime beteiligte ( In Tyrannos. London 1944). Er beteiligte sich aktiv an der Freien Deutschen Hochschule, einer späteren Unterabteilung des Freien Deutschen Kulturbundes, die eine Sommerschule für die Universität Birmingham abhielt. Monty Jacobs war einer ihrer ersten Dozenten mit Vorträgen über „ Deutsche Prosa. Heine-Nietsche-Thomas Mann.“ , „Das Theater vor Hitler“, „Berliner Theaterleben“ und „ Das Deutsche Theater von Lessing bis zur Gegenwart“.
Am 18. Juni trat Jacobs als Feuilletonleiter in die Redaktion der Zeitung ein, doch schon 1942 wurde das selbständige Feuilleton wegen Sparmaßnahmen aufgelöst.
Am 29. Dezember 1945 starb Monty Jacobs an einer Lungenentzündung im St. George’s Hospital, London.
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Hausarbeit: Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser
Arthur Eloesser
Am 20.3.1870 wurde Arthur Eloesser im Norden Berlins geboren. Sein Vater, Theodor Eloesser, stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, doch unterstützte er seinen Sohn in dem Wunsch ,eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Eloesser besuchte das Berliner Sophiengymnasium und machte dort 1888 Abitur.
Er begann an der Berliner Universität ein Geschichtsstudium mit Nebenfach Germanistik zu studieren, doch befriedigten ihn weder sein Studium noch die wissenschaftlichen Arbeitsmethoden seines Geschichtsprofessors Treitschke, der Verfechter des Antisemitismus war. Zum Sommersemester 1889 wechselte Eloesser an die Genfer Universität, wo er Germanistik und Romanistik studierte. Schließlich ging er zurück nach Berlin und wurde Schüler Erich Schmidts.. Diese Schulung durch Erich Schmidt beherrschte fortan Eloessers Denken und wirkte sich auch auf seine Kritiken aus. 1893 promovierte er mit einer Dissertation über „Die ältesten Deutschen Übersetzungen Moliérscher Lustspiele“. Sein Plan, sich mit seiner Arbeit über „Das bürgerliche Drama. Seine Geschichte im 18. Und 19. Jh.“ ( Berlin 1898) zu habilitieren und die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, scheiterte an seiner jüdischen Herkunft.
Aus Resignation ging er zunächst auf Reisen. Schließlich erreichte ihn 1899 ein Telegramm, in dem ihm die Nachfolge von Paul Sclenther als Theaterkritiker bei der Vossischen Zeitung angeboten wurde. In den Folgejahren entwickelte sich Eloesser zu einem der angesehensten Berliner Kritiker. Während dieser Zeit war er nicht nur beruflich mit dem Berliner Theaterleben verbunden. Er kam mit Künstlern in Berührung, war mit vielen bekannt und befreundet.
Nach dem Verkauf der Vossischen Zeitung 1914 sammelte Eloesser sechs Jahre lang als Dramaturg und Regisseur am Berliner Lessingtheater auch praktische Erfahrung. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit der Schauspielerin Elisabeth Bergner, die er sehr verehrte. Von dieser Freundschaft schreibt er in seinem Buch über die Schauspielerin (1928).
1920 kehrte er wieder zum Journalistenberuf zurück. Bis 1926 war er Kritiker an den von Max Epstein herausgegebenen Blauen Heften, nach dem Tod von Siegfried Jacobssohn, mit dem er ebenfalls befreundet war, übernahm er 1924 das Theaterreferat in der Weltbühne bis
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Hausarbeit: Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser 1928. In diesem Jahr ging er zur Vossischen Zeitung zurück. Hier schrieb er zusammen mit Monty Jacobs, der seit 1921 das Feuilleton leitete.
Die Jahre der Weimarer Republik zählen zu Eloessers produktivsten: 1919 erschien „Die Straße meiner Jugend“, eine Sammlung kleiner liebenswürdiger Skizzen, die etwas von der Beschaffenheit des Berlinertums fühlbar zu machen versuchten, 1925 eine Biographie über Thomas Mann, 1930/31 eine großangelegte, zweibändige Darstellung „Die Deutsche Literatur vom Barock bis zur Gegenwart“.
Die Zäsur erfolgte 1933, als Eloesser auf Betreiben der Nationalsozialisten die Redaktion der Vossischen Zeitung verlassen mußte. Eine Existenzgrundlage fand er bis zu seinem Lebensende bei der Jüdischen Rundschau, wo auch seine „Erinnerungen eines Berliner
Juden“ erschienen. 1936 erschien sein Werk „Vom Ghetto nach Europa“, bevor er am 14. Februar 1938 starb.
2. Die Kritiker als Herausgeber, Germanisten und Schriftsteller
Monty Jacobs als Herausgeber
Publizistisch hat sich Jacobs vor Allem für Kleist eingesetzt. Kleist bleibt der einzige Dramatiker zu dem er sich eindeutig bekennt. Dies liegt wohl auch an dem Einfluß seines Professors Erich Schmidt, der Kleist seinen Schülern ans Herz legte. Zu Kleists 100. Geburtstag verfaßte er den Aufsatz „Kleist und die Gegenwart“, der für den Dramatiker wirbt. In der Einleitung zu seiner 1925 veröffentlichten Kleistausgabe erklärt er, warum er sich für dessen Dramen so einsetzt:“ Wir haben, als der Naturalismus in seiner Sünden Maienblüte stand, nach dem Befreier sehnsüchtig ausgeschaut, der die Wirklichkeit durch den Humor zu besiegen wisse(...)Wir sehnen uns danach, daß Männer und Helden in Macht und Fülle thronender Kraft wieder auf die Bühne herniedersteigen(...) Wir fliehen vor der Enge und Nüchternheit des Alltags ins Märchenland der Wunder und Träume (...) Wir spähen
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Hausarbeit: Die Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser begierig in die finsteren Abgründe des Menschenherzens; Kinder einer Zeit, die der geheimnisreichen Psyche ihre letzten Schleier rauben möchte.“ 1
An Kleists Dramen gefällt ihm besonders, daß sie mit seelischem Erlebnis arbeiten, welches nicht durch Worte ausgedrückt wird:“ (...) Das Glück ist stumm.“ 2 Dieser Stil gefällt Jacobs auch bei Ibsen, so daß er 1920 eine Untersuchung zu „ Ibsens Bühnentechnik“ veröffentlicht. Dennoch ist die Haltung gegenüber beiden Dichtern unterschiedlich. Während er Kleist in den höchsten Tönen lobt und somit für ihn wirbt, ist „Ibsens Bühnentechnik“ völlig wertfrei. Die Arbeit über Ibsen soll vor Allem zum Verständnis beitragen. Für Jacobs ist Ibsen ein Schüler Kleists. 3 Da er sich in der zitierten Einleitung zur Kleistausgabe scheinbar negativ zum Naturalismus äußert, verwundert es vielleicht, warum er zu Ibsen positiv eingestellt ist. Jacobs ist generationsgemäß dem Naturalismus verbunden. Für ihn bedeutet das aber nicht, daß er sich aus innerstem Wesen zum theatralischen Stil des Naturalismus bekennt. Vielmehr unterscheidet er genau zwischen dem geistigen Gehalt und der Ausdrucksform. Er kann aus ethischen Gründen die Thematik des Naturalismus Hauptmannscher Prägung begrüßen und zugleich und zugleich auch den theatralischen Stil des Naturalismus bejahen, kann aber auch ,aus seiner fortschrittsgebundenen Haltung zum Theater, die Ausdrucksform ablehnen als sie erstarrt, ohne deshalb von der geistigen Konzeption abzugehen. Jacobs hat sich nie auf einen Theaterstil festgelegt. Theater ist für ihn keine Frage des Stils, sondern „ der steten geistigen Erneuerung“ 4 ,also der Entwicklung. Er betrachtet den Naturalismus als einen Übergang. Er sah von ihm die Gefahr ausgehen, daß keine echten Gefühle mehr gezeigt werden und die Wirklichkeit einfach billig kopiert wird.
In Maurice Maeterlinck sieht er einen Dramatiker, der genau das Gegenteil bewirkt: „Eine romantische Stimmungskunst, die inbrünstig nach Verinnerlichung strebt, kann allein unsere Sehnsucht vertiefen und beseelen, kann allein den triumphierenden Einzug der großen Kunst richtig verbreiten.“ 5 Dies ist wohl der ausschlaggebende Punkt für seine 1901 veröffentlichte Studie über Maeterlinck.
1 Monty Jacobs, Kleist
2 ebd.
3 Monty Jacobs,Ibsens Bühnentechnik, Seite 55
4 Aus M. Jacobs Vortrag „Berliner Theaterleben“, 27.11.42
5 Monty Jacobs, Maeterlinck, Seite 122
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Magister Artium Jennifer Moos, 1999, Die Journalisten Monty Jacobs und Arthur Eloesser als Kritiker, München, GRIN Verlag GmbH
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