Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Zur Sozialen Ungleichheit und der wachsenden Wissenskluft. 2
3. Begriffsdefinition: Lebensstile und Milieus. 3
3.1. Lebensstile. 4
3.2. Milieus. 5
4. Mediennutzung als Zeichen des Lebensstils. 7
5. Medien: Vermittler von Lebensstilentwürfen. 8
6. Untersuchung milieuspezifischer Fernsehnutzung. 9
6.1. Die SINUS-Milieus als Konzept der Milieuforschung. 9
6.2. Fernsehnutzung in den SINUS-Milieus. 11
7. Soziale Folgen der Mediennutzung und Fazit. 13
Literaturverzeichnis. 16
Anlage 1: 18
Abbildung 1 und 2: 19
Abbildung 3 und 4: 20
Abbildung 5 und 6: 21
2
1. Einleitung
Als Mediennutzung wird der Konsum von Medienangeboten bezeichnet. Diese werden mit der Erwartung eine Nutzens oder Belohnens konsumiert, wobei man zwischen Informationsmedien und Unterhaltungsmedien unterscheidet. Die Nutzung von Medien, wie Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet, ist bei vielen Menschen ein Bestandteil des Tagesverlaufs. Nach dem Ergebnis der Massenkommunikationsstudie von ARD und ZDF liegt der durchschnittliche Medienkonsum bei etwa zehn Stunden am Tag. Fernsehen und Hörfunk zählen hierbei zu den meist genutzten Medien 1 . Doch mit welchem Ziel werden Medien genutzt und reflektiert die Individuelle Nutzung einen bestimmten Lebensstil, den man unterschiedlichen sozialen Milieus zuordnen kann? Welche Möglichkeiten bieten sich Ihnen Medien zu nutzen? Führt die Verbreitung der Medien zu einer Vergrößerung oder Verkleinerung von Wissensungleichheiten? Droht gar die Spaltung der Gesellschaft in Informationsreiche und Informationsarme, so dass sich aufgrund der Nutzung soziale Differenzen oder Ungleichheiten feststellen? Die Beantwortung dieser Fragen steht in dieser Hausarbeit im Vordergrund. Beginnend mit der Einleitung befasst sich die Hausarbeit im zweiten Teil mit der Sozialen Ungleichheit und der wachsenden Wissenskluft. Im dritten Teil geht es darum die Herkunft und Definition der Begriffe Lebensstile und Milieus zu klären. Im vierten Teil wird die Mediennutzung als Zeichen des Lebensstils diskutiert. Inwieweit die Medien Lebensstile vorgeben, wird im fünften Teil behandelt. Im sechsten Kapitel werden die SINUS-Milieus als Konzept der Milieuforschung vorgestellt, die im zweiten Abschnitt als Grundlage zur Schreibtischforschung der Fernsehnutzung in den Milieus dient. Die Grundlage dieser Schreibtischforschung wird Fachliteratur und Studien des Instituts Sinus Sociovision sowie die Typologie der Wünsche, die sich mit der Mediennutzung beschäftigt, sein. Im siebten Teil werden anhand der Zusammenfassungen der Ergebnisse versucht, soziale Folgen der unterschiedlichen Mediennutzung aufzuzeigen. Nimmt die Art und Weise der Mediennutzung Einfluss auf die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft und kann man letztendlich zwischen zwei Lagern, die der Informationsarmen und Informationsreichen, unterscheiden? Die Hausarbeit schließt in diesem Teil mit dem Fazit.
1 AS&S (2005): Media Perspektiven 2005
1
2. Zur Sozialen Ungleichheit und der wachsende Wissenskluft Unter sozialer Ungleichheit versteht Stefan Hradil sinngemäß die inhomogene Teilhabemöglichkeit von Menschen oder Gruppen an wertvollen Gütern, wie z.B. Einkommen, Bildungsabschlüsse, Berufsstellung und Prestige, aufgrund ihrer Stellung im sozialen Beziehungsgefüge. Sie beschreibt eine relative Ungleichheit, also eine nicht absolute Gleichverteilung von als wertvoll geltende Güter und damit eine Besser- oder Schlechterstellung innerhalb der Gesellschaft 2 . Doch mit welchen Kriterien wird soziale Ungleichheit gemessen? Beispielsweise geht Hradil davon aus, dass in den Industriegesellschaften die entscheidende Ursache sozialer Ungleichheit im Wirtschaftssystem, in der Erwerbstätigkeit und im Bildungsstand zu finden ist 3 . Inwieweit diese Kriterien zur Untersuchung, ob die Mediennutzung Einfluss auf die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft, ausreichen wird innerhalb dieser Arbeit analysiert. Heutzutage hat das Medienrepertoire hinsichtlich der Information, der sozialen Orientierung sowie der Integration und Meinungs- und Willensbildung eine vielschichtige Aufgabe. Massenmedien, wie Fernsehen, Radio, Presse und Internet, scheinen auf den ersten Blick dazu geeignet zu sein, für eine Gleichverteilung des nötigen Wissens, das rationale Entscheiden und zurechtfinden in der modernen Gesellschaft zu sorgen. Jedoch existieren Studien die so genannten sozialen Kommunikationsbarrieren und ungleichmäßige Informationsverbreitung untersuchen. Das differenzierte Wissen steht bei Werner Wirth im Vordergrund, um die wachsende Wissenskluft zu beleuchten. Es werden fünf Momente aufgezeigt, die das Phänomen der wachsenden Wissenskluft erklären sollen 4 :
• Kommunikationskompetenz: Höher Gebildete besitzen bessere Fertigkeiten des Lesen und Verstehens von politischen oder wissenschaftlichen Informationen.
• Vorwissen: Medienvermitteltes oder durch Schulbildung erworbenes Vorwissen machen die Aufnahme und das Verständnis neuer Informationen leichter.
• Soziale Kontakte: Ein höherer Bildungsgrad vermehrt die sozialen Aktivitäten und damit die Wahrscheinlichkeit von Diskussionen über politische Themen.
2 Vgl. Hradil, S. (1999): S. 30
3 Ebenda: S. 31
4 Vgl. Wirth, W. (1997): S. 19
2
• Selektiver Umgang mit Informationen: Bei höher gebildeten Personen besteht die Fähigkeit zur selektiven Auswahl, Aufnahme und Erinnerung von medialen Informationen.
• Sonderrolle der Printmedien: Politische und wissenschaftliche Themen werden in Printmedien stärker behandelt und von höher gebildeten häufiger genutzt.
Um die konzeptionelle Klarheit zu verbessern, gibt es zudem drei Unterthesen, welche die Wissenskluft unterscheidet 5 :
• Die angebotsbedingte Wissenskluft, die aus einem Ansteigen des Informationsflusses, die von höher Gebildeten genutzt werden, resultiert.
• Die nutzungsbedingte Wissenskluft, bei der höhere Gebildete tatsächlich das vermehrte Informationsangebot nutzt.
• Die rezeptionsbedingte Wissenskluft, bei der höher Gebildete die genutzten Informationen effektiver aufnehmen als niedrigere Gebildete, so dass die Spannweite der Wissenskluft zunimmt.
In einer weiteren empirischen Untersuchung stellt Wirth fest, dass weniger kognitive-und Motivationshintergründe zu Wissensvorteilen führen, sondern die Bildung erneut sich als Einflussfaktor herausstellt. Demnach orientieren sich höher Gebildete stärker an Printmedien und politische Fernsehinhalte als niedriger Gebildete 6 . Geht man davon aus, dass ein wesentlicher Teil vom relevanten Wissen durch Nutzung von Massenmedien akkumuliert wird, ist zu fragen, ob sich Wissensunterschiede durch unterschiedliche Mediennutzung erklären lassen und somit sich die soziale Ungleichheit verstärkt.
3. Begriffsdefinition: Lebensstile und Milieus
Mit Lebensstil- und Milieumodellen werden sozialstrukturelle Veränderungen der Gesellschaft analysiert. Es geht darum aufzeigen zu können, wie sich das Binnengefüge einer Gesellschaft wandelt und bestimmte
Entwicklungsgesichtspunkte verändern. Die Modelle basieren unter anderem auf der
5 Vgl. Wirth, W. (1997): S. 54
6 Ebenda: S. 297
3
Grundlage der gestiegenen Möglichkeiten für Menschen sich materiell mehr leisten zu können als Andere. Sie setzen dort an, wo sich soziale Gruppen nicht mehr nur an objektiven Gesichtspunkten beschreiben lassen und versuchen somit die soziale Ungleichheit in einer modernen Gesellschaft aufzuzeigen. Demnach eignet sich der Lebensstilansatz in seiner deskriptiven Funktion zur genaueren Beschreibung von Gruppen oder Milieus und in seiner theoretischen Funktion zur Erklärung und Beschreibung sozialer Ungleichheit 7 . In den folgenden Kapiteln sollen die beiden Begriffe in Grundzügen definiert werden. Auf weitreichende Modelle kann in hier nicht eingegangen werden.
3.1. Lebensstile
Der Begriff des „Stils“ taucht erstmals im 17. Jahrhundert bezogen auf Sprache und Schrift auf. Soziologische Zugänge setzte beispielsweise Max Weber mit dem Wort der Lebensführung, als charakteristisches Merkmal eines Standes. So sind Formen des Konsums oder bestimmte Werte Ausdruck dieses Begriffs. Durch die Lebensführung gewährleistet man sich nach Weber die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe, den man auch nach außen demonstriert. George Simmel beschreibt im Jahr 1900, im Zuge der Modernisierung, den Lebensstil als Suche nach der eigenen Identität. Die Modernisierungsprozesse bringen Wahlmöglichkeiten und somit auch Identitätskrisen. Thorstein Veblen hingegen sieht den spezifischen Stil der „feinen Leute“ ende des 19. Jahrhunderts, durch Konsum soziale Anerkennung zu erlangen und sich von der Unterschicht abgrenzen zu wollen. Heutzutage bestehen Lebensstildefinitionen eher aus Lebensstilansätze, die beispielsweise in der Marktforschung ihre Anwendung finden. Das Ziel dieser Lebensstilanalysen besteht darin, Produkte oder Produktwerbung gezielt auf den Konsumenten auszurichten 8 . Unter anderem brachte Media Spiegel im Jahr 2007 zum sechsten Mal mit “Outfit 6“ solch eine Studie heraus. Mit Hilfe von Lebensstilen lassen sich heute zusammenfassende Aussagen über einen einzelnen treffen. Wovon jedoch ein Lebensstil abhängt und welche Lebenschancen damit gegeben sind, kann die Marktforschung kaum beantworten. Der weiterreichende Anspruch von Lebensstilmodellen und ihre Entwicklung besteht darin die soziale Ungleichheit
7 Vgl. Haas, A. (2007): S. 47
8 Vgl. Burzan, N. (2007): S. 89ff
4
Arbeit zitieren:
Sophus Vandenburg, 2008, Mediennutzung in sozialen Milieus und Lebensstilen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Soziale Milieus und deren Mediennutzung - Auf dem Weg zu einer digital...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 22 Seiten
Aktuelle makroökonomische Entwicklung und Probleme Chinas
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Seminararbeit, 22 Seiten
Die zukünftige Rolle des Renminbi in Asien
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den USA
Konflikt oder gegenseitige Abh...
Seminararbeit, 19 Seiten
Isolationsfurcht als Bestandteil der Theorie der Schweigespirale - Ei...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 20 Seiten
China: Die Problematik fester Wechselkurse am Beispiel des Dollar-Renm...
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Bachelorarbeit, 43 Seiten
Markenpersönlichkeit - Persönlichkeitsorientiertes Markenmanagement
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Vordiplomarbeit, 74 Seiten
Positionierung von München und Oberbayern als Tourismusdestination i...
Diplomarbeit, 248 Seiten
Die Geld-, Währungs- und Handelspolitik Chinas
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 22 Seiten
Einfluss der Erdöl exportierenden Länder auf das amerikanische Defizit...
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Seminararbeit, 24 Seiten
Leitfaden für die Herstellung von Zeitzeugen-Interviews
Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik
Hausarbeit, 17 Seiten
Unterschiede zwischen Medienrealität und faktischer Realität am Beispi...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
E-Mail-Marketingaktionen planen und durchführen (Unterweisung IT-Syst...
AdA Kaufmännische Berufe / Verwaltung
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 9 Seiten
Die ostasiatischen Volkswirtschaften und das internationale Währungssy...
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Diplomarbeit, 64 Seiten
Sophus Vandenburg hat den Text Mediennutzung in sozialen Milieus und Lebensstilen veröffentlicht
Sophus Vandenburg hat einen neuen Text hochgeladen
Sozialer Wandel und Mediennutzung in der Bundesrepublik Deutschland
Jörg Hagenah, Heiner Meulemann
Soziale Milieus und Wandel der Sozialstruktur
Die gesellschaftlichen Herausf...
Helmut Bremer, Andrea Lange-Vester
Diana Auth, Gotthard Breit, Klaus Detterbeck, Peter Massing, Oscar W. Gabriel, Michael Hofmann
0 Kommentare