Gliederung
Abbildungen. 3
Tabellen 3
1. Einleitung. 5
1.1. Problemstellung 6
1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise 8
2. Information als Instrument der Verbraucherpolitik 10
2.1. Stellenwert in der deutschen Verbraucherpolitik. 10
2.2. Eigenschaften und Bedeutung 12
2.2.1. Definition und Eigenschaften 12
2.2.2. Ziele, Aufgaben und Wirkungen 13
2.2.3. Informationsquellen 14
2.3. Einflüsse auf das Informationsverhalten der Konsumenten 19
2.3.1. Informationsbedarf. 19
2.3.2. Psychische Grundlagen des Informationsverhaltens 21
2.3.2.1. Aktivierende Prozesse. 22
2.3.2.2. Kognitive Prozesse 24
2.3.3. Einflüsse auf die Kaufentscheidung 26
2.4. Fazit 28
3. Methoden der Verbraucherinformation 30
3.1. Verbraucherpolitische Konzeptionen und Leitbilder. 30
3.1.1. Verbraucherleitbilder 30
3.1.2. Verbraucherpolitische Konzeptionen 33
3.2. Instrumente und Strategien der Informationsvermittlung. 44
3.2.1. Instrumente 44
3.2.2. Strategien 46
3.3. Fazit 50
4. Praxis der Verbraucherpolitik. 52
4.1. EU-Kommissariat für Gesundheit und Verbraucherschutz 53
4.2. Staatlicher Verbraucherschutz in Deutschland 58
4.3. Private Organisationen. 63
4.3.1. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) 64
4.3.2. Die Stiftung Warentest. 67
4.3.3. Bundesverband Verbraucherinitiative e.V. 69
4.4. Fazit 72
5. Schlussbetrachtung und Ausblick. 74
6. Zusammenfassung 76
Literaturverzeichnis 78
Anhang. 90
Anhang A: Haushalt des BMELV 2006-2008. 90
Anhang B: Mitgliedsverbände der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
(vzbv) 91
2
Abbildungen
Abb. 1: Übersicht konsumrelevanter Informationen .............................................15 Abb. 2: Quellen der Verbraucherinformation nach Vahrenkamp..........................16 Abb. 3: Quellen der Verbraucherinformation nach Kuhlmann .............................18 Abb. 4: Einflüsse auf das Informationsverhalten...................................................21 Abb. 5: Positionierung von Verbraucherleitbildern...............................................31 Abb. 6: Elemente einer staatlichen Verbraucherinformationspolitik ....................46
Tabellen
Tab. 1: Art der Entscheidung in Abhängigkeit vom Involvement.........................27 Tab. 2: Verbraucherpolitische Ziele und Strategien nach Kroeber-Riel ...............49 Tab. 3: Übersicht der Arbeitsbereiche der EU-Kommission für Gesundheit und
Verbraucherschutz .........................................................................................54 Tab. 4: Budgetplan des Arbeitsprogramms 2007 der EU-Kommission für
Verbraucherschutz .........................................................................................56 Tab. 5: Arbeitsbereiche des BMELV ....................................................................59 Tab. 6: Übersicht Arbeitsbereich Verbraucherschutz der Abteilung 2 des BMELV
.......................................................................................................................59 Tab. 7: Anteile Verbraucherpolitik und -information am Gesamthaushalt...........63
Tab. 8: Arbeitsbereiche des vzbv...........................................................................64
Abkürzungen
ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club AGBG Gesetz über allgemeine Geschäftsbedingungen AgV Arbeitsgemeinschaft Verbraucherverbände BEUC Bureau Européen des Unions de Consommateurs BMELF Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten BMELV Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz BMG Bundesministerium für Gesundheit BMVEL Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft BMW Bundesministerium für Wirtschaft BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BSE Bovine Spongiforme Enzephalophatie BVL Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit CI Consumer International CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CSR Corporate Social Responsibility DGB Deutsche Gewerkschaftsbund EG Europäische Gemeinschaft EU Europäische Union EuGh Europäischer Gerichtshof ICRT International Consumer Research and Testing Mio. Million Mrd. Milliade USA Vereinigte Staaten von Amerika UWG Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb VSV Verbraucherschutzverein vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
4
1. Einleitung
Seit dem Höhepunkt der BSE-Krise 2001 und der darauf folgenden Einrichtung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) 1 ist Verbraucherpolitik ein Thema, das aus dem öffentlichen Geschehen kaum mehr wegzudenken ist 2 . Sendungen wie die ARD-Ratgeber zu verschiedenen Themenbereichen, aber auch „Raus aus den Schulden“ auf rtl oder „AllesTester im Einsatz“ auf Sat.1 bezeugen das allgemeine Interesse an der Thematik. Doch was genau bedeutet Verbraucherpolitik? Aufgrund der Vielfältigkeit der beteiligten Disziplinen, wie etwa Wirtschaftspolitik, Sozialpsychologie, Rechtswissenschaft und Soziologie, gestaltet sich eine eindeutige Definition schwierig 3 . Recht umfassend ist die Definition nach Scherhorn 4 : Verbraucherpolitik wird dort als Förderung des Verbraucherinteresses definiert, dabei nimmt sie speziell Aufgaben zur Abwendung sozialer Härten, zur Förderung der effizienten Versorgung mit Konsumgütern und Diensten sowie zur Sicherung der Verbraucherposition wahr. Diese Definition soll hier Anwendung finden, auch wenn durchaus andere Auslegungen denkbar sind 5 . Weiterhin sollen die Begriffe Verbraucher und Konsument in dieser Arbeit synonym verwandt werden, als Person, welche Waren und Dienstleistungen zur privaten Verwendung nutzt 6 und als Akteur im Marktgeschehen 7 . Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Vermittlung von Verbraucherinformation. Verbraucherinformation ist von herausragender Bedeutung für die Verbraucherpolitik 8 , sie unterstützt den gesamten Entscheidungsprozess des Konsumenten 9 .
1 Das Ministerium wurde dann am 22.11.2005 in Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) umbenannt.
2 Sinn 2003, S.281, Reisch 2005, S.441
3 Kuhlmann 1990, S.1
4 Scherhorn 2000, S.757ff
5 Kuhlmann 1990, S.6ff
6 v. Hippel 1986, S.3
7 Hansen, 2003, S.3
8 Schoenheit 1986, S.102
9 Koscielny 1977, S.253
5
1.1. Problemstellung
Verbraucherpolitik als eine Förderung des Verbraucherinteresses 10 wird in den USA seit etwa 100 Jahren und in Europa seit dem 2. Weltkrieg praktiziert 11 . Genauso lange wird auch über ihre Existenz und Notwendigkeit diskutiert. Es gibt allerdings unbestreitbar verschiedene Elemente, welche einen negativen Einfluss auf die Markttransparenz 12 haben. Diese rechtfertigen ein informationsorientiertes Eingreifen in das Marktgeschehen 13 . Im Folgenden sollen diese verschiedenen Einflüsse kurz dargestellt werden. Seit der Zeit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts sind sowohl Produkte als auch Produktionsprozesse immer differenzierter geworden 14 . Die Qualität der in Anspruch genommenen Güter und Dienstleistungen ist vom Verbraucher seitdem immer schwerer zu beurteilen. Hinzu kommen immer ausgefeiltere Marketingtechniken und neue Herausforderungen durch Internationalisierung und Globalisierung der Märkte 15 . Das Informationsgefälle zwischen Produzent und Konsument ist so stetig gewachsen 16 . Asymmetrische Informationsverteilung zwischen Anbieter und Nachfrager wirkt sich negativ auf die angebotene Qualität aus und kann bis zum Marktversagen 17 führen. Dies betrifft vor allem Vertrauenseigenschaften 18 . Bei diesen Gütern lässt sich die Qualität vom Konsumenten kaum oder nur mit großem Aufwand selbst feststellen. Durch Unsicherheit über die Qualität von Gütern entstehen weiteren Problemen: Adverse Selektion 19 führt zu einer systematische Verdrängung guter Qualitäten vom Markt 20 , durch Moral Hazard 21
10 Scherhorn 2000, S.757ff
11 Kuhlmann 1990, S.17
12 Markttransparenz bezeichnet den Grad des Wissens über Marktvorgänge, vor allem über das
Verhalten anderer Marktteilnehmer und über Marktkonditionen. In: Gabler 2000, S.2071
13 Reisch 2004, S.21, Sinn 2003, S.289
14 v. Hippel 1986, S.4, Kuhlmann 1990, S.21f sowie Reisch 2004, S.21
15 v. Hippel 1986, S.4, Mitropoulos 1996, S.23 sowie Hansen 2003, S.7
16 Kraft 1999, S.4f, Hansen 2003, S.21
17 Bei Marktversagen ist die optimale Güterallokation in Bezug auf ein Referenzsystem nicht mehr
gegeben, daraus ergibt sich ein wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf. In: Gabler 2000, S.2072
18 Darby und Karni 1973, S.67f.
19 Adverse Selektion kann ex-ante durch Informationsdefizite zugunsten des Anbieters bei Gütern
mit Vertrauenseigenschaften entstehen. Durch die Unsicherheit über die Qualität des Gutes ist der
Nachfrager nicht bereit, einen angemessenen Preis für gute Qualitäten zu bezahlen, daher werden
diese langfristig den Markt verlassen und nur noch schlechte Qualitäten angeboten werden.
In: Gabler 2000, S.51, Akerlof 1970, S.490
20 Akerlof 1970, S.490, Nelson 1970, S.311ff
21 Moral Hazard kann ex-post durch Informationsdefizite entstehen. Das Verhalten des besser
Informierten beeinflusst dabei das des schlechter Informierten. In: Gabler 2000, S.2170
6
entstehen Wohlfahrtsverluste, da Einzelne ihren Nutzen auf Kosten anderer maximieren 22 .
Diese Probleme könnten bis zu einem gewissen Punkt auch ohne Eingreifen des Staates gelöst werden, zum Beispiel durch „Signaling“ und „Screening“ 23 . Dabei bezeichnet „Screening“ die Suche nach Information über den Anbieter durch den Verbraucher. Durch „Screening“ versucht wiederum der Anbieter die guten Eigenschaften seines Produktes an den Verbraucher zu vermitteln. Durch diesen Mechanismus lässt sich der Adversen Selektion bis zu einem gewissen Punkt entgegenwirken 24 .
Allerdings weist das Instrument Verbraucherinformation selbst einige Besonderheiten auf, welche wiederum ein staatliches Eingreifen unumgänglich machen 25 . Da Informationen Züge eines öffentlichen Gutes tragen, gestaltet es sich schwierig, die Kosten der Informationsbeschaffung und -bereitstellung auf die Verwender umzulegen. Öffentliche Güter sind gekennzeichnet durch Nichtrivalität und Nichtausschließbarkeit 26 . Für das Gut Verbraucherinformation entstehen vor allem bei der Gewinnung Kosten, kaum noch bei seiner Verteilung. Diese Nichtrivalität bei der Bereitstellung von Information wird für private Produzenten von Information zu einem Problem, da gleichzeitig auch durch die Nichtausschließbarkeit von der Nutzung der Information keine
Zahlungsbereitschaft für diese besteht. Dies kann zu Trittbrettfahrerverhalten führen, das heißt, es besteht die Möglichkeit auch ohne Bezahlung die Information zu nutzen 27 . Diese Gründe führen zu einem Marktversagen für das Gut Information, es entsteht keine effiziente Allokation des Gutes allein über den Marktmechanismus 28 . Für nichtkommerzielle Anbieter ist dieses Problem nicht gegeben, eine möglichst weite Verteilung der Information zu möglichst geringen Kosten ist hier durchaus wünschenswert. Auch die positiven externen Effekte 29 des Gutes Verbraucherinformation 30 lassen sich nutzen. Diese können dadurch entstehen, dass durch das Informationsverhalten Einzelner positive Wirkungen auf
22 Reisch 2004, S.21
23 Schumacher 1994, S.43
24 Mitropoulos 1996, S.337f
25 Mitropoulos 1996, S.326 ff
26 Gabler 2000, S.2291
27 Mitropoulos 1996, S.327f, Reisch 2004, S.21, Sinn 2003, S.281ff
28 Gabler 2000, S.2072
29 Externe Effekte sind Auswirkungen einer wirtschaftlichen Aktivität, die nicht einem Urheber
zugerechnet werden können. Sie entstehen bei öffentlichen Gütern und führen zu einem
Marktversagen. In: Gabler 2000, S.1036
30 Reisch 2002, S.293
7
die angebotenen Qualitäten und günstigere Preise erreicht werden können. Davon würden dann alle Konsumenten profitieren, auch wenn diese keine eigenen Informationskosten hätten 31 .
Ein staatliches Eingreifen gerade im Bereich der Verbraucherinformation ist daher notwendig. Doch es stellt sich die Frage nach der Art dieser Intervention. Sollen Information bloß bereitgestellt werden, oder soll versucht werden, das gewünschte Verhalten des Verbrauchers durch soziopsychologische Techniken zu erreichen? Ein wichtiger Ausgangspunkt ist hierbei das der Verbraucherpolitik zugrunde liegende Verbraucherleitbild. Dies kann vom informierten und interessierten „homo oeconomicus“ bis zum unwissenden und ungebildeten Verbraucher, der vom Marketing in jede gewünschte Richtung gelenkt werden kann, reichen 32 . Abschließend steht die Verbraucherpolitik auch immer mehr in der Pflicht, ihre Erfolge an harten Fakten zu belegen 33 . Kritisiert wird neben der mangelhaften Erforschung der Zielgruppen besonders die unzureichende Auswertung der Ergebnisse verbraucherpolitischer Maßnahmen 34 . Dabei ist gerade bei begrenzten Ressourcen eine strategische Planung und Kontrolle der Maßnahmen mehr als sinnvoll 35 .
1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel dieser Arbeit soll eine Statusanalyse der aktuellen Situation der Verbraucherschutzarbeit, insbesondere der Informationsvermittlung in Deutschland und EU sein, sowie eine Analyse bestehender Theorien und ein Ausblick auf neue Formen der Informationsvermittlung z.B. durch Nutzung verhaltenswissenschaftlicher Methoden.
Zu diesem Zweck soll im ersten Kapitel das Instrument Verbraucherinformation analysiert werden. Seine Bedeutung und Determinanten sollen genauer herausgestellt werden und seine Rolle in der deutschen Verbraucherpolitik der Nachkriegszeit betrachtet werden. Im zweiten Kapitel soll vertiefend auf Methoden der Verbraucherinformation eingegangen werden. Aufbauend auf einer Darstellung des theoretischen Hintergrunds der Verbraucherpolitik sollen dazu Instrumente und Strategien der Informationsvermittlung erörtert werden.
31 Mitropoulos 1996, S.328, Reisch 2004, S.21, Sinn 2003, S.281ff
32 Kuhlmann 1990, S.29ff
33 Kuhlmann 1990, S.25, Kroeber-Riel und Weinberg 2003, S.693
34 Kroeber-Riel 2003, S.695
35 Kuhlmann 1990, S.441
8
Anschließend soll im dritten Kapitel ein Überblick der aktuellen Situation des Verbraucherschutzes gegeben werden. Neben der Situation in Deutschland soll auch die Arbeit der EU-Kommission für Gesundheit und Verbraucherschutz dargestellt werden. Dabei soll besonders die Art der Informationsvermittlung in Hinblick auf die ersten beiden Teile und nach Möglichkeit hinsichtlich ihrer Nützlichkeit, Nutzbarkeit und Nutzung 36 untersucht werden.
36 Diller 1978 S.24ff
9
2. Information als Instrument der Verbraucherpolitik
In diesem Teil soll das Instrument Verbraucherinformation genauer betrachtet und seine Bedeutung herausgestellt werden. Dazu soll einleitend in Kapitel 2.1. die Bedeutung des Instrumentes Verbraucherinformation in der deutschen Verbraucherpolitik der Nachkriegszeit dargelegt werden. Anschließend soll in Kapitel 2.1. zuerst eine Charakterisierung des Instrumentes vorgenommen werden und dann verschiedene Möglichkeiten der Kategorisierung von
Verbraucherinformation diskutiert werden. Abschließend sollen dann in Kapitel 2.3. Einflüsse auf das Informationsverhalten der Konsumenten dargestellt werden und ein kurzer Überblick ihrer Wirkung auf die Kaufentscheidung gegeben werden.
2.1. Stellenwert in der deutschen Verbraucherpolitik
In der Nachkriegszeit gewann Verbraucherpolitik in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Orientierung an der reinen Wettbewerbspolitik wurde als nicht mehr ausreichend angesehen 37 . Verbraucherinformation galt nun als das optimale Mittel, den rationalen Verbraucher bei den auftretenden Problemen zu unterstützen 38 . Vorreiter der Verbraucherpolitik in den 60er Jahren waren die USA. Schon 1962 verkündete Präsident Kennedy die Grundrechte des Verbrauchers auf Sicherheit, Information, Auswahl und Anhörung 39 . Der dadurch entstehende Bedeutungsaufschwung der Verbraucherpolitik belebte auch die amerikanische Consumerism 40 -Bewegung neu 41 . Dies hatte auch Einfluss auf die deutsche Verbraucherpolitik 42 . 1971 und 1975 veröffentlichte die Bundesregierung ihren ersten und zweiten Bericht zur Verbraucherpolitik 43 . Verbraucherinformation wurde dabei als Mittel gesehen, den Verbraucher über wirtschaftliche Zusammenhänge und richtiges Marktverhalten in Kenntnis zu setzen. Gezielte Produktinformationen wurden für den rationalen,
37 Vahrenkamp 1991, S.13
38 Reisch 2004, S.14
39 v.Hippel 1986, S.6 und S.281-290 Abdruck der Verbraucherbotschaft Kennedys vom 15.3.1962,
Vahrenkamp 1991, S.14 sowie Reisch 2004, S.14
40 Consumerism bezeichnet den Zusammenschluss von Konsumenten, welche durch
Oppositionstechniken wie Boykott versuchen ihre Marktmacht zu erhöhen. In: Selter 1982, S.25
41 Vahrenkamp 1991, S.14
42 Hansen u. Stauss 1982, S.4
43 v.Hippel 1986, S.9f und S.295-332 Abdruck des 2.Berichts der Bundesregierung zur
Verbraucherpolitik vom 20.10.1975
10
informationssuchenden Verbraucher nicht als notwendig erachtet 44 . Aber die wissenschaftliche Diskussion über Ziele und Strategien der Verbraucherpolitik wurde damit auch in Deutschland angeregt 45 . Ebenfalls 1975 veröffentlichte die EG 46 ihr erstes Verbraucherschutzprogramm. Zwar wurde das Recht auf Information erst im Vertrag von Amsterdam 1997 festgelegt 47 , doch schon hier wurde die Bedeutung von Verbraucherinformation für die objektive Beurteilung von Gütern und Dienstleistungen durch den Verbraucher festgestellt 48 . Ihren Höhepunkt fand die deutsche Verbraucherforschung in den 70er Jahren. Die in dieser Zeit entwickelten verbraucherpolitischen Konzeptionen waren deutlich interventionistischer als die Modelle der 60er Jahre. Die Bedeutung der Verbraucherinformation war nun nicht mehr zentral, wichtiger war die aktive Partizipation der Verbraucher am Markt 49 . Durch die beginnende Weltwirtschaftskrise Mitte der 70er Jahre kam es dann zu einem allmählichen Bedeutungsverlust der Verbraucherpolitik 50 . Die in den 80er Jahren entwickelten Konzeptionen wurden zunehmend interventionskritisch, von staatlicher Seite wurde sich wieder mehr auf die reinen Wettbewerbsaspekte konzentriert 51 . Gleichzeitig verändert sich auch das Verbraucherleitbild. In den 60er Jahren noch aus 52 . vom rationalen, aktiv informationssuchenden Verbraucher
Dementsprechend war auch die Verbraucherinformation ausgerichtet: vor allem Informationen über Marktmechanismen schienen notwendig, Informationen zum Produkt nur hinsichtlich seiner Eignung zur akuten Bedürfnisbefriedigung 53 . In den 80er Jahren wurde zunehmend festgestellt, dass sowohl die Informationswilligkeit als auch die Informationsfähigkeit der Konsumenten beschränkt sind. Auch betrifft das Interesse des Verbrauchers über die reine Produkteigenschaft hinaus auch die gesamte Wertschöpfungskette des Produktes 54 . Es zeichnete sich der Bedarf nach einer gezielteren
44 v.Hippel 1986, S.296
45 Vahrenkamp 1991, S.13f
46 Am 25.3.1957 wurde als Teil der Römischen Verträge die Europäische Gemeinschaft, kurz EG
gegründet. Mit dem Vertrag von Maastricht vom 7.2.1992 wurde dann die EU als übergeordneter
Verband geschaffen. In: Europa 2007a
47 Reichenbach 1998, S.162f
48 v.Hippel 1986, S.463
49 Reisch 2004, S.15f, Müller 2005, S.7
50 Vahrenkamp 1991, S.14, Reisch 2003, S.9
51 Kuhlmann 1990, S.25, Mitropoulos 1996, S.72 sowie Reisch 2004, S.16
52 v.Hippel 1986, S.296, Reisch 2004, S.14
53 v.Hippel 1986, S.296, Hansen 2003, S.6
54 Kruppa 1986, S.18f, Hansen 2003, S.5f
11
Informationspolitik ab. Doch erst Ende der 90er Jahre erfuhr die Verbraucherpolitik und mit ihr die Verbraucherinformation im Zuge der BSE-Krise eine Wiederbelebung 55 . In ihrem verbraucherpolitischen Bericht von 2003 der Bundesregierung wird Verbraucherinformation als wichtiges Instrument zum Schutz des Verbrauchers vor Risiken bezeichnet 56 . Ebenfalls 2003 veröffentlicht der wissenschaftliche Beirat „Verbraucher- und Ernährungspolitik“ des BMELV das Konzeptpapier „Verbraucherinformation als Instrument der
Verbraucherpolitik“, in dem die Bedeutung des Instrumentes und seine Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten erörtert wird 57 . Auch der aktuelle Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sieht im Instrument Verbraucherinformation eine große Relevanz zur Unterstützung der Markt 58 . Position des Konsumenten am Von Seiten der
Verbraucherorganisationen wird der immer noch geringe Stand der verbraucherpolitisch orientierten Forschung bemängelt 59 . Auch wird der Zugang zu Information trotz des für 2008 geplanten Verbraucherinformationsgesetzes immer noch als nicht ausreichend erachtet 60 .
2.2. Eigenschaften und Bedeutung
In diesem Teil soll das Instrument Verbraucherinformation genauer analysiert werden. Nach Definition und Begriffsabgrenzung soll auf die speziellen Eigenschaften des Instruments eingegangen werden. Es folgt eine Betrachtung von Ziele und Wirkungen von Verbraucherinformation, anschließend sollen verschiedene Informationsquellen darstellt und mögliche Kategorisierungen diskutiert werden.
2.2.1. Definition und Eigenschaften
Information im Allgemeinen lässt sich definieren als den Teil einer Nachricht, der für den Konsumenten neu ist und sein Urteil zu Daten oder Ereignissen verändert 61 . Verbraucherinformation im Speziellen soll dem Konsumenten möglichst aktuelle Informationen zu Güterangebot und Konsummöglichkeiten
55 Reichenbach 1998, S.162, Reisch 2002, S.292
56 Reisch 2004, S.10
57 Hansen 2003
58 Seehofer 2007, S.2ff
59 Farsang u. Reisch 2003, S.70-148
60 Reisch 2002, S.294, Sinn 2003, 289 sowie Reisch 2004, S.11
61 Gabler 2000, S.1517
12
über verschiedene Kommunikationskanäle Als
Verbraucherinformationspolitik lässt sich schließlich die Gesamtheit aller Aktivitäten ordnungs- und ablaufpolitischer Art bezeichnen, durch die der aktuelle Informationsstand der Verbraucher verbessert wird 63 . Dies kann z.B. durch Testberichte, Broschüren oder auch Fernsehsendungen erfolgen 64 . Durch die Bereitstellung von Information soll der Verbraucher indirekt dabei unterstützt werden, ihm vorteilhafte Konsumentscheidungen zu treffen 65 . Der Übergang zum Instrument Verbraucherbildung ist dabei, abhängig von der Art der Informationsvermittlung, fließend 66 .
2.2.2. Ziele, Aufgaben und Wirkungen
Ziel der Verbraucherinformation ist es, Markttransparenz hinsichtlich von Preisen und Qualitäten für den Verbraucher zu schaffen 67 und auf diese Weise seine Informationsdefizite zu beheben 68 . Die Markteffizienz soll so erhöht werden 69 und dem Verbraucher die Erreichung seiner Konsumziele erleichtert werden 70 . Dabei liegt der Schwerpunkt besonders auf jenen Informationen, welche durch die Anbieter nicht vermittelt werden, wie etwa Informationen zu alternativen Konsummöglichkeiten und Produkten sowie über mögliche Nachteile der Produkte und des Konsums selbst 71 . Um dieses Ziel möglichst effizient zu erreichen, ist die Art der Vermittlung der Informationen von großer Bedeutung 72 . Dabei sollten die drei Faktoren Nützlichkeit, Nutzbarkeit und tatsächliche Nutzung der Information seitens des Konsumenten besondere Beachtung finden 73 . Sie bieten die Möglichkeit, Schwachstellen auf dem Weg der Informationsvermittlung aufzudecken und unterstützen die ex-ante Entwicklung von effizienten Informationsstrategien 74 . Die Nützlichkeit einer Information äußert sich in ihrer Möglichkeit, dem Verbraucher Konsumentscheidungen zu
62 Gabler 2000, S.3228
63 Vahrenkamp 1991, S.114
64 Gottschalk 2001, S.166
65 Gottschalk 2001, S.189, Hansen 2003, S.11
66 Schoenheit 1986, S.101, Hansen 2003, S.2
67 Kuhlmann 1990, S.84, Hansen 2003, S.4
68 Reisch 2004, S.35
69 Kuhlmann 1990, S.84
70 Diller 1978, S.24, Kruse 1979, S.40, Reisch 2002, S.293 sowie Hansen 2003, S.11
71 Schoenheit 1986 S.98f, Kuhlmann 1990, S.337 sowie S.98f, Gottschalk 2001, S.162
72 Diller 1978, S.25, Seel 1998, S.103
73 Miller et al. 1977, S.70
74 Diller 1978, S.24
13
erleichtern 75 . Eine Information kann nur dann Nutzen stiften, wenn ein entsprechendes Informationsdefizit besteht 76 . Zuallererst sollte daher eine Analyse des tatsächlichen Bedarfs erfolgen 77 . Die Nutzbarkeit einer Information bezieht sich darauf, ob der Konsument kognitiv in der Lage ist, sie in ihrer Darbietungsform aufzunehmen und zu verarbeiten 78 . Dies betrifft die inhaltliche und formale Darbietung der Information und die persönliche Prädisposition des Konsumenten 79 . Damit die Information nutzbar ist, darf dem Konsumenten keine unverhältnismäßig hohe Anstrengung bei der Aufnahme und Verarbeitung abverlangt werden 80 . Die Nutzung der Information bezieht sich schließlich auf ihre Wirkung. Hier ist zu untersuchen, ob die zu einen bestimmten Zeitpunkt und Ort über den gewählten Kommunikationskanal dargebotene Information einen beträchtlichen Teil der Zielgruppe erreicht und von diesen bei ihrer Entscheidung auch berücksichtigt wird 81 .
Die anschließende Wirkung der genutzten Information beim Konsumenten führt zu drei verschiedenen wünschenswerten Effekten: dem Lenkungseffekt, dem Stabilisierungseffekt und dem Emanzipationseffekt 82 . Durch den Lenkungseffekt senkt Information das Risiko von Fehlentscheidungen. Der Konsument hat so die Möglichkeit, das Produkt zu konsumieren, welches seine tatsächlichen Bedürfnisse am besten befriedigt. Weiterhin trägt sie stabilisierend dazu bei, negative Entscheidung und damit enttäuschte Erwartungen zu vermeiden. Dies wirkt sich auch für die Anbieter positiv aus, welche so Verbraucherreaktionen besser kalkulieren können. Schließlich wirkt Verbraucherinformation auch emanzipatorisch. Konsumenten können ihre Rolle im Marktgeschehen durch die verbesserte Ausstattung mit Wissen und Argumenten besser wahrnehmen. Dies wirkt sich auch positiv auf ökologischen und sozialen Konsum aus.
2.2.3. Informationsquellen
Verschiedene Arten von Informationen sind für eine Kaufentscheidung von Bedeutung. Ein Teil dieser Informationen sind dabei schon im Besitz des
75 Diller 1978, S.25
76 Raffée u. Silberer 1975, S.4ff
77 Diller 1978, S.29
78 Diller 1978, S.25
79 Diller 1978, S.30
80 Diller 1978, S.34, Reisch 2004, S.31
81 Diller 1978, S.25
82 Gottschalk 2001, S.169f
14
Konsumenten, Andere sind von externen Quellen erhältlich 83 . Die folgende Abbildung gibt einen Überblick zu den konsumrelevanten Informationen:
Die für eine Kaufentscheidung notwendigen Informationen lassen sich in zwei Hauptbereiche einteilen, dem Grundwissen und den aktuell relevanten Informationen. Das Grundwissen bildet den informellen Hintergrund des Konsumenten. Es kann sich marktbezogen auf Kenntnisse über die Funktionsweise des Marktes beziehen oder produktbezogen auf allgemeine Kenntnisse zum Produkt selbst. Informationsbezogenes Grundwissen ermöglicht schließlich, Informationsquellen zu erkennen und sie hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Bedeutung einzuordnen. Aktuell relevante Informationen werden für die konkrete Konsumentscheidung benötigt. Sie können sich branchen- oder marktspezifisch auf den gesamten Markt des Produktes 85 beziehen oder produzentenspezifisch auf konkrete Anbieter oder Hersteller des Produktes 86 . Weiterhin können sie produktspezifische Informationen zur Produktkategorie 87 oder produktindividuelle Informationen 88 darstellen. Es bieten sich verschiedene Arten der Kategorisierung der
entscheidungsrelevanten Informationen an. An dieser Stelle soll auf drei Varianten eingegangen werden. Vahrenkamp 89 versucht mit seiner Art der
83 Vahrenkamp 1991, S.25ff
84 eigene Darstellung nach Vahrenkamp 1991, S. 25ff
85 z.B. Marktform, Anbieterstruktur, Preise und Qualitäten, Substitute und Komplemente
86 z.B. Verkaufsmethoden, Verhalten bei Garantiefällen
87 z.B. Qualitätsmerkmale, subjektive Einschätzung (Design, Nützlichkeit)
88 z.B. konkrete Verarbeitung, individuelle Haltbarkeit
89 Vahrenkamp 1991, S.28f
15
Einteilung eine möglichst wertungsfreie Kategorisierung nach der Herkunft der Information. Dies trifft auch auf die weniger detaillierte Enteilung nach Gottschalk zu 90 . Die Einteilung nach Kuhlmann 91 in interessengebundene und nicht-interessengebundene Quellen hat hingegen einen deutlich wertenderen Charakter.
Die folgende Abbildung gibt einen Überblick zur Einteilung nach Vahrenkamp 92 :
Es wird dabei zwischen internen und externen Quellen unterschieden. Interne Informationsquellen bestehen aus der eigenen Bildung sowie dem Wissen aus vorherigen Käufen und Informationssuchen. Der Nachteil dieser Quelle ist ihre mangelhafte Zuverlässigkeit und ihrer Subjektivität. Vorteile bieten sich vor allem bei Routinekäufen. Externe Quellen werden vor allem bei komplexeren Entscheidungen genutzt. Die Informationen können hier von der Verbraucherseite, der Anbieterseite oder von Dritten kommen. Informationen der Verbraucherseite können aus persönlicher Inspektion, aus Beobachtung und Gesprächen mit anderen Verbrauchern oder auch von
90 Gottschalk 2001, S.163
91 Kuhlmann 1990, S.86 und 340f
92 Vahrenkamp 1991, S.28f
93 eigene Darstellung nach Vahrenkamp 1991, S.29
16
Verbraucherselbstorganisationen 94 gewonnen werden. Dabei nimmt die Objektivität der Quelle von der Eigenbeobachtung zur
Verbraucherselbstorganisation zu. Auch die Beobachtung und Befragung anderer Verbraucher ist nur mit Einschränkungen nutzbar, da deren Grundwissen und ihre Präferenzen schwer zu beurteilen sind. Informationen von der Anbieterseite bilden im Allgemeinen den größten Teil der externen Informationen. Es kann sich dabei um Informationen vom Produzenten selbst oder um Verbandsinformationen handeln. Produzenteninformationen entstehen für den Anbieter kostengünstig als Kuppelprodukte der Produktion. Allerdings wird der Anbieter versuchen, negative Informationen zu verschweigen und Positive hervorzuheben. Typische Produzenteninformationen sind Produktkennzeichungen auf der Verpackung und Produktinformationen wie Beipackzettel. Beide ergänzen sich und erleichtern die Vorstrukturierung für den Konsumenten. Weitere Möglichkeiten sind Kundenberatungen und Werbung, deren informativer Charakter allerdings umstritten ist. Schließlich können auch Bestätigungen von Experten, z.B. in Form von Zertifikaten, genutzt werden, um die eigene Information vertrauenswürdiger zu machen. Verbände bieten vor allem branchenspezifische Informationen und betreiben Medienarbeit wie z.B. die CMA. Auch hier findet sich, wie bei der Produzenteninformation, durch ihre Interessenorientierung das Problem der Glaubwürdigkeit. Der Bereich der Informationen von Dritter Seite umfasst alle Quellen, die weder von Nachfrager- noch Anbieterseite stammen. Hier finden sich neben privaten Informationsvermittlern auch staatliche und halbstaatliche Informationsquellen. Private Vermittler wie Makler, Beratungsgesellschaften und spezielle Printmedien nehmen hier nur einen kleine Bereich ein, leiden sie doch unter dem Problem der Nichtausschließbarkeit. Weiterhin tritt bei Finanzierung durch Werbung das Problem der Abhängigkeit auf. Staatliche und halbstaatliche Quellen sind daher die bedeutendsten Quellen in diesem Bereich. Auf staatlicher Seite findet sich hier, neben dem Bildungssystem, Informationen von öffentlichen Einrichtungen wie Ministerien und Bundesämtern. Beiden kommt bei der Vermittlung unabhängiger Informationen eine große Bedeutung zu. Halbstaatliche Informationsquellen schließen alle Organisationen ein, welche zwar unabhängig agieren aber staatlich subventioniert sind. Dies sind neben der Stiftung Warentest e.V. und den Verbraucherzentralen alle vom Staat unterstützen
94 Verbraucherselbstorganisationen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Verbrauchern, wie
z.B. der ADAC oder den Bundesverband Verbraucherinitiative e.V.. In: Vahrenkamp 1991, S.31
17
Verbraucherfremdorganisationen 95 . Auch hier ist von der Vermittlung objektiver Informationen auszugehen. In beiden Fällen ist aber zu beachten, dass durch den staatlichen Einfluss durchaus auch politische Interessen in die Informationsvermittlung einfließen können.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Aufteilung in Aktivinformation und Abrufinformation 96 . Aktivinformationen werden vom Informationssender durch Massenmedien an den Konsumenten herangetragen. Dies beinhaltet die Nutzung von Informationskanälen wie Fernsehen, Radio, Printmedien oder Internet sowie die Anwendung verschiedenster Techniken um Interesse und Zuwendung zu stimulieren. Abrufinformationen hingegen werden vom motivierten Konsumenten selbst abgerufen, z.B. durch Datenbanken oder Beratungsstellen. Auch die Einteilung in interessengebundene und nicht-interessengebundene Quellen ist sinnvoll und empirisch gut belegt 97 . Die folgende Abbildung gibt hierzu einen Überblick:
Hier bestehen Ähnlichkeit zur vorher dargestellten Einteilung nach Vahrenkamp, doch ist diese Einteilung weniger ausführlich und, wie schon eingangs erwähnt, deutlich wertender in ihrer Art der Einteilung. Als interessengebundene Quellen gelten Informationsquellen mit einem hohen Institutionalisierungsgrad, wie z.B.
95 Verbraucherfremdorganisation sind private Verbände, welche meist staatlich gefördert werden.
Sie werden als Fremdorganisationen bezeichnet, da meist keine einzelnen Verbraucher Mitglieder
sind. In: Vahrenkamp 1991, S.35f
96 Gottschalk 2001, S.163
97 Kuhlmann 1990, S.86 und 340f
98 eigene Darstellung nach Kuhlmann 1990, S.340
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Werbung und Verkaufsförderung. Nicht-interessengebundene Quellen können ebenfalls institutionalisiert sein, wie z.B. Beratungsstellen und Warentests, sind dies aber meist nicht im gleichen Maß wie interessengebundene Quellen. Als nicht-institutionalisierte Quellen werden persönliche Kontakte zu Bekannten, Kollegen und Nachbarn aufgeführt.
2.3. Einflüsse auf das Informationsverhalten der Konsumenten
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Informationsaufnahme der Konsumenten. An dieser Stelle soll genauer auf die Faktoren eingegangen werden, welche die Informationsverarbeitung des Konsumenten beeinflussen. Dazu soll zuerst der Informationsbedarf analysiert werden. Anschließend sollen die verschiedenen inneren psychischen Vorgänge dargestellt und so die internen Abläufe der Informationsverarbeitung genauer beleuchtet werden. Dabei soll auch kurz ihr Einfluss auf die Kaufentscheidung beschrieben werden.
2.3.1. Informationsbedarf
Die Ermittlung des Informationsbedarfs ist von elementarer Bedeutung für die Verbraucherinformationspolitik. Erst auf Basis der ermittelten
Informationsdefizite lassen sich effiziente Strategien zu deren Behebung entwickeln. Doch aufgrund zunehmend vielfältiger und dynamischer werdenden Leistungen und Informationen gestaltet es sich immer schwieriger, den tatsächlichen Informationsbedarf zu ermitteln 99 . Informationsbedarf lässt sich allgemein definieren als Mangel an entscheidungsdienlichem Wissen 100 . Um diesen Bedarf zu ermitteln, bieten sich verschiedene Ansätze: die risikobezogene Informationsanalyse, die Ermittlung des objektiven und subjektiven Informationsbedarfs oder die Orientierung an Problembereichen mit hoher Informationsnutzenerwartung. Diese drei Ansätze sollen hier kurz dargelegt werden. Bei der Ermittlung des Bedarfs über eine risikobezogene
Informationsangebotsanalyse 101 wird den durch das schon bestehende Angebot an Informationsquellen reduzierten Risikodimensionen die Gesamtheit aller potentiellen Risiken gegenübergestellt. So lässt sich ermitteln, an welchen Stellen
99 Hansen 2003, S.11
100 Gottschalk 2001, S.170
101 Diller 1978, S.29f
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Arbeit zitieren:
Julia Becker, 2008, Untersuchung verbraucherpolitischer Maßnahmen in Hinblick auf Strategien der Informationsvermittlung, München, GRIN Verlag GmbH
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