1 Einleitung
1.1 Normale Eltern-Kind-Interaktion
1.2 Einführung des Begriffs der Regulationsstörung
2 Exzessives Säuglingsschreien
2.1 Definitionsversuche
2.2 Theorien zur Entstehung
2.2.1 Monokausale Ansätze
2.2.2 Interaktionsmodell
3 Blickkontakt
3.1 Das System des Blickkontakts
3.2 Blickkontaktvermeidung
3.2.1 Funktion der Blickkontaktvermeidung
4 Schlafstörung
5 Fütter-/Gedeihstörung
5.1 Fütterstörungen
5.1.1 Entwicklungspsychopathologische Unterteilung
5.2 Gedeihstörungen
6 Interventionen
6.1 Diagnostik
6.2 Behandlung
6.2.1 Medikation
6.2.2 Ambulante Behandlung
6.2.3 Teilstationäre Behandlung
6.2.4 Stationäre Behandlung
6.2.5 Psychotherapie
6.3 Prognose
7 Bedeutung früher Prävention
Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
1.1 Normale Eltern-Kind-Interaktion
Im Normalfall kann ein Säugling von Geburt an sehen, hören, riechen, schmecken, tasten und sich bewegen. Er ist sofort fähig, mit seinen Sozialpartnern in interaktiven Kontakt zu treten und diese durch verstärkend wirkende Verhaltensweisen wie Schauen, Lächeln und Vokalisieren an sich zu binden. Dem gegenüber steht ein wohl biologisch verankertes intuitives, also nicht bewußtes und rational gesteuertes, Elternprogramm, welches die Eltern sich den kindlichen Fähigkeiten in optimaler Weise anpassen läßt. Das Merkmal, daß das Elternprogramm steuert ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Echtheit (Selbstintegration zwischen Gefühlen, die auf das Selbst gerichtet sind, und solche, die auf Anforderungen der äußeren Welt gerichtet sind). Diese Echtheit ist die Voraussetzung für Sensitivität im Umgang mit anderen, also die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Die Funktionen dieser intuitiven elterlichen Verhaltensweisen sind zum einen didaktischer Art, d.h. es werden Anregungen für kommunikative und kognitive Lernprozesse gegeben, zum anderen fördert es die Entstehung einer vertrauten emotionalen Beziehung zwischen Kind und Eltern..
Die Regulation der Verhaltenszustände ist für ein Baby mit die erste Entwicklungsaufgabe und wird im Normalfall innerhalb der ersten Lebenswochen erworben. Für die Verhaltensregulation des Kindes spielt die vorsprachliche Eltern-Kind-Kommunikation eine entscheidende Rolle. So unterstützen die Eltern den Säugling in Bereichen wie der affektiven Regulation, dem Schlaf-/Wach-Rhythmus und der Regulation der Nahrungsaufnahme. Gleichzeitig fördern sie die Kompetenzen des Kindes, welche es im selbstregulatorischen Bereich schon aufweist. Co-regulatorisch wirken auch positive Zuschreibungen und Interpretationen des kindlichen Verhaltens durch die Eltern. Gelassenheit z.B. führt auch beim Kind zu größerer Ruhe. Negative Deutungen dagegen tragen zur Aufrechterhaltung bzw. Verstärkung bereits bestehender Probleme bei.
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1.2 Einführung des Begriffes der Regulationsstörung
Ein relativ hoher Prozentsatz von Säuglingen weist Schwierigkeiten der Regulation innerhalb der ersten Lebensmonate auf. So fallen beispielsweise etwa 20-29% durch vermehrtes Schreien auf, ca. 30% leiden unter Schlafproblemen und bei etwa 36% kommt es zu Fütterproblemen. Normalerweise gehen solche Schwierigkeiten nach relativ kurzer Zeit wieder zurück, ohne daß professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden mußte. Ein Teil der Säuglinge zeigt allerdings länger anhaltende Verhaltensprobleme, die in Dauer und Intensität stark von der Norm abweichen.
Für diese Symptome wurde der Begriff "Regulationsstörung" gewählt, weil er bewußt unscharf ist und sowohl die Verhaltensregulation/psychosomatische Regulation des Kindes als auch die Beziehungsregulation zwischen Kind und Erwachsenen beinhaltet. Regulationsstörungen lassen sich in Familien aller sozialen Schichten finden. Im Umgang mit diesen Schwierigkeiten herrscht häufig, auch unter Medizinern und sonstigen Fachleuten, relativ große Unsicherheit. Dies liegt vor allem daran, daß die Abgrenzung zum entwicklungspsychologisch normalem Verhalten auf Grund der hohen inter- sowie intraindividuellen Variabilität der Entwicklung extrem schwierig ist. Regulationsprobleme kommen auch oft in unterschiedlichen Kombinationen vor, da die einzelnen Verhaltensbereiche des Säuglings nur unscharf voneinander abgegrenzt sind und noch in engem Reifungs- und Entwicklungszusammenhang stehen. Je mehr Regulationsbereiche allerdings gestört sind, um so wahrscheinlicher ist mit einer gravierenden Beziehungsstörung zwischen Säugling und primärer Bezugsperson zu rechnen. Verschlimmernd wirken sich auch starke psychosoziale Belastungen der Familie auf die Beziehung aus.
Die Genese regulatorischer Probleme läßt sich am besten anhand eines dynamischen Erklärungsmodells beschreiben, daß die Eltern-Kind-Interaktion und -Beziehung in alltäglichen Zusammenhängen stark berücksichtigt, d.h. Störungen und Auffälligkeiten im Säuglingsalter werden im Kontext der Eltern-Kind-Beziehung betrachtet. Diese Modell geht von multiplen Belastungen des Säuglings und seiner Eltern aus, was zu einer
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Beeinträchtigung seiner selbstregulatorischen Fähigkeiten und/oder zu einer Einschränkung der intuitiven elterlichen Förderung führen kann. Risikofaktoren können hier u.a. sein: Häufung psychosozialer Belastungen, Partnerkonflikte, mangelnde Unterstützung der Eltern durch das soziale Umfeld, Streß und Ängste während der Schwangerschaft, Belastungen in/Konflikte mit den elterlichen Herkunftsfamilien, schwieriges Temperament des Kindes, erhöhte Irritierbarkeit des Babys (besonders bei Frühgeborenen), psychisches Befinden der Mutter, falsche Kommunikationsmuster (über/unterstimulierend, inadäquat).
Da Erleben/Verhalten und somatische Reaktionen bei Säuglingen noch eng miteinander verknüpft sind, muß nach diesem Modell bei Auffälligkeiten von Anfang an interdisziplinär vorgegangen werden, das bedeutet, somatische, Beziehungs- und Verhaltensaspekte müssen gleichzeitig berücksichtigt und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Säuglinge mit Verhaltensregulationsstörungen gelten meist als schwierig, weswegen sie bei gleichzeitigen psychosozialen familiären Belastungen dem erhöhten Risiko einer Vernachlässigung oder gar Mißhandlung ausgesetzt sind.
Desweiteren stellen sie eine Risikogruppe dar, in Bezug auf ihre spätere Entwicklung, d.h. sie weisen oft auch in späteren Entwicklungsphasen Auffälligkeiten auf. 2 Exzessives Schreien/"Säuglingskoliken"
Die Schrei- und Unruheneigung des Säuglings innerhalb der ersten drei Lebensmonate hängt eng mit den intensiven Reifungs- und Entwicklungsprozessen zusammen. Für ihn ist Schreien das effektivste Mittel, sein Unwohlsein zum Ausdruck zu bringen. Bei den Bezugspersonen löst es im Normalfall vegetative Reaktionen aus (beschleunigter Herzschlag, Anschwellen der mütterlichen Brüste), was diese in der Regel dazu bringt, sich dem Kind zuzuwenden, auf das Schreien zu reagieren. 3.1 Definitionsversuche:
Bis heute gibt es keine Standarddefinition von Kolik. Das Problem besteht darin das sich der Begriff Kolik etymologisch von dem griechischen Wort Kolon ableiten läßt, was soviel
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Arbeit zitieren:
Julja Hufeisen, 2001, Verhaltensregulations- und Gedeihstörungen im frühen Säuglingsalter, München, GRIN Verlag GmbH
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