Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
WS 2008/2009
Clemens Brentano und seine „Rheinmärchen“
vorgelegt von
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Rheinmärchen : Inhaltsangabe……….………………………..5
3. Zur Begriffsbestimmung: Märchen 6
4. Brentanos Rheinmärchen: Kunst- oder Volksmärchen?...............10
5. Entstehungsgeschichte und Quellen 14
6. Die sprachliche Gestaltung der Rheinmärchen 16
7. Zu der Motivwahl in den Rheinmärchen 20
8. Zusammenfassung 26
9. Literaturverzeichnis 27
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den zur Zeit der Rheinromantik von Clemens
Brentano verfassten Rheinmärchen. Die Rheinmärchen waren wie die Italienischen
Märchen als zyklische Werke geplant. Bei denen handelt es sich um vier motivisch miteinander verbundene Texte bzw. um eine anspruchsvolle Gesamtkonstruktion, die inhaltlich als Einheit zu betrachten sind, jedoch unterscheiden sich die einzelnen Märchen in der Wahl der Quellen. Es wurden in ihnen klassische Mythen, Sagen vom Rhein und eigene Erfindungen vermischt. Zunächst wird der Inhalt und die innere Gliederung der Rheinmärchen kurz vorgestellt. Dabei werden auch die Hauptpersonen und deren Rolle in den Einzelmärchen beschrieben. Daran anschließend wird die literarische Gattung „Märchen“ und der Platz der Rheinmärchen innerhalb dieser Gattung behandelt. Nachdem die sprachliche Gestaltung der Texte und Stileigentümlichkeiten Brentanos ausführlich zur Diskussion gestellt werden, folgt abschließend eine breite Erläuterung der von Brentano verwendeten Motive.
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2. Die „Rheinmärchen“: Inhaltsangabe
Die Rheinmärchen sind ein Märchenkomplex, der aus mehreren in bestimmter Reihenfolge erzählten Geschichten besteht. Die Rheinmärchen bestehen aus vier Einzelmärchen, die aber thematisch zusammenhängen. „Das Märchen von dem Rhein und dem Müller Radlauf“ bildet den Rahmen der ganzen Geschichte.
Der Müller, der einsam und friedlich lebt, rettet eines Tages die Königstochter Ameleya aus dem Rhein. Dem Versprechen ihres Vaters zufolge müsste Radlauf die Hand der Prinzessin bekommen. Der böse König hält aber sein Wort nicht und schickt den Retter seiner Tochter in Verbannung. Nach seiner Befreiung unternimmt Radlauf eine Reise in den Schwarzwald, wo er mehr über seine Vorfahren erfährt. Der König Hatto flieht in den Bingenturm, wo er schließlich von Mäusen aufgefressen wird.
In dieser Zeit sind die schöne Prinzessin Ameleya und die Kinder der Stadt Mainz in die Gewalt des Rheinkönigs geraten. Die Motivierung für das weitere Erzählen von Geschichten liegt also im Verhalten des Vaters Rhein. Er wird die Mainzer Kinder und die schöne Prinzessin Ameleya aus seinem Wasserschloss nur gegen erzählte Märchen zurückgeben. Die Erlösung erfolgt also nur durch das Erzählen von Märchen. Es beginnt mit dem „Märchen von dem Hause Starenberg“. Es handelt sich davon, wie Radlauf in den Schwarzwald reist und seine Familiengeschichte zurückverfolgt, Generation nach Generation.
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Das Starenberg Märchen klärt alle Zusammenhänge, die bisher unklar und geheimnisvoll geblieben sind. Der Müller Radlauf ist nach seiner Rückkehr zum König ausgerufen worden. Er erzählt als erster die Geschichte seiner Vorfahren und die Abenteuer seiner Reise. Dafür erhält er seine Geliebte Ameleya vom Vater Rhein zurück. Somit endet das Märchen von dem Hause Starenberg.
Mit dem Ende des Märchens von dem Hause Starenberg wird auch die Rahmenerzählung abgeschlossen. Es folgen zwei weitere Märchen, die von Mainzer Einwohnern für ihre Kinder erzählt werden. Mit den Geschichten vom Murmeltier und vom Schneider Siebentot lösen die Fischerin Marzibille und Meister Meckerling auch ihre Kinder aus.
3. Zur Begriffsbestimmung: Märchen
Märchen ist eine phantastische, meist kurze Prosaerzählung, die der Gattung der Epik zugeordnet wird. Die bekannteste Märchensammlung ist die der Brüder Grimm. Da es sich im Laufe der Zeit verändert hat, wird es heute nach der Art seiner Überlieferung oder Handlung in zwei Kategorien eingeteilt - nämlich die Kunstmärchen und die Volksmärchen.
Das reine Volksmärchen stellt die traditionelle Form eines Märchens dar. Darunter versteht man eine kürzere Prosaerzählung von phantastisch-wunderbaren
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Geschehnissen ohne zeitliche und räumliche Festlegung. Hierfür sind die folgenden Formulierungen typisch: ,,es war einmal..." oder ,,wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Da sie aus verbaler Erzähltradition entstanden sind, haben sie im Gegensatz zu den Kunstmärchen keinen Verfasser und deswegen existieren sie in zahlreichen unterschiedlichen Erzählversionen(Vgl. Schmitt 2003). Die Volksmärchen sind leicht verständlich und zeichnen sich durch eine einfache Handlungsstruktur und durch einen bildhaft anschaulichen Stil.
Damit die Helden etwas Außergewöhnliches erleben, müssen sie sich von zu Hause entfernen. Nur durch Wanderschaft, also unterwegs und allein, begegnen sie die Abenteuer. Die Volksmärchen verfolgen bestimmte Handlungsschema: jemand muss bestimmte Aufgaben lösen und erhält dafür einen Gewinn, der ihn für immer glücklich macht: ein Liebespartner, eine Königskrone, Reichtum. Solche Aufgaben sind: kostbare Gegenstände finden, Rätsel lösen, verwandelte Menschen erlösen (Vgl. Schmitt 2003). Hier kommen die guten übernatürlichen Mächte ins Spiel, die dem Helden helfen, indem sie ihm Zaubermittel geben, ohne die er sein Ziel nicht erreichen würde. Vorhanden sind auch immer die Bösen, die versuchen, sein Erfolg zu verhindern, indem sie ihm verschiedene Fallen stellen. Es handelt sich im Allgemeinen um Feen, sprechende Tiere, Zwerge, Riesen, Hexen, Drachen, Teufel. In den Volksmärchen sind die Grenzen zwischen Menschlichem und Übernatürlichem verschwommen. Das Wunder in den Märchen zeigt sich aber nicht nur durch die übernatürlichen Elemente, sonder auch durch die Tatsache, dass jeder
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MA Elmira Nedelcheva, 2008, Clemens Brentano und seine „Rheinmärchen“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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