Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Schwierigkeiten einer lesbischen Geschichtsschreibung 4
3 Begrifflichkeiten 5
3.1 Homosexualität 5
3.2 Conträrsexuell 6
3.3 Lesbizismus 6
3.4 Sodomie 6
4 Frauenfreundschaften - Frauenbeziehungen 7
4.1 Das Beispiel Betty Paoli 7
4.2 Frauenfreundschaften und -beziehungen in der Forschung 8
5 Die medizinische und psychiatrische Erforschung der lesbischen
Sexualit ät im 19. Jahrhundert 11
5.1 Dr. Westphal und Frl. N. 11
5.2 Echte und unechte Lesben 11
5.3 Mannweiber 12
5.4 Die Psychiatrisierung homosexuellen Verhaltens 13
5.5 Therapien 13
6 Die Strafwürdigkeit weiblicher Homosexualität 14
6.1 Der Paragraph 175 14
6.2 Ein Versuch der Kriminalisierung des Lesbianismus -
Der Vorentwurf eines Strafrechts für das Deutsche Reich 1909 14
7 Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 18
2
1 Einleitung
In meiner Seminararbeit beschäftige ich mich mit der weiblichen Homosexualität im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Blickpunkt steht dabei die lesbische Frau nicht als handelndes Subjekt, sondern als Objekt der zeitgenössischen medizinischen und psychiatrischen Forschung und der Justiz. Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, wie Homosexualität im Allgemeinen und weibliche Homosexualität im Besonderen medizinisch erklärt wurde und wie Ärzte und Psychiater mit betroffenen Personen umgingen. Außerdem werde ich auf Frauen und ihre Freundschaften und Beziehungen eingehen und zeigen, welcher Art die Beziehungen zwischen Frauen waren, wie die Frauen ihre Gefühle ausleben konnten und wie Beziehungen zwischen Frauen von der Gesellschaft wahrgenommen wurden. Hierbei spielt eine besondere Rolle, wie die lesbische Frau des 19. Jahrhunderts nicht nur im Verhältnis zu den sie umgebenden Männern, sondern gerade im Bezug auf ihre Homosexualität von Zeitgenossen und Historikern gesehen und behandelt wurde. Wird die Homosexualität mit allen romantischen, zärtlichen, politischen und gesellschaftlichen Aspekten gesehen, oder wird sie als bloße sexuelle Praktik wahrgenommen, die aus dem öffentlichen Leben der Frau ausgeschlossen wird? Oder wird sie gar komplett außen vor gelassen? Meine Arbeit stützt sich neben Lexikon-Artikeln und Fachliteratur auch auf zeitgenössische Dokumente, wie zum Beispiel Beiträge aus medizinischen Fachzeitschriften oder Fachzeitschriften für Strafrecht. Beginnen möchte ich meine Arbeit mit einem Kapitel zur Begriffserklärung. Im folgenden Kapitel werde ich Freundschaften und Beziehungen zwischen Frauen und ihre Bedeutung als Forschungsgegenstand beleuchten. Im fünften Kapitel wird es um die psychiatrische und medizinische Erforschung der (weiblichen) Homosexualität gehen. Das sechste Kapitel behandelt die Strafwürdigkeit weiblicher Homosexualität und die Entwicklung des Paragraphen 175. Abschließend werde ich die Ergebnisse meiner Arbeit zusammenfassen und die einzelnen Aspekte zu einem komplexeren Bild weiblicher Homosexualität im 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts zusammenfügen.
3
Doch bevor ich spezielle Aspekte der weiblichen Homosexualität beleuchte, möchte ich einige allgemeine Worte über die Schwierigkeiten einer Frauen- und besonders einer lesbischen Geschichtsschreibung verlieren.
2 Schwierigkeiten einer lesbischen Geschichtsschreibung
Ist es in einer patriarchalischen Gesellschaft schwierig, die Geschichte von Frauen zu schreiben, so ist es noch schwieriger, die Geschichte lesbischer Frauen zu schreiben. Die Suche nach geeigneten Quellen erweist sich als schwierig, da lesbische Frauen für gewöhnlich keine Aufzeichnungen über ihr Leben hinterlassen. Falls doch, findet man in ihnen keine eindeutigen Hinweise auf ihre Sexualität, da sie sich, um die Gefahren in einem „für lesbische Frauen feindseligen Klima“ 1 wissend, auf die Beschreibung des „öffentlichen Lebens“ beschränken. Daneben ist es auch möglich, dass existierende Aufzeichnungen unterdrückt wurden, beispielsweise von Familienmitgliedern, die nur die Veröffentlichung unverfänglicher Dokumente gestatten. In einer Gesellschaft, in der die soziale Stellung einer Frau häufig bestimmt war durch die Beziehungen zu Männern, zu ihrem Vater, ihrem Ehemann, ihrem Sohn oder auch zu Lehrern und Kollegen, bleiben enge
Beziehungen zu anderen Frauen leicht unbeachtet. Sei es, dass sie bewusst verschwiegen werden oder dass ihnen ob des generellen Desinteresses an Freundschaften keine Beachtung geschenkt wird.
Darüberhinaus ist es auch möglich, dass geleugnet wird, dass eine Frau lesbisch gewesen sei. Lange Zeit konnte man beweisen, „dass eine Frau nicht lesbisch gewesen sei, wenn sie für Männer attraktiv war […] oder feminin […] oder wenn sie Männer mochte.“ 2 Denn lesbische Frauen waren unattraktive, vermännlichte Männerhasserinnen.
Ein weiterer Grund für den Mangel an geeigneten Quellen ist der „Einfluss der heterosexuell geprägten Kultur“ 3 , der es uns - leider bis heute - offenbar schwermacht, offen über Homosexualität zu sprechen. Lesbisch sein, das bezog sich lange nur auf sexuelle Praktiken, alle anderen Aspekte, politische, intellektuelle und
1 Lesbian History Group (hrsg.): … und sie liebten sich doch!. Lesbische Frauen in der Geschichte;
1840-1985, Göttingen 1991, S. 4. (Im Folgenden zitiert als Lesbian History Group, Lesbische Frauen)
2 Lesbian History Group, Lesbische Frauen, S. 6.
3 Lesbian History Group, Lesbische Frauen, S. 7.
4
emotionale, spielten keine Rolle. Daher wurden lange Zeit Beweise gefordert für die Homosexualität von Frauen, Belege sexueller Handlungen zwischen Frauen. In einer Zeit, in der wir langsam aufhören, den Begriff „Lesbe“ als eine Beleidigung zu sehen oder ihn nur in Verbindung mit sexuellen Praktiken verwenden, sollte es weniger problematisch sein, anhand von Belegen die These aufzustellen, dass eine Frau lesbisch gewesen ist. 4
3 Begrifflichkeiten
3.1 Homosexualität
Der Begriff Homosexualität wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom österreichischungarischen Schriftsteller Karoly Maria Benkert geprägt, der sich als Arzt ausgab und unter dem Pseudonym Kertbeny schrieb. Das Wort „Homosexualität“ leitete er vom griechischen homoios (= gleich, gleichartig) und dem lateinischen sexus (= das Geschlecht) ab. 5 Der Begriff ist insofern ein unglücklicher, als viele Menschen die Vorsilbe homos für lateinisch halten und mit „Mann“ übersetzen, Homosexualität also als Geschlechtsverkehr zwischen Männern sehen. 6
Der Arzt und Professor für Psychiatrie Dr. Richard von Krafft-Ebing trug wesentlich dazu bei, dass der Begriff negativ konnotiert wurde. Er sah nahezu jede sexuelle Handlung als einen psychopathischen Akt und so harmlose Menschen wie ein Mann, der gern den Duft von Rosen roch oder ein Mädchen, das gern andere Mädchen küsste, siedelte er in der gleichen Kategorie an wie Lustmörder, Leichenschänder und Kannibalen.
So stand lange außer Frage, dass homosexuelle Menschen eine Gefahr darstellten, vor der die Gesellschaft - besonders die Jugend - zu schützen war. 7
4 Lesbian History Group, Lesbische Frauen, S. 3-9.
5 Gindorf, Rolf: Homosexualitäten in der Geschichte der Sexualforschung, in: Sexualitäten in unserer
Gesellschaft. Beiträge zur Geschichte, Theorie und Empirie. (Schriftenreihe Sozialwissenschaftliche
Sexualforschung. Bd. 2) Berlin, New York 1989, S. 14. (Im Folgenden zitiert als Gindorf,
Homosexualitäten)
6 Bornemann, Ernest: Artikel: „Homosexualität“, in: Derselbe (Hrsg.): Lexikon der Liebe und Sexualität,
Bd. 1 München 1969, S.454. (Im Folgenden zitiert als Bornemann, Lexikon Bd. 1)
7 Gindorf, Homosexualitäten, S. 13-14.
5
3.2 Conträrsexuell
Die ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Berliner Psychiater und Neurologen Dr. Carl Friedrich Otto Westphal eingeführten Begriffe „conträrsexuell“, bzw. „conträre Sexualempfindung“ waren zunächst populärer als der Begriff der Homosexualität. 8
3.3 Lesbizismus
Lesbizismus bezeichnet die weibliche Homosexualität, benannt nach der griechischen Insel Lesbos, auf der der Kult der gleichgeschlechtlichen Frauenliebe ausgeübt wurde. Dieser Kult war keine Form des Männerhasses, sondern ein Fortleben kultischer Aspekte alter Mutterreligionen. 9
3.4 Sodomie
Heute meint der Begriff „Sodomie“ im deutschen Sprachgebrauch den Verkehr mit Tieren, im Mittelalter (und im englischen Sprachraum sogar bis heute) bezeichnet er sexuelle Handlungen, die von der Norm des heterosexuellen Vaginalverkehrs abweichen, speziell den hetero- und homosexuellen Anal- und Oralverkehr, in der Hauptsache jedoch gleichgeschlechtliche Sexualität. 10
Abgeleitet wird der Begriff von der biblischen Stadt Sodom. Da in der Bibel nicht erklärt wird, welche Sünden die Einwohner Sodoms und Gomorrhas begangen hatten, ist das Wort eigentlich bedeutungslos. 11
8 Gindorf, Homosexualitäten, S. 14.
9 Bornemann, Ernest: Artikel: Lesbizismus, in: Bornemann, Lexikon Bd. 2, S. 9.
10 Kraß, Andreas: Queer Studies - eine Einführung, in: Derselbe (Hrsg.): Queer Denken. Queer
Studies, Frankfurt a.M. 2003, S. 11. (Im Folgenden zitiert als Kraß, Queer Denken)
11 Bornemann, Ernest: Artikel: Sodomie, in: Bornemann, Lexikon Bd. 2, S. 386.
6
Arbeit zitieren:
Andrea Fiedler-Boldt, 2007, Die lesbische Frau des 19. Jahrhunderts als Objekt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Andrea Fiedler-Boldt's Text Die lesbische Frau des 19. Jahrhunderts als Objekt ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andrea Fiedler-Boldt hat den Text Die lesbische Frau des 19. Jahrhunderts als Objekt veröffentlicht
Andrea Fiedler-Boldt hat einen neuen Text hochgeladen
Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit ...
Das Zusammenwirken von Moderni...
Christoph Schweikardt
Das Schloß der Kinderfrau - Kleine Beiträge zur Literatur des 19. Und ...
Kleine Beiträge zur Literatur ...
Helmuth Nürnberger
Preußen - Deutschland und Rußland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Winfried Baumgart, Uwe Liszkowski, Werner Markert
Internationale Umschuldungen im 19. und 20. Jahrhundert
Eine Analyse ihrer Ursachen, T...
Horst Feldmann
Staat und Kirche im 19. und 20. Jahrhundert III
Dokumente zur Geschichte des d...
Ernst Rudolf Huber, Wolfgang Huber
0 Kommentare