Inhaltsverzeichnis
I. Abbildungsverzeichnis
II. Tabellenverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definition von Sonderwirtschaftszonen 3
2.1 Die Evolution von Sonderwirtschaftszonen 4
2.2 Eigenschaften und Ziele von Sonderwirtschaftszonen 7
2.2.1 Instrumentarium in Sonderwirtschaftszonen 11
2.3 Typisierung von Sonderwirtschaftszonen 12
2.3.1 Typisierung nach Gabrisch 13
2.3.2 Typisierung nach Röhl 14
2.3.3 Typisierung nach Guangwen 15
2.3.4 Fazit 16
2.4 Sonderwirtschaftszonen und Globalisierung 17
2.4.1 Die Globalisierung 17
2.4.2 Einfluss der wachsenden wirtschaftlichen Verflechtungen auf
Sonderwirtschaftszonen 19
3. Theoretische Grundlagen 21
3.1 Die Wachstumspoltheorie 21
3.2 Die Exportbasis- Theorie 23
3.3 Technologietransfer und Spill- over- Effekt 25
3.3.1 Der Technologietransfer 25
3.3.2 Der Spill- over- Effekt 26
3.4 Außenhandelspolitik 26
3.5 Neoklassische Wachstumstheorie 28
3.5.1 Wachstumsausgleich durch Faktorwanderung 30
3.5.2 Wachstumsausgleich durch interregionalen Handel 30
3.5.3 Fazit 31
4. Die Bedeutung von Direktinvestitionen für Sonderwirtschaftszonen 32
4.1 Globale Unternehmensaktivitäten 32
4.1.1 Motive für Direktinvestitionen 33
4.1.1.1 Marktstrategien 33
4.1.1.2 Ressourcenstrategien 33
4.1.1.3 Effizienzstrategien 33
4.1.1.4 Wertstrategien 34
4.2 Wirkungen von ausländischen Direktinvestitionen 34
4.3 Räumliche Verteilung von ausländischen Direktinvestitionen 35
5. Internationale Beispiele für Sonderwirtschaftszonen 37
5.1 Die Sonderwirtschaftszonen Polens 37
5.1.1 Der Transformationsprozess in Mittel- und Osteuropa 39
5.1.1.1 Polen im Transformationsprozess 40
5.1.2 Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in Polen 41
5.1.2.1 Einfluss der EU- Osterweiterung 42
5.1.2.2 Direktinvestitionen in Polen 43
5.1.3 Rechtliche Grundlagen der polnischen Sonderwirtschaftszonen 45
5.1.4 Ziele 47
5.1.5 Maßnahmen zur Zielerreichung 47
5.1.6 Wirkungen 48
5.1.7 Schlussfolgerungen 50
5.2 Die Sonderwirtschaftszonen der Volksrepublik China 52
5.3. Die Sonderwirtschaftszonen Großbritannien 81
6.2 Wirtschaftliche Entwicklung nach der Wiedervereinigung 102
6.3 Regionalpolitische Reformen
6.3.1.2.5 Konzentration auf Wachstumskerne 116
6.2.3 Fazit 118
7. Zusammenfassung 120
III. Literaturverzeichnis
I. Abbildungsverzeichnis
Abb.1: Evolutionary Model of Free economic Zones since the 1500s 6
Abb.2: Verteilung von export processing zones in Entwicklungsländern (Stand: 1994) 8
Abb.3: Das Enklaven- Modell von export processing zones (EPZs) 9
Abb.4: Territorial and Regime Types of FEZs and their typical zones 15
Abb.5: Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen und des BSP weltweit 18
Abb.6: Welthandelströme im Jahr 2000 19
Abb.7: Rückkoppelungsschleifen der Neoklassik und der Polarisationstheorie 22
Abb.8: Wirkungsweise des Exportbasismultiplikators im Export- Basis- Konzept 24
Abb.9: Gleichgewicht des Kapitalbestandes 29
Abb.10: Herkunft und Ziel von ausländischen Direktinvestitionen 35
Abb.11: Lage der Sonderwirtschaftszonen in Polen 37
Abb.12: Aufteilung der Sonderwirtschaftszone Lodz in mehrere Subzonen 38
Abb.13: Produktivität (je Erwerbstätigen), Lohnkosten (je Erwerbstätigen) und Lohnstückkosten in der Industrie, 2001 (Deutschland = 100) 42
Abb.14: ausländische Direktinvestitionen in Polen (in Mrd. US-$) 44
Abb.15: Verschiedene Faktoren und Relevanzkoeffizienten für ein Engagement in Polen (Stand: 2001) 45 Abb.16: Beispiel des Genehmigungsverfahrens in der Waldenburger Sonderwirtschaftszone (WSEZ) „Invest- Park“ 47
Abb.17: Entwicklung der Im- und Exporte Chinas (1978-2004) (Mrd. US-$) 54
Abb.18: Die vier Wachstumspolachsen Chinas in der Regionalentwicklung seit den 80er Jahren 56
Abb.19: Jährliches Wirtschaftswachstum Chinas und der Welt (1996-2004) (Veränderung des realen BIP gegenüber Vorjahr in %) 56
Abb.20: starke regionale Ungleichheiten in China 58
Abb.21: Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in China (1984-2004) (in Mrd. US-$) 59
Abb.22: Öffnung industrieller Sektoren im Rahmen der „Open Policy“ in China seit den 80er Jahren 62
Abb.23: Standorte der 5 SEZs in China 63
Abb.24: Verflechtungen der SEZs mit China und der Welt 64
Abb.25: Verwaltungsstruktur der SEZs in China 65
Abb.26: Bevölkerungsentwicklung in den SEZs 1979-1997 (Mio.) 71
Abb.27: Reales BIP in den SEZs 1979-1997 in Mrd. Yuan 72
Abb.28: Beitrag der Wirtschaftssektoren zum BIP der SEZs 73
Abb.29: Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung der SEZs 74
Abb.30: Bedeutung des Imports in den SEZs und Anteil am chinesischen Import (1980-1997) 76
Abb.31: Bedeutung des Exports in den SEZs und Anteil am chinesischen Export (1980-1997) 77
Abb.32: Zufluss von ADI in SEZs und Anteil an ADI in China (1984-1997) 78
Abb.33: Migrationsprozess in Großbritannien 1976-1986 82
Abb.34: Standorte der Enterprise Zones (1. und 2. Generation) England und Wales 86
Abb.35: Zu- und Abnahme von Betrieben in Städten/ Gemeinden und Counties unter dem Einfluss von EZs (1984-1990) 90
Abb.36: Anteil der Arbeitsplätze in den EZs an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze in den Arbeitsmarktregionen 92
Abb.37: Lokalisationsquotient der Arbeitslosenquoten (1990/1984) in den Arbeitsmarktregionen mit EZs 92
Abb.38: Standort- und Struktureffekte in Städten mit EZs (Shift- Analyse) 95
Abb.39: Überblick über Enterprise Zone- Konzept mit Auslösern, Maßnahmen und Effekten 97
Abb.40: Nettotransfers nach Ostdeutschland 100
Abb.41: reales BIP, Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) 103
Abb.42: BIP je Einwohner 2003 (in 1.000 €) 104
Abb.43: Ost- West- Migration und Wanderungssaldo 106
Abb.44: Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland 107
Abb.45: Wachstumsprognose für Ostdeutschland 110
Abb.46: Investitionsquote der ostdeutschen Länder (in % der Ausgaben) 110
Abb.47: Arbeitskosten im internationalen Vergleich 115
II. Tabellenverzeichnis
Tab.1: Sonderwirtschaftszonen und deren Ziele 10
Tab.2: Typologie von Sonderwirtschaftszonen 13
Tab.3: Typologie von Sonderwirtschaftszonen (nach Röhl) 14
Tab.4: Quantitatives Wachstum von EPZs in verschiedenen Regionen im Zeitraum 1979-1997 20
Tab.5: Anteil einzelner Ländergruppen an den Weltexporten 27
Tab.6: ökonomische/ entwicklungspolitische Wirkungen von ADI in Entwicklungsländern 35
Tab.7: Verteilung der ADI auf Zielregionen (1986-1990 und 2003), Angaben in % 36
Tab.8: Wirtschaftsentwicklung Polens im Transformationsprozess 40
Tab.9: wichtige gesamtwirtschaftliche Indikatoren 41
Tab.10: Charakteristische Kennziffern der 14 polnischen Sonderwirtschaftszonen 49
Tab.11: Zusammensetzung der chinesischen Exporte (1990-2000), Angaben in % 57
Tab.12: Standortverteilung verschiedener Sonderwirtschaftszonen auf die drei Großregionen 60
Tab.13: Vergleich von typischen EPZs und den chinesischen SEZs 66
Tab.14: Potentielle positive und negative Effekte der SEZs 70
Tab.15: Herkunftsländer der ADI in den SEZs 1997 79
Tab.16: Enterprise Zones Großbritanniens (1. und 2. Generation) im Jahr 1993 87
Tab.17: Förderung aus europ. Strukturfonds in den neuen Bundesländern (NBL) 100
Tab.18: wirtschaftlicher und sozialer Aufholprozess Ostdeutschlands (1991-2003) 102
1. Einleitung
Im Rahmen der vorliegenden Projektarbeit soll geklärt werden, in wie weit die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen ein probates Mittel ist, positiv auf das wirtschaftliche Geschehen einzuwirken. Diese Fragestellung soll nach der Analyse ausgewählter Fallbeispiele auf Ostdeutschland bezogen werden. Die Ursache dafür ist die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region. Diese entspricht im Allgemeinen nicht dem, was sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach den bisherigen finanziellen Anstrengungen vom Aufbau Ost versprochen haben. Ostdeutschland hat trotz der immensen finanziellen Zuschüssen aus dem EU- Fördertopf und den alten Bundesländern Anfang der 90er Jahre den Status eines Problemgebietes in EU- Raum immer noch nicht hinter sich lassen können. Von einem selbsttragenden Aufschwung ist die Region auch angesichts der anhaltenden Stagnation der gesamtdeutschen Wirtschaft weit entfernt. Das hat in der Vergangenheit des Öfteren zu öffentlichen Debatten darüber geführt, ob die bisherige Mittelwahl zur Überwindung des Stillstandes im wirtschaftlichen Aufholprozess die richtige ist, oder ob eventuell auch andere Wege eingeschlagen werden sollten. In diesem Zusammenhang ist das Konzept einer „Sonderwirtschaftszone“ des Öfteren erwähnt worden 1 .
Um bewerten zu können, ob eine ostdeutsche Sonderwirtschaftszone Erfolg versprechend ist, werden auf dem Weg dahin bereits vorhandene Konzepte zur Herausbildung von Sonderwirtschaftszonen betrachtet. Des Weiteren werden die regionale Umsetzung sowie die wirtschaftliche Effizienz existierender Sonderwirtschaftszonen berücksichtigt.
Um einen einleitenden Überblick über die Thematik „Sonderwirtschaftszone“ zu geben, erfolgt im ersten Abschnitt eine begriffliche Klärung. Des Weiteren wird dargestellt, welche Vorstellungen mit diesem wirtschaftspolitischen Instrument verbunden sind. Dies beinhaltet vor allem Ausführungen zu den Merkmalen und Zielen solcher Zonen. Abschließend wird noch auf das Phänomen der Globalisierung und deren Bedeutung für die Sonderwirtschaftszonen eingegangen. Im zweiten und dritten Abschnitt wird auf ökonomische Theorien eingegangen, die zur Erklärung der Wirkungsweise von Sonderwirtschaftszonen und von ihnen ausgehenden Effekten beitragen. Sie sollen verständlich machen, warum viele Staaten Sonderwirtschaftszonen als Instrument zur Regionalentwicklung einsetzen. Im darauf folgenden Abschnitt werden die Fallbeispiele China, Polen und Großbritannien in die Betrachtung einbezogen. Sie wurden bewusst gewählt, da sie erstens jeweils einen unterschiedlichen Entwicklungsstufe, zweitens auch teilweise verschiedene Wirtschaftssysteme repräsentieren. Mit diesen Ungleichheiten sind möglicherweise unterschiedliche Ziele, Wirkungen sowie Erfolge im Bezug auf Sonderwirtschaftszonen verbunden, die es aufzudecken gilt. Im abschließenden Teil geht es darum, die zuvor erarbeiteten Tatsachen, theoretischen Grundlagen und beispielhaften Entwicklungen
1 Beispielhaft sei hier nur die Stellungnahme des Präsidenten des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans- Werner Sinn im „Focus- Money“ erwähnt, der sich für die Schaffung einer Sonderwirtschaftszone Ost aussprach. (Quelle: http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/elemid/10/searchno/0/id/1301/SH/ 33740105dfb231a05d0a6aac49b364/depot/0/index.html, 25.11.05)
1
auf Deutschland, vor allem Ostdeutschland zu übertragen. Dafür ist es notwendig, zuvor auf die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands einzugehen, die Industrie- und Regionalpolitik zu beleuchten und daraus mögliche zukünftige Entwicklungen abzuleiten. Hier muss dann geklärt werden, ob SWZ ein geeignetes Instrument zur Regionalentwicklung ist. Und wenn ja, wo die Errichtung solcher Zonen Erfolg versprechend sein kann. Erfolg heißt hier, den wirtschaftlichen Abschwung bzw. die wirtschaftliche Stagnation umzukehren und einen Konvergenzprozess in Richtung West-deutschland einleiten zu können.
2
2. Definition von Sonderwirtschaftszonen
Sonderwirtschaftszonen können allgemein definiert werden als „räumlich oder sachlich abgegrenzte Bereiche innerhalb einer Volkswirtschaft, in denen für die Produktion von Gütern oder die Herstellung von Leistungen andere Regeln gelten als in den übrigen Landesteilen“ 2 . Eine weitere Definition lautet folgendermaßen:
Die SEZs (special economic zones) sind aber nur eine Form einer Sonderwirtschaftszone. Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, gehören sie zu den moderneren Formen, die sich aus älteren Formen von Sonderwirtschaftszonen entwickelt haben bzw. noch solche enthalten.
Eine ältere Form, die aber noch weltweit wirtschaftliche Bedeutung besitzt und auch im Rahmen dieser Arbeit eine große Rolle spielt, sind sog. „export processing zones“ (im Folgenden EPZs). Es handelt sich hierbei um
Beide Definitionen zeigen, dass sich SEZs und EPZs sehr ähnlich sind. Der markante Unterschied zwischen beiden ist die starke Konzentration auf exportaffine wirtschaftliche Aktivitäten in den EPZs, während in SEZs alle dort auftretenden wirtschaftlichen Aktivitäten in irgendeiner Weise gefördert werden.
Bei allen Formen von Sonderwirtschaftszonen geht es im Kern darum, einen Teil einer Volkswirtschaft durch Schaffung von besonderen Voraussetzungen in einen wirtschaftlich prosperierenden Raum zu entwickeln. Dazu werden Investitions- und Produktionsbedingungen geschaffen, die günstiger sind, als die im restlichen Staatsgebiet herrschenden Bedingungen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass durch diesen umfangreichen Standortvorteil, in der Zone eher mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung zu rechnen ist als in anderen Regionen des Landes. Der sich auf diese Weise ergebende Wirtschaftsaufschwung soll sich erstens auf den speziell definierten Bereich der Sonderwirtschaftszone auswirken, und dann auch zweitens in die regionale und schließlich drittens in die nationale Wirtschaft wirtschaftliche Entwicklungsimpulse induzieren. Probleme können sich erstens durch die Abhängigkeit des Erfolges einer solchen Zone von ausländischen Investitionen, oder zweitens durch den starken Wettbewerb der Zonen untereinander um eben diese Investitionen ergeben.
2 Busch, 1992, 8, in: Röhl, 2004, 6.
3 Ahrens und Meyer- Baudeck, 1995, 88: in: Knoth, 24.
4 Knoth, 23.
3
2.1 Die Evolution von Sonderwirtschaftszonen 5
Aus Sicht Guangwen´s sind Sonderwirtschaftszonen eine Stufe auf dem Weg zur regionalen wirtschaftlichen Integration, die letztendlich in die globale wirtschaftliche Integration münden soll. Da die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrhunderte durch stetig steigende Verflechtungen von Regionen und Staaten gekennzeichnet war und so immer mehr Regionen am wirtschaftlichen Entwicklungs- und Integrationsprozess teilhaben konnten, hat sich auch der Charakter der Sonderwirtschaftszonen geändert. Den zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Verbindungen im Mittelalter begegnete man bereits damals mit der Gründung von Sonderwirtschaftszonen. Natürlich werden sie heute anders charakterisiert, aber der ihnen zugrunde liegende Gedanke, d.h. die Gründung spezieller Räume, um in ihnen ökonomische Wertschöpfung zu betreiben, ist bereits im Mittelalter üblich gewesen.
Aufgrund der ökonomischen Entwicklung seit dem Mittelalter, die v.a. nach dem 2. Weltkrieg radikale Änderungen erfuhr, haben sich verschiedene Generationen von Sonderwirtschaftszonen entwickelt, deren Eigenschaften und Ziele stark mit der jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklungsphase sowie den wirtschaftspolitischen Zielen korrelieren. Die Ursache dafür ist der Zusammenhang zwischen zoneninterner und -externer Ökonomie, denn „the development and the combination of external factors will change the internal factors, especially the leading sectors of FEZs; and the changed leading economic sector will once again promote the typological variation of FEZs, […], that existing FEZs will either disappear or be transformed, or new types of FEZs will create” 6 .
Guangwen hat sechs verschiedene Generationen von Sonderwirtschaftszonen 7 ausgemacht, die aus bisher fünf solcher entscheidenden ökonomischen Umbruchphasen 8 hervorgegangen sind (siehe Abbildung 1).
Schon im frühen Mittelalter wurden erste Sonderwirtschaftszonen in Form von Freihäfen und freien Städten gegründet. Die Gründung des Freihafens Marseille oder die Städte des Hanse- Bundes, z.B. Bremen und Hamburg, sind erste Beispiele aus dem 13. Jahrhundert. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden solche freie Städte (free cities) und Freihäfen (free ports) gegründet, um den internationalen Handel voranzutreiben. Dieser wuchs beständig, was im Wesentlichen auf die Besiedlung Amerikas zurück zu führen war. Diese frühen Arten der Sonderwirtschaftszonen waren ausschließlich in Europa, und hier vor allem im Mittelmeer-, Nord- und Ostseeraum konzentriert. Im Zuge der industriellen Revolution spielte der Wirtschaftlichkeit von Produktion und Handel eine immer größere Rolle, auch weil das Handelsvolumen weiter stieg. Für den Anstieg des Handels sind die Kolonialmächte verant-wortlich, die aus den Kolonien Rohstoffe etc. ins Heimatland schifften. Wegen der globalen Kolonisation entstanden auch auf anderen Kontinenten Freihäfen. Beispiele hierfür sind Asien (Singapur
5 vgl. Guangwen, 25-54.
6 Guangwen, 26.
7 Gunagwen meint damit „free economic zones“.
8 Die letzte Entwicklungsphase ist nicht eingezeichnet, da sie nicht relevant für die Thematik ist. Es handelt sich dabei um die Phase der Entwicklung in Richtung Freihandelszone i.e.S. und Wirtschaftsunion (EU).
4
1819, Hongkong 1841) und Afrika (Dschibuti 1859). Unter anderem wurde durch die industrielle Entwicklung bis in 20er Jahre des 20. Jahrhunderts auch die Transformation der freien Städte in Freihäfen oder Freihandelszonen 9 (free trade zone) gefördert. Die Basis der freien Städte, Freihäfen und Freihandelszonen war der Handel (traded-based), in ihnen wurden hauptsächlich solche wirtschaftlichen Aktivitäten ausgeübt, die Hafen affin waren, z.B. Lagerung, Import und Export von Schiffsgütern oder Reparatur von Schiffen.
Die Phase nach dem 2. Weltkrieg war von drastischen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen gekennzeichnet, die auch Einfluss auf den Charakter der bestehenden und zukünftigen Sonderwirtschaftszonen hatten. Charakteristisch für den Zeitraum bis ca. 1980 waren der Bedeutungsgewinn der Exportförderung sowie erste Outsourcingtendenzen der arbeitsintensiven Produktion in Richtung Entwicklungsländer, um von den dortigen niedrigen Arbeitskosten zu profitieren. Der Grund für die Öffnung der Wirtschaft im Rahmen einer exportfördernden Wirtschaftspolitik 10 lag in vielen Fällen an den schlechten Erfahrungen mit der Strategie der Importsubstitution 11 , die viele Entwicklungsländer in den 50er und 60er Jahren verfolgten, während gleichzeitig die asiatischen Tigerstaaten zeigten, wie erfolgreich die Exportförderung sein kann. Dementsprechend schien es einen positiven Zusammenhang zwischen der Offenheit einer Wirtschaft und ihrem Wachstum, sei es das Wachstum der Exportwirtschaft und der Verflechtungen mit anderen Wirtschaftsbereichen, zu geben 12 . Aufgrund dieser Beobachtung entschlossen sich viele geringer entwickelten Staaten, dieser Strategie zu folgen. Daraufhin entstanden weltweit in vielen Entwicklungsländern Exportförderungszonen (export processing zones) (siehe Abbildung 2). Vor allem die weniger entwickelten Länder hofften, auf diese Weise ausländische Exportindustrien, Kapital und Technologien anziehen zu können, um damit die eigene industrielle und soziale Entwicklung voranzutreiben 13 . Typische Beispiele dieser Sonderwirtschaftszonen sind die „free industrial zones“ in Ost- und Südostasien oder die „maquiladoras“ Mexikos. Die EPZs gehören zu den „manufacture- based“ FEZs, die aus den „traded- based“ FEZs hervorgingen und. In ihnen wird vorrangig für den Export produziert, hauptsächlich arbeitsintensive Produkte. Sie verfügen über zahlreiche Vergünstigungen (siehe Punkt 2.2.1), um im Rennen um auslän-dische Direktinvestitionen wettbewerbsfähig zu sein. Sie befinden sich wie die „trade- based“ FEZs in einem geographisch begrenzten Gebiet und haben idR den Charakter einer Enklave. Bis heute
9 Damit ist nicht eine Freihandelszone, wie z.B. die Nafta gemeint. Zur Erläuterung siehe Punkt 2.3.4.
10 “The Asian Tiger countries followed an export promotion policy, focussing on the active encouragement of industrial production for export markets, combining an increasing market mechanism with a strong industrial policy. Part of the policy was that trade barriers were lowered and that the countries were opened for foreign competition so that the domestic enterprises were more integrated into the international markets” (Knoth, 5f).
11 In den meisten Fällen waren bei dieser Politik nicht die erwünschten Effekte bezüglich einer positiven Wirtschaftsentwicklung und der Erhöhung des Lebensstandards zu beobachten, denn die Konzentration auf die Binnenwirtschaft schreckte exportorientierte Unternehmen mitsamt dem dazugehörigen Investitionsvolumen ab. Dadurch waren die mit der Importsubstitution zusammenhängenden Ziele praktisch nicht erreichbar.
12 vgl. Knoth, 5.
13 „Both DCs and LDCs selected suitable locations to realize this transferring process. Relying on favourable geographical position and transport facilities, industrial basis, preferential policy and very efficient administrative systems, EPZs became the ideal location for this capital, fund, and trade transfer” (Guangwen, 31).
5
gehören sie mit zu den am häufigsten gebildeten Formen von Sonderwirtschaftszonen, wobei in der Literatur verschiedene Begriffe für diese Zonen zu finden sind, obwohl allen die Konzentration auf exportaffine wirtschaftliche Aktivitäten gemeinsam ist 14 .
Des Weiteren kam es in diesem Zeitraum zur Entwicklung sog. „service- based“ FEZs. „[…] the service- based FEZs is not geographically strictly delineated or separated from the surrounding host country’s territory […]. […] the major economic sectors are service trade such as finance, insurance
14 Zum Beispiel werden solche außenhandelsorientierten Zonen auch als Zonen freier Exportaktivität, Exportförderungszonen bezeichnet. Im Folgenden werden sie alle unter der geläufigsten Bezeichnung „export processing zones“ zusammengefasst.
15 Quelle: Guangwen, 54. (EDTZ: economic and technological development zone; ECZ: economic cooperation zone; GT: growth triangle)
6
tourist and other special services. The zone aims at recovering the vitality of some old economic centers or promoting the development of some economically backward regions” 16 . Im Zuge der weiteren politischen und ökonomischen Entwicklung entwickelten sich „science- based“ und „comprehensive“ FEZs als Sonderwirtschaftszonen der vierten bzw. fünften Generation. Verantwortlich dafür war die enorme technologische Revolution in Wissenschaft, Technik und Kommunikation. Die Gründung der wissenschaftsorientierten Sonderwirtschaftszonen ist Merkmal des Wandels von der arbeits- zur kapital- und technologieintensiven Wirtschaft. Das Paradebeispiel ist das Silicon Valley in den USA. Aber auch Technologie- und Gründerzentren, eng verflochten mit nahen Forschungsinstituten und einer Hochschule, die in vielen urbanen Regionen zu finden sind, sind Beispiele solcher „science- based“ FEZs. Bei den „comprehensive“ FEZs handelt sich um größere geographisch abgegrenzte Areale, die Merkmale aller vorherigen Generationen enthalten können. Die sechste Generation von Sonderwirtschaftszonen wird repräsentiert von sog. „cross- border“ FEZs. Diese Zonen befinden sich nicht mehr auf dem Staatsgebiet eines, sondern mehrerer Staaten. Für die ökonomische Entwicklung sowie Kooperation untereinander sind neben den betroffenen Regierungen auch große Unternehmen verantwortlich. Mit diesen Räumen werden langfristige makroökonomische und politische Ziele verfolgt, für deren Erreichen auch hier zahlreiche fördernde pekuniäre und nicht pekuniäre Instrumente genutzt werden.
2.2 Eigenschaften und Ziele von Sonderwirtschaftszonen
Dieser Abschnitt wird zeigen, dass die Ziele die Sonderwirtschaftszonen stark mit dem Entwicklungsstand des Staates, in dem diese errichtet werden und der dabei gewählten Form der Zone korrelieren. Zwar gilt, dass mit den meisten Formen von Sonderwirtschaftszonen in der Regel sehr ähnliche Ziele verbunden sind, aber es gibt dennoch in manchen Fällen Abweichungen. Für die Merkmale bzw. Eigenschaften, die charakteristisch für die einzelnen Typen sind, gilt ähnliches. Allen Formen von Sonderwirtschaftszonen, die sich seit dem 20. Jahrhundert entwickelt haben, ist eines gemeinsam: als wirtschaftspolitisches Instrument werden sie eingesetzt, um in Regionen und Ländern, die Strukturprobleme oder Entwicklungsrückstände aufweisen, gezielt Wachstumspotentiale zu erschließen 17 . Das Wachstum der Zonen soll durch ausländische Investitionen induziert werden. Dafür müssen die Zonen zunächst attraktiv für etwaige Nachfrager sein. Dies wird durch ein qualitativ hochwertiges, breit gefächertes Angebot an Standortfaktoren in den Zonen gewährleistet, die sich in den meisten Fällen deutlich von den Bedingungen im übrigen Land abheben. Die Regierungen messen den Zonen entscheidende Bedeutung für eine schnellere Entwicklung, im Falle von unterentwickelten Staaten, bzw. eine erfolgreiche Wirtschaftstransformation, im Fall von Transformationsländern, bei. Durch den Zufluss an ausländischen Investitionen soll der Kapitalmangel der Binnenwirtschaft mehr als ausgeglichen werden. Gleichermaßen erhoffen sie sich auf diesem Weg u.a. die Zufuhr von moderner Technologie, Management- Skills, einen stärkeren Wettbewerb sowie eine schnellere
16 Guangwen, 34.
17 vgl. Röhl, 4.
7
Modernisierung und Industrialisierung. Dies alles soll letztendlich helfen, die Wirtschaftsentwicklung entscheidend voranzubringen, Zugang zu den Märkten der Industrieländer zu bekommen sowie vom Globalisierungsprozess zu profitieren 18 .
Seit dem 2. Weltkrieg bedienten sich immer mehr Länder der Sonderwirtschaftszonen, um die oben beschriebenen Ziele verwirklichen zu können. Das Wachstum beschränkte sich im weiteren Zeitverlauf nicht nur auf Entwicklungsländer. Der Zerfall des Ostblocks führte dazu, dass auch immer mehr davon betroffene Staaten Sonderwirtschaftszonen errichteten. Viele Entwicklungsländer gründeten vor allem außenhandelsorientierte EPZs (Abbildung 2).
Mit ihrer Gründung sind explizit die Integration des Landes in die internationale Arbeitsteilung, Technologietransfer, Schaffung von Arbeitsplätzen und exportabhängige Deviseneinnahmen beabsichtigt. Diese Ziele können umso schneller erreicht werden, je stärker die Rückkopplung mit dem Rest der heimischen Wirtschaft sind. Aus Abbildung 3 wird ersichtlich, dass neben den Güter- und Finanzströmen, die zwischen der Zone und der Binnenwirtschaft existieren, auch solche zwischen der Zone und dem Rest der Welt bestehen. Die Tatsache, dass viele EPZs den Charakter einer Enklave besitzen, sind allein die Ströme zwischen erstgenannten Parteien relevant für die Entwicklung der Binnenwirtschaft. Da die meisten Staaten aber solche Zonen strikt von der restlichen Binnenwirtschaft trennen, wodurch erst der Enklaven- Charakter solcher Zonen hervorrufen wird, werden solche Verflechtungen (güterbezogen, finanziell) in der Regel von vornherein beschränkt oder ganz unterbunden. Dieses Paradoxon ist sozusagen typisch für EPZs, denn sie werden als Zonen charakterisiert, mit denen Vorteile aus einer exportorientierten Wirtschaftstätigkeit gezogen werden können, ohne die Position der bestehenden Produktionsunternehmen und -sektoren zu gefährden 20 .
18 Diese Ziele entsprechen den Vorstellungen der Entwicklungsländer sowie den Transformationsländern. Industrieländer verbinden mit Sonderwirtschaftszonen andere Absichten.
19 Vorlesungsskript, Thomi. W.
20 vgl. Röhl, 8; Warr, 135-145.
8
Das Ergebnis der Entwicklung seit den 50er Jahren war ein enormer Zuwachs an speziellen Wirtschaftszonen in fast allen Regionen der Welt. Mit ihnen sollten durch Schaffung günstiger Investitionsbedingungen ausländische Investitionen angezogen werden, um 1. durch ausreichende Kapitalbildung ein angemessenes Wirtschaftswachstum zu erzeugen (gilt insbesondere für Entwicklungsländer);
2. die Systemtransformation hin zur Marktwirtschaft zu beschleunigen (Transformationsländer) und
3. Altindustrieregionen mit Strukturproblemen wieder zu beleben (Industrieländer). Das sind vereinfachend formuliert die drei primären Ziele, die mittel- bis langfristig mit Hilfe von Sonderwirtschaftszonen erreicht werden sollen. Beim Vergleich verschiedener Typen von Zonen sind allerdings Unterschiede hinsichtlich der Vorgehenswiese zur Zielerreichung, und demzufolge auch den dabei eingesetzten Mitteln augenscheinlich. Diese Unterscheide kommen zustande, wenn der (die) dominierende(n) Wirtschaftssektor(en) in der Zone ein anderer ist
22
. Ein kurzer Abriss macht dies deutlich: beispielsweise dienen Freihäfen der Erleichterung der Handelstätigkeit, vor allem im Zusammenhang mit der Transport- und Umschlagfunktion von Hafenanlagen. Dies steht aber im Kontrast zu dem mit
„enterprise zones“
verbundenen Zweck, welche bevorzugt in Industrieländern als ein regionalpolitisches und -ökonomisches Instrument zur Regionalentwicklung eingerichtet werden. Wiederum auf anderem Weg sollen freie Bank- und Versicherungszonen oder Technologieparks einen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung der Zone bzw. der heimischen Wirtschaft leisten. Mit ersteren sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit von heimischen Bank- und Versicherungsunternehmen gestärkt, mit letzterem vor allem der Wissenstransfer sowie die Wissensdiffusion gefördert werden
23
. Einen geeigneten Überblick über die mit der Politik der Sonderwirtschaftszonen zusammenhängenden Ziele, die sich in Abhängigkeit von der Ausprägung der einzelnen Sonder-
21 Quelle:Warr, 145.
22 Einen guten Anhaltspunkt dafür liefert die Typisierung von Guangwen (siehe Abbildung 1). Aus dessen Bezeichnungen (trade- based, manufacture- based, …) kann entsprechendes geschlussfolgert werden. Die modernen Formen (ab comprehensive FEZs) zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen wirtschaftliche Aktivitäten fast aller Wirtschaftsbereiche stattfinden.
23 vgl. Knoth, 22.
9
wirtschaftszone wandeln, zeigt Tabelle 1. Dabei wird zwischen Zielen auf der Mikro- und Makroebene unterschieden.
Tab.1: Sonderwirtschaftszonen und deren Ziele 24
Mit dem zahlenmäßigen Wachstum von Sonderwirtschaftszonen geht ein zunehmender Wettbewerb unter den Zonen um ausländische Investitionen einher. Das spielt für den wirtschaftlichen Erfolg einer solchen Zone eine große Rolle. Da der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen immer noch zwischen Industrieländer fließt, ist das Investitionsvolumen, um welches sich zahlreiche Sonderwirtschaftszonen in Entwicklungsländern bemühen, als vergleichsweise gering zu bezeichnen 25 . Es ist deshalb im Sinne jeder einzelnen Zone standortspezifische Wettbewerbsvorteile zu entwickeln, damit sie für möglichst viele ausländische Unternehmen attraktiv sind. Der Wettbewerbsdruck wird weiterhin auch dadurch initiiert, dass die Firmen, die sich ein Engagement in Sonderwirtschaftszonen vorstellen können, oft den Charakter von „footloose industries“ 26 haben. Damit verbunden ist deren Standortneutralität bzw. -mobilität. Damit haben die Sonderwirtschaftszonen die schwierige Aufgabe, die besten Standortbedingungen anbieten zu müssen, denn ansonsten wandern diese Unternehmen schnell wieder ab. Hierfür haben die Zonen ein breit gefächertes Instrumentarium zur Verfügung (siehe 2.2.1).
24 Quelle: Guangwen, 47. In vertikaler Richtung zeigen die Ziele beider Ebenen ebenfalls Weiterentwicklungen, wie es auch für die Typen von Sonderwirtschaftszonen gilt.
25 siehe Knoth, 6.
26 Für die der footloose industry zuzurechnenden Branchen ist es in der Regel gleichgültig, wo ihre Produktionsstätten liegen. Die in der Produktion eingesetzten Materialien sind entweder Ubiquitäten oder haben weit gestreute Herkunftsorte (Diercke, 224).
10
2.2.1 Instrumentarium in Sonderwirtschaftszonen
Der Typisierung von Busch folgend, sind die in Sonderwirtschaftszonen geschaffenen Anreize bzw. besonderen Standortbedingungen prinzipiell in solche finanzieller und nicht finanzieller Art differenzierbar. Diese Sonderkonditionen, die ausschließlich innerhalb der Zone gelten, begünstigen die dort durchgeführten Tätigkeiten, sei es Import, Export, Produktion oder Lagerung. In der Literatur sind vier Gruppen auszumachen, denen die verschiedenen Arten von Standortvorteilen zugeordnet werden können. Das sind: 1. Steuer- (Zoll)befreiungen oder -erleichterungen, 2. Subventionen,
3. Deregulierung des nationalen Rechtsrahmens und 4. hochwertige Infrastruktureinrichtungen.
zu 1.: Die Realität zeigt, wie auf vielfältige Weise, finanzielle Anreize in Form von Steuererleichterungen und -befreiungen angeboten werden. Zollfreiheit wird vielen Unternehmen beim Import von in der Zone benötigten Rohstoffen oder Vorprodukten gewährt. Es kann auch vorkommen, dass importierende Unternehmen nicht von Beschränkungen in Form von Einfuhrkontingenten betroffen sind. Gleichermaßen ist es vor allem in EPZs üblich, die exportierenden Unternehmen auch von der Zahlung von Exportsteuern für zu exportierte Halb- oder Fertigfabrikate zu befreien. Ein weiterer exportbezogener Anreiz ist die Beteiligung exportorientierter Unternehmen an Einfuhrkontingenten in andere Staaten. Das eröffnet den Unternehmen die Chance, auf im Grunde zugangsbeschränkten Märkten tätig werden zu können. Ferner können die in der Zone ansässigen Unternehmen von der Befreiung von der Einkommenssteuer profitieren. Ob es sich dabei um die komplette Befreiung oder nur geringere Einkommenssteuerpflichten, sowie deren zeitliche Befristung, ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. In den meisten Fällen werden diesbezügliche Vorteile für einen Zeitraum von 3 bis 10 Jahren angeboten. Jedoch ist es in der Praxis üblich, dass davon betroffene Unternehmen über eine Verlängerung der Fristen verhandeln. Um die Verlängerung zu realisieren, drohen sie unter Umständen auch mit der Verlagerung in eine andere Sonderwirtschaftszone 27 . zu 2.: Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, wie Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen subventioniert werden. Dies betrifft nicht nur den direkten Zufluss von Subventionsgeldern. Auch die kostenlose oder verbilligte Bereitstellung von Produktionsfaktoren ist eine gebräuchliche Form der Subvention, denn dadurch müssen die Firmen weniger bzw. nichts an finanziellen Mitteln aufwenden. In den Sonderwirtschaftszonen mancher Länder werden Unternehmen durch einen direkten Mittelzufluss subventioniert, wenn sie z.B. bestimmte Güter/ Rohstoffe einführen oder möglichst viele un- oder wenig ausgebildete Personen beschäftigen. Indirekt subventioniert werden die Unternehmen durch günstigere Immobilien, Kreditangeboten zu besseren Konditionen, bessere Abschreibungsmöglichkeiten, niedrigere Strom- und Mietpreise oder staatlich subventionierte Niedriglöhne.
27 vgl. Warr, 136.
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zu 3.: Typisch für diese Form der Attraktivitätssteigerung sind der Abbau von bürokratischen Pflichten sowie bessere administrative Regelungen. Der Wegfall bürokratischer Hürden kann viele Rechtsbereiche betreffen, sei es das Planungs-, Bau-, Arbeits- oder Wirtschaftsrecht. Zu den charakteristischen durch bürokratische Vereinfachungen geschaffenen Standortvorteilen zählen schlankere Planungs- und Genehmigungsverfahren, Erlaubnis der vollen oder teilweisen Repatriierung von in den Zonen erwirtschafteten Erträge, Wegfall von Beschränkungen hinsichtlich der ausländischen Beschäftigten im Managementbereich oder der Eigentumsverhältnisse von Unternehmen 28 . Warr (1990) erwähnt zudem, dass in EPZs oft eine separate Verwaltung eingerichtet wird, die die Interaktion zwischen der Staatsregierung und den Unternehmen vereinfachen soll. Dies soll unternehmerische Verwaltungskosten einsparen und unnötige und kostenaufwendige Produktionsbehinderungen vermeiden helfen 26 .
zu 4.: Sonderwirtschaftszonen zeichnen sich auch durch Infrastrukturbedingungen aus, die in der Regel deutlich höhere Qualität besitzen, als Vergleichbares außerhalb der Zone. Das trifft für die Verkehrs- sowie die Kommunikationsinfrastruktur zu.
Die letztendlich gewährten Vorteile, deren Befristung etc., sind von Land zu Land, teilweise auch von Zone zu Zone unterschiedlich. Zu den EPZs als eine besonders weit verbreitete Form der Sonderwirtschaftszone ist noch zu sagen, dass in den meisten Fällen dort tätige Unternehmen nur unter der Bedingung des nahezu vollständigen Export der Produktion, in den Genuss spezieller Vergünstigungen kommen. Erleichterungen von steuerlichen oder sonstigen unternehmerischen Pflichten können auch explizit für bestimmte Sektoren und nicht generell für den gesamten Raum der Sonderwirtschaftszone ausgesprochen werden. Es gibt freie Bankenzonen, für welche spezielle Bedingungen, wie zum Beispiel der Wegfall von Vorschriften bezüglich Mindestreserven, Eigenkapital und Zinsen formuliert worden sind 29 .
2.3 Typisierung von Sonderwirtschaftszonen
Aufgrund der doch Bandbreite an Aufgaben und Zielen, die mit der Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen verbunden werden, gibt es verschiedene Typen nebst unzähligen Bezeichnungen 30 von ihnen. Teilweise unterscheiden sie sich in der Größe und der Brachendifferenzierung, aber in der Regel ist der Zweck ihrer Gründung der gleiche.
28 In Sonderwirtschaftszonen kann es im Gegensatz zum restlichen Land erlaubt sein, dass ein Unternehmen vollständig im Besitz ausländischer Personen bzw. Mutterunternehmen ist.
29 vgl. Röhl, 9.
30 In der Literatur sind zahlreiche sinnverwandte Begriffe zu finden, mit deren Errichtung im Großen und Ganzen die gleichen Ziele verfolgt werden, wie im Falle der Sonderwirtschaftszonen. Darunter sind teilweise Bezeichnungen für übergeordnete Formen, die mehrere untergeordnete Formen zusammenfassen, zum anderen überschneiden sich die Begriffe auch. Die Begriffe Exportfreihandelszone, Freie Produktionszone, Exportfreizone, Exportförderungszone, Wirtschaftssonderzone, spezial investment area, export- processing zone, foreign trade zone, industrial enclave, industrial free zone, duty free zone, zones franches industrielles d´exportation, zonas francas de industriales, industrias de maquila, Zonen freier Wirtschaftsaktivität, freie Wirtschaftszonen, free economic zone, economic activity zone sollen nur eine Auswahl darstellen.
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Dennoch wird versucht Sonderwirtschaftszonen mit Hilfe einiger Kriterien zu klassifizieren. Bevor im Folgenden drei zum Teil verschiedene Klassifikationen näher betrachtet werden, ist die Typisierung von Busch zu nennen, da sie die zwei klassischen Beispiele von Sonderwirtschaftszonen beinhaltet. Busch (1992) 31 hat zwei grundsätzliche Arten von Sonderwirtschaftszonen ausgemacht. Zum einen solche Zonen, in denen versucht wird, mit Hilfe finanzieller Anreize unterschiedlicher Art, Unternehmen zur Niederlassung zu bewegen. Dem gegenüber steht ein weiterer Typ von Sonderwirtschaftszone, welche nicht auf finanzielle Vergünstigungen setzt, sondern die Deregulierung der wirtschaftlichen Aktivität in den Vordergrund stellt und so Unternehmen und Investitionen anziehen will. Beide Formen werden in der Realität nicht strikt voneinander getrennt, sondern es werden in den meisten Fällen Zonen eingerichtet, die gleichzeitig mit pekuniären und nicht pekuniären Anreizen ausgestattet sind.
2.3.1 Typisierung nach Gabrisch
Neben dieser grundlegenden Unterteilung von Busch werden auch andere Kriterien genutzt, um Sonderwirtschaftszonen zu differenzieren. Gabrisch (1990) beispielsweise unterscheidet sie anhand ihrer Begrenzung, d.h. einerseits nach der gebietsmäßigen, andererseits nach der subjektbezogenen Abgrenzung (Tabelle 2).
Tab. 2: Typologie von Sonderwirtschaftszonen 32
31 in Röhl, 2004, 7.
32 Quelle: Gabrisch, 3.
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1 = Merkmal 2 = Gültigkeit 3 = erhoffte Auswirkungen 4 = Beispiele
2.3.2 Typisierung nach Röhl
Röhl (2004) hat sich bei seiner Typologisierung der verschiedenen Formen von Sonderwirtschaftszonen an einer Studie der UNCTC 33 orientiert. Bei dieser wird die „starke Ausrichtung am entwicklungspolitischen Leitbild der SWZ“ 34 deutlich. Einen Auszug aus diesem Typenkatalog zeigt Tabelle 3.
Tab.3: Typologie von Sonderwirtschaftszonen (nach Röhl) 35
33 UNCTC = United Nations Center on Transnational Cooperations.
Die Studie enthält 22 verschiedene Bezeichnungen, wovon aber die Hälfte stark mit der Definition einer Exportförderungszone korrelieren (vgl. Röhl, 7).
34 Röhl, 2004, 7.
35 Quelle: Röhl, 9.
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2.3.3 Typisierung nach Guangwen 36
Die Klassifikation von Guangwen unterscheidet sich von den beiden vorherigen Beispielen. Wie aus Abbildung 4 hervorgeht, sind die „free economic zones“ für den Autor die übergeordnete Form von Sonderwirtschaftszonen, die sich aufgrund ihrer räumlichen Struktur in einen „territorial type“ und einen „regime type“ 37 unterteilen lassen. Der territoriale Typ befindet sich in einem sepziell definierten Territorium, ausgestattet mit qualitativ hochwertiger Infrastruktur und Verwaltungseinrichtungen sowie besser ausgebildeten Arbeitskräften. Des Weiteren ist der „territorial type“ anhand der Stärke der Verflechtungen mit der inländischen Wirtschaft differenzierbar in einen „offenen Typ“ und einen „Enklaven- Typ“.
Der Enklaven- Typ ist streng definierter Raum, welcher geringere Verflechtungen mit der Binnenwirtschaft als der offene Typ aufweist. Der offene Typ ist nicht streng definiert und muss auch nicht strikt von der heimischen Wirtschaft getrennt sein. Aus der Abbildung wird auch deutlich, dass beispielsweise „spezial economic zones“ Merkmale beider Typen in sich vereinen. Ferner klassifiziert Guangwen den territorialen Typ unter Zuhilfenahme der Variablen: − Bedeutung des industriellen Sektors für die Zone 39 , − Standort der Zone 40 und − evolutionäre Entwicklungsphase der Zone 41 weiter aus.
36 vgl. Guangwen, 18-23.
37 “[…] he regime type makes it possible to development a strong linkage with the local economy, and let foreign firms freely choose the optimal location for their activities” (Guangwen, 19).
38 Quelle: Guangwen, 20.
39 Dadurch ergeben sich folgende Formen: trade-, manufacture-, service-, science- based and comprehensive free economic zone.
40 Hier unterscheidet Guangwen je nach Lage der „free economic zone“ beispielsweise zwischen küstennahen, Binnen-, urbanen Standorten.
41 siehe Punkt 2.1.
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2.3.4 Fazit
Die dargelegten Typisierungen zeigen, wie unterschiedlich Sonderwirtschaftszonen definiert werden können, obwohl ihnen i.a. der gleiche Sachverhalt zu Grunde liegt. Gleichzeitig sind auch die Darstellungen und Erläuterungen in der Literatur sehr unterschiedlich, wie die hier aufgeführten Beispiele zeigen. Beispielsweise sind die freien Bank- und Versicherungszonen, die Gabrisch noch unterschied, bei Röhl im Typ der sektoralen Sonderzone vereint. Für Guangwen z.B. ist die „free economic zone“ die übergeordnete Form der Sonderwirtschaftszone, während in den anderen beiden Fällen kein klares Hierarchieverhältnis zwischen den einzelnen Formen erkennbar ist. Auch ist die Zuordnung der regionalen Beispiele zu einer konkreten Form einer Sonderwirtschaftszone partiell schwierig. Eine Ursache dafür kann sein, dass das Beispiel noch eine andere Form einer wirtschaftlichen Sonderzone beinhaltet.
Der Flughafen „Shannon“ 42 in Irland ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich der Status einer Sonderwirtschaftzone gedeutet werden kann. Für Röhl ist der Flughafen das Beispiel einer Zone freier Wirtschaftsaktivität, während Gabrisch ihn zu den Exportförderungszonen zählt. Mikus (1994) 43 bezeichnete ihn sogar als „free trade zone“, was aber zu Irrtümern führen kann. Die Bezeichnung darf nicht mit einer Freihandelszone im engeren Sinn verwechselt werden. Im Kontext der Sonderwirtschaftszonen kommt dieser Begriff eher einer Exportzone bzw. einem Zollfreigebiet nahe, womit eine „räumlich abgegrenzte Enklave innerhalb eines Landes“ gemeint ist, „in die Importe zoll- und verbrauchssteuerfrei sowie ohne mengenmäßige Beschränkungen eingeführt werden können“ 44 . Eine Freihandelszone i.e.S. stellt dagegen ein Zusammenschluss mehrerer Länder zu einem Wirtschaftsraum dar, in dem der Außenhandel der Länder untereinander keinen Beschränkungen unterworfen ist 45 .
Alle diese Punkte erschweren es, den Überblick über die Thematik zu behalten. Bezug nehmend auf Abschnitt 2.1 sind für die weitere Betrachtung nicht alle Formen bzw. Generationen von Sonderwirtschaftszonen relevant. Im weiteren Verlauf werden hauptsächlich die „manufacture- based“ und die „comprehensive“ FEZs eine Rolle spielen, da es sich hierbei um die Typen handelt, die in den Fallstudien China, Großbritannien und Polen zu finden sind. Bei der Betrachtung der Volksrepublik China werden noch einige andere Formen erwähnt, da China besonders viele und vielfältige Formen von Sonderwirtschaftszonen beheimatet.
42 Der Flughafen „Shannon“ gilt heute als exzellentes Beispiel für die Politik der Sonderwirtschaftszonen. Dem Bedeutungsverlust, den der bis Ende 1950 für den Transatlantik- Flugbetrieb bezüglich Wartung, Frachtlagerung und Verteilung unentbehrliche Flughafen, mit Einsetzen des Jet- Zeitalters erlitt, wurde mit der Ernennung zur Sonderwirtschaftszone im Jahre 1959 begegnet. Diese Zone enthielt auch eine Exportproduktionszone, welche die erste ihrer Art überhaupt war (vgl. Kraus, 2002, 8). Im Zeitverlauf siedelten aufgrund der Vergünstigungen zahlreiche internationale Unternehmen auf dem Flughafengelände. Dadurch entwickelte sich der Standort zur „Keimzelle“ (Röhl, 9) eines gesamtwirtschaftlichen Wandels, dem Irland im Endeffekt das höchste Wirtschaftswachstum in der EU in den 90er Jahren zu verdanken hatte.
43 Mikus, 1994, 574.
44 Busch, 1992, 5; in: Röhl, 8.
45 vgl. Diercke, 228.
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2.4 Sonderwirtschaftszonen und Globalisierung
Die weltwirtschaftliche Vernetzung, die den Globalisierungsprozess auszeichnet, spiegelt sich sehr schön in der quantitativen Zunahme der Sonderwirtschaftszonen wider. Das liegt vor allem daran, dass sich mit der Globalisierung auch der internationale Strom von Direktinvestitionen enorm angewachsen ist. Diese sind bekanntlich im Fokus der Staaten, die Sonderwirtschaftszonen gegründet haben. Diesem Abschnitt geht eine kurze Charakteristik des Globalisierungsprozesses voraus.
2.4.1 Die Globalisierung
Die OECD bezeichnet die Globalisierung als einen „Prozess, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden - dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Kapital und Technologie“ 46 . Der Begriff an sich wurde erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts populär, obwohl die Anfänge der Globalisierung bereits in der Nachkriegszeit liegen. Der heutigen weltweiten Vernetzung von Güter-, Dienstleistungs- und Finanzmärkten wäre ohne vorherige staatliche Entscheidungen, die erst die außenwirtschaftliche Liberalisierung und Deregulierung ermöglichten. Es begann 1944 mit der Etablierung internationaler Institutionen, wie dem Internationalem Währungsfonds und der Weltbank, die für die Mitgliedsstaaten einheitliche Rahmenbedingungen schufen und zum Abbau von Interaktionshemmnissen beitrugen. Besonders wichtig war auch die Inkraftsetzung des GATT 47 im Jahr 1948. Dieses trug sehr stark zur weltweiten Handelsliberalisierung bei, denn in mehreren Runden wurden mengenmäßige und tarifäre Handelsbeschränkungen abgebaut. Ein weiterer wichtiger Baustein für die Globalisierung ist der technologische Fortschritt. Durch nationale und internationale Nutzung technischer Neuerungen im Bereich Verkehrs- und Kommunikationsstruktur konnten Trans-port- und Transaktionskosten drastisch gesenkt werden. Das bot Unternehmen, die zuvor aufgrund der finanziellen Belastungen durch Transport und Interaktion nicht an einem Auslandsengagement interessiert waren, die Chance durch Produktionsverlagerung Herstellungskosten zu senken oder sich Zutritt zu neuen Absatzmärkten zu verschaffen. Dass dies auch vermehrt geschieht, zeigen die seit Jahrzehnten bestehenden Unterschiede zwischen ausländischen Direktinvestitionen (ADI) und dem Bruttosozialprodukt (BSP). Die ADI, Indikator für internationale Interaktionen, wachsen im Vergleich zum BSP, welches die weltwirtschaftliche Leistung ausdrückt, überproportional stark an (Abbildung 5). Auch die Entwicklungsländer erhalten durch die Globalisierung die Möglichkeit, sich durch Spezialisierung auf die Produktion arbeitsintensiver Produkte Entwicklungspotentiale zu generieren.
46 Plate, von, 2003, 3.
47 = Allg. Zoll- und Handelsabkommen.
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Klohn (2005) hat folgende signifikante Erscheinungen der Globalisierung ausgemacht: − Unternehmen beziehen ihre Vorleistungen weltweit (global sourcing), − Auslandsengagement von Unternehmen über Direktinvestitionen, − Herausbildung transnationaler Unternehmen (global players), − Bildung strategischer Allianzen, − zunehmender Standortwettbewerb um das mobile Kapital und − internationaler Austausch von Wissen und Technologie 49 .
Neben diesen durchaus Nutzen und Gewinn stiftenden Merkmalen, gibt es auch Kritik an der globalen wirtschaftlichen Verflechtung. Dass es sich hierbei nicht nur um ein ökonomisches Phänomen handelt, zeigt die Tatsache, dass der Lebensstandard vieler Menschen negativ von unternehmerischen Standortverlagerungen beeinflusst wird. Aufgrund der nur geringen internationalen Handelsbarrieren sind diese heutzutage sehr schnell durchführbar. Damit wird indirekt ein weiterer Verlierer des Globalisierungsprozesses sichtbar: der souveräne Staat. Einzelne Staaten haben nur relativ wenige Möglichkeiten, Einfluss auf die Globalisierung zu nehmen. Ihre traditionellen wirtschafts- und finanzpolitischen Instrumente verlieren an Bedeutung, weshalb sie beispielsweise solche Outsourcing- Tendenzen heimischer Unternehmen nicht unterbinden können. Der Staat kann nur versuchen, seine Stärken im Vergleich zur weltweiten Standortkonkurrenz hervorzuheben, um den Auslagerungsprozess zu verlangsamen. Ist das nicht erfolgreich, muss der Staat mit den negativen Folgen dieser Entwicklung zurechtkommen 50 . Der Staat muss aus entwicklungspolitischen Gründen aber das Risiko der Niederlage im internationalen Standortwettbewerb eingehen. Ursächlich dafür sind die bisherigen Erfahrungen, die zeigen, dass Länder die sich wirtschaftlich öffneten in der Regel ein höheres Wachstum erreicht und die Armut stärker reduziert haben, als Staaten die sich der Öffnung verweigerten 51 .
48 Kulke, 2005, 5.
49 Klohn, 35.
50 Das sind u.a. Zunahme der Arbeitslosigkeit und steuerliche Einnahmeverluste.
51 Koopmann u. Franzmeyer, 13.
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Die Entwicklungspotentiale, die der Globalisierungsprozess bietet, können aber nicht von jedem Staat gleichermaßen genutzt werden, denn Ursprung und Richtung der Welthandelsströme sind regional unausgewogen (Abbildung 6). Den größten Anteil daran haben die Länder der Triade, während Entwicklungsländer in viel geringerem Umfang beteiligt sind.
2.4.2 Einfluss der wachsenden wirtschaftlichen Verflechtungen auf Sonderwirtschaftszonen Die weltweite Zunahme an grenzüberschreitenden Handelstätigkeiten hat auch Einfluss auf die Sonderwirtschaftszonen gehabt. Das globale Zusammenwachsen der Regionen begann bereits vor Jahrhunderten, als sich ein reger Schiffsverkehr zwischen einzelnen Kontinenten entwickelte. Aber erst die dramatische Entwicklung der Computer- und Informations-technologie erzeugte einen wahren Quantensprung im Bezug auf die weltweiten Interaktionen. Nun waren weltweit verflochtene Produktions- und Logistiktätigkeiten möglich, konnten blitzschnell entscheidende Finanztransaktionen getätigt werden. Der damit verbundene intensive Kostenwettbewerb machte Entwicklungsländer als Niedriglohnländer für viele Unternehmen interessant. Gleichzeitig sollten ausländische Investitionen einen wirtschaftlichen Wachstumsschub in den Entwicklungsländern ermöglichen. Deshalb boten immer mehr Entwicklungsländer in einer steigenden Zahl von Sonderwirtschaftszonen besondere Bedingungen für Unternehmen aus Industrieländern an. Wenn es zu Ansiedlungen kam, konnten die Entwicklungsländer ihren komparativen Vorteil bei der Produktion von arbeitsintensiven Produkten ausnutzen.
52 Le Monde diplomatique, 22.
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Die quantitative Zunahme von Sonderwirtschaftzonen seit Anfang des letzten Jahrhunderts spiegelt die Zunahme der internationalen Arbeitsteilung wider. Gleichzeitig zeigt auch die räumliche Expansion wie der zuerst in Industrieländern erzeugte Fortschritt nach und nach weniger entwickelten Regionen zugänglich gemacht wird. Um 1900 gab es 11 Sonderwirtschaftszonen in Form von Freihäfen und kleinen Freihandelszonen. Vierzig Jahre später waren es bereits 75 Sonderzonen in 26 Ländern. Die räumliche Verteilung zeigte anfangs eine starke Konzentration von Sonderwirtschaftszonen in Europa, doch das wirtschaftspolitische Instrument wurde alsbald auch in Asien, Afrika und Amerika eingesetzt. Für die kontinentale Diffusion waren die Kolonialmächte verantwortlich. Durch bereits erwähnte Gründe wuchs die Bedeutung der wirtschaftlichen Außenorientierung nach dem 2. Weltkrieg besonders stark an. In diesem Kontext wurden immer öfter „export processing zones“ (EPZs) gegründet. Diese Gründungswelle war vor allem in Entwicklungsländern zu beobachten (siehe Tabelle 4). Anhand der Zahlen in der Tabelle kann man nachvollziehen, wie enorm stark EPZs in allen Regionen der Welt zunahmen. Zudem wird auch anhand des Wachstums in Nordamerika und Europa deutlich, dass diese Form der Sonderwirtschaftszone auch in Industrieländern einen Bedeutungszuwachs erfuhr.
Tab.4: Quantitatives Wachstum von EPZs in verschiedenen Regionen im Zeitraum 1979-1997 53
Die Entwicklung der EPZs ist aber nur stellvertretend für das Wachstum aller Sonderwirtschaftszonen zu betrachten. In der Literatur schwanken die Zahlen, jedoch ist man sich einig, dass die Sonderwirtschaftszonen in den 90er Jahren weiter immens an Bedeutung gewannen 54 .
53 Quelle: Knoth, 24.
54 Guangwen spricht in Anlehnung an seinerzeit aktuellen Studien von über 1.000 verschiedenen Sonderwirtschaftszonen in ca. 90 Ländern (Guangwen, 46).
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Daniel Sehnert, 2006, Die Rolle von Sonderwirtschaftszonen in der internationalen Wirtschaftspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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