Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Inhaltsverzeichnis
MANAGEMENT SUMMARY 4
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. 5
1. EINLEITUNG. 6
1.1. PROBLEMSTELLUNG. 6
1.2. ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 8
2. DAS FINANZRISIKOMANAGEMENT (FIRM) 10
2.2. DEFINITION DER FINANZRISIKEN 11
2.2.1. Definition Marktpreisrisiken 12
2.2.2. Definition (Adress-)Ausfallrisiko. 12
2.3. DER FINANZRISIKOMANAGEMENTPROZESS. 13
2.3.1. Identifikationsinstrumente für Finanzrisiken. 15
2.3.1.1. Die Analyse. 15
2.3.1.2. Die Prognose 17
2.3.1.3. Die Früherkennung 17
2.3.2. Bewertungsmethoden für Finanzrisiken 19
2.3.2.1. Der Value-at-Risk. 20
2.3.2.2. Der Cash flow-at-Risk 21
2.3.2.3. Der Earnings-at-Risk. 21
2.3.2.4. Szenario- und Sensitivitätsanalyse 22
2.3.3. Steuerungsinstrumente für Finanzrisiken 23
2.3.3.1. Instrumente zur Steuerung von Marktpreisrisiken. 23
2.3.3.2. Instrumente zur Steuerung von (Adress-)Ausfallrisiken 24
2.3.4. Controlling von Finanzrisiken 26
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
3. DAS ROHSTOFFPREISRISIKO-MANAGEMENT 29
3.1. ÜBERBLICK ÜBER VERSCHIEDENE ROHSTOFFE 30
3.1.1. Buntmetalle 30
3.1.1.1. Kupfer 31
3.1.1.2. Aluminium 32
3.1.2 Edelmetalle. 33
3.2. UMSETZUNG DES ROHSTOFFPREISRISIKO-MANAGEMENTS 34
3.2.1. Identifikation von Rohstoffpreisrisiken 34
3.2.2. Bewertung von Rohstoffpreisrisiken 35
3.2.3. Steuerung von Rohstoffpreisrisiken. 36
3.3. HEDGING VON ROHSTOFFPREISRISIKEN. 37
3.3.1. Auswahlkriterien für Hedging-Instrumente (Derivate) 39
3.3.2. Definition Hedging 40
3.3.3. Short Hedge vs. Long Hedge. 41
3.3.4. Hedging Strategien. 41
3.3.5. Fair value hedge vs. Cash flow hedge. 42
3.3.6. Hedge Ratio 44
3.3.7. Besonderheiten bei der Absicherung von Rohstoffpreisrisiken 45
3.3.8. Nutzung von Derivaten zur Rohstoffpreisrisikoabsicherung 47
3.3.8.1. Definition, Einteilung und Historie von Derivaten 47
3.3.8.2. Futures/Forwards. 50
3.3.8.3. (Commodity-)Swaps 52
3.3.8.4. Optionen 54
3.3.8.5. Vergleich der Hedging-Instrumente 60
4. SCHLUSSBEMERKUNG 63
ANHANG. 65
LITERATURVERZEICHNIS 87
INTERNETQUELLEN 92
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Management Summary
There has been a strong increase of raw material prices in the last years. Now this raw material boom that began in 2003 has come to an abrupt ending by the current financial market crises and has led to a decrease of raw material prices. But even with the now declined prices, still the procurement of raw materials is counted as a high risk factor for almost every industrial and trading company. This is not only a consequence of the very high shares of the raw material in the overall costs but also due to the high volatility of raw material prices within the last five years. In addition to that, there is on the one hand the advancing scarcity of raw materials and on the other hand the increasing strong demand from the emerging markets like China and India. Furthermore, one can reckon that raw material prices will go up again after the recovery of the economic situation.
Taking all these facts into account, it is highly recommended for companies to implement an efficient raw material price risk management now in order to be prepared for the future. In addition to that, the companies could take advantage of the current low prices to secure for their resources for the upcoming years. But as surveys show, although companies are aware of the importance of a risk management, the raw material price risk management has been neglected so far. With the implementation of a raw material risk management companies could identify and evaluate raw material price risks in time and would be able to initiate appropriate counteracting measures by using hedging instruments.
The identification, evaluation as well as the controlling - in particular the hedgingof raw materials is explained in detail within this Thesis. Also the prerequisites for an implementation of a raw material price risk management as well as the specialities and procedures that have to be considered for conducting the raw material price risk management are explained in detail.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aufbau der Bachelor Thesis
Abbildung 2: Finanzrisiken.
Abbildung 3: Finanzrisikomanagementprozess
Abbildung 4: Indikatoren-orientiertes Früherkennungssystem.
Abbildung 5: Bewertungsmethoden.
Abbildung 6: Historischer Verlauf Kupfer.
Abbildung 7: Historischer Verlauf Aluminium.
Abbildung 8: Historischer Verlauf Platin
Abbildung 9: Einteilung der Termingeschäfte
Abbildung 10: Gewinn-/Verlustprofil des Kaufs eines unbedingten
Termingesch äfts.
Abbildung 11: Gewinn-/Verlustprofil des Verkaufs eines unbedingten
Termingesch äfts.
Abbildung 12: Beispiel für Kupfer Commodity Swap
Abbildung 13: Gewinn- und Verlustprofil des Kaufs einer Kaufoption.
Abbildung 14: Gewinn- und Verlustprofil des Kaufs einer Verkaufsoption.
Abbildung 15: Gewinn- und Verlustprofil des Verkaufs einer Kaufoption.
Abbildung 16: Gewinn- und Verlustprofil des Verkaufs einer Verkaufsoption
Abbildung 17: Gliederung der Optionen
Abbildung 18: Vor- und Nachteile der Hedging-Instrumente.
Abbildung 19: Risikokategorien
Abbildung 20: Dreidimensionale Risikokategorisierung.
Abbildung 21: Risiken im Hinblick auf ihre Wirkung.
Abbildung 22: Unternehmensziele und Ziele des Risikomanagements
Abbildung 23: Bestandteile Risikomanagement nach KonTraG
Abbildung 24: Kreislauf des Risikomanagementprozesses
Abbildung 25: Instrumente zur Risikoidentifikation
Abbildung 26: Instrumente zur Risikosteuerung
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
In den vergangenen Jahren war ein starker Anstieg der Rohstoffpreise zu beobachten. Auch wenn die Rohstoffhausse, die 2003 begann, durch die derzeitigen Finanzmarktturbulenzen und den dadurch verursachten weltweiten Konjunkturrückgang gedämpft wurde, gehören Rohstoffe dennoch zu den Unsicherheitsfaktoren fast jedens Industrie- und Handelsunternehmens. Nicht zuletzt da sie einen Großteil der Gesamtkosten (hier ist v. a. die Kostenwirkung auf die Materialkosten zu nennen) ausmachen und aufgrund ihrer Entwicklung in den letzten fünf Jahren nach wie vor eine sehr hohe Volatilität 1 aufweisen. Die starke Volatilität der Rohstoffe wird durch die weltweit immer knapper werdenden Rohstoffressourcen verschärft. Hinzu kommt, dass Schwelländer wie China, Indien, Indonesien und Vietnam sich in einem wirtschaftlichen Aufholprozess befinden und mit zunehmender Industrialisierung auch als immer stärker werdende Nachfrager für Rohstoffe auftreten. Diese Faktoren werden auch in Zukunft einen starken Einfluss auf die Rohstoffpreise ausüben. Vor diesem Hintergrund hat das Management von Rohstoffpreisrisiken für Unternehmen eine wichtige Bedeutung. Es gilt die Risiken, die sich aus den volatilen Rohstoffmärkten ergeben im unternehmensinternen Risikomanagementprozess zu identifizieren und zu bewerten, um somit durch entsprechende Gegenmaßnahmen die Rohstoffrisiken im Sinne des Unternehmens steuern zu können.
Eine Studie von KPMG, durchgeführt in der zweiten Jahreshälfte 2006 und damit in einer Zeit, in der die Rohstoffpreise bereits seit drei Jahren stark anstiegen, zeigt jedoch, dass dem Rohstoffpreismanagement nur eine geringe Bedeutung zukommt. Im Rahmen dieser Studie wurden über 500 Unternehmen aus Deutsch-land, Österreich und der Schweiz über ihren Umgang mit Energie- und Rohstoffpreisrisiken befragt.
1 Mit der Volatilität wird die Schwankungsintensität der beobachteten Kurse, Zinssätze, Preise, etc. gemessen
und quantifiziert. Dabei gilt, je höher die Volatilität ist, desto höher ist die Abweichung vom erwarteten Ziel-
wert.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Der Fokus der Studie lag u. a. auf dem Stellenwert des Risikomanagements im Unternehmen sowie auf dem Management der branchenübergreifend eingesetzten Energie- und Rohstoffrisiken im Rahmen des Risikomanagements. Die Studie ergab, dass 93% der befragten Unternehmen das Thema Risikomanagement für wichtig oder sehr wichtig erachten. Immerhin verfügen 76% der Unternehmen über eine schriftlich fixierte Risikomanagement-Strategie. Betrachtet man im Gegensatz dazu das Rohstoffpreisrisiko-Management, so ist festzustellen, dass dieses eine eher untergeordnete Rolle spielt, da hier beispielsweise nur bei 49% der Unternehmen schriftliche Strategien zur Absicherungen von Rohstoffpreisrisiken vorliegen. 2 Weitere Hinweise darauf, dass Unternehmen dem Rohstoffpreisrisiko-Management nur eine geringe Bedeutung zukommen lassen, finden sich in den Studienergebnissen im Hinblick auf die Absicherung der Rohstoffpreisrisiken. Hierbei bedienen sich 66% der befragen Unternehmen der einfachsten Form der Absicherung, dem sogenannten Natural Hedge. Das bedeutet, dass Unternehmen ihre Rohstoffpreisrisiken auf Dritte (z. B. Kunden, Lieferanten) überwälzen. Doch eine solche Risikostrategie birgt durch die damit verbundenen Preiserhöhungen langfristig die Gefahr eines Wettbewerbsnachteils für die betroffenen Unternehmen. Weiterhin sichern Unternehmen ihre Rohstoffpreisrisiken durch den Cash Flow Hedge, bei dem Zahlungsströme aus dem Ein- und Verkauf von Rohstoffen abgesichert werden oder dem Fair Value Hedge, durch den bestehende Warenbestände abgesichert werden, ab. Allerdings hat die Studie gezeigt, dass vier von zehn Unternehmen ihre Rohstoffpreisrisiken weder durch den Cash Flow Hedge noch durch den Fair Value Hedge absichern und damit angesichts der starken Rohstoffpreisschwankungen auf dem Markt ein hohes Risiko eingehen. 3
Somit wird in der vorliegenden Arbeit neben der generellen Betrachtung des Risikomanagements, insbesondere das Finanzrisikomanagement als wichtige Funktion für Unternehmen beleuchtet. Besonders das oftmals vernachlässigte Rohstoffpreisrisiko und dessen Management liegen im zentralen Fokus der Arbeit. Dabei werden die wesentlichen Methoden und auch die Besonderheiten des Rohstoffhedgings erläutert.
2 Vgl. KPMG (2007), S. 10/11.
3 Vgl. KPMG (2007), S. 14/15.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit wird das Thema der Absicherung (Hedging) von Rohstoffpreisrisiken aufgegriffen. Da die Rohstoffpreisrisiken Marktpreisrisiken darstellen und letztere innerhalb des Finanzrisikomanagements behandelt werden, wird in dieser Arbeit das Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst das Finanzrisikomanagement mit seinen wesentlichen Prozessen darzustellen und den Zusammenhang zwischen Finanzrisikomanagement und Rohstoffpreisrisiko-Management aufzuzeigen, um im Anschluss daran Möglichkeiten aufzuzeigen, die Unternehmen wahrnehmen können, um Rohstoffpreiserhöhungen (-risiken) durch Hedging zu minimieren oder gar zu vermeiden und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind.
Die Bachelor Thesis ist nach dem einleitenden Kapitel 1 in drei weitere Kapitel gegliedert. Als Überleitung zum Kapitel 2 „Der Finanzrisikomanagementprozess“ dient das im Anhang dargestellte „Risikomanagement im Unternehmen“. Die Überleitung wurde aufgrund des vorgegebenen Umfangs der Arbeit in den Anhang gestellt. Der Aufbau der Arbeit ist nachstehend in Abbildung 1 dargestellt:
Abbildung 1: Aufbau der Bachelor Thesis
[Quelle: eigene Darstellung]
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Ausgehend vom gesamten Risikomanagementprozess wird in Kapitel 2 das Finanzrisikomanagement mit seinen wesentlichen Prozessen erläutert. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Finanzrisikomanagement neben dem Risikomanagement operationeller (leistungswirtschaftlicher) Risiken Teil des gesamten Risikomanagements ist. Daher ist es wichtig, zunächst den Blick auf das gesamte Risikomanagement zu richten, um auch die Zuordnung finanzieller Risiken darstellen zu können. Weiterhin werden neben der Charakterisierung unternehmerischer Risiken, die auch die Risikokategorisierung beinhaltet, wesentliche Aspekte, die sowohl für das Finanzrisikomanagement als auch für das Risikomanagement operationeller Risiken gelten, behandelt (z. B. gesamthafter Risikomanagementprozess). Im Kapitel 2 wird auf die einzelnen Instrumente und Methoden, die im Finanzrisikomanagementprozess Anwendung finden, eingegangen.
Das Kapitel 3 beschäftigt sich als Hauptgegenstand dieser Arbeit mit dem Rohstoffpreisrisiko-Management, da zum einen Rohstoffpreise mittlerweile die höchsten Volatilitäten am Markt aufweisen und zum anderen hier ein großer Nachholbedarf besteht. Rohstoffpreisrisiken gehören zu den Marktpreisrisiken, die wiederum u. a. Gegenstand des Finanzrisikomanagements sind. Da bereits in Kapitel 2 auf die Instrumente und Methoden zur Identifikation, Bewertung und Steuerung von Finanzrisiken sowie auf das Risikocontrolling eingegangen wird, werden in diesem Kapitel die Identifikation, Bewertung und Steuerung von Rohstoffpreisrisiken vertieft. Hierbei liegt der Fokus auf der Risikosteuerung von Rohstoffpreisrisiken, d.h. Ausführungen dazu wie Unternehmen Rohstoffpreiserhöhungen handhaben können, um die daraus resultierenden Risiken zu minimieren oder gar zu vermeiden. Zentrales Thema ist daher die Absicherung (Hedging) von Rohstoffpreiserhöhungen (-risiken) mithilfe derivativer Finanzinstrumente.
Den Abschluss der Arbeit bildet Kapitel 4 mit der Schlussbemerkung.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2. Das Finanzrisikomanagement (FiRM)
Das Finanzrisikomanagement (FiRM) ist - neben dem operationellen Risikomanagement - ein wichtiger Teil des gesamten Risikomanagements eines Unternehmens. Seine primären Ziele sind, die Sicherung der Liquidität sowie die Reduzierung und aktive Steuerung finanzieller Risiken. Daneben sind die Maximierung des Shareholder Values sowie die Optimierung des Finanzergebnisses weitere (se-kundäre) Ziele des Finanzrisikomanagements. 4 Finanzwirtschaftliche Risiken und deren Management haben in den vergangenen Jahren durch die internationale Verflechtung der Unternehmen, die starke Volatilität der Wechselkurse, Zinsen und Rohstoffpreise an den internationalen Märkten zunehmend an Beachtung gewonnen. Im Rahmen einer Marktforschungsanalyse wurden drei Dax-notierte Aktiengesellschaften, vier große M-Dax-notierte sowie drei Großunternehmen ohne Börsennotierung hinsichtlich ihres Finanzrisikomanagements befragt. Das Ergebnis zeigt, dass das Management von Finanzrisiken in den befragten Unternehmen einen hohen Stellenwert hat. So messen fünf Unternehmen dem Finanzrisikomanagement eine sehr hohe Bedeutung bei, vier Unternehmen eine hohe und ein Unternehmen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. 5
Bevor auf den Finanzrisikomanagementprozess eingegangen wird, werden zunächst die einzelnen Finanzrisiken definiert.
4 Vgl. Härle-Willerich/Rikowski (2005), S. 3.
5 Vgl. Eichhorn/Heil (2007), S. 19.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2.2. Definition der Finanzrisiken
Das Gesamtrisiko eines Unternehmens lässt sich in zwei Hauptkategorien unterteilen, zum einen die Kategorie der Finanzrisiken und zum anderen die der operationellen Risiken. Während die operationellen Risiken dem leistungswirtschaftlichen Prozess des Unternehmens zuzuordnen sind, werden als Finanzrisiken all diejenigen Risiken definiert, die sich direkt auf den finanziellen Bereich eines Unternehmens, d. h. auf die Einnahmen- und Ausgabenströme auswirken. 6 Im Hinblick auf eine ausführlichere Erläuterung zur Risikokategorisierung wird auf den Anhang verwiesen.
Die nachstehende Abbildung 2 hebt die aus der Risikokategorisierung identifizierten Finanzrisiken mit den entsprechenden Subkategorien hervor.
Abbildung 2: Finanzrisiken
[Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Romeike (2005), S. 22, Kremers (2002), S. 55]
6 Vgl. Schulz (2002), S. 5.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2.2.1. Definition Marktpreisrisiken
Marktpreisrisiken implizieren die Gefahr negativer Entwicklungen eines bestimmten Marktes. 7 Dazu zählen beispielsweise negative Veränderungen einzelner Marktbewertungsparameter wie Zinssätze, Aktienkurse, Rohstoffpreise und Währungskurse.
Unter dem Zinsänderungsrisiko versteht man die negative Konditionenänderung bei variablen Zinspositionen, die durch eine Veränderung der Zinsstruktur an den Geld- und Kapitalmärkten hervorgerufen wird. 8
Ein Aktienkursrisiko entsteht durch eine negative Abweichung von einer geplanten Zielgröße (Vermögen, Gewinn), die aufgrund unsicherer zukünftiger Entwicklungen der Aktienkurse auftritt. 9
„Den Rohstoffpreisrisiken sind alle Erfolgseinbußen zuzurechnen, die aus einer für die Unternehmung ungünstigen Entwicklung von Rohstoffpreisen resultieren.“ 10
„Das Währungsrisiko entsteht bei einer unvorteilhaften Veränderung von Wechselkursen zwischen verschiedenen Währungen.“ 11
2.2.2. Definition (Adress-)Ausfallrisiko
Das (Adress-)Ausfallrisiko wird definiert als der potenzielle Verlust bei Ausfall des Geschäftspartners oder die nachweisbare Verschlechterung des Wertes eines derivativen Geschäfts. Die Verschlechterung ergibt sich so beispielsweise durch die (teilweise) Nichterfüllung durch den jeweiligen Geschäftspartner, sobald dieser den vertraglich vereinbarten Leistungen nur teilweise oder gar nicht nachkommt. 12
7 Vgl. Schierenbeck/Lister (2002), S. 428.
8 Vgl. Portisch (2008), S. 199.
9 Vgl. Wolke (2007), S. 141.
10 Schierenbech/Lister (2002), S. 428.
11 Portisch (2008), S. 199.
12 Vgl. Winter (2001), S. 101.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2.3. Der Finanzrisikomanagementprozess
Da der Finanzrisikomanagementprozess im Rahmen dieser Arbeit neben dem Management operationeller Risiken als integrativer Teil des gesamten Risikomanagementprozesses betrachtet wird, gelten auch die gleichen Rahmenbedingungen (Risikopolitik, Unternehmensziele und organisatorischen Regelungen), die ebenso den Rahmen für den gesamten Risikomanagementprozess bilden (siehe Ausführungen im Anhang). Nichtsdestotrotz kann dabei das Finanzrisikomanagement von einer anderen Abteilung als der des zentralen Risikomanagements gesteuert werden, so beispielsweise von der Treasury-Abteilung. Diese hat neben der Durchführung des Finanzrisikomanagements die Aufgabe, die Liquidität des Unternehmens zu steuern. Weiterhin könnte sie zudem die Analyse und Steuerung der gesamten Finanzprozesse im Unternehmen (Financial Supply Chain Management) und damit die Überwachung der primären finanziellen Wertschöpfungskette übernehmen. 13 Der Aufbau einer Treasury-Abteilung ist allerdings abhängig von der Art und Größe sowie der globalen Aufstellung des Unternehmens.
13 Vgl. Seethaler/Steitz (2007), S. 3.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Der Detaillierungsgrad, der bei der Berücksichtigung der Prozessstufen herangezogen wird, ist dabei von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. In der Praxis hat sich eine stufenweise Herangehensweise auch für die Finanzrisiken bewährt und wird in einem Prozess durchgeführt, bestehend aus vier Stufen (Identifikation, Bewertung, Steuerung, Controlling) (Abbildung 3). 14
Abbildung 3: Finanzrisikomanagementprozess
[Quelle: eigene Darstellung]
Zur Beschreibung der einzelnen Prozessstufen wird an dieser Stelle auf den Anhang 5.5. verwiesen, in dem die Prozessstufen im Rahmen des Risikomanagementprozesses detailliert beschrieben sind. Im Folgenden werden daher die Instrumente, die zur Identifikation von Finanzrisiken herangezogen werden können, die Bewertungsmethoden sowie die Steuerungsinstrumente und das Risiko-Controlling erläutert.
14 Vgl. Priermeier (2005), S. 16.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2.3.1. Identifikationsinstrumente für Finanzrisiken
Zur Risikoidentifikation stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung. An dieser Stelle werden die Hauptinstrumente, so wie sie im Anhang 5.5. tabellarisch dargestellt sind genannt:
- Technische und organisatorische Hilfsmittel,
- Unternehmensanalysen,
- Umweltanalysen,
- Prognosetechniken,
- Früherkennung.
Im Rahmen der Finanzrisikoidentifikation konzentrieren sich die Erläuterungen zu den Identifikationsinstrumenten auf die Analyse- und Prognosetechniken sowie auf das Instrument der Früherkennung.
2.3.1.1. Die Analyse
Die Sammlung bzw. Identifikation potentieller Risiken erfolgt größtenteils über die Analyse des Unternehmens und der Unternehmensumwelt. 15 „Der generelle Zweck solcher Analysen besteht in der Erarbeitung von Informationen als Ausgangspunkt für Prognosen und Planung, ein damit verbundener spezieller Zweck besteht in der Aufdeckung von Stärken und Schwächen in der Unternehmen und von Chancen und Risiken für die Unternehmung in ihrem Umsystem.“ 16 Analysen beziehen sich überwiegend auf Vergangenheitsdaten. 17
15 Vgl. Fiege (2006), S. 111.
16 Hahn/Hungenberg (2001), S. 319.
17 Vgl. Fiege (2006), S. 112.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
An dieser Stelle werden zwei Analysetechniken, die zur Identifizierung von potenziellen Finanzrisiken herangezogen werden können, genannt. Dabei handelt es sich zum einen um die Dokumentenanalyse, die im Rahmen der Unternehmensanalyse durchgeführt wird. Durch die Dokumentenanalyse erfolgt die Ermittlung potenzieller Risiken aus Verträgen, Plänen, Bescheiden oder aus Sekundärdokumenten aus dem betrieblichen Rechnungswesen, so z. B. der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung. 18 Ebenso kann die Portfolio-Technik aus der Umweltanalyse eingesetzt werden. Diese wird vor allem dann eingesetzt, wenn die optimale Mischung eines Wertpapierportfolios sichergestellt werden soll. 19
Mit den genannten Risiko-Identifikationsinstrumenten können potenzielle Finanzrisiken im Unternehmen identifiziert werden, so beispielsweise 20
- zinssensitive Bilanzpositionen wie Ausleihungen an verbundene Unternehmen, Wertpapiere des Anlagevermögens, sonstige Vermögensgegenstände, Anleihen, Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten oder verbundenen Unternehmen,
- währungssensitive, operative Cashflows wie Umsätze in Fremdwährungen, Materialeinsatz und sonstige Kosten, Beteiligungsergebnisse, Cashflows aus währungssensitiven Sicherungsinstrumenten,
- währungsbedingte Bewertungsrisiken wie aktive Bewertungsrisiken (z. B. auf Fremdwährung lautende Wertpapiere), passive Bewertungsrisiken (z. B. Finanzierungen),
- rohstoffpreis-sensitive Positionen wie Rohstoffe für die Produktion, Hilfs- und Betriebsstoffe.
18 Vgl. Fiege (2006), S. 118.
19 Vgl. Fiege (2006), S. 121.
20 Vgl. Priermeier (2005), S. 19 - 22.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
2.3.1.2. Die Prognose
Analysen bilden auch die Basis für Prognosen. Durch eine Prognose wird versucht, eine Aussage über die künftige Entwicklung von bestimmten Variablen in einem sachlich und zeitlich abgegrenzten Untersuchungsfeld zu treffen. Dabei werden zuvor definierte gegenwärtige und zukünftige Ausgangsbedingungen zugrunde gelegt. Ebenso wird versucht, die Eintrittswahrscheinlichkeit für das Vorausgesagte zu ermitteln und anzugeben. 21 Prognosen können generell im Risikomanagementprozess sowohl als Identifikations- als auch Bewertungsinstrument eingesetzt werden. So kann beispielsweise die Szenarioanalyse die Basis für die Identifizierung von Finanzrisiken sein als auch für deren Bewertung herangezogen werden. Bei der Szenarioanalyse betrachtet das Unternehmen bestimmte Marktpreis, Kurs- oder Währungsszenarien, bei denen es die potentiellen Risikopositionen entsprechend der Szenarien neu bewertet. 22 Dadurch kann das Unternehmen potenzielle Finanzrisiken (v. a. Marktpreisrisiken) identifizieren.
2.3.1.3. Die Früherkennung
Ein weiteres wichtiges Instrument zur Risikoidentifikation ist die Früherkennung. Sie stellt eine Mischform aus den Analyse- und Prognosetätigkeiten dar. 23 Als Ursprung dienen die Frühwarnsysteme, die eine spezielle Art von Informationssystemen darstellen, die dem Unternehmen nur latente Risiken so rechtzeitig signalisieren sollen, dass noch hinreichend Zeit für die Planung, Realisation und Kontrolle geeigneter Maßnahmen zur Abwendung oder Minderung signalisierter Risiken verbleibt. Da oftmals auch latente Chancen signalisiert werden, etablierte sich der Begriff der Früherkennung. 24
21 Vgl. Hahn/Hungenberg (2001), S. 324.
22 Vgl. Culp (2001), S. 330.
23 Vgl. Fiege (2006), S. 112.
24 Vgl. Krystek (2007), S. 50.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
Für die Identifizierung möglicher Finanzrisiken kann so z. B. ein Indikator-orientiertes Früherkennungssystem eingesetzt werden (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Indikatoren-orientiertes Früherkennungssystem
[Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Krystek (2007), S. 51]
Im Rahmen des Indikator-orientierten Früherkennungssystems sind zunächst unternehmensintern und -extern Beobachtungsbereiche zur Erkennung von Risiken und Chancen festzulegen. Externe Beobachtungsfelder zur Erkennung von Finanzrisiken sind z. B. die allgemeine wirtschaftliche Situation im In- und Ausland, die Situation auf dem Finanzmarkt, das Technologisches Umfeld sowie das politisch-rechtliche Umfeld. Zu den Internen Beobachtungsfeldern gehören beispielsweise der Einkauf, der Vertrieb sowie die Finanzsituation des Unternehmens. 25
Nachdem die internen und externen Beobachtungsbereiche gefunden worden sind, erfolgt im zweiten Schritt des Indikator-orientierten Früherkennungssystems die Auswahl und Festlegung der Beobachtungsbereiche. Innerhalb der Beobachtungsbereiche gilt es dann Indikatoren zu definieren, die möglichst frühzeitig Gefährdungen in den ausgewählten Bereichen anzeigen. Zusätzlich sind für jeden der definierten Indikatoren ein Sollwert sowie eine Toleranzgrenze zu bestimmen.
25 Reichling/Bietke/Henne (2007), S. 225.
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Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements
In den Schritten fünf bis neun gilt es, die Verantwortlichkeiten für die Beobachtung festzulegen sowie ein entsprechendes Reportingsystem - sowohl inhaltlich als auch hierarchisch - aufzubauen.
2.3.2. Bewertungsmethoden für Finanzrisiken
Im zweiten Schritt des Finanzrisikomanagementprozesses werden die Finanzrisiken bewertet. Finanzrisiken (hier v. a. die Marktpreisrisiken) gehören zu den quantifizierbaren Risiken. Diese sind - im Gegensatz zu den nicht quantifizierbaren Risiken - dadurch gekennzeichnet, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit und das potenzielle Schadenausmaß in Bezug auf die Erfolgs- bzw. Vermögenssituation des Unternehmens bekannt sind. 26 Durch die Unterscheidung zwischen quantifizierbaren und nicht quantifizierbaren Risiken ergibt sich ebenso die Nutzung verschiedener Bewertungsinstrumente (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Bewertungsmethoden
[Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Gebhardt/Mansch 2001), S. 64]
Die in der Abbildung 5 dargestellten Bewertungsmethoden werden nachfolgend kurz vorgestellt. Es wird im Rahmen dieser Arbeit keine tiefgehende Analyse der Bewertungsmethoden hinsichtlich ihrer verschiedenen Berechnungslogiken sowie Stärken und Schwächen vorgenommen.
26 Vgl. Burger/Buchhart (2002), S. 106.
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Claudia Gormann, 2008, Hedging von Rohstoffpreisrisiken im Rahmen des Finanzrisikomanagements, München, GRIN Verlag GmbH
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