Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
1.1 Ein wählerisches Publikum. 1
1.2 Selektion bei Massenmedien. 3
1.3 Kognitive Dissonanz und ihre Wirkung auf die Informationsselektion. 5
1.4 Forschungsfrage. 6
2 Methode. 8
2.1 Das Studiendesign. 8
2.1.1 Anforderungen. 8
2.1.2 Umsetzung. 9
2.2 Die Zusammensetzung der Methoden. 11
2.2.1 Quantitative Inhaltsanalyse. 11
2.2.2 Befragung. 12
2.2.3 Copy-Test. 12
2.3 Die Stichprobenbildung 13
2.4 Die Feldarbeit. 14
2.5 Die Datenaufbereitung. 15
2.6 Die Operationalisierung von Konsonanz und Dissonanz. 17
2.7 Abhängige, unabhängige und intervenierende Variablen. 18
3 Ergebnisse 20
3.1 Artikel über Politiker. 20
3.1.1 Genereller Einfluss von Konsonanz und Dissonanz. 20
3.1.2 Intervenierender Einfluss von Lesermerkmalen. 21
3.1.3 Intervenierender Einfluss von Artikelmerkmalen. 22
3.1.4 Intervenierender Einfluss der Leser-Blatt-Beziehung. 24
3.1.5 Konkurrierender Einfluss von Informations- und Leservariablen 25
3.2 Artikel über die Konfliktthemen. 26
3.2.1 Genereller Einfluss von Konsonanz und Dissonanz. 26
3.2.2 Einfluss der Leser-Blatt-Beziehung. 26
3.2.3 Einfluss der Leser-Themen-Beziehungen. 27
3.3 Bewusste und unbewusste Selektionsentscheidungen. 29
i
3.3.1 Traktionseffekte durch die Überschrift. 29
3.3.2 Motivationseffekte durch die Überschrift. 29
3.4 Das Problem von Suchen und Vermeiden. 29
4 Zusammenfassung der Ergebnisse. 31
5 Reflexion und Diskussion. 34
Literaturverzeichnis. 36
ii
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Artikeltendenz und Lesermeinung: Beiträge über Politiker - Nutzung von Artikeln in konsonanten und dissonanten Fällen - Kontrollvariable: Rolle des Politikers im Artikel (Quelle: Donsbach 1992, S.43)....................................21 Tabelle 2: Artikeltendenz und Lesermeinung: Beiträge über Politiker - Nutzung von Artikeln in konsonanten und dissonanten Fällen - Kontrollvariable: tägliche Lesedauer werktags (Quelle: Donsbach 1992, S. 45)........................................22 Tabelle 3: Artikeltendenz und Lesermeinung: Beiträge über Politiker - Nutzung von Artikeln in konsonanten und dissonanten Fällen - Kontrollvariable: Betonungsgrad des Artikels (Quelle: Donsbach 1992, S. 49)............................24 Tabelle 4: Einfluss der Leser-Themen-Beziehungen auf die Artikelnutzung: Kontrollvariable: tägliche Lesedauer Werktags, Kriterium: Artikel mindestens teilweise gelesen. (Quelle: Donsbach 1992, S. 57)............................................28
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Datenverknüpfung (eigene Abbildung nach Donsbach 1992)
iv
1 Einleitung
Fast vier Jahrzehnte dominierte in der Kommunikationswissenschaft die Überzeugung, dass die Medien eine unermessliche Macht über ihr Publikum haben. Jegliche Meinungen konnten demnach via Massenmedien in die Köpfe der wehrlosen Rezipienten „gepflanzt“ werden. In dieser Phase stützte man sich unter anderem auf die vermeintlich sehr wirkungsvolle NS-Propaganda oder das Phänomen um Orson Welles' „Invasion from Mars“, ein Hörspiel, welches angeblich Massenpanik ausgelöst haben soll. Aber diese allgemein akzeptierte wissenschaftlichen Überzeugung kehrte sich in den 1940er Jahren dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bald ins Gegenteil. Von nun an sollte ein eher wirkungsschwaches Bild der Medien die Wissenschaft dominieren. (Vgl. Bonfadelli 2004, S. 28).
1.1 Ein wählerisches Publikum
In modernen Industriegesellschaften werden täglich immer mehr Informationen produziert. Eine deutsche Tageszeitung beispielsweise produziert im Durchschnitt rund 65.000 Wörter täglich. Da die Aufnahmekapazität des Publikums beschränkt ist, scheint es unumgänglich, dass es sich für einen Teil dieses Angebotes entscheidet und somit auch einen anderen unbeachtet lassen muss. Im Falle der deutschen Tageszeitungen werden nur 5.400 dieser 65.000 Wörter letztendlich tatsächlich gelesen, was einer Informationsüberlastung von 92% entspricht. Das Publikum muss also allein schon angesichts des enormen Überangebotes von Informationen zwangsweise selektierten, was die Frage nach den Kriterien, anhand derer Selektion stattfindet, immer bedeutsamer erscheinen lässt. (Vgl. Donsbach 1992, S. 25).
Ein weiteres Indiz für offensichtlich stattfindende Selektionsprozesse findet sich in einer von Paul Felix Lazarsfeld durchgeführten Studie zum Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1940. War man zu-vor von der Allmacht der Massenmedien überzeugt, ging nach man der Veröffentlichung dieser Studie 1944 Jahrzehnte lang allgemein akzeptiert davon aus, dass Massenmedien die politische Einstellung der Rezipienten nicht verändern können sondern lediglich verstärken können. Den Medieninhalten wurde damit
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praktisch Wirkungslosigkeit unterstellt. Diese so genannte Verstärker-Regel beruhte auf der Erkenntnis, dass sich die Rezipienten überwiegend den Informationen zuwandten, die ihren bereits bestehenden Meinungen und Einstellungen entsprachen und diese festigten bzw. verstärkten. Man sieht anhand der Befunde dieser Studie, dass es ganz offensichtlich Selektionsprozesse auf der Seite des Publikums gibt, die die von den Massenmedien verbreiteten Informationen „filtern“ und nicht ungehindert und diese nicht gleichberechtigt von den Rezipienten aufgenommen werden. Die Verstärker-Regel konnte nicht eindeutig erklärt werden - trotzdem stellt sich die Frage, welche Ursachen der Selektion zu Grunde liegen.
Auch in der Medienwirkungsforschung war Selektion lange Zeit ein Fundament für die Überzeugung von wirkungsschwachen Medien. Die Selektivität der Rezipienten schien 1957 durch eine sozialpsychologische Theorie noch bestärkt zu werden, und zwar durch Leon Festingers „Theorie der kognitiven Dissonanz“. Festinger zufolge „[...] versuchen Menschen, solche Konstellationen in ihren Einstellungen zu vermeiden, die nicht zueinander passen, d. h. dissonant sind.“ (Donsbach 1992, S. 26). Allerdings blieb die Frage, ob mit dieser Theorie die Zuwendung oder Vermeidung von Informationen zu erklären ist, bisher unbeant-wortet.
Berücksichtigt man nun, dass Kommunikation, also auch Massenkommunikation, ohne Selektion überhaupt nicht möglich ist, da ein Mensch im Kommunikationsprozess zur Übertragung von Botschaften in der Rolle des Kommunikators genauso wie in der Rolle des Rezipienten aus einer Vielzahl von Signalen wählen muss, die er entweder „übertragen“ oder „empfangen“ will, so scheint logisch, dass Selektion genau wie Wirkung ein Teil des Kommunikationsprozesses ist. Die Bedingungen, zu denen es innerhalb des Kommunikationsprozesses zu einem Kontakt zwischen Information und Rezipient kommt, werden von der Selektionsforschung untersucht.
Wolfgang Donsbach formulierte unter Berücksichtigung der erläuterten Sachverhalte zu die Frage, „Nach welchen Kriterien [..] das Publikum der Massenmedien diejenigen Inhalte aus[wählt], denen es seine Aufmerksamkeit zuwendet“ (Donsbach 1992, S. 25), eine Frage, deren Beantwortung in den Forschungsbereich der publizistikwissenschaftlichen Selektionsforschung fällt. Die-
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se Fragestellung war der Ausgangspunkt für die in dieser Hausarbeit thematisierten Studie von Wolfgang Donsbach.
1.2 Selektion bei Massenmedien
Beim Massenkommunikationsprozess unterscheidet Donsbach vier Selektionsentscheidungen und diese unterteilen sich wiederum in drei Phasen. Bei der ersten Selektionsentscheidung geht es für den Rezipienten darum, ob er „[...] überhaupt am Kommunikationsprozess teilnehmen will oder nicht.“ (Donsbach 1989, S. 392) Die zweite Selektionsentscheidung betrifft die Auswahl des Mediums, dem sich der Rezipient nach seiner Entscheidung für die Teilnahme am Kommunikationsprozess zuwendet. Die dritte Selektionsentscheidung fällt dieser bezüglich der redaktionellen Angebote innerhalb des gewählten Mediums und bei der vierten, selektiert der Rezipient schließlich zwischen einzelnen In-formationen. (vgl. Donsbach 1989, S. 392)
Für die erste Selektionsentscheidung existieren mehrere Erklärungsansätze. Deskriptive Studien gehen davon aus, dass die soziodemographischen und kognitiven Eigenschaften von Personen für deren Nutzungsverhalten verantwortlich sind (vgl. Donsbach 1989, S. 393). Verhaltenstheorien wiederum gehen davon aus, dass die Erlebnisse, die die Rezipienten bei der Teilnahme an vorherigen Kommunikationsprozessen hatten, ihre Selektion beeinflussen. Eine funktionale Analyse dieses Ansatzes führte zu der Erkenntnis, dass Zeitungslesern hauptsächlich das Gefühl, umfassend informiert zu sein und das Zeitunglesen innerhalb des habitualisierten Tagesablaufs fehlten, während das Fernsehen offensichtlich nur die Funktion hatte, beim Zusehen Zeit zu überbrücken (vgl. Donsbach 1989, S. 393). Ein weiter Ansatz bezieht sich auf fehlende soziale Kontakte der Rezipienten, die vor allem durch eine starke Nutzung des Fernsehens kompensiert werden. Der Rezipient identifiziert sich mit den Akteuren und baut so eine „parasoziale Interaktion“ auf (vgl. Donsbach 1989, S. 394). Die zweite Selektionsentscheidung wird unterteilt in „intermediäre Selektion“ und „intramediäre Selektion“, also die Auswahl zwischen verschiedenen Medien und zwischen verschiedenen Anbietern. Die Intermediale Selektion wird dabei sehr stark vom habitualisierten Verhalten der Rezipienten beeinflusst, während
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die intramediäre Selektion mehr von Faktoren wie Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Kompetenz sowie einer positiven Grundeinstellung zum Medium beeinflusst wird. (Donsbach 1989, S. 394)
Bei der dritten Selektionsentscheidung wählt der Rezipient aus dem Informationsangebot innerhalb eines Mediums aus. Donsbach unterscheidet hier drei Gruppen von Ansätzen. Die erste Gruppe beschäftigt sich mit formalen Merkmalen wie zum Beispiel bei einem Zeitungsartikel der Platzierung, der Größe der Überschrift oder der Schriftgröße. Eine zweite Gruppe von Ansätzen betrachtete die thematischen Merkmale des Medieninhalts. Die psychologischen Faktoren der Auswahl wurden schließlich von der dritten Gruppe von Ansätzen untersucht, die „[...] die Ursachen für die Zuwendung zu bestimmten Medieninhalten mit den psychologischen Prädipositionen des Individuums [...]“ (Donsbach 1989, S. 397) erklärt. (Vgl. Donsbach 1989, S. 395 ff.). Die Auswahl von einzelnen Informationseinheiten bildet die vierte Selektionsentscheidung. Mit Hilfe von verschiedenen Untersuchungen wurde bisher versucht zu klären, was Rezipienten dazu veranlasst, bestimmte Informationen zu selektieren. Übereinstimmend wurde dabei festgestellt „[...] daß der Erwartungsrahmen des Individuums, seine 'Realitäts-Hypothese' die Verarbeitung von Informationen steuern.“ (Donsbach 1989, S. 398).
Donsbachs Studie zur Selektivität der Rezipienten untersucht hauptsächlich die dritte und vierte Selektionsentscheidung.
Jeder Selektionsprozess wird außerdem in präkommunikative, kommunikative und postkommunikative Phase eingeteilt. In der präkommunikativen Phase geht es um die Entscheidung über die selektive Zuwendung, in der kommunikativen Phase um die selektive Wahrnehmung und in der postkommunikativen Phase um die selektive Erinnerung der rezipierten Informationen. Die oben genannten Selektionsentscheidungen können hierbei in jeder Phase des Kommunikationsprozesses getroffen werden (vgl. Donsbach 1989, S. 392).
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Arbeit zitieren:
Jan Kietzmann et al., 2008, Die Selektivität der Rezipienten, München, GRIN Verlag GmbH
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