I Wilhelm Blume
„Er war der Sohn eines aus altmärkischem Bauerngeschlecht stammenden Wolfenbütteler Schulmanns und so durch die bäuerliche Erdverbundenheit ebenso geprägt, wie durch das pädagogische Engagement des Vaters (ebenfalls Lehrer) der ein Vorkämpfer für den Turn- und Sportunterricht an den Schulen war.“ (Hartkopf,W, der Gründer Wilhelm Blume, Jubiläums Festschrift SIS, Berlin 1982 Wilhelm Blume (* 8. Februar 1884 in Wolfenbüttel; † 17. November 1970 in Berlin) war ein deutscher Pädagoge. Er zählte zur Spitze der Reformpädagogik in der Weimarer Republik. Er war Begründer der Schulfarm Scharfenberg in Berlin. Wilhelm Blume studierte Germanistik und Geschichte in Heidelberg und Berlin, und wurde danach Oberlehrer.
Er wurde Lehrer am Humboldtgymnasium in Berlin und gründete 1922 die Schulfarm Scharfenberg, die er bis 1933 und erneut nach dem 2. Weltkrieg leitete. Dieses Jungeninternat war, neben der von Fritz Karsen geleiteten Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln - dem ersten Versuch einer Gesamtschule (Einheitsschule)-, die bedeutendste reformpädagogische Schule im Berlin der Weimarer Republik. Eine Art der Wahrnehmung reformpädagogischer Ideen und Erfahrungen auf Scharfenberg (und bei Blume) war die theoretische Beschäftigung mit der Thematik, wobei - ganz im Sinne der für die Schulfarm zentralen 'Schüleraktivierung' -hervorzuheben ist, dass diese nicht den Lehrern vorbehalten war, sondern vielmehr auch die Schüler miteinbezogen wurden: So las man auf Scharfenberg Neuerscheinungen pädagogischer Literatur sowie Lehrpläne, Prospekte und Zeitschriften, die man sich von den betreffenden Schulen zuschicken ließ - z.B. im November 1924 eine Programmschrift über die Montezumaschule in Kalifornien und im Frühjahr 1927 von Luserke ein neues Jahresheft der 'Schule am Meer'. Die theoretische Beschäftigung diente dem allgemeinen Nutzen der Schule. Darum hatte Blume schon einige Monate nach Gründung der Schulfarm, im September 1922, vorgeschlagen, "Studien über Reformschulversuche zu machen, nicht um eine "Arbeitsgemeinschaft für Pädagogik zu gründen, sondern um über uns ähnliche
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Unternehmungen zu lesen, die uns vielleicht Wertvolles geben." (Haubfleisch, Dietmar: Die Schulfarm Insel Scharfenberg (Berlin) und ihre vielfältigen Vernetzungen mit Personen und Institutionen der Reformpädagogik der Weimarer Republik.), Hamburg 1993,Marburg 1997)
II Geschichte der Insel Scharfenberg
Kaiserreich & Weimarer Republik
Im Jahr 1884 erwirbt der Botaniker Carl August Bolle die Insel Scharfenberg und errichtet ein Landhaus (das „Bollehaus“). Die Erben Bolles verkaufen die Insel Scharfenberg sowie die benachbarte Insel Baumwerder 1909 an die Stadt Berlin, die städtischen Wasserwerke nutzen danach die Inseln. Auf Initiative Wilhelm Blumes, der Studienrat am Tegeler Humboldt-Gymnasium war, werden 1921 die „Untersekundaner“ des Gymnasiums über den Sommer auf der Insel unterrichtet, Blume setzt sich dabei mit Unterstützung der USPD-Stadträtin Klara Weyl gegen eine Direktion der Wasserwerke durch. 1922 spricht sich das Humboldt-Gymnasium gegen eine Wiederholung der „Sommerschule“ aus und Blume gründet mit finanzieller Unterstützung des Versuchsschul- Ausschusses eine „Privatschule des Magistrats Berlin“. Im Jahr 1923 wird der landwirtschaftliche Betrieb auf der Insel unter dem ehemaligen Blume-Schüler und Landwirt Paul Glasenapp mit Schülern als Helfern aufgenommen. Der Schule stehen ab November 1923 93 Morgen (ca. 23 Hektar) Land mit Ställen zur Verfügung, als der letzte Pächter der Wasserwerke die Insel verlässt. Eine Aufbauklasse aus Volksschülern wird gegründet und die ersten Schüler erhalten ihr Abitur, noch in Externenprüfung, jedoch vor dem eigenen Kollegium.
Im folgenden Jahr wird ein Teil der Scheune zu einem Speisesaal ausgebaut und auf dem Scheunenboden ein Schlafsaal eingerichtet. 1927 werden ein Fährhaus und das „Blumehaus“ errichtet, in dem heute ein Unterrichtsraum für Musik mit zwei Übungsräumen, ein Zeichensaal, ein Fotolabor sowie verschiedene Werkstätten für Drucktechniken und Keramik befindet. Im Jahre 1929 wird die Schule in eine städtische Schule mit eigenem Etat
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übergeleitet, 1930 erfolgt die Anerkennung als „staatliche Seminaranstalt zur Ausbildung von Studienreferendaren“.
Da die Schule sich zum Teil mit der Gemeinschaftsarbeit der Schüler selbst versorgte, konnte das Schulgeld relativ gering angesetzt werden. So kam es, dass der Anteil von Schülern aus dem Arbeitermilieu relativ hoch war. Der hohe Stellenwert der Gemeinschaftsarbeit lässt sich auch daran erkennen, dass Arbeitseinsätze (auch unangenehme Arbeiten) niemals als Strafe vergeben wurden, sondern Strafe war immer Ausschluss von der Arbeit. Besonders wichtig aber war es, dass die Scharfenberger Schüler in der Schulkonferenz selbst darüber abstimmten, ob neue Schüler bleiben durften oder zu gehen hatten. Damit fühlten sich die Schüler besonders stark für die Weiterentwicklung der Schule verantwortlich. Drittes Reich
In den Jahren 1932/33 wird die alte Hühnerfarm auf der Insel zum Treffpunkt einer kommunistischen Gruppe um den späteren Widerstandskämpfer und ehemaligen Scharfenberg-Schüler Hans Coppi. Coppi wird 1942 als Mitglied der Roten Kapelle von den nationalsozialistischen Machthabern in Plötzensee ermordet. Seit 1986 erinnert eine Gedenktafel auf der Insel Scharfenberg an Hans Coppi und Hanno Günther, der von 1934 bis 1935 die Schule besuchte und 1942 ebenfalls als Widerstandskämpfer in Plötzensee ermordet wurde.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten übernimmt der bereits 1933 als Internatsleiter eingesetzte Studienrat Felix Scholz, ein aktives Mitglied der NSDAP, die Schulfarm. Schüler, „deren Haltung in nationalpolitischen Fragen ein Verbleiben auf der Insel nicht zulässt“, werden systematisch verdrängt, Wilhelm Blume, der inzwischen Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums war, ermöglicht diesen jedoch Schulbesuch und Abitur auf dem Humboldt-Gymnasium. Ein neues Schulhaus, eine Turnhalle, und Lehrerwohnhäuser entstehen. 1936, nach zwei Jahren im Amt, stellt der Schulleiter Scholz in einem Bericht fest, dass die „Umwandlung der Städtischen Schulfarm Insel Scharfenberg in eine Pflanzstätte nationalsozialistischer Erziehung“ abgeschlossen sei. Zu Ostern 1938 erscheint die kritische Abiturzeitung „Der Kaktus“ als einziges von den Schülern ohne Kontrolle der Lehrer oder der Schulleitung herausgegebenes Dokument während der NS-Zeit.
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Arbeit zitieren:
Markus Bohle, 2009, Schulfarm Scharfenberg als reformpädagogische Einrichtung, München, GRIN Verlag GmbH
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