1. Einleitung
Das Thema „Von der Höhle zum Schlafzimmer - Entwicklungsgeschichtliche Aspekte des Schlafes“ ist weitgehend als eine fächerübergreifende und komplexe Thematik einzuschätzen. Diese Problematik war und ist Untersuchungsgegenstand unterschiedlicher Wissenschaftsrichtungen. Biologische, soziologische, psychologische und geschichtliche Ansätze und Fragestellungen von
Wissenschaften prägen und formen das Thema. Sobald auch noch entwicklungsgeschichtliche Aspekte zum Schlaf, Schlafen und Schlafzimmer einen Stellenwert haben und in die Auseinandersetzungen einbezogen werden sollen, bekommt die Thematik einen noch vielschichtigeren Charakter. Wichtige Fakten und Aspekte, aus einer periodisch-historischen Entwicklung heraus, in das Thema einzuordnen wären relevant.
Obwohl Menschen täglich schlafen und ohne den Schlaf nicht auskommen, hat es für viele einen phänomenalen Charakter, weil sie die Notwendigkeit und die Tätigkeit des Schlafens nicht näher erläutern und beschreiben können. Hinzu kommt das Bedürfnis von zumeist modernen Individuen, den Schlaf nur in einem abgetrennten Schlafzimmer in der Wohnung zu praktizieren. Doch diese Notwendigkeit hat sich erst in den letzten ein paar Jahrhunderten herauskristallisiert und sich drastisch zu einem heutigen Höhepunkt entwickelt. Eben wegen den erwähnten Aspekten muss das Thema ganzheitlich betrachtet und untersucht werden. Wichtige und den Inhalt der Auseinandersetzung mit dem Thema prägende Fragestellungen wären folgende:
In der Auseinandersetzung mit diesem Thema werde ich auf diese und andere Fragestellungen und Aspekte eingehen, welche meiner Meinung nach die wichtigsten und prägendsten sind.
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Diese Hausarbeit ist als eine Ausarbeitung von Natalie Auberg und mir im Seminar „Menschen - Wohnen - Raum in Europa“ vorgetragenen Referats zu betrachten.
Inhaltlich werde ich auf meinen Teil des Referats, „Von der Höhle zum Schlafzimmer - Entwicklungsgeschichtliche Aspekte des Schlafes“, eingehen und noch einmal die wichtigsten Fakten zum Thema darstellen.
2. Von der Höhle zum Schlafzimmer - Eine Intimsphäre ist in der Wohnung entstanden
Die Entwicklung des Wohnens und der Wohnung ist sehr gut aus der Entwicklung der Menschheit lesbar, denn Menschen waren in ihrer Entwicklung schon immer Wohnende. Diesen Fakt erläutert der Soziologe und Philosoph ARNOLD GEHLEN folgendermaßen: [...]“Wohnen ist eine Form der Existenzbewältigung des Menschen, eine
biologische Herausforderung und Notwendigkeit aufgrund seiner physischen Unspezialisiertheit und seiner Weltoffenheit.“ 1 [...]
Wohnen wird hier als eine Form der Existenzbewältigung und als eine biologische Notwendigkeit definiert. Im Vergleich: Wohnen als Schutz vor einer schädigenden oder feindlichen Umwelt ist auch im Tierreich bekannt. Doch die Form des Wohnens und die Wohnung als der Ort ständigen Lebens betrachtet, ist nur dem Menschen eigen.
GEHLEN spricht in seiner Definition von einer physischen Unspezialisiertheit des Menschen und dass die Wohnung auch deswegen eine Notwendigkeit für den Menschen ist. Dieses Faktum muss sich schon früh bemerkbar gemacht haben. Allein deshalb, weil der Mensch früher noch enger im Kampf mit der Natur stand, überleben musste, doch mit seinen Kräften nicht so gut ausgestattet war. Schutz und Schutzfunktion wären hier zwei wichtige Stichwörter. Die Menschen waren nicht immer sesshaft, wie sie es heute in den meisten Kulturen sind: [...]“Bewegliches Wohnen spielte aber in älteren Kulturen und spielt noch immer in heutigen
1 Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. S. 948.
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außereuropäischen Kulturen eine große Rolle.“ 2 [...]
Die ersten Völker in der Menschheitsgeschichte als primitive Gesellschaften zu beschreiben wäre relevant und zutreffend, weil diese mit den heutigen Menschen in modernen Gesellschaften, dass was vor allem das Wohnen und die Wohnung betrifft, fast nichts mehr gemeinsam haben: Wahrscheinlich waren Höhlen die ersten Wohnungen der Menschen, weil sie ihre Bedürfnisse vollkommen befriedigten und ihre Funktionen erfüllten. Doch dieser Aspekt änderte sich: [...]“Die von Menschen benutzten Höhlen werden je nach ihrem Verwendungszweck als Flucht-, Schutz-, Wohn-, oder Kulthöhlen bezeichnet. Vom späten Eiszeitalter an dienten Höhlen dem Menschen als Zufluchtsstätte. Dafür zeugen die in vielen Höhlen abgelagerten Kulturschichten mit menschlichen Siedlungsresten. Aufgrund dieser Höhlenfunde nannte man den Menschen der Altsteinzeit früher Höhlenbewohner. Die neuere Vorgeschichtsforschung hat jedoch erwiesen, dass dem Menschen der letzten Eiszeit selbsterrichtete Behausungen als Unterkunft dienten. In Höhlen wohnte der Eiszeitmensch nur zeitweilig.“ 3 [...]
Menschen die in Höhlen lebten waren Jäger und Wanderer. Höhlen boten in dieser Hinsicht Schutz vor wilden Tieren und dem Wetter, waren auch entsprechend leichter zu verteidigen bzw. zu ersetzen, falls sie schnell verlassen werden mussten. Sehr früh zog der Mensch also eine Grenze zwischen den geschützten inneren Räumen und der ungeschützten Außenwelt durch das Wohnen. Diese Grenzziehung hat eine periodisch unterschiedliche Entwicklung durchgemacht und findet auch noch heute statt, denn das „Wohnen bedeutet aus der Sicht des Mitteleuropäers meist Aufenthalt und Leben in einer dauerhaften und festen Behausung, sei diese ein Einzelhaus oder eine Mietwohnung.“ 4
2 Bammer, Anton/Finglhuber, Gernot/Dirisamer, Rudolf (Hrsg.): Wohnen - Ein Handbuch. S. 12.
3 dtv: Lexikon in 20 Bänden, Band 8. S. 152.
4 Bammer, Anton/Finglhuber, Gernot/Dirisamer, Rudolf (Hrsg.): Wohnen - Ein Handbuch. S. 12.
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Arbeit zitieren:
Murat Kütük, 2002, Von der Höhle zum Schlafzimmer - Entwicklungsgeschichtliche Aspekte des Schlafes, München, GRIN Verlag GmbH
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