Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Trauerprozesse - bewusst und
unbewusst. 3
2. Trauer
2.1. Das freud'sche Konzept. 4
2.2. Trauerarbeit - Chancen und Probleme. 5
3. Melancholie
3.1. Das freud'sche Konzept. 6
3.2. Manie als eine Form der Überwindung. 7
4. Vertigo
4.1. Ein melancholisches Meisterwerk. 7
4.2. Psychoanalytische Hintergründe. 9
4.3. Hitchcock - zwischen Leid und Obsession. 11
5. Schluss: Der innere Kampf mit ungewissem
Ausgang. 12
Literaturverzeichnis. 14
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1. Einleitung: Trauerprozesse - bewusst und unbewusst Viele beschreiben es, wie den Fall in ein schwarzes Loch, das am Boden liegen und nicht mehr allein aufstehen können - eine Depression kann das Leben zum Stillstand bringen oder es zu einem unerträglichen Kampf machen. Freud (1917, 429) beschreibt diesen Zustand in seinem Werk „Trauer und Melancholie“ als „eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstwertgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung von Strafe steigert“. Allein diese Formulierung zeigt wie facettenreich und unergründlich sich dieses pathologische Verhalten äußert. Gegenstand dieser Verschriftlichung wird es sein, das Konzept des freud'schen Melancholiebegriffs, der heutzutage als Depression verstanden wird, zu beleuchten und ihn als unbewussten Trauerprozess kenntlich zu machen. Dazu lässt es sich nicht umgehen, auch die bewusste Trauer genauer zu betrachten. Die Bezeichnungen „bewusst“ und „unbewusst“ lassen erahnen, das in dem einen Fall die Ursache der Trauer bekannt ist. Es geht dabei um „die Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person oder einer an ihre Stelle gerückten Abstraktion wie Vaterland, Freiheit, ein Ideal usw.“ (Freud 1917, 429). Das Verständnis der unbewussten Trauer, die letztendlich die Melancholie auslöst, gestaltet sich etwas komplizierter. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sich dieser depressive Affekt tatsächlich anfühlt. „Das können nur Menschen verstehen, die schon einmal selbst dieses Gefühl - zumindest zeitweilig - erlebt haben“ (Hau 2005, 46). Ein Merkmal, das allen analytischen Autoren, die sich mit der Depression auseinandergesetzt haben, betonen, ist das stark verminderte Selbstwertgefühl (vgl. ebd.). Doch auch in Verbindung mit der ursprünglichen Bedeutung „bedrückte Stimmung“ ergeben diese Indizien noch kein klares Bild. Auch der Übergang zur Manie wirft Rätsel auf. Freud (1917, 441) beschreibt diese als Triumphgefühl in Bezug auf die Überwindung der Melancholie. Er erklärt auf diese Weise die unangemessen gehobene Stimmung sowie die allgemeine Hyperaktivität in der manischen Phase (vgl. Plänkers 2005, 78). Obwohl affektive Erkrankungen auch in den vergangenen Jahren im Fokus der empirisch-psychatrischen Forschung gestanden haben, ist
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das Wissen über die Ursachen der Entstehung und des Verlaufs lückenhaft (vgl. Stoppe et al. 2006, 1-5).
Anhand des filmischen Beispiels Vertigo von Alfred Hitchcock möchte ich versuchen, die Dynamik der Depression verständlicher zu machen. Zwar handelt es sich bei diesem Film um ein Stück Fiktion. Doch sind die Motive der Psychoanalyse unverkennbar. Zum einen ist das Verhalten des Protagonisten Scottie meiner Meinung nach ein Musterbeispiel für die eben genannten Affekte. Auf der anderen Seite kann man aus dem Konzept des Filmes auf bestimmte Facetten der Psyche Hitchcocks schließen. Die zentrale Frage, die ich in Bezug auf dieses Thema aufwerfen möchte ist: Kann man annehmen, dass der Protagonist Scottie am Ende des Filmes von seiner Depression befreit ist, oder wird er vermutlich wieder in einen melancholischen Zustand verfallen? Wenn man die Konzepte für Trauer und Melancholie genauer unter die Lupe nimmt, was ich im Folgenden tun möchte, könnten beide Möglichkeiten in Frage kommen.
2. Trauer
2.1. Das freud'sche Konzept
Freud (1917) unterscheidet in seinem Werk „Trauer und Melancholie“ zwischen der normalen Trauerreaktion, der pathologisch übersteigerten Form und der Melancholie. In allen drei Fällen geht es um einen Verlust, wobei es sich, wie bereits erwähnt um einen bewussten bzw. unbewussten Verlust handeln kann. Der erstere wird nicht als krankhaft angesehen, da er als nachvollziehbar und alltäglich erscheint. Symptome sind eine „schmerzliche Stimmung“, ein mangelndes Interesse an der Außenwelt sowie die Unfähigkeit Ersatz für das Verlorene zu finden (vgl. ebd., 429). Freud beschreibt diesen Trauer-Prozess unter rein ökonomischem Gesichtspunkten: Die betreffende Person realisiert, dass das geliebte Objekt nicht mehr da ist. Das führt dazu, dass alle Libido dazu aufgefordert wird alle ihre Verknüpfungen mit diesem Objekt aufzulösen. Da der Mensch nur ungern eine Libidoposition verlässt, sträubt er sich anfänglich. Dieses Sträuben macht den Trauerschmerz aus. Einige Menschen halten so sehr an dieser Libidoposition fest, dass sie sich in Form einer „halluzinatorischen Wunschpsychose“ von der Realität abwenden
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Arbeit zitieren:
Karoline Ahlemann, 2007, Wenn Trauer das Ich zerstört , München, GRIN Verlag GmbH
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