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Wirtschaftspolitik Österreich/
Italien zur Zeit des Faschismus:
Sowohl in Österreich als auch in Italien bestand ein großer Zusammenhang zwischen Weltwirtschaftskrise und Krise der parlamentarischen Demokratien. Diese Krisen waren die Voraussetzungen für das erfolgreiche Entstehen der verschiedenen Faschismen. Ich will nun versuchen spezifische Punkte für die beiden Länder herauszuarbeiten und diese dann vergleichbar darstellen. Dabei sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ablesbar sein. Wichtige Punkte sind für mich zum Beispiel, wie sich die Wirtschaftspolitik im Gegensatz zu früher entwickelt hat, in wie weit die Wirtschaft durch den Faschismus gelenkt und beeinflusst wurde und ob es einen Aufschwung oder Abschwung gegeben hat. Ich will bei meiner Arbeit vor allem auf die Gebiete Wirtschaft, Investitionspolitik, Budget, Deflationsdiktatur, Industrie und Landwirtschaft eingehen. Meiner Meinung nach sind dies die wichtigsten und am besten vergleichbaren Komponenten, die dann Schlüsse auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zulassen. Es folgen zuerst immer eine Beschreibung der österreichischen Situation zu den einzelnen Punkten und danach vergleichsweise die italienische Situation.
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Wirtschaft:
In Österreich wurden ab 1933 Maßnahmen zur Krisenbekämpfung gesetzt. Diese Maßnahmen setzten sich aus politischen und wirtschaftlichen Programmen zusammen, die man versuchte zu
kombinieren. Dieses Programm diente dazu festzustellen, für welche unter den zur Verfügung stehenden Alternativen das autoritäre Regime operiert hat und welcher Wirtschaftskurs bestritten wurde 1 .
In Italien bildeten sie Jahre 1922-1925 die Phase sukzessiver Machtergreifung. Es folgte der Aufbau des faschistischen Regimes, weitgehende Regulierung von Arbeit und Kapital und die Reglementierung des öffentlichen politischen Lebens.
Darauf basierend erfolgte ein Kursumschwung in der Währungs-und Außenwirtschaftspolitik. Die Hauptlinien waren die Stabilisierung der Währung und die Liraaufwertung, Lohn- und Gehaltskürzungen, Kartellierungs- und Rationalisierungsvorgänge und eine systematische Interventionspolitik des Staates 2 .
Geleitet von diesem Druck erzwang die österreichische Industrie ihre Krisenstrategie, die ökonomische und politische Elemente kombinierte. Der zentrale Gesichtspunkt des wirtschaftlichen Teils bestand in der Forderung zur Wiedergewinnung der Konkurrenzfähigkeit am internationalen Markt und Maßnahmen zur Exportförderung. Die Industrie
1 siehe Mattl Siegfried, Wien, 1984, S. 133 und 134
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präsentierte sich als Anhängerin einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Neben einer Senkung der Löhne forderte die Industrie die Entlastung von staatlichen Steuern und Abgaben, den Abbau der öffentlichen Ausgaben und eine Reform der Sozialversicherung, um den Anspruchsberechtigtenkreis an der Arbeitslosenversicherung herabzusetzen. Außerdem wurde eine Veränderung der Handelspolitik zugunsten der industriellen Produktion gefordert. In den folgenden Monaten verfolgte die Industrie einen abwartenden Kurs, stellte sich aber den „Notverordnungskurs“ 3 der Regierung Dollfuß und hinter die Maßnahmen, die zur
Ausschaltung des Nationalrates und zur Errichtung der Diktatur in Österreich nötig waren 4 .
In Italien trat 1925/26 eine Wende ein. Es gab eine krisenhafte Zuspitzung der Widersprüche in der Wirtschaft: Zwischen Großindustrie und Mittel- und Kleinbetrieben, zwischen Fertigindustrien und Basis- und Grundstoffindustrien, Industrie und Banken und zwischen Industrie und Landwirtschaft.
Für Wirtschaft und Gesellschaft waren folgende Krisenherde kennzeichnend: Zunahme des Außenhandelsdefizits, rückläufige Auswandererrimessen, eine mit vergleichsweise hohen Kosten arbeitende Industrie, beginnende Agrarkrise, Verarmung der Arbeiterschaft und der kleineren und mittleren Bauern, rückläufige Spareinlagen, Zunahme von Steuerdruck und Binnenverschuldung des Staates, Große Inflation, Widererstaren
von Unruhen in den Betrieben und der auslösende Moment: dir Börsenkrise.
2 vgl. Rafalski Traute, Opladen 1984, S. 31
3 Mattl Siegfried, Wien 1984, S. 136
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Die Lira gehörte zu den drei letzten europäischen Währungen, die saniert wurden. Man wollte zu einem funktionierenden internationalen Geld- und Währungssystem zurückkehren. Die wichtigsten Punkte auf dem Weg der Währungsstabilisierung in Italien waren: Regelung der Schuldenfrage mit den USA und Großbritannien, Regelung der Binnenverschuldung des Staates und Aufhebung des seit 1866 bestehenden Zwangskurses und gesetzliche Festsetzung des Goldstandards. Die endgültige Stabilisierung der Lira vollzog sich auf dem Aufwertungsniveau, der „Quota 90“ 5 . Ein wesentlicher
Eckpfeiler dieser Politik bildeten private
Monopolinteressen, die sich mit öffentlichen Eingriffen mischten.
Die Staatsinterventionspolitik war einerseits stützend bzw. klärend, wo Engpässe entstanden, andererseits intervenierte der Staat in Form von Maßnahmen die bei der Aufrechterhaltung der
privatwirtschaftlichen Produktionsweise eine Modifizierung in der Grundstruktur des Entwicklungszyklus herbeiführten. Mit der eingeleiteten Wende bekam der Staat eine neue Rolle 6
.
Auch in Italien fanden Lohnkürzungen statt und zwar in drei Etappen: 1927, 1930 und 1934. Der Lohnabbau betrug 1930 im Vergleich zu den Jahren 1920/21 zwischen 15-40%. Die dritte Lohnkürzung forderte 7-12%. Durch diese Kürzungen wurde die Kaufkraft stark rückgängig 7 .
4 siehe Mattl Siegfried, Wien 1984, S.134-136
5 Rafalksi Traute, Opaden 1984, S. 35
6 vgl. Rafalski Traute, Opladen 1984, S. 35-39
7 siehe Rafalski Traute, Opladen 1984, S. 53-56
Quote paper:
Mag. Karin Stepanek, 1996, Autoritäre und faschistische Systeme im Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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