Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Parodie des sozialistischen Realismus 1
2.1. Ein Exkurs in die Geschichte 2
3. Parodie auf dem Sujetniveau 6
4. Parodie auf dem Sprachniveau 7
4.1 Die Sprache des Sozrealismus 7
4.2. Besonderheiten der Sprache Eroveevs 7
4.3. Parodie sowjetischer Klischees und Slogans 8
5. Parabolismus der Sprachstruktur 11
6. Parodie der Bibel 12
Fazit 14
Literaturverzeichnis 15
„Wir alle sind wie betrunken, nur jeder auf seine Art, der
eine hat mehr getrunken, der andere weniger. Und auf jeden
wirkt es anders: der eine lacht dieser Welt ins Gesicht, der
andre weint an der Brust dieser Welt.“
Venedikt Erofeev
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1. Einleitung
Venedikt Erofeevs Roman „Moskva-Petuški“ erwies sich als Gegenentwurf zum sozialistischen Realismus. Das Thema, das Sujet und die bittere Kritik an der Gesellschaft, den politischen Umständen sowie der sozialistischen Literatur stellen sich gegenüber den Dogmen dieser Strömung. Es ist nicht verwunderlich, dass aufgrund solcher Vorgehensweise das im Frühjahr 1969 abgeschlossene Manuskript von “Moskau-Petuški” in der UdSSR nicht veröffentlicht werden konnte. Erst im Jahre 1989 wurde das Buch in der Sowjetunion vollständig publiziert. Die besondere Aufmerksamkeit erregt die Parodie des Sowjetsystems besonders die Parodie der Sprache des Sozialrealismus. Die Sprache des Buches ist teils die Sprache der Psalmen, teils die Umgangssprache der Arbeiter. Der Autor verwendet zahlreiche Metaphern, Metonymien und markante Vergleiche, die die Sprache besonders aufschlussreich und lebendig machen. Das Untersuchungsobjekt der vorliegenden Arbeit sind daher die sprachlichen Mittel Erofeevs in „Moskva-Petuski“, mit denen er einen groteskparodistischen Effekt erreicht. Das Ziel der Untersuchung ist es festzustellen, inwiefern sich die Sprache der Helden Erofeevs von den sprachlichen Kanonen des sozialistischen Realismus unterscheidet.
2. Die Parodie des sozialistischen Realismus
Erofeev verbindet in seinem Roman mittels sehr feiner Parodie die Vergangenheit mit der Zukunft. Linda Hutcheon definiert Parodie in ihrem Buch „Theory of Parody“ folgendermaßen: “the repetition with difference with the pragmatic ethos ranging from the reverential to the playful to the scornful“. 1 Nach M. Martin ist Erofeevs Parodie nicht nur reflektierend und kontemplativ, sondern sie regeneriert die Sprache. Erofeevs
1 Zitiert nach M. Martin, 1997 S. 157
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Verflechtungen der Wörter und das Vermischen ihrer Bedeutungen können nur dann verstanden werden, wenn wir die gewöhnliche Bedeutung dieser Ausdrucke kennen, da alles Neue nur dann neu ist, wenn wir uns mit dem Alten auskennen. Nur im Vergleich zu den im Hintergrund liegenden Texten und Realien des sozialistischen Realismus können wir die Innovation der Ausdruckskraft Erofeevs wahrnehmen. Auf Grund dessen ist es sinnvoll, in die Geschichte des Sozrealismus einzutauchen.
2.1. Ein Exkurs in die Geschichte
Den Begriff „sozialistischer Realismus“ kann man heute nicht einheitlich differenzieren. Holthusen (1978: 180) bezeichnet ihn als „Literatur der Stalin-Ära“, die zeitlich durch den ersten Schriftstellerkongress (1934) und durch den Beginn des „Tauwetters“ (1954-56) begrenzt wurde. R. Kluge behauptet, dass der Entwicklungsweg des sozialistischen Realismus von Veresaev, Serafimovič und Gor´kij vollzogen wird. Die literaturtheoretischen Grundlagen des Sozrealismus haben Plechanov seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts und Lenin im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts vorbereitet (Kluge 1973: 22). Weiter schreibt Kluge, dass “für alle sowjetischen und auch eine Reihe westlicher Arbeiten die Oktoberrevolution einen epochalen Einschnitt darstellt: mit dem Jahre 1917 beginnt die Geschichte der russischen Sowjetliteratur”. Jedoch charakterisiert er diese erste Periode noch nicht als sozialistischen Realismus, sondern als “späten Realismus” (Kluge 1973: 20). Der Begriff des sozialistischen Realismus wurde erstmals am 20.05.1932 von I. Gronskij erwähnt (Kasack 1992: 1225). Er war damals der Vorsitzende des Organisationskomitees zur Bildung des SV UdSSR. In jener Zeit hatte die große Bedeutung der „Proletkul´t“ (von proletarskaja kultura) (Lauer 2005: 188). Die Schriftsteller versuchten, neue Formen einer proletarischen Kultur und Literatur auszuarbeiten. Das Ziel des Proletkul´ts war es, den Analphabetismus zu beseitigen und eine kollektivistische „Wir-Kunst“ zu entwickeln. Er lehnte die Kunst der vorherigen Epochen ab. Eine Reihe neuer Zeitungen und Almanachs brachte neue Ideen unter das Volk. Unter anderen kann man solche Titel wie
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Ognekrylyj zavod (1918), Čugunnyj ulej (1921), Na postu (1923) nennen. Zu den ersten Autoren der sowjetischen Literatur gehören Veresaev, Serafimovič, Gor´kij und viele andere, die „bereits den geistigen und moralischen Niedergang des bürgerlichen Russland schildern und das triumphierende Proletariat zum literarischen Helden erheben“ (Kluge 1973: 183).
Wie oben schon gesagt wurde, soll die sowjetische Literatur typische Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens gestalten. “Das literarische Kunstwerk soll die Propaganda der fortschrittlichen politischen Ideen herauslösen, kein abstraktes, philosophisches Konzept, sondern eine reale gesellschaftliche und politische Vorstellung vermitteln” (Kluge 1973: 183). Aus all dem folgt, dass Autoren die Taten der legendären Kriegshelden, der Parteiführung, die den Opfermut der Volkshelden und der Soldaten steuerte, den Partisanenkampf schilderten. In vielen Romanen ging es um den Wiederaufbau der Fabriken und Werke, den Fortschritt der Kollektivierung, die Gewinnung bürgerlicher Spezialisten. Der dichterische Vorwurf der sowjetischen Literatur war ein leidender, gefährdeter und zugleich politisch korrekter und strebender Mensch. Auf dieser Interpretation entstand der Begriff des „positiven Helden“ (položitel´nyj geroj), der in sich eine Führungspersönlichkeit, ein Vorbild, den Erbauer eines neuen Lebens verkörperte. Es war ein Mensch ohne jeden inneren Zweifel, also ein Kommunist.
Den Aufschwung des Sozrealismus verbindet man mit der Nachkriegszeit. Die politischen Aspekte des zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit verlangen die Mobilisierung des ganzen Landes. Die Solidarität des russischen Volkes, revolutionärer Elan und Widerstandswille sollten erhoben werden. Die Macht der Partei verstärkte sich. Die Partei strebte an, nicht nur im wirtschaftlichen und politischen, sondern auch im geistigen und künstlerischen Bereich eine führende Rolle zu spielen. In der Sowjetunion wirkten sich alle politischen Maßnahmen auf die Literatur aus. Immer wieder pflegte die Parteiführung das Anliegen einer proletarischen Literatur, die „Sowjetpatriotismus und unbedingten Parteigehorsam propagieren soll“ (Lauer 2005: 207). Die Partei bestimmte die Themen und Gattungen der Literatur und griff tief in die Schicksale der Literaten ein. Literarische Werke wurden auf „sozialen Auftrag“ geschrieben, indem Tagesparolen und Parteibeschlüsse in poetische Texte umgesetzt wurden.
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Arbeit zitieren:
M.A. Yana Lobunez, 2009, Venedikt Erofeevs “Moskva - Petuški ” als Gegenentwurf zum sozialistischen Realismus , München, GRIN Verlag GmbH
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