Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 4
II. Hauptteil
1. Historische Hintergründe der Hexenverfolgungen: 6
Luxemburg und Kurtrier
a. Kriegsschauplatz Luxemburg zwischen dem 15. 9
und 17. Jahrhundert
b. Hungersnot und Seuchen 10
c. Religiöse Situation 12
d. Rechtliche Grundlage 16
2. Kurze Zusammenfassung 20
des Prozesses der Catherine Theis
3. Kurze Zusammenfassung 25
des Geständnisses des Niclas Fiedler
4. Analyse und Vergleich der beiden Prozesse 27
a. Die sozialen Hintergründe 27
b. Prozessverlauf 29
c. Die Rolle der Heiligen 35
d. Heilkräuter, Gegenzauber und weise Frauen 37
e. Teufelsbuhlschaft 38
f. Teufelspakt, Gotteslästerung und 40
Gr ünde für die Anfälligkeit für den Teufel
g. Beschreibung des Teufels 42
h. Hexensabbat/Hexentanz 44
III. Schlussfolgerung 48
IV. Quellenangaben 50
V. Anhang
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I. Einleitung
Wenn man heute von Hexerei, Hexenverfolgung und Hexenverbrennung redet, dann denkt man dabei im Allgemeinen an das sogenannte ‚finstere Mittelalter‘. Finster war die Zeit des Hexenwahns mit Sicherheit, aber die großen Hexenverfolgungen fanden erst gegen Ende des Mittelalters, insbesondere aber in der frühen Neuzeit statt. In Europa fand die letzte legale Hinrichtung wegen Hexerei am 18. Juni 1782 statt, als die Dienstmagd Anna Göldi im schweizerischen Glarus hingerichtet wurde. 1
Nicolas van Werveke (1851 - 1926) beschreibt die Zeit der Hexenverfolgungen als „[…] eine Zeit wilder, gärender Leidenschaften, des größten Aberglaubens und der tiefsten Unwissenheit, wo religiöser Fanatismus, mit Eigennutz und Haß im Bunde, tausende von Unglücklichen in den Kerker und auf den Scheiterhaufen brachte.“ 2 Derselbe Autor schätzt die Zahl der Hexenprozesse im Herzogtum Luxemburg auf 30.000, davon rund 20.000 Hinrichtungen. 3
Diese Zahlen sind allerdings relativ unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Hinrichtungen in ganz Europa auf 50.000 bis 110.000 geschätzt wird. 4 Insgesamt wird die Zahl der Hexenprozesse im Herzogtum Luxemburg in den Jahren zwischen 1560 und 1683 auf 2.500 - 3.000 geschätzt und die der Hinrichtungen auf mindestens 2.000. 5 Verglichen mit anderen Regionen in Europa liegt der Prozentsatz der Hinrichtungen also relativ hoch. Insgesamt fanden die meisten Hexenverfolgungen auf dem Boden des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation statt, oder aber in den angrenzenden Gebieten. 6
1 Pfister, Ulrich; Utz Tremp, Kathrin: Schweiz - Hexenverfolgungen, aus: Gersmann, Gurdrun; Moeller, Katrin; Schmidt, Jürgen-Michael (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1643/ (29.04.2008).
2 Van Werveke, Nicolas : Die Hexenprozesse im Luxemburger Lande, Luxemburg: 1900, S.3
3 Van Werveke, Nicolas : Kulturgeschichte des Luxemburger Landes, 2.Bd., Esch/Alzette: 1983-84 2 , I, S. 331
4 Dillinger, Johannes : Hexen und Magie : Eine historische Einführung, Frankfurt und New-York: Campus Verlag 2007, S. 91; Levack, Brian: Hexenjagd: Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa / aus dem Englischen von Ursula Scholz, München: C. H. Beck 1995, S. 34.
5 Voltmer, Rita: Luxembourg, Duchy of, in: Golden, Richard M. (Ed.): Encyclopedia of Witchcraft: The western tradition, Volume 3, Santa Barbara, Denver, Oxford: ABC-CLIO 2006, S. 677-680, hier S. 677.
6 Levack, Brian: Hexenjagd: Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, S. 33-34
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In der neueren Forschung geht man davon aus, dass die Welle der Hexenverfolgungen von der Schweiz ausging und sich dann in Europa ausbreitete. Während es südlich der Alpen und der Pyrenäen kaum zu nennenswerten Verfolgungen kam, nahm die Intensität der Verfolgungen nördlich der Alpen rasch zu. 7 Das Herzogtum Luxemburg und Kurtrier waren dabei prozentual gesehen zwei der am meisten betroffenen Gebiete.
Diese Arbeit ist keine Analyse bezüglich der Gründe für die hohe Anzahl der Opfer des Hexenwahns. Sie soll vielmehr anhand von zwei Einzelfällen die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der beiden Gebiete bezüglich des Hexenwahns analysieren. Es geht hier nicht darum den Verlauf der Hexenprozesse im Herzogtum Luxemburg und in Kurtrier im Allgemeinen zu vergleichen, sondern herauszufinden was die Gemeinsamkeiten zwischen dem Prozess der Catherine Theis aus Useldingen und dem Geständnis des Niclas Fiedler aus Trier sind.
Der vorliegende Vergleich bezieht sich auf zwei Quellen aus der Zeit der großen Hexenverfolgungen, die die jeweiligen Gebiete zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und der Mitte des 17. Jahrhunderts heimsuchte. 1624 wurde in Useldingen Catherine Theis, genannt Trein, der Hexerei angeklagt und für schuldig befunden. Einer der bekanntesten Hexenprozesse in Kurtrier ist das Verfahren gegen den Ex-Bürgermeister Niclas Fiedler. Dieser wurde im Oktober 1591 der Hexerei für schuldig befunden und hingerichtet. Um die beiden Fälle besser miteinander vergleichen zu können, wird dieser Text zuerst auf die historischen Hintergründe der Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg und in Kurtrier eingehen, um dann, auch mit Bezugnahme auf Sekundärliteratur, mehr auf die beiden Einzelfälle einzugehen: Wie sehen die sozialen Hintergründe aus? Wie verläuft der Prozess? Was für eine Rolle spielen Religion, Kirche, Heiler und weise Frauen? Wie stellt man sich den Teufel, den Teufelspakt und die Teufelsbuhlschaft vor? Was sind die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten in der volkstümlichen Vorstellung vom Hexensabbat?
7 Dillinger, Johannes : Hexen und Magie : Eine historische Einführung, S. 88
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II. Hauptteil:
1. Historische Hintergründe der Hexenverfolgungen:
Luxemburg und Kurtrier
Seit dem Spätmittelalter werden Hexen und Zauberer im Herzogtum Luxemburg und dem Erzbistum Trier verfolgt. Die Prozesswelle fand ihren Höhepunkt zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Mit Ausnahme einiger vereinzelter Prozesse Mitte und Ende des 15. Jahrhunderts, häufen sich die Hexenprozesse auf dem Gebiet des Herzogtums Luxemburg ab dem 16. Jahrhundert und kamen um 1560 zu einem vorläufigen Höhepunkt. Ab diesem Zeitpunkt lassen sich bis zum Jahr 1636, dem nach jetzigem Forschungsstand grausamsten Jahr der Hexenverfolgung,, in vielen Gegenden kontinuierliche Prozesswellen feststellen. 8
In seinem Buch „Hexenprozesse im Herzogthum Luxemburg“ nimmt Nikolas Breissdorf an, dass es auf dem Gebiet des Herzogtums seit dem Ende des 17. Jahrhunderts keine Hexenprozesse mehr gab. Der letzte ihm bekannte Prozess war der gegen Therese Welzbach von Echternach im Jahr 1692. Sie wurde auf Befehl des Provinzialrates losgesprochen, musste aber die Kosten des Verfahrens selbst tragen. 9
Das älteste bekannte Zaubereiverfahren im Kurfürstentum Trier ist für das Jahr 1451 in Wittlingen an der Saar belegt. 10 In der Stadt Trier sind vereinzelte Hexenprozesse seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nachgewiesen. Ende des 15. Jahrhunderts kommt es zu einer ersten größeren Verfolgung im Trierer Land. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bricht in der Gegend von Trier eine der größten und verheerendsten regionalen Verfolgungswellen im deutschsprachigen Raum aus. Während dieser Verfolgungswellen kommt es in der Stadt Trier auch zu zahlreichen Prominentenprozessen, zum Beispiel der Prozess gegen den kurfürstlichen
8 Voltmer, Rita: … ce tant exécrable et détestable crime de sortilège. Der „Bürgerkrieg“ gegen Hexen und Hexenmeister im Herzogtum Luxemburg (16. Und 17. Jahrhundert), in: Hémecht, Zeitschrift für Luxemburger Geschichte, Jahrgang 56 Heft 1, Luxemburg: Ed. Saint Paul 2004, S. 54 - 92, hier S. 71.
9 Breisdorff, Nikolas : Hexenprozesse im Herzogthum Luxemburg, Auszug aus dem XVI. Bande der Publications de la société archéologique de Luxembourg, Luxemburg: 1861, S. 4
10 Franz, Gunther: Hexenprozesse in der Stadt Trier und deren Umgebung: Gerichtsbarkeit von St.Maximin, St. Paulin und St. Mathias, in: Franz, Gunther; Irsigler, Franz (Hrsg.): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, Trierer Hexenprozesse Bd. 1, Trier: Spee-Verlag 1996, S.333-353, hier S. 337.
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Stadtschultheiß Dr. Dietrich Flade und gegen den Hochgerichtsschöffen und Ex-Bürgermeister von Trier Niclas Fiedler. 11
In den beiden ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts finden nur vereinzelt Hexenprozesse statt. Ab dem Jahr 1628 wird Trier erneut Zeuge einer heftigen Verfolgungswelle. Doch bereits im Jahr 1660 enden die Hexenprozesse auf Grund von politischem Widerstand von Seiten des Erzbischofs und Kurfürsten Carl Caspar von der Leyen (1652-1676), also etwas mehr als dreißig Jahre vor dem letzten belegten Hexenprozess im Herzogtum Luxemburg. 12
Zum Vergleich, die letzte Verurteilung einer Hexe in Europa fand ungefähr ein Jahrhundert später in der Schweiz statt. In anderen Ländern und Kulturen werden auch heute noch Menschen der Hexerei bezichtigt und hingerichtet respektive gelyncht. So wurden zwischen 1948 und 1980 hunderte von Hexen im Westen Indiens getötet. 1958 kam es zu einer regelrechten Hexenpanik in Belgisch-Kongo, 1977 in der Volksrepublik Benin und noch 1996 in Südafrikas Nordprovinz. 13
Doch wodurch kam es zu diesem Hexenwahn im Herzogtum Luxemburg und in Trier, wo doch Nikolas Breisdorff in seinem Werk berichtet, dass der Provinzialrat des Herzogtums bereits 1563, also mehr als 50 Jahre vor Friedrich von Spee, das allgemein gebräuchliche Verfahren gegen Hexen und Zauberer „als gegen alle göttlichen und menschlichen Rechte verstoßend“ ansah. 14
Schwere Hexenverfolgungen fanden besonders häufig in kleinen und mittleren Territorien statt. Hier waren die persönlichen Kontakte zwischen Gerichtsherren, Amtleuten, Schöffen und Einwohnern sehr eng, wodurch Hexereigerüchte und Denunziationen sich sehr schnell verbreiten konnten. 15
11 Rummel, Walter: Kurtrier - Hexenverfolgungen, aus: Gersmann, Gudrun; Moeller, Katrin; Schmidt, Jürgen-Michael (Hrsg.):Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1620/ (25.04.2008).
12 Rummel, Walter: Kurtrier - Hexenverfolgungen.
13 Behringer, Wolfgang : Hexen : Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München: C. H. Beck 1998 1 , 2005 4 , S. 110
14 Breisdorff, Nikolas : Hexenprozesse im Herzogthum Luxemburg, S.4.
15 Irsigler, Franz; Voltmer, Rita: Die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit - Vorurteile, Faktoren und Bilanzen, in: Beier-de-Haan, Rosemarie ; Irsigler, Franz ; Voltmer, Rita (Hrsg.) : Hexenwahn, Ängste der Neuzeit, Wolfratshausen: Edition Minerva Hermann Farnung 2002, S. 30-45, hier S. 40-41.
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Das Gebiet zwischen Rhein, Mosel und Saar war gekennzeichnet durch herrschaftliche und gerichtliche Pluralität. Es gab viele kleine Territorien und Herrschaften, die sehr auf ihre Unabhängigkeit und ihre Legitimation pochten. So wurden die Hexenprozesse oft instrumentalisiert, um die autonome Gerichtsbarkeit zu bewahren. 16
Während in ländlichen Gegenden enge soziale Kontakte, Unwissenheit und Aberglauben der Bauern den Hexenwahn verbreiten, sind es in der Stadt vor allem die Epidemien, sowie die Instrumentalisierung der Hexenprozesse, um politische Gegner und ungeliebte Bürger auszuschalten. 17
Die Reformation und die Gegenreformation verstärkten bei der Bevölkerung den Wunsch nach Erlösung und die Furcht vor dem Teufel. Allgemein kam ein tieferes Sündenbewusstsein zum Vorschein. Dabei kam es allerdings zu einem Dilemma, denn einerseits hegten die Menschen den Wunsch ein moralisches Leben zu führen, andererseits kann niemand ohne Sünde leben. Der einzige Ausweg bestand darin, die Schuld auf jemand anderen zu schieben, in diesem Fall die Hexen. 18
Die Gegenreformation hatte zum Ziel, den katholischen Glauben in der Bevölkerung zu festigen, weshalb versucht wurde Aberglauben und weiße Magie aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben. Weiße Magie wurde aber von jeher benutzt, um sich gegen die schwarze Magie der Hexen zu schützen. Da dieser Schutz nun fehlt versuchen sich die Menschen nun mit Hilfe der Justiz gegen die Hexen zu schützen, wodurch es vermehrt zu Hexenverfolgungen kommt. 19
Anhand von Fallbeispielen aus dem Herzogtum Luxemburg und Kurtrier wird die vorliegende Arbeit die Rahmenbedingungen genauer definieren und ergründen, warum in beiden Gegenden verhältnismäßig viele Hexenprozesse stattfanden.
16 Irsigler, Franz; Voltmer, Rita: Die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit - Vorurteile, Faktoren und Bilanzen, S. 40-41.
17 Levack, Brian : Hexenjagd : Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, S. 130-132.
18 Levack, Brian : Hexenjagd : Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, S. 108-109.
19 Levack, Brian : Hexenjagd : Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, S. 111-112.
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a. Kriegsschauplatz Luxemburg zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert
Zur Zeit der Hexenverfolgungen war das Herzogtum Luxemburg Teil der Spanischen Niederlande.
In der Cosmographia, die 1550 von Sebastian Münster verfasst wurde, heißt es über diese Gegend unter anderem: „Es ist ein löblicher und namhafftiger Adel im land / sie haben auch schöne freyheiten ….“ Etwas weiter heißt es dann, dass diese Gegend immer wieder „vom Frantzoß ongewarnt überfallen … fast biß auf Diedenhofen yn genommen / verherget und verderbt“ worden sei. 20
Auch der Florentiner Ludovico Guicciardini, der 1559 in spanischer Sprache eine Beschreibung der Spanisch - Habsburgischen Niederlande verfasste, die 1567 erstmals in französischer Sprache erschien, äußert sich über die fatalen Folgen des Krieges in diesen Gegenden: „Mais pour estre Province frontiere de France, les grandes et longues guerres l’ont en divers temps miserablement destruite; entant qu’ores on luy a couru, & gasté le pays, tantost luy a esté prinse une, deux, & plusieurs villes, voire la ville principale a esté par plusieurs fois prinse & reprinse, saccagée & miserablement traictée.“ 21
Diese Aussagen weisen deutlich darauf hin, dass die südlichste der spanischniederländischen Provinzen arg vom Krieg gebeutelt war. Immer wieder kam es zu Streitigkeiten und Kriegen zwischen Frankreich und Spanien, die natürlich auch Luxemburg zu spüren bekam. Im 16. Jahrhundert wurde der Süden der Spanischen Niederlande mehrmals von französischen Truppen eingenommen.
Luxemburg war zwar im Vergleich zu den anderen niederländischen Provinzen sehr arm, dafür aber war seine Lage strategisch wichtig. Die befestigte Stadt Luxemburg kontrollierte den Zugang zu den Ardennen und, über das Tal der Mosel, auch zum Rhein. Wegen dieser strategisch sehr wichtigen Lage wird das Herzogtum auch in die
20 Münster, Sebastian : Cosmographia oder beschreibung aller länder / herrschafften … Basel 1550, fol. CLV. Vergl. Auch: Voltmer, Rita: … ce tant exécrable et détestable crime de sortilège. Der „Bürgerkrieg“ gegen Hexen und Hexenmeister im Herzogtum Luxemburg (16. Und 17. Jahrhundert), S. 54.
21 Guicciardini, Lodovico : Description de touts les Pays-Bas, autrement appellez La Germanie inferieure, ou Basse Allemagne, Amsterdam : 1609, S. 448 ; Vergleich auch Voltmer, Rita : … ce tant exécrable et détestable crime de sortilège. Der „Bürgerkrieg“ gegen Hexen und Hexenmeister im Herzogtum Luxemburg (16. Und 17. Jahrhundert), S. 58.
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großen Kriege zwischen den Valois und den Bourbonen einerseits und den spanischen und österreichischen Habsburgern andererseits mit hineingezogen. Ein Aspekt, der dem Land und der Bevölkerung schwer zu schaffen machte. 22
Der Baseler Thomas Platter der Jüngere besuchte auf seinen Bildungsreisen durch Spanien und Frankreich auch die Spanischen Niederlande. Auch er berichtet 1599 von vielen Kriegszügen im Herzogtum Luxemburg, welche seit 1579 durch den Freiheitskampf der sieben niederländischen Generalstaaten vermehrt wurden: „Die 17 Provinzen aber haben dem könig Philippo 2. auß Spanien zugehöret, welcher er seiner tochter der infanta Isabellae zur ehesteür … geben hatt, unndt sindt auch vast 7 von denselbigen der Staden, welche stettigs wider den ertzhertzog kriegführen, also daß er auch die 10 übrigen nicht mitt ruhe besitzen kann … und es so strenge unndt langwirige krieg da gehept hatt, wie dann auch noch heütigs tags kein mittel kann erdacht werden, dadurch man könte den friden pflantzen… .“ 23
Die ständigen Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Spanien haben mehrere Höhepunkte: der Krieg zwischen Franz I. von Frankreich und Karl V. von Spanien, der dreißigjährige Krieg (1618-1648) sowie die Eroberung der Stadt Luxemburg durch Ludwig XIV. von Frankreich im Jahr 1684.
b. Hungersnot und Seuchen
Mit den Soldaten und den Flüchtenden reiste auch die Pest. Die durch Hungersnot geschwächte Bevölkerung wurde regelrecht von der sich rasch verbreitenden Seuche dahingerafft. Die wegen der vielen Flüchtlinge überfüllten und unhygienischen Städte boten den idealen Nährboden für die Seuche. Im 16. Jahrhundert fanden einige große Pest-Epidemien statt. So wütete die Seuche 1555 in der Stadt Luxemburg, zwischen 1578 und 1580 wurde die Bevölkerung Diekirchs dahingerafft und 1598 brach sie in
22 Trausch, Gilbert : Comment rester distincts dans le filet des Pays-Bas ?, in : Trausch, Gilbert (Hrsg.) : Histoire du Luxembourg, le destin européen d’un « petit pays », Toulouse : Editions Privat 2003, S. 149-200, hier S.173
23 Platter, Thomas d. J. : Beschreibung der Reisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande 1595-1600, hg. v. Keiser, Rut, 2 Teile, Basel, Stuttgart: 1968, hier Teil II, S. 698; Vergleich auch: Voltmer, Rita: … ce tant exécrable et détestable crime de sortilège. Der „Bürgerkrieg“ gegen Hexen und Hexenmeister im Herzogtum Luxemburg (16. Und 17. Jahrhundert), S. 59.
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Arlon aus. Auch im 17. Jahrhundert meldet sich die Seuche in regelmäßigen Abständen wieder. So erreichte die Seuche in den Jahren 1604, 1612, 1626 und vor allem 1636 ihren traurigen Höhepunkt. 24
Zwar können wegen mangelnder demographischer Studien keine genauen Angaben bezüglich der Verluste in der Bevölkerung gemacht werden, doch man nimmt an, dass das Herzogtum Luxemburg mindestens drei viertel seiner Bevölkerung an die Pest verloren hat: „Le duché perdit trois quarts, sinon plus, de sa population. Les blessures étaient si graves que le peuple mit deux siècles pour échapper au souvenir paralysant du 25
cauchemar.“
Zusätzlich zur Pest kam die Hungersnot, begünstigt durch Krieg und schlechtes Klima. Während der Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts wurden viele Ernten vernichtet. Marodierende und brandschatzende Soldaten taten ihr übriges. Die Getreideknappheit brachte eine Steigerung des Getreide-und Brotpreises mit sich, was wiederum dazu führte, dass viele Menschen, vor allem der untersten Gesellschaftsschichten, verhungerten. Die Überlebenden waren oft so geschwächt, dass sie eine leichte Beute für alle möglichen Krankheiten und Seuchen waren.
Auch in Trier kam es zu Hungersnot und Seuchen. Diese wurden aber nicht so sehr durch Krieg begünstigt, wie es im Herzogtum Luxemburg der Fall war, sondern eher durch eine allgemeine Verschlechterung des Klimas und die daraus resultierenden Missernten hervorgerufen. Durch den erzwungenen Auszug der Confessionisten Ende 1583/84 war die Stadt Trier wirtschaftlich geschwächt. Hinzu kam noch, dass von den neunzehn Regierungsjahren des Erzbischofs Johann von Schönenberg (1581-1599) nur zwei Jahre, nämlich 1585 und 1590 fruchtbar waren. Es herrschte also ständiger Mangel an Brotgetreide. Als Urheber dieser Hungersnot klagte man Hexen an. 26
24 Dupont-Bouschat, Marie-Sylvie : La répression de la sorcellerie dans le duché de Luxembourg aux XVIe et XVIIe siècles. Une analyse des structures de pouvoir et de leur fonctionnement dans le cadre de la chasse aux sorcières, in : Dupont-Bouschat, Marie-Sylvie ; Frijhoff, Willem ; Muchembled, Robert (Hrsg.) : Prohètes et sorcières dans les Pays-Bas XVIe et XVIIIe siècle, Paris : Hachette 1978, S. 41-154, hier S.52-53
25 Weber, Paul: Histoire du Grand-duché de Luxembourg, Bruxelles : Office de publicité 1957, S. 47 :
26 Zenz, Emil (Hrsg.):Die Taten der Trierer (Gesta Treverorum), Bd. 6, Trier: 1962, S. 87. Vergl. auch: Laufner, Richard : Politische Geschichte, Verfassungs - und Verwaltunsgeschichte 1580-1794, in: Düwell,
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Isabelle Schleich, 2008, Hexen und Hexenverfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert in Luxemburg und Kurtrier, München, GRIN Verlag GmbH
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