2
I. Einleitung: Ist Sartre ein toter Autor?
(1953) sagen läßt?
von 1946 einen großen Andrang bei dem Publikum fanden. Die Kern Aussage ist kurz gesagt, dass der Mensch durch Zufall in die Welt geworfen wurde und nun aber selber dieser Welt Sinn geben muss.
2. Vgl. Ebd. S.12.
3
„Das ist das Langweiligste bei diesen toten Autoren, dass sie nie etwas neues
bieten.“ 4
II.1 „Ich bin dazu verurteilt, frei zu sein.“ - Sartres Philosophie der Freiheit
Jean Paul Sartre ist ein Individuum, welches wie kein anderes für den
Existentialismus 5 steht und trotzdem bleibt er, welcher sich in Politik und Staat
einmischte, immer einer vom Volk. „[...] Auch heute noch lese ich lieber
Kriminalromane als Wittgenstein.“ 6 Das Zentrum seiner Stücke und philosophischen
Werke war immer die Freiheit und Verantwortung, sie nicht nur zu beweisen wie die
Tradition (Schelling, Leibniz) sondern sie zu einem Muss zu machen, ist sein Ziel. Er
war gegen eine Freiheit, die nur eine euphemistische Autonomie darstellt. Seine
Freiheit war radikal, so sagt er: „Ich bin dazu verurteilt, frei zu sein. Das bedeutet,
dass wir für unsere Freiheit keine anderen Grenzen als sie selbst finden können,
[...].“ 7 Dieses ist mehr als nur eine Rechtfertigung unserer Handlungen, es ist die
Suche nach einem Sinn des Lebens, nach einer Begründung des Daseins selbst. 8 Das
Fazit Sartres läßt den Leser die ganze Härte der Freiheit spüren.
„Wir nehmen das Wort 'Verantwortlichkeit' in seinem banalen Sinn vor 'Bewußtsein davon, der unbestreitbare Urheber eines Ereignisses oder eines Gegenstands zu sein' [...], denn die schlimmsten Übel oder die schlimmsten Gefahren, die meine Person zu treffen drohen, haben nur durch meinen Entwurf einen Sinn; und sie erscheinen auf dem Grund des Engagements, das ich bin. Es ist also unsinnig, sich beklagen zu wollen, weil ja nichts Fremdes darüber entschieden hat, was wir fühlen, was wir erleben oder was wir sind. Diese absolute Verantwortlichkeit ist übrigens keine Hinnahme: sie ist das bloße logische Übernehmen der Konsequenzen unserer
Freiheit. Was mir zustößt, stößt mir durch mich zu, [...].“ 9
4. Vgl. Suhr, Sartre, S.12.
5. Vgl. Die Presse (Wochenausgabe), 12.7.52, S. 6. Hier bezieht Sartre kritisch Stellung zum „Existentialismus- Hype“. „Es gibt Ideen, die andauernd einer Korrektur bedürfen. Der Existenzialismus ist wandlungsfähig, ergiebig an Entwicklungen, wertvoll durch seine Vielfältigkeit. Klammern wir uns nicht an den Ausgangspunkt, sondern schreiten wir gedanklich und konstruktiv mit ihm vorwärts.“ Man erkennt hier Sartres Idee der Wandelbarkeit an „seiner“ eigenen Richtung der Philosophie.
6. Vgl. Sartre, Die Wörter, S.29, 35.
7. Vgl. Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, Hamburg 1962, S. 552.
8. Vgl. Suhr, Sartre, S.86.
9. Vgl. Vgl. Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, Hamburg 1962, S. 950.
4
Alles ist unsere Wahl. Unser Leben, unser Bewusstsein (Für-Sich-Sein) ist unsere freie Wahl. „Man muss bewusst sein, um zu wählen, und man muss wählen, um bewusst sein zu können. Wahl und Bewusstsein sind ein und dasselbe.“ 10 Warum sich einer als Kämpfer und der andere als Feigling wählt, bleibt uns zwar unerkenntlich, dadurch ist die Ur-Wahl aber nicht irrational, eher vorrational und vorwillentlich. Was jemand in einer Situation macht, ist Ausdruck seiner Wahl und damit ist es ihm als verantwortliche Person zuzuschreiben.
Wir entwerfen uns selber, aber nicht nur uns, auch die Welt um uns entwerfen wir nach unseren Vorstellungen. Hier lehnt Sartre sich an seine beiden Lehrmeister Heidegger und Husserl an. In der Phänomenologie geht es um die Erscheinungen, welche nicht mehr als Manifestation der Dinge-an-sich gesehen werden wie bei Kant. Die Welt ist nicht bloßes Vorhandenes, was unabhängig vom menschlichen Dasein existiert. Die Wirklichkeit braucht das Subjekt, um sich zu manifestieren, denn eine objektive Wirklichkeit wäre widersinnig. Unser Bewusstsein gibt den Dingen erst einen Sinn, denn alle Akte des Bewusstseins sind sinnstiftend und konstituieren überhaupt erst ihre Gegenstände. Diese Intentionalität, das Gerichtet-Sein auf etwas, übernimmt auch Sartre. „Wir wählen die Welt – nicht in ihrem Aufbau als solchen, sondern in ihrer Bedeutung –, indem wir uns wählen.“ 10 Die Wahl wird vollzogen durch eine Nichtung, da wir leugnen die Welt zu sein, kommt sie als „Entwurf auf ein Mögliches“ 11 zu Stande. Die Freiheit ist also bei Sartre etwas Negatives, auch wenn dieses für uns, die die Freiheit als Selbstgesetzgebung sehen, unnatürlich aussieht. Aber es leuchtet ein, wenn man erkennt, dass wir Freiheit denken als Negation von Hemmungen und Hindernissen. 12 „Unter diesen Umständen kann die Freiheit nichts anderes sein als diese Nichtung.“ 13 Hier hat die Freiheit den Bezug zum Gegebenen. In unserem Denken ist Freiheit aber noch mehr als nur eine „Nichtung von Hindernissen“, es ist Willensfreiheit und die damit zusammenhängende Verantwortung.
10. Vgl. Sartre, das Sein und das Nichts, S. 558. Aber siehe auch: Walter Biemel, Sartre, Hamburg 1963, S. 103 11. Vgl. Sartre, das Sein und das Nichts, S.62.
12. ebd.
12. Vgl. Suhr, Sartre, S. 104.
13. Vgl. Sartre, das Sein und das Nichts, S.48.
5
In Sartres Konzeption des menschlichen Daseins und der Welt braucht er zwei Seins- Typen 14 , das An-Sich-Sein und das Für-Sich-Sein. Alles, was uns erscheint ist ein Phänomen, so haben wir ein präreflexives Cogito, ein Seblstbezug auf das eigene Erleben. Es ist das „wissende Selbstverhältnis der Bewusstseinsvollzüge“ 15 , welches vor jeder Reflexion liegt. Sartre bringt hier das Beispiel vom Zigaretten zählen, ich kann nicht zählen, ohne vom Zählen zu wissen, aber ich muss auch vom Zählen wissen, wenn ich zähle. Doch auch er sah, dass wir die Welt nicht im Ganzen mit unserem Geist erfassen können. Es gibt auch das An-sich-Sein, das wir nicht verstehen können, doch hierüber sagt er nicht viel. Das Sein (An-Sich-Sein) ist uns also nicht vollkommen zugänglich. Wie man schon im Titel seines großen philosophischen Werks Das Sein und das Nichts erkennt, ist die Freiheit auch abhängig vom Nichts. Aber, was ist dieses Nichts? Wie kommt es in die Welt? Wie wir schon oben gesehen haben, ist es eine Negation, ein Fehlen von Dingen. Aber dieses Fehlen von Etwas ist auch der Schlüssel zur Freiheit, „weil die menschliche Realität nicht genug ist, ist sie frei; weil sie fortwährend sich selbst entrissen wird und weil das, was sie gewesen ist durch ein Nichts von dem getrennt ist, was sie ist und sein wird.“ 16 Dieses Nichts bekommt nur Sinn im Bezug auf Erwartungen. „Sobald man nämlich dem Bewusstsein diese verneinende Kraft sich selbst und der Welt gegenüber zuschreibt, sobald die Nichtung einen integrierenden Bestandteil der Setzung eines Zieles bildet, muss man anerkennen, dass die unerläßliche und grundlegende Bedingung jeder Tätigkeit die Freiheit des handelnden Wesens ist.“ 17 Das Nichts kommt also durch den Menschen in die Welt. Die ganze existierende Welt hat Negiertheit in sich, wie Abwesenheit, Veränderung, Andersheit, usw. 18 Das Nichts ist damit eine Leistung des Bewusstseins, da es sich von seiner Vergangenheit lösen muss. „Das Bewusstsein lebt als Nichtung seines vergangenen Seins.“ 19
14. ebd. S.94.
15. Ulrich Pothast, Die Unzugänglichkeit der Freiheitsbeweise, Frankfurt am Main 1987, S.88. 16. Vgl. Sartre, das Sein und das Nichts, S. 561.
17. ebd. S.43. Mensch ist ständig von sich selbst losgerissen, er ist nicht-mehr (Vergangenheit), was er war und noch-nicht (Zukunft), was er sein wird.
18. Vgl. Pothast, Die Unzugänglichkeit der Freiheitsbeweise, S.94. Sartre unterscheidet 2 Arten des Nichts einmal „neant“ und „rien“. Sartre steht hier im Gegensatz zu Heidegger.
19. Vgl. Suhr, Sartre, S.111.
Arbeit zitieren:
Kevin Liggieri, 2009, Zur Freiheit verdammt - Sartres Konzeption der Freiheit und der Vergleich zur modernen Hirnforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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