Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Genealogie. 6
2.1 Der Stammbaum der Welfen - die „Historia Welforum“ 6
3. Auftreten und Gefolge Heinrichs des Löwen. 9
3.1. Die Pilgerfahrt nach Jerusalem 9
4. Literatur und Kunst am Welfenhof 12
4.1. Literatur - das Rolandslied 14
4.2. Kunst - Das Helmarhausener Evangeliar. 17
5. Politische Architektur als Repräsentationsform. 18
5.1. Stadt Braunschweig. 19
5.2. Burg Dankwarderode 21
5.3. Das Löwenmonument 22
5.4. Die Stiftskirche St. Blasius - der Braunschweiger Dom 23
5.5. Grabmal. 24
6. Schlussbetrachtung. 25
7. Literaturverzeichnis. 27
4
1. Einleitung
Repräsentation ist für die Menschen schon immer von Bedeutung gewesen. Gerade im Mittelalter war mit ihr eine hohe Symbolik verbunden. Der symbolische Charakter äußerte sich nicht nur in der Ausübung von Repräsentation im wörtlichen Sinne, sondern beinhaltete Politik, Macht, Wirtschaftskraft, Literatur und Kunst.
Der Begriff ist von dem lateinischen Verb „repraesentare“ abgeleitet und hat die Bedeutung: vergegenwärtigen, vertreten, darstellen, würdig auftreten. In diesem Zusammenhang sind dann auch das standesgemäße Auftreten und der damit verbundene gesellschaftliche Aufwand zu sehen.
Übertragen auf die Zeit Heinrichs des Löwen bedeutet dies, dass die Fürsten zu jener Zeit ihre Herrschaft nicht nur politisch, juristisch, ökonomisch und militärisch zu behaupten hatten.“ 1 Sie mussten auch wissen, wie sie sich „darzustellen, aufzuführen, den Sehgewohnheiten der Zeitgenossen entsprechend so zu repräsentieren hatten, dass ihr Träger als Fürst hohen Ranges zweifelsfrei erkennbar und mit seinen Ansprüchen akzeptabel blieb.“ 2 Da gerade dieser Welfenherzog eine Fülle an Literatur- und Kunstschätzen sowie Geschichtszeugnissen hinterlassen hat, bietet er sich für die oben genannte Thematik als Untersuchungsgegenstand an. Über die genaue Definierung des Begriffs der Genealogie in Verbindung mit dem Stammbaum der Welfen, dem Auftreten des Fürsten und seiner Gefolgschaft, den Aspekten der Literatur- und Kunstförderung sowie die politische Architektur sollen nicht nur zeigen, dass Heinrich der Löwe, besser als seine Zeitgenossen sich darzustellen wusste, sondern auch welche einzigartige Stellung er als Mäzen der Kultur und Kunst in der deutschen Geschichte inne hat.
Jedes einzelne Kapitel dieser Ausarbeitung kann für eigene intensive wissenschaftliche Arbeit herangezogen werden. Doch besonders die umfangreichen Repräsentationsarten des Welfenfürsten sind meinem Erachten nach so wertvoll, dass sie im Kontext aufgezeigt werden müssen. Sie geben ein präziseres Bild des Herzogs von Sachsen und Bayern wider, der mit Hilfe
1 Becker, Hans-Joachim, Repraesentatio, in: LexMa 7 (1995), Sp. 743-744.
2 Ehlers, Joachim, Heinrich der Löwe - Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter, Göttingen, Zürich 1997,
S. 9.
5
dieser ausgeführten Formen bestrebt war, nicht nur seinen Zeitgenossen sein königgleiches Selbstverständnis zu zeigen, sondern auch dabei seine memoria und fama berücksichtigte. Dabei sollen biographische Daten des Welfen zur Unterstützung für die zeitliche Einordnung und zum besseren Verständnis seiner Epoche herangezogen werden.
2. Genealogie
Genealogien sind die Darstellungen verwandtschaftlicher Verbindungen einer Dynastie oder eines Adelsgeschlechts in Form eines Stammbaums. Die lateinische Bezeichnung „genealogia“ deckt daher ein breites Bedeutungsspektrum ab, das den Geschlechterverband verstorbener und lebender Personen nicht allein in biologischer Abfolge der Generationen stellt, sondern spiegelt sie mehr noch im sozialen Kontext wider. 3 Somit haben Genealogien einen hohen Quellenwert für die Forschung, da sie einen Einblick in das Geschichtsbewusstsein, die Haustradition und das Selbstverständnis großer Adelsfamilien gewähren. Im Hochmittelalter bestand das Bestreben, eine fremde (Herrscher-) Dynastie in den Umkreis der eigenen Geschichte einzugliedern, um die eigene Herkunft zu erhellen, zu interpretieren und zu legitimieren. 4
2.1 Der Stammbaum der Welfen - die „Historia Welforum“
Die „Historia Welforum“ spiegelt das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Welfen am deutlichsten wider. Ihr Verfasser berichtet: „Sie [die Welfen] stammen von jenen Franken ab, die einst aus Troja ausgewandert waren.“ 5 Dieses literarische Motiv der trojanischen Abstammung ist in der Geschichtsschreibung des Mittelalters sehr geläufig, um das eigene Ansehen der Familie zu begründen. 6 Der Bezug zu Troja in Verbindung mit den Welfen lässt sich folgendermaßen erklären: Da „Welf“ auch gleichbedeutend mit „Welpe“ ist, leiteten die Welfen ihren Ursprung aus der Verdeutschung des
3 Freis, E., Genealogien, in: LexMA 4 (1995), Sp. 1216-1221.
4 Boshof, Egon, Heraldik, Mittelalterliche Geschichte, in: Grundlagen des Studiums der Geschichte - Eine
Einführung, 5. Aufl., Köln 1997, S. 175.
5 Hasse, Claus-Peter: Das Haus der Welfen,.In: Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation
der Welfen 1125 - 1235, Bd. 1, Braunschweig 1995, S. 65.
6 Jordan, Karl, Heinrich der Löwe. Eine Biographie, 4. Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1996, S.
1.
6
lateinischen „catalus“ (das Junge eines wilden Tieres) bzw. mit dessen Weiterbildung „catilina“ ab. Dies verleitete den Verfasser der „Historia Welforum“ eine Verbindung zu dem römischen Senator Catilina zu ziehen, etwa durch die Heirat eines Vorfahren mit einer Tochter des Catilina. 7 Der Senator, ein hoch angesehener Patrizier in Rom, berief sich auf seine Abstammung von Äneas, der aus Troja geflohen und ein Vorfahr der Romgründer gewesen war. Damit sollte eine Verbindung der Welfen zur Antike erklärt werden, um das Geschlecht für die Zeitgenossen zu erhellen. Die Einbeziehung einer fränkischen Abstammung lässt sich faktisch eher beweisen. In der Genealogie steht als Stammvater der Welfen Ruthart (um 770), der unter Pippin den Kleinen die Grafschaft Argengau, nördlich des Bodensees, erhielt. Dieses alte fränkische Adelsgeschlecht besaß ursprünglich seine Hausgüter im Elsass und in Lothringen. Ruthart verlagerte diese nach Schwaben auf die Hauptburg Altdorf. 8 Erst einer seiner Nachfahren wurde der Namensgeber für das gesamte Geschlecht, Graf Welf I. Seine Töchter waren die Ehefrauen von karolingischen Königen und Kaisern gewesen, so dass sich die Welfen zusätzlich auf eine königliche Abstammung berufen konnten. 9 Eine weitere dynastische Verbindung von großer Bedeutung war die Ehe Heinrichs des Stolzen, Vater Heinrich des Löwen, mit der Tochter Kaiser Lothars.
Eine weitere Betrachtung der einzelnen Personen, die zum starken Selbstverständnis der Welfen beitrugen, würde hier zu weit führen und ist auch nicht Thema dieser Arbeit. Allerdings muss noch betont werden, dass unter Heinrich dem Löwen die Welfen begonnen hatten europaweit dynastische Verbindungen einzugehen. Die Heirat mit Mathilde von England, Tochter Heinrichs II. von England, und Heinrich dem Löwen verstärkte das Selbstverständnis des welfischen Geschlechts noch mehr. Diese Verbindung und die Geschichte der eigenen Familie veranlasste Heinrich den Löwen die bereits schon mehrmals erwähnte „Historia Welforum“ herstellen zu lassen. Sie ist eine Handschrift aus dem Kloster Weingarten und entstand zwischen 1185 und 1191. In einem Lederband gebunden, besteht sie aus 150 Blättern Pergament, die mit kolorierter Federzeichnung verziert sind. Diese Handschrift
7 Ebd., S. 2.
8 Ebd., S. 2f; Siehe auch Hasse: Haus der Welfen, S. 65.
9 Ebd., S. 2f; Siehe auch Hasse: Haus der Welfen, S. 65.
7
erlangte ihren Ruhm durch eine Doppelseite mit Bildern, die den einzelnen Stammbaum der Welfen und darüber hinaus noch Kaiser Friedrich Barbarossa mit seinen Söhnen, König Heinrich VI. und Friedrich, Herzog von Schwaben, zeigt (siehe Abb. 1). 10
Der Herstellung dieser Handschrift ist ein für die Welfen historisches Ereignis vorangegangen. Welf VI., der auf einem Italienfeldzug von Kaiser Friedrich I. seinen Sohn Welf VII. vor Rom verloren hatte, lebte von da an als Lebemann. Hierfür benötigte er hohe finanzielle Mittel, die ihm mit der Zeit ausgingen. Daher schloss er einen Vertrag mit Heinrich dem Löwen ab. Heinrich sollte gegen ein höheres Entgelt an Welf, die schwäbischen Erblandes nach dessem Tode erhalten. Doch der Sachsenherzog kam seiner finanziellen Zusage nicht nach, so dass Welf den Vertrag annulierte und sich an seinen kaiserlichen Neffen Friedrich Barbarossa wandte. Da der Kaiser sofort zahlte, gingen die Besitzungen schon kurz darauf in das staufische Hausgut über, einen Großteil des Gebietes gab er Welf als Lehen zurück. 11 1191 ist nicht nur das Jahr der Fertigstellung der „Historia Welforum“, sondern auch das Todesjahr Welfs VI. Dadurch kam es zu einer deutlichen Machtverschiebung innerhalb des Reiches. Dieses Ereignis kommt auch in der Handschrift zum Ausdruck. Auf der letzten Seite befindet sich eine der ältesten, bildlichen Darstellungen mittelalterlicher Adelsgeschlechter. 12 Vorlage der Darstellung ist der Text der „Historia Welforum“. Der Stammbaum beginnt mit Welf I. und geht über mehrere Generationen bis zu Heinrich dem Löwen und Welf VII. Hier endet auch der Doppelstrang. Heinrichs Nachkommen sollten nicht mehr als Teil des welfischen Hauses verstanden werden. Denn die Geschichte der Welfen und ihres Geschlechts hatte ein staufisches Vorzeichen bekommen, ihre Geschichte wird nun von Friedrich Barbarossa, dessen Mutter Welfin gewesen war, fortgeführt. 13
10 Oexle, Otto-Gerhard, Historia Welforum und Stammbaum der Welfen aus Kloster Weingarten, in: Heinrich
der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125 - 1235, Bd. 1, Braunschweig 1995, S.
67.
11 Jordan, a. a. O., S. 182f.
12 Oexle, a. a. O., S. 70.
13 Ebd.
8
3. Auftreten und Gefolge Heinrichs des Löwen
Feudale Herrschaft ist im Gegensatz zur Macht durch ihren Bezug auf Recht charakterisiert. 14 Mittels der Akklamation wird dieser Rechtsanspruch bestätigt. Damit wird die Öffentlichkeit mit einbezogen, so dass hier ein Grundelement des Verständnisses von gesellschaftlicher Realität im Mittelalter erkennbar ist. 15
Durch Verkörperung, durch sinnlich wahrnehmbare Präsenz wird der Rechtsanspruch feudaler Herrschaft sichtbar gemacht. 16 Die Darstellung dieses Anspruchs kann sich durch die Attribute der Person sowie „durch institutionalisierte Formen gemeinschaftlichen Handelns, insbesondere Handlungen mit Zeremonialcharakter“ 17 äußern. Der Akt von Legitimation ist im Repräsentationsgeschehen von hoher Bedeutung:
Der Anspruch auf Anerkennung bedarf des verbindlichen Mitvollzugs der am
Repräsentationsgeschehen Beteiligten und der Bestätigung durch die von
18 diesem Repräsentationscharakter Betroffenen.
Folglich wird die Handlung offenkundig und erhält somit eine Rechtskontur, die für alle wahrnehmbar ist. 19
3.1. Die Pilgerfahrt nach Jerusalem
In den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts stand Heinrich der Löwe auf dem Höhepunkt seiner Macht. Dadurch besaß er auch die finanzielle und politische Stellung, eine Pilgerfahrt in das Heilige Land zu machen. Sie entsprach ganz der Sitte der Zeit. 20 So war es üblich, das sowohl geistliche Fürsten als auch
14 Ortmann, Christa / Ragotzky, Hedda: Minnesang als >>Vollzugskunst<<. Zur spezifischen Struktur
literarischen Zeremonialhandelns im Kontext höfischer Repräsentation. In: Ragotzky, Hedda / Wenzel, Horst:
Höfische Repräsentation. Das Zeremoniell und die Zeichen. Tübingen: Niemeyer 1990, S. 229.
15 Ebd.
16 Ebd., S. 230.
17 Ebd.
18 Ebd.
19 Ebd., S. 228.
20 Jordan: Heinrich der Löwe, S. 175.
9
Arbeit zitieren:
Sascha Engels, 2005, Höfische Repräsentation am Beispiel Heinrichs des Löwen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Nibelungenklage - Sagenstoff in historischem Gewand?
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Summerhill: Funktionsfähiges Konzept oder pädagogische Utopie?
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Bedeutung der Minne in Kreuzliedern des späten 12. Jahrhunderts
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Examensarbeit, 80 Seiten
Die Familie im klassischen Athen
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Die Gattung Chronik im Mittelalter und heute - Ein Vergleich
Seminararbeit, 14 Seiten
Der Hof als gesellschaftliches und kulturelles Zentrum des Mittelalter...
Der Hof als Ausgangspunkt der ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Die ästhetische Betrachtungsweise bei Arthur Schopenhauer
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Dietrichepik - Theoderich der Große und Dietrich von Bern
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 18 Seiten
Interpretation eines Abschnitt...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 19 Seiten
Lessings "Ringparabel", ein Stundenentwurf mit 4 Arbeitsblät...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 20 Seiten
Motive des Wendenkreuzzugs von 1147
Religiöse Ideologie christlich...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 13 Seiten
Das Vorbild der okzitanischen Lyrik
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Frauen im antiken Griechenland - Sparta und Athen - Ein Vergleich
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Darstellung Julians in der Kaiserchronik - Historie, Fiktionalität...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Introite, nam et heic Dii sunt - Die drei monotheistischen Religionen ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 27 Seiten
Gottesdienst und Frauendienst in den Liedern Rubins, Ulrichs von Liech...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Erziehung der Knaben im klassischen Sparta
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Sascha Engels's Text Höfische Repräsentation am Beispiel Heinrichs des Löwen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sascha Engels hat den Text Höfische Repräsentation am Beispiel Heinrichs des Löwen veröffentlicht
Sascha Engels hat einen neuen Text hochgeladen
Jubiläumsset: Münchens Weg in die Gegenwart - Von Heinrich dem Löwen z...
Lothar Altmann, Claus Peter Hartmann
0 Kommentare