Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 3
1 Telekratie - warum ein italienisches Problem? 4
1.1 Was bedeutet Telekratie? 4
1.2 Italien - eine Fernsehnation 4
1.3 Konsequenz des italienischen Konsumverhaltens: Die Meinungsmacher 5
2 Die Erfolgsgeschichte des Bauunternehmers, der auszog, die Medien zu be-
herrschen 6
2.1 Die Jugend des Silvio B. 6
2.2 Sein unaufhaltsamer Aufstieg - Wege, Helfer und ungekl arte Geldquellen 7
2.2.1 Der Wegbereiter 7
2.2.2 Die Geheimloge P2 7
2.2.3 Der gute Freund Craxi 8
2.2.4 Fininvest und die Wahlen 1994 und 2001 - zwei hart erarbeitete Siege 9
2.2.5 Die Mafia - oder : Die unsichtbare helfende Hand 9
3 Wie kann ein Einzelner eine Mediendiktatur aus uben? 11
3.1 Das italienische Mediensystem 11
3.2 Berlusconi: vom Medienzar und zum Ministerpr asident 11
3.3 Politisierung der Medien - Mediatisierung der Politik 13
3.3.1 Die Vermarktung des Produkts Berlusconi 14
3.3.2 Der Weg zur maßgeschneiderten Justiz 15
4 Pressefreiheit contra Medienmonopol - die Zukunft der italienischen Medien 16
4.1 Das umstrittene Legge Gasparri 16
4.2 Die europ aische Zukunft Itlaiens - ein potentielles Gegenmittel? 17
5 Schlusswort 18
Literatur 19
0 Einleitung 3
0 Einleitung
Viele L¨ ander dieser Welt st¨ utzen ihre Staatsgewalt auf die drei S¨ aulen der Demokratie: gesetzgebende, ausf¨ uhrende und rechtsprechende Gewalt. In unserer modernen Gesellschaft scheint es aber noch eine vierte Staatsgewalt zu geben: die Medien, die eigenst¨ andig und unabh¨ angig als Relativierungs- und Kontrollinstanz funktionieren, gewinnen immer mehr an Bedeutung - sie tragen zur Meinungsbildung bei, bestimmen die Wirklichkeitswahrnehmung der Konsumenten und bieten ihnen leicht erreichbare Informationsm¨ oglichkeiten. Wir leben heute in einer Mediengesellschaft. Soweit zur Theorie. Doch was passiert tats¨ achlich t¨ aglich vor unseren Augen und Ohren - was ist wirklich, was fiktiv? K¨ onnen wir den Medien noch blind vertrauen? Passen sich die (Massen-)Medien an die Bed¨ urfnisse der Menschen an oder manipulieren sie diese? Wovon und zu welchem Zweck werden Medien beeinflusst? In dieser Hausarbeit zum Thema Das Medienimperium des Silvio Berlusconi - Die italienischen Medien zwischen Autonomie und Diktatur m¨ ochte ich im Folgenden auf diese brisanten Fragen anhand des Beispiels von Italien eingehen.
Zun¨ achst m¨ ochte ich einf¨ uhrend auf das Ph¨ anomen der Telekratie zu sprechen kommen. Anschließend werde ich die zentrale Pers¨ onlichkeit Silvio Berlusconi von verschiedenen Standpunkten beleuchten, bevor ich dann die Konsequenzen des Machtmonopols Berlusconis in Politik und Medien aufzeige. Als zentrales Problem meiner Abhandlung stelle ich die Frage, wie es ¨ uberhaupt m¨ oglich ist, dass in einer modernen Demokratie eine Einzelperson eine derartige, nahezu absolutistische Mediendiktatur aus¨ uben kann und beschreibe danach die Art und Weise, wie Berlusconi seine politische und wirtschaftliche Macht zum Ausbau seiner Herrschaft gebraucht. Nachfolgend gebe ich einen kurzen Ausblick auf die Zukunft der italienischen Medien. Zum Abschluss meiner Arbeit gebe ich im Schlusswort meine pers¨ onliche Einsch¨ atzung zur zuvor geschilderten Sachlage.
1 Telekratie - warum ein italienisches Problem? 4
1 Telekratie - warum ein italienisches Problem?
1.1 Was bedeutet Telekratie?
Das Wort ”Telekratie” stammt aus dem Griechischen, bedeutet soviel wie ”Fernherrschaft” und ist in Analogie zu B¨ urokratie, Demokratie, Oligarchie etc. gebildet. Mit diesem Begriff bezeichnet man die politische Fernsteuerung der Gesellschaft durch das Fernsehen. Die Bezeichnung gelangte in die ¨ offentliche Diskussion vor allem durch die Wahl des Medienzaren Silvio Berlusconi 1 zum Ministerpr¨ asidenten Italiens. [1]
1.2 Italien - eine Fernsehnation
Italien ist seit jeher ein kontrastreiches Land, betrachtet man die politischen, kulturellen und vor allem sprachlichen Entwicklungen in den zahlreichen Regionen des Landes. Eine erste Errungenschaft des Fernsehens besteht darin, dass erst mit der Entstehung und Verbreitung von Massenmedien wie Presse, aber vor allem des Fernsehens in der Mitte des 20.Jahrhunderts, die Standardsprache Italienisch Realit¨ at wurde. Noch rund Hundert Jahre nach der Einigung zum Nationalstaat im Jahre 1861 sprachen die Menschen in Umbrien, Kampanien und Sizilien ganz verschieden. Der prozentuale Anteil der Analphabeten lag bei 80% - einzig das Fernsehen vermochte es, Standarditalienisch in k¨ urzester Zeit landesweit zu etablieren und das italienische Volk zu alphabetisieren. [2] Einen weiteren wichtigen Effekt erzielt das Fernsehen als Bildungstr¨ ager. Da dieses Medium gemeinsames Wissen um die eigene Geschichte und politische sowie gesellschaftliche Neuerungen unter die Leute bringt, funktioniert es gleichzeitig als kollektives kulturelles Ged¨ achtnis. Zuvor wurde diese Aufgabe nur notd¨ urftig durch Schule und Literatur erf¨ ullt - ohnehin lesen nur wenige Italiener regelm¨ aßig und ausf¨ uhrlich in der Presse.
Die Massenmedien pr¨ agen maßgeblich die Wahrnehmung der Italiener aus dem einfachen Volk. 2 Der Fernsehapparat ist st¨ andig in Betrieb; das TV-Programm bestimmt die Gespr¨ achsthemen in Familien, wird eifrig konsumiert und stellt eine fast ausschließliche Informationsquelle dar. In Italien sch¨ atzt man die Zahl der B¨ urger, die ’aufmerksam’ sind, wenn es im Fernsehen um politische Themen geht, auf 20 %, 50 % gelten als ’m¨ aßig aufmerksam’ und ganze 30 % als ’desinteressiert’. [3]
1 Ausf¨ uhrlicher siehe ab 2 der Gliederung.
2 Von einer d¨ unnen intellektuellen Schicht wird hierbei und auch im Laufe der Abhandlung abgesehen.
1 Telekratie - warum ein italienisches Problem? 5
Nun wird ersichtlich, welche umfassende Bedeutung das Fernsehen in der durchschnittsitalienischen Gesellschaft hat und dass man in diesem Falle zweifellos von einer Telekratie sprechen kann.
Wer oder was diese Herrschaft durch das Fernsehen aus¨ ubt und mit welcher Absicht, m¨ ochte ich im folgenden Punkt erl¨ autern.
1.3 Konsequenz des italienischen Konsumverhaltens: Die
Meinungsmacher
Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, haben die Italiener eine ganz eigene Beziehung zum Fernsehen.
Gerade weil das TV ihre einfachste Informationsm¨ oglichkeit ist, w¨ aren Italiener folglich stark beeinflussbar, sollte ihnen eine grundlegende F¨ ahigkeit zur Kritik fehlen. Betrachtet der aufmerksame Beobachter die Realit¨ at, wird er keine Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung haben.
In diesem Zusammenhang muss man auf die Neigung der Italiener zum Starkult eingehen. Denn tats¨ achlich sind sie so fixiert auf ¨ offentliche Pers¨ onlichkeiten im TV (Moderatoren, Entertainer, Sportler etc.), dass deren st¨ andige Bildschirmpr¨ asenz die Zuschauer in ihrer Meinungsbildung manipuliert. Das kann bedeuten, dass im Extremfall ein großer Teil des Publikums die Ansichten eines einzigen Moderators annehmen kann. Sollte es der Fall sein, dass diese Pers¨ onlichkeit selbst nur Sprachrohr einer bestimmten Interessengruppe ist, er¨ offnet sich sofort eine ganz neue Dimension, die Unabh¨ angigkeit und Unvoreingenommenheit der Medien betreffend - kurzum: es stellt sich das Problem der Telekratie. Das scheint die italienischen Zuschauer jedoch nicht ¨ uberm¨ aßig zu st¨ oren. Wahrscheinlich
ist eher, dass die meisten Italiener sich gar nicht bewusst sind, wie sie durch die Medien gezielt beeinflusst werden.
Als ”Meinungsmacher” ohne Gleichen kann man wohl den Ministerpr¨ asidenten Italiens bezeichnen - auf das Ph¨ anomen Silvio Berlusconi m¨ ochte ich ausf¨ uhrlicher im n¨ achsten Abschnitt eingehen.
2 Die Erfolgsgeschichte des Bauunternehmers, der auszog, die Medien zu beherrschen 6
2 Die Erfolgsgeschichte des Bauunternehmers, der auszog, die Medien zu beherrschen
In diesem Kapitel werde ich den Werdegang Berlusconis vom einfachen Mittelschichtskind bishin zum einflussreichsten Mann Italiens abhandeln. Ausgehend von seiner Kindheit und Jugend werde ich anschließend seinen Aufstieg darlegen und auflisten, wem und welchen Umst¨ anden er seinen Erfolg zu verdanken hat.
2.1 Die Jugend des Silvio B.
Silvio Berlusconi wurde am 29. September 1936 am Rande von Mailand geboren und wuchs in einem kleinb¨ urgerlichen Elternhaus auf. Der Vater war Bankangestellter, seine Mutter Hausfrau, demnach reifte ihr Sohn in einer aufstiegsorientierten Umgebung heran. Seine Eltern erwarteten von ihm, dass er sich im Leben bew¨ ahrt, sie investierten gleichzeitig in seine Bildung. Als externer Sch¨ uler in einem katholischen Internat erhielt er eine Erziehung, die auf Disziplin und gute Manieren ausgerichtet war. Nach Angaben eines seiner damaligen Lehrer sei Berlusconi ein aufgeweckter Junge gewesen, selbstsicher und mit der Neigung, sich in Szene zu setzen. [16] Einstige Mitsch¨ uler erinnern sich an seine ausgepr¨ agte Gesch¨ aftst¨ uchtigkeit; der junge Silvio habe sich mit Bonbons bezahlen lassen, wenn er einem Banknachbarn vorsagte. Un¨ ubersehbar war damals auch schon sein Talent, sich sicher und pr¨ azise ausdr¨ ucken zu k¨ onnen und stets zu verstehen, den Posten des Anf¨ uhrers einzunehmen - ob bei Schulauff¨ uhrungen oder in seinem Freundeskreis. Nachdem Berlusconi die Schule beendet hatte, begann er ein Jura-Studium an der Universit¨ at zu Mailand. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Staubsaugern oder als Alleinunterhalter auf Kreuzfahrtschiffen. Hierbei lernte er, sich als Entertainer beliebt zu machen und das Publikum f¨ ur sich zu begeistern - als zuk¨ unftiger Politiker war dies sicher eine nachhaltige Erfahrung.
In dieser Zeit eignete er sich nicht nur die F¨ ahigkeit an, sich gekonnt in Szene zu setzen, sondern machte auch Bekanntschaft mit Freunden, die ihm sp¨ ater als Manager oder ¨ ahnlich hohen Posten in seinen Unternehmen zur Seite stehen sollten.
Arbeit zitieren:
BA Carolin Behrens, 2005, Das Medienimperium des Silvio Berlusconi, München, GRIN Verlag GmbH
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