Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................... i
Abbildungsverzeichnis iii
Tabellenverzeichnis. iv
Abk ürzungsverzeichnis. v
1 Einleitung. 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELE DER ARBEIT. 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 2
2 Theoretische Grundlagen. 4
2.1 DER DIREKTINVESTITIONSBEGRIFF 4
2.2 EINORDNUNG IN DAS KLASSIFIZIERUNGSKONZEPT VON
AUSLANDSAKTIVIT ÄTEN 6
2.3 FORMEN DER DIREKTINVESTITIONSTÄTIGKEIT IM AUSLAND. 9
2.4 BETRACHTUNGSEBENEN FÜR DIREKTINVESTITIONEN. 12
2.5 DIE THEORIE DER DIREKTINVESTITION 13
2.5.1 Die Klassische Kapital-Theorie 13
2.5.2 Die Theorie des monopolistischen Vorteils nach Hymer/Kindleberger 14
2.5.3 Die Theorie der oligopolistischen Reaktion nach Knickerbocker 15
2.5.4 Die Produktlebenszyklus-Theorie nach Vernon 16
2.5.5 Die Behavioristische Theorie nach Aharoni 17
2.5.6 Der Handelschrankenansatz. 18
2.5.7 Die Standort-Theorie. 19
2.5.8 Das Eklektische Paradigma von Dunning. 20
3 Der ungarische und rumänische Transformationsprozess. 23
3.1 GRUNDZÜGE DER TRANSFORMATIONSTHEORIE. 23
3.2 UNGARN UND RUMÄNIEN VOR DEM SYSTEMWECHSEL. 24
3.3 POSTSOZIALISTISCHER TRANSFORMATIONSPROZESS UND AKTUELLER
REFORMSTAND 27
4 Die Standorte Ungarn und Rumänien im Vergleich 32
4.1 GEOGRAPHISCHE LAGE. 33
4.2 BEVÖLKERUNG UND HUMANKAPITAL 34
4.3 MAKROÖKONOMISCHE INDIKATOREN 37
4.3.1 Bruttoinlandsprodukt 38
4.3.2 Geldpolitik: Inflation, Leitzins und Wechselkurs 44
4.3.3 Arbeitslosenquote. 47
i
4.3.4 Fiskalpolitik: Staatshaushalt und Staatsverschuldung 48
4.3.5 Außenwirtschaft: Handelsbilanz, Leistungsbilanz und
Auslandsverschuldung 49
4.4 POLITISCHE SITUATION 51
4.5 SOZIO-KULTURELLE ASPEKTE 53
4.5.1 Kulturdimensionen nach Hofstede. 54
4.6 NATÜRLICHE RESSOURCEN 57
4.7 RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN FÜR INVESTITIONEN. 57
4.7.1 Steuerrecht und steuerliche Investitionsanreize. 57
4.7.2 Arbeitsrecht. 60
4.7.3 Grundzüge des Gesellschaftsrechts. 61
5 Ausländische Direktinvestitionen in Ungarn und Rumänien 64
5.1 ENTWICKLUNG UND STRUKTUR DER DIREKTINVESTITIONEN 64
5.1.1 Postsozialistische Entwicklung der Direktinvestitionsaktivitäten 64
5.1.2 Direktinvestitionsbestände nach Sektoren und Ursprungsländern. 68
5.2 CHANCEN UND RISIKEN DER DIREKTINVESTITIONSTÄTIGKEIT 71
5.2.1 Chancen der Direktinvestitionstätigkeit in Ungarn. 71
5.2.2 Risiken der Direktinvestitionstätigkeit in Ungarn 73
5.2.3 Chancen der Direktinvestitionstätigkeit in Rumänien 76
5.2.4 Risiken der Direktinvestitionstätigkeit in Rumänien 80
5.3 EXPERTENMEINUNGEN ZUR ATTRAKTIVITÄT DER
INVESTITIONSSTANDORTE 83
5.3.1 Der FDI Confidence Index. 84
5.3.2 Konjunkturbericht Mittel- und Osteuropa 2006. 85
6 Fazit. 89
Literaturverzeichnis. vii
Anhang xv
ii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Internationalisierungsformen im Ausland
Abbildung 2: Der Entscheidungsprozess der Internationalisierung bei Dunning
Abbildung 3: Jährliche Veränderungsrate des BIP in der Periode 1989-1994
Abbildung 4: Länderprofil Ungarn und Rumänien: Basisdaten
Abbildung 5: Reale Wachstumsrate des BIP in Prozent in Ungarn und Rumänien
Abbildung 6: BIP je Einwohner (tausend Euro) in Ungarn und Rumänien
Abbildung 7: Entstehungsseite des BIP: Wertschöpfungsanteil der Sektoren und
sektoraler Anteil der Beschäftigung in Prozent des BIP.
Abbildung 8: Inflationsrate in Rumänien, Veränderung zum Vorjahr in Prozent,
Jahresdurchschnitt
Abbildung 9: Inflationsrate in Ungarn im Jahresdurchschnitt, Veränderung zum
Vorjahr in Prozent.
Abbildung 10: Zwillingsdefizit in Ungarn: Haushaltssaldo in Prozent des BIP (links),
Leistungsbilanzdefizit und Direktinvestitionen in Mrd. USD (rechts)
Abbildung 12: FDI-Bestand, FDI-Zuflüsse und FDI-Bestand pro Kopf in Ungarn und
Rum änien.
Abbildung 13: FDI-Bestand Ende 2003 nach Sektoren und Ursprungsländern in Ungarn
Abbildung 14: FDI-Bestand 1991-2004 nach Sektoren und Ursprungsländern in
Rum änien.
Abbildung 15: Produktivitätsunterschiede in Transformationsländer: Umsatz pro
Mitarbeiter (in Prozent relativ zur Ukraine)
Abbildung 16: Steigerung der Löhne auf Euro-Basis in Prozent im Zeitraum 200 bis
2002.
Abbildung 17: Arbeitskosten in Mittel- und Osteuropa
Abbildung 18: Wahrnehmung der Korruption in Rumänien.
Abbildung 19: FDI Confidence Index 2005.
Abbildung 20: Länderprofil Ungarn: Wirtschaftsindikatoren
Abbildung 21: Länderprofil Rumänien: Wirtschaftsindikatoren
Abbildung 22: Demographischer Wandel zwischen 2000 und 2050 in Ungarn
Abbildung 23: Demographischer Wandel zwischen 2000 und 2050 in Rumänien.
Abbildung 24: Die größten Multinationalen Unternehmen in Ungarn im Jahr 2000 ( in
Mio. USD)
Abbildung 25: Die größten Multinationalen Unternehmen in Rumänien im Jahr 1999.
iii
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Transition Indicators der Jahre 1991 und 2005 in Ungarn und Rumänien ........30 Tabelle 2: Bildungsabschlüsse nach Altersgruppen: Anteil der Personen mit
Tabelle 3: Verwendungsseite des BIP: Hauptkomponenten in Prozent des BIP ..................43 Tabelle 4: Hofstedes Kulturdimensionen für Ungarn und Rumänien....................................55 Tabelle 5: Ungarische und rumänische Handelsgesellschaften...............................................62
iv
Abkürzungsverzeichnis
AHK Außenhandelskammer
Benchmark Definition of Foreign Direct Investment, 3 rd Edition BD3
BIP Bruttoinlandsprodukt
BNR Banca Naionalý Romýn (Rumänische Nationalbank)
Balance of Payments Manual, 5 th Edition BPM5
CMEA
COMECON Council for Mutual Economic Aid, auch: CMEA (Deutsch: RGW)
DIU Direktinvestitionsunternehmen
EBRD
FDI Foreign Direct Investment (Ausländische Direktinvestitionen)
FPI Foreign Portfolio Investment (Ausländische Portfolioinvestitionen)
HUF Ungarische Forint
i.d.R. in der Regel
IWF Internationaler Währungsfonds
KKP Kaufkraftparitäten
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
M&A Mergers and Acquisitions
MNU Multinationales Unternehmen
MOE Mittel- und Osteuropa
RGW Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (engl.: COMECON)
ROL
RON Neue Rumänische Lei (Singular: Neuer Rumänischer Leu)
S&P Standard and Poor’s
USD US-Amerikanische Dollar
vi
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 1: Einleitung
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziele der Arbeit
Die Bedeutung von ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in der globalen Wirtschaftsentwicklung und -integration ist seit den 1990er Jahren stark gestiegen. Als wichtige treibende Kräfte für diese Entwicklung können der weltweite Trend zur Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung, die Zunahme des Wettbewerbs zwischen Ländern als Wirtschaftsstandorte sowie die Intensivierung des Wettbewerbs zwischen Unternehmen identifiziert werden. 1 Dabei stellen insbesondere die Staaten Mittel- und Osteuropas (MOE) attraktive Zielländer für FDI dar. Beispielsweise hatten Expertenmeinungen zufolge Ende des Jahres 2004 bereits 44% aller deutschen Unternehmen Betriebsteile nach Osteuropa verlagert. Immer mehr internationale Unternehmen gründen Tochterunternehmen oder Zweigniederlassungen bzw. akquirieren andere Unternehmen in dieser Region. 2 Der Bedeutungszuwachs der MOE-Region kann zum einen auf die Öffnung der Länder nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, zum anderen auf die Erweiterung des Binnenmarktes in der Europäischen Union sowie anderer Wirtschaftsgemeinschaften zurückgeführt werden. 3 Am 1. Mai 2004 wurde die Europäische Union um zehn Staaten erweitert, am 1. Januar 2007 werden mit Bulgarien und Rumänien höchstwahrscheinlich zwei weitere Länder aus der mittel- und osteuropäischen Region hinzukommen. 4 Während Ungarn mitunter als Reformvorreiter unter den Ländern Mittel- und Osteuropas angesehen werden kann und schon früh erste Direktinvestitionszuflüsse verzeichnen konnte, galt Rumänien lange Zeit als Nachzügler unter den Transformationsstaaten. 5
Vor diesem Hintergrund besteht das Hauptziel der nachfolgenden Arbeit darin, die beiden Investitionsstandorte Ungarn und Rumänien hinsichtlich ihrer Ausgangsbedingungen, Transformationsprozesse sowie aktuellen ökonomischen, politisch-rechtlichen und sozio-
1 Vgl.Grosch, U. (2003), S. 137.
2 Vgl. Mackebrandt, L. et al. (2004), S. 1, sowie Grosch, U. (2003), S. 137.
3 Vgl. Dicke, H./Foders, F. (2000), S.
4 Zu den Beitrittsländern am 1. Mai 2004 zählen Ungarn, Tschechien, Polen, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern.
5 Vgl. Ferris, S. et al. (1994), S. 82 sowie Bayerische Landesbank (2006a), S. 4.
1
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 1: Einleitung
kulturellen Standortfaktoren zu vergleichen und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Direktinvestitionstätigkeit internationaler Unternehmen zu untersuchen.
Im Rahmen einer Analyse der aktuellen und zukünftigen Chancen und Risiken von Direktinvestitionen sollen dabei Potenziale, aber auch Barrieren aufgezeigt werden, die internationale Unternehmen bei einer Direktinvestition in dieser Region in ihre Überlegungen einbeziehen sollten.
1.2 Gang der Untersuchung
Die Arbeit kann in die Hauptthemen „Theoretische Grundlagen“, „Transformationsprozess“, „Standortanalyse“ sowie „Ausländische Direktinvestitionen“ untergliedert werden.
Zunächst sollen in Kapitel 2 allgemeine theoretischen Grundlagen für die Analysen im Rahmen der darauf folgenden Kapitel geschaffen werden. Nach einer einleitenden Begriffsbestimmung wird die Direktinvestition von alternativen Formen der internationalen Marktbearbeitung abgegrenzt und in das gängige Klassifizierungskonzept von Auslandsaktivitäten eingeordnet. Im darauf folgenden Abschnitt werden Greenfield Investitionen, Akquisitionen und Joint Ventures als Formen der Direktinvestition beschrieben sowie deren wichtigsten Vor- und Nachteile gegenübergestellt. Das nächste Unterkapitel beschreibt die Betrachtungsebenen der Direktinvestitionen, die sich zum einen nach der Richtung und zum anderen nach der Art der Größen unterscheiden. Abschließend werden die wichtigsten Erklärungsansätze zur Entstehung und Begründung von Direktinvestitionen gegenübergestellt, wobei die einzelnen Theorien kritisch beurteilt werden.
Das dritte Kapitel hat den Transformationsprozess in den beiden Ländern Ungarn und Rumänien zum Inhalt. Dabei werden zunächst wichtige Konzepte und Definitionen zur Reform- und Transformationstheorie vorgestellt. Eine Gegenüberstellung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung vor dem Systemwechsel soll anschließend klären, ob und in wie weit in beiden Ländern unterschiedliche Ausgangsbedingungen für den Reform- und Transformationsprozess nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vorlagen. Darauf aufbauend soll schließlich die postsozialistische Entwicklung der Reformen von der anfänglichen Transformationsrezession bis zum aktuellen Reformstand überblicksartig dargestellt werden.
2
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 1: Einleitung
In Kapitel 4 werden die Standorte Ungarn und Rumänien im Rahmen einer Vergleichsanalyse gegenübergestellt. Den Ausgangspunkt des Vergleiches bilden die geographische Lage der beiden Länder sowie deren Bevölkerungsstruktur bzw. -entwicklung sowie Humankapitalausstattung. Anschließend werden die wichtigsten makroökonomischen Indikatoren voneinander abgegrenzt. Aufgrund seiner hohen Relevanz als Wachstumsindikator soll das Bruttoinlandsprodukt näher erläutert werden, wobei auf dessen Entwicklung und Struktur eingegangen werden soll. Daneben erfolgt ein Vergleich der wichtigsten geld- und fiskalpolitische Indikatoren sowie der Arbeitslosenquote und der bedeutsamsten außenwirtschaftlichen Kennzahlen. Neben den genannten ökonomischen Faktoren werden anschließend die politische Lage sowie wichtige sozio-kulturelle Aspekte der beiden Länder verglichen. Eine Gegenüberstellung der Infrastruktur, der Ausstattung mit natürlichen Ressourcen und der rechtlichen Rahmenbedingungen erfolgt im Rahmen der nächsten Abschnitte.
Der Standortanalyse schließt sich in Kapitel 5 die Betrachtung der ausländischen Direktinvestitionstätigkeit in den beiden Ländern an. Zunächst wird auf die Entwicklung der Direktinvestitionsströme und -bestände in beiden Ländern seit dem Systemwechsel eingegangen und anschließend die Aufteilung der FDI-Bestände nach Herkunftsländern und Sektoren analysiert. Anschließend erfolgt eine Gegenüberstellung der Chancen und Risiken der Direktinvestitionstätigkeit in Ungarn und Rumänien in Form einer Zusammenfassung der diesbezüglich wichtigsten Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln. Diese werden um weitere wichtige Chancen und Risiken ergänzt. Im abschließenden Unterkapitel werden zwei Expertenmeinungen bezüglich der Attraktivität der Investitionsstandorte abgehandelt. Dadurch soll untersucht werden, ob die Ergebnisse dieser Arbeit empirische Relevanz besitzen.
Im Fazit werden dann die wichtigsten Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst und einige Empfehlungen bezüglich zukünftigem Forschungsbedarfs aufgezeigt.
3
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
2 Theoretische Grundlagen
Bevor eine Analyse der Chancen und Risiken von ausländischen Direktinvestitionen für die beiden Standorte Ungarn und Rumänien im Einzelnen vorgenommen wird, ist es empfehlenswert, sich mit allgemeinen Theorien, Begriffsbestimmungen und Konzeptionen von FDI vertraut zu machen. In diesem Kapitel sollen zunächst ausländische Direktinvestitionen definiert und von alternativen Möglichkeiten der Auslandsaktivität abgegrenzt werden. Anschließend werden die verschiedenen Formen ausländischer Direktinvestitionstätigkeit dargestellt, wobei zum einen eine Differenzierung nach dem Objekt und zum anderen nach der Betrachtungsebene erfolgt. Im letzten Unterkapitel werden die wichtigsten Theorien der Direktinvestition sowie deren Hauptaussagen und Kritikpunkte durchleuchtet.
2.1 Der Direktinvestitionsbegriff
Der Ausdruck „direct foreign investment“ tauchte in der angelsächsischen Literatur bereits 1914 im wegbereitenden Werk von Hobson auf. Dieser definierte den alternativ zu Direktinvestitionen verwendeten Begriff „Auslandsinvestition“ wie folgt:
„...we may say that foreign investments consist of that part of a country and its inhabitants, situated
abroad, from which its owners expect to derive income.” 6
Während bei Hobson also das Ertragsmotiv im Vordergrund stand, wurde das Kontrollmotiv ebenfalls recht früh in den amerikanischen Statistiken des „Department of Commerce“ angesprochen. 7 In diesen werden Direktinvestitionen definiert als
„...the foreign security holdings of United States industrial and commercial corporations which, in so fart
hey possess a majority interest thereby exert control over foreign subsidiaries.” 8
Während es lange Zeit an einer einheitlichen Begriffsbestimmung mangelte, sind heute internationale Wirtschaftsorganisationen um eine Harmonisierung der Definition bemüht.
6 Hobson (1914), S. 1.
7 Vgl. Fischer, A. (2000), S. 20.
8 Hobson (1914), S. 1.
4
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
Kurz nach dem Systemwechsel in den MOE-Staaten konstatierte der Internationale Währungsfond (IWF) einen Krisenzustand bei der statistischen Datenerfassung im Bereich der Zahlungsbilanz und somit auch der Direktinvestitionen. Um diesem entgegenzuwirken erarbeitete der IWF in Kooperation mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) international anerkannte Standards und Konventionen in Form von Leitfäden. Diese sollen eine über verschiedene Ländergrenzen hinweg verständliche, vergleichbare und transparente Zahlungsbilanzstatistik ermöglichen. Das Grundgerüst hierfür bilden die dritte Ausgabe der OECD Detailed Benchmark Definition of Foreign Direct Investment (BD3) und die fünfte Ausgabe des IMF Balance of Payments Manual (BPM5), die im Einklang zueinander stehen. Sie beinhalten die wichtigsten statistischen Konzepte, Definitionen und Klassifikationen von FDI sowie die Bewertung von Strom- und Bestandsgrößen. 9
Im BPM5 wird die Direktinvestition wie folgt definiert:
“Direct investment is the category of international investment that reflects the objective of a resident entity in one economy obtaining a lasting interest in an enterprise resident in another economy. (The resident entity is the direct investor and the enterprise is the direct investment enterprise.) The lasting interest implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence by the investor on the management of the enterprise. Direct investment comprises not only the initial transaction establishing the relationship between the investor and the enterprise but also all subsequent transactions between them and among affiliated enterprises,
both incorporated an unincorporated”. 10
Die beiden wesentlichen Merkmale, die aus dieser Begriffsbestimmung hervorgehen, sind demnach der unmittelbare bzw. signifikante Einfluss des Direktinvestors auf das Direktinvestitionsunternehmen (DIU), was dem Kontrollmotiv entspricht, sowie das langfristige Interesse. Direktinvestoren können private oder öffentliche, Einzelpersonen oder Gruppen mit oder ohne eigene Rechtspersönlichkeit sein. 11 Der IWF definiert ein DUI folgendermaßen:
9 Vgl. IWF (1993), S. 3 oder OECD (1996), S. 3.
10 IWF (1993), S. 86.
11 Vgl. IWF (1993), S. 86-90 oder OECD (1996), S. 8.
5
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
“A direct investment enterprise is defined [...] as an incorporated or unincorporated enterprise in which a direct investor, who is resident in another economy, owns 10 percent or more of the ordinary shares or voting power (for an incorporated enterprise) or the equivalent (for an unincorporated enterprise). Direct investment enterprises comprise those entities that are subsidiaries (a non-resident investor owns more than 50 percent), associates (an investor owns 50 percent or less) and branches (wholly or jointly owned
unincorporated enterprises) either directly or indirectly owned by the direct investor.” 12
Gemäß der Definition muss für das Vorliegen einer Direktinvestition mindestens eine des Direktinvestors am DIU vorliegen. 10%-ige Stimmrechtsbeteiligung
Direktinvestitionsunternehmen kann je nach Anteil und Rechtspersönlichkeit eine Tochtergesellschaft, ein verbundenes Unternehmen oder ein Zweigunternehmen sein. Von FDI abzugrenzen sind laut IWF ausländische Portfolioinvestitionen (FPI). Während das Ertragsmotiv beiden Investitionsarten gemeinsam ist, können die beiden oben erwähnten Merkmale Kontrollmotiv und langfristiges Interesse als Abgrenzung von FDI gegenüber PFI herangezogen werden. Eine Zins- und Liquiditätsmotivation ist somit für das Vorliegen einer Portfolioinvestition maßgebend. Beispiele hierfür sind der Kauf von Aktien, Investmentzertifikaten oder festverzinslichen Wertpapieren. 13 Reine Renditeobjekte oder Maßnahmen zur Absicherung des angelegten Kapitals stellen folglich keine Direktinvestitionen dar. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ergibt sich aus den Transaktionsformen für die Übertragung von Ressourcen. Während Direktinvestitionen sowohl eine monetäre als auch eine reale Form des Kapitaltransfers erfassen, beinhalten Portfolioinvestitionen nur den monetären Kapitaltransfer. 14
2.2 Einordnung in das Klassifizierungskonzept von Auslandsaktivitäten
Im Folgenden sollen ausländische Direktinvestitionen von anderen Optionen des internationalen Markteintrittes abgegrenzt werden. Dies geschieht in Form einer Einordnung in das gängige Klassifizierungskonzept von Auslandsaktivitäten. Demnach werden die Grundformen des Markteintritts im Ausland unterteilt in:
12 IWF (1993), S.86.
13 Vgl. IWF (1993), S. 91f.
14 Vgl. Seifert, H. (1967), S. 33. Einen detaillierter Vergleich bei Fischer (2000), S. 32.
6
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
S Exporte bzw. Importe
S Direktinvestitionen im Ausland
S internationale Technologieverträge
S Kombination der genannten Alternativen. 15
Die Alternative Exporte bzw. Importe kann weiter unterteilt werden in direkte und indirekte Exporte bzw. Importe, wobei nachfolgend beide Formen nur für den Export dargestellt werden sollen. Für Importe gelten die Ausführungen analog. 16 Nach Fischer spricht man von direkten Exporten, wenn alle Erzeugnisse über eine eigene Verkaufsorganisation direkt zum Abnehmer geliefert werden. 17 Der direkte Export kann unter Einschaltung von Gebietsdelegierten bzw. Gebietsdelegierten und Importeuren, über eine eigene Tochtergesellschaft im Ausland, über fremde Importhändler, über Gemeinschaftsvertretungen oder unter Einschaltung von Generalagenten erfolgen. 18 Tritt zwischen dem inländischen Hersteller und dem Empfänger im Ausland ein Mittlerunternehmen auf, das sich auf die Ausfuhr der Erzeugnisse spezialisiert hat (z.B. Überseehäuser, Purchasing Agents, Confirming Houses), so handelt es sich um indirekte Exporte. Je nach Anzahl von inländischen Produzenten, welche die Mittlerunternehmen mit Erzeugnissen bedienen, können nach Fischer zwei mögliche Formen der Organisation von indirekten Exporten vorkommen: der indirekte Import über Exporthändler und der indirekte Export über Exportfirmen. 19
Aufgrund ihrer Relevanz für diese Arbeit wird die Markteintrittsalternative Direktinvestitionen im Ausland sowie deren Gestaltungsformen in einem separaten Kapitel 2.3 abgehandelt.
Internationale Technologieverträge können Lizenz-, Know-how- oder technische Kooperationsverträge umfassen. 20
15 Vgl. Perlitz, M. (2004), S.158.
16 Vgl. Perlitz, M. (2004), S.182.
17 Vgl. Fischer, A.J. (1973), S. 34.
18 Vgl. Fischer, A.J. (1973), S. 33, Perlitz, M. (2004), S. 183f.
19 Vgl. Fischer, A.J. (1973), S. 35, Perlitz, M. (2004), S. 185.
20 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 186.
7
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
Gegenstand eines internationalen Lizenzvertrages ist die Befugnis eines ausländischen Lizenznehmers, Rechte eines inländischen Lizenzgebers zu nutzen, wobei es sich um gewerblichen Rechtsschutz (z.B. Patente, Gebrauchsmuster, Warenzeichen) handelt. Internationale Know-how-Verträge umfassen die Nutzung von technischen bzw. betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, die dem ausländischen Know-how-Nehmer die Produktion bzw. den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen ermöglicht. Im Unterschied zum Lizenzvertrag besteht hier jedoch kein Schutzrecht. Internationale technische Hilfsverträge, die vor allem bei einem Geschäftskontakt mit Entwicklungsländern bedeutsam sind, umfassen die technische Beratung bei der Entwicklungsplanung von industriellen Projekten, die Ausarbeitung technischer Gutachten, die Projektierung und Errichtung von Anlagen sowie technische Schulungen und Investitionsgüterlieferungen. 21
Schließlich kann die Gestaltung der Internationalisierung eines Unternehmens auch durch eine Kombination der vorgestellten Alternativen erfolgen. Beispiele hierfür wären die Einbringung von Technologien gegen Gewährung von Gesellschaftsrechten an einem ausländischen Unternehmen oder die Steigerung von Exporten bzw. Importen eines Unternehmens durch Direktinvestitionen im Ausland. 22 Mischformen zwischen Export und Direktinvestition haben das Ziel, eine Entlastung vom Ertrags- bzw. Verlustrisiko bei gleichzeitiger Kontrolle über das Produkt- oder Prozess-Know-how zu erreichen. 23
Welche der vorgestellten Alternativen zu bevorzugen ist, kann nicht generell gesagt werden. Vielmehr sind Vor- und Nachteile der einzelnen Alternativen gegeneinander abzuwägen. Gesonderte Wirtschaftlichkeitsanalysen können dabei als Entscheidungshilfe herangezogen werden. 24
Eine weitere Möglichkeit der Klassifizierung besteht darin, die verschiedenen Internationalisierungsformen nach dem Umfang der Kapital- und Managementleistung im Ausland bzw. nach der Internationalisierung von Märkten für technologisches Know-how zu differenzieren. Dies wird in Abbildung 1 veranschaulicht.
21 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 633.
22 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 186.
23 Vgl. Fischer, A. (2000), S. 66. Vgl. auch S. 67 für verschiedene Beispiele solcher Mischformen.
24 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 187.
8
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
Abbildung 1: Internationalisierungsformen im Ausland
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Meyer, K.E./Rühmann, P. (1993), S. 63.
Wie Abbildung 1 verdeutlicht, fallen von den genannten Formen der Industrialisierung die letzten drei unter den Begriff der Direktinvestition. Im Gegensatz zum Export bzw. Import ist eine Direktinvestition mit der Einflussnahme auf die Geschäftsführung verbunden, sodass durch diese Form der Kapitalbeteiligung die Übernahme des wirtschaftlichen Risikos einhergeht. 25
2.3 Formen der Direktinvestitionstätigkeit im Ausland
Nach dem Objekt der Investition unterscheiden Mayer/Rühmann folgende drei Arten der Direktinvestition im Ausland:
S Neugründungen
S Akquisitionen
25 Vgl. Meyer, K.E./Rühmann, P. (1993), S. 62.
9
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
S Joint Ventures. 26
Unter einer Neugründung, auch Greenfield Investment genannt, ist die Gründung einer zu 100% beherrschten Tochtergesellschaft zu verstehen, wobei es sich um den Aufbau komplett neuer Betriebsstätten „auf der grünen Wiese“ handelt. Bei dieser Form des Markteintritts, welche vor allem in Entwicklungsländern üblich ist, handelt es sich aufgrund der originären Kombination der Produktionsfaktoren um ein internes
Unternehmenswachstum. 27 Zu den Vorteilen eines Greenfield Investments ist eine bessere Kontrolle und Steuerbarkeit der Marketingaktivitäten im Gastland sowie das Ausschöpfen komparativer Kostenvorteile, wie z.B. geringere Lohnkosten, zu zählen. Darüber hinaus können im Gastland Handelshemmnisse und sonstige rechtliche Vorschriften umgangen werden. Außerdem kann die vollständige Tochtergesellschaft den Status eines einheimischen Unternehmens erreichen, was zu einer höheren Akzeptanz bei den Stakeholdern im Gastland führen kann. Die höhere Flexibilität in Bezug auf länderspezifische Besonderheiten, die bessere Befriedigung der Kundenbedürfnisse durch die erhöhte Kundennähe sowie die drastische Verkürzung des Time-to-Market durch die verkürzten Lieferzeit sind weitere wichtige Argumente, die für eine Neugründung sprechen. 28
Eine Akquisition oder Übernahme ist definiert als Kauf eines Unternehmens, das in Form einer vollbeherrschten Tochterunternehmung in den Unternehmensverbund integriert wird. Aufgrund des Erwerbs von Verfügungsrechten über bestehende Faktorkombinationen handelt es sich hierbei um eine Form des externen Unternehmenswachstums. 29 Im Vergleich zur Neugründung bestehen die Vorteile der Akquisition im vorhandenen und erfahrenen Management, dem schnellen Time-to-Market, der Akzeptanz am Standort, dem vorhandenen Kundenstamm und der logistischen Organisation. 30
26 Vgl. Meyer, K.E./Rühmann, P. (1993), S. 62f. Eine weitere Klassifikation von Direktinvestitionensformen bei Perlitz, M. (2004), S. 185.
27 Vgl. Jost, T. (1997), S.3. sowie Autschbach, J. (1997), S. 78. Weitere Vor- und Nachteile bei Maisch (1996), S. 204ff.
28 Vgl. Zschiedrich, H./Keller, A. (2000), S. 69.
29 Vgl. Autschbach, J. (1997), S. 75.
30 Vgl. Fischer, A. (2000), S.78. Weitere Vor- und Nachteile bei Maisch (1996), S. 204ff.
10
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
Ein Joint Venture 31 liegt vor, wenn die Führungsverantwortung und das finanzielle Risiko aus einem Vorhaben gemeinsam durch mindestens zwei wirtschaftlich und rechtlich voneinander unabhängige Unternehmen übernommen werden. 32 Joint Ventures können nach verschiedenen Kriterien klassifiziert werden. Nach dem Beteilungsverhältnis lassen sich „Mehrheits-Joint Ventures“ (mehr als 50%-ige Beteilung), „Paritäts-Joint Ventures“ (Beteiligung zu gleichen Teilen), sowie „Minderheits-Joint Ventures“ differenzieren. Nach dem Rechtsstatus können Gemeinschaftsunternehmen ohne Staatsbeteiligung von solchen mit Staatsbeteiligung, sog. „Mixed Ventures“, unterschieden werden. Je nach wirtschaftlicher Beziehung der Partner untereinander existieren horizontale, vertikale und diagonale Joint Ventures. Schließlich handelt es sich um ein „Equity-Joint Venture“, wenn eine selbständige Gemeinschafts-Unternehmung mit beidseitiger Kapitalbeteiligung gegründet wird, während das so genannte „Contractual-Joint Venture“ lediglich auf einem Vertrag zur Zusammenarbeit und Unternehmensgründung bzw. Kapitalbeteiligung basiert. 33
Länderübergreifende Akquisitionen und Fusionen werden synonym auch als „Cross- BorderMergers and Acquisitions“ (M&A) bezeichnet. Nach Mayer/Estrin wird in der Literatur mehrheitlich von einer Dichotomie zwischen „Greenfield Investment“ und Akquisition ausgegangen. Die beiden Autoren haben in ihren Untersuchungen darüber hinaus eine Hybridform der beiden Markteinrittsstrategien identifiziert, das so genannte „Brownfield Investment“. Demnach stellen sich viele Investitionen, bei denen es sich dem Anschein nach um eine Akquisition gehandelt hatte, später als „Greenfield“ Investitionen heraus. In solchen „Brownfield“-Fällen akquiriert der ausländische Investor zunächst ein lokales Unternehmen, ersetzt jedoch im Rahmen einer sehr kurzen Restrukturierungsphase - oft weniger als zwei Jahren - fast sämtliche Anlagen, Ausrüstungen und Produktlinien dieses Unternehmens durch eigene Ressourcen. So akquirierte zum Beispiel die Schöller Lebensmittel AG eine Mehrheitsbeteiligung an dem ungarischen Eishersteller Budatej. Kurz nach dem Markteintritt restrukturierte Schöller das erworbene Unternehmen fast vollständig, indem es die Unternehmensinfrastruktur erneuerte, neue Lagerhallen errichten ließ und die lokale Marke,
31 In der Literatur existiert keine einheitliche Definition für die Begriffe Beteiligung respektive Joint Venture. Vgl. zu diesem Problemkreis die weiterführende Literatur bei Autschbach, J. (1997), S. 68. Im Nachfolgenden werden die beiden Begriffe synonym verwendet.
32 Vgl. Autschbach, J. (1997), S. 68.
33 Vgl. Autschbach (1997), S. 69f.
11
DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
die das Image einer geringen Qualität aufgewiesen hatte, durch ihre internationalen Marken ersetzte. 34
2.4 Betrachtungsebenen für Direktinvestitionen
Neben der Objektbetrachtung lassen sich Direktinvestitionen auch nach der Betrachtungsebene differenzieren. Dabei kann zum einen nach der Richtung, zum anderen nach der Art der Größen unterschieden werden. Bei der Richtung der Direktinvestitionstätigkeit ist zwischen den Direktinvestitionen, die aus einem Land in andere Länder fließen (Outward FDI) und den Direktinvestitionen, die aus anderen Ländern in ein bestimmtes Land kommen (Inward FDI), zu differenzieren. 35 Länder, aus denen Investitionen in andere Länder fließen werden Geber-, Herkunfts- oder Ursprungsländer bezeichnet, während Länder, die Ziel von Direktinvestitionen darstellen, als Empfänger- oder Zielländer definiert werden. Hinsichtlich der Art der Größen lassen sich Bestandsgrößen und Fluss- oder Stromgrößen unterscheiden. Im Rahmen einer zeitpunktbezogenen Betrachtung werden als Bestandsgrößen die kumulierten Direktinvestitionsbestände (FDI Stocks) erfasst. Stromgrößen hingegen stellen Zuflüsse bzw. Abflüsse während einer bestimmten Periode dar (FDI Flows), wobei es sich um eine zeitraumbezogene Betrachtung handelt. Häufig werden Daten über Direktinvestitionsbestände bzw. -zuflüsse als Indikatoren für die vergangene bzw. aktuelle und zukünftige Attraktivität eines Standortes herangezogen. Man sollte jedoch beachten, dass solche Informationen nur eine geringe Aussagefähigkeit bezüglich der Wettbewerbstätigkeit eines Standortes bzw. Landes besitzen. 36
34 Vgl. Meyer, K.E./Estrin, S. (2001), S. 576.
35 Da sich diese Arbeit mit der Analyse der Direktinvestitionstätigkeit internationaler Unternehmen in Ungarn und Rumänien befasst, handelt es sich immer um Inward FDI, wenn Direktinvestitionen erwähnt werden.
36 Vgl. Kutschker, M./Schmid, S. (2006), S. 87.
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DIE INVESTITIONSSTANDORTE UNGARN UND RUMÄNIEN IM VERGLEICH Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
2.5 Die Theorie der Direktinvestition
Das internationale Management umfasst verschiedene Theorien des Außenhandels, der Direktinvestition und der Internationalisierung. 37 Diese sind keine eigenständigen Theoriegebilde, sondern liegen vielmehr im Grenzbereich mehrerer
wirtschaftswissenschaftlicher Fachgebiete, insbesondere der Volkswirtschaftslehre, der Investitions-und Finanzierungstheorie, der Industrieökonomik sowie dem
Transaktionskostenansatz. 38 Nach Perlitz können nachfolgende Theorien der Direktinvestition unterschieden werden, welche in diesem Abschnitt erläutert und kritisch beurteilt werden. 39
S Klassische Kapital-Theorie
S Theorie des monopolistischen Vorteils
S Theorie der oligopolistischen Reaktion
S Produktlebenszyklus-Theorie
S Behavioristische Theorie
S Handelsschrankenansatz
S Standort-Theorie
Abschließend soll auch das Eklektische Paradigma von Dunning dargestellt werden. Dieser umfassende Ansatz geht weit über die Theorie der Direktinvestition hinaus und gilt als ein Meilenstein in der internationalen Managementforschung. 40
2.5.1 Die Klassische Kapital-Theorie
Die klassische Kapital-Theorie liefert erste Ansätze zur Erklärung des Zustandekommens von Direktinvestitionen im Ausland, wobei hier noch nicht zwischen FDI und Portfolioinvestitionen unterschieden wird. Direktinvestitionen werden gemäß der Kapital-
37 Inder Literatur existiert keine einheitlich Abgrenzung und Zuordnung der verschiedenen Theorien internationaler Tätigkeit. [Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 65ff, Kutschker, M./Schmid, S. (2006), S. 375, Meckl, R. (2006), S. 25ff, Fischer, A. (200), S. 125ff.]
38 Vgl. Meyer, K.E./Rühmann, P. (1993), S. 62.
39 Vgl. Perlitz (2004), S. 89ff. Eine ausführlichere Darstellung der hier vorgestellten sowie einer Vielzahl weiterer Theorien der Direktinvestition bei Fischer, A. (2000), S.125ff.
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Theorie mit den Unterschieden zwischen den internen Zinsfüßen und den Kapitalkosten im In- und Ausland begründet. Ein Unternehmen wird demnach so lange im Ausland in Sach-und Finanzanlagen investieren, wie die Grenzproduktivität des Kapitals, unter Berücksichtigung von Risikounterschieden, im Ausland größer ist als im Inland.
Lohnkostenunterschiede, Wechselkursänderungen sowie Kalkulationszinsfußdifferenzen zwischen zwei Ländern können ebenfalls das Zustandekommen von Direktinvestitionen erklären. Kritisch anzumerken ist, dass die Theorie auf vielen nicht überprüften und ungenauen Hypothesen beruht und Direktinvestitionen ausschließlich aus der Theorie der Kapitalbewegungen abgeleitet werden. 41
2.5.2 Die Theorie des monopolistischen Vorteils nach Hymer/Kindleberger
Aus dieser Kritik heraus entwickelte Hymer einen Ansatz, der FDI mit dem Motiv der Kontrolle erklärt. 42 Er unterscheidet drei Erklärungsvariablen für das Zustandekommen von Direktinvestitionen: Erhöhung der Sicherheit des im Ausland angelegten Kapitals, Ausschaltung der Konkurrenz im Ausland und Ausnutzung eines monopolistischen Vorteils. Hymer, später auch Kindleberger gehen von der Existenz einer Marktunvollkommenheit aus, die z.B. auf unvollkommene Faktor- bzw. Gütermärkte oder Markteintrittsbarrieren aufgrund von staatlichen Restriktionen zurückzuführen ist. 43 Ein Unternehmen sieht sich, will es die oben erwähnten Erklärungsvariablen im Ausland erfüllen, einer Reihe von Hindernissen konfrontiert. Dazu zählen beispielsweise rechtliche Rahmenbedingungen wie Steuergesetzgebung oder Local-Content-Vorschriften, Transportkosten, Informationsnachteile gegenüber lokalen Unternehmen, aber auch politische Risiken wie Verstaatlichung, Enteignung oder Revolution. Um Direktinvestitionen im Ausland trotz der damit verbundenen Risiken erfolgreich zu gestalten, muss das inländische Unternehmen nach Hymer/Kindleberger versuchen, so genannte Quasi-Monopolgewinne zu realisieren. Darunter sind Wettbewerbsvorteile zu verstehen, die z.B. durch eine überlegene Technologie, einen besseren Zugang zu Kapital oder eine Produktdifferenzierung erreicht werden können.
40 Perlitz, M. (2004) und Kutschker, M./Schmid, S. (2006) zählen das Eklektische Paradigma zu den allgemeineren Theorien der Internationalisierung zählen.
41 Vgl. Aliber, R.Z. (1970), S. 17, Perlitz, M. (2004), S. 90f.
42 Vgl. Hymer, S.H. (1960), S. 23.
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Darüber hinaus versucht die Monopol-Theorie Investitionen mit dem Ziel der Rohstoffgewinnung zu erklären. In diesem Fall kann eine monopolistische Stellung durch die Kontrolle von Rohstoffquellen erlangt werden.
Die Monopoltheorie ist in der Literatur insbesondere aufgrund der Annahme eines monopolistischen Vorteils stark kritisiert und deshalb von einer Reihe von Autoren um Teilaspekte erweitert worden. So können Unternehmen monopolistische Vorteile beispielsweise nach Johnson durch einen Wissensvorsprung 44 oder nach Caves durch Produktdifferenzierung 45 erreichen. Zu den wesentlichen Erklärungsvariablen der Monopol-Theorie, die für die Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie relevant sind, zählen Vorteile in der Beschaffung knapper Ressourcen, in der Finanzkraft, in der Produkt- oder Prozesstechnologie, im Management, aus der Technologieausnutzung und -übertragung sowie Kapazitäts- und Standortvorteile nach der Durchführung der Direktinvestition im Ausland. 46
2.5.3 Die Theorie der oligopolistischen Reaktion nach Knickerbocker In seinen Untersuchungen weist Knickerbocker nach, dass viele multinationale Unternehmen auf oligopolistisch strukturierten Märkten agieren, so dass es zu einem oligopolistischen Marktverhalten kommt. Als typische Reaktionen der oligopolistischen Wettbewerber unterscheidet er dabei zum einen Direktinvestitionen im Ausland als Ergebnis einer Follow-the-Leader-Strategie. Diese Hypothese konnte er anhand einer empirischen Untersuchung von 187 US-amerikanischen Unternehmen bestätigen. 47 Zum anderen können Direktinvestitionen im Ausland als Gegenmaßnahme gegen eine solche im Heimatland des Unternehmens initiiert werden. Graham konnte die empirische Relevanz dieser sog. „Cross-Investments“ nachweisen. 48
Beide Autoren geben zu, dass die Theorie der oligopolistischen Reaktion, auch Theorie des oligopolistischen Parallelverhaltens genannt, nur Teilaspekte einer Theorie der Direktinvestitionen im Ausland erfasst. Braun weist darauf hin, dass Direktinvestitionen auch
43 Vgl. Kindleberger, C.P. (1969), S. 1ff, sowie Hymer, S.H. (1960), S. 23.
44 Vgl. Johnson, H.G. (1970), S. 41.
45 Vgl. Caves, R.E. (1971a), S. 303ff, sowie Caves, R.E. (1971b), S. 1ff.
46 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 93.
47 Vgl. Knickerbocker, F.T. (1973), S. 4ff.
48 Vgl. Graham, E.M. (1978), S. 84ff.
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durch einen so genannten Demonstrationseffekt ausgelöst werden können. Dieser besagt, dass ein Wettbewerber durch Direktinvestitionen im Ausland andere Konkurrenten auf attraktive Investitionsmöglichkeiten in einem bestimmten Land aufmerksam macht und dadurch „Mitläufer-Effekte“ in Form von Folgeinvestitionen in die Wege leitet. 49
2.5.4 Die Produktlebenszyklus-Theorie nach Vernon
Der Lebenszyklus eines Produktes lässt sich gemäß der internationalen Produktlebenszyklus-Theorie nach Vernon in die Phasen Einführung, Reife und Standardisierung unterteilen. 50 Vernon geht davon aus, dass in der Einführungsphase das Innovationsland als Standort für die erste Produktionsstätte gewählt wird. Seine Hypothese liegt zum einen darin begründet, dass Produzenten aufgrund der Freiheit, ihre Inputs verändern zu können, in ihrem Heimatland eine höhere Flexibilität in der Produktion haben als im Ausland. Einen weiteren Grund sieht Vernon darin, dass Neuprodukte wegen der starken Produktdifferenzierung oder der Monopolstellung des Unternehmens eine geringere Preiselastizität der Nachfrage aufweisen. Folglich besteht für die Produzenten ein geringerer Anreiz, aus Kostengründen im Ausland zu investieren. Schließlich begründet Vernon seine Hypothese damit, dass aufgrund der Kundennähe im Inland eine höhere Kommunikationseffektivität erreicht werden kann als im Ausland. Dies ist besonders wichtig, da bei Neuprodukten der Notwendigkeit einer guten Kommunikation zwischen dem Produzenten und dessen Kunden, Lieferanten oder Konkurrenten eine übergeordnete Bedeutung zukommt. 51
In der Reifephase des Produktlebenszyklus sinkt nach Ansicht von Vernon die Notwendigkeit der Flexibilität in der Produktion, während die Preiselastizität der Nachfrage steigt. Das Innovationsunternehmen kann zur Standardisierung übergehen. Gleichzeitig werden die Kosten im Unternehmen stärker berücksichtigt. Zu Anfang werden ausländische Märkte über Exporte bedient. Sind die Produktionskosten im Ausland jedoch niedriger als die
49 Braun, G. (1988), S. 147ff.
50 Vgl. Fischer, A. (2000), S. 176, sowie Autschbach, J. (1997), S. 110. Vgl. im Folgenden auch Vernon, R. (1966), S. 190-207.
51 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 95.
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Diplom-Kaufmann Robert Sebastian Kovacs, 2006, Die Investitionsstandorte Ungarn und Rumänien im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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