Prof. Dr. H. Eberspächer
1 Einleitung 3
2 Zum Begriff des Mentalen Trainings 3
3 Angst und deren Klassifikation 4
3.1 Umgang mit Angst. 5
3.2.1 Ängste unmittelbar vor dem Wettkampf 5
3.2.1.1 Regulation der Angst durch Progressive Muskelentspannung. 5
3.2.1.2 Regulierung der Angst durch Musik 6
3.2.1.3 Regulierung der Angst durch Selbstgespräche. 7
3.2.1.4 Reduzierung der Angst durch ideomotorisches Training in
Verbindung mit Taktiktraining 8
4 Praxisbeispiel eines Ideomotorischen Trainings. 9
5 Schlussbemerkung 10
2
CHRISTIAN HENZLER: Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion
1 Einleitung
Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, die vor ungefähr 2000 Jahren in Korea entwickelt wurde. Das Ziel dieser Kunst bestand darin, sich vor den Angriffen der Japaner zu schützen. Da die Japaner das Land oft mit Pferden angriffen, war es wichtig eine Verteidigung beziehungsweise Kampftechnik zu kreieren, welche imstande war, die Gegner auf den Pferden zu bekämpfen. Dafür wurden hohe Beintechniken entwickelt, die oftmals auch im Sprung ausgeführt wurden. Die heutige olympische Disziplin Taekwondo ähnelt der damaligen Kampfkunst jedoch wenig. Es spielen immer mehr taktische und psychisch-kognitive Faktoren eine Rolle, um den Wettkampf zu gewinnen, und die hohen Beintechniken verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Man versucht dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem man für Kopftreffer zwei beziehungsweise drei Punkte vergibt, wohingegen ein Rumpftreffer nur ein Punkt zählt. Dennoch kann man den Entwicklungstrend nicht aufhalten.
Diese Arbeit soll einige Möglichkeiten zeigen, wie man gezielt einige psychischkognitiven Fähigkeiten trainiert und sie am Wettkampftag integriert.
2 Zum Begriff des Mentalen Trainings
Mentales Training meint gedankliche und geistige Übung. In der Literatur wird häufig auch vom psychologischen Training gesprochen, wobei unter psychologischem Training vielfältige Methoden wie beispielsweise Muskelentspannungstechniken, Psychohygiene- Training, Autogenes Training, Aktiv- Therapie etc. verstanden werden. Es gibt eine Menge gleich bedeutender Termini, welche eine einheitliche Definition erschweren. Einige dieser Begriffe sind: Training auf höherer Regulationsebene, Training durch interne Realisation, inneres Probehandeln, imagery practice (bildhafte Übung) und visualization (Vorstellen).
Auch ideomotorisches Training wird von Janssen in diese Reihe von Begrifflichkeiten eingegliedert. Er definiert mentales Training als eine „individuelle, kognitive Strategie der Bewegungsoptimierung, indem Ausführungsvorschriften oder ausführungsbedeutsame Hinweisreize gedanklich wiederholt werden. Dabei kann man im Training Bewegungsskizzen (Konturprogramme), niedergeschriebene oder auf Audiokassette gesprochene Ausführungsvorschriften verwenden.“ (Janssen 1995, S.75)
Volkamer beschreibt es als „...das Erlernen oder verbessern eines Bewegungsablaufs durch intensives Vorstellen ohne gleichzeitiges tatsächliches Üben...“ (Baumann 1998, S.59) Beim Mentalen Training werden Vorstellungen regelmäßig, gezielt und kontrolliert eingesetzt, um Bewegungsabläufe zu erlernen, aufrechtzuerhalten und zu optimieren. Im Wesentlichen stimmen die Autoren darin überein,
3 Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion am Wettkampftag in der Sportart Taekwondo
dass das mentale Training als integrativer Teil des sportlichen Trainings durch psy-choregulative Techniken und Verfahren den idealen Trainingszustand erreichen soll. Diesen erlebt der Sportler als „Flow“- Gefühl. Angelehnt an Volpert (1977) kann man daher mentales Training als Überbegriff für „planmäßig wiederholtes, bewusstes Sich- Vorstellen einer sportlichen Handlung ohne deren gleichzeitig praktische Ausführung definieren“. Dabei untergliedert Richardson das mentale Training in die Typen des Verbalizers (Mental- sprachliches Training) d.h. die Vorstellung wird dadurch aufgebaut und verbessert, dass der entsprechende Bewegungsablauf per Selbstgespräch vergegenwärtigt wird. Der Observer (Mentales Training aus der Beobachterperspektive) betrachtet vor seinem geistigen Auge wie ein Außenstehender einen Film über den eigenen Bewegungsablauf. Der Visualizer (Mentales Training aus der Innenperspektive) und zugleich Ziel das angestrebt werden sollte, ruft sich die Innenperspektive einer Bewegung ins Bewusstsein. Ziel ist es, sich intensiv in die Bewegungsvorstellung hineinzuversetzen und die inneren Prozesse, die für eine möglichst optimale Ausführung der Bewegung notwendig sind, nachzuempfinden.
3 Angst und deren Klassifikation
Die Angst spielt während des Wettkampfes eine bedeutende Rolle. Oftmals ist das Phänomen „Trainingsweltmeister“ im Taekwondo zu beobachten. Während in Trainingswettkämpfen alles optimal zu laufen scheint, sieht es bei entscheidenden Wettkämpfen ganz anders aus. Hierfür ist nicht zuletzt die Angst verantwortlich. Bei der Klassifikation von Ängsten wird zwischen Angst als Zustand und Angst als Wesenszug differenziert. Grundsätzlich bezeichnet erstere einen augenblicklichen und vorübergehenden Zustand, wohingegen die Angst als Wesenszug eine chronische Erregungsbereitschaft darstellt (vgl. Schwarzer, 1993, S. 88). Des Weiteren unterscheidet Schwarzer zwischen Existenzangst, sozialer Angst und Leistungsangst. Unter Existenzangst versteht er die Angst körperlichen Schaden zu erleiden (vgl. Schwarzer, 1981, S.93). Hier ist sofort ersichtlich, dass diese Art von Angst in dem Taekwondo Wettkampf eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, da der Wettkampf im Vollkontaktmodus ausgeführt wird und folglich das Ziel darin besteht, dem Gegner in gewisser Weise Schmerzen zuzufügen. Bei der sozialen Angst steht das Gefühl der Selbstwertbedrohung im Vordergrund. Es wird befürchtet, dass die eigene Person durch andere Personen bewertet wird. Dieser Zustand tritt immer dann ein, wenn sich eine Person „überlegt, was andere wohl von ihr halten“ (Schwarzer, 1993, S. 73). Die Leistungsangst entsteht durch die subjektiv empfundene Bedrohung des Selbstwertes, die durch die jeweilige Leistungssituation ausgelöst wird. Diese Form der Angst kommt immer dann besonders zum tragen, wenn die betreffende Person sich in einer Prüfungssituation befindet und eine Angst vor einem möglichen Misserfolg besteht. Da der sportliche Wettkampf eine Form von
4 CHRISTIAN HENZLER: Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion
Arbeit zitieren:
Christian Henzler, 2005, Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion am Wettkampftag in der Sportart Taekwondo, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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