Inhaltsverzeichnis
1. E i n l e i t u n g 3
2. D a s K l i m a d e s M i t t e l a l t e r 4
2.1 Das mittelalterliche Klimaoptimum 4
2.2 D i e k l e i n e E i s z e i t 5
3. Die Bedeutung der Luft im Mittelalter 7
4. Z u s a m m e n f a s s u n g 9
Abbildungsverzeichnis 10
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i 1
2
1. Einleitung
Was für ein Wetter im Jahr 2006: Der Winter am Anfang des Jahres kann zumindest in den mittleren Regionen Europas eher als „Matschwinter“ bezeichnet werden, der Frühling wurde aufgrund mangelnder Erwärmung und der unvollkommenen Blütenpracht so gut wie kaum beachtet, anschließend breitet sich ein bis November anhaltender Sommer aus - bei dem allerdings im August die Stricksocken ausgepackt werden mussten - und dann der beginnende Winter zum Ende des Jahres, den die Meteorologen mit milden Frühlingstemperaturen vergleichen. Die Welt und das Wetter spielen verrückt. Doch kann man immer davon ausgehen, dass jedes Quartal seine eigene ganz besondere Jahreszeit bekommt? Müssen im Sommer immer 25°C - 30°C sein und die Mücken surren oder im Winter Frost und Schnee in jeder Region auftreten?
Um eine gewisse Regelmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit des Wetters der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte zu überprüfen, müssen Geologen, Physiker und Meteorologen auf diverse Verfahren zurückgreifen. Mit Methoden wie dem Analysieren von Schlammschichtsedimenten von Ozeangründen und von Eisbohrkernen 1 aus der Antarktis und Grönland lässt sich das Klima über Jahrhunderte genau rekonstruieren. Forscher konnten somit nachweisen, dass es in den Jahren 800 bis 1300 wärmer war als heute, ein „mittelalterliches Wärmeoptimum“ trat ein. Ab dem 14. Jahrhundert fand nach Analyse von Eisbohrkernen eine Klimawende statt, die zur sogenannten „Kleinen Eiszeit“ führte. Diese Erkenntnisse dienen auch einem noch jungen Zweig der Geschichtsforschung: der Klimageschichte. Sie beschäftigt sich damit, wie die Gesellschaft zu Zeiten von Klimawenden lebte und was für Entwicklungen oder Veränderungen damit einhergingen. Zuzüglich zu den aktuellen Quellen der Geologen und Wetterkundler werden jedoch in der Geschichtswissenschaft noch Quellen wie Kirchenaufzeichnungen und Stadtchroniken zugezogen, die einen Einblick in den historischen Alltag und den Umgang mit Wetter geben. Im Rahmen der Vorlesung „Deutsche Geschichte I (800-1945)“ werde ich in dieser Arbeit eine Darstellung des Klimawandels und dessen Folgen für die mittelalterliche Gesellschaft in Europa aufzeigen. Dabei werde ich mich sowohl auf schriftliche Quellen des Mittelalterswie Chroniken oder Lebensberichte - beziehen, aber auch auf aktuelle Quellen wie Wetterdiagramme und Messungen. Hinzufügend werde ich noch Bilder und Bauwerke der Zeit als Quellenmaterial einbinden. Zunächst werde ich auf die Eigenschaften und Wirkung
1 Man kann Gletschereis sozusagen als Klimaarchiv betrachten. Eis enthält Informationen zu Tauwetter- und
Vereisungsperioden, wodurch die klimatischen Bedingungen eines jeden Jahres bestimmt werden können. Zum
genauen Verfahren vgl. Schubert, Ernst: Alltag im Mittelalter, Darmstadt 2002, S.22.
3
des mittelalterlichen Klimaoptimums, anschließend auf die der kleinen Eiszeit und ihren Unterschieden zum Wärmeoptimum eingehen. Im Anschluss daran werde ich zusätzlich die Bedeutung der Luft in der mittelalterlichen Gesellschaft analysieren.
2. Das Klima des Mittelalters
Das Mittelalter kann in zwei Klimaperioden eingeteilt werden. Zum einen in das mittelalterliche Klimaoptimum, eine eher warme Klimepoche, die in ganz Europa vorherrschte und bereits um 500 begann, und in die kleine Eiszeit, die ab dem 14. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts für kühlere Temperaturen in Europa sorgten. Als Ursachen für die Temperaturwechsel in den letzten 1000 Jahren können neben den anthropogenen Faktoren 2 noch weitere genannt werden. Zum einen werden Schwankungen in der Sonneneinstrahlung, zum anderen Vulkanausbrüche dafür verantwortlich gemacht. 3
2.1 Das mittelalterliche Klimaoptimum
Das erste Jahrtausend begann weltweit mit einer warmen Klimazeit: dem mittelalterlichen Klimaoptimum. Das Temperaturmaximum dieser Periode lag in Europa um 1100 4 , wobei die Temperaturen im Jahresdurchschnitt etwa 1°C - 4°C 5 über den heutigen lagen. Durch die wärmeren Temperaturen waren die Sommer länger und die landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten wesentlich größer. Die kürzeren und wärmeren Winter führten zu häufigeren Niederschlägen, die eine größere Fruchtbarkeit des Bodens mit sich brachten. Das Landschaftsbild Europas sah zudem anders als heute aus. In Grönland war es dem Namen entsprechend grün, so dass es bereits ab dem 9. Jahrhundert durch Wikinger besiedelt wurde. Zudem wurde dort, sowie in England und in Schottland Wein angebaut. Da das Packeis weiter nördlich zog und auch weniger Gletscher vorhanden waren, wuchsen sogar in dem heute
2 Darunter können Siedlung, Landnutzung, Verkehr und Industrie gezählt werden.
3 Vgl. dazu Kasang, Dieter: Die letzten 1000 Jahre.
http://lbs.hh.schule.de/welcome.phtml?unten=/klima/klimawandel/klimageschichte/geschichte2.html
(Abrufdatum: 14.12.2006). So wird beispielsweise der vulkanische Anteil an den Klimawechseln zwischen 1400
und 1850 auf ca. 45% geschätzt.
4 Hier unterscheiden sich die Angaben des Maximums zwischen dem Jahr 1000, wofür Ernst Schubert steht, und
1200, was durch Dieter Kasang vertreten wird. Vgl. Schubert, Mittelalter, S. 21. Vgl. auch Kasang, 1000 Jahre.
5 Hierzu unterscheiden sich die Angaben stark. Von nur 1°C - 2°C gehen W.D. Blümel aus, von einem
Unterschied von 2°C - 4°C kann man bei www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/13/bs13-73.htm vorfinden.
4
Arbeit zitieren:
Jessica Aniol, 2007, Das Klima und die Sorge um die frische Luft im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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