Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Abweichendes Verhalten: Erläuterungen verschiedener Theorien. 2
2.1 Abweichendes Verhalten im Wandel 4
Literaturverzeichnis 7
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1 Einleitung
In dieser Arbeit werde ich mich mit der Schrift Kai T. Eriksons zu abweichendem Verhalten befassen. Seine Verweise auf andere Theorien abweichenden Verhaltens werde ich zum Anlass nehmen, diese genauer zu erläutern und mit anderen Ansätzen zu vergleichen. Zudem werde ich die Schnittmengen der Autoren zu anderen Themen, besonders das des Wandels, mit den Ansichten anderer Autoren ergänzen.
2 Abweichendes Verhalten: Erläuterungen verschiedener Theorien
Erikson wirft zunächst die Frage auf, ob „abweichende Verhaltensweisen ein normaler und sogar nützlicher Bestandteil des sozialen Lebens sind“ (Erikson 1978: 15). Ein Grund, warum abweichendes Verhalten sinnvoll sein könnte, ist „die Erregung, die das Verbrechen hervorruft, (sie) beschleunigt das Tempo der Interaktion in der Gruppe und schafft ein Klima, in dem die privaten Empfindungen vieler Einzelpersonen zu einem gemeinsamen Moralgefühl verschmelzen“ (Erikson 1978: 14). Man kann also sagen, dass durch eine gemeinsame Empörung über den Abweichler ein Wir-Gefühl geschaffen wird, das zudem der tieferen Verankerung der Normen dient. Er erklärt weiter, „daß Konfrontationen zwischen Abweichlern und Kontrollagenten immer viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben“ (Erikson 1978: 21). Dies ist im Hinblick auf den oben genannten Aspekts des Wir-Gefühls logisch. Je größer die Gruppe, die diese Konfrontation beobachtet, desto größer ist auch das Gemeinschaftsgefühl und damit die Sicherheit der Zuschauer, aus der richtigen Seite zu stehen, wenn sie das Verhalten verurteilen.
Weiter geht Erikson auf die unter anderem von Howard S. Becker bekannte Definition abweichendes Verhalten ein: Becker deutet abweichendes Verhalten als „Verhalten, das Menschen so bezeichnen“ (Becker 1981: 8). Becker führt aus, „daß abweichendes Verhalten nicht einfach eine Qualität ist, die bei einigen Verhaltensweisen vorkommt, bei anderen nicht. Es ist vielmehr das Produkt eines Prozesses, der die Reaktionen anderer Menschen auf das Verhalten mit einschließt“ (Becker 1981: 12). Hier lässt sich erahnen, dass Mitglieder bestimmter Gruppen häufiger als Abweichler betitelt werden als andere. Diese Annahme wird durch die Feststellung bestätigt, „daß nichtaufgedeckte Verbrechen unter völlig ‚ehrbaren‘ Mitgliedern der Gesellschaft nichts Besonderes sind“ (Merton 1968: 295). Becker stellt außerdem fest, dass die oberen Schichten meist die Regeln für die unteren Schichten aufstellten (1981). In diesem Zusammenhang ist logisch, „daß der stärkste Druck zum Abweichen doch auf den
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niedrigen Schichten liegt“ (Merton 1968: 296). Bezogen auf Beckers These könnte man die vermehrte Häufigkeit abweichenden Verhaltens in den unteren Schichten dadurch erklären, dass sich die unteren Schichten dem Druck ausgesetzt fühlen, sich an Werte und Normen zu halten, die nicht von ihnen geschaffen wurden und diese daher als solche gar nicht akzeptieren oder verinnerlichen.
Erikson legt dar, dass Verhaltensweisen, die als abweichend beurteilt werden, nicht schädlich für die Gesellschaft sein müssten (1978). Dass solche Verhaltensweisen dennoch und vermehrt trotz ihrer Ungefährlichkeit als solche bezeichnet werden, könnte der Abgrenzung und der Erhöhung der Richter dieses Verhaltens dienen. Indem sie andere für etwas verurteilen, wollen sie vielleicht nur ihre eigenen, mustergültigen Seiten betonen und hervorheben, um sich so gegenüber den Beurteilten besser darzustellen.
Erikson geht in seiner Arbeit weiter auf die Frage ein, „warum [..] eine Gesellschaft gerade dieses und nicht ein anderes Verhalten in die Kategorie der Abweichung ein(ordnet)“ (Erikson 1978: 18). Bei seiner Antwort geht er auf Gemeinschaften ein, in denen Menschen den größten Teil ihres Lebens verbrächten (vgl. Erikson 1978). „Gemeinschaften sind grenzerhaltend […], sie (nehmen) […] eine besondere Nische innerhalb dessen ein, was man den kulturellen Raum nennen könnte […] und geben ihren Mitgliedern einen wichtigen Bezugspunkt“ (Erikson 1978: 19f.). Die Grenzen einer Gemeinschaft würden sichtbar, wenn dessen Mitglieder sich derart verhielten, dass es von den anderen Mitgliedern als abweichend bezeichnet werde (vgl. Erikson 1978). In unserer heutigen Gesellschaft sind Gruppen und Gemeinschaften nicht mehr so klar definiert wie früher, daher kann es auch sein, dass ein Abweichler aus Unwissenheit divergent handelt: „In einer Gesellschaft, die sich pluralistisch versteht, verlieren die Normen eine klare Orientierungsfunktion. Das ist eine Erklärung für abweichendes Verhalten“ (Abels 2001: 42). Wie diese Pluralität auch zustande kommt, kann man vielleicht mit Bezug auf Durkheims Unterscheidung zweier verschiedener Arten von Solidarität erklären (1992). Er nennt die mechanische Solidarität, bei der der Mensch keine Individualität habe, sondern im Kollektivwesen aufgehe und die organische Solidarität, die durch Arbeitsteilung entstehe und deren Voraussetzung die Unterschiedlichkeit der Menschen sei und in der „die Individualität des Ganzen zur gleichen Zeit wie die Individualität der Teile (wächst)“ (Durkheim 1992: 183). Durch diese organische Solidarität, die in unserer Gesellschaft durch die Arbeitsteilung vorherrscht, hat das Individuum nicht mehr solch eine Bindung an die Gemeinschaft wie bei der mechanischen Solidarität, sodass durch die Gruppenzugehörigkeit in unserer heutigen Gesellschaft keine klar definierten Verhaltensvorgaben mehr bestehen. Dies erkannte sogar schon Simmel im 19. Jahrhundert: „Je enger die Synthese innerhalb des eige-
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Arbeit zitieren:
2008, Abweichendes Verhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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