"Wie kann man da noch unterrichten?", so lautet der Titel eine Aufsatzes von Reinhold ORTNER über Verhaltens- und Lernschwierigkeiten in der Schule.
Die Zahl der Kinder mit Verhaltens- oder Lernschwierigkeiten nimmt immer mehr zu; nach Meinung des Deutschen Kinderschutzbundes leidet heute beinahe jedes fünfte Kind an leichteren bis schwereren psychischen Erkrankungen. Hinzu kommt noch eine ansteigende Anzahl von körperlich oder psychisch misshandelten Kindern in unserer Gesellschaft.
Jedoch ist das Problem nicht ein Problem der heutigen Zeit. Verhaltens- und Lernschwierigkeiten gab es schon immer, wenn wir nur (an die pädagogisch sicherlich fragwürdige) Typisierung im "Struwwelpeter" im 19. Jahrhundert denken.
Heute müssen Lehrkräfte aber differenzierter, sachgerechter und verständnisvoller an diese Probleme herangehen und mit diesen Problemen umgehen; in der pädagogischen Betreuung von Schülerinnen und Schülern müssen neue Akzente gesetzt werden.
In der folgenden Arbeit soll beleuchtet werden, wie sich die Grundschule der Herausforderung durch Verhaltens- und Lernschwierigkeiten der anvertrauten Kinder stellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
3 Klassifikation der Erziehungsschwierigkeiten
3.1 Verhaltens- und Lernschwierigkeiten (ORTNER/ORTNER)
3.2 Auftretende Erziehungsschwierigkeiten (SCHRÖDER)
3.3 Phänomenologische deskriptive Klassifikation (HAVERS)
4 Ursachen
4.1 Endogene Ursachen
4.2 Exogene Ursachen
4.3 Theoretische Erklärungsmodelle
4.3.1 Tiefenpsychologische Erklärungsversuche
4.3.2 Lerntheoretische Erklärungsmodelle
5 Maßnahmen
5.1 Ursachenforschung
5.2 Pädagogische Hilfeleistungen (nach ORTNER)
5.3 Vorbeugungs- und Gegenmaßnahmen (nach SCHRÖDER)
6 Verhaltensmodifikation (MUTZECK)
6.1 Definition
6.2 Aufbau und Aufrechterhaltung von Verhalten
6.3 Reduktion bzw. Beseitigung von Verhalten
6.4 Verhaltensmodifikationen in der pädagogischen Praxis
6.5 Grenzen der Verhaltensmodifikation
7 Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung durch Verhaltens- und Lernschwierigkeiten in der Grundschule und untersucht, wie Lehrkräfte diesen Phänomenen begegnen können. Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Ursachen zu entwickeln und konkrete sowie präventive Handlungsstrategien zur Unterstützung betroffener Kinder aufzuzeigen.
- Klassifikation von Verhaltens- und Lernstörungen
- Analyse endogener und exogener Ursachenkomplexe
- Theoretische Erklärungsansätze aus Psychologie und Lerntheorie
- Pädagogische Interventionsmaßnahmen im Schulalltag
- Methoden der Verhaltensmodifikation nach lerntheoretischen Grundsätzen
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Lerntheoretische Erklärungsmodelle
Verhaltensschwierigkeiten werden auf einen Lernprozeß zurückgeführt
Assoziative Verknüpfungen/Reiz-Reaktions-Lernen (Konditionierung):
Es kommt zu einer reaktiven Angstauslösung bei Konfrontation mit einer bestimmten Situation/Person
Instrumentelles Lernen:
Die Verbindung von Verhalten und nachfolgender Konsequenz ist wichtig („Lernen am Erfolg“).
Positive oder negative Verhaltensweisen, die zum Erfolg führen, werden wieder angewendet (z.B.: Beachtetwerden, Selbstwerterleben, materieller oder psychischer Gewinn).
Lernen am Modell:
• Ein Individuum lernt Verhaltensweisen als Folge von Beobachtung und durch Nachahmung.
• modellierender Effekt: Verhaltensweisen, werden erlernt, die bislang im Verhaltensrepertoire fehlten
• enthemmender oder hemmender Effekt: läßt vorhandene Verhaltensweisen leichter auftreten (z.B.: bei Belohnung) oder zurücktreten (z.B.: bei Bestrafung)
• auslösender Effekt: ein bereits erlerntes Verhalten, das bislang nicht deutlich zum Ausdruck gekommen ist, wird praktiziert, wenn das Modell eine entsprechende Vorbildleistung gibt
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die zunehmende Bedeutung von Verhaltens- und Lernschwierigkeiten im schulischen Kontext ein und betont die Notwendigkeit differenzierter pädagogischer Ansätze.
2 Begriffsklärung: Hier werden verschiedene terminologische Ansätze diskutiert, wobei "Verhaltens- und Lernschwierigkeiten" als übergeordneter Begriff definiert wird.
3 Klassifikation der Erziehungsschwierigkeiten: Dieses Kapitel liefert eine systematische Einteilung der verschiedenen Erscheinungsformen von Schwierigkeiten unter Einbeziehung verschiedener Fachautoren.
4 Ursachen: Die Arbeit analysiert sowohl individuelle (endogene) als auch umweltbedingte (exogene) Ursachen und ergänzt diese durch tiefenpsychologische und lerntheoretische Erklärungsmodelle.
5 Maßnahmen: Hier stehen praktische pädagogische Hilfeleistungen, Psychohygiene und Möglichkeiten der Kooperation im Vordergrund, um auf Schwierigkeiten zu reagieren.
6 Verhaltensmodifikation (MUTZECK): Dieses Kapitel widmet sich den lerntheoretischen Methoden, um Verhalten durch Verstärkung, Löschung oder Bestrafung gezielt zu beeinflussen.
7 Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit einem Plädoyer für eine aktualisierte Lehrerbildung, die präventives Wissen zur Bewältigung der steigenden Anzahl an verhaltensschwierigen Kindern vermittelt.
Schlüsselwörter
Verhaltensschwierigkeiten, Lernschwierigkeiten, Grundschule, Erziehungsschwierigkeiten, Verhaltensmodifikation, Lerntheorie, Pädagogische Maßnahmen, Sozialkompetenz, Erziehungsstile, Prävention, Motivation, Leistungsdruck, Schulsituation, Psychohygiene, Individuelle Förderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt den Umgang mit Verhaltens- und Lernschwierigkeiten bei Kindern im Grundschulalter aus einer pädagogischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Klassifikation von Störungen, die Analyse der Ursachenkomplexe sowie konkrete pädagogische Maßnahmen zur Unterstützung im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch fundiertes Wissen über Ursachen und pädagogische Handlungselemente den Herausforderungen durch verhaltensschwierige Kinder effektiv begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufbereitung bestehender wissenschaftlicher Konzepte (z.B. von ORTNER, SCHRÖDER und MUTZECK) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Klassifikation der Erscheinungsformen, die detaillierte Ursachenforschung (endogen/exogen), pädagogische Hilfeleistungen und spezielle Ansätze der Verhaltensmodifikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verhaltensmodifikation, Lernschwierigkeiten, Erziehungsschwierigkeiten, Prävention und pädagogische Interventionsmaßnahmen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen endogenen und exogenen Ursachen?
Endogene Ursachen liegen primär in der betroffenen Person selbst (z.B. körperlich, psychisch, kognitiv), während exogene Ursachen durch Einflüsse aus der Umwelt entstehen (z.B. Familiensituation, Erziehungsstile, Schulsituation).
Welche Rolle spielt die Verhaltensmodifikation nach Mutzeck?
Die Verhaltensmodifikation dient dazu, durch gezielte Anwendung von Lernprinzipien – wie positive oder negative Verstärkung – das Verhalten systematisch zu beeinflussen, um leichtere Auffälligkeiten im schulischen Rahmen zu reduzieren.
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- Matthias Altmannsberger (Author), 2003, Verhaltens- und Lernschwierigkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12280