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Inhalt
1. Einleitung…………………………………………………… 3
2. Präambel - Die Methodik der traditionellen Qurá#nexegese 4
2.1 At-TafsJr bil-maá}·r………………………………….. 4
2.2 At-TafsJr bil-raáy…………………………………….. 6
3. Die Schule Muýammad ÝAbduhs und Qurá#nexegese……… 8
4. Die Paradigmen der Untersuchung…………………………. 11
5. Die methodischen Hintergründe der Schule
Muýammad ÝAbduhs ………………………………............. 12
5.1 Al-ìin………………………………………………... 13
5.2 Evolutionstheorie…………………………………….. 15
5.3 Medizin………………………………………………. 19
5.4 Naturphänomene……………………………………... 20
5.5 Polygamie…………………………………………….. 22
6. Diskussion und Ergebnisse………………………………….. 25
7. Fazit…………………………………………………………. 28
8. Referenzen…………………………………………………… 30
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Die methodischen Hintergründe
der Schule Muýammad ÝAbduhs in der Qurá#nexegese
1. Einleitung
Die reformtheologische Schule Muýammad ÝAbduhs wird zu den Initiatoren der islamischen Erneuerungsbewegung in der arabischen Welt gezählt. Ihre Bemühung um IXl#ý galt neben der Modernisierung von Bildung, Gesellschaft und Politik auch der religiösen Lehre, deren ethisch moralische Werte und Grundlagen nach ihrer Ansicht in der Substanz zeitlosen und universellen Charakter hatten und daher als Richtlinien des muslimischen Lebens nach wie vor Gültigkeit besaßen. Nur müsse der Sinngehalt durch Bereinigung von überkommenen Interpretationen und durch Affirmation von Wissenschaft, Fortschritt und Rationalität regeneriert und die Kompatibilität mit der Moderne nachgewiesen werden. Mit Fokus auf Ursprung und Quelle der islamischen Lehre suchten sie nach neuen Ansätzen in der Qurá#nexegese. Die Schule ÝAbduhs wird "die rationale Schule der Qurá#nexegese" genannt (AûûahabJ, at-tafsJr 2: 251) 1 . Durch eine auf Vernunft und moderner Erkenntnis beruhende Erklärung des Basistextes sollte das Fundament zur Reform gelegt werden.
1 Die arabische Bezeichnung lautet: å®Øß ®ô´Ô òÓ ôàØÌß ³ªäß " "
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Diese Hausarbeit wird sich speziell auf die Anschauungen Muýammad ÝAbduhs und seines Schülers Muýammad RašJd Riü#s in der Qurá#nexegese konzentrieren, die im TafsJr al-Man#r 2 präsentiert werden, um die Methodik und den wissenschaftlichen Hintergrund zu beleuchten, auf dem sie ihr theoretisches Fundament und ihre Fat#w# 3 gründeten. Dabei sollen ausschließlich einige der Gesichtspunkte betrachtet werden, die erstmalig aktuelle Fragestellungen an den Qurá#ntext herantragen.
2. Präambel - Die Methodik der traditionellen Qurá#nexegese In der traditionellen Qurá#nexegese wird im Wesentlichen zwischen zwei Arten der Methodik unterschieden (al-AmJn 6-7; as-Subý#nJ 153-156; ar-R#üawJ 59; ÝAzab 51-52).
2.1 At-TafsJr bil-maá}·r 4
At-TafsJr bil-maá}·r repräsentiert die älteste Methode, mit Hilfe derer islamische Gelehrte den Qurá#n auslegten. Sie wurde von den TabiÝ·n, den Schülern der Gefährten Muýammads genutzt, ebenso von a~-abarJ, Ibn Ka}Jr etc. Ausgehend vom Wundercharakter (iÝÑ#z) des Qurá#n und seiner Überbringung, erschlossen sie ihre methodischen Grundsätze, die wie folgt charakterisiert werden können:
2 TafsJr al-qurá#n al-ýakJm aš-šahJr bi-tafsJr al-Man#r. Wird in dieser Arbeit kurz als TafsJr al-Man#r bezeichnet.
3 Die Rechtsgutachten wurden de facto von ÝAbduh, nicht von RašJd Riü# erstellt.
4 Al-maá}·r bedeutet entsprechend arabischer Wörterbücher all das, was aus der Ver- . Ibn Manc·r, Abschnitt a}ara; argangenheit überliefert ist. Die Wurzel ist R#üawJ 37.
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a) Der Qurá#n wurde als heiliger Text betrachtet, der nicht mittels persönlicher Überlegung interpretiert werden durfte (al-AmJn 23-26; as-Subý#nJ 45-47; a~-abarJ 1: 27).
b) Aufgrund dieser Tatsache hingen die Gelehrten unmittelbar von den Taten und Aussprüchen Muýammads - der Sunna des Propheten - ab um exegetisch zu arbeiten, gebunden an den Qurá#nischen Vers (53: 3; 4), dass sowohl der Prophet Muýammad als auch all seine Äußerungen und Handlungen eine Offenbarung seien 5 (ar-R#üawJ 9; al-AmJn 373; as-Subý#nJ 36-37; a~-abarJ 1: 56).
c) Die Vertreter dieser Methodik mit unbedingtem Glauben an die prophetische Tradition nutzten diese zur Erklärung und Diskussion der Bedeutung des Textes. Sie bestanden also in erster Linie auf der Deutung der Offenbarung durch die Offenbarung (as-Suy·~J 4: 175-176; ar-R#üawJ 23; as-Subý#nJ 34-35).
d) Konnten Exegeten keine zufrieden stellenden Antworten in der prophetischen Tradition finden, dienten ihnen als zweite autorisierte Quelle die Gefährten Muýammads, insbesondere ÝAbdull#h b. ÝAbb#s, ÝAbdull#h b. MasÝ·d und Ubayy b. KaÝb (ar-R#üawJ 107-108; al-AmJn 27; ÝAzab 17-18).
e) Die Informationsquellen aller Gelehrten dieser Richtung lagen in der Vergangenheit; neuere Erkenntnisse ihrer Zeit bezogen sie bei der Exegese nicht ein. Die Deutung
5 í ïô îô ìø ß ø æ ô Ë õ Ö ö Ä ø è ô ó ô ã ðô £îõ ó ò ò ø £ ô í I û ö ô î õ ë ø å ö ": "und befindet sich nicht im Irrtum. Und er ô " ) 3 ( ) 4 (
spricht nicht aus (persönlicher) Neigung" (Paret 372).
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aufgrund der Kenntnis religiöser Überlieferung ('adJ}), deren Überliefererkette (Sanad) der Aussage Autorität und Gewissheit verlieh, stand also im Mittelpunkt älterer Exegese (Gätje 50). Bestes Beispiel dafür ist der TafsJr von a~-abarJ - er achtete bei der Zusammenstellung seines Materials sehr genau auf die Wiedergabe der entsprechenden Isn#d. Die Methodik basierte also hauptsächlich auf der Prüfung der Autoritäten, die die Berichte übermittelten und der Kontinuität der Übermittlung (Jomier VIII).
2.2 At-TafsJr bil-raáy 6
Diese Methodik impliziert ein Novum und stellte somit eine Rebellion gegen das erstere methodische Prinzip dar. Die Exegeten dieser Richtung bemängelten die Fülle und den Einfluss von legendenhaften und israelitischen Geschichten 7 in der Qurá#nexegese (AûûahabJ, al-Jsr#áJliyy#t 55-57, 125, 139, 176; al-AmJn 85-86). Aufgrund des Kontaktes zur griechischen Philosophie, der Herausbildung eines arabischen Gelehrtenstandes und der islamischen Firaq, insbesondere der MuÝtazila, sahen sie sich veranlasst, nach einem neuen Weg in der Qurá#nexegese zu suchen (ÝAzab 61; ar-R#üawJ 40-59; al-AmJn 423-428). Sie forderten eine
6 Der Terminus TafsJr bil-raáy beinhaltet die verschiedenen Taf#sJr der islamischen Firaq und alle anderen, die nicht auf der Methode des TafsJr bil- maá}·r aufbauen.
7 Diese Geschichten gingen zweifellos auf die prophetische Tradition und einige Berichte, die den Gefährten Muýammads zugeschrieben wurden, insbesondere Wahb b. Manbah und KaÝb al-Aýb#r zurück , al-AmJn 87 und für nähere Infor- mationen AûûahabJs Buch (al-Jsr#áJliyy#t).
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Befassung mit dem Text unter Einbezug des eigenen Verstandes und neu gewonnener Erkenntnisse (al-AmJn 416-418; as-Subý#nJ 61-63). Diese Methode kann wie folgt charakterisiert werden:
a) Sie war befreit von der Autorität der prophetischen Tradition, aber nicht uneingeschränkt, da sie diese auch weiterhin respektierte (ar-R#üawJ 121-140).
b) Sie hing von der Intention und Kompetenz des Exegeten und seinen Ansichten ab. Diese hatten das Bestreben unmittelbar am Qurá#nischen Text zu arbeiten (ar-R#üawJ 121-130; al-AmJn 415-418, 423-428).
c) Entsprechend ihrer subjektiven Herangehensweise und ihres persönlichen Hintergrundes gelangten sie zu unterschiedlichen exegetischen Resultaten, was die Herausbildung verschiedener Richtungen der Qurá#nexegese forcierte. So entwickelten z.B. al-MuÝtazila, aX-p·fiyya, aš-ŠJÝa u.a. unterschiedliche Ansätze in der Auslegung des Qurá#n zur theologischen Begründung ihrer Lehren (AûûahabJ, attafsJr 1: 375, 404, 445, 455, 467; 2: 197, 212, 248; al-AmJn 419-423) 8 .
d) Prinzipiell lehnte diese Methodik direkt an den Text des Qurá#n unter Nutzung linguistischer Kategorien wie Metapher, Allegorie, Rhetorik etc. an. Diesbezüglich divergierten beide Methoden sehr stark (ar-R#üawJ 43-45; al-AmJn 126, 158, 163; as-Subý#nJ 145, 149).
8 Einen Überblick bietet auch Goldziher (99-309)
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3. Die Schule Muýammad ÝAbduhs 9 und Qurá#nexegese Zur Zeit ÝAbduhs in Ägypten fand at-TafsJr bil-raáy keine Berücksichtigung mehr; an der Azhar wurde ausschließlich in Anlehnung an at-TafsJr bil-maá}·r unterrichtet (Azab 74, 77-78). Die Gelehrten der Azhar arbeiteten nicht unmittelbar am Text des Qurá#n, vielmehr waren sie bestrebt, das Prestige alter exegetischer Werke, vor allem von a~-abarJ und Ibn Ka}Jr, zu wahren (RašJd Riü# 1: 8-14; Azab 71). Sie begriffen die traditionellen Taf#sJr als heilige Texte, deren Glaubwürdigkeit und Legitimität ohne Analyse oder Diskussion konstatiert wurde. Zweifel oder Kritik wurden nicht zugelassen (AûûahabJ, at-tafsJr 2: 216; Azab 71-72). ÝAbduh und sein Schüler RašJd Riü# repräsentierten eine neue Richtung in der Qurá#nexegese. All ihre Bestrebungen rebellierten de facto gegen die Direktive der Azhar bezüglich der Lesung und Interpretation des Qurá#n. Die Fuqah#á, gebunden an Aý#dJ} und
9 Muýammad ÝAbduh wurde 1849 geboren und in der Theologie ausgebildet. Die Missstände in der Pädagogik und Politik seiner Zeit erkannte er früh und beschäftigte sich daher auch mit Mystik und unter dem Einfluss ëamal ad-DJn al-AfÔ#nJs mit Schriften europäischer Denker. Nach dem Studium der islamischen Lehre an der Azhar arbeitete er zunächst als Journalist, dann als Lehrer an der D#r al-Ýul·m. Aufgrund seiner Beteiligung am ÝUr#bJ- Aufstand wurde er 1882 für drei Jahre ins Exil geschickt, die er u.a. in Paris, zusammen mit al-AfÔ#nJ verbrachte, wo er mit diesem die Zeitschrift al-ÝUrwa al-wutq# herausgab. Nach seiner Rückkehr nach Ägypten 1888 wurde er zum Richter ernannt und 1895 in den Verwaltungsrat der Azhar berufen, an der er auch Vorlesungen gab. 1899 wurde er oberster islamischer Gelehrter und Rechtsgutachter (MuftJ) von Ägypten. Verantwortlich für die Überwachung der religiösen Rechtssprechung, versuchte er sowohl hier Reformen einzuführen als auch die Regierung durch formale, von seinem liberalen Denken durchdrungene Ratschläge, das islamische Recht betreffend, zu beeinflussen. Auch gab er seine Ansichten auf Anfragen von Privatpersonen hinsichtlich ihrer Religionsausübung in einer Reihe von kontroversen Fat#w# bekannt. Er starb 1905 (Kerr 144-145).
Arbeit zitieren:
Student Antje Seeger, 2007, Die methodischen Hintergründe der Schule Muhammad Abduhs in der Quranexegese , München, GRIN Verlag GmbH
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