1. Journalismus und Ethik
1.1. Definition im allgemeinen Sinn
Um eventuellen Unstimmigkeiten der Definition von Ethik und Journalismus vorzubeugen, versuche ich eine allgemeine Definition des Themas festzuhalten. Diese werde ich in dieser Form in der gesamten Arbeit anwenden. Ich habe die Begriffsbestimmungen mit verschiedenen Quellen verglichen, sodass ich sie als allgemeine Begriffserklärung geltend machen kann.
1.1.1. Definition von Ethik
Ethik [zu griechisch éthos = Gewohnheit, Herkommen, Sitte] wird als die philosophische Wissenschaft und Lehre des Sittlichen betrachtet 1 . Die Ethik ist eine „deontologische Analyse von Normen“ 2 . Sie beschäftigt sich mit den individuellen Meinungen, welche üblicherweise gewisse Differenzen aufweisen und bildet hieraus einen Konsens der Werte und des Willens einer Gesellschaft. Folglich legt die Ethik die moralischen Maßstäbe des richtigen Handels fest. Mit der Zeit verändert sich die Willensbildung (der Menschen oder einer Gesellschaft) und daher kann die Ethik nicht wie ein Naturgesetz angesehen werden. Sie entwickelt sich mit den Veränderungen der Maßstäbe einer Gesellschaft oder der individuellen Meinungen.
Philosophen versuchen die „Frage nach dem richtigen Handeln“ 3 zu beantworten. Eine bedeutende Frage stellt sich den Philosophen: Sind die Willensantriebe und Wertschätzungen eines Menschen angeboren (Nativismus) oder sind sie aus Erfahrungen über die Dauer der Zeit und der verschiedenen Kulturen entstanden (Relativismus). Die philosophischen
Grundgedanken lassen einen großen Spielraum für Kritik und unbeantwortete Fragen.
1 vgl. Brockhaus, 1989, S. 600
2 Hillman, 1994
3 Brockhaus, 1989, S.600
1.1.2. Definition des Journalismus
Journalismus charakterisiert die „periodische publizistische Arbeit bei der Presse, im Rundfunk und in Online-Medien“ 4 . Bei jeglicher Art der Berichterstattung erfüllt der Journalismus den Zweck der Recherche, Auswertung von Informationen und die Publikation von Nachrichten. In einer Demokratie, wie sie in Deutschland herrscht, hat sich der Journalismus, neben den drei Gewalten - Legislative, Exekutive und Judikative - als sogenannte vierte Gewalt entwickelt 5 . In der öffentlichen Meinung bildet der Journalismus die letzte Instanz der Aufklärung einer nicht reglementierten Rangordnung. Er konkretisiert, durchleuchtet und kritisiert politische und gesellschaftliche Themen. Somit nimmt der Journalismus eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft ein.
1.2. Gesetzgebung und ethische Maßstäbe im Journalismus
Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind dem Journalismus nur grobe Grenzen gesetzt. Somit ist nach Artikel 5 im GG. die Pressefreiheit uneingeschränkt. Sie findet lediglich in den allgemeinen Gesetzen und Bestimmungen - zum Schutz der Jugend und dem Recht der persönlichen Ehre
- weitere Grenzen.
Es gibt weitere Richtlinien, an denen sich der Journalismus orientiert. Der Pressekodex ist eine davon.
Dieser Kodex wurde vom Deutschen Presserat 1973 beschlossen. Er ist jedoch nur ein Ehrenkodex, dem sich der Journalismus freiwillig verpflichtet hat. 6 Dieser beinhaltet die Grundprinzipien und bildet die moralischen und ethischen Grundzüge des Journalismus um die Berichterstattung in einem ethisch vertretbaren Rahmen zu halten:
• Als Höchstes Gebot gilt die Achtung der Wahrheit, Wahrung der
Menschenwürde und die Unterrichtung der Öffentlichkeit.
• Recherchierte Informationen sind wahrheitsgemäß widerzugeben. Bild
und Wort dürfen nicht bearbeitet oder durch Überschrift oder Bildunterschrift manipuliert werden.
4 Wikipedia “Journalismus”, Stand: März 2007
5 vgl. http://www.wissen-schaft.org/weblogs/de/wissen-schaft/17/index.htm, Stand: März 2007
6 vgl. http://www.presserat.de/Einfuehrung.27.0.html, Stand: März 2007
• Die Presse achtet Persönlichkeitsrechte und tastet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen nicht an.
• Die sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid soll vermieden werden.
• Die Presse darf niemanden wegen seines Geschlechts, seiner Behinderung oder einer ethischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminieren.
1.3. Inwiefern wird die Ethik im Journalismus umgesetzt?
Wird das oberste Gebot des Pressekodex („die Achtung vor der Wahrheit“), welchem sich die Journalisten selbst verpflichtet haben, auch umgesetzt? Die wahrheitsgetreue Berichterstattung fordert tiefgreifende Recherchen, um wahrheitsgetreu und hintergründig zu informieren, welche Zeit und Geld kosten. Nehmen wir einmal an, dass der heutige Zuhörer, Leser oder Zuschauer sich gar nicht wahrhaftig mit einem Thema beschäftigen will, sondern nur kurz und so schnell wie möglich informiert werden will (um nach seinen Maßstäben glauben zu können, dass er informiert sei). Somit ergibt er sich willenlos der Presse, ohne das eigene kritische Denken einzuschalten und ohne den Wahrheitsgehalt eines Berichtes überprüfen zu wollen.
Während der Leser versucht, die Informationsflut der heutigen Zeit zu bewältigen, erkannten viele Zeitungen und Journalisten die Leichtgläubigkeit der Leser. Der Borderline Journalismus lässt Illusion mit Wirklichkeit verschmelzen, um einen Bericht interessanter zu gestalten als er wirklich ist. Es kommt durchaus vor, dass ganze Interviews oder Berichte frei erfunden werden. Solange es den Leser interessiert und der Absatz gut ist, ist es nicht so wichtig, was dem Publikum aufgetischt wird, Hauptsache es wird aufgegessen. „Natürlich sind auch Medienunternehmen in erster Linie Unternehmen und müssen auf eine solide Ertragslage achten. Aber wir müssen uns klarmachen, wohin diese Entwicklung führt. Wenn immer weniger Journalisten immer mehr Themen bearbeiten müssen, nimmt das Fachwissen zwangsläufig ab. Flexibilität allein macht aber noch keinen guten Journalismus.“ 7 Die Vorfälle des Borderline Journalismus häufen sich. Z.B. Tom Kummer, der Schweizer Reporter, dessen Interviews mit Stars aus Hollywood meist frei
7 Johannes Rau, Hamburg, 05. Juni 2004
erfunden waren 8 , Jayson Blair, Reporter der New York Times, der Recherchen, Artikel und Fakten frei erfunden hat 9 , Michael Born, der Dokumentationen fälschte 10 , um die Bekanntesten in der Fälscherwerkstatt zu nennen. Weitergreifend in der oben genannten Annahme, zieht das Publikum den kurz informierenden Bericht, der einfach und verständlich geschrieben ist, dem gut recherchierten Bericht mit bedeutsamen und wahrhaftig informierenden Aussagen vor.
In der Bild-Zeitung spiegeln sich Verdrehung von Tatsachen, reißerische Aufmachung, überdimensionale Überschriften und Dramatisierung im höchsten Maße wieder. Der Presserat spricht immer wieder Rügen gegen die Bild- Zeitung aus, da sie gegen den Pressekodex verstößt. In der Statistik der Rügen liegt die Bild-Zeitung an erster Stelle:
Doch nicht jeder ist bereit, die Glaubwürdigkeit des Journalismus einfach den Mächten der Korruption auszuhändigen. Medienjournalist Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis gründeten die Organisation www.bildblog.de. Sie versuchen „die (immerhin weit verbreiteten) Zweifel an der Glaubwürdigkeit von "Bild" argumentativ zu stärken und die öffentliche Wahrnehmung der "Bild"- Zeitung zu verändern.“ 11
8 vgl. http://www.netzeitung.de/feuilleton/592311.html (Stand: März 2007)
9 vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14796/1.html (Stand: März 2007)
10 vgl. http://rhein-zeitung.de/old/96/09/26/topnews/born.html (Stand: März 2007)
11 http://www.bildblog.de/faq.php, Stand: April 2007
1.4. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Bilder prägen sich beim Mensch besser ein als Worte oder Buchstaben. Die ganze Medienwelt arbeitet mit Bildern - ausgenommen das Radio - da Bilder auf Menschen mehr wirken als ein Text oder Ton. Wir nehmen täglich Bilder wahr und viele davon werden abgespeichert und sind abrufbar. 12 Ein Bild zeigt dem Leser die (scheinbare) Wirklichkeit, ein reales Zeugnis eines Momentes. Das Publikum glaubt dies, obwohl jeder weiß, dass man Fotos verändern, fälschen, faken kann. 13 Bei einer Zeitung z.B. ist der Aufmacher mit einem großen Titelbild am wichtigsten, dieser weckt die Neugier eines potentiellen Lesers. „Im allgemeinen muß es etwas Dramatisches sein“ 14 [sic!]. Anschließend gilt es, die gezeigte Szene gut darzustellen. Da die Szene nur eine bestimmte, und nur diese eine bestimmte Bedeutung haben soll, kann das Bild zugeschnitten werden.
Somit entfernt man unnötige Details, um diese gewollte Bedeutung explizit hervorzuheben, wobei dem Foto diese eine Bedeutung eventuell genommen wird.
Wenn das Bild jedoch auf verschiedene Weisen deutbar ist, muss Klarheit über die Aussage geschaffen werden, deshalb „müssen Unterschrift und Bildtext weiterhelfen“ 15
12 vgl. Sontag (2007), S. 29 ff
13 Schneider, Grebe (2004), S.20
14 Bourdieu, Boltanski (2006), S. 139, vgl. Sontag (2007), Seite 30
15 Bourdieu, Boltanski, (2006), S. 148
2. Technische Realisierbarkeit
2.1. Einblick in die Geschichte der Fotografie
Die Fotografie wurde Anfang des 19. Jahrhundert von Joseph Nicéphore Niépce entwickelt. Einige Jahre später verbesserte Louis Jacques Mandé Daguerre das Verfahren zur Herstellung von Fotografien. Die Manipulation der Fotografie ist genauso alt, wie das Medium selbst. 16 Die Fotografie ist ein Eindruck eines bestimmten Momentes, den der Fotograf miterlebt hat. Die Möglichkeit der Vervielfältigung eines Kunstwerks – somit auch der Fotographie – war schon immer gegeben. „Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.“ 17 Was reproduziert werden kann, kann auch in einer verfremdenden Form reproduziert werden. Jedoch hat nicht nur ein Dritter die Möglichkeit der Manipulation, der Fotograf selbst wählt schlussendlich die Belichtungszeit, den Blickwinkel, den Kontrast sowie die Farbeinstellung unvermittelt an seinem Fotoapparat. Somit spiegelt sich die Sichtweise, die jener in dem Moment der Aufnahme hatte auch in seinem Foto wieder. 18
2.2. Vor der digitalen Revolution
Die Fotografie löste die Kunstmalerei ab, als Daguerre die Möglichkeit fand, die Bilder der camera obscura zu fixieren. Die Entwicklung schritt rasant voran und bereits um 1840 wurden viele Miniaturmaler zu Berufsfotografen. 19 Somit war die Zugänglichkeit der Allgemeinheit zur Fotografie gegeben.
• 2.2.1. Retusche:
“Schließlich drangen von überallher Geschäftsleute in den Stand des Berufsphotografen ein, und als dann späterhin die Negativretusche […] allgemein üblich wurde, setzte ein jäher Verfall des Geschmacks ein.“ 20 Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Retusche, die Positivretusche und die Negativretusche.
16 vgl. Brugioni (1999), S. 25 ff
17 Walter (2003), S. 1
18 Sontag (2007), S. 55 ff
19 vgl. Walter (2003), S.53
20 ebd.
Die Positivretusche wird mittels Stift oder Pinsel realisiert, hierbei wird die Oberfläche des Positivs wird nachträglich verändert. In der Negativretusche gibt es zwei Verfahren: zum einen wird die Verringerung/Steigerung der Deckung durch die Arbeit mit Bleistift, Pinsel, Schabemesser und Wischer retuschiert, zum anderen die chemische Bearbeitung. Details lassen sich wortwörtlich ausradieren oder einfügen.
• 2.2.2. Fotomontage:
Durch das Übereinanderlegen von Negativen lassen sich Details in ein Bild einfügen. In der Politik können sich mit dieser Art der Manipulation Politiker in ein Bild einer wichtigen Versammlung kopieren lassen, obwohl sie bei der Versammlung nicht anwesend waren.
• 2.2.3. Nachstellen von Szenen
Diese Möglichkeit ist, sowohl damals als auch heute, sehr beliebt. Wenn der Fotograf bei einem wichtigen Ereignis nicht rechtzeitig zur Stelle ist, wird kurzerhand die Szene mit Schauspielern oder Passanten nachgespielt. Somit kann der Fotograf dennoch den verpassten Moment festhalten. Nicht nur mit Schaudarstellern wurden Szenen nachgestellt, hier kamen auch Modelle zum Einsatz, wenn sie erforderlich waren. 21
• 2.2.4. Fotokollage
Durch das Zusammensetzen verschiedener Fotos zu einem neuen Foto, wird die Aussagekraft des ursprünglichen Fotos verfälscht. Somit wird ein neuer Zusammenhang dargestellt, was eine manipulative Wirkung mit sich ziehen kann.
• 2.2.5. Titel und Bildunterschrift
Ein Bild wird durch den Titel und die Bildunterschrift verfremdet, diese hilft weiter, wenn das Geschehen nicht eindeutig deutbar ist und unterwirft sich somit der Deutung des Journalisten oder des Schöpfers. „Die Hauptfunktion des
21 Brugioni (2006), S.100 ff
Bildtextes besteht darin, eine und nur eine Bedeutung sichtbar zu machen, was das stumme Bild allein niemals vermöchte. Er ist eine Gebrauchsanweisung.“ 22
2.3. Nach der digitalen Revolution
Mit der Erfindung des Microchips nahm die digitale Revolution, gegen Ende des 20 Jahrhunderts, ihren Lauf. Zu Anfang war der Computer nicht für den privaten
Haushalt geeignet, da die damaligen Computer wahre Rechenzentren waren. Die rasante Entwicklung ermöglichte bald, dass Computer nicht länger nur den Forschern und dem Militär vorbehalten waren, sondern dass diese Technologie auch privat angewendet werden konnte.
Die Grenzen des Machbaren schienen mit diesem neuen Medium unüberschaubar.
Ein digitales Foto besteht aus vielen einzelnen Bildpunkten, den sogenannten Pixel. Mit den entsprechenden Programmen kann man - ob Laie oder auf professioneller Ebene - schnell und präzise ein Bild bearbeiten. Diese Programme ermöglichen die Bearbeitung einzelner Pixel, welche die Manipulation und Bildfälschung perfektionieren. „Denn die gefährlichste Form der Manipulation ist nicht jene, die man auf Anhieb erkennt, sondern die fein versteckte.“ 23
22 Bourdieu, Boltanski, (2006), Seite 148
23 Howe (2000), Seite 143
3. Glaubwürdigkeit
3.1. Objektivität
Die Fotografie bietet, auch ohne unmissverständlich zu fälschen, „immanente Möglichkeiten, die Eindrücke des Beobachters zu steuern.“ 24 Wie in jedem Handbuch einer Kamera beschrieben, lässt sich der Eindruck eines Bildes durch Kontraständerungen, Körnungen, Zoomeinstellungen (Wahl des Bildausschnittes) und Perspektivenwahl verändern. Um die Entwicklung des Fotojournalismus in die richtigen Wege zu lenken und ihn nicht in Frage zu stellen, gilt „die strickte Beachtung der journalistischen Objektivitätsnorm“ 25 , die alleine jedoch nicht ausreicht, denn „der Blick durchs Objektiv der Kamera folgt stets der subjektiven Perspektive des Fotografen.“ 26
3.2. Suggestion
Die Entfremdung des eigentlichen Charakters der Fotografie, die Wirklichkeit eines Momentes festzuhalten, scheint kein großes Aufsehen mehr zu erregen, da wir ein Foto „nach wie vor als stabile Referenz zur Wirklichkeit“ 27 sehen. Dies macht sich vor allem die Werbebranche zunutze. Vom Publikum wird in diesem Bereich eine Manipulation eher toleriert, im Gegensatz zu politisch motivierten Bildveränderungen 28 . Ebenso spielt der Wahrheitsgehalt einer Kunstfotografie keine besondere Rolle, da jene sich in der Kunst legitimiert, als Objekt der Kunst eingestuft wird und somit der Wahrheit nicht verpflichtet ist. In der Kunst geht es um den Ausdruck, denn ein Künstler vermitteln will und hat somit weder einen Bezug zur Objektivität, Subjektivität, noch zur Realität. 29
• Werbung Werbung ist bei Konsumenten sehr beliebt. „44 Prozent mögen Zeitungswerbung, 41 Prozent geben ihre Zustimmung für Werbung in Zeitschriften. Dahinter folgen Fernsehwerbung mit 35 Prozent Akzeptanz, Werbung auf Plakaten mit 32 und Radiowerbung mit 24 Prozent.“ 30
24 August (1999)
25 Forster (2006), S.3
26 Ebd.
27 Schneider, Grebe (2004), S.31
28 vgl. Huan (2001) S.158 ff, Forster (2003), S. 80 ff
29 vlg. Schneider, Grebe (2004), S.25 ff
30 http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-78165.html (Stand April 2008)
In der heutigen Konsumgesellschaft ist die ganze Wirtschaft darauf ausgelegt zu produzieren, um das Produkt anschließend verkaufen zu können. Um die Produkte auf dem Markt und somit dem Käufer zugänglich zu machen, ist es nötig, das Produkt zu präsentieren.
„In der Werbung war Fotografie nie der Wahrheit verpflichtet.“ 31 Eine einfache Darstellung des Produkts bringt nicht den Effekt des Habenwollens. So nutzt man digitale Technik, um Modells schöner aussehen zu lassen, Belichtungen und Kontraste zu verändern.
Aber die Werbung will nicht nur ein Produkt präsentieren, sondern informiert den Konsumenten auch. Die Anstiftung zum Konsum des beworbenen Produktes funktioniert also auf zwei Ebenen: Erstens der (als solchen vom Konsumenten auch meistens erkannten) Manipulation durch Identifikation, andererseits durch Information. Nur über den (wirtschaftlichen,
lebensstiltauglichen, praktischen usw.) Mehrwert eines Produktes gegenüber seinen Konkurrenten hat es genau den Wettbewerbsvorteil, der den Kunden zum Kauf animiert.
• Politik Politisch motivierte Bildmanipulationen sind - ebenso wie Werbefotografien eine wesentliche Veränderung eines festgehaltenen Moments. Bei tagesaktuellen Anlässen erfolgt die Produktion der Manipulation in kurzem Zeitraum; die Konzeption zielt auf eine schnelle und einfache Erkennbarkeit und Einordnung seitens des Lesers ab. 32 Ausgeschlossen in dieser Hinsicht ist eine objektive Wahrnehmung eines Bildes, dass durch die subjektive Perspektive des Fotografen aufgenommen wurde. Ein Foto zeigt immer nur eine Sichtweise einer dargestellten Szene, und da sie nur einem Sinn anspricht, ist die Aussagekraft eines Bildes stark vom Betrachter abhängig. Die Pressefreiheit ist in Deutschland uneingeschränkt: es findet keine Zensur statt.
31 Schneider, Grebe (2004), S.9
32 vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,346839,00.html (Stand April 2008)
Eine öffentliche Person muss sich mit satirischen, sarkastischen oder ironischen Darstellungen abfinden, solange diese ethisch vertretbar sind und diese Veränderung des Bildes erkenntlich gemacht wird, da sie sich als öffentliche Person dem Recht der Presse, eine freie Meinungsäußerung zu publizieren, unterwirft.
Somit muss man unterscheiden, wann eine Manipulation die Ethik substantiell verletzt. Augenscheinlich gilt eine Verfälschung der vermeintlichen Wirklichkeit einer Fotografie nur dann als solche, wenn sie einen konkreten Gegenstand der Wahrheit darstellen soll (und somit eine Thematisierung eines bestimmten Themas darstellt), was von vorne herein die Werbefotografie und die Kunstfotografie ausschließt. Wenn Fotos zu einem „Spiegel der Wirklichkeit“ werden sollen, „[prädestinierten] ihre medialen Eigenschaften sie dazu,
Dokumente von etwas […] für etwas bereitzustellen […]“
33
33 Schneider, Grebe (2004), S.24
4. Beispiele
4.1. Historische (analoge) Fälschungen
Das Original Foto von Calhoun Die Fälschung mit Lincolns Kopf
Diese vermeintliche See-schlange
Abb. 3:
Die Seeschlange wurde 1906 als Baumstamm enttarnt.
Abb. 4 stellt ein abstürzendes Flugzeug im ersten Weltkrieg dar. Erst 1994 fand man heraus, dass es sich hierbei um Modellflugzeuge handelte. 36
34 vgl. Brugioni (1999), S.35 ff
35 vgl. Brugioni (1999), S.162
36 vgl. Brugioni (1999), S.100 ff
Abb. 5:
Links das retuschierte Foto und rechts Stalin mit einem Kommissar, der in Stalins Ungnade gefallen war. Mit Hilfe der Retusche, ließ der sowjetische Diktator - Josef Stalin - Feinde und politische Gegner ganz einfach mit Hilfe der Retusche verschwinden.
4.2. Digitale Fälschungen
Veränderungen von Helligkeit, Kontrast, das Entfernen von technischen Fehlern und sogar das Hinzufügen von inhaltlich leeren Bildelementen ist legitim.
38
37 vgl. Wheeler (2000), S. 328
38 Forster (2006), S.4
In der nebenstehenden Abbildung des Hatschepsut-Tempels wird jedoch deutlich, dass dieses Protokoll Lücken aufweist. Die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ veröffentlichte dieses Foto nach dem Bombenanschlag am 17. November 1997.
Eine Pfütze, die sich bis zu den Füßen des Fotografen erstreckte wurde Dank der digitalen Bildbearbeitung kurzerhand zu einer Blutlache. Vier Tage später wurde das Foto als Fälschung identifiziert. 39 Bildmanipulationen müssen nicht zwangsläufig aufwändig sein. Bei bestimmten Fotos reicht ein Ausschnitt, gekoppelt mit einem schönen Titel oder Untertitel oder zum Verständnis eingefügte kleine Hilfen.
Abb. 8: Abb. 9:
Manipuliertes Foto einer Demonstration
Einen fatalen Fehltritt erlaubte sich die Bild-Zeitung, in dem sie nur einen Ausschnitt des Originals zeigte, zwei Pfeile einfügte und das Bild somit inhaltlich völlig veränderte. Der vermeintliche Bolzenschneider und der Schlagstock sind auf dem Original von Focus klar als Absperrseil und Handschuh erkennbar. Die Bild Zeitung erklärte ihre Manipulation als „handwerklichen Fehler“. Kai Dieckmann erklärte am 5. Februar in einem Spiegel Interview, dass „die Ausdrucke […] waren Kopien von Kopien und
39 Vgl. Haus der Geschichte (2003), S.22
entsprechend schlecht […] Jemand glaubte, einen Stock erkannt zu haben, das war damit unser handwerklicher Fehler.“ 40 Die Bild-Zeitung stellte somit Jürgen Trittin in einem völlig falschen Zusammenhang dar. Dem Leser wurde eine falsche Wirklichkeit vermittelt und der Leittragende, der sich anschließend für einen angeblichen falschen Auftritt rechtfertigen musste war einzig und allein der abgebildete Trittin.
40 Rehren (2001), S.38 ff
5. Fälschen für jedermann
Dieses Foto erschien kurz
2001. Viele Leute glaubten, dass das Bild tatsächlich kurz vor dem Anschlag aufgenommen wurde und die Kamera tatsächlich in den Trümmern gefunden wurde. Bald stellte sich heraus, dass ein sogennanter Peter das Bild mit Photoshop gefälscht hatte und zum Spaß an Freunde geschickt hatte. Anders als beabsichtigt, veröffentlichten diese das gefälschte Foto im Internet, das Medium übernahm anschließend stillschweigend den Rest.
41
An diesem spezifischen Beispiel lässt sich eindeutig erkennen, dass die Manipulation von Fotos längst die Ränge der gelernten Fälscher verlassen hat. Zwar ist das obige Bild (Abb. 10) eine gut erkennbare Fälschung (Schatten und Lichteffekte stimmen nicht), aber trotz allem haben es viele Menschen glaubhaft angenommen.
Dadurch, dass Amateure sich auch weiterbilden und „einen immer besseren Einblick in den fotografischen Produktionsprozess“ haben, dürfte die Folge „ein Rückgang des Vertrauens in die Authentizität fotografischer Abbildungen“ 42 sein.
Was sich nicht positiv auf den Fotojournalismus auswirkt, deshalb ist die Einhaltung der Berufsethik eines Journalisten sehr wichtig. Er ist verantwortlich das Vertrauen der Wahrheit von Wort und Bild zu wahren.
41 vgl. www.kubiss.de/schneider/essay_/anm12.htm, Stand Mai 2007
42 Forster (2006), S.3
5.1. Geeignete Software
Zu den bekanntesten Fälscherwerkstätten gehören wohl Adobe Photoshop, Corel Paint Shop Pro und GIMP.
Wenn man sich erst in ein Programm eingearbeitet hat, ist das fälschen nicht wirklich schwer. Problemlos lassen sich Filter einfügen, Kontraste verändern, Details hinzufügen, Bereiche ausschneiden (…) um einen sehr kleinen Einblick in das Inventar der Möglichkeiten zu geben.
Am 5. Mai 2007 erschien ein neues Produkt von Adobe, Photoshop CS3. Adobe hat sich als Marktführer durchgesetzt 43 , dieses Programm wird nicht nur von Laien benutzt, auch bei professionellen Grafikern, Fotografen und Designern ist Photoshop ein Handwerkzeug. Das sehr umfangreiche Photoshop CS3 ist für 1.019,95 € bei Adobe erhältlich. Gekoppelt mit dem Programm Lightroom, ebenfalls von Adobe wird das Bildbearbeiten perfekt. Mit der Entwicklung der privat nutzbaren Bildbearbeitungsprogramme bildeten sich Foren, die sich nur mit diesem einen Thema beschäftigen: Bilder zu bearbeiten also zu fälschen.
Faken ist also nicht nur im Journalismus populär, sondern auch bei Privatanwendern.
43 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Photoshop_CS
6. Schlussfolgerungen
In der informationsüberfluteten Welt, ist es fast unmöglich der Konfrontation der Medien aus dem Weg zu gehen. Journalisten sind Menschen, Menschen machen Fehler. Das ist der Grund, warum man sich nicht der Korruption der Medien, die ihre Machtposition oft schamlos ausnutzen, nicht einfach beugen darf. Dort wo Profit an erster Stelle steht, werden gerne auch falsche Tatsachen verkauft. Alles was populär wird, wird früher oder später kommerziell. Um diese Flut zu bändigen, sollte man den Standpunkt des Kritischen Betrachters beziehen.
Die Selbstherrlichkeit der Journalisten, im Umgang mit dem Publikum, kann man sicherlich nicht pauschal auf jeden abwälzen.
Wenn der Journalist seine Grenzen - ob nun Berufsethik oder Gesetze - überschreitet, darf diese Verletzung der moralischen Pflicht nicht einfach toleriert werden. Ein Vergehen muss publiziert werden, da das Publikum über die Wahrheit in Kenntnis gesetzt werden muss, um die Glaubwürdigkeit des gesamten Journalismus zu wahren.
Der Fotojournalismus ist mit besonderer Vorsicht zu genießen. Das Foto wird, als vermeintlicher Spiegel der Wirklichkeit, die Menschheit noch länger begleiten, bis die Technik einen besseren Weg gefunden hat, eine Sichtweise der Realität so überzeugend darzustellen wie ein (oder mehrere aneinandergereihte) Foto(s).
Ein Foto zu fälschen bereitet keine Schwierigkeiten mehr, die Manipulationen kaum erkennbar. Doch die meisten Menschen der heutigen Gesellschaft wollen sich nicht mit solchen Themen auseinander setzten. Wie mir scheint lässt sich der Großteil der heutigen Gesellschaft auch gerne täuschen. Das Kritische Denken in der Konsumkultur scheint uninteressanter zu werden.
Doch die Zahl derer, die sich mit diesen Themen beschäftigen, wird zahlreicher. "Die Freiheit der Medien", so Hans Magnus Enzensberger, "ist nicht nur eine Wohltat, sondern auch eine Zumutung. Und wir müssen sie nicht nur verteidigen, wir müssen sie auch ertragen. Und das ist ziemlich viel verlangt."
Definitiv ist die Freiheit der Medien ist wichtig, wenn sie eine Kontrollfunktion und eine aufklärende Position im Demokratiegebilde einnehmen soll. Doch sie findet Grenzen. Falls die Moral nicht gegenwärtig ist und bleibt, muss die Ethik der Medien erst in Politik und Gesetze umwandelt werden, welche die Freiheit dennoch gewährleisten, aber trotzdem einschränken.
Diese Einschränkung der öffentlichen Kontrollinstanz in Form von staatlicher Zensur würde ihr den Mund verbieten, was nicht tragbar ist. Als Konsument müssen wir an die Moralvorstellung des Journalisten appellieren, welcher aus seiner Berufsethik und seinen Moralvorstellungen heraus, den Konsumenten in seiner Wahrheitsfindung zu unterstützen, nicht enttäuschen darf. Kritisches Denken, eigene Vergleichsquellen und die Publikation von Fehltritten der Presse sind notwendig, wenn man sich als Konsument der Presse nicht frei ausliefern will.
Um eine Pauschalisierung der gesamten Medienwelt zu vermeiden, gilt es jeden Fehltritt objektiv zu betrachten und einen gemachten Fehler eines Journalisten nicht auf die gesamte Presse zu übertragen. Die meisten Journalisten informieren wahrlich nicht mit manipulativen Hintergedanken. Das Funktionsprinzip dieses Systems verlangt seitens der Konsumenten dem Journalisten die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen zuzusprechen und seitens der Journalisten die Moralvorstellung und Berufsethik seiner Arbeit zu achten und umzusetzen. Diese Theorie wird leider von beiden Seiten oft nicht eingehalten.
„Egal, wo Sie politisch stehen, mischen Sie sich ein. Widersprechen Sie den Mächtigen, wenn Widerspruch notwendig ist. Gehen Sie kritisch mit den Medien und den Medienmachern um, aber ignorieren Sie die Medien nicht.“ 44
44 www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-3483/leyendecker.pdf (Stand: Mai.2007)
7. Literaturverzeichnis
>> LITERATUR<<
B O U R D I E U P I E R R E , B O L T A N S K I L U C (2006) „Eine illegitime Kunst“ B R O C K H A U S freie Enzyklopädie (1989), Band B R U G I O N I D I N O (1999) „Photo Fakery“ H A U S D E R G E S C H I C H T E D E R B U N D E S R E P U B L I K D E U T S C H L A N D (2003) „X for U. Bilder die Lügen“ H I L L M A N K A R L - H E I N Z (1994) „Wörterbuch der Soziologie“ H U A N E D G A R (2001): „Readers‘ Perception of Digital Alteration in Photojournalism & Communication Monographs“, Vol 3 Nr 3, S 147-182 R E H R E N S I L K E (2001) „Bild, Trittin und der Schlagstock“ in Journalistik Journal, Jg. 4, Nr. 2, S 38 S C H N E I D E R S I G R I D , G R E B E S T E F A N I E (2006) „Realitätsversprechen von Fotografien“ W A L T E R B E N J A M I N (2003) „Das Kunstwerk in seiner technischen Reproduzierbarkeit“ W H E E L E R T O M , W H E E L E R T H O M A S (2002) „Phototruth or Photofiction?: Ethics and Media Imagery in the Digital Age“
>>ARTIKEL<<
A U G U S T H A N S - J Ü R G E N (Wiener Zeitung, 1999) „Der manipulierte Blick“ F O R S T E R K L A U S (Fachjournalist Nr. 3, 2006) „Fotomanipulationen –Eine Bedrohung der journalistischen Glaubwürdigkeit“ H O W E P E T E R 53. Weltkongress der Zeitungen (2000) „Die Neuerfindung des Zeitungsunternehmens: Strategien und Erfolge“
>>INTERNETSEITEN<<
www.bildblog.de
www.db-thueringen.de www.innovations-report.de www.innovations-report.de www.kubiss.de
www.presserat.de
www.spiegel.de www.wikipedia.de
>>BILDQUELLEN<<
Abb. 1: www.museumofhoaxes.com/photos/02calhoun.html Abb. 2: www.museumofhoaxes.com/photos/02calhoun.html Abb. 3: www.museumofhoaxes.com/photos/serpent.html Abb. 4: www.cs.dartmouth.edu/farid/research/digitaltampering/stalin1+2.jpg Abb. 5: www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html Abb. 6: www.cs.dartmouth.edu/farid/research/digitaltampering/ Abb. 7: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (2003), X for U. Bilder die Lügen Abb. 8: www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html Abb. 9: www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html Abb. 10: http://www.touristofdeath.com
8. Anhang:
>> zu Fußnote 4
http://de.wikipedia.org/wiki/Journalismus
Journalismus bezeichnet die periodische publizistische Arbeit bei der Presse, im Rundfunk und in Online-Medien. Zur Entstehung des Journalismus siehe den eigenen Beitrag Geschichte des Journalismus, zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Journalismus siehe Journalistik, Publizistik, Kommunikationswissenschaft.
>> zu Fußnote 5
http://www.wissen-schaft.org/weblogs/de/wissen-schaft/17/index.htm Mit dem Begriff der "vierten Gewalt" verbindet sich die durchaus richtige Einsicht, dass der klassischen Gewalten-Dreiteilung moderner demokratischer Gesellschaften zwischen Legislative (Parlament), Exekutive (Regierung) und Judikative (Gerichte) unbedingt noch eine "4. Gewalt" als zusätzliche Kontrollinstanz zur Seite gestellt werden muss, um Machtkonzentration und die daraus resultierende Möglichkeit des politischen Machtmiss- brauchs effektiv verhindern zu können. Eine solche "4. Gewalt" stellen in modernen demokratischen Gesellschaften die Massenmedien dar.
>> Fußnote 6
http://www.presserat.de/Einfuehrung.27.0.html
Regeln für einen fairen Journalismus Nicht alles, was von Rechts wegen zulässig wäre, ist auch ethisch vertretbar. Deshalb hat der Presserat die Publizistischen Grundsätze, den sogenannten Pressekodex, aufgestellt. Darin finden sich Regeln für die tägliche Arbeit der Journalisten, die die Wahrung der journalistischen Berufsethik sicherstellen, so z.B.: Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde Gründliche und faire Recherche Klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen Achtung von Privatleben und Intimsphäre Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt
>> zu Fußnote 8
http://www.netzeitung.de/feuilleton/592311.html
Tom Kummer: Journalismus ist Krieg 'Wow! Ich bin wirklich ein Teil von alledem' - Tom Kummer heute Weil er Interviews gefälscht hat, gilt Tom Kummer als bad boy des deutschen Magazin-Journalismus. Er muss heute als Tennislehrer arbeiten. Ronald Düker hat ihn in Berlin getroffen.
In den 80er und 90er Jahren belieferte Tom Kummer deutschsprachige Magazine mit Reportagen und Interviews. Der in Bern geborene Kummer arbeitete zunächst für «Tempo», dann für das «SZ-Magazin», das Magazin des Zürcher «Tagesanzeigers» und viele andere große Zeitungen. 1993 ging er nach Los Angeles, wo er Interviews mit vielen Hollywoodstars produzierte. Diese wirkten so intim, als hätte der Interviewer bei Sharon Stone, Pamela Anderson oder Sean Penn stundenlang auf dem Schoß gesessen. Im Jahr 2000 enthüllte «Focus» dann, dass ein Großteil dieser Gespräche frei erfunden waren. Kummer wurde daraufhin nicht mehr beschäftigt. Beim «SZ»-Magazin mussten die beiden Chefredakteure ihren Hut nehmen. Tom Kummer lebt noch immer in Los Angeles, wo er als Tennislehrer in einem exklusiven Club arbeitet. Nun hat er im Blumenbar-Verlag ein Buch über seine journalistische Karriere veröffentlicht. [...]
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http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14796/1.html
Der Fake-Journalismus Der junge Journalist Jayson Blair erfand jahrelang seine Reportagen für die New York Times, aber er ist kein Einzelfall, sondern womöglich nur die Spitze eines Trends Die New York Times hat jetzt auch ihre "Hitler-Tagebücher". Der Reporter Jayson Blair hat mehrere Jahre systematisch Artikel gefälscht, Fakten erfunden und Recherchen vorgetäuscht. Die Redaktion spricht von einem "Tiefpunkt in 152 Jahren Zeitungsgeschichte".
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http://rhein-zeitung.de/old/96/09/26/topnews/born.html
Geld, Lügen und Video . . .
. . . oder "Volkstheater"? - TV-Fälscher Born und das TV-System Um Haaresbreite wäre Michael Born, dem seit vergangener Woche vor allem wegen Betrugsverdachtes in 32 Fällen der Prozeß gemacht wird, schon vor fünf Jahren aufgeflogen. Nicht wegen der nachgestellten Szenen, die Küppersbusch mit grimmigem Humor als "Volkstheaterstücke" klassifiziert. In dem "Schlepper"-Stück ist auf den angeblich am 1. Juni 1991 gedrehten Aufnahmen von der österreichischen Grenze deutlich Schnee zu sehen. Das machte die ZAK-Redaktion stutzig, wie der Moderator und zwei Redakteure vor Gericht aussagen. Ein WDR-Mann rief beim österreichischen Wetteramt an. Seine Auskunft: Tatsächlich fiel in der hochgelegenen Region Schnee; die Sorgen der Redaktion um die Echtheit des Streifens waren zunächst einmal beschwichtigt. Der meteorologische Zufall fuchst Küppersbusch heute noch.
Erste Warnung vor unsauberen Geschäften Denn die öffentlich-rechtlichen Fernsehmacher um Küppersbusch erlebten einen Reinfall. Zuschauer riefen nach Ausstrahlung des Beitrages an und erinnerten sich, die angeblich exklusiven Bilder bereits woanders gesehen zu haben. Beim Münchener Privatsender Tele5 wurden die WDR-Leute fündig. Die Folge: Born bekam kein Geld und auch keine Aufträge der ARD-Anstalten mehr. Eine erste Warnung vor unsauberen Geschäftsmethoden Michael Borns kursierte in der Branche und erreichte nach Angaben der als WDR-Mitarbeiter geladenen Zeugen des Gerichtes angeblich auch den späteren "SternTV"-Chef Andreas Zaik.
"Ich soll für die anderen gehängt werden" Dabei konnte die ZAK-Redaktion im Sommer 1991 noch gar nicht das ganze Ausmaß von Borns Verstrickungen erahnen, in denen es um Geld, Lügen und Video ging und um das ganze System vom Kampf um TV-Quoten und Werbekundschaft. Denn Born, der sich als Journalist versteht, wurde im Laufe weniger Jahre zum Undercover-Schauspieler und Regisseur einer Laienspielschar. Von schräg hinten und mit verdecktem Gesicht ließ er sich als Schlepper auf Videoband bannen, in manchen Fällen dachte er sich "sensationelle" Geschichten aus. Weil er bei der ARD nicht mehr landen konnte, bot er die Fälschungen vor allem den Privatsendern an. Die meisten Beiträge landete er bei "SternTV".
Weil ihm mehrere Jahre Haft drohen, versuchte Born in seinem Prozeß verzweifelt, den Spieß herumzudrehen: "Ich soll für die anderen gehängt werden", hielt er der Justiz vor. Bei Magazinsendungen würden Dinge verlangt, "die nicht machbar sind". Deswegen sei es üblich, bei Bedarf Filmszenen nachzustellen oder Archivmaterial zu verwenden, ohne dies kenntlich zu machen. Pro7-Chefredakteur Gerd Berger beteuerte dagegen die Unschuld der Sender: Bis zum Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Born habe er niemals daran gedacht, daß es solche "Fakes" geben könne, beteuert Berger in Koblenz.
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www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-78165.html
Konsumenten stehen auf Werbung Frauen zeigen mehr Interesse als Männer Werbemedien kommen bei Konsumenten besser an als allgemein erwartet. Wie aus einer aktuellen Studie von Mediaedge:cia hervorgeht, wird Werbung hin und wieder tatsächlich gerne genutzt, gezielt angesteuert und relativ positiv bewertet. Erstaunlicherweise zählen gratis Anzeigenblätter zu den beliebtesten Werbemedien.
Über die Hälfte der Befragten gab an, sich diese ab und zu gerne bewusst anzusehen.
"Wir hatten zuvor keine expliziten Erwartungen, waren dann aber doch ein wenig überrascht über die Ergebnisse und die hohe Zustimmung", sagt Anja Wenke, MediaLab Director bei Mediaedge:cia, gegenüber pressetext. Neben Anzeigenblättern ist Werbung in anderen Printmedien ebenfalls gern gesehen. 44 Prozent mögen Zeitungswerbung, 41 Prozent geben ihre Zustimmung für Werbung in Zeitschriften. Dahinter folgen Fernsehwerbung mit 35 Prozent Akzeptanz, Werbung auf Plakaten mit 32 und Radiowerbung mit 24
Prozent. Neben diesen klassischen Werbemedien scheint die Zustimmung für Online-Werbung mit zehn Prozent etwas gering auszufallen. Wenke erklärt dies aber so: "Internetwerbung, ist eine Form, die nicht so gezielt von den Konsumenten angesteuert wird wie etwa Anzeigen in Printmedien. Im Internet stolpert man eher darüber, was jedoch nichts mit der Reichweite von Online- Werbung zu tun hat."
Generell zeigen Frauen mehr Interesse an Werbung als Männer. Alle Werbeformen erzielen beim weiblichen Geschlecht höhere Zustimmungswerte. Das könne daran liegen, dass Frauen häufiger die Haushaltsführung innehaben und deshalb in Hinblick auf Werbung aufmerksamer sind, meint Wenke. In punkto Altersgruppen sind die bevorzugten Werbemedien völlig unterschiedlich. Personen ab 30 Jahren haben mehr Interesse an Printwerbung, vor allem Anzeigenblätter erhalten mit rund 60 Prozent eine hohe Zustimmung. Die jüngeren Befragten hingegen interessieren sich generell weniger für Werbung und bevorzugen TV-, Straßenplakat- und Online-Werbung. Ein offenbar gutes Image haben Beilagen und Prospekte. Erstens sind sie 80 Prozent der Befragten bekannt, zweitens werden sie relativ häufig genutzt. So gab etwa jeder zweite Erwachsene ab 14 Jahren an, regelmäßig Beilagen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern anzusehen. Branchenbeilagen werden ebenfalls am häufigsten in Zeitungen und Anzeigenblättern konsumiert. Dabei ist das Interesse für Lebensmittelbeilagen mit 62 Prozent Zustimmung am höchsten. Dahinter folgen Beilagen für Kleidung mit 47 und Beilagen für Baumärkte und Warenkaufhäuser mit je 40 Prozent.Claudia Zettel | Quelle: pressetext.deutschland
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www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,346839,00.html
DIGITALFOTOGRAFIE Vorsicht, Fälschung! [...] Derart frisierte und geschönte Werbefotos werden vom Betrachter oft nicht als Fälschung empfunden, manipulierte Pressebilder indes schon. Uschold definiert Bildfälschung als gegeben, "wenn das Bild eine andere Aussage bekommt als ursprünglich vorhanden war", wenn also gezielte Täuschung vorliegt. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, um den Blick auf die Realität zu verzerren: Entweder verändert man den Inhalt durch Montage oder Retusche; oder man stellt dem unveränderten Bild eine falsche Beschreibung zur Seite oder ordnet es dem falschen Kontext zu; oder man sorgt schon bei der Aufnahme für eine inszenierte Wirklichkeit oder für einen Bildausschnitt, der die Realität grob verzerrt darstellt.
Die meisten Menschen sehen vor allem in inhaltlichen Veränderungen eine Fälschung, etwa wenn die Klatschpresse Caroline von Monaco wieder einmal ein fremdes Baby als das eigene in den Arm legt oder wenn, wie in den Schweizer Medien geschehen, nach dem Attentat auf Touristen im ägyptischen Luxor eine große Wasserlache zur Blutlache umgefärbt wird. "Ich würde mir ein Bild immer ganz genau anschauen", sagt Sascha Zmudzinski, Kodierungsexperte am Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) in Darmstadt. "Denn in vielen Fällen geschehen diese Fälschungen unter einem großen Zeitdruck."
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Felix Valin, 2008, Fotomanipulation - Können Fotos noch als objektives Mittel der Medien dienen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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