Gliederung
Einleitung. 4
Erster Teil Die Konstruktion einer bipolaren Geschlechtsidentität 4
1. Geschlechtsidentität. 5
2. Heteronormativität und Bipolarität 8
Zweiter Teil Die Kritik an der Konstruktion einer bipolaren Geschlechtsidentität 10
1. Die Sex-Gender-Theorie als Wegbereiterin 10
2. Die Queer Theory 11
2.1. Von der Bewegung zur Wissenschaft 11
2.2. Queer Studies als Verunsicherungswissenschaft 15
Dritter Teil Fazit 18
Literaturverzeichnis 20
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Einleitung
Mit dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Queer Theory, um zu analysieren, wie sich deren Kritik an der Konstruktion einer bipolaren Geschlechtsidentität äußert. Anders formuliert könnte die Fragestellung daher auch lauten: Sind zwei Geschlechter schon genug oder bereits zuviel?
Dazu will ich im Ersten Teil Begrifflichkeiten wie „Geschlechtsidentität“, „Bipolarität“ und „Heteronormativität“ definieren und zueinander in Bezug setzen, um die normierenden Auswirkungen dieser Konstruktion zu beleuchten.
Im Zweiten Teil widme ich mich der Kritik an eben dieser Konstruktion, welche maßgeblich von der Queer Theory vorangetrieben wird. Dazu ist es unerlässlich, erst einmal die Sex-Gender-Theorie zu betrachten, auf deren theoretischen Errungenschaften die Queer Theory in großen Teilen aufbaut. Darüber hinaus soll durch den geschichtlichen Ausschnitt der sozialen Bewegungen (Homophilen-Bewegung, Homo-Befreiung und Lesbischer Feminismus) aufgezeigt werden, mit welchen gesellschaftlichen Veränderungen sich die genannte Konstruktion konfrontiert sah. Für die Verunsicherungen, die diese „Eigenartigkeiten“ mit sich brachten, liefert die Queer Theory schließlich den theoretischen Überbau.
Um der Konstruktion einer bipolaren Geschlechtsidentität auf den Grund zu gehen, ist der Erste Teil dieser Arbeit in die Abschnitte „Geschlechtsidentität“ und „Hetero-normativität und Bipolarität“ unterteilt. Zwar ist in diesem Fall „das Pferd von hinten aufgezäumt“, da sich die Geschlechtsidentität erst entwickeln kann, wenn die Hete-ronormativität die gesellschaftlichen Grundlagen bildet, die die bipolare Zuschreibung der Geschlechtsidentitäten vornimmt und strukturiert. Allerdings ziehe ich es vor, die wissenschaftliche Chronologie, soll heißen die aufeinander aufbauenden Forschungsstände in ihrer zeitlichen Reihenfolge, vor die eigentliche Chronologie zu stellen. Dadurch können meines Erachtens die gesellschaftlichen Entwicklungen besser abgelichtet werden.
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1. Geschlechtsidentität
Geschlechtsidentität wird „in der Theorie der Sozialisation verstanden als individuelles Selbstverständnis einer Person als ‚Mann’ oder ‚Frau’“ (Hillmann 2007, S. 288), was in dieser Betrachtung die maßgeblichen und (in den meisten Fällen) von Geburt an feststehenden Sozialstrukturkategorien der Geschlechtsidentität sind. Sie „bildet sich nach psychoanalytischen Theorien bereits in der Kindheit durch Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil heraus, wobei geschlechtsspezifische Verhaltenserwartungen und -muster internalisiert werden.“ (a. a. O.) Unter den hier beschriebenen psychoanalytischen Theorien verstehen sich hauptsächlich die Arbeiten des österreichischen Arztes und Tiefenpsychologen Sigmund Freud (1856-1939). Zwar wurde die von Freud um die Jahrhundertwende gegründete Psychoanalyse nicht als eine Sozialisationstheorie sondern vielmehr als eine Heilmethode für psychische Erkrankungen entworfen, dennoch spielt sie eine prägende Vorreiterrolle in der Sozialisationsforschung. Insbesondere für das Verständnis der Entstehung einer Geschlechtsidentität sind Freuds Modellvorstellungen der Instanzen der menschlichen Psyche (Es, Ich und Über-Ich), die Trieblehre und die Entwicklung der Sexualfunktion (einhergehend mit dem Ödipus-Komplex) wichtig, auf die in den folgenden Abschnitten genauer eingegangen werden soll. Es, Ich und Über-Ich
Freud unterteilte den Apparat der menschlichen Psyche in drei interaktive Instanzen, welche er als das Es, das Ich und das Über-Ich bezeichnete. Die älteste dieser psychischen Instanzen ist das Es. Es ist dem Menschen von Geburt an eigen und beinhaltet „alles, was ererbt, von Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, vor allem also die aus der Körperorganisation stammenden Triebe“ (Freud 1994, S. 42).
Da das Es in seiner frühkindlichen Phase auch Sinneswahrnehmungen aus der es umgebenden realen Außenwelt empfängt, welche es u. a. durch Aktivitäten der Muskulatur verarbeiten muss, bildet sich aus seiner Rindenschicht, die diese Aufgaben bislang übernommen hat, die zweite psychische Instanz, das Ich, heraus. „Infolge der vorgebildeten Beziehung zwischen Sinneswahrnehmung und Muskelaktion hat das Ich die Verfügung über die willkürlichen Bewegungen. Es hat die Aufgabe der Selbstbehauptung, erfüllt sie, indem es nach außen die Reize kennenlernt, Erfahrungen über sie aufspeichert (im Gedächtnis), überstarke Reize vermeidet (durch
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Flucht), mäßigen Reizen begegnet (durch Anpassung) und endlich lernt, die Außenwelt in zweckmäßiger Weise zu seinem Vorteil zu verändern (Aktivität); nach innen gegen das Es, indem es die Herrschaft über die Triebansprüche gewinnt, entscheidet, ob sie zur Befriedigung zugelassen werden sollen, diese Befriedigung auf die in der Außenwelt günstigen Zeiten und Umstände verschiebt oder ihre Erregungen überhaupt unterdrückt.“ (Ebenda, S. 42-43) Das Ich übernimmt in dieser Phase der psychischen Entwicklung also die Aufgabe der Moderation vorläufig nur zwischen dem Es und der Außenwelt, später dann auch mit dem Über-Ich. Mit dem Über-Ich bezeichnet Freud die dritte psychische Instanz, die sich circa im fünften Lebensjahr im Ich herausbildet als ein „Niederschlag der langen Kindheitsperiode, während der der werdende Mensch in Abhängigkeit von seinen Eltern lebt“ (Ebenda, S. 43). Es verinnerlicht aus der Interaktion des Ichs mit der Außenwelt, insbesondere mit den Eltern und der gesamten erzieherischen Umwelt, deren Werte und Normen, aus denen sich Rollen, ein Gewissen und Auffassungen über die Welt entwickeln. Das Über-Ich bildet sich nach der Überwindung der ödipalen Phase heraus, welche für die psychische und soziale Reproduktion von Geschlechterrollen und Geschlechtsidentitäten stark prägend ist, worauf später noch genauer eingegangen wird. Trieblehre
Unter Trieben versteht Freud die Kräfte, die das Es auffordern, ein Bedürfnis zu be-kunden. „Sie repräsentieren die körperlichen Anforderungen an das Seelenleben.“ (Ebenda, S. 44) Die Natur der Triebe ist eine konservative, obwohl sie der Ursprung jeder Aktivität sind, da sie immer bestrebt sind, jeden erreichten „Zustand wiederherzustellen, sobald er verlassen worden ist.“ (a. a. O.)
Die zwei Grundtriebe werden in den Eros (auch Liebestrieb) und den Destruktionstrieb (auch Todestrieb) unterschieden. Die beiden wirken „gegeneinander oder kombinieren sich miteinander. So ist der Akt des Essens eine Zerstörung des Objekts mit dem Endziel der Einverleibung, der Sexualakt eine Aggression mit der Absicht der innigsten Vereinigung.“ (Ebenda, S. 45)
Die gesamte Energie des Eros nennt Freud die Libido, welche vorerst im Ich-Es, welche sich noch nicht voneinander gelöst haben, und später allein im Ich aufgespeichert ist. Da sich die Libido zuerst in der Ichliebe äußert, wird dieser Zustand auch als der absolut primäre Narzissmus bezeichnet, welcher später auch in Objektlibido
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Arbeit zitieren:
Michael Becker, 2008, Die Kritik der Queer Theory an der Konstruktion einer bipolaren Geschlechtsidentität, München, GRIN Verlag GmbH
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