Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Hintergrund des Leuchtenden Pfades. 3
3 Organisation 4
3.1 Aufbau. 4
3.2 Unterstützer-Basis. 5
3.3 Rolle von Frauen und Kindern. 8
4 Ideologie. 8
4.1 Leitmotive. 11
4.2 Strategie. 12
4.3 Die fünf Entwicklungsstufen des Leuchtenden Pfades. 14
5 Die Schwächen des Leuchtenden Pfades. 15
6 Der Leuchtende Pfad und die peruanische Regierung - von der Leugnung zur Auslöschung
15
7 Zusammenfassung. 17
8 Bibiografie. 19
8.1.1 Buchquellen. 19
8.1.2 Zeitungen/Zeitschriften. 19
8.1.3 Internetquellen. 19
9 Anhang. 20
2
1 Einleitung
Am 23. Februar 2002 wurden in Kolumbien die damalige Präsidentschaftskandidatin der grü nen Partei Oxígeno Verde Ingrid Betancourt und deren Wahlkampfleiterin Clara Rojas von linksgerichteten Rebellen der FARC entführt, als sie sich während des Wahlkampfes in die Nähe des von den Rebellen kontrollierten Gebietes begaben. Entgegen mehrerer Warnungen von Militärposten hatten Betancourt und Rojas die Fahrt in das von den FARC kontrollierte Gebiet gewagt und wurden schließlich entführt. Mittlerweile befinden sich die beiden Frauen seit mehr als fünf Jahren in der Gewalt der Rebellen. 1
Auch zahlreiche andere Politiker und Privatpersonen wurden in den letzten Jahren Opfer ver schiedener lateinamerikanischer Guerillaorganisationen. Zu diesen zählen die FARC in Ko lumbien und Ecuador, das Ejército de Liberación Nacional, das Ejército Popular de Libera ción und die Bewegung des 19. April (M-19), ebenfalls in Kolumbien und Sendero Luminoso, der Leuchtende Pfad Perus. Letztere Bewegung, die Anfang der 1980´er Jahre in den peruani schen Universitäten und Städten aufkam, hatte zu seinen Hochzeiten mehrere Tausend Mit glieder.
Im folgenden soll der Leuchtende Pfad von Peru (Sendero Luminoso) genauer betrachtet werden. Dabei soll zuerst auf den historischen Hintergrund, der zur Entstehung der Organisa tion führte eingegangen werden. Es folgt die Beschreibung des Aufbaus sowie eine Betrach tung der Rolle von Frauen und Kindern im Leuchtenden Pfad. Außerdem werden die Leitmo tive und die Strategie der Organisation näher beschrieben. Im Anschluss sollen die Schwach punkte des Leuchtenden Pfades, die letztendlich zu dessen Niedergang führten erläutert wer den. Es folgt eine Betrachtung der Beziehung zwischen dem Sendero Luminoso und ihrem Gegner, der peruanischen Regierung. Am Ende steht die Schlussbetrachtung.
2 Hintergrund des Leuchtenden Pfades
Sendero Luminoso 2 entstand 1980 in Peru als eine der grausamsten Guerillabewegungen des 20. Jahrhunderts. Seinen Höhepunkt hatte die Gruppierung zwischen 1989 und 1992. Seine Macht leitete der SL vor allem aus ethnischen Faktoren her. Man erinnerte sich gemeinsam an die verloren gegangene Inka-Zivilisation und der SL versprach der indigenen Bevölkerung
1 Vgl. Ingrid Betancourt."http://betancourt.blogg.de/", Website, 20.01.2007
2 Anm.: Im Folgenden soll die Abkürzung SL für Sendero Luminoso stehen.
3
Perus, die Größe und Macht der Inka wieder auferstehen zu lassen. Der SL machte sich den Groll der indigenen Bevölkerungsschichten zunutze, die sich gegen die physischen Bestrafun gen, die Unterjochung und die Ausbeutung ihrer zumeist weißen Herren aufzulehnen began nen. SL wollte Peru in einem neo-maoistischen Rahmen in einen modernen Nationalstaat um wandeln und das bisher vorherrschende, veraltete System beseitigen. 3 Zum Untergang des SL 1992 führte vor allem dessen pyramidenförmiger Aufbau, an dessen Spitze der charismatische und gottähnlich verehrte Führer Abimael Guzmán Reynoso stand. Für die Mitglieder des SL war der diktatorhafte Guzmán das vierte Schwert des Marxismus, nach Marx, Lenin und Mao. Kernpunkte bei der Betrachtung des SL sind zum einen die Inka-Zivilisation und zum anderen die Unterjochung der indigenen Bevölkerung. Die Inka-Zivilisa tion bildet den Kernpunkt des indigenen Kampfes. Die Inka waren eine Nation, was Peru zur Zeit des SL im modernen Sinne nicht war. Die Inka verfügten damals über die politische Vor herrschaft, auch dies hatte Peru nicht. Seit dem frühen 16. Jahrhundert waren die Indigenen von Spaniern, später von England und noch später von den Vereinigten Staaten von Amerika unterjocht. Zu den Hinterlassenschaften der Unterjochung zählen sowohl Ausbeutung, Schul den als auch eine prinzipiell schlechte Gesamtentwicklung. Diese Situation bot den Nährbo den für die radikale und isolationistische SL-Ideologie. Daher entstand bei der Erinnerung dieser beider Aspekte innerhalb der indigenen Bevölkerung der Wunsch nach Verbundenheit, Größe, Erhabenheit und Macht. 4
3 Organisation
3.1 Aufbau
Der Leuchtende Pfad war durchdacht und effektiv aufgebaut und bestand aus einem pyrami denförmigen Gerüst, mit Guzmán als Präsident an der Spitze. Darüber hinaus gab es mehrere spezialisierte Abteilungen. Durch die Zellenstruktur ergab sich eine relativ hohe Sicherheit. Es gab eine militärische und eine politische Organisationsstruktur. Über beide herrschte Guz mán. Zur obersten Befehlsebene inklusive dem Präsidenten gehörten ein Zentralkomitee, be stehend aus 19-25 Personen, welches zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen bestand und den Kern der Partei bildete. Dieses Komitee entwickelte und verwaltete mit Hilfe von Guz
3 Vgl. Rochlin, James F. (1999) Vanguard Revolutionaries in Latin America: Peru, Colombia, Mexico. Lynne Rienner Publishers., Boulder, London, S.23
4 Vgl. ebd., S.24
4
mán politische Direktiven, strategische und taktische Richtlinien sowie eine Militärtaktik. Un ter dem Zentralkomitee standen die Militärkommission, nationale Konferenzkörperschaften und der Parteikongress. 5
All diese Abteilungen hatten den Vorsitz über spezialisierte Einheiten. Unter diesen befanden sich die Zellen, jede bestehend aus fünf bis neun Mitgliedern, wobei jeweils nur ein Mitglied in Kontakt zu einer höheren Zelle stand. Die Armee des Pfades war auf die verschiedenen geographischen Regionen unterteilt. In jeder Region befand sich ein Bataillon, bestehend aus je drei Kompanien. Jede dieser Kompanien bestand aus drei Platoons und jedes dieser Pla toons wiederum bestand aus neun bis zwölf Kämpfern. 6 Daraus ergibt sich pro Bataillon eine Kämpferanzahl von 81 bis 108 Personen. Diese waren für die Ausübung der militärischen und terroristischen Aktivitäten des SL zuständig. Es gab fuerzas locales und fuerzas bases, d.h. Unterstützer des Militärs, permanente und Teilzeitkämpfer. 7
Die Macht allerdings konzentrierte sich bei Guzmán. Platz für Andersdenkende gab es nicht. Durch die Zellenstruktur ergaben sich Klarheit, Effizienz und ein gewisses Maß an Sicher heit. 8 Das heißt, sollte es zur Auslöschung einer Zelle kommen, so hatte diese nur eine Kon taktperson zu einer anderen Zelle und damit auch nur einen möglichen Verräter. Abgesehen davon war diese Struktur für die Geheimdienste schwer zu durchschauen. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie Stärken des Pfades zugleich seine Schwächen waren. Ohne Guzmán konnte der Pfad nicht fortbestehen, die top-down-Hierarchie hingegen schreckte potentielle Unterstützer ab. 9
3.2 Unterstützer-Basis
1990 schätzte Guzmán die Größe des Pfades auf 23.430 bewaffnete Mitglieder. Außerdem ging man von ca. 50.000 bis 100.000 unbewaffneten Peruanern aus, die dem SL nahe standen. 86 Prozent der bewaffneten Truppen befanden sich in Ayacucho, Apurímac, Junín und Pasco. Die Unterstützer können in vier Gruppen unterteilt werden: Es gab die jungen Indigenen, die in Real-oder Mittelschulen in die SL-Ideologie eingewiesen wurden. Außerdem zählten viele Menschen aus den Elendsvierteln Limas zu den Unterstützern des SL. Zur dritten Gruppe ge
5 Vgl. Rochlin, James F. (1999) Vanguard Revolutionaries in Latin America: Peru, Colombia, Mexico. Lynne Rienner Publishers., Boulder, London, S. 58
6 Vgl.ebd.
7 Vgl. ebd., S. 59
8 Vgl. ebd., S. 60
9 Vgl. ebd.
5
hörten Mittelklasse-Studenten, die an größeren Universitäten studierten. Schließlich gab es noch die Gruppe der Mitglieder des Narcotráfico, die zumeist im Dschungel des Huallaga Tals lebten. 10
SL profitierte von der Unfähigkeit der Velasco-Regierung, von deren wirtschaftlichem Miss management, der kaum durchgesetzten Landreform und letztendlich natürlich von deren Un fähigkeit, etwas gegen den SL zu unternehmen. All dies trieb immer mehr Peruaner in die of fenen Arme des SL, da weder die Rechte noch die Linke in Peru handlungsfähig zu sein schi en. Nach dem Untergang der Velasco-Regierung (1975) jedoch kam die Demokratie in beiden Amerikas immer mehr in Mode und auch die Peruaner strebten nach deren Einrichtung. Selbst die 1985 gewählte APRA-Partei konnte ihre Wahlversprechen nicht halten, wodurch sich die Unterstützerbasis für SL nochmals vergrößerte. 11
Ab Mitte der 1990´er Jahre verschlechterte sich die Lage Perus unter der García-Regierung extrem. Peru galt als untauglicher Kreditnehmer, da keine Schulden zurückbezahlt wurden. Die Inflation stieg und die Armut wurde immer größer. Als Reaktion folgten Investitionsab bau und Kapitalflucht. Dies veranlasste Präsident Fujimori ab 1990 dazu, seinen sogenannten ‘Fujishock‘, einen Sparplan, der Peru aus seiner Lage befreien sollte, einzuleiten. 20-50 Pro zent der Bewohner Limas wurden so in den frühen 1990´ern in die Suppenküchen gezwun gen, ¾ der Bevölkerung litt an Mangelernährung, war arbeitslos oder unterbeschäftigt. All dies verursachte Wut auf die Regierung und brachte SL wieder einmal mehr Zulauf. Zu den Mitgliedern zählten nun auch Bauern, Industriearbeiter aus Lima, die kleine Bourgeoisie (d. h. Lehrer, Bürokraten und kleine Einzelhändler) sowie Lehrer und Professoren, die für die späteren „Rekrutierungen“ verantwortlich waren. Fast alle Anführer des Pfades stammten aus der Ayacucho-Region. Lehrer und Professoren, die von der Regierung versetzt wurden, rekru tierten folglich in ganz Peru neue Mitglieder für SL. Studenten, Lehrer und Professoren wand ten sich zu SL, da sie hier einen regelmäßigen Lohn erwarten konnten. Für viele von ihnen gab es kaum Aussichten auf eine Anstellung, daher betrachtete man den SL als Alternative zu einer normalen Anstellung. Die Bewohner der Elendsviertel hingegen hatten fast gar keine an dere Perspektive, da sie sowieso keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hatten. 12
10 Vgl.ebd., S. 39
11 Vgl.ebd., S. 39f
12 Vgl. ebd., S. 41f
6
Arbeit zitieren:
Claudia Adler, 2006, Guerillabewegungen in den Andenländern am Beispiel des Leuchtenden Pfades von Peru, München, GRIN Verlag GmbH
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