Inwiefern erfüllt die s-Fuge
in Determinativkomposita
die Merkmale/Kriterien einer
Kompositionsfuge?
1. Januar
2008
Ausarbeitung des Themas für die Magisterklausur
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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
WS 2008/2009
Inwiefern erfüllt die s-Fuge in Determinativkomposita die Merkmale/Kriterien einer
Kompositionsfuge?
vorgelegt von
Elmira Nedelcheva
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...4
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Definition Determinativkompositum...6
2.2. Definition Fugenelement...7
3. Zur Analyse der Frage: Inwiefern die s-Fuge in Determinativkomposita die
Standardannahmen zur Funktion der Fugenelemente erfüllt...11
4. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Funktionen der s-Fuge...23
5. Literaturverzeichnis...27
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1. Einleitung:
Fugenelemente wie
-s-
in dt.
Volk-s-musik
werden häufig mit Genitiv- und
Pluralmarkern assoziiert. Die Verbindung mit Flexiven ist nicht verwunderlich, denn
Fugenelemente stimmen in den meisten Fällen mit einem typischen Genitiv- oder
Pluralflexiv des Deutschen überein. Ist aber die
Volk-s-musik
wirklich die 'Musik des
Volkes'? Warum heißt sie dann nicht
Volkes-musik
? Die genannten Beispiele weisen
auf zentrale Probleme in der Systematik der Fugenelemente hin: Die Assoziation mit
Flexiven scheint in den Einzelsprachen häufig im ersten Augenblick sinnvoll zu sein,
wird aber bei näherer Betrachtung des Systems schnell wieder zerschlagen. Warum
heißt es z. B. im Deutschen
König-s-hof
, der sich genitivisch mit 'Hof des Königs'
umschreiben lässt, aber auch
Verbindung-s-glied
, das weder genitivische
Umschreibung mit 'Glied der Verbindung' zulässt (eher wird eine Präpositionalphrase
wie 'Glied zur Verbindung' verlangt) noch einer Genitivform entspricht: *
der
Verbindungs
. Warum heißt es außerdem
Hand-
O
-tuch
und nicht
Händ-e-tuch
,
obwohl man es doch immer mit beiden Händen benutzt? Diese Beispiele genügen,
um die zentralen Fragen der vorliegenden Arbeit zu illustrieren: Die Fugenelemente
erscheinen auf den ersten Blick kaum systematisierbar. Dass Systematisierung zu
einem gewissen Grade trotzdem erreicht werden kann, haben jedoch zahlreiche
größere Arbeiten zum Deutschen erwiesen.
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Die vorliegende Analyse versucht einen Einblick in die Problematik der s-Fuge, die
die Morphemgrenze zwischen zwei substantivischen Konstituenten bezeichnet, zu
vermitteln und beschäftigt sich weiterhin mit der Frage, inwiefern dieses
Fugenelement die vermuteten allgemeinen Funktionen der Fugenelemente en, -
ens, -n, -e, -er erfüllt und vor allem welche Regularitäten ihr Auftreten bewirken.
Insbesondere sollen dabei Regelhaftigkeiten, die bisher gefunden wurden, solche,
die möglich sein könnten, aber noch nicht genügend belegt sind, wie aber auch noch
unerklärte Sonderfälle oder Ausnahmen, aufgezeigt werden.
Der erste Teil befasst sich zunächst mit der Klärung des theoretischen
Hintergrundes. Dabei werden die Begriffe
Determinativkomposita
und
Fuge
erläutert.
Daher wird nach einer kurzen Beschreibung der allgemeinen Funktionen der
Fugenelementen ausführlich auf die Frage eingegangen, durch welche Funktions-
und Beschreibungsebenen sich die s-Fuge charakterisieren lässt. Dazu werden die
verschiedenen grundlegenden Merkmale der Verbindungselemente an der s-Fuge
überprüft. Es wird sich ergeben, dass die s-Fuge von den Standardannahmen zu
Fugensetzung deutlich abweicht. Geklärt werden soll auch inwiefern dieser
Problembereich der typischen Charakteristika der Fugen widerspricht.
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2. Theoretischer Rahmen:
Die zentrale Frage dieser Arbeit, inwiefern die s-Fuge in Determinativkomposita die
Merkmale einer Kompositionsfuge erfüllt, benötigt als Basis eine klare,
terminologisch deutliche Bestimmung der verschiedenen Begriffe. So werden in
diesem ersten Abschnitt die für die weitere Untersuchung bedeutenden Begriffe des
Determinativkompositums und der Fuge eingeführt und aufgeklärt.
2.1. Definition Determinativkompositum:
Die Komposition (zu lat.
compositio
'Zusammenstellung'), auch Zusammensetzung
genannt, ist im Deutschen neben der Derivation eines der beiden Hauptverfahren zur
Bildung neuer Wörter. Das Kompositum stellt die Verbindung von mindestens zwei
lexikalischen Morphemen zu einem neuen Wort dar. An der Komposition können
verschiedene Wortarten beteiligt werden wie zum Beispiel: Substantiv+Substantiv
(
Schul-Heft
), Verb+Substantiv (
Eß-tisch
) und Adjektiv+Substantiv (
Sauer-Kirsche
).
Bei der Komposition werden folglich mindestens zwei Wörter (z.B.
König, elegant,
knirsch-, vor, wir
) und/oder Konfixe (z.B.
bio-, polit-, therm-/-therm, phil-/-phil
) zu
einem Kompositum zusammengesetzt. Komposita sind z.B.
Königsmantel, Biotop,
Politthriller, Vordach, Wir-Gefühl, pantherelegant, bibliophil, knirschkau(en)
. Es
können auch mehr als zwei Wörter und/oder Konfixe miteinander kombiniert werden
(z.B.
Königsmantelfabrikant, wintergrasgrün
).
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Zu unterscheiden sind vor allem:
·
Determinativkomposita (z.B.
pantherelegant
).
·
Kopulativkomposita (z.B.
schwarzweiß
).
Einige der sogenannten Zusammenbildungsprodukte (z.B.
Appetithemmer
) werden
hier als Determinativkomposita verstanden. Sie als eigenen Kompositatyp
anzusetzen, ist unnötig. Außerdem werden in der Forschungsliteratur mitunter die
Produkte der sogenannten Zusammenrückung als Komposita angesehen (z.B.
Vergissmeinnicht, Möchtegern
). Diese Bildungen werden hier als Konvertate aus
Sätzen bzw. Phrasen, also als Derivate, analysiert.
Der Untersuchungsbereich dieser Arbeit wird auf die Beschreibung und die Funktion
der -s-Fuge eingegrenzt, die sich in den Determinativkomposita mit zwei
substantivischen Konstituenten enthält. Die Beschränkung auf N+N-Komposita ist
sinnvoll, da diese zum einen die meisten Fugenelemente tragen und zum anderen
die häufigste Form von Komposita darstellen.
Die Determinativkomposita sind der Normaltyp der Komposita und sind bei den
Substantiven am stärksten entwickelt, die Produktivität ist unbegrenzt.
Determinativkomposita sind z.B.
Königsmantel, Hutschachtelhersteller, Biotop,
erzengelstreng, biodynamisch, knirschkau(en)
.
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Folgende Merkmale sind charakteristisch für Determinativkomposita:
Sie sind binär.
Die zweite Einheit bestimmt die grammatischen Merkmale des Kompositums
(z.B. die Wortart).
Zwischen den Einheiten eines Kompositums besteht eine spezifische
Bedeutungsbeziehung. Die zweite Einheit bei Determinativkomposita
bestimmt die Bedeutung des Kompositums.
Das typische Merkmal des Determinativkompositums besteht also darin, dass es aus
mindestens
zwei
Konstituenten
besteht,
nämlich
aus
einem
Erstglied(Bestimmungswort) und Zweitglied(Grundwort). Die Glieder sind nicht
gleichgeordnet, sondern untergeordnet, was die Ursache dafür wird, dass es die
Rede von Determinativkompositum ist.
Deutsche Komposita sind rechtsköpfig, d.h. die jeweils rechte Konstituente ist der
Kopf. Dieses zweite Glied(Grundwort) legt die Wortart, das Genus und die
Flexionsklasse fest, bestimmt also die morphosyntaktische Merkmale des Wortes.
Das erste Glied ist Modifikator des Zweitgleids bzw. spezifiziert inhaltlich das Wort.
Somit wird das Zweitglied(Grundwort) durch das Erstglied (Bestimmungswort)
semantisch näher bestimmt bzw. determiniert. Das Bestimmungswort grenzt die
Bedeutung des Wortes auf eine Subklasse ein.
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