Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
2. Globalisierung 4
2.1. Begriffsbestimmung: Globalisierung 4
2.2. Scheingewinner und Überflüssige 5
2.3. Der informelle Sektor 6
2.4. Globalisierung in Lateinamerika 8
3. Sozioökonomische Verwundbarkeit
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3.1. Definition „Verwundbarkeit“ 9
3.2. Das Sustainable Livelihoods Konzept 11
3.2.1. Livelihood Aktivitäten und Strategien 11
3.2.2. Livelihood Ressourcen 12
3.2.3. Institutionen, Organisationen und Makroökonomie 12
3.2.4. Verwundbarkeitszusammenhänge 13
3.2.5. Ergebnisse der Lebenssicherung 13
4. Sozioökonomische Verwundbarkeit in Lateinamerika 13
4.1. Verwundbarkeit durch Liberalisierung der Finanzmärkte 14
4.2. Verwundbarkeit durch internationale Arbeitsteilung 15
4.3. Verwundbarkeit durch Liberalisierung des Welthandels 15
4.4. Verwundbarkeit durch Privatisierung 18
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5. Beispiele sozioökonomischer Verwundbarkeit aus Lateinamerika 19
5.1. Weshalb Chile und Brasilien? 20
5.2. Bergbau in Chile 20
5.3. Anbau von Tafeltrauben in Chile 22
5.4. Fragmentierung und Segregation in lateinamerikanischen Städten 23
5.4.1. Segregation 24
5.4.2. Ursachen der multifragmentierten Stadt 25
5.4.3. Resultat der Segregation 28
5.4.4. Condominios 28
Dimensionen und Entwicklung 30
Aneignung öffentlichen Raums 32
Ursachen für die massenhafte Herausbildung 33
5.4.5 Zusammenfassende Beurteilung der stadträumlichen Entwicklung 35
6. Schlussbetrachtung 37
7. Literaturverzeichnis 39
8. Anhang 42
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1. Einleitung
„Es ist alles sehr kompliziert“ (Fred Sinowatz - ehemaliger österreichischer Bundeskanzler). Ich stelle diesen Satz an den Anfang, weil er die Verflechtungen von Ursachen und Wirkungen sozioökonomischer Verwundbarkeit und Globalisierung treffend ausdrückt. Welche Auswirkungen global ablaufende Prozesse auf die Menschen in Lateinamerika und andere Entwicklungsländer haben, ist nicht eindeutig empirisch belegbar. Bevölkerungsgruppen oder Regionen in Gewinner und Verlierer einzuteilen wird der Komplexität der ablaufenden Prozesse jedoch nicht gerecht. Während die Globalisierungsfolgen auf Volkswirtschaften noch relativ gut statistisch erfasst werden können, erfordert die Untersuchung der Auswirkungen auf Individuen (mikroökonomische Ebene) extrem langwierige und interdisziplinär angelegte Forschungen. Der quantitative Zugang zu Verwundbarkeit und sozialer Ausgrenzung erweist sich als sehr schwierig, Verwundbarkeit ist ein mehrdimensionaler und dynamischer Prozess (Dittrich 2004). Zur Beurteilung von Verwundbarkeit ist die Verknüpfung von externen Verursachungsfaktoren und internen Reproduktionsbedingungen der verwundbaren Gruppen notwendig (Neuburger 2003). Aber auch die Reproduktionsverhältnisse von ausgegrenzten Menschen sind komplex und wandeln sich permanent. Die neuen Formen der Armut lassen sich auch deshalb nur schwer erfassen, weil sie sich wie der Begriff Exklusion schon vermuten lässt im informellen Sektor, in der Subsistenzproduktion oder in der Illegalität abspielen.
Um ein wenig Licht ins Dunkel der komplexen globalen Zusammenhänge zu bringen, schränkte ich im ersten Teil den Begriff Globalisierung pragmatisch auf eine für mich „handhabbare“ und im weiteren Verlauf relevante Dimension ein. Im zweiten Teil konzentrierte ich mich auf die möglichst umfassende Darstellung von Verwundbarkeit. Spätestens hier wird klar, weshalb Globalisierung und Verwundbarkeit immer wieder als multidimensionale Prozesse umschrieben werden. So versuchte ich mich den Auswirkungen der Globalisierung im lateinamerikanischen Kontext von zwei Seiten zu nähern. Ich wählte einige Teilbereiche der wirtschaftlichen Globalisierung (Liberalisierung des Handels und der Finanzmärkte, Privatisierung, internationale Arbeitsteilung) aus, und suchte nach deren sozioökonomischen Auswirkungen in Lateinamerika. Im vierten Teil werden Globalisierungszusammenhänge anhand von Beispielen an bestimmten lateinamerikanischen Orten durch konkrete Akteure vorgestellt. Diese Vorgangsweise ermöglichte mir Zusammenhänge zu erahnen und einen „weitreichenden“ Einblick.
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2. Globalisierung
2.1. Begriffsbestimmung: Globalisierung
Globalisierung ist ein so genannter Beobachtungsbegriff der viele Dimensionen umfasst: Ökologie, Kultur, Wirtschaft, Politik, Angleichung von Lebensweisen und Konsumverhalten, sogar von Wahrnehmung und Bewusstsein. Ich werde mich in dieser Arbeit ausschließlich mit den Folgen der ökonomischen Globalisierung
auseinandersetzen, genauer gesagt mit den nachteiligen Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung auf Menschen in Lateinamerika, dessen Länder allesamt zu den so genannten Entwicklungs- oder Schwellenländern (emerging markets) gerechnet werden. Globalisierung beschreibt den Prozess, durch den Ereignisse, Entscheidungen, Aktivitäten in einem Teil der Welt, bedeutende Folgen für Individuen und Gemeinschaften in weit entfernt liegenden Teilen der Welt haben (Gruppe von Lissabon, in: Müller-Mahn 2002, S. 5).
Globalisierung, bezieht sich auf ein Bündel miteinander verbundener Maßnahmen und Prozesse: Deregulierung, Handelsliberalisierung, freier Wettbewerb, Rückzug des Nationalstaates, Privatisierung, Abbau von Zöllen und Regulierungsmechanismen, Finanzmobilität (Lockern der Bestimmungen für ADI), Öffnung der Märkte und Marktsysteme. Prozesse, die mit Neoliberalismus assoziiert werden. Den Begriff will zwar niemand für sich beanspruchen, es hat sich aber als hilfreich erwiesen diese Bezeichnung zu verwenden, da sie Strukturen umfasst, welche die derzeitige Form der Globalisierung erst ermöglichen. Insofern ist sozioökonomische Verwundbarkeit Resultat der Strukturen, die der Globalisierung zugrunde liegen.
Globalisierung verläuft nicht wirklich global, weil sich nur Teile der Welt an globalen Prozessen beteiligen, während der größte Teil der Menschheit ausgeschlossen bleibt. Scholz (2000) spricht von einer „Restwelt“ mit Globalisierungsverlierern, denn Regionen und Bevölkerungsgruppen haben aufgrund ihrer Strukturen und Potentiale unterschiedlichen Anteil an der Globalisierung und unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten. Die Realität der Globalisierung zeigt, dass nicht zunehmende Verflechtung und breitenwirksame Teilhabe bestimmend sind, sondern ökonomische, gesellschaftliche und räumliche Fragmentierung. Globalisierung ist mit wirtschafts- und sozialräumlichen Ausgrenzungen (Fragmentierung) auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zwischen Gewinnern und Verlierern verbunden (Scholz 2003).
Globalisierung ist für Coy (2001) in jedem Fall in höchstem Maße raumwirksam. Veränderungen im Raum, Exklusion und Inklusion treten besonders in Lateinamerika deutlich zum Vorschein, inwieweit diese Prozesse Globalisierungsfolgen sind, ist für mich nicht immer nachvollziehbar.
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Unumstritten ist, dass sich globale Veränderungen auch in lokalen Entwicklungen niederschlagen. Weltumspannende Handelsbeziehungen sind zwar nicht neu, die aktuelle Dynamik des Welthandels und die zunehmende Abhängigkeit von lokalen und globalen Entwicklungen sind aber aktuelle Erscheinungen. Konzerne organisieren die Wertschöpfungskette global, neue Produktions- und Verteilungsmuster entstehen, Kapital bewegt sich frei dorthin, wo maximale Profite erwartet werden. Durch die gestiegene Flexibilität der Produktion und Kapitalmobilität verlieren Nationalregierungen immer mehr die Kontrolle über Schlüsselsektoren oder verzichten bewusst darauf. Aufbauend auf den Washington Konsensus wurden verschuldete Entwicklungsländer zusätzlich zur Durchsetzung von Strukturanpassungsprogrammen verpflichtet. Die Umsetzung neoliberaler Maßnahmen zur Belebung der festgefahrenen Volkswirtschaften erfolgte zumindest im Falle der Entwicklungsländer nicht ganz freiwillig. Obwohl das das neoliberale Konzept schon eher der Vergangenheit angehört, rücken dessen negative Auswirkungen (finanzielle Instabilität, jobless growth, Umweltdegradierung, Spannungen zwischen Demokratie und Markt) zunehmend ins Bewusstsein. Die neue politische Ökonomie hat soziale Ungleichheiten hervorgebracht, mehr als geographische, daher ist die Einteilung der Welt in erste, zweite und dritte obsolet, man spricht von sozialer Exklusion, Marginalisierung und einer 4. Welt, welche die ersten drei mit einschließt. Auch Scholz (2003) sieht in der Marginalisierung nicht mehr allein ein Problem des Südens, sondern durch Globalisierung hat sie eine neue Dimension angenommen. Große Segmente der Gesellschaft erfüllen im neuen Wirtschaftssystem keine nützliche Funktion mehr, weder als Produzenten noch als Konsumenten (Post und Baud, 2002). Sie erleiden aber die Konsequenzen, zunehmend sind auch Gesellschaftsgruppen in den reichen Industrieländern betroffen. Aus dieser „Logik der Globalisierung“ heraus entstehen nach Scholz (2003) neue Erscheinungsformen und Gruppen von verwundbaren Bevölkerungsschichten.
2.2. Scheingewinner und Überflüssige
Scheingewinner nehmen am globalen Markt teil und profitieren davon. Doch im Gegenzug müssen sie häufig ihre solidarischen und selbst mitgestalteten Netzwerke sowie ihr vertrautes Lebensumfeld aufgeben. Durch Migration geben sie ihre bescheidene Existenzsicherung auf. Diese Gruppe ist besonders verwundbar, denn bei Verlust des Arbeitsplatzes fallen sie meist in die absolute Armut zurück, weil nur selten die ehemals tragenden sozialen Netzwerke zur Verfügung stehen. Zu ihnen zählen vor allem Weltmarktorientierte bäuerliche Produzenten (Neuburger 2003), Informelle
Kleinproduzenten, Handwerker und Händler, Subsistenzbauern und Nomaden, Landlose und Teilpächter, Tagelöhner, strukturell Arbeitslose und Kinderarbeiter, Prostituierte,
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Organspender, Schausteller, Bettler und Kranke (Scholz 2003, S.8), Ströbele Gregor (2001) zählt auch die große Zahl der meist weiblichen Billiglohnarbeitskräfte in transnational agierenden Unternehmen dazu.
Die Überflüssigen werden in der globalisierten Wirtschaft weder als Arbeitskräfte noch als Konsumenten gebraucht, deshalb werden sie auch als „Population redundant“ bezeichnet, doppelt überflüssig. Ihre Erzeugnisse werden überlokal nicht gebraucht und lokal von Second Hand- und Massenimportwaren verdrängt (Scholz 2003). In der globalen Konkurrenz der Orte, Waren, Arbeitskräfte und Informationen haben sie keine Chance, ihr Leistungsvermögen oder andere eigene Ressourcen einzubringen und an den restrukturierenden globalen Verflechtungen teilzuhaben (Neuburger 2003). Die meisten ausgeschlossenen Menschen suchen ihre Existenz als Beschäftigte im Informellen Sektor zu sichern. Dieser umfasst mittlerweile bis zu 70% der gesamten städtischen und nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten Lateinamerikas (Escher 1999, S. 659).
Dort entwickeln Menschen vielfältige Überlebensstrategien, um die Verwundbarkeit zu minimieren: Revitalisierung der Subsistenzwirtschaft, indigenem Wissen und lokalen Produktionsweisen, Tauschringe, zivilgesellschaftliche Netzwerke, informelle Institutionen, sowie Organisation und Produktion im Informellen Sektor (Scholz 2002).
2.3. Der informelle Sektor
Die Ausweitung des informellen Sektors steht im engen Zusammenhang mit fortschreitenden Globalisierung und der damit verbundenen Exklusion der Überflüssigen. Vor allem die 90er Jahre verschlechterten die Rahmenbedingungen der sozioökonomischen Entwicklung in Lateinamerika und führten zu einem eklatanten Anwachsen des informellen Sektors. Im informellen Sektor Lateinamerikas entstanden mehr Arbeitsplätze als im formellen, ca. 50% der Bevölkerung sind darin beschäftigt (Parnreiter 1999, S.89).
„Informeller Sektor“ ist ein Sammelbegriff für alle (wirtschaftlichen) Aktivitäten, die sich der staatlichen Kontrolle und Regulierung entziehen, aber auch über keinen Schutz und keine Unterstützung seitens des Staats erwarten dürfen. Menschen schaffen unter eingeschränkten politischen und ökonomischen Bedingungen diverse
Einkommensquellen. In der Regel handelt es sich nicht um nachhaltige Aktivitäten (Kapitalakkumulation), sondern um Überlebenssichernde Maßnahmen. Für neoliberale Ökonomen sind die Akteure im informellen Sektor die Pioniere der Marktwirtschaft, die sich gegen hinderliche Gesetze und bürokratische Regulierungen durchsetzen, rasch und flexibel reagieren. Zur vollen Entfaltung werden daher weitere Deregulierungen vorgeschlagen (Schneider 1999).
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Die Aktivitäten beziehen sich überwiegend auf die Bereiche Dienstleistung, Handel und Transport, degeneriertes traditionelles Handwerk und innovative handwerkliche Kleinstbetriebe. Drei Teilsektoren werden unterschieden: 1. Kleinbetriebe mit weniger als 10 Beschäftigten und Kleinstbetriebe, die häufig eng mit dem formellen Sektor verknüpft sind. 2. Familienunternehmen, die regelmäßig unbezahlte Familienmitglieder beschäftigen 3. unabhängige Dienstleister, sie sind die Verwundbarsten der Armen (Hilfe im Haushalt, Straßenhandel, Schuhe putzen, Gelegenheitsarbeit, Prostitution). Im informellen Sektor sind vor allem wegen der zyklischen Arbeitskraftnachfrage auch Alte, Kranke und Kinder integriert, denn jede Arbeitskraft muss in Wert gesetzt werden. Für Individuen, Haushalte und chronisch unterkapitalisierte Kleinstunternehmen stellt die ungehemmte Wirkung der Marktmechanismen eine ständige Bedrohung dar (Neuburger 2003). Die neuen Beschäftigungsmöglichkeiten sind sehr stark vom Weltmarkt und den internationalen politischen Beziehungen abhängig.
Um die destruktiven Marktrisiken zu minimieren und mehr Sicherheit zu gewinnen, entstehen parallel zur Ausbreitung selbstregulierender Märkte soziale Netzwerke (Schneider 1999). Die sozialen Strukturen sichern den marginalisierten Gruppen kooperative Effekte wie Durchsetzungskraft, innovative Impulse, sozialen Beistand, Vergrößerung des Kundenstamms, erweiterte Kapitalausstattung, verbesserte Produkte und eine Absicherung des Marktes (Escher 1999). Dadurch wird Verwundbarkeit reduziert und Vertrauen zwischen den Akteuren geschaffen, aber auch Abgrenzung gegen jene, die nicht dazugehören. Für letztere wird ein Netzwerk zum unüberwindlichen Zugangshindernis. So wird die Absicherung von Marktsegmenten und
Einkommensquellen selbst zu einem Element der Konkurrenz (Schneider 1999). Der informelle Sektor ist somit kein eigener selbständiger Wirtschaftskreislauf, sondern integraler Bestandteil und billige Ergänzung des formalen Sektors, mit dem er eng vernetzt ist. Er ist der formalen wirtschaftlichen Organisation sehr ähnlich, es fehlen aber die Rechte. Die fehlenden Handlungs- und Nutzungsrechte (entitlements) bedingen und vergrößern ihre Verwundbarkeit und schränken wiederum ihre Bewältigungsmöglichkeiten drastisch ein (Escher 1999).
Die vom Staat hinterlassene Lücke ruft kriminelle Organisationen auf den Plan, denen die Bevölkerungsgruppen ausgeliefert sind. Dadurch entstehen neue Macht- und Herrschaftsstrukturen. Diese „informale Institutionalisierung“ sorgt aber auch für Recht und Ordnung, daher werden diese undemokratischen Machtstrukturen auch von der Bevölkerung großteils dem rechts- und schutzlosen Zustand vorgezogen.
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2.3. Globalisierung in Lateinamerika
Mit einer konsequenten Importsubstituierenden Industrialisierung erreichten einige lateinamerikanische Länder schon in den 70er Jahren den Status eines Schwellenlandes. Doch waren viele Staaten zu Beginn der 80er Jahre hoch verschuldet (Schuldenkrise), und wiesen erdrückende makroökonomische Daten auf. Inflationsraten über 1000% waren nicht auszuschließen (Boekh 2002). Umschuldungen und Neukredite machte die Wirtschaftspolitik der Staaten von Weltbank, Interamerican Development Bank und IWF und Geberländern abhängig. Denn im Gegenzug forderten die Geberinstitutionen Strukturanpassungsprogramme. Die Öffnung der nationalen Kapital- und Gütermärkte für die internationale Konkurrenz bedeutete das Ende der Industrialisierungspolitik, die nachholende Entwicklung ermöglichen sollte. Stattdessen sollte der institutionelle Ausbau Privatinvestitionen (vor allem für ADI) fördern. Um für die Schuldenrückzahlung Devisen zu verdienen, wurde empfohlen die Exporte zu fördern, die ihrem komparativen Vorteil entsprechen. Dies führte oft zur Weiterentwicklung der ehemals kolonialen Produktlinien im Agrarsektor, Bergbau oder dem Holzschlag (Niggli 2005). Die bis dahin positive sozioökonomische Entwicklung wurde gestoppt, während sich die makroökonomischen Parameter zumindest zeitweise deutlich verbesserten. In einigen wenigen Ländern gelang die Reduzierung der Armutsrate (z.B. in Chile), doch insgesamt war im Jahr 2000 das Armutsniveau relativ höher als in den 80er Jahren (Ströbele- Gregor 2001). Globalisierung sollte Wohlstand für alle und Beseitigung der Armut ermöglichen. Die Ergebnisse der steigenden Wertschöpfung sollten auch zu den Armen durchsickern („trickle-down-Effekt“). Besonders den Entwicklungsländern sollten es dadurch gelingen ihre wirtschaftlichen, infrastrukturellen Schwächen und sozialen Probleme zu bewältigen. Nicht nur WTO, Weltbank, IWF, WHO begeisterte das Konzept der Globalisierung, auch die Wissenschaften, die UNO und Organisationen der EZA hofften dass alle zu Gewinnern werden. Heute ist klar, dass Wirtschaftswachstum und Globalisierungsmaßnahmen alleine nicht reichen. Trotz zeitweise spektakulärer Zuwachsraten des BIP, wie in Brasilien oder Chile entfielen die Einkommenszuwächse fast ausschließlich den oberen 20% der Einkommenspyramide zu (Sangmeister 2001). Mittlerweile zählt die Weltbank die Armutsgruppen in den Entwicklungsländern zu den eindeutigen Verlierern der Globalisierung (Neuburger 2003). Vergleiche auch Abbildung 1 im Anhang. Nach Weltbankschätzungen lebten Ende der neunziger Jahre etwa 12% der lateinamerikanischen Bevölkerung in extremer Armut (weniger als 1US$/Tag), obwohl Lateinamerika im internationalen Vergleich eine Region mit mittleren Einkommen ist (Sangmeister 2001, S.149). Denn nicht Länder sind arm und verwundbar, sondern Menschen. (Von den Staaten Lateinamerikas gehört nur Haiti zu den LDCs - Least developed countries). Es gibt keine Region, in der Wohlstand so ungleich verteilt ist. Die
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Arbeit zitieren:
MSc Alex Glas, 2007, Sozioökonomische „Verwundbarkeit“ durch Globalisierung: Beispiele aus Lateinamerika, München, GRIN Verlag GmbH
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Hauptmerkmale zur Kennzeichnung der Stellung der Entwicklungsländer in...
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