Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Das Mischwesen in Mythologie und Geschichte 4
II 1 Das Schlangenwesen 4
II 2 Wasserwesen 6
III Religiöse Aspekte 9
IV Das Schlangenwesen in Paracelsus Liber de Nymphis Pygmaeis et
Salamandris et De caetersis spiritibus 10
V Die Melusinensage 15
VI Schlussbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 17
2 NA
I. Einleitung
Der Glaube an die Existenz von Mischwesen besteht schon seit der Antike und fand seine Fortsetzung bis ins späte Mittelalter. Diese Wesen wurden als real wahrgenommen und traten besonders in der Mythologie auf. Ihre Gestalt und ihre Eigenschaften waren vielfältig und variabel. Aus dieser Unzahl von Mischwesen soll im folgenden besonders der Themenkomplex Schlangenfrau und Wassernixe behandelt werden. Schlangenwesen an sich nehmen in der Mythologie und der Religion vieler Kulturen eine bedeutende Stellung ein. Mischwesen, die eine Schlangenkomponente besitzen, besitzen oft auch die der Schlange zugeordneten Eigenschaften. Außerdem soll die historische Entwicklung des Glaubens an Mischwesen betrachtet werden und im besonderen die Ausführungen des Theophrastus Bombast von Hohenheim, der als Paracelsus bekannt wurde und als einer der größten Gelehrten des Mittelalters angesehen werden muss. In seinem Werk „ Liber de Nymphis, Pygmaeis et Salamandris, et De caeteris spiritibus“ läßt er sich sehr ausführlich über diese Wesen aus und da er selbst an die Existenz dieser Wesen glaubte, erlaubt diese Schilderung einen interessanten Einblick in das damalige Wissen und die damalige Sichtweise der Welt. Besonders die Schlange wurde in vielen Kulturen verehrt und oft in Verbindung mit der Weiblichkeit gebracht, obwohl diese Wesen besonders im christlichen Glauben für die Sünde und die Lasterhaftigkeit der Frau standen. Aber auch über Wasserwesen, die halb Frau, halb Fisch sind, gibt es eine Unzahl von Erzählungen und Schilderungen aus allen Kulturkreisen und auch religiös sind diese von Bedeutung, da die meisten Quellen, Flüsse und Meere solche Wesen beherbergten, die im Glauben dieser Völker eine große Rolle spielten. Aber auch durch die Ausweitung der Schifffahrt in entlegene Gebiete häuften sich die Geschichten über Meerjungfrauen und Nixen, die meistens eine ganz natürliche Erklärung hatten.
Die Melusinensage stellt eine der bekanntesten Geschichten über ein Mischwesen dar. Die Entwicklung dieser Geschichte soll ebenfalls kurz beleuchtet werden, da sie viele Eigenschaften der zuvor besprochenen Mythen über Mischwesen enthält und von mehreren Autoren aufgegriffen wurde.
3
II. Das Mischwesen in Mythologie und Geschichte
II.1 Das Schlangenwesen
Die Schlange stellt ein sehr komplexes und universelles Symbol dar. Meist ist die Schlange auch durch den Lindwurm und den Drachen zu ersetzen. In ihrer Symbolik ist sie äußerst variabel und kann eine Vielzahl von Dingen darstellen. Sie kann jegliches Geschlecht annehmen und ist auch in der Lage aus sich selbst zu entstehen. Als ein Tier, dass seine Opfer durch einen Giftbiss tötet gilt sie im allgemeinen als heimtückisch und personifiziert Tod und Zerstörung. Selbst der Sündenfall in der Bibel wird durch eine Schlange provoziert. Im Gegensatz dazu steht die Schlange aber auch für Erlösung und Auferstehung, da sie sich periodisch häutet. Eine große Anzahl weiblicher Gottheiten werden von Schlangen begleitet und sollen Eigenschaften wie das Geheimnisvolle, Rätselhafte, Intuition und das Unberechenbare aufzeigen. Ebenfalls ist die Schlange das Symbol für die Unterwelt und für den Zugang zu dem Wissen und der Zauberkraft der Toten. In ihrer chthonischen Bedeutung ist die Schlange der Widersacher der Sonne und stellt den Gegenpart zu allem positiven dar. Doch kann sie auch als Vermittler dieser Kräfte angesehen werden. Die Schlange wird auch häufig mit Fluß- und Wassergottheiten in Verbindung gebracht und nimmt oft die Stellung eines Wächters ein. Als Schicksalsmacht steht sie für Weisheit, Macht, List, Heimtücke, Verschlagenheit, Finsternis, das Böse, die Verdorbenheit und die Versuchung. Die Schlange ist in ihrer Symbolik sie mannigfaltig und auch in so zahlreichen Kulturkreisen vertreten, daß hier nur einige Ausgewählte behandelt werden sollen. In Ägypten steht die Schlange, in Form der Uräus, für göttliche und königliche Weisheit und Macht, aber auch, als Apophis, für Zerstörung und Zwietracht. In der minoischen Kultur wurde die Große Göttin, die Beschützerin des Hauswesens, mit Schlangen in den Händen dargestellt. Auch wurde die Schlange als Zeichen der Fruchtbarkeit und der Unsterblichkeit verehrt. Nicht umsonst stellte die Schlange in späterer Zeit den heilenden Gott Asklepios dar. Auch in der römischen Welt stand die Schlange für Heilung und Erlösung, Fruchtbarkeit und, als Attribut der Göttin Minerva, für Weisheit.
1
Auch in der griechischen Mythologie existieren eine Vielzahl von
Wesen, die mit Schlangen in Verbindung gebracht werden oder selbst schlangenähnlich waren. Erechtheos, ein König von Athen soll zum Beispiel einen Schlangenunterleib besessen haben und wurde von Herse und Aglouros versorgt. Das Erechteion auf der Akropolis geht auf diesen König zurück.
1 Vgl. Cooper, J. C.: Illustriertes Lexikon der alten Symbole. Drei Lilien Verlag. 1986
4
Die Lernäische Schlange bewacht eine Quelle und auch die heilige Quelle des Orakels von Delphi wurde von einer Schlange bewacht.
Die Schlange wird sehr oft mit der Weiblichkeit und mit dem Element Wasser in Verbindung gebracht. Hier existiert die Vorstellung eines Schlangenreiches im Wasser. Besonders in Japan und in Südostasien war diese Vorstellung weit verbreitet. So gibt es in Japan viele Erzählungen über Schlangen, welche die Herrschaft über Flüsse und Seen besitzen. Diese Wasserwesen wurden als höhere Wesen angesehen und dementsprechend verehrt. Besonders in China, in dem lange Zeit der Glaube vorherrschte, daß das Land von allen vier Seiten durch Wasser begrenzt ist, nahmen diese Wesen eine besondere Stellung ein. Schlangenwesen wurden hier auch als Drachen gesehen und diese waren die Herrscher über diese vier Meere, in denen sie in Palästen aus Edelsteinen und Gold wohnten. 2
Die Vorstellung, das Schlangen in Quellen und Gewässern wohnen und über diese herrschen ist auch in Indonesien weit verbreitet. Die mier ringa wohnt in Quellen und Frauen dürfen sich nicht ihr Haar in diesen Quellen waschen, da die Schlange sich sonst in sie verliebt und sie heiratet, was dazu führen würde, daß die Frau wahnsinnig werden würde. Nachts erscheinen diese Schlangen in menschlicher Gestalt und nehmen an den Festen der Menschen teil. Das Motiv einer Heirat mit einem Schlangenwesen ist ebenfalls weit verbreitet. In Taiwan und Japan existiert die sage, daß junge Mädchen von Schlangenwesen in die Tiefe gezogen werden und mit diesen dort leben, oder die Schlange verführt ein Mädchen in Gestalt eines Liebhabers, wobei sich die Braut häufig auch in eine Schlange verwandelt. 3 In der germanischen Mythologie existiert die Sage
von der Midgardschlange, die literarisch und bildlich ausführlich überliefert ist. Diese ist eine gewaltig, erdumspannende Schlange, die im Weltmeer liegt und auch das Chaosungeheuer genannt wird. Diese hat einen festen Platz in der nordischen Götterwelt. 4
Doch auch das Motiv der Schlangenbraut tritt häufig in Mythen auf. Da die Melusinensage später noch behandelt werden soll, sind diese Erzählungen sehr interessant, da sie oft Gemeinsamkeiten aufweisen. So erzählt die japanische Geschichte „ Die Glocke vom Mii-Tempel“ folgende Begebenheit. Nachdem einer junger Mann am Strand eine Schlange gerettet hat, die von Kindern getötet werden sollte, erscheint
2 vgl. Egli, Hans: Das Schlangensymbol. Freiburg. 1985 S.73
3 Ebd.S.85
4 vgl. Müller, Ulrich: Dämonen, Monster, Fabelwesen. St. Gallen. 1999 S.132
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Arbeit zitieren:
Martin Scherf, 2001, Das Motiv des Mischwesens, München, GRIN Verlag GmbH
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