Inhaltsangabe:
1. Einleitung 3
2. Musikhören im Grundschulalter 4
2.1 Typologien des Musikhörens 4
2.1.1 Das unspezifische Hören 4
2.1.2 Das emotionale Hören 5
2.1.3 Das kompensatorische Hören 5
2.1.4 Das sensomotorische Hören 5
2.1.5 Das assoziative Hören 6
2.1.6 Das bewusste Hören 7
2.1.7 Das integrierte Hören 7
2.2 Funktionen des Musikhörens 9
3. Ausarbeitung der Stunde zu dem Lied
„Die Seeleute singen den Seeschlangensong“ 10
3.1 Sachanalyse 10
3.2 Didaktisch-methodische Analyse 11
3.3 Grob- und Feinziele 13
3.4 Verlaufsplanung 13
3.5 Reflexion 15
4. Schluss 16
5. Literaturverzeichnis 17
6. Anhang 18
2
1. Einleitung
Lernen ist im Allgemeinen ein Vorgang, der auf neuronale Netze beruht. In unserem Gehirn befinden sich zahlreiche Nervenzellen, die Ganglien aussenden. Verknüpfen sich diese durch Lernen, entsteht ein vielverzweigtes Netzwerk. 1 In diesem Netz ist unser ganzes Wissen gespeichert. Dieses Wissen kann dabei auf sensomotorische Art wiedergegeben werden, indem man praktisch handelt, oder auf formale Art. Man hat herausgefunden, dass vermehrt Grundschulkinder unter Lern- und Verhaltensstörungen leiden. Grund dafür ist der fehlende bewusste Umgang mit den Dingen. So mangelt es oft an taktilen Erfahrungen, da durch vermehrten Medieneinsatz, v.a. das Fernsehen, nur noch ein Leben aus zweiter Hand erlebt wird, Berührungen mit der Materie, ein Be-Greifen wird nicht mehr erlebt. Aber auch kinästhetische Erfahrungen werden immer seltener. Rannten früher Kinder die meiste Zeit gemeinsam durch die Gegend und erlebten so ihren Körper und bekamen ein Gespür für ihre Bewegungen, dominiert heute eher das „Stubenhockerdasein“. Befahrene Strassen, kleine Gärten, aber auch Medienüberfluss spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Als Konsequenz für die Schule bedeutet dies ein Heranziehen beider Repräsentationsformen, also der sensomotorischen und der formalen, da beide miteinander verknüpft sind. Anzumerken ist, dass nach heutigem Wissensstand die sensomotorische Repräsentation vor der formalen erfolgen muss, da eine formale Repräsentation nur auf einer schon durchgeführten sensomotorischen Repräsentation erfolgen kann. Es sollte demnach immer erst eine sensomotorische Repräsentation aufgebaut werden, damit sich aus dieser eine formale entwickeln kann.
Weiter konkretisiert bedeutet das für den Musikunterricht ein Vorziehen der musikalischen Repräsentation vor der sprachlichen. Dementsprechend wird es Kindern merklich leichter fallen sich die Halbtonstufen einer Molltonleiter zu merken, wenn sie vorher das Klangbild einer Molltonleiter gehört haben und somit eine klare Vorstellung von Mollklängen haben. Es wäre also weitaus sinnvoller, wenn der Musikunterricht mit weniger Erklärungen und Theoretisierungen auskäme, anstelle dafür vermehrt Vorstellungsbildung in Form von Klangbeispielen betrieben wird. Denn Musik muss Musik bleiben und soll kein abstraktes, hochkompliziertes Schema werden. 2
1 Aus: Pschyrembel, Willibald (Hg.), Klinisches Wörterbuch, Berlin 4 1998.
2 Nach: Gruhn, Wilfried, Wie Kinder Musik lernen, in: Musik und Unterricht Nr. 31 (März) 1995, S. 4 - 15.
3
2. Musikhören im Grundschulalter
2.1 Typologien des Musikhörens
Zum Thema „Musikhören im Grundschulalter“ stellen sich dem Lehrer einige Fragen, wie z.B. werden wir Musiklehrer dem kindlichen Hören mit unseren Intentionen gerecht? Wie hören Kinder in der Primarstufe? Leben Grundschulkinder nicht noch in einer völlig anderen Welt? Welche Musik begeistert Kinder? Was, wenn Kinder untypische Stücke faszinieren? Im Allgemeinen bezieht sich die Beantwortung der Fragen, ebenso wie der ganze Bereich des Musikhörens, auf entwicklungspsychologische, musikpädagogische, methodische, soziale und zeitgeschichtliche Sachverhalte.
Musikhören ist ein sich ständig wandelnder Vorgang. Ein Lied kann nicht zweimal gleich erlebt werden, da situative, atmosphärische, gruppenspezifische, aber auch subjektive Faktoren wie Geschmack, Fantasie, Assoziation, Aufmerksamkeit und Interesse eine tragende Rolle spielen.
Durch diese Bandbreite können Typologien des Hörverhaltens nie vollständig sein. Anzumerken ist, dass die im folgenden beschriebenen Hörweisen oft miteinander verbunden sind, wie beispielsweise das emotionale und das kompensatorische Hören. 3
2.1.1 Das unspezifische Hören
Bereits in jungen Jahren haben die meisten Kinder ihre Lieblingslieder auf Kassette oder CD. Diese läuft dann beliebig oft hintereinander, ohne noch bewusst zuzuhören. Dieses unspezifische Hören wird auch durch Dauerberieselung in Wohnräumen, im Auto oder in Supermärkten verstärkt. Das ungerichtete Hören scheint in letzter Zeit vermehrt zuzunehmen. Fragt man Kinder, welches Lied sie soeben gehört haben, steigt die Zahl derer, die sich bereits nach kurzen Augenblicken nicht mehr daran erinnern können. Die Schulen sind damit vor ein großes Problem gestellt. Denn das Musikhören, das einen beachtlichen Teil des Musikunterrichts einnimmt, kann von den Kindern nicht mehr bewältigt werden, da sie nach Martin Schlu zu „Weghörern“ geworden sind. Das Fatale: „Ihre Nächsten haben es ihnen
3 Nach: Ditzig-Engelhardt, Ursula, Musik hören, in: Helms, Siegmund u.a., Handbuch des Musikunterrichts,
Band 1, Kassel 1997, S 157 f.
4
nicht beigebracht, weil sie es selbst nicht mehr können.“ 4 Musik wird vermehrt zur Höhle, in die sich Kinder zurückziehen, um allein zu sein.
2.1.2 Das emotionale Hören
Kinder besitzen schon relativ früh die Fähigkeit, den Ausdruck von Musik bestimmen zu können. Wie schon erwähnt, haben sie bereits ihre Lieblingslieder. Auf diese Stücke reagieren sie dann subjektiv sehr emotional, sei es durch heftiges Mittanzen, lautes Mitsingen oder Stillwerden und sich an bestimmte Situationen erinnern. Heiner Gembris führt Personen an, in deren Leben ein bestimmtes Musikstück eine Schlüsselrolle spielt. 5 Gerade in der Schule sollte deshalb emotionales Hören beachtet werden. Denn der Grad der Motivation und die Ausdauer, die man einem Musikstück entgegenbringt, hängen davon sehr stark ab. 6
2.1.3 Das kompensatorische Hören
Wie oben bereits erwähnt, ist das kompensatorische Hören stark mit dem emotionalen verbunden. Beim kompensatorischen Hören wird Musik als Ausgleich gehört. Situationen, in denen Defizite beseitigt werden müssen, oder emotionale Bedürfnisse Befriedigung verlangen, werden oft mit Musik verarbeitet. Welche Musik in welchen Situationen bevorzugt wird, ist dabei von Mensch zu Mensch verschieden. So hören verärgerte Jugendliche einerseits Heavy Metal Musik um ihren Ärger auszuleben, während andere sich mit Kuschelrock-Musik beruhigen. Hier liegen vor allem geschlechtsspezifische Merkmale eine Rolle. 7
2.1.4 Das sensomotorische Hören
Das sensomotorisches Lernen stellt nach Jean Ayres die Grundlage für die Aneignung komplexer Lerninhalte dar. Wird es versäumt die Bewegung zu trainieren und dem Kind ein Gefühl für seinen Körper und seine Bewegungen zu erlangen, kann dies bleibende geistige Beeinträchtigungen zur Folge haben. Das bereits angesprochene „Stubenhockerdasein“ nimmt
4 Nach: Ditzig-Engelhardt, Ursula, Musik hören, in: Helms, Siegmund u.a., Handbuch des Musikunterrichts,
Band 1, Kassel 1997, S 158.
5 Aus: Gembris, Heiner, Musikalische Fähigkeiten und ihre Entwicklung, in: de la Motte- Haber, Helga (Hg.),
Psychologische Grundlagen des Musiklernens, Handbuch der Musikpädagogik Band 4, Kassel 1987, 122f.
6 Nach: Ditzig-Engelhardt, Ursula, Musik hören, in: Helms, Siegmund u.a., Handbuch des Musikunterrichts,
Band 1, Kassel 1997, S 158f.
7 Ebd., S 159.
5
Arbeit zitieren:
Matthias Altmannsberger, 2003, Musik hören - Grundlagen und Typologien des Musikhörens in der Grundschule und eine ausgearbeitete Stunde zum Lied -Der Seeschlangensong-, München, GRIN Verlag GmbH
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