8.1.2 Maßnahmen. 43
8.2 ZIELGRUPPE STUDENTINNEN 45
8.2.1 Situation und Charakteristika der Zielgruppe. 45
8.2.2 Maßnahmen. 47
8.3 ZIELGRUPPE ABSOLVENTINNEN UND WEIBLICHE NACHWUCHSKRÄFTE 49
8.3.1 Situation und Charakteristika der Zielgruppe. 49
8.3.2 Maßnahmen. 50
8.4 ZIELGRUPPE FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONEN 54
8.4.1 Situation und Charakteristika der Zielgruppe. 54
8.4.2 Maßnahmen. 55
9 DAS MODUL „WORK-LIFE SERVICE 58
9.1 BETREUUNGS- UND BERATUNGSANGEBOTE. 59
9.1.1 Betreuungs- und Beratungsleistungen. 59
9.1.2 Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung 60
9.1.3 Elternzeit und Wiedereinstieg. 61
9.1.4 Reentry-Service. 62
9.2 FLEXIBLE ARBEITSZEITEN 64
9.2.1 Teilzeit. 64
9.2.2 Alternierende Telearbeit. 66
9.3 „TIMESPACER“ 70
9.4 AUFGABEN FÜR DIE PERSONALABTEILUNG. 71
10 ANALYSE BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHER EFFEKTE. 73
10.1 FINANZWIRTSCHAFTLICHE EFFEKTE VON CHANCENGLEICHHEIT UND „WORK-LIFE
SERVICE “ 73
10.2 PERSONALWIRTSCHAFTLICHE EFFEKTE VON CHANCENGLEICHHEIT UND „WORK-LIFE
SERVICE “ 76
10.2.1 Studien über Nutzen und Effekte der Chancengleichheit und des „Work-Life
Service “ 76
10.2.2 Bewertung der Modulwirkungen anhand bekannter Motivationstheorien. 79
11 SCHRITTE ZUR IMPLEMENTIERUNG FÜR DIE BETRIEBLICHE PRAXIS 83
11.1 INSTITUTIONALISIERUNG DER CHANCENGLEICHHEIT UND WORK-LIFE-BALANCE. 84
11.1.1 Unternehmensleitung 84
11.1.2 Führungskräfte 85
11.1.3 Arbeitnehmervertretung 86
11.2 IST - ANALYSE. 87
11.3 FESTLEGUNG DER HANDLUNGSFELDER UND DER ZIELE 88
11.4 KOMMUNIKATION UND INFORMATION IM UNTERNEHMEN. 89
11.5 BEDARFSERMITTLUNG MITTELS MITARBEITERBEFRAGUNG. 90
11.6 UMSETZUNG DER MAßNAHMEN. 90
11.7 ERFOLGSKONTROLLE 92
12 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 94
QUELLENVERZEICHNIS 98
ANH ÄNGE. 104
IV
Abkürzungsverzeichnis
BiBB Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw. beziehungsweise etc. et cetera EU Europäische Union Ggf. Gegebenenfalls MbD Management by Delegation MbO Management by Objectives u.ä. und ähnliches USA United States of America (Vereinigte Staaten von Amerika) vgl. Vergleiche z.B. zum Beispiel
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Veränderung der Altersstruktur in Deutschland bis 2050
Abbildung 2: Sozialversicherungspflichtige Ingenieurinnen und Ingenieure in
Deutschland
Abbildung 3: Studienanfängerinnen in Deutschland.
Abbildung 4: Betriebe mit Vereinbarungen zur Chancengleichheit
Abbildung 5: Beschäftigungspolitische Leitlinien der EU und das Prinzip des
Gender Mainstreaming
Abbildung 6: Grad der Verschiedenartigkeit von Diversity
Abbildung 7: Bruttogehälter von Berufseinsteigern nach Geschlecht.
Abbildung 8: Erwerbstätige Frauen nach Altersgruppe
Abbildung 9: Erwartungs-Wert-Theorie nach Vroom
Abbildung 10: Equity-Theorie nach Adams
Abbildung 11: Tauschtheorie als Abwandlung der Equity-Theorie
Abbildung 12: Konzept des Mentoring nach Lewis.
Abbildung 13: Frauen mit Hochschulabschluss nach betrieblicher Position.
Abbildung 14: Auswirkungen aktiver Familienpolitik.
Abbildung 15: Beispiel einer Problemanalyse und Maßnahmenplanung
Abbildung 16: Grundmodell eines Planungs- und Kontrollsystems
Abbildung 17: Ergebnismodell.
VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Chancengleichheit von Frauen und Männern in deutschen
Betrieben ....................................................................................... 4 Tabelle 2: Die fünf größten Hindernisse für den Aufstieg von Frauen in Organisationen ............................................................................ 21 Tabelle 3: Was Arbeitgeber für Frauen attraktiv macht ................................ 23 Tabelle 4: Auszubildende in den 20 am stärksten besetzten
1 Einleitung
Die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland sowie eine derzeit hohe Arbeitslosenzahl lassen nicht vermuten, dass kurz- und mittelfristig betrachtet ein Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften herrschen wird. 1 Dieses Defizit ist sowohl auf den zu erwartenden demographischen Wandel als auch auf den Qualifizierungstrend in der Bevölkerung zurückzuführen.
2 Abbildung 1: Veränderung der Altersstruktur in Deutschland bis 2050
Die Bevölkerungsentwicklung bewirkt arbeitsmarktpolitisch gesehen ein sinkendes Angebot an Arbeitskräften, was zu einer Verknappung qualifizierter Fach- und Führungskräfte führt. Diese Entwicklung zwingt die Unternehmen zum Einsatz spezieller Instrumente. Eine innovative Personalpolitik ist notwenig, um den prognostizierten Arbeitskräftemangel mittelfristig zu dämpfen und diesem langfristig entgegenzuwirken, indem qualifiziertes Personal erhalten, gewonnen und an das Unternehmen gebunden wird. (siehe Anlage 1)
1 Reinberg, Alexander; Hummel, Markus (2003): Bildungspolitik: Steuert Deutschland langfristig auf einen
Fachkräftemangel hin? , Nürnberg; Reihe / Serie: IAB-Kurzbericht Nr. 09/2003
2 Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
1
Warum Frauenförderung in einem mittelständischen Unternehmen der Automobilindustrie?
Alle Unternehmen der Automobilindustrie sind heute auf dem internationalen Markt vertreten. Durch den Aufbau weltweit neuer Standorte steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal. Betrachtet man den erheblichen Mangel an Fach-und Führungskräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt, so wird das Problem schnell deutlich. Die Prognose des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass aufgrund der sich abzeichnenden Bevölkerungsentwicklung und des Qualifizierungstrends ein dringender Handlungsbedarf besteht 3 . Die Personalpolitik, als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, muss an die sich verändernden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen angepasst werden.
Ein weiterer sich abzeichnender Trend ist der kontinuierliche Anstieg erwerbstätiger Frauen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland noch im Jahr 2002 beim Frauenanteil an den Erwerbstätigen mit 46,5 Prozent an dritter Stelle hinter Schweden (48 Prozent) und USA (46,6 Prozent), heute 2003 liegt es mit 46,9 Prozent ganz vorne. 4 Trotzdem steht Deutschland „mit nur fünf Prozent Frauen in Spitzenpositionen am Ende der europäischen Rangliste“. 5 Das zeigt, dass die Unternehmen es sich nicht leisten können dieses Potential qualifizierter Frauen nicht auszuschöpfen.
3 Reinberg, Alexander; Hummel, Markus (2003): Bildungspolitik: Steuert Deutschland langfristig auf einen
Fachkräftemangel hin? , Nürnberg; Reihe / Serie: IAB-Kurzbericht Nr. 09/2003
4 Erschienen in: Fränkischer Tag: 63 Prozent der Mütter arbeiten, Bamberg, 06.03.2004, S.4
5 Erschienen in: Fränkischer Tag, Frauen fordern gleiche Chancen, Bamberg, 09.03.2004, S.4
2
Der Anteil von Frauen aus allen Führungsebenen beträgt in der Industrie lediglich fünf Prozent, wobei der Anteil an technischen Führungspositionen verschwindend gering ist. Um die ungenutzte Personalressource Frau am Markt akquirieren zu können, gilt es, die Ursachen, welche einer besseren Erschließung des Frauenpotentials entgegenwirken, zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.
Durch die Steigerung des Frauenanteils sowie der Förderung von Frauen in allen Hierarchieebenen im Unternehmen soll aber nicht nur dem Mangel an qualifiziertem Personal entgegengewirkt, sondern auch die Entstehung einer Monokultur verhindert werden.
Außerdem werden „die wichtigsten Quellen von Wirtschaftswachstum und Strukturwandel voraussichtlich nicht mehr nur Arbeit und Kapital, sondern Produktivitätsfortschritte durch einen besseren Umgang mit menschlichen Ressourcen sein“ 6 . Das bedeutet, dass die Unternehmen zukünftig dem „Human-Kapital“ eine größere Beachtung schenken müssen, um sich als Mittelständischer im internationalen Wettbewerb gegen die Mega-Supplier behaupten zu können.
2 Problemstellung
Unternehmen leben vom wirtschaftlichen Erfolg, der nicht zuletzt von einer ressourcenorientierten Personalpolitik abhängt. Weiblichen Mitarbeitern wird trotz der verschiedensten Initiativen eine eher untergeordnete Rolle zugeschrieben. Die Personalpolitik in der betrieblichen Praxis kleinerer und mittelständischer Unternehmen ist nach wie vor auf männliche Mitarbeiter ausgerichtet.
6 Peters, Sibylle, Frauen in Führungspositionen: Der Diskurs über Geschlechterdifferenz und -arrangements, S. 34
in Peters, Sibylle/ Bensel, Norbert (Hrsg.), Frauen und Männer im Management - Diversity in Diskurs und Praxis,
2.Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 2002
3
7 Tabelle 1: Chancengleichheit von Frauen und Männern in deutschen Betrieben
In den vergangenen Jahren sind zwar Fortschritte im Hinblick auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern zu verzeichnen, dennoch bleibt der Frauenanteil hinter dem der Männer in technischen Berufen zurück. 8
9 Abbildung 2: Sozialversicherungspflichtige Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland
Folglich stellt sich die Frage: Welche latenten Potentiale stellen Frauen am Arbeitsmarkt dar? Wo liegen die Gründe dafür, dass ein vergleichsweise geringer Anteil an Frauen sich für technische Berufe entscheidet?
7
Quelle: IAB-Betriebspanel 2002, Erschienen in: IAB Kurzbericht Nr.12/2003; * nur Betriebe mit mehr als zehn
Beschäftigten; gewichtete Werte; Mehrfachnennungen möglich
8 Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gemeinnützige GmbH, E-Quality Management -
Personalressourcen identifizieren und entwickeln - ein Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen, W.
Bertelsmann Verlag, Wirtschaft Bildung Verwaltung, Bielefeld 2001
9 Quelle: IAB 2003
4
Wie ist die Gruppe an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erhöhen und an das Unternehmen zu binden?
2.1 Ursachen
Zurückzuführen ist diese Kluft im Wesentlichen auf vorgefasste Meinungen, die schon die Bildungs- und Ausbildungsentscheidungen der Frauen noch viel zu häufig einengen. In Familie und Gesellschaft sind bestimmte Vorurteile fest verankert, die bei der Entscheidung der Frauen für eine technische Ausbildung zum Tragen kommen. Auch die Frauen selbst trauen sich nicht immer, eine unkonventionelle Entscheidung zu treffen. 10
11 Abbildung 3: Studienanfängerinnen in Deutschland
Dies belegt auch die Identifikationstheorie der Entwicklung von Geschlechtsunterschieden nach Zahlmann-Willenbacher (1979), die von der Annahme ausgeht, dass den so genannten Primärbeziehungen eine zentrale Bedeutung bei der Ausbildung geschlechtsspezifischen Verhaltens zukommt. Das heißt, dass im Laufe der ersten Lebensjahre sich zwischen Kindern und
10 Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, Frauen und Technik, Europäische
Gemeinschaften, Luxemburg, 2002
11 Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2004, Stand 09.01.2004
5
ihren wichtigsten Bezugspersonen, welche in der Regel die Eltern sind, eine intensive Beziehung entwickelt. Diese intensive Beziehung bewegt das Kind dazu, vom Vater und/oder der Mutter in umfassender Weise innere Gefühlshaltungen, äußere Verhaltensmuster und Wertorientierungen zu übernehmen. Beiden Geschlechtern werden Geschlechtsrollenstereotype zugeteilt. Frauen sind z.B. einfühlsam, emotional, familienorientiert, gefühlsbetont und unentschlossen. Männer hingegen gelten als ehrgeizig, entscheidungsstark, führungs- und verantwortungsbewusst. Betrachtet man allerdings den gegenwärtigen Forschungsstand, so gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich zwischen gleichgeschlechtlichen Eltern-Kind-Paaren häufiger und in größerem Umfang Ähnlichkeiten ausbilden als zwischen ungleichgeschlechtlichen Paaren. 12
„Nach einem Bericht der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung geben rund 80 Prozent der jungen Frauen an, dass sie sich vor einer Deklassierung in männerdominierten Berufen fürchten. Ein weiterer genannter Grund ist das Fehlen von weiblichen Vorbildern. In den Ingenieurwissenschaften gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen, dass sie sich in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nicht einmal nachweisen ließen“ 13 . Die speziellen Ursachen für die Benachteiligung von erwerbstätigen Ingenieurinnen gegenüber ihren Kollegen sind nur in geringem Umfang erforscht. Das Hauptproblem berufstätiger Frauen stellt die Schaffung einer Balance zwischen Beruf und Familie dar. Die Herstellung dieses Gleichgewichts wird fast ausschließlich den Frauen abverlangt. Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit sind besonders in
männerdominierenden Branchen nahezu unbekannt; Telearbeit ist in Deutschland nur für wenige Beschäftigte Realität. Ein weiteres Problem stellt der Wiedereinstieg nach einer Familienphase dar, der „gerade bei
12 http://www.uni-bamberg.de/ifb/mat-pdf/Geschlechtsrollen.pdf , Stand 19.01.2004
13 Braun Carolyn, Unter Männern: Frau und Karriere - in manchen Berufen aussichtslos. Das denken viele
Berufseinsteigerinnen und versuchen es erst gar nicht. Ein Fehler. , Erschienen in: Wirtschaftswoche, Nr. 40,
25.09.2003, S. 112 f.
6
technischen Berufen aufgrund des schnellen technologischen Wandels für besonders problematisch gehalten wird“ 14 .
2.2 Ist - Situation
Der Verein Deutscher Ingenieure prognostiziert, dass aufgrund des wachsenden Fachkräftebedarfs von einer guten Arbeitsmarktperspektive ausgegangen werden kann. Ingenieure und Ingenieurinnen gehören also langfristig zu den gefragtesten Berufsgruppen. „Bei Fortschreibung augenblicklicher Trends wird der Bedarf an Ingenieuren in den nächsten Jahren um jährlich circa sechs Prozent steigen. Mittelfristig ist im Laufe der nächsten zehn Jahre mit einer Steigerung um rund fünf Prozent zu rechnen“ 15 . Der Anteil der Ingenieure und Ingenieurinnen an der Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland wächst stetig. (vgl. Abbildung 2) Der Verein Deutscher Ingenieure gab bekannt, dass im Jahr 2002 die Zahl von Studienanfängerinnen in Ingenieurstudiengängen erstmals stärker gewachsen ist, als die männlicher Studienanfänger. Die kreative Verbindung von Bundes- und Landesinitiativen und eine große Portion an Eigeninitiative der Fachbereiche in den Hochschulen sind Gründe, die dazu beigetragen haben, die Barriere zwischen Frauen und Technik abzubauen. „Insgesamt haben sich im Jahr 2002 1.500 junge Frauen für ein
ingenieurwissenschaftliches Studium eingeschrieben, das sind 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr“ 16 . Es ist davon auszugehen, dass bereits qualifizierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind. Somit geht es nicht nur darum, eine „bislang nicht angesprochene Gruppe von Frauen zu motivieren, deren Begabung für technische Berufe bislang nicht hinreichend gefördert wird“ 17 , sondern ebenso die vorhandenen aber bislang ungenutzen Potentiale abzuschöpfen.
14 Beckmann, Petra (2003): EU-Beschäftigungsquote: Auch richtige Zahlen können in die Irre führen. Nürnberg;
Reihe / Serie: IAB-Kurzbericht Nr. 11/2003.
15 Verein Deutscher Ingenieure, Ingenieure und Ingenieurinnen in Deutschland - Situation und Perspektiven, VDI
Verein Deutscher Ingenieure, Düsseldorf April 2002, Seite 9f.
16 Verein Deutscher Ingenieure, Ingenieure und Ingenieurinnen in Deutschland - Situation und Perspektiven, VDI
Verein Deutscher Ingenieure, Düsseldorf April 2002, Seite 9f.
17 Verein Deutscher Ingenieure, Ingenieure und Ingenieurinnen in Deutschland - Situation und Perspektiven, VDI
Verein Deutscher Ingenieure, Düsseldorf April 2002, Seite 11f.
7
2.3 Zielsetzung
Die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, „zielen auf mehrere Ebenen ab: Auf Personen, auf Betriebe und auf die Gesellschaft“ 18 . Es gilt nicht nur, Frauen für technische Berufe zu interessieren und zu motivieren, sondern auch langfristig Änderungen der weiblichen Laufbahn- und Karriereplanung in Angriff zu nehmen. Hierzu gehören Themen wie Aufstieg, Weiterbildung, Kinderbetreuung und Vereinbarung von Beruf und Familie, die oftmals zu geringe Beachtung finden.
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein Konzept zur Chancengleichheit und Work-Life-Balance für mittelständische Unternehmen zu entwickeln, das durch eine konkrete Ausrichtung auf den Faktor Frau die Gruppe von qualifiziertem Personal vergrößert. Dadurch wird zu einer verbesserten
Ressourcenverteilung und einer Steigerung der betrieblichen Effizienz im Unternehmen beigetragen.
3 Frauenförderung, Strategien zur Chancengleichheit und Work-Life-
Balance
Frauenförderung ist nicht eine Erfindung unserer Zeit. Bereits „seit Mitte der 80er Jahre begann sich - in Deutschland, auf europäischer Ebene und weltweit - in Politik und Wissenschaft die Überzeugung durchzusetzen, dass neue Vorgehensweisen notwendig sind, um dem Ziel einer tatsächlichen Gleichstellung von Männern und Frauen näher zu kommen“ 19 .
„Bereits 1957 wurde in Artikel 119 des Vertrags von Rom der Grundsatz des gleichen Entgelts für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit verankert. Ab 1975 wurde in mehreren Richtlinien die Gleichbehandlung von Männern und
18 Bendl, Regine, Chancengleichheit am Arbeitsplatz für Frauen - Integration in die strategische
Unternehmensführung. Eine theoretische und empirische Analyse. Hampp Verlag, München, Mering, 1997
19 Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gemeinnützige GmbH, E-Quality Management -
Personalressourcen identifizieren und entwickeln - ein Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen, W.
Bertelsmann Verlag, Wirtschaft Bildung Verwaltung, Bielefeld 2001
8
Frauen beim Zugang zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg festgeschrieben, um jegliche Diskriminierung in der Arbeitswelt auszuschließen. Durch den Amsterdamer Vertrag wurde der in seinem Geltungsbereich relativ begrenzte Artikel 119, nunmehr Artikel 141, in seiner Wirkung verstärkt, indem in Artikel 2 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft die Gleichstellung von Männern und Frauen als eine der Aufgaben der Gemeinschaft festgeschrieben wurde. In Deutschland ist die Gleichstellung von Frauen und Männern im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert“ 20 .
Ferner nahm die Europäische Kommission im Juni 2000 eine Mitteilung an, die die Leitlinien für eine Strategie der Gemeinschaft zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern (2001-2005) darlegt. Damit wird ein Aktionsrahmen vorgegeben, innerhalb dessen alle Maßnahmen der Gemeinschaft ihren Beitrag zur Erreichung des Ziels leisten können, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern. Die im Dezember 2000 angenommene Charta der Grundrechte der Europäischen Union beinhaltet ein Kapitel mit dem Titel „Gleichheit", in dem der Grundsatz der Gleichheit von Männern und Frauen bekräftigt wird. Darin heißt es: „Die Gleichheit zwischen Männern und Frauen ist in allen Bereichen, einschließlich der Beschäftigung, der Arbeit und des Arbeitsentgelts sicherzustellen".
3.1 Frauenförderung
Die Anerkennung des Gleichbehandlungsgrundsatzes führte in den 80er Jahren zur Förderung der Chancengleichheit. Frauenförderung wird eingesetzt, um die Chancengleichheit der Geschlechter zu erreichen und wird von speziellen organisatorischen Einheiten betrieben, die für die
20 http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/cig/g4000c.htm#c2 , Stand 19.01.2004
9
Gleichstellungspolitik im Unternehmen zuständig sind. Ansatzpunkt ist eine konkrete Situation, in der die Benachteiligung von Frauen unmittelbar zum Vorschein kommt. Frauenförderung ermöglicht ein rasches und zielgerichtetes Handeln. Allerdings beschränkt sich die jeweilige Maßnahme auf spezifische Problemstellungen. Betrachtet man die betriebliche Praxis, so zeigt sich, dass die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen zur Frauenförderung nicht in ausreichendem Maße angenommen und ausgeschöpft werden. 21 Viele Unternehmen legen ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf die Bereiche „Arbeitszeitflexibilisierung“ und
„Arbeitsorganisation“ 22 . Gemäß der jüngsten Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bieten nur etwa 4,5 Prozent der Betriebe frauenfördernde und familienfreundliche Maßnahmen an. In großen Unternehmen sind Vereinbarungen zur Chancengleichheit, die auf Basis von Tarifverträgen geschlossen wurden, sehr viel häufiger zu finden als in kleinen und mittelständischen Unternehmen.
23 Abbildung 4: Betriebe mit Vereinbarungen zur Chancengleichheit
21 Gemeinnützige Hertie-Stiftung (Hrsg.): Strategien einer familienbewussten Unternehmenspolitik, Bonn, Januar
2003
22 Gemeinnützige Hertie-Stiftung (Hrsg.): Strategien einer familienbewussten Unternehmenspolitik, Bonn, Januar
2003
23 Quelle: Vgl. IAB 12/2003
10
Ein Grund hierfür ist, dass kleine und mittlere Betriebe ihre Betriebspolitik oftmals noch immer an traditionellen Verhaltensmustern und
Rollenvorstellungen orientieren. Ein weiterer Grund ist, dass im Rahmen der Untersuchung all die Unternehmen nicht erfasst wurden, die Maßnahmen zur Chancengleichheit zwar auf informellem Wege anbieten, jedoch nicht in institutioneller Form. Des Weiteren werden bestehende Förderprogramme oftmals nicht ausreichend im Unternehmen kommuniziert; folglich sind Angebot und Nachfrage nicht genügend abgestimmt. Darüber hinaus zeigen die Frauen selbst ein „zu geringes Interesse an der Frauenförderung, da sie keine Sonderstellung einnehmen möchten“ 24 . Die Effektivität von Fördermaßnahmen ist oft nicht klar, da in den meisten bekannten Fällen keine konkreten Zielsetzungen für die Förderprogramme definiert werden und somit kann keine erfolgsorientierte Kontrolle vollzogen werden. Da Frauenförderprogramme alleine nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, haben sich im Laufe der Zeit Strategien wie Gender Mainstreaming, Diversity Management und Total E-Quality Management, in Wirtschaft und Politik herausgebildet.
3.2 Aktuelle Strategien zur Chancengleichheit
Moderne Managementstrategien müssen sich im Zuge der globalen Entwicklungen der Frage stellen, „welche Bedingungen und
Entwicklungskonzepte in Organisationen zu schaffen sind, die Gleichheit und Anerkennung aufnehmen und allen Beschäftigten Optionen bieten, so dass alle ihren Fähigkeiten entsprechend etwas leisten können und wollen“. (vgl. Peters, 2002) Im Folgenden werden drei Managementstrategien vorgestellt, die die Chancengleichheit aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
24 Hansmeyer, Marie Christine; Festing, Marion, Perspektiven und Karrierehindernisse von weiblichen
Führungskräften, Personal Heft 11/2003
11
3.2.1 Gender Mainstreaming
Die Europäische Kommission definiert Gender Mainstreaming als „systematische Einbeziehung der jeweiligen Situation, der Prioritäten und der Bedürfnisse von Frauen und Männern in alle Politikfelder, wobei mit Blick auf die Gleichstellung von Frauen und Männern sämtliche allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen an diesem Ziel ausgerichtet werden und bereits in der Planungsphase wie auch bei der Durchführung, Begleitung und Bewertung der betreffenden Maßnahmen deren Auswirkungen auf Frauen und Männer berücksichtigt werden“ 25 . Die Managementstrategie ist eine Ergänzung zu den jährlich verabschiedeten „Beschäftigungspolitischen Leitlinien“ der Europäischen Union. Die Leitlinien fußen auf vier Säulen.
Beschäftigungspolitische Leitlinien der Europäischen Union und das Prinzip
26 Abbildung 5: Beschäftigungspolitische Leitlinien der EU und das Prinzip des Gender Mainstreaming
25 Europäische Kommission (Hrsg.), 100 Begriffe aus der Gleichstellungspolitik. Glossar der Gleichstellung
zwischen Frauen und Männern. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaft,
Luxemburg 1998
26 Quelle: Bundesanstalt für Arbeit, Referat Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (RCA), Juni 2002
12
Bei der Umsetzung der einzelnen Leitlinien ist von Seiten der EU-Mitgliedsstaaten in allen vier Säulen der Gender Mainstreaming Ansatz zu berücksichtigen. Es ist der Auftrag an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation, eines Unternehmens und an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen von Frauen und Männern von vornherein zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung effektiv verwirklichen zu können. 27 Als wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der „Mainstreaming-Politik“ gelten das Engagement der Führungsebene und Sensibilisierungsmaßnahmen für Verantwortliche des Unternehmens.
3.2.2 Diversity Management
„Managing Diversity is a comprehensive Management Process for developing an environment that works for all employees.” (R. Roosevelt Thomas 2002)
Nach Roosevelt Thomas, einem der Pioniere auf dem Sektor, ist Managing Diversity ein umfassender Managementprozess zur Entwicklung einer Umwelt, die für alle Arbeitnehmer da ist. Diversity, zu Deutsch Vielfalt, kann sich auf unterschiedliche Merkmale der Beschäftigten eines Unternehmens beziehen. Dabei werden nicht nur die klassischen Merkmale wie Geschlecht, Alter etc. einbezogen, sondern auch die, die nicht unmittelbar erkennbar sind, wie zum Beispiel religiöse Überzeugung oder Lifestyle. (vgl. Batemann/ Zeithaml 1993, S.379).
27 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Gender Mainstreaming. Was ist das?, Die
Bundesregierung, Berlin 2002
13
28 Abbildung 6: Grad der Verschiedenartigkeit von Diversity
Es dient als Förderinstrument spezifischer Beschäftigungsgruppen global agierender Unternehmen mit heterogenen Belegschaftsstrukturen. Mit dem Fokus auf das klassische Merkmal „Geschlecht“ bedeutet Diversity Management, dass, angepasst an das Angebot am Arbeitsmarkt, alle Stellen gleichmäßig durch Frauen und Männer besetzt werden. Die Managementstrategie „zielt darauf ab, Bedingungen zu schaffen, unter denen alle Beschäftigten ihre Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft uneingeschränkt entwickeln und entfalten können - unabhängig von Geschlecht, von der ethnischen Zugehörigkeit und einer Vielzahl anderer Merkmale“ 29 . Im Fokus steht die Erhöhung des Unternehmensnutzens durch die Schaffung geeigneter betrieblicher und organisatorischer
Rahmenbedingungen für eine individualisierte Personalentwicklung, die die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft aller Beschäftigten fördert.
28 Quelle: Vgl. Sepheri/ Wagner in Peters, S.
29 Krell, G., Managing Diversity: Chancengleichheit als Erfolgsfaktor, Erschienen in: Personalwirtschaft, April 1999,
Seite 24ff.
14
3.2.3 Total E-Quality
Die Idee des Total E-Quality Managements nimmt Bezug auf die Management-Strategie des Total Quality Managements. Unter Total Quality Management ist die kontinuierliche Verbesserung der Unternehmensqualität, ausgerichtet auf die Optimierung der Kunden-, Prozessablaufs- und Mitarbeiterorientierung zu verstehen. Total Quality Management zielt darauf ab, mit motivierten Mitarbeitern und durch eine stärkere Kundenorientierung verbesserte Unternehmensergebnisse zu erreichen. Folglich muss die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter ebenso oberstes Unternehmensziel sein wie die Kundenzufriedenheit. „Total E-Quality Management verknüpft die Förderung der Qualifikationen und Fähigkeiten jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters und die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen und Möglichkeiten mit der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens“ 30 .
Der Grundgedanke der Total E-Quality ist also Chancengleichheit als Qualitätskriterium. Der Ansatz verbindet die politische Verpflichtung - das Gender Mainstreaming - mit der Förderung aller Beschäftigten zur Verbesserung des Unternehmensnutzens, dem Diversity Management. Im Mittelpunkt steht dabei ein Total E-Quality Team, deren erste Aufgabe die Entwicklung von Qualitätskriterien ist. Durch den Kriterienkatalog soll einerseits die Ist-Situation im Unternehmen in Bezug auf Chancengleichheit erfasst werden und andererseits soll das Unternehmen selbst motiviert werden, die Nutzung des „Human-Kapitals“ zu optimieren. Im Folgenden gilt es, sowohl einen Maßnahmenplan zu erstellen, durch den geeignete Schritte erarbeitet werden können, als auch zur Umsetzung geeignete Rahmenbedingungen im Unternehmen zu schaffen. Ziel ist es, die
30 Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gemeinnützige GmbH, E-Quality Management -
Personalressourcen identifizieren und entwickeln - ein Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen, W.
Bertelsmann Verlag, Wirtschaft Bildung Verwaltung, Bielefeld 2001
15
Attraktivität des Unternehmens für seine Mitarbeiter, seine Kunden und als Arbeitgeber zu erhöhen. Frauen sollen verstärkt deswegen gefördert werden, um den wirtschaftlichen Nutzen des Unternehmens zu erhöhen und nicht grundsätzlich aus der sozialen Verantwortung heraus, denn Frauenförderung muss sich für das Unternehmen lohnen. „Total E-Quality Management geht von der These aus, dass Chancengleichheit und Frauenförderung den Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschafft und für eine innovative und zukunftsweisende Personalpolitik unerlässlich ist“ 31 .
3.3 Einschätzung der Strategien zur Chancengleichheit
Gender Mainstreaming Strategien (siehe Anlage 2) wählen Instrumente für Fördermaßnahmen, in denen explizit Rechtsexpertisen herangezogen werden. Der Ansatz konzentriert sich ausschließlich auf die Arbeitsplätze von Frauen und auf Frauenquoten. Es ist primär der Auftrag an die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, Gleichstellungspolitik in Verwaltung und Kommunen zu verwirklichen und die Wirtschaft durch geeignete Programme und Rahmenbedingungen für das Thema zu sensibilisieren. Die Maßnahmen und Instrumente des Gender Mainstreaming schaffen zwar Transparenz und Öffentlichkeit, berücksichtigen jedoch nur in begrenztem Umfang den Aspekt des Unternehmensnutzens. Insofern gibt die Europäische Kommission den Auftrag an Verwaltungen, Kommunen, Behörden und Unternehmen, eine Gleichstellungspolitik stärker zu verfolgen, jedoch ohne ausreichende Differenzierung und ohne Berücksichtung der Wirtschaftlichkeit. Demzufolge kann man nicht davon ausgehen, dass Gender Mainstreaming Strategien für Politik und Wirtschaft gleichermaßen Anwendung finden können.
31 Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gemeinnützige GmbH, E-Quality Management -
Personalressourcen identifizieren und entwickeln - ein Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen, W.
Bertelsmann Verlag, Wirtschaft Bildung Verwaltung, Bielefeld 2001
16
Diversity Management hingegen ist in der Privatwirtschaft vertreten und richtet den Fokus auf unternehmensinterne Strategien unter
Berücksichtigung des Unternehmensnutzens. Frauenförderung und Förderung der Humanressourcen werden als interne und externe Wettbewerbsfaktoren gesehen. Die Aufgaben der Personalentwicklung und/oder Organisationsentwicklung haben ihren Schwerpunkt in der „Wahrnehmung von Differenz und Förderung von Bewusstseinsstrukturen durch Arrangements innerhalb von Teams oder Personalentwicklung durch präventive Maßnahmen von Gleichstellung und Chancengleichheit“ 32 . Die Pflicht interner Personalentwicklungsstrategien ist es, top-down Strategien der Führungsebene und bottom-up Initiativen, angepasst an die jeweilige Unternehmensstruktur und Unternehmenskultur, zu verknüpfen. Wie diese Maßnahmen im Einzelnen funktionieren, ist von außen nicht einsehbar, was nicht verwunderlich ist, wenn man davon ausgeht, dass Chancengleichheit und Förderung der Humanressourcen die Wettbewerbsfaktoren der Zukunft sind. Strategien wie Förderung der Frauen in Führungspositionen werden bewusst intransparent gehalten.
Diversity Management ist inzwischen eine Bedingung für geratete Unternehmen und somit in großen, börsennotierten Konzernen Bestandteil der Personalpolitik. Zu beachten ist, dass die Umsetzung der Diversity Management Strategien als ein Balanceakt zwischen Unternehmenszielen und Mitarbeiterzielen zu betrachten ist. Das Augenmerk sollte darauf gerichtet sein, ein Gleichgewicht beider Zielperspektiven zu halten, denn ein Ungleichgewicht könnte die Vorteile der Strategie leicht in das Gegenteil umschlagen lassen. Die Möglichkeiten, Methoden und Instrumente großer Konzerne hinsichtlich der Implementierung und Kontrolle des Diversity Managements sind jedoch nicht ohne weiteres auf mittelständische Unternehmen übertragbar, da diese oftmals nicht über die notwendigen monetären Mittel verfügen.
32 Peters, Sibylle, Frauen in Führungspositionen: Der Diskurs über Geschlechterdifferenz und -arrangements, S.
43 in Peters, Sibylle/ Bensel, Norbert (Hrsg.), Frauen und Männer im Management - Diversity in Diskurs und
Praxis, 2.Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden, 2002
17
Obwohl die Strategie des Total E-Quality Managements als Schnittstelle zwischen Gender Mainstreaming und Diversity Management zu verstehen ist, zielt sie ebenso auf große finanzstarke Unternehmen ab. Der Fokus der Strategie richtet sich am Ansatz des Total Quality Managements aus, wodurch die kontinuierliche Verbesserung der Unternehmensqualität stark in den Mittelpunkt rückt. Auf dieser Basis wird schlussgefolgert, dass motivierte Mitarbeiter bessere Qualität bringen und folglich eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bewirkt wird. Frauenförderung gründet also nicht auf der sozialen Verantwortung eines Unternehmens, sondern ausschließlich auf dem Ziel, dessen wirtschaftlichen Nutzen zu erhöhen. Hierbei steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Umsetzung nach dem Total E-Quality Ansatz, Frauenförderung zu sehr als Kennzahl und zu wenig als innovative Personalentwicklungsstrategie gesehen wird. Das Total E-Quality Management ist eine geeignete Lösung für große Unternehmen und kann helfen den Spagat zwischen Gender Mainstreaming und Diversity Management zu schaffen. Jedoch ist die Strategie nur in bedingtem Maße für mittelständische Betriebe anwendbar.
3.4 Work-Life-Balance
Work-Life-Balance soll eine Balance zwischen Beruf und Privatleben für alle Mitarbeiter schaffen: für Frauen, Männer, Paare, Singles, Eltern wie Kinderlose. Grundlage des Work-Life-Balance Konzeptes war die Anfang der 90er Jahre steigende Zahl gut ausgebildeter Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Auch der ansteigende Wunsch vieler Singles und Väter nach mehr Raum für ihr Privatleben trug zu dieser Entwicklung bei. Durch die Schaffung der Balance zwischen Beruf und Privatleben soll die wichtigste Ressource heutiger Unternehmen gepflegt werden: Das „Human-Kapital“. Work-Life Maßnahmen sind vielfältig. Je nach Unternehmensstruktur und Unternehmenskultur werden auch neue Maßnahmen entwickelt. Beispiele für
18
bewährte Work-Life-Maßnahmen sind: flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, innerbetriebliche bzw. betrieblich unterstützte Kinderbetreuung,
Beratungsangebote zu möglichen Krisenthemen, Fitnessangebote zur Stressvermeidung (Rückenschule, Yogakurse usw.), Relocation-Service oder Wiedereingliederungsprogramme. Die genannten Work-Life-Maßnahmen werden in Kapitel 9 eingehend erläutert. Work-Life-Balance in Verbindung mit einer Managementstrategie zur Chancengleichheit ist zunehmend notwendig als Wettbewerbsvorteil.
4 Frau als Zielgruppe der Personalpolitik
„Die Vereinten Nationen haben festgestellt: Frauen machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus, leisten fast zwei Drittel der Arbeitsstunden, verdienen ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen weniger als ein Hundertstel des Weltvermögens“ 33 .
4.1 Rollenkonflikt berufstätiger Frauen
Die Rollentheorie 34 geht davon aus, dass das Verhalten von Personen in hohem Maße von der Position bestimmt wird, die diese Person inne hat. So wird von einer Mutter erwartet, dass sie sich um ihr Kind kümmert. Diese Erwartungen üben einen Druck auf den Positionsinhaber aus, sich rollenkonform zu verhalten. Unter „Rolle“ wird ein Komplex von Erwartungen verstanden, die an einen Positionsinhaber gerichtet werden. Die Personen, die Erwartungen an den Positionsinhaber (Rollenempfänger) richten, werden als Rollensender bezeichnet. Der Rollenbegriff selbst hat verschiedene Dimensionen. Eine Rollendimension ist der Verpflichtungscharakter, das heißt, dass sich die Erwartungen, die an den Positionsinhaber gerichtet werden hinsichtlich ihres Verbindlichkeitsgrades unterscheiden. Man spricht von Muss-, Soll- und Kann-Erwartungen, die bei Nichteinhaltung entsprechend ihres Verbindlichkeitsgrades sanktioniert werden. Der
33 Vgl. http://www.balancing-consult.de/publikac.htm , Stand 19.01.2004
34 Vgl. Heinen, E., Industriebetriebslehre, S. 735 f.
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Identifikationsgrad als weitere Dimension drückt aus, welchen Stellenwert die Position und die damit verbundene Rolle für das Selbstbild der Person hat: Zentraler Lebensinhalt oder unwichtige Nebenaufgabe? Der
Allgemeinheitsgrad beschreibt, wie genau die Rollenerwartungen sind. Wird dem Positionsinhaber ein großer Handlungsspielraum gelassen oder wird ihm sein Verhalten genau vorgeschrieben.
Rollen unterscheiden sich auch in dem Grad ihrer Mehrdeutigkeit oder Klarheit. Die letzte Dimension ist die so genannte Reichweite oder der Durchdringungsgrad einer Rolle. Diese Dimension gibt an, inwieweit sich eine Rolle auf alle Lebensbereiche einer Person oder nur auf bestimmte Bereiche bezieht.
„Konflikte stellen psychologische und soziale Phänomene dar, die durch das Vorliegen gegensätzlicher Verhaltenstendenzen gekennzeichnet sind“ 35 . Im Fall von Rollenkonflikten werden verschiedene Typen unterschieden: der Inter-Rollenkonflikt, der Intra-Rollenkonflikt und der Person-Rolle-Konflikt. 36 Ein Inter-Rollenkonflikt kann sich daraus ergeben, dass eine Person verschiedene Rollen wahrzunehmen hat und sich aus den Erwartungen an die verschiedenen Rollen Widersprüche ergeben, beispielsweise: Frau in Beruf und Familie.
Als Intra-Rollenkonflikt bezeichnet man Konflikte, die sich aus einer Rolle ergeben, wenn an diese eine Rolle widersprüchliche Erwartungen gestellt werden. Ein Beispiel ist die Rolle einer Führungskraft, die die Erwartungen der eigenen Vorgesetzten sowie die ihrer Mitarbeiter zu erfüllen hat, was naturgemäß einen Intra-Rolllenkonflikt auslöst, da der Positionsinhaber keiner Anforderung zu 100 Prozent gerecht werden kann. Der Person-Rollen-Konflikt tritt ein, wenn die Erwartungen an eine Rolle nicht vereinbar sind mit den persönlichen Wünschen, Werten oder Bedürfnissen des Positionsinhabers.
Durch dieses Rollendenken könnte man auch den mangelnden Anteil von Frauen in Unternehmen und in Führungspositionen erklären. Es führt dazu, dass es zu wenige Frauen in Positionen für Nachwuchskräfte gibt und
35 Vgl. Heinen, E., Industriebetriebslehre, S. 754
36 Vgl. Heinen, E., Industriebetriebslehre, S. 755 f.
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dass Frauen seltener in den Firmenbereichen tätig sind, aus denen Führungskräfte rekrutiert werden. Die spezielle Situation berufstätiger Frauen, der bislang kaum Beachtung geschenkt wurde, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Weder mangelndes Talent noch die Dominanz männlicher Kollegen sollte als Grund für das Frauendefizit in Fach- und Führungspositionen überbewertet werden. Vielmehr ist es die Furcht vor der eigenen Courage sowie das Dilemma, als Frau erst dann anerkannt zu werden, wenn sie im Job aufsteigt und gleichzeitig die Familienfrage meistert, also sich als berufstätige Frau rollenkonform verhält. Dieses Dilemma sowie die daraus resultierende Doppelbelastung 37 werden oft ignoriert. Es sind nicht nur Frauen, die bereits Familie und Karriere zu vereinbaren haben, die davon betroffen sind, sondern auch die noch kinderlosen Mitarbeiterinnen sowie nachfolgende Generationen werden sich dieser Rollenproblematik nicht entziehen können. Die betrieblichen Voraussetzungen dafür, dass Frauen und auch Männer sich Beruf und Familie widmen können, fehlen oft. Familienfreundliche Maßnahmen sind in einem Großteil der Unternehmen weder vorhanden noch geplant. Für fast jede Frau bedeutet ein Aussetzen der Berufstätigkeit einen Karriereknick oder sogar den Karriereabsturz. Erschwert wird die berufliche Situation durch Vorurteile, eine mangelnde Anerkennung, Akzeptanz, Förderung und Unterstützung im Unternehmen.
38 Tabelle 2: Die fünf größten Hindernisse für den Aufstieg von Frauen in Organisationen
37
http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2001/p1680031.htm , Stand 15.01.2004
38 Quelle: "Woman in Leadership: A European Business Imperative", The Catalyst and The Conference Board,
2002
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4.2 Relevanz von Chancengleichheit und Frauen in Führungspositionen
Sollen und können mittlere Unternehmen auf die Chance von Wettbewerbsvorteilen durch Chancengleichheit und Frauenförderung verzichten? Keine der in Kapitel 3 vorgestellten Managementstrategien berücksichtigt in ausreichendem Maße die spezielle Situation und die speziellen Anforderungen mittelständischer Unternehmen. Nach einer Erhebung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind es im Sommer 2002 lediglich zwei Prozent aller Betriebe in West- und Ostdeutschland, die auf Basis von Tarifverträgen Vereinbarungen zur Chancengleichheit von Frauen geschlossen haben. 39 Wie schon erwähnt geht die Managementstrategie des Diversity Managements auch davon aus, dass Frauenförderung und Förderung der Humanressourcen die Wettbewerbsfaktoren der Zukunft sind; vereinfacht ausgedrückt: Je gemischter die Beschäftigungsstruktur und das Management, desto erfolgreicher ist das Unternehmen. Das Unternehmen erweitert durch Frauen sein Potential, aus dem es Führungspersonal rekrutieren kann. Gleichzeitig nutzt es die Investitionen, die es für Aus- und Fortbildung der Mitarbeiterinnen aufgewendet hat.
Empirische Studien bescheinigen Frauen wichtige Führungseigenschaften wie Kommunikationstalent und Durchhaltevermögen - bezüglich sozialer Kompetenz sind sie den Männern von Natur aus einen Schritt voraus. Frauen sind trotzdem seltener im Management eines Unternehmens anzutreffen, obwohl sie diverse Vorteile in ein Team bringen: sie setzen neue Akzente, erweitern die Sichtweise und geben zusätzliche Impulse. Verschiedenen Erfahrungsberichten zufolge kommt es, alleine durch einen geringen Frauenanteil in männerdominierenden Abteilungen und Teams, zu einem besseren Arbeitsklima, einer gesteigerten Motivation und Produktivität. Qualifizierte Frauen sollten demzufolge auf allen Hierarchieebenen vertreten sein, um eine Monokultur zu verhindern und neue Impulse zu geben. Frauen
39 Möller, Iris; Allmendinger, Jutta (2003): Frauenförderung: Betriebe könnten noch mehr für die Chancengleichheit
tun. Nürnberg; Reihe / Serie: IAB-Kurzbericht Nr. 12/2003.
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Arbeit zitieren:
Janine Weber, 2004, Entwicklung und Einführung eines zielgruppenspezifischen Konzeptes zur Gewinnung und Bindung von qualifizierten Fachkräften in mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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