Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Valie Export 4
3. Sprach- und Bildzeichen 5
3.1 Kulturation ist Substitution und Absenz 5
3.2 Weiblichkeit als Funktion 9
3.3 Weiblichkeit als Bild 12
3.4 Weiblichkeit -eine Differenzerfahrung im Nospace 15
4. Bezüge zu anderen Künstlerinnen 16
5. Zusammenfassung und Kritik 18
Quellenverzeichnis 20
1
1. Einleitung
Die Ganzheit ist eine Wunschvorstellung unserer Nervenzerrüttung. Das Unsichtbare ist nicht das Unsinnliche, denn es ist das Spürbare. Statt Leibinseln entstehen Leitballen, von der Linienhaut zusammengehalten. 1
Wie transformieren Künstler ihre Werke in das Zeichensystem Sprache? Der Rezipient, sofern er das vom Künstler erstellte Werk nicht mit seinen Wertevorstellungen oder bisherigen Bilderfahrungen in Einklang bringen kann, erwartet in den Äußerungen des Künstlers meist eine Antwort auf die Fragen nach dem ,Was ?’, nach dem ,Wie ?’ und nach dem ,Warum ?’ des künstlerischen Schaffensprozesses.
Da Künstler und Rezipienten das jeweilige Werk oder die Werkreihen von individuellen Standpunkten aus betrachten, fließen die Gedanken und Ideen beider Seiten nicht in einem Endpunkt zusammen.
Obwohl es unmöglich ist, die Werke durch Sprache zu ersetzen, ist der Rezipient geneigt, neben einer chronologischen Abfolge der Ideen- und Gedankengänge, die dem Arbeitsprozess vorausgingen, ein vom jeweiligen Künstler über sich selbst erstelltes psychologisches Gutachten, unter Einbezug aller biografischen und historischen Faktoren zu erwarten.
Dass der Künstler dies nicht vermag und so auch keine vollständige Analyse und Interpretation bieten kann, und auch nicht sollte, da dies dem Sinn der Kunst widersprechen würde, ist dem Rezipienten oft nicht bewusst.
So würde der Künstler bei einer vollständigen Interpretation den Rezipienten um diverse Deutungsmöglichkeiten und Perspektiven berauben, da jeder Mensch über ein angeborenes Bildwissen und Erfahrungen verfügt, die rechtshemisphärisch gespeichert, sowie verarbeitet wurden und nicht verbalisiert werden können.
Die philosophische Sprachtheorie setzte voraus, dass Dinge, die sich nicht in bestimmter Weise sagen ließen, keine Realität haben. Nach Wittgenstein sind die Grenzen der Sprache auch die Grenzen der Welt. 2
Doch gerade das Unbestimmte, Unsagbare der künstlerischen Idee stellt häufig einen der elementarsten Schritte des künstlerischen Schaffensprozesses dar.
1 Lassnig, Maria: Die Abstraktion, in: Katalog Galerie Ulysses, Wien, 1992, o.S.
2 Wittgenstein, Ludwig: Logisch-philosophische Abhandlung. Tractatus logico- philosophicus, isKritische Edition, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998
2
Zwischen der Struktur der Sprache und derjenigen der Wirklichkeit besteht zwingende Gleichwertigkeit. Das Sein reicht soweit wie die Sprache. Die Logik der Prädikation ist dabei zweiwertig: Sie kennt nur Ja und Nein. Mit dem Unbestimmten, dem Potenziellen, Abwesenden oder Nichtigen tut sie sich schwer. ,,Nichts“ hat keine Prädikate. Aber ohne das Mannigfaltige, das Vieldeutige, Sinnliche und Mehrwertige lässt sich über Bilder nicht wirklich nachdenken. 1
Der Künstler, sofern er um Erläuterung seiner Arbeiten gebeten wird, geht einen erneuten Dialog mit seinem Werk ein; einen Dialog, den er zuvor vielleicht schon abgeschlossen hatte. In diesen Dialog werden neue und auch vorangegangene Erkenntnisse, sowie innere Bildwelten neu einbezogen.
Die Werke sind meist nicht in einem linearen Prozess entstanden, sondern stehen am Ende einer Reihe von Synthesen und am Ende eines vielschichtigen intermedialen Prozesses, dessen Schritte im Einzelnen nicht immer rekonstruiert werden können.
Wenn Künstler über ihre Bilder schreiben oder reden, gehen sie verschiedene Wege. Die erneute Beschäftigung mit dem eigenen Werk kann zu einem neuen Werk führen, das schon vorhandene Ideenkomplexe aufnimmt und sie um einen Schritt, beziehungsweise eine Fragestellung erweitert, oder zu Texten, die scheinbar völlig unabhängig als selbständige Werke neben den Bildern existieren und mit ihren Neologismen oder ihrer poetischen Form den Rezipienten erneut auffordern, sein Welt-Bild- und Sprachwissen zu aktivieren.
Im Folgenden werde ich mich Texten und Interviews der Künstlerin VALIE EXPORTs widmen, diese erläutern und den Bezug zu einigen ihrer Werke herstellen. Die Erläuterungen beziehen sich hauptsächlich auf ihren Text ,,Das Reale und sein Double: Der Körper“, aus dem Jahr 1992, basierend auf ihrem Vortrag den sie 1987 im Kunstmuseum in Bern hielt.
1 Maar Christa: Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder. Köln 2004, 38.
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2. Valie Export
VALIE EXPORT wurde 1940 in Linz/Österreich als Valie Lehner -heute Stöckinger geboren.
Ich hatte den Namen meines Vaters und den Namen meines geschiedenen MaMannes und irgendwo sind dann doch immer Identifikatoren drinnen, ja, die mi mich mit wem zusammenbringen, die wohl mit mir was zu tun haben…. Ich wowollte eigentlich meinen eigenen Namen kreieren, weil ich meine eigene Kunst mamache… und dann ist mir Export eigentlich am sinnvollsten erschienen, weil ichich exportiere meine Ideen, ich exportiere meine Gedanken, ich gehe Ex-Port, ichich gehe aus diesem Hafen aus diesem umschlossenen Bereich und begebe aufmich auf die Weltenmeere der Zivilisation oder der Kultur. 1
Ihre künstlerische Arbeit umfasst unter Anderem Video Environments, digitale Fotografie, Installationen, Body Performances, Spielfilme, Experimentalfilme, Dokumentarfilme, Expandet Cinema, konzeptuelle Fotografie, Körper-Material-Interaktionen, Persona Performances, Laser Installationen, Objekte, Skulpturen sowie Texte zur zeitgenössischen Kunstgeschichte und zum Feminismus.
Sie gehört in den späten 1960er Jahren zu den umstrittenen Künstlern Österreichs, die sich mit Fragen zur Konstruktion von Wirklichkeit und mit bildnerischen Darstellungen von psychischen Zuständen befassen.
Das Thema des weiblichen Körpers und der Repräsentation der Frau in der Gesellschaft formuliert sie unter Einsatz der eigenen Person. Ihr eigener Körper ist meist Gegenstand der Aktion und somit Hauptmedium. Sie überschreitet Tabugrenzen, konfrontiert mit bürgerlichen Zwängen und erörtert medial konstruierte Frauenbilder. 2
1 www.fehe.org/index.php?id=572 - 59k,VALIE EXPORT im Interview mit Felicia Herrschaft, April 2004 (16. o8.2008)
2 Vgl. Grosenick, Uta: Women Artists, Künstlerinnen im 20. und 21. Jahrhundert, Köln 2005.
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3. Sprach- und Bildzeichen
Wie diverse andere Künstler, beschreibt und interpretiert VALIE EXPORT ihre Werke nicht wie ein Rezipient seinen Blick führt, wie man einen Versuchaufbau beschreiben, oder die inneren Vorstellungen eines imaginären blinden Rezipienten durch das Bild oder die Performance leiten würde.
In ihrem Text ,,Mediale Anagramme“ von 1990 bezeichnet sie ihre Arbeiten als Notizbücher, in denen immerwieder die Seiten, Aufzeichnungen, Bilder in andere Zusammenhänge gebracht werden und neue Bedeutungen einen neuen Kontext ermöglichen, was die oben bereits erwähnte Vielschichtigkeit des künstlerischen Prozesses stützt:,, Das Medium ist nicht allein Botschaft die, oder anders, das Medium ist nicht nur Eine Botschaft“ 1
Ihre gesprochenen Texte oder auch schriftlichen Dokumente stellen somit meist selbständige, unabhängige Einheiten dar, die eine Kritik, ein soziologisches Profil der Gesellschaft entwickeln.
EXPORTs Ausführungen lassen sich in Thesen fassen, die im Einzelnen erläutert und mit einigen ihrer Werke in Zusammenhang gebracht werden sollen.
Es sind Thesen über ein Fortschreiten der Kultur mit seinen Auswirkungen und Risiken, insbesondere in Bezug auf den weiblichen Körper und die Identitätsfindung der Frau.
3.1 Kulturation ist Substitution und Absenz
Die fortschreitende Vervollkommnung und Ersetzung der natürlichen Organe durch künstliche Werkzeuge, die wiederum selbst neue Werkzeuge und künstliche Organe herstellen können, bewirken einen kulturellen Fortschritt, schufen eine Kulturhöhe, eine zivilisatorische Pyramide an deren Spitze der Mensch als eine Art Prothesengott sitzt. 2
Angelehnt an Freuds These, der Mensch sei ein Mängelwesen, das sich zu einer Art Prothesengott entwickelt hat, formuliert EXPORT ihre Grundgedanken zu weiteren Entwicklungsprognosen für die Gesellschaft und die Rolle der Frau. Sigmund Freud verwendete den Begriff „Prothesengott“ in seiner Arbeit „Das Unbehangen in der Kultur“ (1930), um einen Zustand der menschlichen Kulturentwicklung zu beschreiben, in dem der Mensch im Widerspruch zu seiner biologischen Veranlagung lebt. Nach Freud schützt er sich mit der Kultur gegen die Natur und regelt so das menschliche Zusammenleben.
1 Grosenick, Uta: Women Artists, 76.
2 EXPORT,VALIE : Das Reale und sein Double: Der Körper, Bern 1992, 8.
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Arbeit zitieren:
Mareike Rolef , 2008, Valie Exports, München, GRIN Verlag GmbH
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