Inhalt
Einleitung. 3
Das Abenteuer Boston - ein Überblick 3
Best of Boston 8
Re -. 8
Transrobotism : Of Human-Robot Bondage. 9
Was bleibt von Boston? 10
Literatur 12
Links 12
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Einleitung
In meinem Bericht von der Studienreise nach Boston, Massachusetts, (23.4. - 3.5. 2007) möchte ich im ersten Teil einen kurzen Exkursionsüberblick, in dem auch einige persönliche Impressionen vom Rundherum (Stadt, Institutionen, Organisation etc.) Platz finden sollen, geben.
Im zweiten Teil meines Reports werde ich 2 Themen aus den vielen, die mich beeindruckt haben, kurz behandeln und versuchen, diese mit theoretischen Überlegungen und entsprechender Literatur zu vertiefen.
Im dritten und letzten Teil geht es um die (subjektiven) Überbleibsel der Exkursion. Damit sind Inhalte gemeint, die auch jetzt noch - fast 20 Monate danach - eine Rolle für mich und mein Studium spielen.
Das Abenteuer Boston - ein Überblick
Das Ziel der Studienreise war die Media in Transition 5 (MiT5), eine dreitägige Konferenz, zu der Forscher aus vielen Nationen sich treffen und ihre Projekte vorstellen. Rund um das Programm der MiT5 haben Exkursionsleiter Prof. Theo Hug und Tutor Matthias Amann Treffen mit Forschern und Wissenschaftlern arrangiert, darunter so bekannte wie Ernst von Glasersfeld und Noam Chomsky. Nach einer Vorbereitungsphase von einigen Monaten, in denen das Exkursionsprogramm nach und nach Gestalt annahm und sich jeder aus der kleinen, feinen Gruppe seine persönlichen Highlights herauspicken konnte, begann unsere Reise am Montag, den 23. April 2007. Von München via Paris ging unser Flug nach Boston - Landung um 15 Uhr Ortszeit.
Das International Guest House (IGH) in der Beacon Street wurde unsere Bleibe für die 10 Tage unseres Aufenthalts in der Stadt. Breakfast und Dinner waren im Preis für die Übernachtungen inbegriffen, wobei eine Sache beim Frühstück für mich sehr gewöhnungsbedürftig war: Es gab kein „richtiges“ Brot, nur Toastbrot. Aber das konnte meinen insgesamt sehr guten Eindruck vom IGH nicht trüben. Das Haus beherbergte - dem Namen entsprechend - Klientel aus vielen Nationen. So wurden
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die Mahlzeiten im dafür vorgesehenen Raum im Keller stets von einem Stimmengewirr aus verschiedenen Sprachen untermalt.
Der erste Abend in Neuengland wurde mit einem gemeinsamen Drink in einer Bar in der Nähe des IGH beschlossen.
Am nächsten Tag besuchten wir zum ersten Mal das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Vom IGH aus erreicht man den Campus in ca. 30 Minuten Gehzeit. Den Großteil der Wegstrecke geht man dabei am bzw. über den Charles River, der Boston von Cambridge trennt.
House_n heißt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt des MIT Department of Architecture, an dem u.a. Jennifer Beaudin und Stephen Intille arbeiten. Bei einem vormittäglichen Treffen mit den beiden präsentierten sie uns ihre neuesten Ergebnisse - z.B. die Konzeption einer intelligenten Wohnungseinrichtung, die auf Grundlage von Microlearning beim Lernen von Vokabeln hilft. Abschließend stellten sich Jennifer und Stephen noch unseren Fragen.
Am Nachmittag besuchten wir das MIT Museum und dort eine Diskussionsrunde zum Thema Transrobotism: Of Human-Robot Bondage. Die lebhafte Debatte um die Beziehung Mensch/Maschine und das daraus resultierende menschliche Selbstverständnis empfand ich als sehr anregend. Eine der DiskutantInnen war Sherry Turkle, Begründerin der MIT Initiative on Technology and Self. Ihr Buch Leben im Netz: Identität in Zeiten des Internet (1999) hatte ich schon zu großen Teilen gelesen und ich war begeistert von ihrer Art, das Internet bzw. dessen Gebrauch durch die User psychoanalytisch zu beleuchten. „Wir benutzen Technologie als Modell, um über den Menschen nachzudenken.“ (Turkle 1999, S.34) Ein erster kleiner Spaziergang in die Stadt und das gemeinsame Abendessen im IGH beschlossen den ersten ganzen Tag in Boston.
Am nächsten Morgen war der erste Programmpunkt - noch vor dem Frühstückeine Joggingrunde entlang des Charles River. Dieser Akt großer Willensanstrengung sollte mir nur noch einmal während unseres Aufenthaltes gelingen. Um 9 Uhr waren wir bereits wieder am Gelände des MIT. Im MediaLab trafen wir Dietmar und Susanne, zwei österreichische Studenten am MIT, auf die wir durch einen Artikel im Standard aufmerksam wurden. Die beiden luden uns auf einen Rundgang durch einige Abteilungen ein. Das MediaLab ist eine Fakultät des MIT, in
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der interdisziplinär an Projekten wie z.B. Future of Learning, Society of Mind oder Affective Computing geforscht wird. Ein beeindruckendes Projekt war der Lifelong Kindergarten: In einer großen Werkstatt im Keller des MediaLab arbeiten Forscher mit Legosteinen, Laubsägen usw. sehr kreativ an Möglichkeiten für neue Lernerfahrungen.
Nicht allzu weit vom MediaLab entfernt befindet sich das Stata Building, dessen Architektur ich als außergewöhnlich bezeichnen möchte: Es sieht aus, als hätte man einzelne Bauteile lose und ohne Konzept übereinander gestapelt und dann zusammengeklebt. Im Erdgeschoss gibt es ein Café und in diesem trafen wir um 11 Uhr die Entwicklungspsychologin Edith Ackermann. Auch sie arbeitet an Projekten im Rahmen des MediaLab - z.B. bei David Cavallos Future of Learning an alternativen Lernumgebungen oder an Lernen mit Hilfe von Kunst und Technologie oder auch am OLPC-Projekt. Bei einer gemütlichen Tasse Kakao erzählte sie uns von ihren Projekten und interessierte sich auch für unsere Studienthemen. Nach dem Mittagessen im Legal Seafood trafen wir am Nachmittag Kurt Fendt, Direktor des HyperStudio am MIT. Fendt und sein Team arbeiten an der Entwicklung von Lernmedien. In einer Präsentation stellte er uns gemeinsam mit einer Mitarbeiterin Berliner Sehen vor, das ist ein interaktives Programm mit Videoclips auf Hypertextbasis für den Deutschunterricht.
Anschließend haben wir im MIT Book Store noch nach Büchern und Souvenirs Ausschau gehalten. Nach dem Abendessen im IGH war das Cheers, eine Kellerbar in der Beacon Street, in dem eine bekannte TV-Serie der 1980er spielte, die letzte Attraktion an einem sehr ergiebigen, anstrengenden Tag. Am Donnerstag, den 26.5. 2007, besuchten wir die Universität Harvard. Wir nahmen an einer von dortigen Studenten geführten Tour teil und waren beeindruckt von der Weitläufigkeit des Campusgeländes. Zurück am MIT durften wir bei einer Vorlesung von Henry Jenkins teilnehmen, der u.a. mit seinen Comparative Media Studies versucht, Konzepte aus anderen Fächern gewinnbringend in die
Medienwissenschaften einzubinden. Am späteren Nachmittag durften wir noch am Kolloquium zur Lehrveranstaltung teilnehmen. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt schon so müde, dass mir von diesem nichts mehr in Erinnerung geblieben ist - außer dass ich müde war.
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Zwischen Vorlesung und Kolloquium bei Henry Jenkins hatten wir die große Ehre Noam Chomsky, den bekannten Sprachwissenschaftler und „Michael Moore für Intellektuelle“ (Spiegel Online 2005) zu treffen. Noam Chomsky, Professor für Linguistik am MIT, nahm sich im Stata Building eine halbe Stunde Zeit für unsere vorbereiteten Fragen.
An den nächsten 3 Tagen fand die MiT5, der eigentliche Grund für unsere Reise über den großen Teich, statt. Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz stand diesmal unter dem Motto Creativity, Ownership and Collaboration in the digital Age. Von der Konferenz-Homepage waren uns Programm und Abstracts der Vortragenden bekannt und es lag an jedem Teilnehmer, die für ihn relevanten Sessions und Roundtables aus dem sehr umfangreichen Angebot auszuwählen. Ich habe an den 3 Konferenztagen 9 Veranstaltungen - diese dauerten jeweils eineinhalb bis zwei Stunden - besucht. Das war das Maximum, mehr Information hätte ich nicht verarbeiten können. Es fiel mir im Vorhinein nicht leicht, aus der Fülle von interessanten (und oft zeitgleich stattfindenden) Beiträgen eine Auswahl zu treffen. Dabei waren u.a. Themen wie Folk Cultures and Digital Cultures, What gets shared on YouTube, New Media Literacies (mit einem Beitrag von Theo Hug) oder Fictions about Media Change, um nur einige zu nennen. In jeder Sitzung stellten jeweils 3 oder 4 Vortragende ihre Projekte vor, danach konnten Fragen gestellt werden bzw. fand eine vom jeweiligen Moderator geleitete Diskussion statt. In längeren Pausen zwischen den Vorträgen versuchte jeder, sich so gut wie möglich zu entspannen. Das konnte man bei Kakao und Kuchen vor Ort oder beim Bummel zwischen den Bücherständen in den Gängen, der beste Ort dafür war aber aus meiner Sicht der Boston Common, der älteste öffentlich Park in Boston. Am Samstag, dem zweiten Tag der Konferenz, fuhr ich mit zwei anderen aus unserer Gruppe mit der U-Bahn dorthin zum Entspannen. Dort beeindruckten uns am meisten die Musikerin, die sich neben einem Baum aufgestellt hatte und ihre Lieder zum Besten gab und ein Vater, der mit seinem Sohn Baseball spielte. Am Sonntag, den 29. April 2007, nachdem die MiT5 um 14 Uhr zu Ende war, unternahmen wir einen Ausflug in die Stadt, machten eine Schiffstour entlang der hafenseitigen Skyline von Boston und besuchten das IMAX Kino am Hafen. Das
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Abendessen im IGH und ein Umtrunk im Irish Pub beschlossen ein intensives und ertragreiches Wochenende.
Der darauffolgende Montag war der erste Tag seit dem Ankunftstag in Boston, an dem keine Termine oder Treffen vereinbart waren. Nach einem etwas längeren Morgen im Bett machten wir uns wieder auf in die Stadt. Wir gingen durch die Straßen und besuchten u.a. Quincy Market mit seinen vielen Fast Food Läden, das Bostoner Hard Rock Cafe oder den Life is good Shop. Nach dem entspannenden Montagsprogramm war am Dienstag, 1. Mai 2007, ein Besuch bei Ernst von Glasersfeld angesagt. Der Begründer des Radikalen Konstruktivismus erwartete uns in seinem Haus in Amherst, das wir mit einem Leihauto nach ca. zweistündiger Fahrt landeinwärts erreichten. Bei Tee und Kuchen sprachen wir in entspannter Atmosphäre mit dem renommierten Wissenschaftler, der auch schon an der LFU Innsbruck Vorlesungen gegeben hat und dort vor kurzem den Ehrendoktortitel verliehen bekam, über diverse Themen. Es war ein tolles und für mich prägendes Erlebnis, mit diesem großartigen Denker zu sprechen und ihm bei seinen Antworten und Erzählungen zuzuhören. Schon im Vorfeld der Studienreise hatte ich über und von Ernst von Glasersfeld einiges gelesen und war sehr angetan von seinen erkenntnistheoretischen Überlegungen. Zu sehen und zu hören, wie er es schafft, nach diesem Konzept auch zu leben, war beeindruckend. „Die Theorie des Wissens, die ich entwickelt habe, ist ein Versuch zu zeigen, daß alles, was wir wissen, aus Elementen aufgebaut werden kann, die innerhalb unserer Erfahrung liegen.“ (Glasersfeld 2008, S.224)
Es war ein würdiger Abschluss unserer Begegnungsreihe mit verschiedenen Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung in und um Boston - zustande gekommen durch die vielen Kontakte und Beziehungen, die Prof. Theo Hug mit zahlreichen akademischen Einrichtungen und Wissenschaftlern dort pflegt. Der nächste Tag war der Tag der Abreise aus Boston. Am Vormittag machten wir noch einen letzten Stadtbummel und tauschten unsere verbliebenen Dollar für Mittagessen und Souvenirs ein.
Am späten Nachmittag hob unsere Maschine vom Logan International Airport in Boston ab. Wie schon beim Hinflug wechselten wir in Paris das Flugzeug und kamen am darauffolgenden Tag, Mittwoch mittags, ziemlich erschöpft in München an. Mit
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dem Flughafentaxi legten wir die letzte Etappe unserer Reise zurück - schlafend oder dösend bis nach Innsbruck. Die Reisestrapazen aber hatten sich gelohnt.
Best of Boston
Ich habe aus den vielen Themen 2 für mich besonders wesentliche ausgewählt und nachfolgend bearbeitet.
Re-...
Am Ende der 3tägigen Konferenz MiT5 war mein Kopf schwer. So vieles hatte ich gehört und gesehen, das meiste davon war von Relevanz für meine Interessen mein Studium betreffend. Ich nahm meinen Block und versuchte, meine Gedanken zu Papier zu bringen um meinen Kopf zu entlasten. Schon nach wenigen Zeilen fiel mir auf, wie oft dabei „re-“ vorkam. Ich meine damit die Vorsilbe „re-“, die im englischen Sprachgebrauch im Sinne von wieder, noch einmal, neu oder auch für zurück, (rück)bezüglich verwendet bzw. einem Verb vorangestellt wird. Es war eine beachtliche Anzahl von Wörtern mit „re-“ , die ich in den letzten Tagen gehört hatte und bei einer schnellen Durchsicht der Abstracts zur Konferenz wurden es noch mehr:
Re-use, re-mix, re-invent, re-define, re-call, re-humanize, re-individualize, re-tell, rethink, re-form, re-challenge, re-imagine, re-encourage, re-generate, re-oppose, relive, re-produce, re-quote, re-comsume, re-liberate, re-play, re-collide, re-socialize, re-construct, re-embody, re-flect, re-gain, re-connect, re-value, re-provide, re-lease, re-create, re-inforce, re-name, re-simplify, re-naturalize,… Das sind nur die Wörter, die mir aufgefallen sind. Ich bin sicher, dass es noch wesentlich mehr „re-“s waren.
Die Wiederaufbereitung von bzw. das Bezugnehmen auf Denkweisen und Einfälle von anderen Menschen ist natürlich nicht neu:
Im Prozess der Veränderung „dient die Wiederverwertung und Entwicklung oftmals verschütteter Ideen anderer im Eigenen den Aktanten der Popkultur, um Aufmerksamkeit zu erregen und Themen zu aggregieren; in der Wissenschaft hingegen wählt man sich als
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Aktant in die Netzwerke bisheriger Ansätze ein, um Erkenntnisse zu gewinnen,...“ (Jacke, Kimminich & Schmidt 2006, S.10)
Im Vorhinein hätte ich nie gedacht, dass ich bei der MiT5 auf eine derartige Konzentration von „re-“ Verben treffen würde. Wenn ich mir jetzt das Programm bzw. die Abstracts unter diesem Gesichtspunkt noch einmal vor Augen führe, ist es schon weit weniger verwunderlich. Wenn es in Vorträgen um Themen geht wie Copyright und Authorship oder um Inhalte (Geschichten, Sounds, Bilder,...), die von einer (Sub-)Kultur zu einer anderen transferiert werden und dort neue Bedeutungen erlangen, dann kann das „re-“ im Sinne von neu oder wieder in seiner Häufigkeit nicht mehr überraschen.
Die MiT5 stand für mich rückblickend nicht nur im Zeichen von Creativity, Ownership and Collaboration in the digital age, sondern auch und besonders im Zeichen einer kleinen Vorsilbe.
Transrobotism: Of Human-Robot Bondage
Die Diskussionsrunde im MIT Museum am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Boston war von besonderem Interesse für mich. Sherry Turkle, deren Arbeit ich bereits auszugsweise kennen gelernt hatte (siehe oben), machte in ihrem Beitrag die Gefühle, die Menschen Maschinen entgegenbringen, zum Thema. Sie brachte das Beispiel ELIZA, einem schon 1966 von Joseph Weizenbaum (1923-2008) konzipierten Computerprogramm zur Simulation eines Gesprächspartners, in die Diskussion ein. Weizenbaum, Informatiker der ersten Stunde und später großer Kritiker des Umgangs von Menschen mit Maschinen, führte seine Neuentwicklung damals einigen Probanden (Studenten, die ELIZA mitentwickelt hatten) vor und war überrascht von dem Wunsch einiger, mit ELIZA allein - offenbar über intime Inhaltereden zu wollen: „Die Reaktionen auf ELIZA haben mir deutlicher als alles andere bis dahin Erlebte gezeigt, welch enorm übertriebenen Eigenschaften selbst ein gebildetes Publikum einer Technologie zuschreiben kann oder sogar will, von der es nichts versteht.“ (Weizenbaum 2000, S. 20)
Turkle, die mit Weizenbaum Mitte der 1980er Jahre am MIT gelehrt hat, erzählte in ihrem Beitrag von einer für ihre späteren Forschungen inspirierenden Frage, die das ELIZA Projekt aufwarf: Welche Inhalte konnten so intim sein, dass die Probanden sie lieber mit einem Computerprogramm als mit einem anderen Menschen teilten?
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Sherry Turkle gab darauf auch gleich eine Antwort: Aus ihrer Sicht zeigte das Verhalten der Studenten deren Widerwillen, intime Themen anderen Menschen anzuvertrauen und sich somit in eine Art Abhängigkeit zu begeben. Lieber begaben sie sich in eine „no risk relationship“ (Turkle 2006, S. 352). Turkle meint, dass dieser ELIZA-Effekt in heutigen Mensch-Computer- bzw. Mensch-Roboter-Beziehungen weiterbesteht. Sie warnte am Ende ihres Monologes eindringlich vor dem Gleichsetzen oder sogar Höherbewertens von Beziehungen zu sogenannten „Relational Artifacts“ (Turkle 2006, S. 347) - damit sind interaktive Roboter bzw. Computeranwendungen gemeint, die scheinbar auf menschliche Gefühle reagieren und/oder vorgeben, selbst solche zu haben (Tamagotchis, Furbies oder humanoide Roboter wie Kismet und Cog).
Eine für mich bis heute relevante Frage dazu ist: Welche Rolle können solche „Relational Artifacts“ (ich möchte auch interaktive Web2.0-Anwendungen einschließen) für das menschliche Bedürfnis nach Beziehung und Bindung spielen?
Was bleibt von Boston?
Es sind einige prägende Eindrücke von der Studienreise geblieben. Eine der wichtigsten Erfahrungen für mein Leben war dabei der Besuch bei Ernst von Glasersfeld bzw. im Vorhinein das Beschäftigen mit seinen Theorien. Einige Ideen des Radikalen Konstruktivismus, so wie ich ihn verstehe, haben mein Denken und mein Verhalten beeinflusst. Dieser Einfluss ist noch immer sowohl für mein Studium als auch für mein Privatleben von Bedeutung.
Durch die Begegnungen mit Wissenschaftlern im Rahmenprogramm sowie durch die Teilnahme an der MiT5 haben wir aus nächster Nähe Einblicke in viele aktuelle Projekte an einem der Hotspots der Technik-, Lern- und Medienforschung gewinnen können. Es war bemerkenswert zu sehen und zu spüren, mit wie viel Engagement und Kreativität viele unserer Gesprächspartner unter diesen hervorragenden Rahmenbedingungen zu Werke gehen.
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Ein besonderes Buch, das ich mir an einem der vielen Bücherstände bei der MiT5 gekauft habe, ist The Laws of Simplicity von John Maeda. Es beschreibt in 10 Etappen (die 10 Regeln), wie komplexe Strukturen, Geräte oder Sachverhalte z.B. durch Reduktion, Organisation, Differenzierung oder auch durch Mangelbewusstsein und den bewussten Einsatz von Emotionen überschau- und kontrollierbar gehalten werden können. „Simplicity is about subtracting the obvious, and adding the meaningful.“ (Maeda 2006, S.89)
Ich arbeite momentan parallel zu dieser Arbeit an den Recherchen zu meiner Diplomarbeit. Nach Abschluss des Exkursionsberichtes werde ich mich auf mein Thema Kohut im Web2.0 (vorläufiger Arbeitstitel) konzentrieren. Die Interessen für Web2.0-Anwendungen und für Psychoanalyse waren schon vor dem Aufenthalt in Boston da. Viele Ideen für spätere Semesterarbeiten und besonders für die Diplomarbeit sind durch die Erfahrungen und Begegnungen in Boston dazugekommen.
Auf keinen Fall möchte ich den Erfahrungsgewinn durch die Gruppe unerwähnt lassen. Unsere kleine Abordnung aus Innsbruck hat sich in einigen offiziellen und noch mehr inoffiziellen Treffen (im Weekender) vor (und nach) der Exkursion kennen gelernt und inhaltlich sowie den Ablauf betreffend vorbereitet. Auch wenn zum Teil ganz unterschiedliche Interessen verfolgt wurden, waren wir aus meiner Sicht eine sehr gut harmonierende Gruppe. Vielen Dank für die schöne Zeit und den tollen Zusammenhalt an Barbara, Maria, Theo, Simon, Jeffrey und Matthias.
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Literatur
Glasersfeld, E.V., 2008. Unverbindliche Erinnerungen: Skizzen aus einem fernen Leben, Wien: Folio.
Jacke, C., Kimminich E. & Schmidt S.J., 2006. Kulturschutt: über das Recycling von Theorien und Kulturen, Bielefeld: transcript Verl. Maeda, J., 2006. The Laws of Simplicity, Cambridge MA: The Mit Press. SPIEGEL ONLINE - Noam Chomsky: Der Großvater der Amerika-Kritiker -Nachrichten - Politik. Available at:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,348276,00.html [Zugegriffen Januar 19, 2009].
Turkle, S. u. a., 1999. Leben Im Netz: Identität in Zeiten des Internet, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl.
Turkle, S. u. a., 2006. Relational Artifacts with Children and Elders: The Complexities of Cybercompanionship, S.347 (2006) Available at:
http://web.mit.edu/sturkle/www/pdfsforstwebpage/ST_Relational%20Artifacts.p df [Zugegriffen Januar 27, 2009].
Weizenbaum, J., 2000. Die Macht Der Computer Und Die Ohnmacht Der Vernunft, Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Links
Konferenzhomepage der MiT5:
http://web.mit.edu/comm-forum/mit5/
Podcast zur Transrobotism-Diskussion im MIT Museum am 24. April 2007: http://forum.wgbh.org/content/forum/3413-2007_04_24.mp3
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Arbeit zitieren:
Michael Weissbacher, 2009, Exkursion Boston und MIT5 2007, München, GRIN Verlag GmbH
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