Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung. 1
2. Bemerkungen zur Auswahl der Korpustexte 2
3. Ideologien und ideologische Strategien. 2
4. Typische Stilmittel ideologischen Sprachgebrauchs 4
5. Textanalyse
5.1 Karl Marx/ Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei.
Vorwort. 7
5.2 Karl Marx/ Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei.
Bourgeois und Proletarier (Auszug) 9
5.3 Karl Marx/ Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei.
Proletarier und Kommunisten (Auszug) 13
5.4 Karl Marx/ Friedrich Engels: Kommunismus.- Produktion einer
Verkehrsform selbst (Auszug) 16
6. Ideologische Strategien bei Karl Marx - Eine vergleichende Betrachtung
18
7. Fazit 21
1. Einleitung
Ideologien sind nicht nur harmlose Gedankengebilde. Sie haben die Macht, die Welt zu verändern. Gelingt es, genug Menschen von einer Ideologie zu überzeugen, so kann sie den Lauf der Geschichte nachhaltig beeinflussen. So bestimmte der Gegensatz zwischen der Ideologie des Kommunismus und ihren Gegnern über ein halbes Jahrhundert lang die Richtung der Weltpolitik. Doch wie konnte eine Weltanschauung solchen Einfluss auf die Menschen gewinnen? Eine Antwort auf diese Frage liegt in der Weise, wie Weltanschauungen einem Publikum näher gebracht werden - in ihrer sprachlichen Konstruktion.
Neben dem Faschismus bewirkte die Ideologie des Kommunismus im vorigen Jahrhundert die größten geschichtlichen Veränderungen. Die Teilung der Welt in Ost und West, in Kommunisten und Nicht-Kommunisten, spaltete nicht nur Europa, sondern hatte Konflikte in den entlegendsten Teilen der Erde zur Folge. Und obwohl der Kalte Krieg schon lange der Vergangenheit angehört, lebt der Kommunismus doch in vielen Teilen der Welt in den Köpfen der Menschen weiter.
Angesichts dieser enormen Wirkung stellt sich die Frage, welche sprachlichen Strategien der Ideologie des Kommunismus solche Überzeugungskraft verleihen konnten. Dieser Frage soll in der folgenden Arbeit mit Hilfe einer Textanalyse auf den Grund gegangen werden. Die Analyse stützt sich auf die Werke Karl Marx´ und Friedrich Engels´, welche als „Erfinder“ des Kommunismus zweifelsohne die besten Voraussetzungen für eine fundierte Beobachtung liefern. Die zentrale Frage der Analyse lautet, welcher ideologischer Strategien die Autoren sich bedienen, um die Ideologie des Kommunismus sprachlich zu konstruieren. Zu Beginn der Arbeit soll zunächst auf die Definition von Ideologie eingegangen und ein Überblick darüber gegeben werden, welche ideologischen Strategien die Forschung bisher identifiziert hat. Anschließend werden einige der wichtigsten sprachlichen Mittel vorgestellt, welche für ideologische Sprache charakteristisch sind. Nach einigen kurzen Bemerkungen zur Auswahl der Korpustexte folgt die Analyse von vier ausgewählten Textauszügen. Die Untersuchung der einzelnen Texte komplettiert eine vergleichende Betrachtung. Abschließend sollen die Untersuchungsergebnisse in einem Fazit zusammengeführt werden, um zu einer Beantwortung der Ausgangsfrage zu kommen.
1
2. Bemerkungen zur Auswahl der Korpustexte
Bei der Auswahl der Korpustexte gaben sowohl methodische als auch chronologische Gründe den Ausschlag. Die Entscheidung, das Manifest der Kommunistischen Partei zur Basis der Untersuchung zu machen, ist nahe liegend: Zum einen ist das Manifest die zentrale Kampfschrift der Kommunisten, in der die Ideologie Marx´ und Engels´ auf das Wesentliche reduziert und konzentriert wird. Zum anderen kann aufgrund seiner Adressierung an eine breite internationale Öffentlichkeit von einem großzügigen Einsatz typischer ideologiesprachlicher Mittel ausgegangen werden, welcher die Vorraussetzung einer solchen Analyse ist. Da die Schriften von Marx allerdings erheblich vielseitiger sind und wissenschaftliche Texte das Hauptwerk Marx´ und Engels´ ausmachen, darf hier meiner Meinung nach nicht ausschließlich der massenwirksame Ausdruck der Ideologie des Kommunismus berücksichtigt werden. Deshalb soll als letzter Text ein Auszug aus der „Deutschen Ideologie“ analysiert werden. So eröffnet sich zusätzlich die Möglichkeit, Erkenntnisse über die unterschiedliche Sprachverwendung innerhalb des Marx´schen Werkes zu gewinnen und etwaige Unterschiede in den Strategien festzustellen. Schließlich spielte der Zeitpunkt der Entstehung eine Rolle für die Auswahl der Texte. Um einen aussagekräftigen Vergleich der sprachlichen Gestaltung gewährleisten zu können, entschied ich mich daher für zwei Texte, die etwa zur gleichen Zeit entstanden sind und veröffentlicht wurden.
3. Ideologien und ideologische Strategien
Bevor mit der Textanalyse begonnen werden kann, soll zunächst geklärt werden, was in der Forschung unter Ideologie verstanden wird und welche ideologischen Strategien es gibt. Doch schon die Suche nach einer treffenden Definition von Ideologie stellt eine nicht geringe Herausforderung dar. So beginnt Terry Eagleton sein Buch über Ideologie mit der Feststellung, dass eine angemessene Definition von Ideologie bisher nicht gefunden worden sei. 1 In seinem Werk betrachtet Eagleton eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen von Ideologie. Laut Eagleton existieren dabei zwei Denktraditionen. Die erste fasst die Ideologie im Sinne falscher Erkenntnis als Illusion, Verzerrung oder Mystifikation auf und verläuft von Hegel über Marx und Lukács bis zu den Neomarxisten. Die zweite Linie ist die soziologische, welche weniger deren Wahrheitsgehalt, sondern eher die gesellschaftlichen Funktionen von Ideologien in den Mittelpunkt des Interesses rückt. 2 Karl Marx selbst befasste sich ebenfalls mit dem Begriff der Ideologie. Jedoch versteht er unter Ideologie das herrschende
1 Vgl. Eagleton, Terry, Ideologie. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar 2000, S. 7.
2 Vgl. Ebd., S. 9.
2
gesellschaftliche Bewusstsein und fasst darunter nicht nur Politik, sondern auch die Prinzipien der Religion, des Gesetzes und der Moral. Diese Prinzipien sind Marx zufolge immer die geistigen Prinzipien der herrschenden Klasse und somit Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse. 3 Folgte man der Marx´schen Ideologiedefinition, könnte der Kommunismus (solange er als Gegenbewegung zur bestehenden Ordnung existiert) also gar nicht als Ideologie bezeichnet werden. Da der Umfang dieser Arbeit eine Darstellung aller Definitionen von Ideologie nicht zulässt, soll hier nur jene genannt werden, welche mirauch in Bezug auf den Kommunismus - am geeignetsten scheint. Sie stammt von dem Philosophen Martin Seliger und gehört damit der ersten Traditionslinie an: Ideologie wird von ihm definiert als „Menge von Ideen, durch die man Mittel und Ziele organisierter gesellschaftlicher Handlungen postuliert, erklärt und rechtfertigt. Als gesellschaftliche Handlungen werden besonders politische Handlungen verstanden, gleichgültig, ob sie auf den Erhalt, die Verbesserung, Zerstörung oder Restauration einer bestimmten Gesellschaftsordnung abzielen.“ 4
Neben der Darstellung zahlreicher unterschiedlicher Definitionen von Ideologie spricht Eagleton von verschiedenen ideologischen Strategien. Unter der Strategie der Rationalisierung versteht er das Verfahren, gesellschaftliche Interessen, Handlungen oder Gedanken anhand (scheinbar) rationaler Gründe zu erklären. 5 Im Zusammenhang mit der Strategie der Rationalisierung nennt Eagleton außerdem die Legitimierung, mithilfe derer eine herrschende Macht versucht, die Anerkennung ihrer Macht zu erlangen und diese zu rechtfertigen. Legitimierung muss dabei allerdings nicht zwingend im negativen Sinne - zur Rechtfertigung eigentlich illegitimer Machtansprüche und Interessen - gebraucht werden, sondern kann auch das Vorgehen bezeichnen, legitimen Interessen zu mehr Zustimmung zu verhelfen. 6 Eine weitere Strategie, mit der die Zustimmung zur eigenen Ideologie erreicht werden kann, liegt in der Universalisierung bzw. Verewigung. Unter Universalisierung versteht Eagleton das Verfahren, eigentlich örtlich und zeitlich gebundene Interessen als Interessen der Allgemeinheit darzustellen. 7 Auch hier wird betont, dass der Verweis auf das Allgemeinwohl nicht in jedem Fall eine Verschleierung der Tatsachen darstellt, sondern durchaus der Wahrheit entsprechen kann. Als mit der Universalisierung eng verbunden nennt Eagleton schließlich die Strategie der Naturalisierung. Gemeint ist damit die Darstellung von
3 Vgl. Straßner, Erich, Ideologie - Sprache - Politik. Grundfragen ihres Zusammenhangs. Tübingen 1987, S. 3.
4 Martin Seliger, zitiert nach: Eagleton, Ideologie, S. 13f.
5 Vgl. ebd., S. 63f.
6 Vgl. Eagleton, Ideologie, S. 67.
7 Vgl. ebd., S. 69.
3
Grundpositionen einer Ideologie als selbstverständlich und naturgegeben. Mit der Universalisierung hat die Naturalisierung eine enthistorisierende Komponente gemein. 8 Eine Typisierung von Ideologien wagte der Politologe Kurt Lenk, indem er Rechtfertigungs- , Komplementär-, Verschleierungs- und Ausdrucksideologien unterschied. Unter dem Begriff der Rechtfertigungsideologie fasst Lenk Ideologien, die gesellschaftliche Zusammenhänge auf einer rationalen Grundlage darzustellen versuchen. Als Beispiele für
Rechtfertigungsideologien werden die traditionellen Hochideologien wie Sozialismus, Nationalismus, Liberalismus oder Konservatismus genannt. 9 Die Komplementärideologien, zu denen zum Beispiel die Religionen des feudalen Zeitalters zählen, wollen dagegen nicht die gesellschaftlichen Zusammenhänge legitimieren, sondern schaffen fiktive Ersatzwelten. Als eine dritte Form nennt Lenk die Verschleierungsideologien, deren Funktion es ist, aufkommende Kritik an einer bestehenden Gesellschaftsordnung auf ein Aggressionsobjekt abzuleiten, um eine Veränderung des Systems zu verhindern. Als „Sündenbock“ fungieren dabei vor allem Minderheiten einer Gesellschaft, wie es beispielsweise beim Rassismus der Fall ist. 10 Schließlich vereinigen sogenannte Ausdrucks- oder Mobilisierungsideologien einzelne Elemente unterschiedlicher Ideologien zu mythischen Gebilden, die schließlich zu Glaubenssätzen erhöht werden. 11
4. Typische Stilmittel ideologischen Sprachgebrauchs
Weiterhin stellt sich die Frage, welche sprachlichen Mittel genutzt werden, um Ideologien im Diskurs Überzeugungskraft zu verleihen. Die Wissenschaft hat hier bereits zahlreiche Stilmittel identifiziert, welche für die Ideologiesprache und die politische Sprache überhaupt typisch sind. Ein solches charakteristisches Mittel ist das der Wir-Pronominalisierung. Hierbei wird durch Einsatz des Pronomens in der ersten Person Plural entweder die Einbeziehung des Hörers in ein Kollektiv vermittelt (Inklusiv-Plural) oder dem Hörer ein Kollektiv gegenübergestellt (Exklusiv-Plural). 12 Somit dient die Wir-Pronominalisierung einerseits der Gemeinschafts- und Identitätsbildung innerhalb einer Gruppe, mit der eine gemeinsame Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gemeinsame Ziele und ein gemeinsames Feindbild verbunden werden. 13 Gleichzeitig bewirkt sie aber auch eine Polarisierung, weil sie eine
8 Vgl. ebd., S. 71-73.
9 Vgl. Straßner, Ideologie - Sprache - Politik, S. 10.
10 Vgl. ebd., S. 11.f.
11 Vgl. ebd., S. 12.
12 Vgl. Weinrich, Harald, Textgrammatik der deutschen Sprache. 3. Aufl. Hildesheim 2005, S. 97.
13 Vgl. Dieckmann, Walther, Sprache in der Politik. Einführung in die Pragmatik und Semantik der politischen
Sprache. 2. Aufl. Heidelberg 1975, S. 32.
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Arbeit zitieren:
Julia Rauland, 2009, Ideologische Strategien bei Karl Marx, München, GRIN Verlag GmbH
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